1871 / 19 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

32

Heute früh um 9% Uhr empfingen Se. Majestät die Hof- marshälle und von 10 bis 1 Uhr die Vorträge des Kriegs- Ministers und des General-Adjutanten von Tresckow. Einem Theile der Vorträge wohnten Se. Kaiserliche Hoheit der Kron- prinz _ und die Generale Graf Moltke und von Podbielski bei.

Sodann ertheilten Se. Majestät Audienzen dem General- Süperintendenten Schulz, dem General-Major von Strany und dem bisherigen Botschafter in Paris Baron von Werther.

Um 2 Uhr begaben Sich Se. Majestät nah dem zoolo- ischen Garten und machten um 4 Uhr Ihrer Königlichen

oheit der Prinzessin Louise im Schlosse Monbijou einen |

Besuch.

__— Des Kaisers und Königs Majestät haben an Se. Königliche Hoheit deri Prinzen Carl von Preußen, Het meister des Johanniter-Ordens, einen Allerhöchsten Befehl er- lassen, welchen Se. Königliche Hoheit in dem »Wochenblatt der Johanniter - Ordens - Balley Brandenburg« in folgender Weise veröffentlicht : :

Ich habe während des jeßt beendeten Krieges verschiedents- lih Gelegenheit gehabt, Mich persönlich von den außerordent- lichen und rühmlichen Leistungen des Johanniter - Ordens zu Überzeugen. Der Mir von Eurer Königlichen Hoheit unterm 4. Mai d. J. vorgelegte Bericht giebt mir erneute Veranlassung, Mich der aufopfernden und ersprießlichen Thätigkeit der Milt- glieder des genannten Ordens auf dem Krieg8schauplazte zu er- innern; Jh beauftrage deshalb Eure Königliche Hoheit , den- selben Meine volle Anerkennung auszusprechen, Gleichzeitig empfangen Eure Königliche Hoheit Meinen aufrichtigen Dank für die zweckentsprechende Organisation und Leitung, welche bei allseitiger Opferwilligkeit die von dem Orden erzielten rühm- lichen und segensdreichen Resultate ermöglicht hat.

Berlin, den 14, Mai 1871. TVilhelm, An des Prinzen Carl von Preußen Königliche Hoheit.

Es gereicht Mix zur besonderen Freude und großen Ge- nugthuung, diesen Allerhöchsten huldreichen Befehl zur Kenntniß der Mitglieder des Johanniter-Ordens bringen zu fönnen.

Rerlin, den 17. Mai 1871.

__ Carl, Prinz von Preußen, Serrenmeister,

Der Ausschuß des Bundesrathes und die vereinigten Ausschüsse desselben für und die Festungen und Sigzungen ab.

In dem weiteren Verlauf der gestrigen Sizun des Deutschen Reichstages wurde der Antrag der oa De als mas und Dr. Köchly, welcher den Reichskanzler auffordert, sofort

für Justizwesen ) das Landheer für Rechnung8wesen hielten beute

die Neugestaltung des gesammten Unterrichtswesens. in Elsaß und Lothringen unter möglichster Schonung bestehender Ver- C E in die Hand zu nehmen, zu diesem Qweek ein Landes- Schulkollegium zu bilden, in Straßburg eine Universität auf- zurichten und die dortige Bibliothek wiederherzustellen, gegen ‘eine starke Minorität der liberalen Parteien ab elehnt, dagegen der Antrag des Abg. Dr. Wehrenpfennig, der sich lediglih auf die Aufrichtung einer Universität in Straßburg beshränkt, fast cinstimmig angenommen. : Nach Erledigung zahlreicher Sißung um 4 Uhr geschlossen.

Die heutige (43.) Plenar-Sißung des Deutschen Reichstages wurde um 11 Uhr durch den Präsidenten U Simson eröffnet.

__ Am Tische des Bundesrathes befanden si der Reichskanzler

ürst von Bismarck, die Staats - Minister Delbrück, von

freßschner, v. riesen, v. Succow, v. Mittnacht und andere Bundesbevollmächtigte, sowie mehrere Bundes-Kommissare.

Zunächst wurde die Ermächtigung zur strafrechtlichen Ver- folgung der Nr. 6 der Hannoverschen Landes8zeitung vom 0. April und der Nr. 30 und 34 der in Leipzig erscheinenden Zeitschrift »Der Volksstaat«, welche von der Königlichen Kron- Oberanwaltschaft zu Celle und der Königlich sächsishen Regie- rung beantragt worden ist, auf den Antrag der Kommission für die Geschäfts-Ordnung einstimmig versagt. (Referent: von Puttkamer-Fraustadt.) i

Alsdann trat das Haus in die dritte Berathung des Gesehe entwurfs, betreffend die Bereinigung von Elsaß und Lothringen mit dem Deutschen Reiche , cin, für welche an Amendenrents zu der Fassung, die in der zweiten Berathung beschlossen wurde, heute nur die vom Abg. Revscher für die dritte Berathung auf- gesparte und schon im Voraus vom Staats-Minister Delbrück

Wahlprüfungen wurde die

Herren-

6 :

Ee genauere Präzisirung der Vertragsbestimmungen im . 1 vorlag, auf denen die Vereinigung der abgetretenen Ge,

biete mit dem Deutschen Reiche beruht. Außerdem hat der

Abg. Duncker seine früher bereits abgelebhnten nträge zu g. 9

und §. 3 erneuert.

n der Generaldiskussion führte zunächst der Abg. von Taczanowski noch einmal die Gründe vor, aus denen die polnischen Akgeordneten sich der Abstimmung enthalten würden und der Abg. Bebel die seinigen, i Annexion stimme.

zulegen und seinen entschiedenen Widerspruch gegen zwei vom

einmal gegen die Verlegung Reichsverfassung vom 1. Januar 1874 18/73 und sodann gegen den Zusag zu §. 3, den Antrag der Abgeordneten von Lasker angenommen wurde,

Reichtages gebunden sein soll. Jn der leßteren Amendirung er- kannte der Reichskanzler ein Mißtrauensvotum, gerichtet gegen seine mit der Verwaltung von Elsaß und Lothringen zu betrauendè Person, daß es ihm unmöglich mache, “ein solhes Mandat anzunehmen, vielmehr ihn dazu nöthige, den Geseßentwurf zurückzuziehen, einen neuèn vorzulegen und die Ernennung eines besonderen Ministers für Elsaß und Lothringen Sr. Majestät dem Kaiser zu über- lassen. Der Reichskanzler sei fest entshlossen, fich Elaß und Lothringen nicht kreditlos und vom Mißtrauen des ReichStages begleitet, gegenüberstellen, ebensowenig den Reichstag si als Landtag für Elsaß und Lothringen substituiren zu lassen.

verfassung gewählt und die Frage der Schuldenkontrahirung

Als der Reichskanzler auch nach diesen Erklärungen seinen

Staufsenbergschen Jusates) cingebracht. Bei Schluß des Blattes (Meppen), der in dem Vortrage des Reichskanzlers mannig- fache Anfnüpfungs8punkte und werthvolle Anschauungen fand, deren Bethätigung den Eisässern und Lothringern nur will- fommen sein könne. ha

Wirksamkeit getreten und behufs Coblenz zurückgekehrt.

Die Vermittelung des Postverkehrs für die in Straßburg garnisonirenden Truppentheile des XVY. Armee-Cor\8s wird von dem Postamte in Straßburg (Elsaß) übernommen.

__ _Sacbsen. Dresden, 24. Mai. die Herzogin von Genua ist,

der Demobilmachung nach

zurückehrend, heute Mitkag in Jahnishausen eingetroffen.

den Rückmarsch antreten kann. scheinlih bis Frankfurt marschiren. Braunschweig, 24. Mai. In der gestrigen Sizung der Landes8versammlung wurde über die Erleichterung der Einquartierungslast verhandelt; darauf wurde ter Bericht des Auss{usses der Landesversammlung über die während der Ver- tagung vom 30, März bis zum 27. April d. J. vorgekommenen Geschäfte berathen. Die Versammlung beräth darauf die Gesezesvorlage, die Stellung des Polizeimilitärs in militärischer und strafrechtlicher Beziehung betreffend. ; Sachsen-Coburg-Sotha, Coburg, 22. Mai. Der

Gotha ist am 19. d. M. in Gotha eröffnet worden. Die Re- gierungs8vorlagen bilden: cin Geseßentwurf, die Ausführung

ein Antrag auf Erhöhung der Besoldung der Beamten des

aus denen er gegen die |

Alsdann ergriff der Reichskanzler Fürst Bismarck dag | Wort, um in eingehendem Vortrage seinen Plan, die abgetre- | tenen Gebiete während des Provisoriums zu verwalten , dar: |

Hause beschlossene Amendirungen der Borlage auszusprechen, | des Einführung8termins der | auf den 1. Januar | u §. 3, der auf | Stauffenberg und k nah welchem der Kaiser bej | Geseßen, welhe Elsaß und Lothringen mit Anleihen oder | Uebernahme von Garantien belasten, an die Zuftimmung des |

_ Die Abgg. Schulze und Lakker führten aus, daß ihnen | nichts ferner liege als auch nur den Schein eines Mißtrauens | gegen den Reichskanzler aufkommen zu lassen. Sie hätten nur ! nach bestem Wissen den Einführungstermin für die Reichs- |

mit den konstitutionellen Formen zu umgeben gesucht, welche, | so lange die staatlihe Formation. von Elsaß und Lothringen | noch nicht zu Stande gekommen sei, ihnen nothwendig erscheine. |

Widerspruch aufrecht bielt, wurde von den Abgg. Grafen Kleist, *

Herzog von Ujest u. A. der Antrag auf Wiederherstellung der | Borlage in §. 2 (1874 statt 1873) und in Go (Strei des |

spra der Abg. Dr. Windthorst |

Das Feld-Postamt des XY. Armee-Corps is} außer |

- jeßt genauere Berichte in englischen Blättern vor.

Ee REniglide Qogel zog | n Lurin kommend, - und | Ihre Königliche Hoheit die Kronprinzessin , aus Frankreich 4

__— Wie das »Dresdener Journal« bestätigt, stebt bei der F fortdauernd günstigen Entwickelung der Verhältnisse in Frank- F reih auch die Rückkehr des Königlich sächsischen Armee-Corps È bevor, und zwar in der Weise, daß dasselbe gegen Mitte Juni | Die Truppen werden wahr- |

gemecinschaftlihe Landtag der Herzogthümer Coburg und |

des Bundesgesehes über den Unterstügungs-Wohnsig betreffend, |

Ober-Appellationsgerichts zu Jena und das Postulat der Auf- | hebung der Bestimmung, nach welcher den pensfionirten Sea

327

ein Fünftel ihres Ruhegehaltes abgezogen wird, wenn sie außer- halb des Landes ihren Wohnsiß nehmen. /

Im hiesigen Refidenzschlosse werden Zurüstungen zum Empfang hoher Gäste -getroffen; man erroartet zunächst die Ankunft des Kaisers von Brafilien.

Anhalt. Dessau, 24. Mai. Eine Beilage des » Anhalt, Staats - Anz « veröffentliht das Programm der am 26. Mai stattfindenden Beisezurg der Leiche des verstorbenen . vorher wird am genannten Tage um 9 Uhr im- Riftersaale des Herzoglichen Schlosses ein Trauergotte8sdienst. abgehalten

werden. R

HDefterreich- Uügaru, Wien, 24, Mai. (W. T. B) In der heutigen Sigung des Abgeordnetenhauses beantragte Smolka, die Adreßdebatte von der Tages- ordnung abzuseßen, damit er und seine Partei den Ge- enstand reiflih in Erwägung ziehen können. Herbst P lantraaie Namens des Verfassungs8ausschusses, welcher während einer kurzen Unterbrehung der Sißzung zusamntengetreten war, die heutige Sißung zu schließen und die Gegenstände der heu- tigen Tagesordnung in der morgen stattzufindenden Sißung zu erledigen. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Prag, 24. Mai. Jhre Königliche Hoheit die Großherzogin Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin ist am 21. d, M. zux Kur ia Marienbad eingetroffen. Beigien. Brüssel, 24. Mai. estern die General - Diskussion über das Wahlreform - Geseß. Eisad Pascha, auf der Rückreise von Berlin nah Konstan- tinopel begriffen, wohnte der Sigung -bei. : Die Repräsentantenkammer begann die General- Diskussion über das Budget für die öffentlichen Arbeiten im ITahre 1871, Großbritannien und Irland. London, 23, Mai, Im Oberhause erkundigte si in der gefirigen Sißung der

O E E

Der Senat begann

„Marquis von Salisbury beim Minister des Auswärtigen, ob

die Regierung beabsichtige, vor der Erörterung des von Earl Russell für den 12. Juni angekündigten Antrages zur Ratifi- tation des mit Amerifa abgeschlossenen Vertrages von Washing- ton zu schreiten. Lord Granville erwiderte, es sei Usance,

Verträge dem Parlament erst nah deren Ratifikation vorzu-

legen. Die Vorlage zur Föderation der Leewards Jnselgruppe passirte die Ausschußberathung und mehrere andere Vorlagen rückten ein Stadium weiter. ;

Ja der gestrigen Nachtsißung des Unterhauses er- klärte der Unterstaatssekretär des Auswärtigen, in Erwiederung einer desfallfigen Jnterpellation, das auswärtige Amt habe

bis jeyt keine bestätigende Mittheilung über die gemeldete Ein-

nahme von Herat empfangen, Nach einigen geschäftlichen

Mittheilungen des Premier-Ministers seßte das Haus die Aus-

shußberathung des Armeecreform-Geseßes fort.

Der neue Gesandte der Vereinigten Staaten am Hofe von St. James, General Schenck, wird dem Vernehmen nach ersi nah der Ratifikation des Vertrages von Washington sich

auf seinen Posten nach London begeben. Frankreich. Ueber die Einnahme von Paris liegen So wird er »Times« von ihrem Versailler Korrespondenten unterm 22. Mai geschrieben: »Das gestrige Ereigniß kam Jedem über- raschend. Es wurde erwartet, aber nicht gestern. Sogar Mar- {hall Mac Mahon glaubte, daß es noch mindestens sechstägiger Vorbereitungen bedürfen würde, um die Schlußbewegung aus- führen zu können: Eine gewisse Anzahl Truppen befand sich innerhalb der Ringmauer, ohne daß es außer ihnen irgend Je- mand wußte, und Auteuil wie der Point du Jour wurden noch beinahe zwei Stunden lang beschossen , nachdem die Po- sitionen in den Besiy der Versailler Truppen gelangt waren. - Gegen 3'/, Uhr waren, Dispositionen ausgeführt worden, um sowohl Auteuil wie den Point du Jour- in genügender Stärke zu okkupiren und nach den anderen rechts und links gelegenen Thoren vorzurüken. Die Thore und die Zugbrücke von Auteuil waren mehrere Tage vorher demolirt worden, aber die Insurgenten hatten an deren Stelle eine riesige Barrilade aufgeführt, welche die die Eisenbahnsiation mit dem Viadukt

verbin dende eiserne Brücke abschnitt. Die Division des Generals |

Vergó marschirte direkt auf Auteuil. Kaum war die erste Kolonne daselbst angekommen, als von den in den Häusern

versteckten Jnsurgenten ein Mus8ketenfeuer auf dieselbe eröffnet |

wurde. Eine geringe Anzahl der Truppen wurde durch dieses Fru fanbfunfäbia, e die Artillerie der Division wendete ihre Stücke auf «den Wällen gegen den Feind; Mitrailleusen wurden von den Truppen requirirt und binnen einer Stunde waren die Insurgenten ins Weite entflohen. General Douay's Division rückte zu dem am Point du Jour gelegenen Thore von St- Cloud ein und beseßte den aus-

_

Herzogs; |

springenden Winkel zwischen den Schanzen und dem Viadukt. Hier befand sich eine zweite Bastion von beträchtlicher Solidität. DieSoldaten betraten diehalbzerstörten Barracken und Kascmatten und machten eine Anzahl dort versteckter Jnsurgenten zu Ge- fangenen. Dann #twourden sofort Vorkehrungen getroffen, um rechts und links vorzurücken, da aber der Feind längs der Bastionen zwishen Vaugirard und Montrouge noch immer ein Geschüßfeuer aus Siebenpfündern und Mitrailleusen unter- hielt , wurde ein Sturm auf diese Positionen beschlossen , den General Cissy's Division erfolgreich ausführte, Die Divisionen begannen - durch die Thore von Vaugirard und Montrouge einzumarschiren. Heute Morgen um 2 Uhr wurde la Muette. ohne ernstlichen Widerstand olkupirt. Eine Division rückte hierauf nach Pafsy vor , um sih mit der, welhe La Muette genommen, zu vereinigen, und General Vinoy’'s Division ‘soll nun auf dem Trocadero stehen.

Thiers und Mac Mahon sahen dem Einzuge der Bersailler Truppen dur die Porte St. Cloud vom Mont Valerien aus zu. Heute inspizirte Thiers die Operationen am genannten Thore. Die Versailler Truppen sind bis zur Brücke von Grenelle vorgerückt, welche sie, wie auch den Via-

dukt von Auteuil, Billancourt und viele andere Positionen

okfupiren. Fast alle strategishen Punkte von Wichtigkeit an der Süd- und Westseite von Paris sind jeßt von den Versailler Truppen beseßt. Nachdem General Douay dem aus 20,000 Mann bestehenden Cissyshen Corps die Thore von Banves, Issy und Grenelle geöffnet, sind Vaugirard, Grenelle, die Ecole militaire und die außenliegenden Straßen des Faubourg St. Germain von demselben beser. California und Petit Montrouge find ebenfalls im Besiy der regulären Armee, welche Fort Montrouge somit von seiner Operationsbasis ab- geschnitten hat. F

—- Die ganze Nacht hindurch wurde .die Sturmglocke ge- läutet und der Generalmarsch geschlagen; aber die Mehrzahl der Nationalgardisten, anstatt diesem Appell der Kommune Folge zu leisten, interpretirte diese Aufforderung als ein Signal ur Entwaffnung und Ablegung der Uniform. Die Versailler Seuppen haben den Trocadero passirt und bahnen sfich einen Weg durch die Avenue d’Eylau, Avenue Wagram, Boulevard Malesherbes, Boulevard Haußmann u. \. w., um die Barri-

kaden zu umgehen.

Versailles, 24. Mai. (W. T, B.) Wie die »Agence Havas8« meldet, haben die Jnsurgenten außer dem Louvre und den Tuilerien auch den Palast der Ehrenlegion und des Staats- rathes sowie andere Gebäude in Brand gesteckt, Die Regierungs8- truppen sind auf dem linken Flügel bis über Belleville hinaus, im Centrum bis zum Louvre und den Hallen, auf dem rechten Flügel bis zum Observatorium vorgedrungen.

Nachmittags 3 Uhr. Heute Nachmittag wurde von Paris her eine starke Explosion vernommen. Nähere Mit- theilungen darüber liegen noch nicht vor. Die Tuilerien sind durch die Feuersbrunst vollständig zerstört worden. Die Galerien des Louvre konnten ge- rettet werden.

Abends. Aus Paris wird von 5 Uhr Abends gemeldet, daß der Kampf gegen den Nordbahnhof, das Stadthaus und an anderen Orten fortgeseßt werde. Die Explosion, welche gestern bis nah Versailles gehört wurde, fand im Luxemburgs- Palaste statt, welchen die Insurgenten theilweise in die Lust sprengten. Das Palais Royal sicht in Flammen. Man glaubt, daß ein Drittheil des Louvre gerettet werden dürfte. Mac Mahon hat sein Hauptquartier auf den Vendôme- plag verlegt; die Truppen seßen die Operationen kräftig fort und sind vom besten Geiste erfüllt. Man hofft, daß die Jn- surrektion morgen vollständig unterdrückt sein werde. Jn der Citó wüthet eine Feuersbrunst; man is darüber in Zweifel, ob der-Justizpalast oder die nahe gelegene Kaserne brenne. Ein dichier Rauch bedeckt Paris ; ein Regen von Asche fällt unaus§- geseht nieder. g E

In der National-Versammlung theilte Thiers

des mit: s ias nicht, um Sie zu trösten: ih bin selbst untröstlih über das Unglück, welches dav Land beiroffen hat. Vor Allem er- [lauben Sie mir, zu sagen, daß die Jusurrefktion besiegt ist. Die Tris kolore weht auf dem größten Theile von Paris. Der von den Jn- surgenten begangene verabscheuungswürdige Akt des Vandali8mus ist- nur ein Aft der Verzweiflung. Wir waren gestern bis zum Opern- plaß und bis auf den Montmartre vorgedrungen und hatten den Bendôme - Plaß, die Tuilerien und den Louvre umringt, Auf dein linken Seine - Ufer hatte General Cissey die meisten wichtigen Punkte beseßt. Die Generale wollten Nachts nicht in einer Stadt, wie Paris is, operiren. Es verhinderten dies auch strategische Gründe, übrigens wäre Niemand im Stande gewesen, die Ruchlosen an der Ausführung des Vorhabens zu verhindern, welches sie beschlossen hatten. Die Flammen erhoben \sich über den Gebäuden des Finanz-Ministeriums, des Staatsrathes und des Rehnungshofes. Es war unmöglich, etwas