1871 / 26 p. 13 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

__ Der große, von all’ diesen Baulichkeiten umschlossene Ho ist dur< aëphaltirte Verbindung8wege in kleinere I erlegt, welche, soweit sie ni<ht von Gefährt benußt werden, mit asenslächen bede>t und mit Baum - und Strauchwerk ge-

\{<müd>t find.

Der Entwurf zu dicser ganzen Anlage ist im Königlichen Kriegs - Ministerium von dem Geheimen Ober - Bau N Raig Hleischinger unter Mitwirkung seines Assistenten , des Bau- meisters Voigtel, und des für die spezielle Bauleitung designirt gewesenen Baumeisters Gödeking bearbeitet worden. Der Bau jelbsstt wurde unter der Leitung des Bau-Injspektors Steuer vom Baumeister Gödeking ausgeführt; er wurde im Herbst des Jahres 1867 begonnen und, troß zum Theil sehr shwieriger Quan gen auf Senkkästen und Brunnen an dem hinteren

heile des Grundstü>es, wo der ehemalige Porzellangraben in die Spree mündete, nah einer Bauzeit von 34 Jahren, im

Frühjahr 1871. vollendet.

Der größere Theil der Bureaux ist ‘bald nah der Rückkehr des Generalstabes aus Franfkreih in Benußung elei und in den ersten Tagen des Monats Mai auch die Dienst- wohnung des Chefs von dem General der Infanterie, Grafen

von Moltke, bezogen worden.

Jur Geschichte der Straßburger Universität.

Mit Be ug auf die in der Sißung des Deutschen Reichs- tages vom 44. Mai beantragte Aufrichtung einer Universität zu Straßburg, lassen wir hier einen Beitrag zur Geschichte der

alten Hochschule daselbst folgen: Seitdem im Jahre 1536 die städtishen Behörden den nam- haften Humanisten Johannes Sturm nach Straßburg beriefen, um eine der Stadt würdige höhere Unterrichtsanstalt zu organisiren, war Straßburg ein berühmter Siß gelehrter Studien. Nach dem von Sturm vorgelegten Plane wurde, wie ein nach amtlichen Quellen bearbeiteter Artikel in „Im neuen Reich‘ anführt, im Jahre 1538 das Gymnasium eröffnet, das bald eines großen Rufes sich erfreute undSchüler aus allen Ländern herbeizos, aus Deutschland, Frankreich, England, Dänemark, Ungarn u. s. w. Im Anschluß an diese berühmte Anstalt gründete der Magistrat auf Grund des Privilegiums Kaiser Maximilians Il. vom 1. Juni 1566 eine Akademie, deren Eröffnung den 1. Mai 1567 stattfand. Das Gymnasium bildete nah ausdrü>liher Be- stimmung des Privilegiums einen Theil derselben. Sie besaß die 4 Fakultäten: Theologie, Jurisprudenz, Medizin und Philosopbie, und ihre Leitung war dem akademischen Senat übergeben, der aus dem Rektor, den Professoren und den Scholarchen bestand. Aber noch besaß sie niht das Recht , akademische Grade zu er- theilen. Nur die philosophische Fakultät, in der die humanisti-

schen Studien in den Nachfolgern Sturms angeschene Vertre- |

ter fanden, und die theologishe Fakultät hatten eine ars Zahl von Studenten. Auch diese aber tonen nur Ea lichen Universitäten die Grade erwerben. Erst im Jahre 1621 wurde die Akademie durch Kaiser Ferdinand II. zur Universität erhoben mit dem Rechte, in jeder der 4 Fakultäten Doktoren, Licentiaten u. st. w. zu ernennen. Die Stadt hatte dies zur Bedingung gemacht in dem Aschaffenburger Vertrag, durch den sie von der evangelishen Union zurü>ktrat und \i< ver- pslichtete, dem Kurfürsten von der Pfalz, dem Böhmen- köónige, Teine Hülfe mehr zu leisten, dem Kaiser da- gegen eine Geldsumme von 70,000 Gulden zu zahlen. Bei der Kapitulation der Stadt im Jahre 1681 wurde im Art. IV. ausdrü>lich bestimmt: »daß die Universität mit allen ihren Doktoren, Professoren und Studenten in demselben Qu- stand, in dem sie fih bisher befunden haben, belassen werde.« Bis zur französischen Revolution blieb fie in der alten Eiu- rihtung als deutsche Universität bestehen. Einen hohen Grad der Blüthe erreichte sie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhun- derts, An ihr wirkten etwa 20 Professoren, die Leitung hatte der Rektor und die drei städtischen Scholarchen. Unter den Professoren erwarb fi< vor Andern Schöpflin. einen weiten Ruhm. Seine Alsatia illustrata und Alsatia diplomatica bilden no< heute die festen Grundlagen der elsässishen Ge- sc{i<tsfors<ung. - Obgleich Protestant, war er von Ludwig XV zum Historiographen &rankreihs und Königlichen Rathe ernannt worden und hatte vermöge seiner Verbindungen mit Versailles, seiner großen Gelehrsamkeit, seiner praktischen Erfahrung und seiner

Rechtlichkeit einen bedeutenden Einfluß auf die Landes heiten. Sein Schüler Koch trat als Sifioritee n Pit Af

tapfen, wenn er au< mehr als- gelebrter Vublici Ae Jeremias Oberlin dner i G dies Teipine E eng und Bearbeitung der in den Thälern der Vogesen gesprochenen französischen Volksdialekte, dur< Herausgabe älte- eutscher Schriftsteller des Elsasses, dur< philologische und

Schweighäuser, dessen Ausgaben des Polybius und Her no< heute als” fklassis< angesehen werden , S M

gen

tüchtige Gelehrte uno Lehrer. Die medizinische Fakultät zo durh Lehrer, wie Ehrmann, Spielmann, Lobstein, zahlreiche

Studenten aus der Nähe und Ferne an. ais wissenschaftliche Anstalt hatte dagegen die juristische

In. Wahrheit und Dichtung bemerkt hierüber der Aktuar Salz

niß gegen Frankreich gemäß, eigentlih auf das Praktische ge. richtet und nah dem Sinne der Franzosen citihéleitét, E

das Nothwendigste. «

die hier ihren Universitätsstudien oblagen.

es namentlich, der die angebenden Diplomaten anzog. Bibliothek ein Buch zu schenken.

Livres jährlich verausgabten. 15. August 1792 aufgehoben.

Das Kyllthal.*)

vorbei, nah der Station Ehrang hin. Auf dieser Strecke i

Rheine und namentli<h den Niederlanden zugeführt werden.

haîtes mineralishes Produkt.

verwendet wird. Man gewinnt auf dieser Strecke au einen scharfen, Maxzgen Flußsand. Von einer hier auf Cifenei (Sanderz , welhes im Sandsteingebirge vorkommt) ertheilten Konzession is bisher nur „einmal versuh8weise Gebrauch ge- Ba worden, E Men E Ven Pen findet sih in der i ndsteins ein ün- gen unbrauchbarer Muschelkalk. N

¿5lora und Fauna

werden , von denen einzelne ,

vorfommende, ein südlihes Klima bekunden. Hier i der zahme Kastanienbaum häufig. vertreten, welcher ot v gen Jahren in Exemplaren von 5—6/ Durchmesser mit 6 bis 0 Klafter Holzertrag gefällt worder: ist. Hier nistet die Stein- amiel und wird die eiertragende Kröte betroffen, Auf sandigem Boden gedeiht (zwischen Pallicn und Biewer) ein vorzüglicher Wein, bekannt unter dem Namen Augenscheiner. Anmuthige,

*) Aus der »Beschreibung des R i : amilien Materials bearbeitet von Stto Bed, as E R ie

arhäologishe Schriften. Der große Philologe Johannes

Bd. 111, Trier, 1871. Verlag der &r. Linßschen Buchhandlung.

bedingt eine der ersten Stellen unter den Philologen des vori. jen Jahrhunderts ein. Jn der theologischen Fakultät erfreute E sich Reuchlin, Blessig, Haffner eines angeschenen Rufes [g f

Weniger Bedeutung F

kuliät. Hier machte sich zuerst der französische Einfluß eus :

mann, daß es si< in Straßburg nicht etwa wie auf deutschen k Akademien verhalte, wo man wohl Juristen im weiten und E gelehrten Sinne zu bilden suche. »Hier sei Alles, dem Verhä(t.

wel<e F gern bei dem Gegebenen verharren. Gewisse allgemeine Gru E säße, gewisse Vorkenntnisse suche man einem Jeden beizubrin: F gen, man fasse sich so kurz wie mögli<h und überliefere nur

Aber gerade in Folge dieser praktischen Richtung der juristi, E schen Fakultät und der bequemen Gelegenheit, bie Kenntnis, : der französischen Sprache auszubilden, wurde Straßburg neben E Göttingen mit Vorliebe von Söhnen der vornehmsten Familien E aus allen Ländern Europas aufgesucht, die si der diplomati, E schen Laufbahn widmen wollten. Unter vielen Anderen sei nur Cobenzl, Narbonne, Desiutt de Tracy, Metternich genannt, |

Jn der Fakultät wurden Vorkesungen gehalten über römi. E hes Recht, Lehnrect, Kanonisches Recht, r polistes 6M a E testantishes Kirchenrecht, über Strafre<ht und Staatsrecht des E Deutschen Reiches. Für Koch wurde im Jahre 1780 noch ein besonderer Lehrstuhl für öffentliches Reht geschaffen; er war E

Die ordentlicven Professoren der Universität wurde E dem akademischen Senat berufen und von Ba Stadt-Magistrat Ï bestätigt. Vor dem Amtsantritt hatte jeder Professor cinen E Glauben®eid und der Universität Treue zu {wören und der ( ) Die Studenten, deren | sich auf über 300 belief, von denen mehr als die Hälfte Medina : waren, standen unter akademischer Gerichtsbarkeit, hatten ihre E Fechtschulen, Reitbahnen, die auf städtische Kosten ihnen erbaut | ware, und es wird angegeben, daß sie gegen 14 Millionen k

In den Revolutionszeiten wurde die Universität wi i ähnlihen Jnstitute in Frankreich dur<h das Det M |

Der Stadt Trier gegenüber im Bering des Stations- gebäudes der Trier-Saarbrücken-Luxemburger Bahn iur 1E l linken Moselufer beginnend, zieyt sich die Eifelbahn zwischen dem | pittoresken Sandsteingebirge und den am Flußufer befindlichen | Badestellen, an Pallien, Biewer, St. Jost-Kapelle und Can 4

das Dorf Pfalzel zu erwähnen. Dasselbe ist seit Ja | Flôößort für Eichenstämme , welche der 8 Mo ven z

Bon Trier bis Ehrang bietet das Moselthal kein nam- |

| ( | kt. Zwischen Pallien und Bi | befinden fich Brüche eines eisendurchsüssigen Sanditeins, ce | cher in Trier und Umgegend beim gewöhnlichen Mauerwerk |

Dagegen bieten auf dieser Stre>ke (von Trier bis Ehrang) |

una dem Naturfreunde viel Anziechendes, indem | Thal und Gebirge dur< mannigfaltige Sani vers<önt i

an der Morgenseite des Thales |

Königl. Reg. Rath. |

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mit s{önen Anlagen gezierte Höhepunkte, wie Weißhaus, Schneidershof, Wettendorfs Kaffeehaus, herrliche Panoramen und Fernsichten steigern den Reiz der Landschaft , . welche un- streitig zu den shönsten in Deutschland zählt. Wer Florenz ge- schen, wird hier lebhaft an dasselbe erinnert. Ja, wenn unser Auge von der uralten Römerbrücke bei Trier thalabwärts \{<weift, so dürfte die Erinnerung an no< s{<önere Landschasts- bilder die uns erfüllende Bewunderung nicht leiht abs<hwächen.

Bei Ehrang, wo wir den besien AlWerboden im Regierungs- bezirk Trier finden, wird viel Gemüse, namentiih Kappus, ge- baut. Hier lenkt die Bahn in das an romantischen Partien überaus reiche Kyllthal ein. Aker, Wald und Fluß wechseln in heiteren Bildern. Bevor man die nächste Station (Kordel) erreicht, präsentirt si die alte Burg Rammstein , die ihrer \{<wierigen Zugänglichkeit und geringen Gastlichkeit ungeachtet dur Einheimishe und Fremde häufig besucht wird.

Der in der Umgegend von Kordel (welches uns eine s{<öne neue im gothishen Style gebaute Kirche präsentirt) in mächti- gen Felsen vorkommende Sandstein ist feuer- und wettier- beständig, Überhaupt von guter Qualität und liefert ein preis- würdiges Material zu Hochbauten. Derselbe fand z. B. beim Bau des Trierschen Bahnhofes und der Eisenbahnbrücke über die Mosel unterhalb Konz Verwendung. Auch wird er zu runden Schleifsteinen von kleineren Dimensionen verarbeitet.

Der Reichthum der Kyll an Fischen und Krebsen hat sehr abgenommen. Jm unteren Theile derselben begegnen sich die Fluß- und Bachsische. Die Jagd in dem von der Mosel und Kyll gebildeten Gebirg8winkel ist von mittlerem Ertrage; man pre Wolf und Wildschweine; früher hausten in jenen Wäldern au E,

Im Pfalzeler Walde bricht man in Blöcken von beliebiger Größe einen blaßgrauen , in's Gelbliche spielenden Sandüein, welchem die Quadern am Römerthore (porta nigra) zu Trier ähnlih schen. Man vermuthet daher , daß dieselben von dort entnommen seien. Jn diesem Walde wurde no< zu Anfang des laufenden Jahrhunderts ein Eichenstamm gefällt, von dem man in weiten Umkreisen als von dem ältesten und stärksten Baume erzählte; sieben Personen vermochten ihn kaum zu um- spannen. Zwischen schmalen aber s<hönen Fluren und maleri- {hen Bergen im bunten Sandstein sih fortwindend, re<ts au Daufenbach, im Landkreise Trier, an dem bekannten Wallfahrts- orte Auw (im Kreise Bitburg) und der malerisch belegenen Looskyller Mühle vorbei , gelangt die Bahn zur Station Speicherbrücke.

Ueber den oft wilden Formen der bunten Sandsteinberge lagert auf dem re<ten Kyllufer der Muschelkalk der Trias, der sich mitunter auch in die Gehänge hinabzieht. Neben den ver- chiedenen Bodenarten und deren vielfacher Mischung is das dortige milde Klima der Pflanzenvegetation sehr zuträglich. Während auf den Süd- und Westhängen die Eichenshälwaldun- gen gedeihen, finden wir die Ost- und Nordgehänge mit herr- lihen Laubwaldungen dicht bestanden. Eine halbe Stunde von der Station Speicherbrücke liegt Speicher , dessen Einwohner einen nach allen Richtungen verzweigten Hausirhandel mit allen sich dazu eignenden Gegenständen, namentli<h mit den selbst- fabrizirten , beliebten Töpferwaaren treiben. Entfernte Thon- fabriken beziehen ihr Rohmaterial von Speicher, in dessen Nähe, im Kyllthale, sich auch Steinbrüche befinden, aus welchen gutes Hau - und Schleifsteinmaterial gefördert wird. Auf einigen Nachbargemarkungen wird Quarzstein gegraben, den U. A. die Mettlaher und Saargemünder Steingutfabriken in großen Quantitäten beziehen. E |

Von der Speicherbrücke steigt die Eisenbahn , den vielen Krümmungen der Kyll folgend , thalaufwärts durch die Orte Philippsheim und Hüttingen, wo wir einen hübschen Wasserfall bewundern, bis zum Bahnhof Erdorf, auf welcher Strecke mehrere gute Steinbrüche im Betriebe sind. Die Station Erdorf, & Stunden von der Kreisstadt Bitburg, soll den Knoten- punkt für das Straßenney des Kreises Bitburg bilden. Weiter windet si< die Bahn im bunten Sandstein dur< das enge Thal na< Kyllburg hinauf und mittelst eines gewaltigen Tunnels unter einem Bergvorsprung hindur<h. Das Kyllthal umfaßt in seiner Ausdehnung von Ehrang bis hierher viele romantische Partien , es zeigt uns anmuthige Thäler , die si bis Malberg und Kyllburg zu einem harmonischen Ganzen vereinigen. Hier finden wir eins der lieblichsten Landschasts- bilder der s{önen Rheinlande. Während bei Malberg ein prächtig angelegtes , leider in Verfall gerathenes Herrenhaus und eine nur theilweise erhaltene Schloßruine mit ihren Zinnen und Thurmresten sih auf einem von Hopfengärten bekränzten Bergkegel über das {stille Dorf und das Malberger Hüttenwerk erheben, während im Thale die Kyll und die nach Kylburg führende Straße si s{längeln, gleiten wir an üpplgen opfen- und Kirshbaum-Anlagen auf dem rechtsseitigen Flußufer , \0- wie an dem kräftigen Grün cines schönen Laubwaldes vorbei,

bis uns ein geschlossener Thalkessel aufnimmt, in welchem Kyll- burg mit seiner \{önen, auf erhabener Stelle thronenden Stiftskirhe von der shäumenden Kyll, wie von einem Silber- bande umgeben ist. Nun mündet der Tunnel, die Bahn gleitet über das Flüßchen und braust dur< einen fleinern Tunnel in ein si< erweiterndes Thal. Von da aus hat das Kyllthal eine geradere Richtung; das Gebirge nimmt regel- máäßigere Formen an. Nur bei dem bald erreihten Dorfe St. Thomas mit einem gut erhaltenen Klostergebäude und einer fkürzli<h resiaurirten interessanten Kirche aus dem An- fange des 13. Jahrhunderts, erregt die Landschaft wieder neues Interesse.

Außer den {hon genannten Mineralien wird an beiden Ufern der Kyll Kalk und Eisenstein gewonnen. Zieht man da- neben die Waldprodukte (Bauholz, Lohrinde), sowie das augen- scheinliche Aufblühen der Viehzucht in Betracht, so dürfte dem Kreise Bitburg wohl ein besonders reger Handels- und Güter- verkehr in Aussicht zu stellen sein.

Zwischen St. Torana und Usch tritt die Bahn in den Kreis Prüm. Bis Densborn bietet das Kyllthal wenig Natur- \chönheiten. Das in Thonschiefer Übergehende Sandsteingebirge drängt sich in theils fahlen, theils bewaldeten, bald mehr, bald minder steil anstehenden Hängen bis dicht an das rauschende Flüßichen, so daß sih der Schienenweg bald hüben, bald drüben der Kyll durhzwängen muß. Dagegen hat Densborn wieder eine malerische Lage an der klaren, fis<reichen Kyll, da wo die durch den prachtvollen Kyllwald führende Balesfelder-Prümer Posistraße mündet. Jn lehtgenanntem Orte stehen noch zwei alte, ziemlich verfallene, jedo<h no<h bewohnte Burgen ; die untere gehört der Familie von Hontheim , die obere Denen von Anathan. Gewaltige bewaldete Bergkuppen , Ausläufer des wohlgepflegten Königlichen Kyllwaldes, sowie Privat-Eichen- schälwaldungen treten bis in die immer breiter werdende, aus fruchtbaren Feldern und ertragreichen Wiesen bestehende Thal- ebene. Wir gelangen na< Mürlenbach/; zur Linken erhebt si< auf sanftem Hügel die uralte Burg der Berirada, Großmutter Pipins, von wo aus im 8. Jahrhundert die Gründung der berühmten Abtei Prüm erfolgt ist. Ein freundliches , an- muthiges Thal mit Obstbäumen, Schäl- und Laubholzwaldung erschließt sich wieder, nachdem der Schienenstrang einen gebirgi- gen Halbkreis in scharfer Wendung überwunden hat. Tm nahen Braunenbach liegen ergiebige Marmorbrüche. Werthvoll sind auch die Kalksteinbrüche, die sich links in den Thälern der Nims und Prüm und zwar in der Nähe des Bahnkörpers vor- finden. Kaum merklich steigt nun die Bahn nach dem Dorfe Birresborn mit dem von Bergwaldungen umkränzten s{önen Wiesenthal zu.

Die Schälwaldungen der Gemeinde Birreësborn gewähren einen jährlihen Reinertrag von ca. 7000 Thalern. Der Jagd- liebhaber trifft hier Hasen, Reb- und Haselhühner, Schnepfen, Krametsvögel, Rehe, Schwarzwild, dann und wann auch einen Hirsch. Die dem Staate gehörige, einst so berühmte, eisenhaltige, Birresborner Mineralquelle, deren Wasser in dortiger Gegend vielfa benußt und in Krügen versendet wird , ist auf Ver- anlassung des früheren, fürzlih zu Coblenz verstorbenen Land- raths des Kreises Prüm , Geheimen Regierungs-Rath Baersch, unter einem auf Säulen ruhenden Kuppeldache eingefaßt wor- den. Der Born liegt auf dem rechten Ufer der Kyll, in deren Bett {on Mofetten vorfindlih sind. Eine der bedeutendsten ist der auf der linken Scite des Flüßchens, der Wasserquelle gegenüber , im Gerolsteiner Gemeindewalde, etwa 6 Minuten vom Ufer belegene »Brudeldreis«; eine runde, 2—3 Fuß tiefe Oeffnung im Bergabhang , in welcher das bei nasser Witterung sih sammelnde Wasser fortwährend sprudelt. Leßte- res rührt bekanntlich daher , daß die unablässig aus der Tiefe aufsteigenden und durch die Erdspalte durhdringenden Gase den bei tro>ener Witterung unbehinderten Aus8gang unter obi- gen Umständen dur<'s Wasser nehmen müssen.

Etwa eine Stunde oberhalb Birresborn tritt die Bahn über Lissingen (na< dem romantisch gelegenen Gerolstein zu) in den Kreis Daun. Später, zwischen Jünkerath und Stadkt- kyll, berührt sie den Kreis Prüm noch ein Mal.

Im Kreise Daun besteht das Bahnterrain zunächst aus Grauwacke , welcher Uebergangskalk und später rother Sand- stein folgt , bis in der Nähe von Glaadt mit Uebergangskalk durchschichtete Grauwa>ke wieder zum Vorschein kommt. Ein eigenthümliches landschaftliches Bild entfaltet sich bei der finster dreinbli>tenden, no< bewohnten Lissinger Burg nach dem maleris< gelegenen Gerolstein und Pelm zu. Yur Linken, auf einem abgerundeten Bergkegel , glaubt man beim ersten Blicke eine Ruine wahrzunehmen, während man bald na>te, aus der Bergspißze hervortretende Dolomitmassen unterscheidet. Zur Rechten erheben sich solche in bizarrer Gruppirung; die Berg- formen erscheinen minder baro> , wenn man in das schmale, fruchtbare Thal von Gerolstein gelangt, welches sich durch scin