1919 / 91 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

a

F y»- Y m D Di A m m Is Æ ga T g aua 7 E Le ende E R E P mne ec E S A mr R mter 2A Nie E En E

“gestellten Bedingungen anzunehmen,“

bereit erklärt habe, für die es aber eine bestimmte Angabe wünsche. Das Gesuh wird an den Obersten Kriegsrat nach Versailles ge|eitet.

Nach dem diplomatischen Situations bericht hatten die fünf Minister der auswärtigen Angelegenheiten am 17. d. M., Nochmiitags, eine Zusammenkunft, in der der Text angenommen wurde, der die politishe Ordnung Belgiens regelt auf der Grundlage der Aufhebung des Ver-

trags von 1839, der die immerwährende Neutralität vorsah. Die Kommission nahm ferner allgemeine Bestimmungen in Betreff der arktischen und antarktishen Gebiete an und er- örterte die Schaffung eines Seeprisengerihtshoss. Schließlich befaßte sich der Aus\{huß mit der Abfassung des Vertrags- ““artitels, der dem Kriegszustand ein Ende seßt.

Die Alliierten haben die Maßnahmen noch nicht erörtert, die im Falle einer Nichtunterzeihnung des Vertrages durch Deuschland zu treffen sein würden. Jndessen werden die mili- tärischen Fachleute beauftragt, unter der Leitung des Marschalls Foch für diesen Fall Berichte auszuarbeiten.

Die Kammer hat gestern die Gesezesvorlage über den Acht stundentag angenommen. Ueber den Verlauf der Sißzung, in der der Regierung, wie kurz gemeldet, ein Ver- angt erteilt wurde, berichtet die „Agence Havas“ wie olgt:

Auf eine Anfrage erklärte der Minister des Aevßern, Pion, daß die Friedenspräliminarien dem Parlament zur Nati- fizierung vorgelegt werden sollen, jobald sie die Unterschrift aller Ver- 1rags\cließenden tragen. Im Grunde genommen ergebe sich immer wieder dieselbe Frage, die {Frage des Vertrauens in die Unterhändler bezw. in die Negierung. „Die Kammer hat uns Vertrauen be-

wahrt“, fuhr Pichon fort. „Diese Feststellung ist widhtia. Wenn sie der Negterung weiterhin Vertrauen schenkt, so wird diese bestrebt sein, die Mitglieder des Parlaments nach Möglichkeit zu unterrichten. Die Verhandlungen, die täglih fortgeseßt werden, stehen vor dem Abschluß. Es ist wahrscheinli, daß der Feind in den nächsten Tagen eingeladen werden wird, die von den Alliierten auf- Franklin Bouillon, Vorsitender - des Ausschusses für Auéwärtige Angelegenheiten, beklagte das Schweigen der Regierung und stellte mit Bedauern fest, daß - insbesondere die Polenfrage anscheinend nicht in der wünschenëwerten Weise geregelt werde. Ohne ein fiarkes Polen . mit Danzig sei ein dauernder Friede in Europa nit môög- , Tih. Der Nedner kritisierte das Ausbleiben von Nachrichten über die Lage in Nußland, Mitteleuropa und im Orient und \{loß mit der Bemerkung, daß weder er noch seine Freunde der Regicrung Vertrauen weiterhin schenken könnten. Sodann betrat Pichon wieder die Tribüne, beantragte eine öffentliche Besprehung und stellte die Vertrauens frage, indem er erklärte, daß, wenn in einem „verbündeten Parlament unzeitgemäße Erklärungen gemacht “würden, die französise Kammer ihrerseits wettere Auf- s{lüs}se verlan en dürfe. Sie könne jederzeit diese Besprehung wieder aufnehmen. Ein Antrag des Sozialisten Jean Bon auf Einbe- „Tufung der Kammer zu einer geheimen Sizung wurde daraufhin ab- “gelehnt und eine Vertagung mit 394 gegen 126 Stimmen verworfen. Bei der Abstimmung wurde dér Regierung mit 360 gegen 166 Stimmen das Vertrauen autgesprochen.

Nach dem „Temps“ hat die Confédération gé- nérale du Travyail rvunmehr grundsäßlich die Ab- haltung der Maifeier beschlossen. Jn Paris und im Seinedepartement werden in allen Bezirken E d Versammlungen abgehalten werden, in denen eine gleich- lautende. Tagesordnung zur Abstimmung kommen wird, in der u. a. die gänzlihe Amnestie für alle politischen Gefangenen, Nichtintervention in Rußland, die Ab- \{hc}fsung der Zensur und des Belagerungszustands und ver- Fassungsmäßiae Garantien und Freibeiten verlangt werden. ‘Da die Confédération générale du Trayail nit viel Zeit hat, n der Provinz Propaganda zu betreiben, hat sie die Abhaltung : von Maifeiern in der Provinz aufgegeben.

Velgien.

__ Die Kammer hat dem „Reutershen Büro“ zufolge ein- timmig einen Antrag angenommen, in dem gegen die

ahl von Genf als Siß des Völkerbundes Ein- spruch erhoben wird. Außerdem wird in vem Antrag volle Entschädigung gefordert. Die Kammer vertagte sich bis zum 7. Mai.

Luxemburg.

Jn der Kammer erklärte vorgestern der Staatsmirister Neuter einer „Havas-Reutermeldung“ zufolge, er habe ein Telegramm des luxemburgishen Geschäftsträgers in Brüssel éêrhaltfen, worin gebeten wird, die Volksavstimmung zu vertagen. Nähere Aufkärungen würden foigen. Außerdem habe der amerifanishe General Smith, der als Delegierter der Friedenskonf-renz und speziell des Viererrats von der Regierung empfangen worden sei, im Namen der Friedens- kTonferenz ersucht, jedes Referendum über politische und wirtschaftliche Fragen bis nah der Unterzeichnung des Prältminarfrieden8vertrages aufzuschieben. Der Minister Reuter bat daher die Kammer, die Erörterung über das A CEROUN zu vertagen, und die Kammer beschloß in diesem

nne.

Schweden. Das Blatt „Socialdemokraten“ veröffentlicht einen Auf -

Luf, den die Kommission bei der Berner Kon-

ferenz zum 1. Mai an die Arbeiter der ganzen Welt rihtet und der die Forderungen der Jnternationale zu- sammenfaßt. Darin heißt es:

¿Private Interessen verschwören sich mit dem Militari3mus, um einen ftapitalistishen Friedén zustandezu bringen und durd) Aufrecht- orhaltung des internationalen Mißtrauens und der internationalen Un- deen die alte Ordnung mit stehenden Heeren, gewaltigen ¿Rüstungen und Krieg beibehalten zu fönnen. Diese Politik müssen die ‘Arbeiter bekämpfen. Die Regierungen, die vom Kriege nichts fe Vernt haften, erstreben eine heilige Allianz. Wir dagegen arbeiten für den Völkerbund, der auf dem Gedanken der Brüderschaft fußt. Wir Veftreiten jedem Sieger das Necht, den Nationalitäten ein neues Joch aufzuerlegen. Wir proklamteren das Selbstbestimmungsrecht als un- ‘perâußerlich. Wir widerseßen uns allen Annexionen, welche die ¡Freiheit dec Völker vergewaltigen. Dem Kriege muß eine um- f assende Enteignung der großen Kriegsvermögen -folgen, damit das “Nattonalvermögen, das jeßt in den Händen des privaten Kapitalismus Vit, für naiionale Zwecke verwendet werden kann.

Der Aufruf ist unterzeihnet von Branting und Huysmans.

Schweiz.

Nach einer Meldung der g Sre Cn Depeschens Agentur“ hat der Bundesrat die derzeitige deutsche Re-

egierung amtlich anerkannt und ebenso den gegenwärtigen

diplomatischen Vertreter Müller.

Finnland,

Der Reichsverweser hat die neue eg apung be- stätigt, die laut Meldung des „Wolffschen Telegraphenbüro3“ aus folgenden Mißgliedern bestehl: Chef des Staa!1srats: Kaarlo Castren, Auswärtiges bis auf weiteres: Enel, Stellvertreter: Ehrnrot h, Justiz: Soeders holm, Finanzen: August Ramsay, Juneres: Voß - Schrader, Lebens- mittel: -Collan, Verkehrswesen: Erkko, Unter- riht: Soininen, Landwirtshaft: Kallio, bei- geordnet Haal, Krieg: Wall1den, Handel: Vennola, Soziales: Alkio. Ohne Portefeuille gehört der Regierung an Luopa Jaer vi. Die Mehrzahl der Minister haben bereits der bisherigen Régierung angehört; von den neuen sind vier Mitglieder der Agrarpartei. Die Regierung besteht nunmehr überwiegend aus Angebörigen der bürgerlichen Linken, genießt aber auch das Vertrauen der weiter rechis stehenden Gruppen.

Asien,

Die Lage in Aegypten ist dem „NReuterschen Bürg“ zufolge äußerlih ruhig, doch werden neue Unruhen be- fürchtet. Die 26. Division- aus der Dobrvdscha ist daher als Verstärkung nah Aegypten unterwegs.

Statistik und Volkswirtschaft.

Der Viehstand Preußens nah Abbruch des WVelt- krieges im Vergleich mit dem Bestande in den Vorjahren und zu Anfang des Krieges,

Vergleichende Uebersiten über die Ergebnisse der in den Jahren 1914 bis 1918 ausgeführten Viehzählungen, die das preußische Stalistishe Landeéami jeßt in der „Stat. Korr.“ veröffentlicht, geben ein Bild der L Viehbestandes in Preußen vom Beginn bis nah Abbruch des Welikrieges, das auch für den Kenner der Verhältnisse nicht ohne Interesse sein dürfte.

Am 1. Juni 1917, d. h. nah fast 3 Jahren kriegswirt schaftlicher Abgeschlossenheit und Selbstbehauytung, zeigte sich die Viehwirtschaft Preußens mit Ausnahme der Schweinehaltung der reinen Menge nach noch in einer verhältnismäßig befriedigenden Lage. Die Haupt- viehgattung, das Rindvieh, wies zu dieser Zeit eine S1ü- zahl von 127 Millionen auf, die kaum nennenswert von der am 1. Dezember 1914 (12,7 Millionen) abwih. Das Rindvieh Tonnte auf dieser Höhe bis dahin allerdings in der Hauptsache nur dadur erhalten werden, daß der Fleishgenuß der Bevödikerung im Wege der öffentlicjen Negelung auf etwa den sechsten Teil des Verbrauchs im Frieden einge|chränkt wurde. Andererseits aber war {hon bis-Juni 1917 bet dem dauernden Mangel an Kraft- futter und infolge der futterarmen Durhwinterung 1916/17 / die Er- giebigkeit der Rinder erheblich gesunken. So - betrug das Durch- shnittsgewidt der Ninder im Frühjahr 1917 nur 191 kg gegen 214 kg im Oktober 1916, während in der Friedenszeit das durch- schnittlihe Gewicht der Ochsen 330, dos der Bullen 310 und das der Kühe 240 kg war (vergl. Beiträge zur Kriegswirt schaft, herausgegeben bom Kriegs(Reichs)ernährungsamt, Heft 17—19, S. 19).

Der Schweitineb estand, die zweite Quelle der Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch und Fett, war shon-im Juni 1917 als Folge des Eingriffs im Frühjahr 1915 sehr empfindlih gelichtet. Er ¿ählte am 1. Juni 1917 mit rund 9 Millionen Stück nur noch die Hälfte der Menge, die im- Juni 1914. vorhanden war.

Dagegen wies wieder die Zahl der Schafe, deren am 1. Juni 1917 4,2 Millionen gezählt wurden, einen befriedigenden, und zwar höheren Stand auf ls in den leßten Friedensjahren. Desgleichen befand sich in einem gedeihlihen Zustand der Entwicklung die P gen e Kaninchen- und Geflügelzucht, die bei der

[eishfnappheit und den sonstigen Ershwernissen der Befriedigung des Lebensbedarfs besonders in weiten Kreisen der Stadtbevölkerung und in der Umgebung der Städte teils zur Selbstversorgung, teils aus Erwerbsgründen eine ansehnlihe Verbreitung gefunden hatte S, s und Staatsanzeiger“, Jahrgang 1918, Nr. 172 un ;

Jin Jahre 1917 vershlechterte fi die allgemeine wirt\{aftlihe Lage wesentlih. Die Getreide- und Futtermittelernte fiel 1917 un- günstig aus, ähnlih wie im Vorjahr, die Kärtoffelernte war mäßig, und die Schwierigkeiten der Ernährung der Bevölkerung wie- der Grhaltung des Viehstands spißten sich noch empfindliher zu. Gegen Ende diejes Jahres wurden erneut Maßnahmen zur weiteren Ver- minderung des Schweinebestands durchgeführt, um. die Kartoffelver- sorgung der Bevölkerung zu sichern und die Gefahr einer heimlichen Verfütterung von Getreide an Schweine zu verhüten. Jnfolaedessen sank die Schweinezahl bis zu dem Zeitpunkt der nächsten Viebzählung, dem 1. März 1918, auf den tiefsten Stand von 3,7 Millionen Stüdck; eine weitere Verminderung war nicht mögli, ohne den Wiederaufbau der Schweinezuht für die Zukunft zu untergraben. Zur hausbälterischen Bewirtschaftung der knappen Futtermittelernte mußte ferner auch tas Futter für die Arbeits- und Zuchttiere rationiert werden. In der zweiten Hälfte des Jahres 1918 wurde der Flei}ch- verbrauch aus den öffentlih bewirtshafteten Viehbeständen (Nindern, 4 Schweinen und Schafen) noch weiter eingeschränkt. Wie \ih die Viehhaltung unter diesen Verhältnissen in der Folgezeit bis zum Ab- {luß des Krieges entwidelt. hat, das zeigen die nachstehenden Zahlen.

_Nach dem vorläufigen Ergebnis der am 4. Dezember 1918 aus- geführten Viebzöhlung betrug der Rindviehbestand in Preußen zu diesem Zeitpunkt niht mehr ganz 10 Millionen (9 958 876) Stü. Der Ernährungszustand und damit das Gewicht des Viehs war er- heblih gesunken; zur Deckung selbst des 1918 noch weiter ein- geshränkten Fleishverbrauhs mußte daher eine größere Anzahl vcn Rindern abgeschlad;tet werden, als és bei den früheren, etwas höheren Fleischrationen nötig gewesen war, und so verlor der Rindviehbestand in dem leßten Jahr allein, d. h. zwischen Dezember 1917 und Dezember 1918, über 14 Million Stück oder 13,3 vH, während im wvoran- gegangenen Jahre (von Dezember 1916 bis dahin 1917) der Abgang nur 629 000 Stück oder 5,2 vH betragen hatte. Für den ganzen Zeitraum des Krieges beziffert sih der Nückgang des Nindviehbestandes auf rund 3 Milltonen Stück oder 22 vH. Die Zahl der Kühe allein (am 4. Dezember 1918 rund 5 587 000 gegen 6554 000 am 1. De- zember 1914) hat si in dieser Zeit zum Schaden der ohnek;in \pär- lichen Milch- und Butterversorgung der Bevölkerung um rund 1 Million Stück (rund 15 vH) vermindert, und von den Arbeits- tieren aus der Gruppe der Ochsen, Stiere und Bullen hat die Land- wirtschaft über den dritten Teil (am 4. Dezember 1918 546 000 gegen 821 000 am 1. Dezember 1914) verloren.

Nach der reinen Zahl der Pferde, die am 4. Dezember 1918 in einer Anzahl von 24 Millionen Stück 100000 Stück mehr als am 1. Dezember 1914 vorhanden waren, bietet N durch diese Zunahme erfreulicherweise der ges{chwächten Landwirtschaft ein teil- weiser Ersaß für den Abgang der Ninderspanntiere. Doch bleibt zu beachten, daß au ihre Leistungsfähigkeit durch den Futtermangel stark heruntergeseßt ist.

Der Schweinebestand ist infolge der starken Eingriffe in den Jahren 1915 und 1917 auf weniger als ?/; seines Friedens\tandes

Ges er zählte am 4. Dezember 1918 nit ganz 7 Millionen

6 988 691) Stück gegenüber 17,7 Millionen im Dezember des ersten Kriegsjahres. :

Bei den Schafen ist der Rükgang- verhältnismäßig nicht hoc. Ihr Bestand am 4. Dezember 1918 beziffert sich auf go Millionen Stück und ist nur um 132 000’ oter ‘3,6’ vH" ‘niedriger als im De-

J offenbar zur Gewinnung von Wolle geschont worden war und day bon Dezember 1917 ‘bis dahin 1918 um 7,7 vH zugenommen: hat „Von der Kleintierhaltung, die der öffentlihen Bewirtschafty, niht unterworfen ift, hat fich in den Notjahren ‘des Krieg besonders die Ziegenzucht außerordentlih stark entwidelt. 9 Zahl der Ziegen ist troß der niht unerheblichen Abschlachtungen s 1914 ständig gewachsen, fodaß sie am 4. Dezember 1918 2,7 Milliony Stück gegen 2,2 Millionen am 1. Dezember 1914 betrug ; sie ß also um 25 vH. gestiegen. h Von den übrigen Zuschußquellen zur spärlihen Kriegskost d Bevölkerung weist 19S dieKanincchen haltung eine übérra\theny Entwicklung auf. ‘Als im Frühjabr 1916 (am 15. April) Kaninchen in Preußen zum ersten Male gezählt wurden, betrug ih Menge 3,3 Millionen Stück; bei der nächsten Zählung, am 1. Min 1917, war sie bereits um 2,3 Millionen höher; 3 Monate spät erhob fie 2 auf 7,7 Millionen, und noch am 1. Dezember 19y betrug sie über 7 Millionen Stück. Wie groß der Kaninchenfleisg verbrauch im leßten Notjahr des Krieges gewesen ift, geht daray unmitieibar hervor, daß der Kanincenbestand troß der beträchtlidy Vermehrung in der Sommerzeit 1918 seit dem 1. Dezember 191} bis zum 4. Dezember 1918 auf 5,8 Millionen Stü. gesunken ist, Das Federvteh endlih zählte am 4. Dezember 1918 jy ganzen 31,84 Millionen Stück (2,716 Millionen Gänse, 1,5827 Milliy Enten, 27,242 Millionen Hühner und 0,359 Million Trut- und Pei hübner), Im Dezember der Jahre 1914 und 1915, auch des leßty riedensjahres 1913 wurde das Geflügel nicht miterhoben. Mit dey tande vom 1. Dezember 1912 verglichen, zeigt es eine Verminderuy um 19,473 Millionen Stück (um 1,66: Million Gänse, 0,826 Milliqy Enten, 17,434 Millionen Hühner und 0,078 Million Tru und Perlhühner) = rund 38 vH. KAechnlih der Ziegen und Kaninchenhaltung hat #ch zwar die : Geflügelzudi in der Kriegszeit nicht unerheblich ausgedehnt, allein dieser Zug seßte die Knappheit - des Futters ein Ziel. Die natürliche Vei

namentli der Stadtbevölkerung zur Deckung des Bedarfs nicht au und die umfangreichen Abschlahtungen griffen von Jahr zu Jahr de Stamm immer mehr an. So verminderte sich der Geflügelbestan) von Dezember 1916 zu Dezember 1917 pon 40,6 Millionen auf 36, also um 3,8 Millionen oder 9.4 vH, und im gen Jahr, d. h. bis zum 4. Dezember 1918, i dieser Grundstock- noh weite

um rund 5 Millionen oder 13,4 vH geringer geworden.

J

Zur Arbeiterbewegung. Cinigungsverhandlungen, die gestern über die Bel, legung des Angestelltenausstands in dex Berliney Metallindustrie unter dem Vorsiß des Reichsarbeitzs, ministers Bauer bre worden find, haben, wie „W. T. B. berihtet, bis um 1 Uhr Nachts gedauert. Es i} gelungen, ein Ergebnis zu erzielen, das die sofortige Beilegung de Ausstands gewiß erscheinen läßt. Es ist zwischen . den Pu teien eine Ergänzung des vom Schlichtungéauss{uß qs fällten- Schiedsspruhs vereinbart worden, die den. Angestellten eint gee Mitwirkung bei allen Fragen des Dienstverbältnisses, be onders bei Eirstellung, Kündigung und Entlassung von Angestellten sichert. Die Entscheidung über den Abbtuch des Auss\t1nds_wird vor ausfihtlih in der jür den morgigen Sonntag einberufenen Obmänner versammlung fallen. Auch cine er weitexrteKommißsion der Bankleitungen und der.Bankbeamten hielt gestem Sonderberatungen ab, die indes, wie hiesige Blätter melden, noch zu keinem Ziel sührten, so daß der Schlichtungeausschuß, der Mittags zusammen 1rat, seinen Spruch noch nicht fällen konnte. Er- machte verschiedene Vermittlungsvorschläge und vertagte. sich -s{hließlich auf heute vor: mittag. Troy der Schwierigkeiten hofft man heute zu einer Ginigung zn tfommen. Dec A ngestelltenausfstand im Cinzel handel wurde gestern nah -mehrstündigen, Beratungen vor dem Vollzugsrat beendet. j A E

___In den Kreisen der Berliner Gastwirtsgehilfen ist, wie der „Berliner Lokalanzeigèr“ mitteilk, eine neue Aus- standsbewegungim Gange. “Es wird sofortige Anerkennung des Tarifs, der nah ursprüngliher Vereinbarung erst: am 15 Mai fertiggestellt sein sollte, und Ablösung des Trinkgeldel auch in den Bierwirtschaften ‘verlangt. Bei den Gästwirten besteht keine Neigung, diesem Verlangen stattzugeben, zumal da sich die Vertreter der Gehilfen mit einer, einstweiligen Regelung ein verstanden erklärt hatten, die unter Beibehaltung bes Trinkgelds eins Grhöhung des Monatslohns von 110 auf 175 4 vorsah und bis zuy Fertigstellung des neuen Tarifs Geltung haben sollte. Heute vor mittag follte eine Versammlung der Gaslwir!tgehilfen darüber be \{ließen, ob der Ausstand verkündet werden soll oder nicht.

95000 Bergarbeiter haben, wie ,W. T. B.* meldet, bi zum 16. d. M. im Nuhrgebiet die Arbeit wieder auf- genommen. In den drei Schihten betrug die Zahl der Auß ständigen 232 762 gegen 246 916 am 15. d. M. In der Frühs{chid am Donnerstag hât die Zahl der Ausständigen wieder un 100C0 abgenommen. Ausständig waren 107958 Berg leute gegen 117944 am Tage vorher. Mehr als de Laie der Belegschaften hat die Arbeit wieder aufgenommen. chnsgesamt wird auf 59 Schächtcen wieder voll gearbeitet. Die Presseabteilung des Reicskommissars teilt mit: Am Donnerstag, den 17. April, waren auf insgesamt 59 Schachtanlagen mindesten! 90 vH der Arbeiterschaft angefahren. A uf neun Zechen wurd die Arbeit neu aufgenommen. Von der Morgenschi feierten 49,32 vH, von der Mittagschiht 67,49 vH. Die Fehlziffer 0 in der Morgens{chicht gegen den wvoraufgegangenen Tag eine Abnahme um 8,45 vH für den ganzen Nuhrbezirk. In der Nähe der Zeche „Präsident" bei Dos um find dic Arbeitswilligen von, den ausständigen Bergleuten belästigt worden, Um die E L DLEN Ha zu \chüßen, wurde die Zed! „Präsident“ vonNegierungstruppen beseyt. Danit sind die ersten Regierungstruppen in die Stadt Bochum selbst ein gerüdckt. In Mülheim (Nuhr). wurden auf Veranlassung de! Untersuhungsrichters am Donnerstag 13 Spartakisten wegen Aufruhrs und Landfriedensbruchs verhaftet, die während der Bottroper Kämpfe eine führende Nolle gespielt haben.

In einer am Mittwoch in Düsseldorf abgehaltenen V er: sammlung der Straßenbahner wurde „W. T. B.“ zufolge eine Entschließung angenommen, die ih gegen \parta- kistishe Verheßung wendet. Die Straßenbahner, die {id niht am Generalausstand beteiligt haben, beauftragten den Leiter des Straßenbahnerverbandes, eine Bezahlung der Auss\tandstagt und ein regelrechtes Tarifverhältnis sowie eine Ruhegehalls ordnung von der Stadt zu erwirken. Der Straßen b ahn verkehr wurde p i in vollem Umfange wieder auf genommen. Am Mittwochnahmitiag fand die Beisezung von ¿wei in der Vergangenen Woche gefallenen gierun ssoldaten statt. Nach den jevt abgeschlossenen amtlihen Ermittclungen sind bei den Unruhen in Düsseldorf während der legten Wode 36 Zivilisten Mie und 95 verwundet worden. Dit Regierungstruppen hatten vier Tote und siebzehn Verwundete.

In Cöln ist man nah der von „W. T. B." übermittelten Meldung dortiger Blätter in dem Ausstand der Angestellten bei den Eintgungsverhandlungen zwischen den Arbeit gebern und Angestelltenverbänden unter dem Vorsiß des Neg ie rungspräsidenten zu einer Einigung gelangt. Di: Arbeitgeber haben in beaug auf Gehaltserhöhungen und Er höhung der wirtschaftlihen Beihilfe weitere Zugeständnisse gemadht. Eine allgemeine Versammlung der ausständigen Angestellten nah

estern vormiltag Stellung zu dem Einigungsvorschlag, Nach längerer [us\prahe wurde er nahezu einstimmig angenommen und, beschlossen, die Tätigkeit in den Betrieben sofort wieder auf!

zember 1914, Dies ist darauf zurückzuführen, daß er seit 1917 !

zunehmen

mehrung reichte bei dem gesunkenen allgemeinen Lebensunterh«W

sf Marinette), Louis

__ In Hannover ist, wie ,W. T. B.* mitteilt, das Personal! der dortigen Zeitun ge n wegen Lohnstreitigkeiten in den Au s'- stand getreten. Die Zeitungen sind daher gestern und heute nicht erschienen.

Wie die „Breslauer Zeitung“ meldet, haben die zue sammenberufenen erreihbaren Mitglieder des Aufsichtsrats der Bismarclkhütte“ bes lossen, nahdem die Arbeiterschaft den Generaldirektor Thiele und den Direktor Möhren abgesetzt hat, den Vorfiand zu ersuchen, alles für eine unmittel- bare Schließung der Werke vorzubereiten, da sie sih unter diesen Umständen gegenüber den von ihnen vertretenen Interessen außer Stande sähen, die Verantwoortung für einen weiteren Betrieb der Werke zu tragen. Aus Hindenburg kommt die Nachricht, daß entsprechend der Svmpathieausstandskundgebung der Kommunisten die, GrafFranz-Grube“ unddie, Wolf- ganggrube ausständig waren. Auf der „Donnersmark - grube* wurde dagegen gearbeitet. Die „Kleophas- grube“ ist noch ausständig.

In Leipzig baben, wie ,W. T. B.“ erfährt, die Straßen - bahnangestellten am Mittwoch beshlossen, zur Durcßseßung Mee us nicht erfüllten Lohn{orderungen sofor in den Ausstand zu treten. |

In Chemnig haben, „W. T. B.* zufolge, die Bankange- ftellten mit Nücksiht auf das über Sachsen verhängte Standrecht am 17. d. M. die Arbett wieder aufgenommen.

_ Die ausständigen Angestellten der Maggiwerke in Singen haben, wie dem „W. T. B.“ telegraphiert wird, nach- dem die Einkgungsverhandlungen zur. Erfüllung eines Teils der For- derungen der Auëständigen geführt haben, die Arbeit am Donners- tag wieder aufgenommen.

Theater und Musik.

Volk3bühne (Theater am Bülowplat).

_Als dritte Berliner Bühne hat im Verlauf weniger Jahre die Voltsbühne den kühnen Versuch unternommen, Heinrich von Kleists Trauerspiel „Penthesilea“ in feinen Spielplan aufzunehmen. Das geshah am Donnerstag in einer von Dr. Paul Legband mit mögli geringem äußeren Auf- wand in Szene geseßten Aufführung, der cine dreiaktige Einteilung des Werks zu Grunde lag. Mit Neht war wobl der ungenannte Dramaturg hauptsächlich darauf bedacht gewesen, das Wort des Dichters möglich|t ungekürzt in seiner ganzen feurigen Schönheit erstrahlen zu lassen und der Sptelleiter seinerseits darauf, dur spar)amen Szenenwechsel diese Absicht zu fördern. Jnösbe- sondere vermied er bei dem MNosenfest alle Ausstattungskünste in der richtigen Erkenntnis, daß das Kleistshe Trauerspiel durchaus, auch in den geruhsameren Kontrastszenen auf einer über das Mersch- lihe hinausgehobenen Basis ror sich gehen muß, um seine volle Wirkung auszuüben. Auf fehr beahtenêwerter künstlerischer Höhe stand auch die Darstellung. In Mary Dietrich besißt die Volksdühne eine nabezu ideale Vertreterin der Titelrolle. Man sah fie hon vor mehreren Jahren im Deutschen Theater als Penthesilea. Ihre Leistung hat -sich seitdem geklärt und vertieft ohne etwas von ihrer Ursprünglichkeit einzubüßen. Ihre gertenschlanke, eschmeidige Gestalt befähigt fie \{chon äußerlid dafür, die Umazonenktönigin glaubhaft zu wverkörpern. Herrn Stahl- Nachbaurs Achill war kraftvoll und männlich und verfiel auch in der Liebes\zene niemals in tenorhafte Süßlichkeit. Von tiefer Jnnerlich- keit getragen war die Prothoe Johanna Hofers. Adele Sandrock als eindrucksbolle Oberprie\terin, Rudolf Lettinger als Odysseus, Etuard

NRothauser als Diomedes und Hertha Wolf als Asteria sind noch

unter den anderen zahlreihen, durhweg guten Darstellern besonders hervorzuheben. Die Aufführung fand starken Beifall.

Im Opernhause wird morgen (erster Osterfeiertag) Nah- mittags 2 Uhr „Hänsel und Gretel“, mit den Damen Sax, Birken- strôm, Goepe, von Scheele-Müller und Herrn Bachmann beseßt, gegeben, anschließend folgen „Tanzbilder'“‘‘mit dem gesamten Billetivérional. Abends 7 Uhr wird das Musikmärchen „Königskinder“ mit den Damen Ariôt de Padilla, Goetze, Birkenstrôm, von Scheele-Müller und den ‘Herren Kirchhoff, Schlüsnus, Stock, Hente, Bachmann, Krasa und Fun in den Hauptrollen aufgeführt. Musikalischer Leiter ist der Generalmusikdirektor Blech. Für den zweiten Dsterfeiertag ist „Aida“ mit den Damen Kemp, Leisner und den Herren Jadlowker, Schwarz, Knüpfer, van de Sande und Funck in den Hauptrollen angeseßt. Musikalischer Leiter ist der Generalmusik- direktor Bleh. Anfang 7 Uhr.

Im Schauspielhause geht morgen, Sonntag, Nach- mittags 2 Ubr« als 11. Volksyorstellung zu ermäßigten Preisen „Kabale und Liebe“, Abends 7 Uhr das Luslspiel „Die Journalisten““ in Szene. Spielleiter is Albert Patry. Am 2. Osterfeiertag (Montag) werden als 12. Voltsvorstelung zu ermäßig1en Preisen (Anfang 2 Uhr) „Die Journalisten“, Abends 7 Uhr „Die Kreuzel- schreiber“ gegeben. Spielleiter ist Albert Patry.

Albion}

Konzerte.

_Zu den bebeutungsvollsten Musikabenden dieses Konzertwinters gehörte die Auffübrung von Verdis Requiem im leßten der von Selmar Meyrowiß mit dem Philharmonischen Drchester veranstalteten Konzerte. Es bleibt ein besonderes Ver- dienst dieses Dirigenten, auf das geniale Werk, das man in Berlin lange nicht mehr gehört hat, mit Nachdruck wieder hingewiesen zu haben. Die Verdische Totenmesse weit musitalisch von gleichartigen Werken deutsher Komponisten weit ab; sie ist sinnliher und sinnfälliger als ursere Kirchenmusik, ohne jedoch darum äußerlich oder minder tief empfunden genannt werden zu dürfen. Der Trauer um den Tod des thm befreundeten Dichters Manzoni hat Verdi in der ihm eigenen musikalishen Sprache Ausdruck gegeben, die .niht ergrübelt noch erkünstelt ist, sondern unmittelbar aus dem Gefühl entspringt und darum auc einen tiefen Cindruck auf den Hörer ausübt. Eine Fülle von Melodien strömt thm daraus entgegen, die zu dem shönsten gehören, was Verdi geschaffen hat. Die tonmaleris eindringlih ge\hilderten Schrecknisse des „Dies iras“ mit den an „Aida" gemahnenden Posaunen des jüngsten Ge- rihts, unterbrohen und gemildert durch die flehenden Töne des Soloquartetts und seiner herrlih bedahten Cinzelstimmen, haften in der Erinnerung. Das lieblihe „Domine Jesu“, das Sanctus das „Agnus Dei“, das „Lux aeterna“ find weitere Gtappen auf dem Wege zu dem von Verdi der Messe aus eigener Machtvoll- klommenheit hinzugefügten „Lihora me“ für Sopransolo und Chor, mit dem sie ergreifend ausklingt. Die Aufführung konnte sehr hobe Ansprüche befriedigen. Selmar Meyrowiß hatte {ih mit großer Licbe in das Werk versenkt und beherrschte alle Einzelheiten vollkommen, ohne dabei die große Linie des Ganzen außer aht zu lassen. Als zuverlässig und tüchtig bewährte B der Kittel]che Chor, und Barbara Kemp, Sigrid Hoff- mann-Onegin sowie Nobert Hutt waren erlejene Solisten, denen sih (an Stelle des erkrankten Bronsgeest) Wilhelm Gutt- mann (Baß) als tüchtige Hilfskraft hinzugesellte. Man darf nah dieser künstlerischen Tat hoffen, daß die Meyrowitz-Konzerte im nächsten Winter Lage werden. Im Schubertsaal ließ sich die Bläser-Kammermusik-Vereinigung der Staats- und National-Kapelle hören. Die Herren Hendrik de Vries(Flöte),Gottfried Schreiber (Oboe), Woldemar Conrad inett i cheiwein (Fagott), Georg Böttcher aldhorn) leisten auf ihren C ausgezeichnetes; für den berhinderten Pianisten Max

aal traten die Komponisten Mar i

Laurischkus und Paul Juon ein. Eln Trio für Oboe, Horn und Klavier von Laurishkus bringt ganz hübsche Einfälle, der lang- same Saß bricht aber zu plöglih und unbegründet ab, auch ermüdet die gleihe Tonfarbe doch bald. Dagegen machten dic drolligen „Klänge aus Lithauen“ sür Flöte, Obere, Klarinctte, Fagott und Horn desselben Verfassers den Zuhörern große Freude; cs sind das auch fesselnde Tonbilder von eigenem Klangreiz. Auch Paul Juons Diver timento für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn und Klavier spra dur vornehme Haltung und gute Arbeit an. Die mitwirkende Sängerin ist mit ihrem Gesangsstudium wohl noch nit ganz fertig, Stimme und Vortrag lassen ‘noh ret viel zu wünschen übrig. Mit ge- wohnter fünstlerischer Reife und Abgekllärtheit spielte einige Tage vorher Anton Hekking in demseiben Saal Violoncell- Tonzerte von Lalo, Eckert und d'Albert, und namentlich im leßteren entfaltete er seine ganze technische Mteister- chaft und seine hervorragende Phrasierungskunst. ODret Werke von Brahrns bildeten die Vortragsfolge des 1V. Kammer- musikabends des Fiedemann-Quartetts in der Q akademiec. In dem Trio in A-Moll wirkte Paul Rembt (Waldhorn) und in dem Klavierquartett in A-Dur Leonid Kreuzer mit. Die hervorragenden Leistungen der Künstlervereinigung find wiederholt bier gewürdigt worden. Auch diesmal war wieder die Sicherheit, mit der fie sch in den Geist und Stil Brabmss@er Werke wversenkten, erxfreulich. Hanni Voigt, die im Beethovensaal Klavier spielte, ist eine Pianistin, in deren Spiel sich gute Technif und teilweise au ein sehr {dner Anschlag vereinen. Nah ihrer Wiedergabe der Es-Dur - Sonate zu urteilen, ist ihr aber das Verständnis för Beethoven noch nit aufgegangen. Die nôötige Größe und Tiefe der Auffassung mangelte hier. Brahms liegt ihr schon näher. Leider aber neigte sie au hier dazu, alles rein sachlich ohne eigenes Gepräge zu spielen. Dagegen ist Heinz Lohmann (Bech- stein]aal) ein feiner und tüchtiger Künstler. Daß er einen ganzen Abend der modernen Klaviermusk widmete, war dabei esonders anzuerkennen, wenn auh die Aufgabe nicht danfbar war. Außer bei Werken von Mac Dowell und teilweis von Debussy erfuhr man, wie armselig zusammengesuht arch die Musik Schönbergs und Korngolds ist. Wer einen Aus- spruch wie: „Die Welt ist der nah außen gekehrte Jnnenmensch" zum Gegenstand eincs Musiksiücks machen will, wie cs Schönberg tut, verkennt das Wesen der Musik. Florence Bebrendt fang im Klindworth-Scharwenkasaal mit hübsher Sopran- timme, die aber im Forte infolge falscher Tonbildung versagt, Lieder von Nobert Franz und Kurt von Wolfurt, letztere zum ersten Male. Diese muten wie reine Modulations\tudien an, rußelos geht es von einer Tonart in die andere, kein Stillstand, kein Ausruhen, bis man abgeheßt vor einem plöglihen Schluß Halt macht. Hans von Schulmann wirkte mit üúnd spielte Liszts Dante-Fantasie und Brahms? Händelvariationen.- Daß diese ziemlich lange dauern, weiß man, aber so lang sind sie ten Zuhörern wohl selten vor- gekommen, das machte die trockene und nüchterne Spielweise des Interpreten. Er spielt laut und leise, wie Brahms es vorgeschrieben hat, greift meistens die rihtigen Tasten und glaubt, damit seine Pflicht getan zu haben. Trockene Verstandesmenschen werden damit wohl auch zufrieden sein, andere Zuhörer werden aber der Meinung sein, daß man. auch zwischen den Zeilen lesen, und aus jedem Spiel eine Seele \prehen: muß, Elisabeth van Endert zeigte an ihrem leßten Liederabend im Beethovensaal ihre pornehme Vortragskunst an Liedern von Schubert, H. Wolf und R. Strauß. Sie weiß vor allem dur das von Natur bevorzugte Kopf- register besondere Netze zu entfalten und erzielte dur di- anmutige, von stillem Humor durchtränkte Art ihres Vortrags (,Elfenlied" von H. Wolf) stürmischen Beifall. Ella Bibo, die im Bech - steinsaal sang, ist im Konzertsaal „fehl am Ort“. Ihre Be-

„gabung, ihre Stimme und. ihr Vortrag weisen fie auf das Operetten-

fa hin, in dem sie Bedeutendes leisten könnte. Im Blüthner- jaal hörte man nach langer Pause den Baritonisten N ichard Koennecke wieder, dem man, in früheren Jahren so mandhen genußreilhhen Liederabend zu verdanken hatte. Die Stimme des Künstlers, deren vortrefflihe Schulung man immer zu rühmen A hatte, strahlt noch im alten Glanze, Vortrag und mußikalishe Auffassung erscheinen gegen früher geklärt und vertieft. Sein Programm führte von Beethoven („An die ferne Geliebte“), über Schubert, Shamann und Brahms zu Richard Strauß und in seinem leßten Teil zu Hans Hermanns interessantem Zyklus „Sinnsprühhe des Omar Khajjam“, für dessen Leben8weisheit und Humor tem Künstler immer der rechte Ausdruck zu Gebote sland. Es war _ cin Ebrenabend für den Sänger, der „solang in unserem Kreis getehlt“. Seine feinfühlige und anschmieg- same Begleiterin war Ceci Preu ß.

Mannigfaltiges,

Im en N Een Theater der „Urania“ wird der Professor Dr. Schwahn seinen Lichtbildervortrag „Die Geschichte der Unwelt" am morgigen Sonntag, am Mittwoch und am Sonnabend wiederholen, Am Dienétag und Donnerstag hält Fräulein Emma Kottmann ihren Vortrag „Das s{öne Schwaben- land“, und am Montag und Freitag kommt der Vortrag „Der Vier- waldstättersee und der Gotthard“ wiederholt. Außerdem wird am Dienêtag um 4 Uhr und am Mittwoh und Freitag ur: 6 Uhr der Vortrag „Tier und Mensch in der Wildnis“ und am Donners- tag der Vortrag „Lebensbilder aus der Welt des Mikroskops“ zu Fleinen Preisen gehalten werden. Im Hörsaal finden nachstehende Vorträge statt: Sonntag, Montag, Donnerstag und Sonnabend Die Schönheit der deutschen Landschaft"; Donnerstag, Direktor Franz Goerke: „Von Thorn bis Danzig, unser Weichselgebiet und die polnische Gefahr".

Beuthen, O. S, 17. April. (W. T. B.) In Kochlowiß kam es gestern zu wüsten Aus\schreitungen. Etwa 40 Mann erschienen vor dem Gemeindehaus und verlangten mehr Lebens - mittel, besonders Kartoffellieferung. Da dies nit möglich war, rotteten fih gegen 3000 Personen zusammen und begannen einen Raub- und Plünderungszug durch den Ort. Mehrere Geschäfte . wurden gänzlich autgeplündert. Gemeindevorräte an Bekleidungsstücken im Werte von 70 009 4 wurden entwendet.

Halle, 19. April. (W. T. B.) Die Eisenbahndirektion Halle macht durch 21A bekannt : Da die Kohlennot immer größer geworden ist, können am Sonntag, den 20., und Montag, den 21. April, Vormittags, . überhaupt keine Personenzüge gefahren werden. Fahrterlaubniss{heine und Fahrtarien für Sonntag und Montag, den 209. und 21. April, werden deshalb überhaupt nicht ausgestellt. Für heute, Sonnabend, kann die Fahrterlaubnis nur bei dringenden, glaubhaft nachgewiesenen Fällen erteilt werden, da die wenigen abzulassenden Züge vollständig überfüllt scin werden und leine Gewähr für die Mitfahrt weiterer Reisender gegeben werden kann.

Bremerhaven, 18. April. (W. T. T Der ameri- kanishe Lebensmitteldampfer „The Lambs*, welcher in Nordenham bereits 1800 Tonnen seiner Ladung gelöscht hat und hier im Kaiserhafen vertäut wurde, wird hier vollständig entlöscht werden. Der Dampfer, der Weizenmehl, Bohnen, Erbsen, kondensierte Mild, Speck und Schmalz geladen hat, entbält noch über 6000 Tonnen Lebensmittel. Für diesen Dampfer wie für alle eee in Bremerhaven eintreffenden is die Löscharbeit durch die esonnenheit der Arbeiterverbände unbedingt gewährleistet.

Hamburg, 17. April. (W. T. B.) 2200 deutsche Soldaten, die im Orient, im Shwarzen Meergebiet und im Kaukausus gekämpft haben, find von Nikolajew unter Führung des Hauptmanns Lindner hier “eingetroffen.

Wien, 18. April, (W. T. B.) Ueber \chwere Aus8- \chreitungen, die sih gestern vor dem Parlaments- gebäude ereigueten, wird dem „Korr. Büro“ gemeldet: Eine Versamu1- lung von ctwa .3000 Arbeit slosen hatte sih vor dem Rathause zusamzumengefunden, cine andere aus zurücktgekfehrten Sol- daten und Invaliden bestehende Versammlung fand im Prater statt. Beide Versammlungen zogea vor das Parlament, ‘wo sie sh trafen. Abordnungen begaben sich in das Parlaments- gebäude, um ihre Wünsche dem Staatskanzler Dr. Nenner vorzutragen. Von der Negierung war zu dieser Zeit niemand anwesend. Der Staatskanzler Dr. Renner wurde aus einer Sitzung des Kabinetts- rats geholt. Er begab sich ins Parlament, wo er die Wünsche der Ab- ordnungen entge; ennahm und sodann zur Sißung des Kabinetts wieder zurückfehrte. Während die Abordnungen der Arbeitélosen und Invaliden beim Staatskanzler verhandelten, versuchte die vor dem Parlament versammelte Menge in das Gebäude etinzu- dringen Da die Tore verschlossen waren, entstand etne große Grregung. Zahlreile Personen begaben fich auf die Südseite des Parlaments und warfen die Fenster ein. Schließlich ge- lang es einigen, das Tor zu sprengen, doch wurden sie durch Polizisten am Eindringen verhindert. Aus unaufgeklärter Ürsache fielen einige Schüsse, worauf \ich zwischen der Menge und der Polizei eine lebhafte Schießerci entwickelte, durch welhe vier Wachleute und eine Frau getötet wurden; außerdem sind 17 Wachleute {wer und 23 leicht verleßt. Gegen Abend trafen starke Abteilungen von Volkswehren ein, die das Parlamentsgebäude besezten. Die Schießerei dauerte bis in die Abendstunden, ohne daß ihr Zwek erkennbar war. Um 9 Uhr abends sperrte die Volkêwehr die Parlamentstore ab, worauf sih die Volksmenge verlief. Die Beamtenschaft hat das Parlament nicht verlassen. In der Wohnung eines Beamten des Parlaments ist Feuer ausgebrochen, das die ganze Jnneneinrihtung der Wohnung zerstörte. Um 11 Uhr nachts wurde gemeldet, daß in der Umgebung des Parla- ments Nuhe hberrs{te. Auf Befehl des Landesbetehlshabers ist die Volkswehr etngezogen. —ÜeberdenEmpfangaderAbordnungen der heimgetehrten Invaliden und der Arbeitslosen durch den Staatskanzler Nenner wird berichtet: Namens der Arbeitslosen wurde dem Staatskanzler cin Entschließung überreidt, in der sofortige Arbeitömöglihkeit und eine Arbeitslosen- unterstüßung von mindestens 25 Kronen tägli, ein cinmaliger An- shafffungsbeitrag von 1000 Kronen sowie eine Erhöhung der Brot- ration auf tägli 50 Dekagramm für den Kopf verlangt wird. Der Staatskanzler betonte, die Staatsregierung kenne keine größere Sorge, als Brot und Arbeit zu hafen. Die eingeseßte Arbeitslosenkommission befasse sich g°genrärtig damit, sämtliche irgendwie möglihen und denkbaren Pläne von Regierungsbauten sofort in Angriff zu nehmen. Durch Arbeitslosenunterstüßung könne die Arbeitslo]enfrage niht endgültig gelöst werden. Die Arbeits- losenfrage sei in erster Linie eine Kohlenfrage, und die Regierung sei bemüht, selbst von der Entente Kohlen zu bekommen, obwohl sie sehr teuer seien. Weiter werde man Arbeitslose bestimmten Betrieben zuteilen, indem die Arbeit anders eingeteilt und die Arbeitszeit ver- fürzt werden solle. Was die Geldfrage anbelange, so föôñne er teinen Betrag angeben, er werde, foviel in seiner Kraft stehe, für die Armen tun. Sodann wurde die Abordnung der Heimgekehrten empfangen, deren Forderungen si auf Auszahlung eines Reisepauschals von 200 Kr., Gewährung eines Zus \chusses von 60) Kr. für etwaige in der Gefangenschaft verminderle Werte und Gewährung einer einmaligen Abfertigung von 1000 Kr. beziehen. Der Staatskanzler versicherte die Abordnnng der wärmsten Sympathie der Regierung und erklärte, er werde im Kabinettsrat die Lage der Heimgekehrten darlegen und dafür Sorge tragen, daß dîe Beschlüsse des. Kabinetisrats dem Neichsverbande ehe- maliger Krieg8gefangenen zur Kenntnis gebraht würden. Die ver- langte Errichtung eines Amtes für Krieg8gefangenenangelegenheiten werde in aht Tagen erfolgen.

Die Vertreter der englischen Lebensmittelkom- mission erhielten gestern spät abends den Bericht des Staatskanzlers Dr. Renner über die unglücklicben Greignisse vor dem Parlament. Dr. Renner versicherte, daß der Vorfall ohne politische Bedeutung sei, daß die Polizei die Lage beherrsche und daß feine Wiederholung der Unruhen vorkommen dürfte. Infolge dieser Versicherung haben die beiden englishen Vertreter ihre Regierung dringend gebeten, die Lebensmittelsendungen A ¡u verringern. Der Wiener Polizeipräsident äußert sih im „Neucn Tag“ dahin, daß si die gestrigen Unruhen als ein seit geraumer Zeit vor- bereiteter Putshversuch der Kommunisten darstellen, bei dem der Cinfluß ungarischer Kommunisten erwiesen sei. Der Versuch sei mifßglückt. Die Ruhe werde hötstwahrs{ecinlih nit mebr gestört werden. Die Haltung der Volkswehr sei duraus zufriedenst ellend gewesen.

Paris, 18. April. (W. T. B.) Jn Crisse ereignete fich einer Reutermeldung zufolge ein ECisenbahnunglück. Ein nah Brest fahrender amerikanischer Truppenzug fuhr in einen französischen Urlauberzug binein Es wurden 23 Tote geborgen, wovon 16 Amerikaner ; 15 Verwundete wurden

ins Krankenhaus gebracht.

Cherbourg, 189. April. (W. T. B) Wn G) deutschen Unterseebooten, die von England nach Cher - bourg geschleppt wurden, ist, wie „Reuters Büro®* erfährt, ein einziges angekommen. Die anderen gingen .im Sturm verloren.

Hanvel und. Gewerbe, Heute fällt ver Börsenverkehr aus.

reten iri reÀ

Nach dem Jahresberiht der Anglo-Continentalen (vormals Ohlendorff’ schen) Guano,-Werke in Ham- burg für 1918 vermochte die unter Zwangéverwalt ung stehende Zweig- niederlassung in Antwerpen keinen Abschluß zu liefern. Ihre Leiter haben als Deutsche das Land verlassen müssen. Die Gesellschaft war des- halb genötigt, bei Aufstellung der Bilanz, soweit neuere Zahlen nicht vorlagen, auf den vorjährigen Abs{chluß dieser Zweigniederlassung zurückzugreifen. Die Werte der Londoner Zweigniederlassung wurden unverändert, wie {on seit Jahren, in die Bilánz aufgenommen. Abschreibungen größeren Umfangs unterblieben ; die eigenen Wert- papiere erscheinen zu den Kursen yom 31. Dezember 1918 in der Bilanz; der Verlust gegenüber ihrem Buchwert wurde vom Gewinn abgeseßt. Die Beteiligung der Gesellschaft an den Bayerischen Stickstoff-Werken hat sich dadurch, daß diese Gesellsaaft ihr Kapital erhöhte, verarößert. Zur Verteilung an die Aktionäre gelangen 8 vH.

Die Bremer Vulkan Schiffbau WMaschinen- fabrik s{lägt laut ,W. T. B.“ vor, 12 vH für die Aktie zu verteilen.® i:

Die Goldausbeute in Transvaal betrug laut Meldung dcs „W. T. B.“ im März 1919: 712 379 Unzen im Werte von 3 025 992 Pfund Sterling gegen 636 728 Unzen im, Werte von 2 704 647 Pfund Sterling. : c

Haag, 16. April. (W. T. B.) Dem „Korrespondenz-Büro“ zufolge teilt das Interalliierte Handelskomitee im Haag mit, daß fortan, um Deutschland in die Lage zu sehen, in neutralen Ländern für den Einkauf von Lebensmitteln Kredit zuw erhalten, Taine Firma in elne neutralen Lande durch Seyung auf die Om arzs Liste bestraft werden wird, wenn sie (innerhalb der be- stimmten Grenzen) Lebensmittel nah Deutschland ausführt, Deutsch- [land für den Ankauf von Lebensmitteln Kredit getvährt "odet "Waren, deren Ausfuhr aus Deutshland die assoziierten Regierungen bewilligt