1820 / 48 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Tue, 13 Jun 1820 18:00:00 GMT) scan diff

ster, die im Herzogthume Jülich Befizungen hatten, nicht alle im Lande lagen, sondern größtentheils im Auslande, in Köln, Aachen, Litt:ich, Masiricht, Venlo 1c. Die Besigungen der Lantègeistlichkeit, als der Pa- storen und Vikarien, sind in obigem Verzeichniße nicht mit angegeben worden, da diese nicht mit zu jener Kontribution gezogen wurden. Die Stifter, Abteien und Klöster hatten an den meisten Orten, wo sie die Zehnten hatten, auch die Pfarreien zu besegen, und sie mußten daher diese in jener Geldausschreibung mit vertreten.

Man sieht aus den angeführten Zahlen, daß die Stifter eine größere Neigung gehabt, Zehnten zu er: werben als Ländereien; hingegen die Abteien und Kls- ster ‘haben sich mehr auf die Erwerbung von Ländereien gelegt. Das Domkapitel von Kölu besaß im Herzogs- thume Jülich allein 26 Zehnten, die mehr als 25,000 Morgen umfaßten. Der Zehntsprengel des Domka- pitels betrug alo blos im Herzogthume Jülich Eine und eine halbe Quadratmeile A>kerland.

Auf die Mühlen scheinen die Geistlichen nicht viel gehalten zu haden; wahrscheinlich der vielen Repara- turen wegen. Denn im ganzen Herzogthume Jülich besaßen die Stifter nur 4 Mühlen, die Abteien nur

(und hierunter die Gladbacher Abtei allein 5 zu Gladbach) und die Klöster nur 11. Die Mühlen waren überall mehr Domaine der aufstrebenden Landes: Ho: heit geworden, woher denn später eine so große Menge Domainen-- Mühlen als National: Domain mit ve:kauft wurden. Daß die Landesherrn nicot eben sowol die Entde>ung machten, wie die Geistlichkeit, daß die Mühlen nur für den vortheilhaft sind, der darauf wohnt, dies ist vielleicht in der Einri<tung ihrer Rentéammern zu sucven. Die Reparaturen der Mühlen veranlaßten mancherlei Besichtigungen, und diese wieder manchen angenehmen Tag für die Fürst- lichen Nentbeamten bei ihren Untergebenen auf dem Lande. Hiezu kamen mäßige Diéten. (Dieser Br:nd ist wol \<werli< der richtige. Die verwaltenden Beamten, welche die Diéten bezogen, waren doch nicht die organisirenden. Es scheint im Jülicher Lande, wie überall, die Behauptung des Mühlen : Regals, wor- der die Staatsmœirthshaft sih erst später berich!iget hat, wol allein die Schuld zu tragen. Anm. d. Red.)

Ueber die Hebekosten der verschiedenen Steuern von Frankreich.

Die Hebekósten der verschiedenen Steuern von Frankreich giebt der Finanzminister in seinem Budjet auf 127 Procent an, also auf ein Achtel der ganzen gehobenen Summe. Da das Budjet nun immer zwi- shen 900 und 1000 Millionen ist, so betragen die He- bekosten 1132 bis 125 Millionen.

Man sicht aus diesen Zahlen, daß der Gegenstand von einer großen Wichtigkeit ist, und daß es wol der Mühe lohnt, in das Einzelne desselben einzugehen, um zu sehen, wie si< die verschiedenen Steuern in Hin: sicht der Hebekosten gegen einander vehalten.

Die geringsten Hebekosken find:n bei den dire?- ten Steuern statt, die nah Rollen vertheilt und cr- hoben werden. (Grundsteuer, Thür: und Feustersteuer und Patente.) Diese betragen in diesem Jahre 366 Millionen, wobei 24 Millionen für Gemeindebedürfniße einbegriffen sind. Der Finanzminister bere<hnet deren Hebekosten auf 25 Mill, also auf beinahe 7 Procent.

Darauf folgt die Verwaltung des Enregiskrements, welche 158 Millionen einträgt, deren Hebekosten aber {hon das Doppelte betragen, nämli<h 15 Procent. Also nahe 24 Mill. Die Einziehung dieser 158 Mill. kostet also fast so viel, als die Einziehung der 366 Mill. direkter Steuern.

Auf das Enregistrement folgen die Domainen. Die Einnahme derselben beträgt 110 Millionen, die He- bung 25 Mill. , also 21 Procent. Da bei der Fran- zöfischen Douane nach amtlichen Angaben 26,262 Zoll: Beamte angestellt sind, indem eine dreifache Zollinie

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um ganz Frankreich geht, so sind diese Kosten sehr be: greiflich, Jeder Zollbeamte erhält im Durchschnitte 900 Fr. jährlich.

Die Vereinigten Rechte (‘die Abgabe auf Getränke, Tada>, Spielkarten 2c.) betragen 188 Mill. Die He: begebühren aber nicht weniger: als 48 Millionen, aiso über 25 Procent. Die Taba>regie, die mit zu den Vereinigten Rechten gehöct, trägt wol am meisten zu diesen Kosten bei *). ;

Die höchsten Hebekosten hat die Lotterie (oder eigentlich das Lotto). Dieses trägt 14 Mill. und avf diese kommen allein 5 Mill. Unkosten. Dieses macht beinahe 56 Procent. Die Lotierie ist also in jedem Betracht die schlechteste Abgabe von allen.

(Fortsetung folgt.)

Im 44. Stü>e der Allg. Preuß. Staats-Zeitung, Berlin, den 30. Mai 1820, befindet sich ein Aufsatz, betreffend den Prozeß des Herrn Doktor Denis, als Kläger gegen Herrn v. Saint-Mauvieux.

Da ih die Untersuchung gegen Herrn Denis im Jahre 1815, als damaliger Polizei: Direktor des 4ten Armee: Korps, selvs geleitet, so erregte dieser Uufsal für mich ein Juterege, ader au<h Abscheu gegen die unoersc<ämte L'ige des Herrn Loiseau, daß die Preus ßischen Truppen den Einwohner Mesnard vor ein Kriegsgericht steVen, zum Tode verurtheilen und die Strafe nachher in Sto>szlägen, 4 Tage hinrereinans der, an ihm hätten vollziehen laßen,

J@ kann es betheuern, daß, so lange ih das Glüd gehabt habe, als Polizei: Direftor unter dem Special- Befehle des ehrwürdigen General Bülow zu stehen, nie ein Franzésisher Unterthan mit Stocischlägen bes straft worden ist.

Der verewigte General hatte si< in Chartres, soe wol durch strenge Gerechtigkeit, als auc dur Milde, wo die leßte nur immer stattfinden konnte, hohe Liebe und Zutrauen bet den Französischen Einw2hnern er- worben; und der damalige Präfekt, Herr Graf von Brecreuil, mit dem ih, als Polizei: Direktor und Präs-+s eines ges<wornen Kriegsgeri&tes, in beständi- gen Dienstverhäitnißen lebte, maß als rech:licher Mnn und hoher Verehrer des verstorbenen Generals bei sei: ner Ehre bethevern können, daß die Aussage des Herrn Loiseau eine pöbelhafte Lüge ist.

Posen, den 4. Jun. 1820.

v. Schlegel,

Königl. Preuß. Oberster.

Auf dem Vorgebirge der guten Hoffnung hat man beim Aufgraben eines großen Keilers den Räampf eines

von Cedernholz gebauren Schiffes gefunden ; sollte die |

Vermuthung, daß dies die Ueberdleibsel eines Phönizi- schen Fahrzeuges wären, gegründet seyn : so würde dieser Fund die seither von einigen Gelchrten noch gehegten Zweifel über die Umschiffung Afrikas im Alterthume beseitigen.

*) Jm vorigen Jahre betrug ihre Brutto-Einnahme 245 |

Mill., d. h die Franzosèn haven für 145 Mill. Rauch: und Schnupftaback verbraucht. Also jeder im Durchs \hnitte 5 Fr. (Da auf den Kopf 28 Fr. kommen , st0 verwendet die Nation ungefähr ein Sechstel von dem, was ihre Abgaben sie kosten, auf das Vergnügen zu rauhen und zu s{<nupfen. Da bei uns nur 15 Fr. Ab- gaben auf den Kopf kommen, und der Verbrauch des Tabacks wol eben so stark ist, so würde das, was das Volk auf dîè Tahacks-Konsumtion verwendet, cin gans zes Drittel dèr Steuern betragen, wenn der Taba® bet uns zu demselben Preise verkauft würde wie in Frank: reih). Die Ankaufkosten der Tabackblätter, die Fa: brikationéfosten, die Versendung und die Unkosten aller Art betrugen 103 Mill. Der reine Uebers<hus der L606? ba>regie betrug also 42 Mill,

Redaktion in Aufsiht2: von Stägemant:

Reimersche Buchdeuckerei,

Allgemeine

Preußis<e Staats -. Zeitung.

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48 Stück. Berlin, den 1zten Junius 1820.

6 A M A D S: f L Ie I R I R E

I Amtliche Nachrichten.

Kronik des Tages.

Berlin, vom 15. Junius. Se. Majestät der König haben dem großherzoglich Badenschen Kammer: herrn v. Crousaz den Königlich Preußischen St. Jo- hanniter-Ordea zu verleihen geruhet.

Seine Majestät der König haben dem Land-: wehr- Lieutenant und Gutsbesizer Heinrich August Si: giomund von Langen zu Wildenow in der Neumark, allergnädigst gestattet, den Geschlechtsnamen und das Wappen seines Oheims, des Gutsbesizers von Stein- eller anzunehmen, und si<h künftighin von Lan- gen-Steinfteller nennen und schreiben zu bür en.

Se. Majestät dex König haben den bisherigen Land - und Sétadtgerichts-Assessor Krüger zu Me- mel, wel<er zum Syndikus der Stadt Tilsit gewählt und bestätigt worden, den Karaktex als Justizrath bei- zulegen geruhet.

Einpaßirt: Se. Excellenz der Wirkliche Ge-

. heime Staats - und Kriegs - Minister, General - Lieute-

nant v. Hak e, von Koblenz. Se. Excellenz der Wirk- liche Geheime Staats: und Kabinets - Minister, Graf

| y, Bernstor}ff, von Wien. Der General-Major

v. Thile von Ruppin.

Auspaßirt: heime Ra!h und Ober- Präsident von Heidebred>, nach Frankfurt an der Oder.

Durchgegangen: Der kaiserli<h Rußische Gene- ral Graf v. Schuwalosf, als Kourier von Paris kommend nah St. Petersburg. Der kaiserlich Dester- reichische Kammerherr Graf ,v. Bombelles, als Kou- rier von Prag kommend, nach St. Petersburg.

Die von dem' als Entomologen und Fortsehßer des Fablonekyshen Jusektenwerkes rühmlichst bekannten

Se. Excellenz der Wirkliche Ge-"

verstorbenen Kriegs: Rathe Kirstein hinterlaßene be: deutende Sammlung von sehr {öónea Schmetterlin- gen, Käfern und andern Jnsefkten, ausgestopften Vö- geln, Pflanzen, Mineralien, Miktroskopen, Fernröhren und andern Jnstrumenten, ist gegenwärtig von der Frau Wittwe des Kriegs : Rathes Kirstein, der hiesigen Uni- versität geschenkt und derselben überliefert worden. Jn- dem daher das unterzeichnete Ministerium dem Wun- sche der Frau Kriegsräthin Kirstein gemäß, hiedurch zur ffentlichen Kenntnis bringt, daß diese Sammlun- gen nicht mehr in ihrem Hause , sondern in dem mit der hiesigen Universität verbundenen zoologischen Mu- seum sich befinden, hält sich dasselbe zugleich verpflich- tet, ein so edel und freigevig bethätigtes Wohlwollen für die Beförderung der Wißenschaften öffentlich dankz

bar anzuerkennen. Beirlin, den 6. Juni 1820. Ministerium der Geistlichen - Untcerrichts- und

Medizinal : Angelegenheiten. .

Ultenstein.

Es wird heute das 7te Stück der Geseßsammlung aus- gegeben, welches enthält:

No. 599. Die Instruktion wegen Errichtung der Unter- Gerichte in den mir dem Preußishen Staate vereinig- ten ehemals Sächsishen Provinzen ; vom 4. Mai d. J.

No. 600. Die allerhôchste Kabinetsordre vom 5. desselben Monats, daß den zur Festungstrafe kondemnirten Sol- daten die Strafzeit auf die Dienstzeit niht angereh- net werden darf.

No. 601. Die Verordnung wegen Einschränkung des Zwanggebrauches der Extrapostfuhrenz vom 26, und No 602 Die allerhôchste Kabinetsordre vom 3o. ejusd.

wegen eines festzusezenden Präklusions - Termins über die gestempelten Tresorscheine und die unverzinslichen, auf die Vermögens - und Einkommen-Steuer ausgesteU- ten Anweisungen. Berlin, den 1Z. Junius 1820. Königl. Pr. Debit-Komtoir f, d. Allgem, Gesessammlung,

"Wels Pit

Il. Zeitungs-Nachrichten.

Ausland.

Frankreich. Die Anklag- Akte gegen Louvel, wie sie der Moniteur mittheilt, enthält zuerst die Ge- shihterzählung des Mordes, aus welcher wir nur no< das Merkwürdige herausheben, daß der Herzog von Berry selbst, so wie deßen Adjutanten, die Gra- fen Choiseul und Clermont, als sie den Louvel shnell wie der Bliß auf den Herzog losfahren sahen, ihn blos für einen unbescheidenen Neugierigen hielten, und daß der Graf Choiseul von dieser Jdee derge: stallt beherrscht war, daß er den Zudringlichen am Rote ergriff und ihn mit den Worten „, so seht Euch doch vor‘ zurü>wies. Erst als der Louvel nun die Flucht nehmend schon einige Schritte gelaufen war, vernahm man den Schrei des Herzoges „ich. bin verroundet.‘ Dann giebt diese Anfklag - Ukte in gedrängter Kürze die Resultate der während drei Monaten stattgefunde-

nen Untersu<hung und Vernehmung von mehr als zwoölfhundert Zeugen folagendergesialt: Beharrlich und ohne im mindesien seine Aussage zu ändern, habe Lo u- vel mit immer sich gleiczbleibender Freimüthigfkeit er: klärt, daß er weder von dem Herzoge selbst, no<h von irgend einem Mitgliede des föniglichen Hauses irgend ein Unrecht erlitten, daß durchaus fein persönlicher Haß der Beweggrund seines Handelns gewesen. Nur die Betrachtung des öffentlichen Jntreßes and der Glaube, daß alle Bourbons Frankreichs Feinde seyen, habe ihn angetrieben. Daher hade er au< glei nach ih: rer Rückkunft, sobald er im Jahre 1814 die weiße Fahne wehen sehen, den Vorsab gefaßt, sie Alle umzu- bringen , und seit dem Augenbli>e jede Gelegenheit zur Ausführung seines Votrsaßes zu ergreifen gesucht, die Prinzen überall verfolgt, seys auf ihren Jagden, oder beim Besuche der Schauspiele, oder in der Kirche,