1919 / 73 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Sozialdemokraten: Zufällig! Glauben Sie das? Dieser barmlofe Mensch!) ih sage ja: wo „zufällig“ Herr General Ludendorff dazu gerommen scin {ll gegen diése die Bestimtiilkgen des Be- lagerungszustahbes anmzurrchidên, Was Noëfe tun wird, weiß ih

nicht; das ist ni&l meifites Amtes. J< will aber auf etwas anderes"

aufmerksam machen. Dieser Nationalbund deutscher Offiziere ist eine kleiñé, bédeulunñgélose Organisation, die niht verwe<selt werden darf mit dei Dentslon Offizièröbuns, dex sol petitis>ten Agitalonen grundsäßlich abgelehnt hat. Dieser Nationalbund deutsher Offiziers wird vielleitt datur< <haráktérisitit, daß i hi und das foll au bei dieser Veránstältüñg dér Fall gêweseh stin = dex genitgsät befätnte frühère Rechtsätwält Bredetè>, einft änlifemitlsher Katt didat in Berlin, eine Rollé gespielt hat, Jedenfalls kann i< au dicfem Herkn mur die dringente Warnung auspteden, äuf bie Gtbulld der Regietung nicht allzu vièl zu spekulièten. Wit wollen Friedêti, wir wollen Ötdrung und werdêt slé auftet zu ethäften wilfsên jeder Seite, woher au<h die Stôtungen könen mögen. (Bravo!) Dèt Hérr Abg. Nofenfeld hat nun öh einige ändêre Schmetzét: gehäbt. Ex hät gefragt, watum wir den Abel noch nik äbgefhaäfft hätten. Meine Hetren, wit häben in biefi Möbnaten geabeitet Tag und Nacht. Es ist uns nicht getadè leiht gemäht, föndern ér: s{<tvert worden burh das Treiben der Unabhhähgigen und lhrét Freunde, Was bié uns füt Zeit gekostet haben, das wêrdèn Sie allé ohne längere Auseiñandersehung von mir si denken können. Abe ih glaube wirlih, wit habén Withtigeres zu tun. (Lebbäfte Zu: stimiung.) “Es gibt in Strafgesehbu<h inen $ 360 Nx. 8, dähah wird mit Gelbsträfe bis zu ganzen 150 Mark ödet mit Haft dexr be: straft, der unbéfugt tine Uniform, einé Amtsklelbüng, ein Amts- zeichen, einén Ordèn dder ein Ehrenzeichèn trägt bder Titel, Würd odêx Adélsprädikate ännimmt usw. Diè Verfölgütig wögen biëser Bagatelldélikte hät, wie mit s{èint, überhaupt aufgehört; denn hiët läuft jeßt alles in Uniform herum, wenn és êitéh Sttäßenräub be aehêèn will. (Lébhäftes Seht gutt) Abet ih kann Hétri Abgevtrdnéten Dr. Rosenféld einèn Ttöst geben. Jh habe \{<on, als i< no< Justiz: ministèr wr, die ‘Nosicht g&hclbt, der ReiclStegièrung bie ist tafüt zuständig, nicht Preußen botziusclslagen, diesen $ 300 Nt. 8 aufg heben, serveit tf dic uLofugle Fibruing von Welóprädkkaten utt Strafe stet. Für uns ist der adlige Name ein Name wié jebêt antdére, Sekr rilig! bei den Stgiasdemwolräten.) Win etfetimen lit Gésorbèrs bebr;ugles Mécht des Adels n. Wer tif divsex Paragraph abgés>afft ist, 6 s>ön vörhèt, gebe ich béêm Herr Wges- orbielen Nösénféld die Zusteüung: èr ln sich ruhig bon Nvusettfelb nenen (slürmisde Heiterkeit); temit ist benn ber Abel beschafft (Anhaliendè \slürmis>e Heiterkäl). Hier tief mir Jeiand eas von Antisêtnit ju. Ich breu>e diesèn Vorwutf mt von titir abw weisen; aber 8 is viellêiht Herrn Abgesidneièn Rösertfeld icht be: annt, beß cine sohr vonchme Familie vén Möfenfelb gibt (füt: mische Heiterkeit), Sch Gitle mir noch Einige Wötte allgemeinèr Nabur zu gestablen, indem ih das übrige, nomentli< bas, raus gat weinen verehrten Kollegen Haenish gesagt ist, zürüdstelle, batmit ét

[lbst darauf anlworten tan, Da will ih aber bo As beraus: n2hmen.

Der Herr Abgeordnete Dr. Noseñfeld hat gesägt, Hert Haenish wäre cine lächerliche Figur, Herx Haenish wirb auf diesen Vorwurf niht antwotten wollen, ih áber, als sein Follegè protestiere dagegën und frage die Mitglieder dieses höhen Hauses, wié gêwisse Ausfühs rungen dieses Herrn Rosenfeld hier auf sie gewirkt habén. (Sehr gut)

Jch muß nh êin Wort übér die Koâlitionspolitik sag, Nah» dem das hohèë Haus gewählt ivar, ergab sich diè Notwendigkeit éiner Koalitionspolitik." Sie ergibt sich übtigéhns iht mt äus det Vérs teilung der Mandaté auf diè véeischiedenen Parteien, sondêrn nach

meiher Meinun au as der allgemeinén politifthen Loge, Es wäre |

mir woahtlich liebèt geweseñ, tvènñ ma einé sozialdökmöktatishè Mehts heit in diesem Hausè jehäbt häitè; duütin hätte än zivéeifellos eint einheitliche Politik treibèn föhnen, ünd auch die Hërten, welche diése Politik für fals hielten, hättën där die Möglichkeit gehabt, unser Politik auf Hêrz und Nieren zu þrüfên. (Hütuüf.} Später äuh cinial umgefehit, Jh gebè Jhnen =— dus ist däs Wesen dés Par» laméntariómus =— nit ux bas Recht, sondeïn ih vetlange vôn einét Pattéi, daß sie väha strebt, einmal dis Mehrheit zu werden und selbst diè Vêranfivortüng für dié Politik zu übernehmen. (Sehr rig!) Jh mißbillige jede Päëtei, die ès darauf ünlegt, béiseite zu stehen und bloß Kritik zu üben, die abét dèr Veéranlwoörtuñg aus bêm Wége geht. (Lebhäfte Zustitnmung:) Willi män abre éiñé solche positîvé Politik treiben, ban bleibt einem ibis übrig, wem män niht allein diè Mehrheit hat, als èine Koalition füt die Politik zu suchen. (Séhr tichtig!)

Warum ist es dén min icht zu-êinét sozialdemokräkishen Mthr- heit in diesem Hohen Hause geköitmên? Wênn wik bald nah deim 9. Novêmber so, \vie dämals bie Volksbéauftragten 8 vêrheißen halten, die Nationalversammküung füt das Reich und damit äu dié Landesversammlung für Preußen gewählt hätten, ih kann Zhnen sagen: dann hätten wir die sozialdemokrätishe Mehrheit, (Lebs %ofte Bustimmung) Jh hebe theinot Freunden bereits Ende Novem» ber öffentli erflärt: [iebt die Wahlen nit auf; jeder Tag, um den wir sie hinausschieben, kostet uns vielleicht hunderttausend Sümmmen! {Sahr richtigt) Wer hat beni bie Wahl hinier- trièbèn, «ls die Umabhängigen? (Sehr eichhig! „boi den Soziab- demökzalèn.) Erst haben die Männer dèr Unabhängigen in der Ne» gierung die alsbaldige Wahl der Nationalvetstmiiluñg verheißen, dani begannen dié unaufrichtigen Quettreibërèièn, dann hieß es? Nur übe? mêinèe Vice geht der Wg zux Nationalversaminlutg! - Dann hat inan vêrfut, dia Nationalversammlüng, ba mät den Gedanken nit tötslägen könnte, dis in den April zu verschieben. Erst als wit dis Unabhängigen aus det Regierung hinausgebraht hattèn, Xoññlon wie n bis Verwirklichung der Pflicht gehen, das Volk um seiné fbèrzèugung 11 bofragen. Uber dlass Herren wöllten ja nichi das Volk fragen, sondern fie wollión bia Fyrannal eint kleinen Minderheit, (Sehe ri&lig! bei den Sozialdemokraten.) So ist 6s géfömmögn, däß diè Hoffnung und das Vortrauen, mii dèm das deitts<è Völk unmittalbar nöh bex Revolution der Sozläldemoktatis gégetiibêrftänd, ih getä ht füllen, Solche Gtwariungen vbtträgen Fel bahges Zögern, f L O nieht élnpökola. Jh klägd die Unabhängigon, bit Freunde bes Hetrn ; ihn selbêr, dèx mit in bex Regierung wax, an, daß fie datan f<uld find,

fraten.) Besonders halle Hétrn Hoffmanü dak vor. - Hètt Hoff- mann hat keine Ahramg avon gelebt, baß, wenn es sih um die prättishé Vexwizkllihulig bôn Zieles handelt, „man näch den vot- haïdéhen Mahtmittéln und nah dét Wirkuñg auf die andêren Pär- 4 tei fräfen muß, und däß es nicht genügt, den Mund rêtht weit äufzumachen. „Die Forderungen des Herrn Hoffmann waren vielfach so, daß ih fié von ieinét Überzeujung äus fahlih nit verworfen Bäben rbe: Aber t ute, ie auf finen ebr großen Zeil bes deuts<hen Volks wirken würden, und, Herr Hoffmann, wénn man auf dém Stätbdpunkt det Demokcätié fteht, bann hat man die Stiti- mitig äu det anderen Teile dés Volkes zu berlidtfichtigén, mit böten mit zusamitwen äteiten iß. Gerate Sert Séffmann ift nut zun lepen däïän huld, daß wir feine soziäldemokratishe Mehrheit haben.

Meinè Damen lnd Herten, die Köalitionspolitik hät ber noch éineñ añdêten und tiestrên Grid: Wir sind dex Koalitionspgolitik vetritbên Burch: bie 'Bage; in Sér sich usèr Vaterlan, unfer Volt fe: findet, «Wir habeñ jet die Aufgabe, ss s<nell wie möglich die eñd- gültigè Verfassung "Preußêns festzustellen. gu but, was in biésalfi preußischen Larke umb Voik tier ste séasfende Arbeit” herstellt. Wir häben, nachdem der Krieg kine Unsunmthé von Haß ind Vérbittenüng ni<t fur dei Felde gegenüber, sotdern auth im éigeñên Volk êrzeugt hat, die Aufgabe, siñen eisheiellden Geist, eiten cinheitlièn Willén dét MNettung êrst hérzustellen. Keine Zeit ist ungeeigneter zu parteipolitisGen Zänkereièn, als gerade die gegén wärtige. (Seht richtig!) Auh wénn mêine Ftaktion éine viél größere Zahl voi Vertiëtern in diesêin Hausé hätte, wütde ih mir erlaubt haben, ihr gu raten: Trétet den añderèn Füaktionen nit {röff gegen- über, sondéri \swht den Kréis derjenigen, die an der Wiedetaufrihtung uúnsêtes Vatetländes mitarbeiten wöllen, möglichst weit zu ziehen. Ss witd si der Gedatke dér Demokratie, dét Freihéit ai si<êrsten be- festigèn, und auf diesem Boden toerdeu wir bai wirkli alle die Früchte pflülen, dir ein no< so schönes Piögramm uns itimer tür versprehôn fan, (Seht richtig! bei der sögialdemofvatischen Partei.)

Dárürn brauchen wit einé Pölitik ber Zusammeharbeit bêr bèêr- \hiedènen Parteien. Die innèrê Einheit des deutschen Volkes inuß dokumentiert wérden, geradè in Preußen, wo die Gefahr vorliegt, wichtige Teile des Landes zu verlieren, am allerstärksten. J< solite meinen: in eiñêr sle Zeit bes Hungers, des Glends, der Schatide, der Gefahr, beraubi zu weidên, da sollte si das einheitlide Gefühl erheben, das si einst bei unseren Vorfahren währen der französischën Herrsdft erboben hat. (Seht ridtig! bei bêr soztälbeaneträttfben Partei.) - Eine solche Politik dèr Koalition, die das Verbinbende bes tonit, die die Parteien jeßt für bestinminte Zve>è zusathmenführt, de- deutet ni<t den Vêtzicht auf die großen Enbdziele bei kéêiher der Parteién. (Sehr richtig! bei der sogialdemöfratis<en Partei.) Weder tvird das Zentrum auf seine Ziele vêrzichtén, wenn es mit uns geht, noch verzichten wit auf dié unsérigen. Aber in dièfen Véonäten, dié uns für unsere Arbeit zu Gebote stehen, können wir \s wie fs nicht einen babylonishew Turm errichten, sondern nur eine begrenzté Ätbeit leisten, nämlich diè Herstellung der Verfassung, dié Aufrêchtérhaltung der staatlichen Ordiung, die Noutintichtung der bamokrätischen Orga nisation. Über diese Punkte sind die Pätteièn, elde G hier gus sammenges<lossen haben, einig. Mag in einzelnen Fällen diése öder jene Differenz sein, so glaub? t< doc, die Notwéndigkeit ütsetst Roalitionépoliilf auf unsere Pflichd.bêgründet zu müssen, unser Väter: Land wieder zu neuêm Lébén ju erwei. Jch bitte daßer bon féüenm álle Parteien dieses Hauses =— (Zuruf vön bder fogiäldemp- fratishèn Partei: Alle?!) Auch Sie, mein Hertèn, wênn Sié die nôtige politishè Einsicht dafür haben, au Sie, mêine Herrèn. Arbeiten wix alle zusammen, dainit utser Preußen, unser Deuislanb nicht äuseinanderfällt, damit és nicht zu sehr erniedrigt wird! Er» ' fparen Sie uns, die wit hier bor bem preußis@tn Volke, vor dén beutshen Volke stehn, das unerquiklihe Schauspiel von Zänfkertièn, wié ës diése Debattén sind! Arbeiten tit, aber tnaGeñ wir nicht tvielé Wörté! Das ist das Beste, was wit üns gegenseitig zurüfen Töniéñ. (Brävo!)

Dié ébenfálls \<óñ umen iwiéderäegêbene Erkläs tufig, zu dex am Schluß der Sißung dèr Finänzminister Dr. dékum das Wort genommen hat, lautete wié folgt: Meine Dattien Und Hetren! Aus dom Hausé heraus ist mië init: getêilt wörden, daß meité Bétmerkung über das Veihalten bon Offiz zietêén nd Hoctesbèamtei beim Rückzug dér deuischeti Truppèt aus ben befétzten Gebieten, welches ih i Gegensaß stelle zu dér Täkigkoit @inwlner Soldatèträte, dem Mißberständnis geführt habe, als ob i vaitit ein“ ullgemeiñèës Urteil übe? allè Offiziéré ünd Becititéh hätte fällen wollen. Wek mieinèn Wortén zugehört hat, Pänn diesem Mißverständinis nicht zum Opfér gefällen seim; denn ih häbé, wie âus deim ünvêränderten stenographischen Bericht hervow geht, folgenbes gesági: : i És habên dórt Wuts vón allt Nangyrader, Leite vön allem politisthen Glauben tund vön allen \önstigén Üntëkeschiéden im Lében bis lehten Augenblik ihré Pflicht gétan, Das steht unzweifelhaft fest. Es haben aber au<h andere ihre Pflihi nit gelán. . ¿ à

Der Heri Kriegêminister, der zu setnen Betauetn dur wihtige Besprehungen in Weimar unsern Verhandlungen entzogen betonen, daß ein gerihtlidhes BVerfahrn gegen alle diejenigen ein- geleitet wordèn isb, gegen die Vorwürfe der bezeidneten Art er- hoben worden sind. Er behält si sein ab\{ließendes Urteil über die Fälle bis. zu dem Augenbli> vor, wo die Sache ausgetragen ist. Erx- würde aber au, wie ih selbst gèian habe, diése Gelegenheit be»

hußi haben, um alle pflihttreuen Öffiziere und Mannschaften unseres frü Heeres gégen den inißverständlihen Verdacht zu

s<ühen, als ob nit äuh in jenen s<weren und s<warzen X unseres Valerlandes déutshes Pflichibewußtsein, ehrenhaftes Be- néhmén und gewissenhafte Diensterfüllung zu finden gewe}en wären.

Nach diéser Richtigstéllung muß ih Jhre Aufmerksamkeit noch für zwä Minuten in Anspruch nehúien, um miG mit Herm Dr, Rosanfeld aubeinanderzusehen, Herr Dit, Nésenfelb hat mir inéhïfah dis Ehre ber Erwähnung in seinen Ausfül-rungón zuteil wêtden lassen; in drei Fällen in einer sollen Weise, daß mindestens die Gesahe demagoglscher Benvertung seiner. Ausführungen in der Offfentlichkäit vorlkiogen würde, wenn ith nit sofort darauf anb

weit iht éiné einheliliche sozialdemoktätis<é Mehrheit in diese

Wi? haben tveitér alles -

| Die erste betrifft seine Ausführungen ibe? die Bestenerung der

Bezüge, die den Arbeitslosen zugebilligt werden. Ex hat angeknüpft n méine Worte bón gestern, daß 1< füt die ehrbaren, guten Männer, die heuté beim besten Willen keine Arbeit finden körinen, die Unter- stüßïng nicht für zu hoh, in viélen Fällen für zu- niedrig erachte, und sagte: „der Minister, der das sagt, tritt gleidzeitig dafür ein, daß die Atbeitslosen von diesen ihren Bezügen auh tio Steuern enter müsse!“ Meine Seérren, ber Abgeordnete Dr, Rosenfeld ist do< wirkli< in der Lage, sih davon zu überzeugen, daß das durchaus dem Gesetz enispriht ünd daß mir keinerlei Handhabe zur Verfügung steht und fland, um eine fol<he Besteuerung hintan- zuhalten. Der $ 8 des Einkommiensteuergeséhés macht die Hebungen aus öffentlicen und anderen Nechten steuerpflichtig als cine Quelle des Einkommens, und Arbeitslofenunterstükungen find ausdrüdli< hiht als Armenunlerstüßungen, sondern als Berechtigungen im Sikitié bes Einkomiménsteueïgesches aufgebatit woïden. Getiau so sind übtigens z. B. Allers- und Jüvalidenrenten ebenfalls der Ein- Totniténbefteuerung untêrwörfêti, went fonft für die Zenfiten die Böräusseßüngen ber Besteuerung gegeben stny. Man wird nicht sagétñ Tönen, daß däs êrst von geftern und beute fo is, Dle ganze Sache unterliegt der Zuständigkeit des Neis, und däs Neich, das dié Arkeilélofénünterstüßüng eingéführt hat, bätte z. B. wie bei den Krätikeikässenünterstühüngen dur ein besonderes Geseh äu dns ordnên können, daß Arbeitslofenunterslühüngen steuerfrei find. Mir selbst war feinè Hänbhabe geboten, (Zuruf bei der Unabhängigen Sozialdemokratis>en Partei.) Nein, Preußen konntké natürli nit allein vorgehen, Aber nün, verehrte Mitglieder von den Un- abhängigen Sözialbeimokraten, wöllen Sie, bitte, auch folgenden fache lien Einwand êrwägen: wir haben héuté in Berlin éine Arbètits- lofetutitérstübung von 7 F, zu der die Zuschläge für Frauen und Kindéx hinzukömmen. Däs kann BVettäge von 12 oder mehx Mark iaômñachen. Nun gibi es in Berlin sehr viélé Arbeiter, bie in Arbeit stehen und alle Kräfte tüchtig regen, und dié dech nicht 12 M Lohn empfangèn. (Sehr gut! im Zentrum) Dle sind steuetpflihtig und müssèn @u< skeuërpfliGtig sein, weil wir jeden einzelnen, der tragfähige Schültern hat, mithêrängzieben müssen zu dênt Lasten bes States, Mit wélhem Rechte sollte 1h dann eitèn Arbeitslofen, der diesen Betrag bezieht, steuerfrei lassen, auf ber anteren Seite aber deth Arbeiter, der kräftig arbeitet und dem és um keinen Deut besser geht, die Steuern ticht erlassen (Sehr tictig!), wogu ih gar kein moralis{es und juristishes Recht babe?

Wenn Säié die Sache vön diesem Gesichtspunkte aus ansehen, werden Sie nit leugnen können, däß für mich kêlne Handbabe und auch keine Veranlassung zu: einem anderen Verhalten vorlag. (Zuruf von den Unabhängigen Sozialdemokraten: Veränlassung chr!) Selbstverständlich, Herr Abgeordneter Hoffmann, ih habe Ihnen ja gestern gesagt, daß ih denéñ, die mit Recht die Arbeitslosenuntér» stüßung in Anspruch nehmetz die, obsbon sie si ehrlih um Arbeit bemühen, feine finden können, gern mebt gönne, weil au< i< weiß, wie \{wer ste im Leben zu kämpfen haben, Aber wie gesagt, der dèr arbeitet, und feinen höheren Lohn bat, darf mt s<lc<ter be- handelt werden. Darauf komme ih no< zu sprechen.

Nun sagt Hèrr Dk. Rosenfeld, es sei überhaupt éin Unre(t, Leuté mit 3000 Maërk Einkommen zu besteuern, und wörtlich sagte èêr: ¿Die Unabhängige Sozialdemokratie muß vêtlangen, daß die Bestouërutg von Leuten mit êinem Einkommen von 3000 Mark áb aufhört!" == Jà, Herr Dr. Nösenfelb, Sie müsst n das viels leiht verlängén ; das gèbe ih zu; (Heitérfeéit.) Abêt dádurc, daß Sie es veilangèn „müssèn“, wird dieser Wunsh öh nicht bere<tigt (Zuruf von dên Unabhängigen Söyialdemokraten: Jn Ihren eigenen Reihen is Stimmung däfür!), und zweitens kommt für mich entscheidend in Frägé, daß die Einkommenêgrenze von 3000 Mark doch gatz ve&schièden ist, wenn ih diè vershiédénen Kreise unseres Volkes ins Augé fasse. (Sehr gut!) Ein Arbeiter in Berlin init Familié, ber 3000 Mark Einkommen hat, ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Huñgerleidet. Das leugñè ih gar m<t, Cin anderer Zensit mit 3000 Mark steuérbarem Einkommen auf dem Lande kann éine höchst angenehme Existenz führen. (Sehr richtig!) Infolgedessen würde also eine allgemeine Änordming oder ein Geseh, daß allè Einkommen, sagen wir bis zu 3000 Mark, steuerfrei bleiben sollten, nur ben Schein - der Gerechtigkeit haben; in der höchsten Gerechtigkeit wärde es die hochste Üngevechtigkeit gleichzeitig ein» schließen. (Sehr rihtig!) Also muß das vörbehalten bleiben der gemeinsamen Ärbeit, zu dèr Sie ja eingeladen sind, zu der wit bereits in der nächsten Stunde uns zusarimenfinden werdén, (Zuruf vön ben Ünabhängigen Sozialdemokraten: Dann ist es zu spät!) Um 248 Uhr ist es zu spät? —— Da sind wir in dêr Budgeikommission, (Zuruf von ben Ünabhängigen Sozialdemokratén: Üm 1. April be- ginnt das neue Stéuerjahri) Selbstverständlih! Aber, da diese hohe Vèrsammlung, die über die Steuergeseße zu befinden haben wird, nicht früher zusammengetreten ist, so konnte ih ihr äu nicht früher ein Gesey unterbreiten. M Nun sagte Herr Dr. Mosénfeld weitet, daß das Eristenz- iminimum, bas biéjer in der Steuergeseßgébung enthalten ist, von 900 Mark; natürlich aicht aufrehterhalien werden fönne. Das wird auch von der Megierung zugestanden; denn der sinkende Geldwert in ben leßien Jahren muß eine Veränderung der Grenze nach sich ziehen. És wird sih bi der Neuordnung unserer Steuern im Herbst dag Gelegenheit bieien, und biese Gelegenheit soll nit ungenuß: vor- übergehen. Wit werden dann über die Höhe des freigulassenden (tistèngminimums mit uns sprechen lassen und bei jener Gelegenheit auch qu prüfen haben, ob man überhaupt eine solhe Eristenz- minimumösgreûige sür das ganze Land alle Stände gleihmäßig Nañ, Meine sehr berehrien Anwesenden, gestatten Sie zum Sé{hlüsss o éin einziges Wott. Einer dêr jüngeren Herren aus den Meihón dër Unabhängigen Sozialdemokraten niahte wir den Wor“ wivif, baß i< „als Sozialdemokrat“, wie ér wohl damit andeuten tvollte, mit so wenig Verstänbnis für die Lage dét minderbemitteltes Volksschichben über diese Frage gèsprochen hätte. Jh habe wohl soviel Jahre meèines Lebens an Steuersragen und besonders an die (Fraze der gèrecten Besteuerung gewandt, wie er ságen wit =— bis Schule bèezogèn hat, muß also eine Belehrung von seinèr Seit zurü>weisen. (Aba, Adolf Hoffmann: ter s<hüht vor: LTorheit nicht!) So alt wié Sie, bin ih no< gar. nit! (Große Heiterkeit.) Es ist keinè Torheit, meine vèrehrten Anwesenden, sondern es ist ein- fa der Ausdru> einèr unerbittlihen Tatsahe, wenn ich fage, daß

wöttete, Ih sehe ch deshalb genötigt, einige kurze Bemerkittigen

wix alle, aber au wirklich bis zu dem leyten, uns davon überzeugt

Oeser, Fishbe>, Stegerwa Tum.

héTten unnd bereit sein müssen, für den Dienst in der Gesamtheit unser Scherflein beizutragen. (Lebhafte Zustimmung.) Die Steuern sollen

getechter gestallet werdén; sie sollen sozialer gestaltet werden. Aber,

meine Herren, steuerfrei wird in Hukunft niemand mehr bleiben können, und wenn Sie es \{arf, ganz genau anschèn werden Sie selbst zugestehen müssen: das sollte auch keiner bleiben! (Sehr richtig Wenn der Grundsaß wirkli<h durdgeführt würde, daß „nah seinen Kräften" der einzelne zu den Leistungen des Staates herangozogen wird so wird auf den einen sehr viel, auf den andern sehr wenig treffen. (Zuruf.) Sie fragen, ob sih die Einziehungskosten lchnen? Das kowmt darauf àn, ob man Metloden finden kann ih glaube solhe Methoden bereits gefunden zu haben ——, die gestatten, au die kleinen Beträge einzusammeln, ohne daß hohe Einziebungs- kosten tamit verknüpft wären; das wäre also eine rein prafktifche Frage, Hert Abgeordneter Adolf Hoffmann. Anderseits müssen wir uns, wie gesagt, an den Gedanken gewöhnen, daß die Steuern nah der Leistungsfähigkeit auf alle umgelegt werden, Den einen wird das sehr schwer, ten andern um so leichter treffen, abèr steuer» pflichtig muß in einem Staat, derx jedem seinet Ahtgebörigèn ohnk Unterschied des Geshlehts vom 20. Wbensjahte an das Wablreht gibt, jeder sein. (Sehr richtig!) Anders können die Geschäfte diefes Staatés nicht. geführt wetden, und ih wèrde mi fehr freuen, wenn ih dei ter Durchführung dieser Gedanken auch auf Jhre Üntetstütung re<nen kann. (Beifäll.)

ate ee ias Ga

12. Sißung vom 27. März. (Betiht von Wolffs Télegraphéènbürso.)

Am Regierungstische die Minister Hir \<, Braun, d und Dr. des

Präsident Leiner t eröffnet die Sißung um 1114 Uhr.

„Eine förmliche Anfrage des AÄbgeordteten De. Reinede (Zentr.) über verstärktén polizeilichen Schuß gegen räuberische Ueberfälle auf dem Lande wird, wie dèr Ministerpräsident Hirs\< erklärt, in den nächsten Tagen beantwortet werdén. Es folgt die érsté Lesung des EntwurfseinesGes- seßes über die Umlegung von Gkundstü>en in Cöln. __ Staatöskömtwissat für das Wohnungsöweésen S GLidt weist auf die Wohnungsnot hin, die vor ällem dur. dié unterbliebene Bau- tätigfkeit hervorgerufen sei. A Côln selèn die Verhältnisse besonders s{lecht, da s sih um eine Festung bândle und der innere Teil der Stadt stark verbaut sei. Eine Hêrah,

b:onung soll angestrebt i Es wird Wert gelegt auf mebr Freifläcbe, Wia LA Sbioteiaen:

, Der Geseßentwurf wird in erstéèr und dann au< iùñ zweiter Lesung angenommen.

Darauf wird die Aussprache über das Res- giéerungs3prog raimnm fortgeseßt.

__ Landwitrklschaftsminister Bkä un: Mêité Damên und Herren! Die Nedner sämtlicher Parteien, die bisher in dêt Débatte gesproden haben, haben in dem landwirtshaftlihen Teil des vom Minister- präsidentet funtgogebnen Regiéfüngpregramims nit roesenllids ge: habt. Selbst Herr von Kardotff, der és wohrlih an Opposition nicht fohlen sieß, hat an diesem Teil des Prograiims ivesentlih nis be. krittalt. Allerdings hat èêr gesagt, es habe sohr lamgè gedauert, bis die. Herren datnit théinte er ebl bie Múitgliedet cer Regierung = diè Bedeutung der Landivirlscaft erfannt hätte, (Zuruf.) Es ist nit sebr wahr, Hèrt von Kardorff, sonbèrn tin Jrrium! J kann däs woll für alle Mitelieter dèr Regierung Und auch für alle Par- heièn diesss Hôâuses érklätèn, baß sie die wirlscafiliché Bedeutun der Landivirlschaft stois erfinnt und füt ihre Fördétütg êtilfprechend eingetreten sind, Allerdings sind sie dabei vetschiedèné Wege gegangen.

_ Diese verschiedeten Wege werden wir vielleicht au< in Zukunft noch gehen müssen. Um Jhnéèn das an einem einfachen Beispiel klär zu maden, möchte ih daran erinnern, Herr von Kardorff és war, der im Februar 1917 hier in \einet friscfröhlichen Art in déh Sáal rief: Zahlen Sie 8 Mark für ben Zentner Kartofféln, und die Larwirte liefern, s viel Sie haben wollen! (Hört, hört! bei den Sogzicildemokvaten.) Diese einseitige Belonung dés agrarpeolitischen Interessenstantiüunktes hat den Gegensaß zwischen der ländlichen Bs- völkerung und der großen Mässe der städtischen Bevölkemmg hervor- gerufen und forpeseßt vertieft. (Sehr richtig! bei den Svzialdetno- kraten.) Diese Art des âgratpolitischèn Jntéréssenstantpunkts hat auch mit die Stimmung erzeugt, die sich im ben Novembêrbagen des vorigen Jahres s gewaltsam Luft machte. (Sehr richtig! béi den Sozialdemokräten, Widerspruch re<ts;)

Es i} aber bs nit allein, sondern det Umstand, daß éin ganz feiner Brucbteil des ländivirtshaftlihen Betuféstandés seine wirt: s>{äfilide Stellung dag mißbraucht hatte, im pellitisGé Meachks ansprüche bei uns in Preußen geltend zu malen und durdzusebeñ, hat weiter dazu beigetragen, Einen wilibéibtüclbaren Gegérssaß gwischen diesem Teil der ländlichen Beyölkerutg und eiñèm größën Toll der städtischen Bevölkérung hervörzurufen. Das muß ¡eht anders werden! J höffe, daß es auch anders wird, und taß die Herren üm Heren von Kärborff auch einséßén, taß siè das Interesse der Lantwirlschaft rar sacgemäß wahriebmmen könen, wenn sie ihre Politik anders einstellen, Die Lankwirischaft darf nit meht fi objekt parteipolitis>èr Streitigkeiten sein! (Lebhafte Zustimmung bei den Soz'älstemokraten und re<ts.) =— Sehr richtig, Hert von

Kardorff! Deshalb 5edauere ih s ünd vérurtéilé es auf das shärfste,

wênn jeßt no< Taqungen von Landwirtschaftökammern felbst von dêren berufen Ordähen dazu beruht wérden, um politis Funk: gebungen gegenrevölutionäret Art in dié Welt zu sehen (Hört, hört! bei den Sozialtemokraten.) U I will hièr nicht untérlässèn zu erklären: Sollte ih éin det: artigèr Mißbrauch dieser tein wirt Haftlichèn Beîufsvêrtrètungen wié» derholen, so werde ih mit aflen mit zu Gebote stehendèn Mitteln dacégén tinfschréiten. (Bravo! bei den Sozialtêmefräten, Zurufe und Utrirbè rè<ts) Meine Hérrêñ, 28 kann mut ginn Nachteil det Vern: wiris>@ft, zut Hemmüñg ibtèr fFötdeting autf&lägèn, wenn ihrè wirlsc<aftlicen Vertretunpäkörpetf>aäften zu Tüummelplägen monmat« <is{er und agrärkonfervativèr Bestrebungen gema werden, (Seht ri&ta! bei den Soz'äldemoktaten.) B Mit drou>en jet in der kritiféen Lage, in der wir wiris>aftili fiehén, állè Kräfte die it der Lantwittschaft wirken olel&viel welcher Wesltanschauung sie huldigen, gleichviel welhét Patteirißtung siè angehérên (sebr wahr! bei ten Sozialdémoktätén und re<ts), wm bié große ents>eidentè Aufgabe, die der Landwirl\>aft bei ter Ernéüérutth unseres Wirtsc;aflölebers gèstéllt ist, zuin ‘Wohle unséres Landes und

unseres Volkes zu lösen. Jh habe diese Aufgabe, die die Landwirt» schaft bei dem Wiederaufbau unseres Wirlschaftslebens zu lösen hat, mit Vorbedadt eine eñts4eitende Aufgabe genannt, Denn nach dem Niederbruh unserer Industrie ist di eLandwirlschaft vorerst die Haupt»

#

| | j

Nüt, was wir aus dem heimisdèn Voten herausholen, nur, was wir |

evt hn erzeucen fénnen, tas allein tereidert unsere Wirlschaft und

j

i Í y ( i } gut verdient. mat uns wicter wirls>aflli< selbständig. Jede Tonne Lebenêmitlel |“

mehrt, diè wir auf hèimisck@m Voten erzeugen, ermögbiht es uns, mehr |

der Nobsteffe aus tem Nublande einzuführen, die unsere Industrie zu |

ihrem Wieteraufbau notmendig braulht. (Seht richtig! links.)

Wer, meine Herren und Damen, au der Verlust an heimischem Boden, der uns in dèr Ost- und Nortmark droht, zwingt uns, der verbebenen Fläde tur intersive Wirtschaft so viel wie möglich ab- zugewinnen, zwingt uns, durd Kullkvièrung unserer Mootr- und Oeds landflächen, die mehr als biéher forcièrt werdén muß, für die land- wirtsdafllide Nußung Neuland zu schaffen. Wir stehen vor sehr scrteren Aufgaben, vor s>weren Aufgaben in einem Zustande wiris>taflliden Niedercangs, wie ihn kaum noob je ein Land érlebt hat. Deéhalb kann nur unsere Devise sêin: Arbèit, Arbeit und wieder Arbeit, arbeiten und niht verzwefeln! (Zuruf rets.) Meinè Herren, ih sage és allen, Ihnen, den Hèrreñ, dié um ti stehen, und auh den Herren äuf dèt andéren Seitè, És gilt für alle, die jeßt nicht arbeiten, sondern nur géniéßen, und bie gibt és nit nut äuf èiner Séite, sondern die gibt és auf verschiedenen Seiten, (Zuruf bei den Unabhängigen Sozialdèmokräten: Noskegarde!) Wenn ih jeßt sehe, wieviele Kreise der Bevölkèrung dahinleben, wenn i jeßt sèhe, wie mañ giérig nah den Lebensmitlelshiffen auchaut, dié nah meiner Auffassung viel zu mätklsreieris< angekündigt werden und Hoffnungen erwé>en, diè na<hèt nit befrièdigt werden können (Sehr richtig), wenn man sieht, wie nah einèr Préfsenotiz kürzlich in Hamburg unterernährte Kinder einer englischen ober amerikanischen Kommission vorgeführt wurden, tann kommt das Gefühl tiefster Scham übèêr einén, und dann empfindet man êrst rê<t, in we!rhe Tiefe moralis<en und förperlihen Elends uns diéser Krieg geführt hat. (Zuruf re<ts: Die Revolution!) Meine Hérren, ohne Krieg hätte es keine Revolution gegeben. Deshalb ist der Krieg das priniäre. (Andauërnde Untuhe.) Jh möchte dabei aber auh hervorheben: Diese Erscheinungen sind niht neueren Datums. Wer sich in den leßten Kriegtjahren umsehen konnte, der hät gesehen, wie der Vergnügungs- taumel die weitesten Kreise hon in den lebten Kriegsjahren erfaßt hatte, besonders die Kréise, die so übêraus viel im Kriege vêrdienten. (Zurufe links: Kriegsgewinnler! Gegenrufe re<ts: Mutiitions- arbeiter!) Meine Herren, es gibt ni<t nut Murätionödarbeiter, die im Kriege verdient haben, die nut ihten Lohn für ihre Ärbeit be- kommen baben, es gibt au< Leute, die nit gearbeitet ‘und do sehr viel mehr verdient, haben. (Seht tihtig) Angesichts dieset Et- sheinungen möchte ih von dieser Stellé aus mit höch éitital hinaus. rufen: Wix sind dur deù Krieg bilterärm g&worden! Äber- wir wollen dafür forgèn, daß wie in det Desfntlichkeit nidt ald ein Bettelvo!? ershèinen. Nicht betteln, sondern ärbéiten, das is jeht unsere Pflicht für alle Kréise der Bevölketung. (Sehr richtig! Sêht währ!)

Nun hat Herr von Kardorff gestern gemêint, auf der Landwirt» schaft laste die Verärgerung, die hervorgerufen s dur die Über- tréibung dèêr Zivangêwirtschaft. Meine Herrèh, èinè gewisse Vere ärgerung lagert auf ällen Berufskreisen, ni<t nur auf der Landwirt» schaft; aber nicht nur diesé hat Anlaß, bêrärgett zu séin, nicht mrt sie produziert und arbeitet unter eis<wérenden Verhältnissen. Au diese änderèn Bérufe müssen unter èrschtverenden Umständèn arbeiten, ohnè daß sie zurüdgreifen fönnen auf vier fetté Jahre, die bo ¿rveifellóss der Landroirtschaft wähtènd der Kriègézeit beschieden ge- wesen sind. (Zurufé re<ts: Aber nit àllên Landwirten! Mit Untét- ied!) Meine Herren, mit Unterschied, hin und her. Jedenfalls witd es niemand, der óbjektiv zu urteilen géwohnt ist; äbstreiten, daß dié Landwirtschaft während der Kriegszeit dér éingige Extwérbszweig wät, der testlos fast in âllen seinen Glièderù gut vêrdient hat, (Sehr gut! bei den Sözialdeiokräten.) Es hat natürlih auh in einzelnen Zweiget dér Industrie Kreise gegebén, die gut verdient haben. Abèr die Lañdwirtschaft hat in alléñ ihtên Zwêigen gut verdient. Das zu bestreiten, heißt ebên den Gegensaß no< tmêèhr vertiefen, den i schon im Eingang meiner Ausführungen bedauert habe. Das ist eine Tatsache und wird bon jede objéftiv Denkenben zugegebèt. (Widet- spruch rechts.) :

Wenn Sie das bestreiten wollen, dann werde i< Jhten éînige Zählen geben, dié das s{lägend beweisen. És ist eiti allgêineine

Auffassung, daß einê staatlie Verwaltung ticht so lukrätiv wirb“

schaflét wie der Pribatunternéhmer. (Seht gut! tehts.) Sie fagen: Sehr gütt Es inag dahingestéllt sein, ob das rihtig is, Das voraus: géshi>t, will i< Jh êinmal därlégén, tvelche Ergebnisse die land rirtshaäftlihße Verwaltüng béi dêr Söll rishafturg von Domänen im Jahre 1917 darüber liégen mit die Résulläte vor étzielt hat, Es handelt si< üm 10 Dömänen Öftpreußen, die dutch dei

Nusseiteinfall zum Téil zérstört und in der Wirlsaäft seht herunter:

gekommen waren, von den Pächtern aufgegeben und deshalb von der Domänenberwaltung ädtninistrièrt werden mußten. Diese 10 Dos tmähèn mit insgesamt 6239 Hêkbar wurden unter s{<wierigèn Verhält. nissen béwirtshäftet; die Wirtschafts und Wohngebäude wären zum Téil zerstört und mußten erst wieder aufgebaut, zum Teil dur Not: béhelfbauten tiseht werden. Gleichwöhl ist it Jahre 1917 auf diesen 10 Dsimätén ein Reingewinn von 807 000 # erzielt worben. (Zutuf re>t8: Wurde au Viehzucht getriébên?) Das weiß ih im ein ¿elnen nit, Was hat däs damit äuh zu bin? (Widersptkuh und Lachen rehtä.) Jh habe u dêèm Administrator däs Vertiauen, daß er scire Wirtschaft so geführt hat, wie sie vothet geführt wurds, und wie es den dôttigen Véthältnissen entsprah. Wenn ex wegen des Nusseneinfalls kèine auêreihenden Stallungen mehr gehabt hat, dann wärè êr èin Narr gewesen, wein er dann ö TEoO gt triebêèn bätte, Mit solhen Einwvürfen können Sie das Resultat nicht äus der Welt [<affèn. Wein mäñ von bêèm Ötwinn die Pat abz zieht, die diese 10 Pächtét gezahlt haben, mb die insgesamt jährli 145 000 M betrug = viel hâtté der Staat bekommen, weni ét niht sélbst gewitischaftet hätte —, wenn män weiter $ % Zinsén füt das Jnventarkäpital mit 76000 Æ und weitét die Kostén der Gesamtättministrätion mit 53000 # abzieht, so bleibt immet ño<h ein Nettogewinn von 582000 , den der Staat mehr aus den Domären erzielt hat, als weñn diè Bewirtfhäfluña wie frühèr durch die Pächtet weiter fort: gelebt worden wäre, (Hört, hôrt1 béi den Söoziäaldèémsokräten.) Wenn

selbst bei diesen Wirtschäften, die unter so ersdavérenden und üungün- stigen Verhältnissen fortgeseßt werden mußten sol<e Ergebnisse erzielt werden, wenn dies sogar bei einer Betriebswrise der Fall ist,

aft vor Dc | wôò die Verwallung dur< Beamte ausgeführt wird, was Sie [elbst Fraflquelle für den Wiederaufbau unseres gesamten Wirtschaftslebèns. |

nicht für rationell balten, dann werden Sie zugeben, daß ih das Mecht habe, zu sagen: die Landwirischaft hat in den Kriegsjahren (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es unter- liegt feinem Zweifel, daß ebenso wie in den. leßten Kriegsjahren auch jeßt no die Landwirtschaft unter sehr ers<wertèn Verhältnissen produzieren. muß; ja, die Scbwierigkeiten für die Betriebsführung haben sih na< Beendigung dec Feindseligkeiten no< vermehrt, Der Landwirtschaft steben beute nit einmal so viel künstliche und \on- stige Düngemittel zur Verfüoung wie im lebten Kriegsjahrè. (Zuruf re<ts: Infolge der Streiks!) Das ist nit nux infolge der Streiks so gekommen —, darauf komme ih au no< zu \prehen —, sonderú es ist erstens darauf zurü>zuführen, daß unser Viebstand erbeblih zurüdgegangen ist, daß niht mehr so viel tierisher Dünger bothandèn ist tie früßer, und daß er au<h an Qualität erheblih ge- littèn hat. Dänn aber ist die bedauerlihe Talsaché zu konstatieren, daß aud) tiejenigen Düngemittel, die wir uns viélleiht no< in aus- giebigem Maßé schaffen könnten, ni>t in dem Maße ges<affen wérdeñ, wie däs diè tèé<nis<e Möglichkeit zuläßt. Und das ift éiùs- mal darauf zurückzuführen, daß dèr Kohlenmangel keine hinrêihénde Produktion ermöglihte. Worauf dieser Koblenmäahgel in ben lebten Monaten zurü>zuführen ist, ist hon bei anderêèn Gélegén- beiten genügend erörtèert worden. (Zurufe re<ts.) =— Allerdings bié Streiks, und dann au<h dèr Rückgang dèr Produktion in deù Be- trièbeñ, wo gearbéitet wird. / N

Aber auch dadurch, daß den lehten Monaten béfordérs dur Streiks auch die künstliten Düngsrfabriken lähmgelegt wurdén, sind vielè Landwirte in die allérgrößte Verlegenheit gèkommen. Gerage jeßt, in der Zeit, wo fdie Bestellunasabeitèn im Gängé sind, wo der Ader boarbeitet wirb, wo es nohwendig ist, ihm künstliche Düngemittel zu geben, da logtè dor Streik dié Stikstoffäbviken, bie Kaliwerke in Mibteldeutshland lahm ünd untäband dèn Vérkéhæ, so daß die Landwikis, diè auf diè Zufübßr der Düngetittèl wartet, in größter Verzwéiflung waren. Sie standen bor dét Fräge, ihre Arbeit in den Boden zu stè>en, die ibnen später infolge üngenügender Düngung etitiveder mir den halben dödèr gar den Woörtellohn bringen würde, oder ihn unbearbeitèt zu lassen. (Zurufe reh.) = Das ist sehr richtig: infolge des frivolèn Stréiks, de i< ebenso wié Siè äuf das allérsdäifste vorurteile. Wenn bei dêr Etörtetüumá dieser Streiks vor êinigen Tagen bon der @ußersten Linken gerufen würde: ès wird no< nit genug gestreikt, se möhte ih dazu êre Maren: diésêt Ausruf lâiütet in seinèr AuSwirkung: es wird oh ni<t genug gebungett, (Sehr rihtig!) Auf diesen Shändpunkt, méiñe Hétrken, kann sich nur eine Partei stellen (Zurufe bi den Uns abhängen Sozialtenwkraten: Sezialisièrt toch! =— Dachen und große Untuhe) käm si{< ur éine Partei stéllen, die zu dét Weétbekraäft isæêr Politik kein Vertrauen hat und deéhalb ihrè ganzè Höffnutig auf die Hüngerqualen unseres Volkes seht. (Lbbafle Zustimmung re<ts, i Zeñtrum, bei dên Deutscbenwokräten unh Sögialdettigs kräten.)

Msvhè Dänen und Herren, es if im Züsämnmékhawg mit dék Streiks ter Arboiter auh der Gedanke des Shreiks der Landwirts in dié Oeffentlichkeit örörtert wotden. Jh bedaure das und hoffe, däß im den lántivirls>astliden Berufskreison dièéfe Jdee keinen Besen Yyerwitt (Rufe tehts: Im Gögenteil l), baß bis Länbivitts si< dêt Pflicht bewußt bleibèn, dié der Besiß bés Bodens ihnèn äufe étlègt. (Séhr richtig!) Jim Gehénteil, wir müssen jéht von den Länbibitteñn vêrlangèñ, daß sie doppelte Anstrèöngungéh därän setzön, dié Schäden, die ins dèêr Krieg, insbesondere ou< dèt Länbiöirishäft, zißéfügt hat, zu bebeben. Jh bedäitre 6s auc, wenn Lundäkéiter zu Stroiks aufgefördèrt werden; allerdings bédouwre ih es ih = zu fkomine ih au no< —, tein sinzosite unberftändigë Atbeib- gébêt, biè bié eue Zeit hoh nit begriffen baben und, wie Es v0 gékomimeèn ist, Landätbeitör bere<tigten Anlaß geben, die Arbeit niébêrzülegen. Jedenfalls wird bei diéser s{tbëren Aufgabe, die ven Laiïdivirton gestellt ist, die Staatsregiorutg alles daëan sehen, sie nah jéder Richtig zu fördern uns Skaatsinittel berzitzustellen, bie nolwendig sind, um dèn Ländwvirten das wissenschaftliche un te> nischè Rüstzeug zu geben, ihre Aufgaben soweit wie möglich ge rêht j roörden,

Meine Dâiten und Heren, ih kommè in dem Zufämmenhäng äh auf die Arbeitetftage. Sie ist zurzeit éine vér wihtigsten Betriebsfragen in det Lantwirtschaft. Jn ten lehten Fiiedensjahren ivar beulshe Landwirtschaft äuf etwa 4 Million ausländische Arbeiter eiñgéstellt, während der Kriegsjähre hat sie sh mit Gefan» déneñ teitèrccholfen; außerdin hát der Krieg gerade if der lanbivitrbs s<aäfili>en Bevölkerung sehr \>dtverè, fühldare Lüken gerissen. Daher sind jeyt tatsächli<h bie ausreicenden Arbeitskräfte füt eine inténsive Wirtsßaäft auf dem Lande niht vorhanden. Es muß deshalb alles gêtán wetden, um det Landwirtschaft die nötigen Arbeitskräfte zur Verfügüng zu stellen. Das kann ohne Rüctgtiff auf äusländische Arbeitsktäftè gesehen, weil infolge des Darhiéderliegens der Fndustrie in Lände gétug Arbeitskräfte vorhänten sind. Es kommt klédiglih darauf an, diese inländischen Arbeitskräfte von ihrer industriellen Tätigkeit sahgemäß auf die landwirtsGaftliche Tätigkeit umzustellen. Däbhèr muß der Nuf: „Hinaus aufs Länd!“ in der Oeffentlichkeit noch sêhr viél nahdrü>lider êrtlingén als bisher.

Es ift nicht zu verkennen, daß sich bei der Wsung diefer Aufgabe (ewissé Schwieérigkéitèn ergeben, Es handelt suh bei den Fndusttise árbeitèrn oft uin solche, die mit ländlichen Verhältnissen gar nicht vew ttäut sind; vilfach handelt es si< um Arbeiter, die in det Intustrie eine gualifiziérté Arbeit verrichtet haben, die nur auf diese eingestelli sind uñd mun, enk sie äh {were Landärbeit herangehen, fürchten, dauernd ihrèt höhet qualifizierten industriellen Arbeit entzogen zu werden, Diése Arbéitor emls>Meßen si zur Utbetnahme von Landarbeit meist

nit, sôlangé noch dié leiseste Hoffnung besteht, daß es ibnen gelingt,

ihrèm alten Etwérbszweige wiedet Arbeit zu finden. Abet, meine Héktrèn, wênni ès uns nur gelingt, allè diejenigen ZIndustriearbeiter, die auf bem Lande géborén sind und dort auh nur als Kinder gelebt haben üñd derinah nit völlig unvertraut mit ländlichen Verhältnissen sind, aufs Land zu bringen, dant würdè ber Landwittshaft schon eint sehr gtóße Schat vön Arbeitskräften zuströmen. H ; Auch nah dièser Nichtung hät es Schwierigkeiten gegeben. Durth dié Vêrordñungen, die von der Reichsregierung erlassen worden sind, ist Gon manches geschehen, um dèn Arbeitern den Umzug näch bew

2M

x \, \ j 1

E L E

L E

Ü Y

ert ane trei Ban tit La o ardt

E