1919 / 88 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Bekanntma ung

Auf Grund der Bundesratsverordnung vom 23, September 1915, betr. die Fernhaltung unzuyerlässiger Personen vom Handel (Neichs- Geseßblatt Seite 603) sowie der Autsührungsbestimmungen zu dieser Verordnung vom 27. September 1915» und 2. August 1916, habe ih dem Händler Friedrich Grote in Weitmar, Neuling- straße 64 die Ausübung des Handels mit Lebens- mitteln und sonstigen Gegenständen des täglichen Bedarfs wegen Unzuverläfsigkeit untersagt. Die Unter- fagung triit mit dem 20. April 1919 in Kraft.

Bochum, den 10. April 1919.

Der Landrat. Gerstein.

BeranntmaEUng Auf Grund der Verordnung vom 23. September 1915, betreffend Fernbaltung unzuperläisiger Personen vom Handel, wird a. der Firma Theodor Eigel in Cöln, Scildergasse 36, sowie b. deren Geschäfteführer Nikolaus Josef Stellmacher in Cöln, Pérlenpfuhl 17, der Handel mit alken Lebens -, Nahtungs- und Venußmitteln, namentli} mit Kon - ditorwaren aler Ul, Unter #01 Die: Kosten olejer Veröffentlichung haben die Beteiligten zu tragen. Cöln, den 7. April 1919. Der Oberbürgermeister. J. V.: Dr. B e st.

Bekanntm & QUN a

Dem Händler Hugo Werner, geboren am 17. August 1879 in Friedland, Schlesien, wohnhaft in Frankfurt a. M., Kronprinzen- straße 16, wird hierdurch der Handel mit Gegenständen des täglichen Bedarfs, insbesondere Süßigkeiten aller Art, sowie jeglide mittelbare oder unmittelbare Beteiligung an einem folhen Handel wegen Unzuverlässigkeit in bezug auf diesen Gewerbebetrieb untersagt.

Stankfurt a, M., den 8. April 1919.

Der Polizeipräsident. J. V.: von Klenck.

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BeLanuntmaMcmbung

Dem Konditor Otto Muchenberger, geboren am 26. Mai 1888 in Mannheim, wohnhaft Frankfurt a. M., Friedbergerland-

straße 88, wird bierdurch der Handel mit Gegenständen des täglihen Bedarfs, inébesondere Süßigkeiten aller Art, jowie jeglihe mittelbare oder unmittelbare Beteiligung an einem so!den Handel wegen Unzuverlässigkeit in bezug auf diesen Geroerbrbetrieb unterfagt. Frankfurt a. M., den 8. April 1919. Dex Polizeipräsident. J. V.: von Klenck.

SZictamtliches.

Deutsches Reich. Preußen. Berlin, 16. April 1919,

Die Masfenstilllandskemmiliion wird siändig in Angelegenheiten geringerer Bedeviung von der Be-

völkerung der beseßten Gebiete um ihre Ver- mittluvg angegangen. In Spaa können - aber nur wichtige Fragen zur Eröcterung gebra werden, für die der Oberbefehlshaber der gesamten Besaßtzungs-

truppen, Marschall Foch, zuständig if. Für Anfragen und Wünsche anderer Art siad die Oberbefehlshaber der einzelnen feinhlihen Armeen zusiändig. Die gegebenen Vermittlungs8- stellen sind hierfür die heimishen Vermwaltunosbehörden, und zwar: der Ober- und Negieruncspräsident in Koblenz und der Regierunatpräsident in Trier für die amerikanische, der Neagierungspräsident in Cöln für die englische, der Negierungs- prôsident in Aachen für die belgische und der Negierungs- präsident in Wiesbaden für die französische Bejaßungszone.

Aus dem Sißungsberiht der Waffenstillstande " kommission in Spaa vom 14. April teilt „Wolffs Tele- graphenbüro“ folgendes mit:

Die nah Belgien geleiteten fünf deutschen Sanitätszüge, welche die deutslen Schweiverwundeten und Schwerkranken heim- befördern sollen, sind bereits zurückgekommen oder im Begriffe zuräck- zufehren. Da sich aber in den belgischen Krankenhäusern noch 409 kranke Deutiche befinden, so bat die belgische Kommi|sion um bie Enlsendung zweier weiterer Sanitätszüge.

Die bereits angekündigte javanische Mission, welche sichG aus zwei Beamten und fünf Offizieren zusanmmenseßt, wird am 17. April in Berlin eintreffen. :

Die Alltierten liefen in Saa mitticilen, daß die Gerüchte un- ridtia sind, die Entente habe die bayerische Näterepublik anerfanut.

In den besetzten Gebieten wird die Vergütung der Ne- quisttionen und Schäden verschieden geregelt. Jn einer deutshen Note wurde! daher den Alltierten vorgeschlagen, die Ver- gütung der Leistungen nah dem deutschen Vergütungsgeset vor- zunehmen, die Bezahlung grundsäßlih durch die deutsche egierung erfolgen zu lassen und die Beträge auf die geshuldeten Unterhaltungs- tosten anzurechnen.

Die deutsche Negierung ließ die Alliierten ersuchen, dafür zu sorgen, daß im beseßten Gebiet die Hinterlegung von ausländishén Wertpapieren bei den deutschen Banken gemäß der Vero:dnung der deutschen Negierung vom 96. März mcht verhindert wird. Es wurde ferner gebeten, der Uebersendung dieser Wertpapiere nah dem unbesezten Deutschland keine Hindernisse in den Weg zu legen.

Der französisde Oberbefehlshaber batte in Spaa gegen die Veräußerung zweier Grundstücke in Malmedy Einspruch erhoben, die der Rheinprovinz gehören. Er haite be- hauvtet, dieje Veräußerung widersvreße dem Sinn der Waffen- \tillstand8bedingungen. Die deutsche Negick-rung ließ heute erklären, sie könne sich dieser Auslegung des Waffenstillstandsvertrags nicht anschließen. Der Waffenstillstandävertrag betreffe nur Staats- eigentum. Das Eigentum der Gemeinden und Selbstverwaltu1g8- verbände sei wie Privateigentum zu behandeln. Das sei au in der Haager Landkriez8ordnung ausgedrückt.

Durch ein Schreiben des Juternalionalen Noten Kreuzes vom 5. Npril erhielt das Ministerium des Jhnern, wie „Wolffs Telearaphenbüro“ meldet. turch Vermitlelung der Zaffenstillstaudskommission am 6. April davon Kenuninis, daß die Polen beabsichtigten, in den allzrnähsten Tagen, vielleicht \{chon am 6. selbst, einea Transport von 350 Geiseln über ' Kreuz abzuschiebèn. Ja dem Schreiben des Noten Kreuzes war in UAuesicht gestellt, däß die Bahnhofskommandantur Kieuz rechtzeitig vom Eintreffen dieses Transportes in Kenntnis aësezt werden sollte. stammten, fehlten.

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Da dem Ministerium des Innern bekannt war, daß in dem in erster Linie in Betracht kommenden Gefangenen- lager Szczypiorno Flecktyphus herrscht, riciete es am 7. Morgens ein Tefegramm an den Obersten Vollsrat mit dem Ersuchen, so frühzeitig von dem Abtrausport der Geiseln hierher Kenntnis zu geben, daß die mit Rücksiht auf die Fleclyphusep:demie in Szezypiorno erforderlichen Maßnahmen sanitätspolizeiliger Art noch getroffen werden fönnten. Kurze Zeit na dem Abgang dieses Telegramms Lief die 1elephonishe Meidung der Bahr hof&- lommandantur Kreuz ein, die zwar durch die Polen von dem Eintreffen eines polnischen Zuges versländiat worden war, nit aber davon, daß es sich um flecktyphusver- dachtige Leute aus dem verseuchten Lager in Szczypiorno hondelte, daß dort am 6. früh ein Transport von 297 Geiseln eingetroffen sei. Auf die Anweisung, dicscn Transport sofort fesizuha!ten und im Einvernehmen mit dem Re- gierungépiäsidenten in Bromberg und dem Generaltkommando Stettin die crforderl!chen saaitätspolizeilichen Maßrahmen zu treffen, wurde erwidert, daß der überwiegende Teil der Ein- getroffenen (über 200) von Kreuz bereits wieder weitergereilt sei. És wurde sofort die Anweisung gegeben, nah Viöalichkeit die bereits Abgereisten in den Zügen zu exmitteln und nach Kreuz zu: üclzuführen. Gleichwohl ist das nicht gelungen.

Die Art und Weile, wie die Polen bei dieser Veran- lassung verfahren sind, bezeugt ein ungewöhnlih hohes Maß ivhumaner Gesinnung. Die verantwortlichen polnischen Macht- haber haben sich nicht gescheut, aus einem flecktyphus- verseuchten Laaer mehrere hundert Persoven, die nah dem Bericht des Negierungspräsidenten in Bromberg auf das {limmste verlaust sind und hierdurch Träger des Flecktyphus- bazillus sind, ganz überraschend nah Kreuz zu fenden mit dern Bewußtsein, daß diese Personen voa Kreuz aus sofort weiterreisen und damit den Fiecklyphus in einer die övffeatliche Gesundheit auf das \chwerste getährdenden Weise verschleppen würden.

Im Auftrage des Reich3minifiers der Fluanzen begeben si nah einer Meldung des „Wolfsschen Telegraphenbüros“ der Ministerialbvireltor M oes le und der Geheime'Dberregierungs8- rat Trautvetter noch Wien, um an den Sißungen der dort seit kurzem das Staatsschuldenwesen und die Währungs- frage beratenden Kommission teilzunehmen. Es hat sich nah den von der decuish-östereichishen Regierung gegebenen An- regungen als wünschenswert erwiesen, daß ein vorläufiger Meinungsaustausch über die im Deutschen Neich einerseits und in Deutsch Oesterreich andererseits zur Erhebung gelangenden Abgaben stattfindet, um gegebenenfalls eine Angleichung zwischen dèn Äbgaben beider Länder vorzubereiten.

Jm Sachverständigenrat für die Kohlenwirt- haft wurde die Beratung über die Organisation der zu {hafsenden Selbstverwaltungsfkörper O Der Reichs- fohlenrat wird sich danach, wie „Wolffs Telegrapüenbüro“ mitteilt, mit geringen Erweiterungen und Abänderungen aus den Mitaliedern des Sachverständigenrats und, wie dieser, paritätis{ch aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu- sammensezen. Der gesetzlich vorgeschriebene Gesamt- verband der Kohlenerzeuger wird- als „Reichskohlenverband in Form elner Altienge}ellschaft gegcündet werden. Seine Mitalieter find die betiehendea oder neu zu bildenden Be- urkssyndikate. Der RNeichsfohlenverband wird für die ae- samte Kohlenwirischaft die allgemeinen Richtlinien aufstellen und die Berufungsftelle für Fragen bilden, über die in den Bezirkssyndilaten Streiligkeilen enistehen. Angelegenheiten, welche mit den Vesonberhetiten der einzelnen Bezirke zusammen- hängen, follen nah Möalichkeit bei diesen selbst entschieden werden. Eine lebhafte Erörterung fand über die Art der im (Heseß vorgcsehenen Beteiligung der Arbeitnehmer an. der Ver- waltung dés Reichskohlencerbandes stu. Man einigte sich vahin, daß die Arbeiter 3 Aufsichisratsstellen, die Angestellten cine besezen, und daß die Arbeiter außerdem ein Mitglied des dreiföpfigen Vorstands stellen sollen, daß mit allen Rechten und Pflichten an der Leitung des Neichskohlenverbandes teilnimmt.

Entgegen der vielfah verbreiieten Ansicht, daß die Beschlagnahme von Wolle aufgehoben oder die Aufhzbung in der nächsten Zeit beabsichtigt sei, wird dur „Woiffs Tele- araphenbüro“ darauf ausmerfsam gemacht, daß der Wollertrag der deulsccen Schafs{ur auf Grun» der Bekanntmachung W. ¡0/319 der Reichswirlschaftsstelle für Wolle vom 1. März 1919 nach wie vor beshlagnahmt ist. Die Aufrechterhaltung ist noiwendig, um die Bestände restlos zu erfossen und in gerechler Weise an die verarbeitenden Betriebe zur Verteilung zu bringen.

Ablauf patentamtlicher Zahlungsfristen infolge des Vankheamtensireiks. Der Streil der Berliner Banf- beamten hat zur Folge gehabt, daß zahlreiche Bankschecks, die zur Leistung einer an eine geseßliche Frist gekwüpften Gebühren- zahlung dem Meichspatentarnt eingereiht worden sind, nicht innerhalb der ini den Bestimmungen des Patentamis, betreffend die Z1hlung patentamtlicher Gebühren vom .12. Viärz 1917 (Reichs- anzeiger Nr.61vom 12 März 1317) zuNr. 2 festgesetzten zehutägigen Fit zur Einlösung gebracht werden konnten, so doß die be- troffenen gewezbl'chen Schußrehte der Gefahr des Erlöschens ausgeseßt sind. Es ist im Patentamt die Frage zur Sprache gebracht, rote aegen eine folche Versäumung der Zählangsftrist Abhilfe aeschaffen werden kann. Das Reichspatentamt hat in nidtveröffentlihten Entscheidungen angenommen, daß getvisse Eréiguisse, die sich an eirzelnen Stellen des “Deutschen Reichs im Anschluß an den Krie ¡ abgespielt haben, in3besondéré siórende Eingriffe in tas Véiklehrs- und Wirtschoftsleben, zu denen auch Streiks gerechnet worden sind, als Umfrände des „Krieg8zustandes“ im Sinne des § 2 der Bundesrats- Verordnung vom 10. September 1914 (RGBl. S. 403) anzu- sehen sind, so daß gegebenenfalls die Folgen der durch sie herbeigeführten Fristversäumnisse durch die Wiedereinseßzung in den vorigen Stand geheilt werden können, Es wird den Beteiligten überlassen, auch gegen die durch den Bankbeamten- streif veru:sachte Versäumunga von Zahlüungsfristen in den vor- geschriebenen Formen und Fristen den Antrag auf Wieders einsepung in deg vorigen Stand zu stellen.“

Nähere Angaben, woher dle O

Die in den lezten Tagen an einigen Stellen entftandene Erregung über eine Verfügung des Krieg3ministes riums vom 8. April wurde teilweise auch mit der Untat in Dresden gegen den Kriegsminister Neuring in Verbindung g?braht. Gegenüber entstellenden Nachrichten wird dem „Wolffschen Telegraphenbüro“' zufolge betont, daß durch jene Verfügung die (eldgebührnisse der Lazarettiranken, die nicht Freiwilligenformationen angehören, auf das Doppelte echöht worden find, daß also gerade der als ungerecht empfundene Unteischied zwischen den Lazaretigebühcnissen der Freiwilligen und der Kranken des alten Heeres ges mildert worden ist Ferner ist durch diese Verfügung allen Unteroffizieren eine feste Tageszulage von drei Mark zue

gebilligt worden, während sie bisher nur für besondere Arbeitsleistungen Tagesarbeitszulagen von drei und vier

Mark erhalten konnten. Es sind weitere Schritte eins geleitet, die darauf abzielen, denjenigen Unteroffizieren urd Kopiiulanten, die gerne in die Reichs8wehr übertreten wollen, aber aus dienstlihen Gründen bei den Abwick1ungs- stäben und -fstellen des alten Heeres bleiben müssen, die gleichen Gebührnisse wie den Neichswehrunteroffizieren zuzu- billigen. Der Personenstand der Abw'ckiungsstellen wird dabei eine bestimmte Begrenzung erfahren. Das wesentliche der Verfügung vom 8. April irt die Herabsezung auf das Maß der Friedensgebührnuisse für diejeniaen Heeresangehöciaen, derea Eagtiassung im Rahmen der Abrüslung längst erwünscht ist.

Wie schon kürzlich mitgeteilt wurde, gehen beim Reichs- ministerium des Janern täglich Anmeldungen von For- derungen auf Ersay von Schäden an Leib und Gut ein, die durch die mit den inneren Unruhen zusamnen- hängenden Kämpfe und Ausschreitungen verursacht sind. Es wird wiederholt darauf hingewiesen, daß die Anmeldung von Tumultschäden bei den Reichsbehörden nicht die in den gel- tenden Tumultgesezen vielfah vorgeschriebene Anmeldung der Forderungen bei den in den genannten Geseßen für haft pflichtig erfiärten Gemeinden erseßen fann; insbesondere wird dur die Anmeldung bei einer Reichsbehörde die Aussclaß- frist für Geltendmachung eines Ersayanspruhs niht gewahrt.

Die Kündigungsfrist für Schwerbeschädigte ift, dem „Wolffshen Telegraphenbüro“ zufolge, neuerdings verlängert worden. Durch Verordnung vom 1. Februar 1919 hatte das Neichsamt für die wirtschafilice Demobilmachung bestimmt, daß Schwerbeschödigten im Sinne der Verordnung vom 9. Januar 1919 -früheslens zum 15. März gekündigt werden darf. Diese Frist ist inzwischen schon auf den 15 April hinausgeschoben und nunmehr mit Rücksicht darauf, daß es bei den gegenwärtigen wirtshaftlihen Verhältnissen noch nicht möglich war, die dauernde Weiterbeschäftigung Schwer» beschädigter mit Erfolg sicherzustellen, durch eine neue Ver- ordnung bis zum 1. Juli verlängert worde.

Vayern. Nach Meldungen des „Wolffshen Telegraphenbüros“ bes

findet sich München vollständig in der Gewalt der Kommunisten. Die Diktatur des Prolétariats ist aufgerichtet;

Der Kampf um den Hauptbahnhof, dec mit Artillérie, Moaschinengewehren, Handgranaten und Minenwerfern ausge- fohten murde, dauerte“ etwa drei Stuoden und hatte das Gepräge einer förmlichen Schlaßt, Er forderte etwa 150 Tote und Verwundete und endete mit dem Stege der

Kommunisten. Die“ Négierutgstrupoen wurdeu entwaffnet. Nach diesem Erfola war das Schidckssal der Stadt be- siegelt. Von einer offenen Gegerbewegung ist nichts zu \püren.

Die ganze Garvison steht jeßt im Dienste der neuaufgerichieten Herrschaft des Proletaria1s. Die Zahl der bewaffneten Ar- beiter ist außerordentlich groß, so daß die Kommunisten eine starke Macht hinter sih haben. Ja gavz München her!\{cht Generalstreil. Alle Betriybe und Geschäfte sind geschlossen, der Straßenbahnverkehr rußt, die Zeitungen erscheinen nit. Gestern ist ein Nachrichtenblatt des neugebildeten Vollzugsrats der Betriebs- und Soldatenräte erschienen, das u. a. folgende Mitteilung des Vollzugsrats enthält:

München, 15. April. Näterepublik Bavern. Die Betriebs- und Soldatenräte Münchens haben in einer Ver)ammlung em 18. beschlossen, den provijorishen revolutionären Zentralrat als nit mehr bestehend anzuseven. Die ganze gesetgebeude und voUziehende Gewalt der Räterepublif wird einem fünfzehnglicedrigen Uklionëqut- {uß übertragen.

Der Vollzugsrat veröffenillcht ferner cin Flugblaiti, in dem der errungene Erfolg gefeiert und das ÎTassenbew1ßte

Proletariat zum weiteren Kampf gegen die Neaktion aufge- fordert wird.

Braunschweig.

__ Gistern nahmittag fand im Schloß in Braunschweig eine Sihung des revoiutionären Aktionsaus\chusses statt, in der darüber beraten wurde, ob der Generalfstrei?k fort- gesezt werdea solle. Laut Meldung des „Wolffschen Tele- arophenbüros“ erhob sih für die Forisezung des Streiks leine Stimme. Es wurde daher beschlossen, am Mittwoch den Generalstreik abzubrechen, wenn die Beamtenschaft“ am Dienstag den Dienst weder aufuüimmt und wenn die Acbeit- geber sih bereit érf(ären, die Streiftaae zu bezahlen und von Maßreaelungen abzusehen. Diese Bedingungen lehnen

' wieder die Beamten und auch die Nibeitaeber rurdrweg ab.

Eine allgemeine Beamtenversammlung beschloß, den Streik nicht eher abzubrechen, als bis die Arbeiterschaft den (Genera!streil bedingungslos aufgibt und Garantien gegeben sind, daß Eisenbahn? und Postoerkêéhr nicht mehr verhindert werden und gegen keinen Beam!en Moaßregelungen erfolgen. Die städtishen Beamten heschlossen ebenfalls im Ausstand zu verharren. Die selbsiäudigen Gewerbetreibênden haben sch gzusammengesclossen, um den Bürger- und Beamtenstireik durchführen zu helfen. Die Geschäfte sollen solange geschlossen bleibe, bis die Arbeiterschaft den Generalstreik beilegt.

Lübeck.

Die Bürgerschaft bat endgültig beschlossen, den 1. Mai 1919 zum ¡sigen Feiertag zu erflären.

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Desterreich.

Der deutsch - östzrreihische Kabinetisrai hat ten 1. Mai als allgemeinen Amts- und Schulfeiertag erklärt.

Frankreich,

2 Der Präsident Wilson hat vorgestern abend als Workt- führer des Hals der Vier, dem „Reuterschea Büro“ zufolge, nachstehende Erflärung abgegeben : ;

Angesichts der Tatsache, daß die Fragen, die bei dem Frieden mit Deutschland geregelt werden müssen, ihrer vollständigen Lösung so naße gerüdckt sind, daß sie jeßt \chnell durch den Endprozeß der Fertigitelung des Entwurfs gehen können, haben diejenigen, die am längsten über diese Frage beraten haben, beschlossen, anzuraten, daß deutsche Bevollmächtigte eingeladen werden, mit den Vertretern der affoziterten kriegführenden Nationen am 25. A pril in Versailles zusammenzukommen. Dies bedeutet nit, daß die Beratung über alle die Fragen, die mit der Negelurig des allgemeinen Friedens zusammenhänge unterbrochen wird, oder daß die Beratung dieser Fragen v ort wird, Män erwartet ün Gegenteil, daß jeßt bezüglich diefer Fragen ein \chnellerer Fortschritt gemacht wird, so daß man augenblicklich au erwarten darf, daß sie für die Endregelung bereit sein werden. Man hofft, daß. «mann den Fragen, - die * Jtalien am “unmittel barsten berühren, besonders in der adriatisGen, jeßt zu einer. baldigen Verständigung gelangen wird. Der adriatischen Frage wird z-itlih vor den cinderen Fragen der Vorrang gegeben und das festländishe Problem (continental study) in fein Endstadium ge- braht werden. Was3 sveztell zu dem Vertrag mit Deut1chland gehört, würde auf diese Weise erledigt sein, während zu gleicher Zeit alle anderen Negelungen entsprehend formuliert werden. C8 wird anerkannt werden, daß troßdem dieses Verfahren cinges@lagen werben muß, alle Fragen der augenblicklichen großen Regelung Teile eines

Ganzen sind.

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—- Eia Funkspruc Lyon vom 14. d. Mts. meldet dem „Wolff- hen Telegraphenbüro“ zufolae, daß der allgemeine Arx

beiterverbund, der fast 2000000 Mitglieder zählt, in Paris |

Plakate mit folgendem Text angebracht Hat:

Vym August 1914 bis November 1918 ift uns zu wiederholten Malen gesagt worden, daß wir für das Recht kämpsten. Diese Versicherung bedeutete, der Friede würde den Völkern das Selbst- bestimnimungöre{t verleihen und auf allgemeine Abrüstung begründet sein, das einzige Mittel, das die Liquidation der Krtegs!chuli möglicht. Ünjere Diplomaten legen uns heute den Plan einés Völkerbundes vor, der nicht eine Gesellschafi von Nationen ist, wie dies in Wilfons 14 Punkten niedergelegt ist. Diese 14 Punkte, die wix uns au zu eigèn machten, wurden von allen Völkern der Erde in ihre Sehn}ucht nah Gerechtigkeit mit Beifall aufgenommen. Die Arbeiter-

lasse Frantreichs, die der Auffassung „Krteg. dem Kriege“ vertraute, erbebt fich gegen die Sabotage am Frieden. Die Bêlkex konnen

nicht ständig zu der Qual vérurteilt werden, Abgaben zu leisten, die für ‘den Ausgleich. der Müstungsbudgets bestimmt sird. Der allgemeine Arbéiterverband verurteilt jede Blokfadepolitik, jeden politischen Dru oder jede bewaffnete Fntervention, wodur die Formel der französishen Revolution widerrufen wird. Jede Natton hat allein die Váchr, fich Gesete zu geben, und das unanta1: bare Recht, dietelben zu ändert." Die Absicht, dieses Hecht mit Gewalt einem fremden Volke zu nehmen, bedeutet, ein Feind Lec Menschheit zu werden. Der allgemeine Arbeiterverband uft die öffentiiche Meinung und das Gewissen der sozialistischen Organisation auf, gegen diese Zustände anzukämpjen. Er veruzteilt jede Fortseßung des Krieges und fordert dringend den Abschluß eines wahren Friedens, den alle Völker unterschreiben können.

NRuszland,

Wie die russisckc,e Presse meldet, hat der Volkskommifsar Trotfki in einem Vufruf „An das Proletariat“ die Nibeiter, Bauern und Kommunisten aufgefordert, vereint gegen den Urgl zur Vernichluna der Armee Koltschacks vorzuxrücen. Nuf der Wesifrort liege keine Ge- fahr © vor, auf “allen anderen Fronten sei die Lage alänzend. Die“ Ausstände seien überall unterdrückt worden; durch den Vormarsch im Süden sei jedoh die Ost- front geschwächt worden. Obgleich Mitteilungen vorlägen, daß die mobilisierten Bauern in der Armee Kollschas nur unter Anwendung von Gewalt zum Angr:f zu bewegen seien, auch häufig Meutereien vorfämen .und viele Soldaten zu der Noten Armee üvberliefen, müsse doch zugegeben werden, daß der Roten Armee auf der Ostfrout die bedeutendsten Kräfte der russischen Gegenrevolutionäre geaenüberständen. Deshalb müsse der Hauptschlag gegen die Ostfcront gerichtet werden. i

Das englische Krieg3amt meldet dem „Wolfsschen Telegraphenbüro“ zufolge einen starken Angriff der bolsche- wistishen Truppen in der Gegend von Ärchangels k.

Trotzdem der Angriff mit großer Kraft und nach einem zwölf- jündigen Trommelfeuer unternommen wurde, ist er zurü geschlagen worden. Zweck des Unariff3 war, bis zur Dwina durhzubrehèn und die südlih am Theißfluß stehenden Entente-

truppen abzuschneiden.

Statiftik nund Volkswirtschaft

Zur Arbeiterbewegung.

Zur allgemeinen Ausstands8bewegung der Ber- liner Angeitellten teilen hiesige Zeitungen mit, daß gestern in ciner Versammlung der Obmänner aller noh nicht im Ausstand befindlichen Berufsa1ten die Verkündung des sofor- tigen allgemeinen Ausstandes beschlossen wurde. Bis

_gestern_ abend - hatten sh folgende- kaufmännischen Ver- bände demGeneralausstand angeschlos sen: Deutsch- natiohäler Handlungégehtlfenverband, WVetband - deutscher" Hant- lungégehilfen, Verband für Handelskommis 41858, Verband der deut]schen Kaufleute, Zentralverband ter Handlungsgehilfen, Ver- band der Bureauangestellten, Bund technisch, industrieller Be- amtèn, Deutscher Technikerverband und der Deutsche Werkmeister- verband. Die Angestellten der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke, der Krankenhäuser usw. haben von der Ausstandsleitung Weisung erhalten, weiter zu arbeiten. Auch die Angestellten der Lebensmittelversorgung sollen ihre Tätigkeit nicht unterbrechen. Anders liegen die Verhältnisse bei den Büroangestellten der Kohlen- firmen und der amtlichen Koblenstellen, die einen

Kundgebungsausstand von zweitägiger Dauer zu veranstalten wünschen. Gegen den Ausstand bat der Netichs8verband deutscher Angestellten Stellung genommen, der \sich hinsihtlih des Mitbestimmungs-

rèhts in Gegensaß zu den Ausftandskeitetn tellt, “weil bie Fort: dauer des Ausstands und die Vertündung des allgemeinen Aus- stands, nachdem seitens“ der Regierung die Regelung dieser Frage für die allernächste Zeit in weitgehendstem Maße zugesagt worden ist, vollständig gegenstandêlos geworden seten. (

Sum allgemeinen Ausstand der Bankbeamten

erfährt „W. T. B.*: Bet den Einigungsverhandlungen zwischen den Direktoren der Hamburger Banken und

DEN Tse j Die feierlich gemachten Zusagen werden heute gebrochen. |

Vertretern der Bankbeamtenverbände slimmten die Bankleitungen dem Vorschlag zu, das Mitbestimmungsreht der Angestellten in bezug auf Kündigungen und Entlassungen von jeßt ab dis zur Negelung dur einen Neichstarif, ein Neihsnotgeieß oder eine für das dieih gültige Vereinbarung der Berliner Greßbanken anzuerkennen. Damit tann der Ausstand der Hamburger Bank- beamten als abgewendet gelten. In den Betrieböversommlungen der Norddeutslen Bank und der Commerz- und Discontobank hatte fich die: Mehrzahl der Angestellten gegen den Ausstand erklärt, Mit Rücksicht “auf den Belagerungszustand ist der Ausstand der Leibziger Bankbeamten abgebrochen worden. Bei sämtlichen Banken ist gestern vortmnititag der Betrieb voll wieder auf- genommen worden. Sämtliche Beamten der Mann - heimer Banken find in denSympvpathieausstand für ihre Berliner Kollegen eingetreten.

Die Aus standsziffer im Ruhrgebiet geht, wie „W. T. B." meldet, immer weiter zurücck. Die Zahl der Aus- ständigen erreichte ibren Höbepunkt am 10. April mit 167 000. Seitdem hat die Zabl täaglich abgenommen und betrug in der gestrigen Frübschibt 127 629 gegen 138256 vorgestern. Gegen den Höchstitand ist mithin allein in der Frühschiht eine Ab- nahme um rund 40000 zu verzeihnen. In der Früh, Mitt und Nastschicht am Montag hat fh die Zahl der

tend auf 263141 belaufen “gegen 300154 în den drei Schichten am Sonnabend. Enlsprechend dex Zunahme des Aus- stands ist in der Vorwoche die Fördkrung der Zechen im MNuhrrevier weiter zurückgegangen. Die Förderung, die bis zum S@luß der vorhergehenden Woche auf täglich 35000 Tonnen aesunken war, betrug am 10. 4. uur noch 12000 Tonnen. In normalen Sèrtegénonaten bezifferte sie fi auf rund 330 000 Tonnen tägli. Abge- sehen von den privaten und städtischen Betrieben steht, wie aus Essen gemeldet wird, nunmehr au ch die Eisenbahn 3 ittelbarvor der Betriebseinstellung, denn ihre Z3rennstoffvorräte reien in den meisten Bezirken nur noch ür ein bis zwei Tage aus. Vierhundert gestern mittag bei Kettwig zu einer Beratung über den Ausstand zusammengetretene Nuhrbergleutewurden von Regierungstruppen umsiellt und festgenommen.

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¡gen Verhandlungen zwishen den Brauereien nd Umgegend und der Ausstandsleitung wurde eine vollfommene Verständigung sowobl in der Frage des Mitbestimmungsrechts der Angestelltenaus\{@üsse als cuch in zaltsfra; s erreicht. In den beteiligten Betrieben LTDett [9forIt tin vollem Ua nd. WIEDET nommen.

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er L E Pra C E m Ba L A Ha 5 X, In Cöln erstreckt G, wie „W. T. B,“ berichtet, die 1chon

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eit einiger Zeit in Gana befindliche Ausstand8bewegung von §) pftolTlt; d Arttnon Ce (bw Dot » E wol f 45 “L c Angestellten dortiger Ind ctesftirmen nunmehr auf 42 große

Werke Cölns und umfaßt \{äßungsweise nahezu 5070 Personen. Die bisher an llten Einiaungsbemühungen waren erfolglos. Der Regierunaspräsident hat sih der Ang-legenheit angenommen. E C ber déx britiswen BelaßUungs- l Plumer veröffentlicht eine BekÖannt- vorin ex auf: die täglich ernster werdende Lage in land infolge der wirts{aftliden Kämpfe hinweist. Er verlangt, daß alle mit ihm zusammen arbeiten, um die Ordnung aufrecht zu erbalten. . Nur \o könne den Bewohnern das Elend erspart ‘verden, das anderêwo eingetreten sei. Der General gibt in einer Vers ordnung bis auf Widerruf bekannt, daß 8\sttände a! geseulicch geiten, und befiehlt den Angeste der Arbeit zu bleiben bezw. fi Arbeitgeber und Arbeitnehmer au Tung fernzubalter - ] behörde zur Vermittlung unterbreitet werden, 1 alle vorhandenen deutshen Schlichtung8mittel versagt hätten.

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In Königsberg i. Pr. wurde, wie „W. T. B.“ erfährt, in einer am Montag im Gewerkschastéhause abgehaltenen fammlung der Unabhängigen Sozialdemokreoten und Kommunisten beschlossen, am Donnerstag in den Ge - neralausstand einzütretèn, fals die ‘Behörden nicht folgende drei Forderunaen bewilligen: 1) Entfernung der Grenzschu ßtruppen aus Königeberg. 2) Aufhebung des Be- lagerungézustandes. 3) Verteilung der in militärischen Bes- sländen vorhandenen Lebensmittel an die Zivilbeyölkerung. Diele Forderungen wurden dur eine Kommission gestern vormittag dem fommandierenden General und dem Oberpräfidenten übermittelt.

ém Verlaufe der Versammlung kam es zu Lärmszenen zwischen den Ünabhängigen und den Kommunisten, da lektere cine volitishe Be-

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gründung des Generalausstatds verlangten, was die Unabhängigen ablehnten. Die Verhandlungen haben dem Vernehmen nach zu einer Einigung auf der Grundlage getührt, daß der Belagerung8- zustand vom heutigen. Mittwochnahmittag ab versuchsweise auf- gehoben wird und daß die Grenz\hußtiuppen nach außerhalb der Stadt verleat werden mit Ausnahme eines Teiles, der vertrags- gemäß zur Sicherung der durchgehenden polnischen Truppen bestimmt ist, Ferner soll das Verfahren gegen die volitishen Ivhastierten nach Möalickeit beschleunigt werden. Der Forderung auf Verteilung der in Militärbeständen vorhandenen Lebensmittel an die Zivil- bevölkerung wird nicht entsprohen werden.

&n Madrid ist „W. T. B.“ zufolge der Ausstand der Straßenbahnanaestellten beigelegt. In Barcelona ist die Arbeit überall wieder aufgenommen worden.

Wohlfahrtêpflege.

Wie dem „W. T. B.“ avs Stockholm berichtet wird, bat laut einer Mitteilung von „Dagens Nvheter“ das chwedische Note Kreuz nunmehr von der Negterung die Erlaubnis er: halten, 2000 Kinder zur Erholung in Schweden unterzubringen. Bisher sind bereits 6000 Anmeldungen von folien Familien erfolgt, die Kinder aufnehmen wollen. Außerdem find hon 200 000 Kronen zur Finanzierung des ganzen Unternehmens zufammengekommen. Die polnische Regierung hat die Einladung, Kinder nah Schweden zu f{icken, ablehnend beantwortet, ta “die Nerkehrsmütel zu“ \{lecht seien. Anfang Mai werden aus Deutschland und Oesterreich die ersten Kinder erwartet. Leutnant Egnell wird mit Fräulein Eva Flach und Leutnant Lind nah Berlin fahren, um von dort aus die Weiterbeförderung zu regeln.

Kunst und Wissenschaft.

Bei Gurlitt zeigt der Berliner Maler Alfred Helberger eine größere Anzahl Gemälde und Aquarelle. Die “Aibeiten Hel- bergers hat man seit Jahren von der, Großen Berliner Kunstk- ausstellung" her, wo sie durch die moderne Art der Anschauung und Farbergebung ziemlich aus dem Rahmen der Ausstellungen herausfielen, in' bester Erinnerung, Man erwartet also von

sstellung Gutes, und diese Erwartungen werden auch nicht getäusht. Helbérger zetgt strahlende Landschaften von der Kurishen Nehrung, vom Rhein und aus Berchtesgaden, die alle in flammendes Licht gehüllt find und deren Farben bunt und ungebrochen aufleuhten. Der Betrachker empfintet überall die Freude des Künstiers an loderndem Sonnenltcot und Ju0te lierenden SFarbenatforden mit. Nur wirken die grellen Farben auf Dauer zu einförmig, und daß für Helherger die Gefabr, in eine wirksame Manier zu verfallen, fehr nabe lieat, geht daraus Herpor, daß sowohl die Landschaften von der Meeresktülte wie die aus den Bergen die gleiche Luft und fast dieselben Farben aufweisen. Der Künstler, der sich {früher der unruhigen tüpfelnden Lehmk des Neoimpressionismus bediente, arbe:tet heute wieder mit ruhgeren und einfadheren Linien. Aber au jeyt wirkt das immerhin noch von der impresftionistishen Anschauung abgeleitete Gerüsi jener Xnten zu dlinn und !chwach, um die gesteigerten Farbenaltorde tragen u fönnen. Der Künstler {eint das selbst zu empfinden und er \heint auf dem Wege zu sein, der farbigen Steigerung ent- sprechend au die Sprache der Linien und Flächen zu verstärken und zu vereinfachen. Außer den Land|\chaften, unter denen der „|terlonntag in Ber(teêëgaden“ und der „Strand am Haff“ ie bemertensweztesten sind, sieht man noch einige - Bildnisse, ‘die beweisen, daß Helberger auh noch Sinn für Reize und für jeeltide ereinheiten besiygt. Die Hannoveraners Paul Mad sa ck aus der Bretagne, aus Andalusien und der Schweiz ber- mögen nur durch den Bildinhalt, durch das mit cinem guten Vlid für malerische Wirkungen autgewäblte Motiv zu sejjein. Wle Uns sichere Malerei weist noch leine perjönlite Piäaung aus. Bei Sch ult ? stellen drei Größen von der Véoabiter KusteUung Gemälde aus. Max Schlichtings wenig eindruckévele Bilder und die auf eine aroben Effekt hin gemalten Bilder F. Klein-

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vornhereln von dieser Sondera

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Chevaliers interessieren kaum. - Mit Vergnügen betrachtet man aber einige frijhe* und natürlide Studien VDtto H. Engels, dem in, dieter U t s{chwer

acburg N mmlich wer

, , fällt, au mit seinen a Den grunen Harmonien und den ven jenmädchen etne gute irkung zu erzielen. Sein malerisch bewegtes Gemälde „Karlen- spieler“, das in ‘der Malerei an den besten früheren Lesser - Ury

3 4 ( § ed 4 Lor At on crt Cat A r F denken läßt, ift eine recht beachienswerie Leillung. Dr. Pl.

Ausstellungsnachrichien.

Am Donnerstag, den 17. d. M., wird im Lichihof des Kunsi- gewerbemuseums eine Ausstellung einfachen Haus- TÂATS 6 die auf Anregung des Preußischen Kulturmtmjtertunis vorm Deutschen Werkbund, Berliner Kunstgewerbemuseum und pon der Gene wird. Die Auéstellung soll von 10 bis 3 Uhr geöffnet. it j darf ein besonderes “nteresse beanspruchen, da sie an zahlreichen Bei- ipielen zeigt, wie mit einfachsten Mitteln einem bescheidenen Heim

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F 15 : 5 F C 4T- Sa A T4 S4 [fommiisfion der Geweitschaften Deutschlands veransialiet

i dauern und ist täglich

ist frei. Die Ausftellung

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eine freundliGe und wohnlidze Wärme gegeben werten kann.

Land- und Forstwirtschaft, Inter Vorsiß des Ministerialdirekters Dr. Meydenbauer fand am 12. April im Neichswirtschaftsministerium eine Be - p is i . c c , (s Y, sprechung vonforst-undholzwirtshaftlihen Sac- verständigen und von Vertretern der forstlichen Arbeitnehmerverbän de statt. Aus der Tagesordnung hebt „Wolfs Telegraphenbüro“ drei Punkte beraus: 1) die Möglichteit der Steigerung des Einschlogs, 2) die Möglichkeit der Holz- ausfuhr na Befriedigung des teutschen Eigenbedarfs und 3) die Ves

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teiligung des Holzhandels bei der Holzausfuhr. Deuticland konnte Ï Py 1 p Ï Cf C g 4 » ntiA Ps vor dem Kriege jeinen Cigenbedarf an Nußzholz nicht decken und wär

auf Einführung bedeutender Mengen Nugßho angewiesen. Vit einer nennenöwerten Einfubr ist für die nächsten Jahre niht zu rechnen. Dieser Ausfall muß durch Steigerung des Einschlags:ge- deckt werden. Möglich wird diese Steigerung dur Herabseßung

der Ümt1iebszeit in den überaiten Nadelbolzbeständen. Dieser Mehrhieb muß durh besondere organîi e Moßs- nabmen auf die großen Landesbezirke auf Grund der Altersklassenstatislik verteilt werden. Ferner ist die Anwerbung,

Unterkunft, Verpflegung und Belieferung der Arbeitékräfte mit Handweerkszeug gründlih* vorzubereiten fowie die Holzabfuhr und c I of L be cL4 T e

der Weitertransport zu sichern. Erst nach Sicherstellung des

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Cigenverbrauchs Deutschlands könnte an eine Ausfuhr des etwa zur Verfügung stehenden Ueberihusscs gedacht werden.

Zur Ermöglichung der Ausfuhr der Hölzer in geichnittenem Zu- stand sind fliegende Gatter zu errihtea. Zwangsmaßregeln sind hei der Abwicklung dec Ausfuhr mögl!Þst zu vermeiden und die Ausfuhrbeschränkungen in einer vereinfcchten Form zu regeln. Dis Versammiung war der Ansicht, daß wobl ein stärkerer Einariff in den deutschen Wald mögli ist ohne die Nochbaltigkeit zu gefährden, daß dieser Mehranfall an Nußholz aber ganz überwiecaend zur Dedung des Eigenhedarfs Deutichlands benötigt wird, so daß ein nennens- werter Ueberschuß zur Ausfuhr nicht zur Verfügung stehen wird.

Verkehrswesen.

Neiseverkehr noch Posen. Die Einreis2 DeutscWer,

au Frauen und Kinder, nah dem von den polnischer Truppen be- setiten Gebiet is na Anordnung des Oberkommandos in Posen von sofort ab verboten. Wec sich troßdem in das beseßte Gebiet begeben will, seßt sih der Gesahr der JInternierung aus, oder er wird zu Fuß noch an demselbea Tage über die Postenkette geschafft. Für die Zeit vom 31. März gültige, von den polnischen Behörden ausgestellte Erlaubnis\cheine für die Rückfahrt haben Geltung. Ab 1. April daf nur derjenige nah dem beseßten Gebiet, der die Erlaubnis des Ober= kfommandos Posen vorlegen tann. “Das Krtegêministerium bat für die Ausreise nah den und die Einreise aus den von den Polen besetten Gebieten der Provinz Posen unter Aufhebung aller bisherigen Bestimmungen foigendes verfügt :

A. Ausreise: 1) Zur Ausreise ist die Genehmigung des für den Wohnsiß oder * ständigen RufenthaUtsort des Antragstellers zu- sländigen Generalkornmandos * notwendig. - Für den Bezirk * des V. ArmeekorÞs ist die: Zentral-Polizeistelle Den (Frankfurt-Oder) ¡ufländig. 2) Für die entlassenen oder noch zur Entlassung kommenden Heerésangebörigen, die in den von den Polen beseßten Gebieten be- heimatet oder dorthin entlassen sind oder werden, gelten die Be- stiramungen des Kricgsministcriumerlasses vom 11. März 1919

bekanntgegeben ist. Entlassene Heeresangehörige, die nicht zu dén vnter 2 genannten Personen gehören, find wie Zivilpersonen gemäß Ziffer 1 zu behandeln.

B. Einrei e. 1) Die Einreise ist ohne Genehmigung deutsGer Dienststellen nur für solhe Deut che zulässig, die die beseßten Teile der Provinz Posen bis auf weiteres verlassen wollen oder im amtlichen Auftrage reisen. 2) Alle übrigen Personen haben Cinreiseanträge an die Bahnüberwachungtstelle in Kreuz zu keiten, die fie weiter herz mi1telt. 3) Die Anträge tuüssen Zweck und Notwendigkeit der Gin4 reife érgeben, es müssen ihnen die zur Prüfung erforderliben. Unter lagen fowie ein in deutscher und polnischer Sprache abgefäßter unv mit neuestem Lichtbild versehener Paß des Poséner Polizcipräsidiums beigefügt sein. j i

Von: jeßt ab dürfen Ersaßztetile, die zu Jnstand- sehungen von Kraftwagen, Maschinen und Appa- raten unbedingt erforderlich sind, in gewöhnlichen Paketen aus dom unbeseßzten Deuts{land in die britische Zone der beseßten

deutschen Nheingebiete eingeführt werden.

Nr. D. 1584/19 A M, dessen Inhalt seinerzeit durch die Presse

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