1820 / 26 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

May 1319: „Man nennt Diejenigen, von welchen man glaubt , daß fe die vorbemertten Zwecke nach ihrer Ueberzeugung, ohne von Rücisichten abhangig zu seyn, erfüllen würden, Unbedingte.

Der Student M..... zum Protokolle- vom 19. desselben Monates: „Jn unserer Geselischaf: hat man Denjenigen für einen Unbedingten anger ommen, wel- cher unsere Ansichten über die Einheit der Kirche und des Staatés theilte, und voh weichem angenommen werden fonnte, daß er dieser seiner Ueberzeugung ge: máß undvedingt und rücsichtios zu handeln entschios- sen sey.“

Der Student W......….» zum Protokolle vom 23. Jul. 1819: „¡„Mehre haben den Grundsay ausgespro: ckecn, Alles, was der Einzelne als das Wahre er- kennt, muß er unbedingt in das Leben cinführen.“" So wie der Student É... zum Protokoile vom 29. März 1819 eben dies mit dem Zusatze: „Und tin sofern war diese Benennung mit dem Namen der Schroarzen gleichbedeutend.‘“

Diese Grundsäge waren um so gefährlicher, als zwischen den Demagogen das vollkommenste Einver- sándnis und eine gegenseitige Mittheilung der änsich- ten und Grundsä6e fiatt hatte. Wir werden hierauf unten bei der Verfaßung der engeren Vereine zurü: kommen. Eben fo galt bei ihnen die Pflicht zur ge: genfeitigen Unterstüßung und Hilfe.“

Der Student N... äußerte darüber unterm 12. November 1817 zu K—: „Darum bleibe alles geheim, was Ihr thut; stärkt Euch in Anzahl und Muth. Rein Einzelner werde den Wölfen hingeworfen , son- dern Alle slehen für Einen und Einer für Ulle.

R. W....….... unterm 28. März 1819: „Sands Liebe zu seinen Freunden hat ihn gewiß zu der zwei- ten That sich selbst zu erstehen bestimmt, denn er kounte überzeugt seyn, daß seine Freunde Alles auf- geboten haben würden, ihn aus der sichern Haft mit Aufopferung ihrer selbst zu befreien.“

Selbst ein Staatsbeamter v. M........+ {rieb unterm 21. November 1817 an den Dr. J... „Du bist Der von uns, der als Wächter dort steht; Du rufst uns! Deine Mitkämpfer für Freundesleven und Freiheit kennst Du. M. und S. fannst du zu Rathe ziehen. Wo aber bie rasche That gilt, da soll nur Jugendmuth walten. Wenn es an Hals und Kragen geht, müßen wir in B. seyn. Du sorge nur, daß wir nicht zu spät von der Gefahr wißen, und wenn wir auch nur unserer zwei wären, wir wollten ihn dem TeU- fel aus den Klauen reißen und eine Fackel anzünden, die ihnen den Buckel brann und blau brennen sol." Und gleichzeitig wegen eben des Gegenstandes an M „Wir stehen waer zusammen, wol 8 bis 10, und wollen gern bewähren, daß wir Liebe haben im Her: zen für den Freund und wahren Todesmuth. Nicht Form und Zeit sollen uns halten, wenn Gefahr droht ; J... muß uns Nachricht geben; die Zeit if groß und fodert Großes, wir möchten gerne vor ihr bestehen.“

Besonders gehört hieher der Grundsaß, sich gegen- seitig, so wie Diejenigen zu unterstüßzen, welche wegen ihrer demagogischen Umtriebe von den Regierungen zur Untersuchung gezogen. So äußerte der Kandidat M eco Untér 29. Julius 1818 an den Dr L. 5 „Vei uns gehört nichts Einem ausschließlich, wer hat giebt dem Andern 1c.‘ und 1819 dem v. M.......--+ „Eine Kaße müßten wir freilih haben, mache dazu die Vorkehrung.“ So der Advokat H....... am 28. Dezember 1815 an den v. M......... bei dem Vorschlage der Herausgabe einer eigenen demagogisczen Zeitung: „Ich meine, daß man sich eine Preße und einen Drucker anschasfre; die Kosten möchten die Reich- sten unter uns deen.‘ Und der Kandidat S... unterm 14. November 1818 an den Studenten M... „Die meisien sind gegenwärtig shlecht mit Gelde ver- sehen , so wie aber Einer etwas erübrigen kann, ist er angewiesen, es bei H. niederzulegen; ich hoffe, daß ich gegen Ende des Jahres für S. niederlegen kann.‘

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Der Lehrer B... es benahrichtigte 1819 den |

A —, náthdem er angeführt, daß die Beßeren aus B

in C. eine Zusammenkunft gehalten: „Wir haben bei

der Bérathung beschloßen, daß Geld gesammelt wer:

den solle für die wegen Rechtlichkeit oder politischer Meinung Verfolgten.‘‘

Allgemeine

L... benachrichtigt den E. L. unterm 3. Januar 0 V i ; 1818: „W. S... wird von einer Gesellschaft von Män: äts nern, welche die durch die Souverainitáät Unterdrück: i Ld # 4

ten zu unterstüßen sich verbunden haben, ein ansehn: liches Stück Geld erhalten.“ So wie W. W........., unterm 20. April 1819 dem W.. „M... s Eltern ha: ben nur zuviel Sorge um das, weshalb Er gar keine Sorge hat, um sein irdishes Wohlergehen, in wel: chem Stücke er doch gar nicht gefährdet ist; denn seine Freunde werden sih seiner immer annehmen und mit ihm theilen. Denn das wäre einr sch{lechte Liebe fürs Volk, wenn Der, der um seinetwegen leidet, darben

müßte. ““

Auch der Student B... gestand zum Proto: folle d. d. G. den 6. August 1819, daß die Mit: glieder des dortigen Vereines, auf einer Zusammen- kunft, si darüber verständigt hätten, alle Diejenigen zu unterstüßen, welche durch ihre parriotischen Hand: lungen in Vermögens - Verfall gekommen. So wie auch der Advokat K... gesteht, „„daß davon gesprochen, daß es gut sey, wenn rechtliche Männer zusammen: träten und eine Kaße bildeten, woraus diejenigen, die durh, Willkür der Regierungen iitten, dur öffent- liche Geldbeiträge unterstüßt werden könnten.““

Diese Bestrebungen waren nicht für die akademi: | schen Jahre, sondern für die ganze Lebenszeitf

verabredet.

Der Student A... gesteht zum Protokoll vom ' 25. September 1819: „Wenn gleich wir als Studen: |

ten dafür (die Einheit Teutschlands) wroirfsam zu seyn nicht sonderlich hofften, so liegt doch von selbst in die: ser Jdee, daß wir darüber einig waren, nach geendig:en Studien-Jahren durch den Uebertritt in die bürgerlicher Stände dafür nah unsern Kräften wirksam zu seyn. Undi schreibt der Student S... Unterm 12. Way 1818 an S „¡Laßt uns darum immer uns vVerjiän: digen, nicht blos so lange roir auf der Hochschule sind, sondern fo lange nur noch ein Wort von Einem zum Anderen gelangen kann.“ So wie der Student R. W.. .. an W „Wir müßen selbs erst Lehrer | und Bildner des Volkes geworden seyn, selbst erst die | erledigten Pläße im Philisterium eingenommen haben, ehe es anders werden fann. Recht klar ij mir dics geworden.

Es (ußert dexr Student L......... Umk Proto- folle vom 28. Mai 1819: „Jch halte mich dazu ver-

bunden, nah meinem Eintritte in das öffentliche bür- | gerliche Leben zur Erreichung dieser Zwee auf jedem |

rechtlichen Wege mitzuwirken. Meine Freunde heben fich gegen mich nicht bestimmt ausgesprochen, und kann ih nur vermuthen, daß sie gleicher Meinung sind.“ So wie der Student K zum Prototolle vom 19. | desselben Monats: „Es ist bei den Berathungen (im Vereine) gesagt, das beste Mittel die Jdee ( von der Einheit Teutschlands) zu realifiren sey, wenn Jeder, der in das praktische Leben tritt, die Jdee, soviel er könne, allgemein zu- machen suche. ‘“

Eben diese Ansicht herrschte auch im Vereine zu ( , wie deßen Mitglied Dr. W...... gestebt, indem er zum Protokolle vom 12. Junius 1819 sagt: ¡Wir munterten uns auf, in diesem Geiste nach der: maleinst erhaltener Anstellung zu handeln.“

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Redaktion in Aufsiht: von Stägemann, Reimersche Buchdruckerei,

MAI G D OTOE E M De E O O R Ea E E E A R ERGE PAE E C T E’ 1B maA Tran pem

26 Stück. Berlin, den 28sten März 1820.

l. Amtliche Nachrichten.

“Kronik des Tages.

Berlin, vom 23. März. Se. Majestät der König haben dem Schiff » Eigenthümer Andreas Böttcher zu Muckrena das Allgemeine Ehrenzeichen zweiter Klaße zu verleihen geruhet.

Am verwichenen Sonnabend den 35. d. um 10

Uhr morgens geruheten Sé. Majestät der König dem am diesfeitigen Hofe accredirten Königlich Groß: Britannischen außerordentlichen Gesandten und- bevoll» mächtigten Minister Herrn Rose, eine Privat: Aus dienz zu ertheilen, und das für besagte Eigenschaft er: neuerte Beglaubigungs - Schreiben aus deßen Händen zu empfangen.

IL SZeitung8-Nachrichten.

Yaris, vom 18. März. Die Kammer der Ab: geordneten hat in ihrer Sißgung vom 15. d. die De- batten über das Geses zur Beschränkung der persön- lichen Freiheit vollendet. Nux die Erörterung des 53ten Artikels nach dem Entwurfe der Regierung, und des 4ten nach dem Entwurfe des Ausschußes der Kam: mer wär noch übxig. Statt des ersten: 7; die ver: pflichtende Kraft des gegenwärtigen Geseßes hört auf, roenn es in der nächsten Sitzung der Kammern nicht erneuert wird,“ hatte der Ausschus vorgeschlagen : „das Ministerium is verpflichtet, . den Kammern in ihrer nächsten Sizung ein Verzeichnis der auf seinen Befehl verhafteten Personen vorzulegen, unter Hin:

zufügung eines Berichtes über die Vollziehung dieses

Gesebes, deßen verpflichtende Kraft aufhört, wenn es während der gedachten Sißung nicht erneuert wird.‘ Sowol die anwesenden Minister, als besonders Herr Courvoisier erklärten sich wider die von dem Aus- schuße vorgeschlagene Abänderung, weil die Kammer durch solche Einwirkung sich der Attribute der dem Könige ausschließlich gebührenden vollziehenden Ge- walt bemächtigen würde. Nur dem Könige, nicht der Kammer, sey das Ministerium von der Vollziehung des Geseßzes Rechenschaft abzulegen schuldig.

Bei der Abstimmung ward der Vorschlag des Aus- shußes verworfen und die Faßung des Geseßes näch dem Entwurfe der Regierung angenommen.

_ Einige andere Abänderungen kamen hienäh| zur Sprache. Sie hatten insgesammt den Zweck, die der Regierung eingèräumte Willkür soviel möglich noch ¿u beschränken und däs Schicksal der Verhafteten wäh: rend ihrer Gefangenschaft zu mildern, z. B. nicht in der Nacht zu verhaften, die Gefangenen zu verpflegen

u: dgl. Der Minister des §nnern berñerête: man scheine über die Absicht des Gesetzes in Misverständ: nße zu gèrathen. Der Zweck sey nur, verdächtige Personén verhaften und gefangen halten zu dürfen, ohne fie vor den’ Richter zu: stellen. Jn allem Uebris- gen, was die' Form der Verhaftung, die Behandlung während ‘der Gefangenschaft u. dgl. betreffe, solle in den bestehenden Gesezen nichts geändert werden. Jn: zwischen beschloß man einmüthig auf dèn eignen Ans: trag des Ministers der Auswärtigen Angelegenheiten diesen Vorbehalt in einem nachträglichen Artikel des Gefeßes ausdrücklih aufzunehmen. Man schritt endlich zur Abstimmung Über das Ganze des Geseßes, und es ward mit 134 gegen 115, also mit einer Mehrheit von 19 Stimmen ange: nommen. O Fn der Sißung der Kammer vom 16. benuste der Herr General Graf Foy, indem er über den Vortrag einér Privatbittschrift abstimmte, den Anlas, seinem beleidigten Kollegen in Bezug auf seine Aeußerung in der Sipung vom 15. eine Ehrenerklärung zu geben,

„Es sey mir vergönnt (sagte er) meinen Schmerz und

mein Erstaunen über die Deutung auszudrücken, die man meinen Worten am Schluße der Sißung vom 15. gegeben hat. Jch habe diese Angeher und Verfol- ger vom Jahre 1815, diese Handvoll Menschen gck meint, die mir während meines dreißigjährigen Ge- schäftlebens niemals unter dem Banner, niemals auf der Bahn der Ehre begegnet sind. Schon die Lebens digkeit meiner Ausdrücke bewies zur Genüge, daß man sie nicht auf einé zahlreiche Klaße von Mitbürgern anwenden könne und nicht anwenden solle, die vie! und so lange gelitten, auf Männer, benen „ih