1871 / 17 p. 5 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Eisenbahn-Prioritäts-Aktien und Obligationen.

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297 Erste Beilage zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

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Dienstag den 23. Mai. 1871.

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Redaction und Rendantur: Schwieger.

Berlin, Druck und Verlag der Königlichen Geheimen Ober - Hofbuchdrukerei

(M. v, Velér ),

Hier folgen zwei Beilagen und die Verlust-Liste Nr. 240

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Reichstags - Angelegenheiten.

Berlin, 23. Mai. Jn der gestrigen Sigung des Reich 8- tages nahm der Präsident des Bundesfkanzler-Amts, Staats- Minister Delbrü, in der Diskussion über §. 2 des Gesch- Entwurfs, betreffend die Vereinigung von Elsaß und Lothrin-

gen mit dem Deutschen Reich, nah dem Abgeordneten Dunker das Wort:

Meine Herren! Da meines Wissens nur der §. 2 der Vorlage zur Diskussion steht, so werde ih mir erlauben, mich auf die Amende- ments zu beschränken, welche zu §. 2 gestellt sind. Das sind die beiden Amendements des Herrn Abgeordneten für Berlin und Ge- nossen, die unter 1 und 2 der Nummer 141 der Drucksachen Jhnen vorliegen, und die dahin gehen, daß im ersten Alinea statt »1. Ja- nuar 1873« geseßt werden soll: »1. Januar 1872« und im zweiten Alinea statt der Worte N Verordnung des Kaisers mit Zustim- mung des Bundesrathes« geseßt werden soll: »durch Reichsgeseß«.

ch muß Sie bitten, diese beiden Amendements abzulehnen. Jn den Augen der verbündeten Regierungen würde die An- nahme dieser Amendements der Verwerfung. der Vorlage glei stehen. Aus der Begründung des Herrn Vorredners habe ich eigentlich die Folgerung zu ziehen gehabt, daß er fkonse- quenter Weise fein erstes Amendement dahin hätte stellen müssen: »die Verfassung des Deutschen Reiches tritt in Elsaß und Lothringen sofort in Krafi.« Das war konsequent, das roar klar und thatsächlich durchaus niht unausführbar. Denn daraus würde ja kei- neswegs folgen , daß nun am nächsten Tage Abgeordnete von Eltaß und Lothringen hier im Saale ihren Siß einnehmen; die Wahlen aber würden sich rasch genug besorgen lassen; denn darin hat der Herr Vorredner ganz reckcht , statistisch is man hinlänglich informirt über die nothwendigen Wahlbezirke. Das wäre klar und konsequent und hervorgegangen aus dem von ihm ausgesprochenen Gedanken, daß er den verbündeten Regierungen nicht Vertrauen schenkt; welches nöthig ist, um ihnen die Vollmacht zu ertheilen, die hier ver- langt wird. Für meine Stellung hier würde das eine Amendement enau \o viel sagen, wie das andere. Der Gedanke, der der S ortage zu Grunde liegt, ist der, die verbündeten Regierungen in die Lage zu seben, die Organisation von Elsaß und Lothringen bis u cinem gewissen Umfange selbständig durchführen zu können. Dazu is ein Termin, wie der 1. Januar 1872, viel zu kurz für einen eden, der sich vergegenwärtigt, welhe Aufgaben dabei zu lösen sind. ch rede hier nicht sowohl von einer großen Menge neuer organischer

eseße, sondern eben nur von den Einrichtungen, die nöthig sind, um. in den verschiedenen Zweigen der Verwaltung diejenigen Organisa- tionen zu treffen, deren es bedarf. Für die Durchführung eines solchen Planes reicht die Zeit biz zum 1. Januar 1872 im Ent- ferntesten nicht aus. Jh habe formell kein Ret zu deduziren , daß auch der 1. Januar 1873 dafür zu kurz ist, es liegt ja kein Antrag vor; in Vezug - auf den 1. Januar 1872 wiederhole id), daß eine planmäßige Durchführung und Organisation bis dahin niht mögli ist, und daß die verbündeten Regierungen nicht in der Lage sind, mit einer Organisation zu beginnen, die nachher in ihrer Mitte zu unterbrechen ist und dem Bereich der Gesehgebung anheiin- fällt, sie würden es in diesem Falle vorziehen , gar nicht damit zu beginnen. Was das zweite Amendement betrifft , was an sih von dem ersten unabhängig ist es könnte angenommen werden , auch wenn das Erste verworfen würde, —so erlaube ih mir darauf aufmerksam zu machen, daß die n Einführung der Reichsverfassung, wie au von dem Hrn. Vorredner thatsächlich erwähnt ist, ein wesentliches Interesse hat in Bezug auf die Möglichkeit, die Zollgrenze zwischen Deutschland

und Elsaß-Lothringen aufzuheben. Der Moment, wann dies eintreten

wird und es wird vermuthlich für den ganzen Tarif nicht an ein und demselben Tage eintreten ist zur Zeit noch nicht zu bemessen es ist deshalb, sofern man nicht entweder cine ganz unbestimmte Dauer- des Reihbtags in Autsichi nähme oder cine an sih richtige Makßregel, die Herstellung des Verkehrs zwischen Elsaß-Lothringen und Deutschland unnöthigerweise ausschieben will, ganz unerläßlich, einzelne Theile der Verfassung im Wege der Verordnung, wie es die Vorlage vorsieht, einzuführen. Tch könnte in dieser Beziehung noch auf andere Theile der Verfassung, auf die Abschnitte über Post und Telegraphie Bezug nehmen, .es würde das mit gleichem Recht geschehen können. Das Wichtigste und Eingreifendste is die Frage der Herstellung des freien Verkehrs mit Elsaß-Lothringen. Aus diefen Gründen bitte ich Sie, beide Amendements abzulehnen.

Ueber die Abänderungs-Anträge zu §. 3 äußerte der Staats-Minister Delbrück: S :

Meine Herren! Erlauben Sie mir, daß ich mi über die verschie- denen Abänderungsvorschläge zu F. 3 zusammengenommen äußere; und zwar zunächst zu dem Abänderungsantrage , welcher von dem Herrn Abgeordneten für Dresden gestellt und soeben vertheidigt wor- den ist und mit welchem ich, wie ih glaube, den Abänderungsantrag des Herrn Abgeordneten für Kiel verbinden fann, weil in der Haupt- sache beide Anträge auf dasselbe hinauslaufen. Beide Anträge wollen, daß die Geseßgebung, so lange der Reichstag an der- selben nicht Theil nimmt, nur ausgeübt werden soll nach vorgängiger

Vernehmung einer aus allgemeinen Wahlen hervorgegangenen Landes- versammlung für Elsaß-Lothringen, welche ihrerseits nur einen begut- achtenden Charakter haben soll. Jch kann mich gegen diese beiden Amendements nur ganz bestimmt auësprechen und Sie bitten, dieselben abzulehrien. Daß die verbündeten Regierungen die Absicht haben, bei den von ihnen zu ergreifenden geseßlihen und administrativen Maßregeln allgemeinerer Bedeutung nicht ohne zuvoriges Einvernehmen mit Män- nern aus Elsaß-Lothringen selbs vorzugehen, das is sowohl in den Moti- ven der Regierungsvorlage ausgesprochen, als auch in Jhrer Kommission erklärt worden. Davon aber etwas ganz Verschiedenes is die von den Herren Antragstellern in Ausficht genommene gewählte begut- achtende Versammlung. Meine Herren, ich würde, wenn überhaupt auf den Gedanken einzugehen wäre, dann eine beschließende Versamm- lung der begutahtenden weit vorziehen. Eine begutachtende Versamm- lung kann nah meiner Ueberzeugung nur da nüßlich wirken, wo sie althergebraht ist, wo sih ein bestimmtes Verhältniß zwischen einer solchen Versammlung und der Regierung gebildet hat und man gegen- seitig die Stellung kennt, die man zu einander einnimmt. Unter den neuen Verhältnissen, wie sie“ hier vorliegen, würde ich eine begutahtende Versammlung für die verkchrteste Schdöpfung halten, die man machen kann. Eine beschließende Ver- [amn trägt wenigstens bis zu einem gewissen Maße das Gefühl der Verantwortlichkeit in sich; cine begutachtende Versammlung kann niemals und wird nicmgls die Empfindung der Verantwortlichkeit haben. Unter den Verhältnissen, wie sie hier vor- liegen, würde eine begutachtende Versammlung gar nichts anderes heißen, als die Eröffnung der Schleusen für den Einbruch aller berech- tigten und unberechtigten Wünsche, die immer eine Majorität finden würden, weil man si sagen würde: wir haben ja doch nur cin Gut- achten abzugeben; es wird sich nachher finden, was daraus wird. Aus diesem Grunde kann ih mi nur ganz entschieden gegen dieses Amende- ment aussprechen. Tch komme nun zu den zu §Ÿ. 3 gestellten Amende- ments des Herrn Abgeordneten für Berlin und Genossen. Das eine geht dahin, im zweiten Alinea des §. 83 einzuschalten »und des Reichstage8«s also mit anderen Worten; die Mitwirkung des Reichstages bei der Geseßgebung sofort eintreten zu lassen , mit der E jedoch , daß analog einer Bestimmung in der preußischen L etfaffurig in dringenden Fällen unter Vorbehalt der na@träglichen Genehmigung des Reichstages Verordnungen mit Geseßeékraft ergehen können. Jch muß mich auch gegen dieses Amendement aussprechen. Jh will ganz unerörtert lassen, ob die betreffende Bestimmung in der preußischen Verfassung an sich gut is oder nit, sie steht hier nicht in Frage, es steht hier in Frage, 0b sie auf andere Verhältnisse Übertragen werden soll, und diese Frage kann ich nux ganz entschieden verneinen. Es ist {hon von ‘anderer Seite darauf hingewiesen, und ich stimme damit auf das Vollkommenste überein , daß eine solhe nac)- trägliche Zustimmung zu Verordnungen ; die der Kaiser mit dem Bundesrathe erläßt, gerade den Verhältnissen gegenüber, wie sie in Eisaß-Lothringen bestehen, nichts anderes heißen würde, als eine Er- \{chütterung des Rechtszustandes, den man einführen will. Es mag eine Verordnung noch so ideal sein und die verbündeten Regierungen mögen mit noch so gutem Rechte auf die nahträglice Genchwigung des Reichstags zählen können, es wird immer eine große Menge Leute geben, denen éine sclhe Verordnung nicht recht ist, und die es für ihre Aufgabe ansehen , eine solche provisorische Verwaltung als nicht zu Recht bestehend zu betrachten. Ein ferneres Amendement des Herrn Abgeordneten für Berlin geht dahin, zu seßen im F 3 Alinea 4, statt »Verfassung«, »Reich8verfassung.« Jch habe gegen dieses Amendement, welches eine rein redaktionelle Frage betrifft, keine Einwendungen zu erheben. Ferner aber: siatt »bis zu anderweiter Regelung dur Reich8geseß« zu seten: » bis zur Feststellung einer Landesver- fassung für Elsaß und Lothringen durch ein Reichsgeseß.« Th muß mich auch gegen dieses Amendement aussprechen, es entsckecidet von vornherein in einer bestimmten Form eine Fragey zu deren Entscheidung nah meiner Ueberzeugung weder die verbünde- ten Regierungen noch der Reichstag im Augenblick genügend infor- mirt ist. Jch beschränke mi auf diese Bemerkungen, der Herr Refe- rent hat dasjenige, was ich sagen kann, in seinem einleitenden Vor- trage zum §.3 vollständig ausgeführt. Jh komme endlih zu dem Amendement der Herren Abgeordneten für München und Meiningen, welches dahin geht, den Kaiser und den Bundesrath an die Zustim- wung des Reich8tages bei solchen Gesehen zu binden, welche Elsaß und Lothringen mit Anleihen oder Uebernahme von Garantien be- lasten. Meine Herren! Jn Bezug auf dieses Amendement is mir zunächst nach der Begründung des einen Herrn Antragstellers nichi ganz flar geworden, ob seine Tragweite dabin geben soll, die in der bestehen- den französishen Geseßgebung begründete Befugniß der Depzrtements8, ihrerseits Anleihen und Garantien zu übernehmen , eine Aenderung erfahren zu lassen. Js das nun, wie ih annehmen darf, nicht der Fall , so kann ich doch nicht umhin , auf die Bedenken hinzuweisen, welche der Annabme dieses Amendements entgegen stehen. Es ift im Voraus ganz außftrrordentlich {wer zu übersehen, ob es nicht zur raschen Herstellung gewisser gemeinnüßiger Unternehmungen der Kon- trabirung einer vielleicht gar nicht sehr erheblichen Anleihe bedarf; ih erinnere an die Eventual:tät, ich sage ausdrücklich Eventualität ,- die sich ergehen könnte bei der, wie ih glaube, von alien Seiten ge-

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