1820 / 61 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Sat, 29 Jul 1820 18:00:00 GMT) scan diff

Königsberg in Pr. Drei schöne Ansichten der hiesigen Stadt, von Velhagen gezeicnet und von H ö gel gestochen, werden bei dem kunstliebenden Pu- blikum günstige Aufnahme finden.

Prof. Burdach ist wegen seines Antheiles an der Herausgabe der Rußischen Sammlung für Naturwißen- saft und Heilkunst von des Kaisers von Rußland Majestät mit einem reichen Brillantringe beehrt worden.

Die Statuten der Allgemeinen Hagelschaden : Ver: siherungs: Gefellschaft praktischer Landwirthe für Oft: Yreusen und Litthauen sind in Dru> erschienen. Der Vorsteher dieser Geselischaft ist der Gutsbesiter v. Regelein auf Lütkenfürstk,

Bei dem in der Staats Zeitung Nr. 553. vorläufig angezeigten Brande von Nordenburg gingen 105 Ge: bäude während einer Nacht in Feuer auf, die mit 23,000 Rthl. versichert waren; der übrige Veriuft an Geld, Mobilien und Getraide beläuft si< auf fast 42,000 Rthl. Die wa>eren Nachbarn der unglü>lichen Stadt haben mit einander gewetteifert, den Hiifbe- dürftigen Beweise der menschenfreundlichsten Theils nahme zu geben. Der Rittmeisker v. Wernsdorf auf Truntlach und der Major r. Gotkow auf So- hros haben den Abgebrannten das zum Wieder: Uuf- bau erfoderliche Holz aus ihren Forsten um die Hälfte des Marktpreises angeboten, und der erste will den Un: bemittelten die Zahlung auf zwei Jahre stunden. Der Schullehrer Kraus aus Rauschenfeld rettete mit eige:

ner Gefahr. ein Dienstmädchen aus einem in volier Flamme stehenden Zimmer.

Jn Pillau und Memel liefen im Jun. 158 Sthisfe ein und 157 aus, zu Königsberg aber kamen 563 Schiffgefäße an. Durch die Getraidesperre in Eng- land, durch die erhöheten Getraidezölle in Schwe: den und dur< den schlechten Ausfall der vorjäh: rigen Leinsaat hat unser Ausfuhrhandel unglaublich gelitten,

Oppeln. Die diesjährigen Frühjahrsübungen der in hiesiger Provinz zusammengezogenen Truppen ist, nach den Aeußerungen des in Schlesien kommandiren- den Generals, General-Lieutenants Grafen v. Zie: ten, und des nunmehr als Kommandeur der zweiten Garde: Landwehr: Brigade versezten General - Majo s v. Thile, höchst befriedi end ausgefallen, auch hat e: s: genannter über die zur Landwehr gestellten Pferde seine Zufriedenheit zu erkennen gegeben. Der mic dem Mi: litair getroffenen Uebereinkunft gemäß, zahlte der Sol: dat seinem Wirthe tägli 2 Sgr. Nominalwerth (un: gefähr 11 Pf. Kour. ) wofür dieser F Pfund Fleisch, hinlängli<h Gemüse und eine Suppe erhielt. Die Truppen und die bequartirten Wirthe lebten in der besten Eintracht, so daß auch nicht eine einzige Klage zur Sprache gekommen ist.

Koblenz. Die vom Kurfüesten von Trier zu Bertrich gestiftete Badeanstalt hat in der späteren Zeit sehr gewonnen. Noch fehlte indeßen unter andern ein Wohnhaus für unbemittelte Badegäste. Zum An- baue und zur Einrichtung eines Hauses, in dem zwan- zig arme Kranke aufgenommen werden sollen, hat daher der hiesige Hilfsverein 12,000 Fr. (3150 Rthl.) votirt und bereits ist der Grundstein zu diesem wohl: thätigen Gebäude gelegt worden, deßen milde Stifter noch in der spätesten Folgzzeit den verdienten Dank

ärudten werden, der jede gute That zählr.

Strom ab gingen auf dem Rheine im vorigen | Monate 455, Strom auf 347 Fahrzeuge hier vorbei; | unter den Erzeugnißen des Jnnlandes, die von hier versandt wurden, verdienen die Kirscen einer ehren: vollen Erwähnung. Die meisten kommen aus Salzig, Die Gemarkung dieser kleinen, im Kreise St. Goar liegenden Gemeinde, ist ein wahrer Döstgarten. Die Einwohner haben sich, zur Bezahlung ihrer Gemein: Schulden, eine freiwillige Auflage von 1 Krz. (2 Pf.) für jede 10 Pfd. verkaufte Kirschen auferlcgt. Diese unbedeutende Abgabe beträgt in diesem Jahre 600 Fl. I müßen 360,000 Pfd. Kitschen verkauft wor: en seyn.

Y manches armen Leidenden, und den Seegen des ein: |

Allgemeine

Preußishe Staats - Zeitung,

23 P R R O RE U Ar

Die Gerbereien und Sohl: Lederfabriken machen gute Geschäfte, und nehmen fi< immer mehr auf.

Auf der Sahlerschen Eisenhütte (im Kreise Kreugt: nach) ist eine neue Einrichtung angebraht worden, f vermittels deren das Feuer des Hochofens zugleich zum Kalkbrennen benußt wird; durch diese bedeutende!

$ gefallen.

Trier. Die Witterung im Junius war hier so falt, daß es im Kreise Daun am 20. sogar Schneegestiöber gab; zum Glücke stand der Wein noch

Kälte nicht nachtheilig gewesen ist.

Unter den im vorigen Monate bier stattgefundenen 65 Geburten waren 10 uneheliche.

Die Kuhpocken- Impfung findet hier beim gemeinen | Manne noch manches-Vorurtheil, das Geseß bestimmt zwar, daß die Eltern, die ihre Kinder nicht impfen laßen, das Recht verlieren sollen, sie zur Schule shi>en u dürfen; allein Eltern von soicher Geistesbefcngen: heit ist die Ausbildung ihrer Kinder ziemlich gleich- gültig, und überdem ¡ällt die Strafe der Zurückhals- tung von der Schule auf den nicht-schuldigen Theil, auf cie Kinder; der Erlaß der bisherigen mit 6 Ee. bestimmten Fmpf-Gebühren dürfte hoffentlich ein etwas wirfsameres Mittel seyn, die Eltern für die Baccination geneigter zu machen.

Im Kreise Prüm vermehren sih seit kurzem die Wölfe wieder sehr stark; im vorigen Monate allein rid v 16 junge Wölfe an die Forst- Inspektion ein: geliefert. :

Landéeberger Frühjahrs-Wollmarkt.

gering.| mittel. | feine. ffeinÆ., Sun,

—— ——— l —— i ———— j

Am lebten Herbstmarkte übrig geblieben (Stein) Im Frühjahre 1820 einge Ae e aw 0%

| also Überhaupt Hievon verkauft oder wei erg 0 Demnach lagern annoch |

Durchschnitt: Preise f. d. Stein (zu 22 Pfd.) | 1 | 92

2377| 2169 A

6902} 981c

9612

N m —— e bm

9279/11979 /6760|1340|2

3500 3260

Redaktion in Aufsiht: von Stägemann, Reimershe Buchdructeret.

Holzersparnis ist der Preis des Kalkes daselbst um

König haben dem Königlich herrn von

nicht in der Blüthe, daher denn diesem die frühere

6220

23138

weniger erheblichen Gegenstände jest fast antheillos

612 Stü. Berlin, den 29sten Julius 1820.

L. Amtliche Nachrichten.

Kronik des Tages. Berlin, vom 29. Julius. Se. Majestät der Hanöverschen Kammer- Hammerstein den Königlich Preußischen St. Johanaiter- Orden zu verleihen geruhet.

Der bisher bei dem Gymnasium zu Frankfurt am Main angestellt gewesene Profeßor Karl Ritter ist zum außerordentlichen Profeßor in der philosophischen Fakultät bei hiesiger Universität ernannt worden.

Der bisherige Ober - Landesgerichts - Referendarius Albert Lorenz zu Frankfurt an der Oder, ist zum

Justizkommißarius bei den Untergerichten des Zülli- chauer und Schwiebußger Kreises bestellt worden.

Angekommen: Se. Excellenz der wirkliche Geheime

Staats - Minister und Ober - Präsident v 0n Ingersle-

Se. Excellenz der Ober - Hofmeister

ben, von Teplih. B G l _—— Zeneral=-

Varon von Schilden, von Hamburg. Major von Rôdlich, von Magdeburg, Ubgereist: Se. Excell. der General - Lieutenant von

Schò ler, diesseitiger außerordentlicher Gesandter und be- vollmächtigter Minister am Rußisch Kaiserlichen Hofe, nah Karlsbad. Der Regierungs - Chef - Präsident von Mos, na< Erfurt. Der Königl. Sardinische Legations : Rath Graf Maßimino de Ceva, nah Stocholm,

IT. Zeitungs-Nachrichten.

Ausland. | Frankrei<. Der Moniteur meldet, daß der “Minister des Jnneren alle Präfekten beauftragt, eine neue Zählung des Volkes in alien Departements zu veranstalten, weil die legte Zählung vom Jahre 1806 mit der gegenwärtigen Bevölkerung nicht überein: stimme. Auch meldet er, daß an dem heiligen Hein- richstage die sogenannten Damen der Haüe, d. h. die Fishweiber des Marktes d’Aguesszu, einen Kranz auf das Haupt der Statue Heinrichs des IV. gesebt haben; eine Huldigung, die sie alljährlih jenem guten Könige und seinen erlauhten Nachfolgern zu bringen pflegen. An dem nämlichen Tage wurde auch die ver: goldete lateinische Juschrift auf dem Piedestal dieser Statue enthüllt, sie lautet also :

Henrici magni Paterno in populum animo Notissimi principis Sacram ligten Civiles inter tumultus Gallia indignante dejectam Post optatum Lodovici XVIII. reditum Ex omnibus ordinibus cives Aere collato restituerunt Nec non et elogium Cum efligie sìimul abolitum Lapidi rursus inscr1b1 Caraverunt DD Die XXV. Mensis Augusti, MDCCCXVIII. Auch das Hotel der Ehrenlegion war am Ubend dieses Tages illuminirt ; besonders ragte das Ordens Kreuz glänzend hervor. Fn der Deputirtenkammer werden die allerdings

behandelt; eine sehr große Anzahl der Deputirten hat sh schon, weil die Sigungen zu lange in die Som: merzeit hindauern, aufs Land begeben.

Aus der Sißung oom 15. verdient no< der Be-

_tiht des Deputirten Soppey bee zwei Petitionen

herausgehoben zu werden. Die erste kam von meh: ren Muüttern , Witwen, Kindern und. Erben derjeni: gen zur Evangelischen Kirche gehörenden Bewohner von Nismes, die dort in den Tagen des 18. 21. 27. Julius, 1. und 19. August und in der Nacht vom 17. Oktober auf eine greuelhafte Weise ermordet worden, nicht ohne Verdacht der Anstiftung durch bedeutende Personen, auf jeden Fall Shlachtop?er des fanatischen Ultearoyalismus, der in seinem Wahne die Evangelische Lehre und ihre Bekenner für unverträglich mit den rei- nen royalistishen Grundsägen, mit der Legitimität und der Treue. gegen die. regierende Dynastie hielt; ja, der durch seine begünstigten Machinationen die strenge Un: tersuchung und Bestrafung jener Greuel bisher immer zu vereiteln gewußt haite. Der Bericht-Erstatter nannte mit Recht diese Verzögerung der gerechten Strafe ei- nen Schimpf, der den Gesezen und der Würde der Re- gierung angethan würde. Immer, sagte er, haben die größten und die besten unserer Könige die Ausübung der Gerechtigkeit nicht nur für ihr herrlih Recht, sondern auch für ihre heiligste Pflicht gehaltea, und bei einem edlen Volke, wie das unsrige, war kein anderes Geseg jemals so rein und ganz der Ausfluß des allge- meinen Willens, als dasjenige, was den Meucheimord rächc und die Mörder bestraft. Verbrecher dieser Art sind es, gegen welche die in Rede stehende Petition gerichtet ist; arbeitsame Handwerker, A>erbebauer, alte Soldaten mit rühmlichen Narben bede>t, wurden plößz- lich aus dem Schooße ihrer Familien gerißen und mit- ten in einer großen Stadt, unter den Augen ihrer zahlreichen Bewohner, in den Armen ihrer Gattinnen und ihrer Kinder gemishandelt, verstümmelt und ge- mordet. Man har versucht, diese Greuel mit einem ehrwürdigen Grunde zu entschuldigen: ja in jenen bluti- gen Sarurnalien wagten es die Meuchelmörder, erhas bene Namen als ihre Beschüßer auszusprechen; ein Frevel mehr und eine no< stärkere Auffoderung für die Minifter die Unverlehlichkeit dieser Namen vor Entweihung zu bewahren und die Verbrecher mit aller Kraft zu verfolgen. Dem Muthe des jesigen Siegelbe-