1820 / 63 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Sat, 05 Aug 1820 18:00:00 GMT) scan diff

[TL. Zeitungs

A usland.

Frankrei <. In den Sigungen der Pairkämmer und der Kammer der Deputirten vom 232. Jul. wurde in der ersten von dem Präsidenten des Ministerrathes, Herzog v. Richelieu, in der andern von dem Minister des Jn- neren, Grafen Simeon, die Verordnung des Königes, wonach die diesmaligen Sizungen beider Kammern geschloßen werden, vorgelesen, und alle Mitglieder gin: gen hierauf soglei<h in Gemäsheit des áten Artikels des Reglements vom 15. Aug. 1814 unter dem Rufe „es lebe der König ‘‘ auseinander. :

Der Moniteur vom 25. enthält eine Verordnung des Königes , kraft welcher zusammen 22 Práfekturen anders beseht werden, doch bleiben die meisten Prä: fekten das was sie sind, und nur ihr Wirkungskreis wird mit einem anderen -der Art vertauscht ; blos bei dreien Präfekten, nämlich dem des Departements Puy de Dome, Namens de Rigny, dem des Departe: ments Côtes du Nord, Namens Saint Aignon, und dem des Departements Charente inférieure wird

feiner anderweiten Anstellung erwähnt; zwei andere, .

Feutrier und Germiny, sind zu Maitres des Res quetes ernannt worden. E « : Auch melden die neusten Pariser Blätter, daß {hon mehre Präfekten si< mit der Anfertigung der Verzeichniße der Wähler beschäftigen, die dem Gene: ral: Konseil gleih im Anfange seiner Sizung vorgelegt werden sollen, damit dasselbe darüber berathschlage und danah der Regierung seinen Bericht über die be- stimmten Gränzen der Wahlbezirke abstatten könne. Unter dem Titel „Gesellschaft zur Aufmunterung der National-Jundusirie ‘‘ giebt der Moniteur folgende Nachricht von dem Fortgange der Steindru>erei. Diese Kunst, heißt es, macht seit furzem merkwürdige Forts schritte unter der Leitung ihres Erfinders, des in Pa: ris etablirten Herrn Sennefelder. Dieser sinn? reiche Künstler hat jet Kartons gemacht, die mit eî- ner thon: kalkigten Materie (argilo+ calcaire ) úber- strichen, die Steine seibst vertreten oder zu Platten dienen können, um darauf zu stehen, zu zeichnen gleith den litographishen Steinen oder den Kupferplatten. Ex giebt diese Kunst den Namen Papyrographie » und hat über diese seine neusten Versuche eine Schrift, bez titelt „Papyrographishe Sammlung 1“ herausgegeben. Die Kommißion der Geselischaft zur Aufmunterung der National-Jndustrie, in deren Beiseyn er vielfache Proben mit seiner neuen Erfindung gemacht, hat an: erkannt, daß diesé litographischen Kartons nicht nur tauglich, die Steine zu erseßen, sondern in gewißen Rü>sichten ihnen sogar vorzuziehen sind ; sie sind ela: stischer, nehmen das Gepräge der Kompositión beßer an, auch das Retouchiren des ersten Abdru>es geht beßer von statten, #0 wie auch dann die weiteren Ab: drüd>e bis ins Unendliche sich eben so gut, ja leichter noch machen laßen. Man is demnach durch diesen neuen Fortschritt des Herrn Sennefelder in den Besig eines sehr einfachen Mittels gekommen, um leichter und mit geringéren Kosten als bisher Zeichnuns gen, Kupferstiche, Noten, gedru>te und geschriebene Sachen vervielfältigen. Ja die Kommißion hat st0- gar, nach erhaltener Kenntnis von diesem Fortschritte, den von ihr ausgesezten Preis für die Entde>ung künstlich : lithographischer Steinéë Ren da- für aber beschloßen, zur Ehre und zur Belohnung des Herrn Sennefelder eine goldene Medaille prägen zu laßen. Dieser, um seine neue Erfindung in allge- meinen Gebrau zu bringen und. gemeinnüßiger für alleclei Zwecke zu machen, arbeitet jest an kleinen por: tativen Preßen, mittels welcher mán nach Belieben hundert und mehr Proben eine Komposinion, sei es welche es wolle, machen kann. Der Persische Ge: sandre wohnte kurz vor seiner Abreise in Gegenwart der vorgedachten Kommißion mehren Versuchen bei und wurde gebeten, irgend etwas auf ein Papier zu schreiben, welches er dann auch in Arabischer Sprache that, und nach der Uehbersezung das Juterpreten also

„Nachrichten.

lautet: Mirza Aboul Hassan Khan, außeror: dentlicher Ambaßadeur des erhabenen Hofes von Per: sien, gegenwärtig s< aufhaltend in der héhst ange: nehmen: Stadt Paris, hat den 2ásten Mai 1820 nah der christlichen Zeitrehnung die papyrographische Druf: kerei defacht, die in Frankreich erfunden, die größten Erleichterungen allen andern Dru>ereien darbietet, Alles mi: einander, was ih bisher in Paris gesehen, sowol in Rü>sicht auf das Klima, als auch in än: schung der Gegenstände der Kunst, üdvertrifft Alles, was i< bisher in den andern Ländern der Welt ge- sehen habe.

Die Zeitung, der Courier, giebt eine Notiz von den merkwürdigsten Personen, die jeßt in der Neapolita: nischen Revolution eine Rolle spielen, und das roya lijtische Blatt , die Quotidienne, hat sie aufgenom: men, um einige Bemerkungen hinzuzufügen; wir g& ben sie mit den Bemerkungen.

Der General F ilangieri is der Sohn des be: F

rühmten politischen Schriftstellers dieses Namens, ein

sehr tapfrer Soldat, der mit großem Ruhme in berf : Filangieri zeih: F nete sih auch an der Spitze der Neapolitanis<en Trup: |

Französischen Armee gedient hat. pen aus, und suchte sti

Muth anzufeuern, aber vergebens. Durch seine Heu:

rath hat er si< den Titel eines Pcinzen de Sa: | triano und ein Vermögen erworben, das ihm jähr |

lih 350,000 Franks Einkünfte einbringt. (Er war auh Murats Agent während des Kongreßes im Jahre 1814 und 181s5' in Wien. )

Der zweite, der General Caraséosa, ist der Sohn eines Offiziers, lingsjahren sehr lebhaften Antheil beim Ausbruch der Revolution in Neapel im Jahre 1493, und hatte das Glück zu entwishen als das Fort d'Deuf mit Kapitulation überging, und fast alle seine Kameraden, denen die Kapitulation nicht gehalten wurde, wegen

Verbrechèn gegen die Gesehe der Ehre und des-Krie-F Er leb. e dann i |

ges auf dem Schafötte starben. Verborgenen bis zum Jahre 1806, wo die Franzosea sih abermals zu Herrn von Neapel machten, nahm dann Dienste in der neuen Armee, hat auch seitdem mit seinem Regimente an den; Kriegen in Spanien Theil genommen. Er is, sagt der Courier, ein geachteter Soldat, ader wenig unterrichtet, von einer düsteren, wilden Gemülthsartz; er verbirgt unter einer {eina

ren Ruhe den ungestÜmsten Ehrgeiz , den er glei:

wol langsam, und mit Vorbereitung zu den raschesken

Unternehmungen zu leiten versteht, Ein gefährliche:

Unterthan, von dem man auch besorgen muß, daß e:

der Freiheit furchtbar seyn werde ; doch har er imme: patriotishe Gefinnungen gezeigt.

geachtet der Freiheit furchtbar seyn könne ?

Der dritte, der Herzog von Campochiar(}f Minister der ausroärtigen Angelegênheiten, vereini" Rechtschasfenheit f Freisinn und Hochherzigkeit als sih von jemand e: warten läßr, der Polizeiminister gewesen ist. Diese! Lob, seht die Quotidienne hinzu, wird ohne dmeis E =— (End li der General Pepe is von einer schwachen tér perlichen Konsiitu:ion, und hat einen melancholis< und sehr verschloßenen Karakter, nichts vertündigt «F oie m1}

mit Jtalieniser Feinheit mehr

dem Herrn Herzog sehr shmeithelhaft seyn.

ihm einen Mann, der die politische Rove,

sœwenfenner als der Courter gewesen seyn müße, roe! er sage, Brutus,

und verschloßienen Cassius. Au Bonaparte u

Louvel, segt sie hinzu, waren {wä<hli@, dújietf

und verschloßen.

je durch seinen persönlichen f

nahm gleich in seinen ersten Jüng: |*

Hiebei die Bes merkung der Quotidienne: wie ein Mann, der imme patriorische Gefinnungen gezeigt haben sollé, demunF

er fürchte nicht den frischen und munter} aber wohl den hageren, melncholishe®}

Spanien. Die 69 Abgeordneten, welchè den König im Jahre 42814 um Verwerfung der Verfaßung gebeten, sollen dur eine Specialkommißion gerich? tet werden.

Am 10. Jul. ward äus den versammelten Stän: den eine Kommißion niedergesezt, um die seit 1814 er: laßenen Königl. Dekrete zu prüfen, die mit der Ver: faßung verträglihen zu bestätigen, und den König um Zurü>tnahme der übrigen zu ersuchen. Außerdem ward beschloßen, das Dekret der Cortes vom 18. März 1812 aufzuheben, kraft deßen Don Francesfo de Paula und Donna MartiaLuisa, vorma: lige Königin von Hetrurien, von der Thronfolge aus? geshloßen wurden.

Das Volk, das bei den dréi ersten Verfamnilungen der Vorbereitungsjunta sich auf die Galerien drängte, benahm sich mir Anstand, und bewies die Lebhafrig- keit seines Antheiles an den Verhandlungen durch Ruhe und Aufmerksamkeit.

Obgleich das frühere Dékret der Cortes, welches die Pregen frei giebt, gegenwärtig wieder in Kraft getreten is, so hat doh schon D. Lapia, weil auch unsere Schriftsteller dieses grope Geschenk zu würdi: gen nicht verstehen, auf ein Strafgeses gegen die Mißbräuche der Preßfreiheit antragen müßen.

Jn den Umgebungen von Madrid werden auf Befehl der Regierung 6000 Mann von allen Waf- fengattungen zusammengezogen.

Neapel. Durch tin vom Minisker dès Juneren, Grafen Zur lo, konrrasignirtes Dekret vom 11. Ful. ergänzte der Herzog von Kalabrien, als Generalstell: vertreter des Kénigs, nach Ansicht der ihm von der Kommißiòn der Fünfe vorgelegten Vorschlagliste

‘von zwanzig Personen, die provisorische Junta durch

folgende neue Mitglieder: Wéonsignor Cardosa, Bischof von Cassano; Duca di Gallo; Don Hias cinto Tro ysi, Prokurator des obersten Gerichts Hofes; D. Felice Parilli, Generaladvoïat bei dem- selben; D. Angiolo Abbatemarco, Richter beim

Civiltrivbunal von Neapel; Oberst Visconti, Chef des topographishen Büreaus; D. Giov anni Ruff0, Kavalerieober{è ; Generallieutenant Fardella; Prinz von Camporeale; Schiffskapitain Staiti. (Die drei lezten sind Sizilianer.) Das Dekret besagt ferner, daß die Juara nun unverzüglich ihre Verrxichtungen antreten, und zu deliberiren befugt seyn solle, sobald zehn ihrer Mitglieder zugegen seyen. sten Handlungen solle die Abnahme des Eides vom

Eine ihrer ers

Könige und den Prinzen seyn.

Jn Folge dieses Versprechens legten am 15. Jul. , des Morgens, der König, der Thronerbé und General: Stellvertreter Herzog von Kalabrien, der Prinz von

Salerno, zweiter Sohn des Königes, und nah ihnen - die provisorische Junta selbst der einzuführenden Kon: stitution den Eid der Treue ab. leistecren die Minister, der Obergeneral und alle höhere Beamte denselben Eid in die Hände von Kaladrien.

Jm Laufe des Tages des Herzoges

Durch frühere Dekrete vom 8. Jul. waren zivei

Kommißionen niedergeseßt worden, deren eine (aus Don Melchior Delfico und D. Giulio Rocco dbe- stehend) die Spanische Konstitution ins Frtalienischée übersezen soll, die andere aber für die innere Sicher? heit der Stadt und Provinz Neapel Diese leste berichtete am 10. dem Justizminister, daß ste zu ihrem besonderen Vergnügen feins der ihr zu Gebote stehenden Mittel, zur Erhaltung der Ordnung

ihm jegzr beimißt, zu spielen im Stande sey, HitF i anzuwenden nöthig gehabt habe.

bei erinnert die Quotidienne an Shakespeare Fulin F Cásar und meint, daß Cäsar wol ein peßerer Men: f

u sorgen hak,

Das Dekret, dur welches der König wegen Un:

päßlichkeit seinen Sohn, den Erbprinzen D. Franz cesco, zum Generaglvifar des Reichës ernannte, ift vom 6. Jul. darirt. Dasjenige, wodurch er die Spanische Konë stitution animmt, vom 7. Der General Filangieri erhielt, wegen Krankheit des Herzoges von Ascoli, das Kommando der Nationalgarde zu Neapel. Der

Graf Zurlo nahm am 8, das Ministerium des Jnneren U

an. Am 15. legen der König, der Thron: Erbe deßen Bruder, ider Prinz von O g m die Konstitution, in der Schloßkapelle, in die Hände des Capellano maggior ab. Die Kanonen bes Forts wurden dabei gelöst. Der Titel Generalkapi- tain soll auf Begehren des Generallieutenants Pepe (im Namen der Armee) nah dem Tode des hundert: jährigen Generalfapitains Dannero nicht mehr ver- liehen werden, Diesen Titel hat zulezr derx Gen. Nugent geführt, der dem Vernehmen na< nah Malta abgereist is. Er war in Gefahr, der Wuth einiger seiner Feinde aufgeopfert zu werden, die das Volk gegen ihn aufzureizen suchten, als der Englische Minister zu Neapel ihn als gebornen Unterthan Groß-- britanniens refklamirte, und in seiner eigenen Kalesche durch die Menge des Pöbels in die gesandrschaftliche Wohnung führte. Man hatte anfangs Embargo auf alle Schiffe im Hafen gelegt. Der Englische Mir nister erklärte aber, daß er dies als eine Kriecgserflä- rung betrachten müße, wenn es nicht von den Schiffen seiner Natiòón aufgehoben würde, welches hierauf gez schah. Der Prinz C ariat i; Müúrats Gesandrer zu Wien 1812— 1813, herna<h im Hauptquartier der atitirten Mácgte, und endlih wieder zu Wien beim Kongreße, it mit einer außerordentlichen Mißion an den kaiserl. königl. Desterreiccschen Hof beauftragt wor: den, und am 12, Jul. zu dieser Bestimmung abgereist. Es heisit, dec Ritter Tocto werde mit einer ähnlichen Sendung nach Paris und London gehen. Er war frü- her als Mürats Minister beira Großbritannischen Hofe akkreditirr, aber von diesem niht anerkannt roorden. Am 12. sollte ein Bataillon des PRegi- ments,Faärnese von hier zur Garnisonirung nah Mole vi Gaeta äbmarschiren. Bei dem Ponte della Mad: dalena aufgestellt; weigerte es sih deßen, troß des Zus redens des General Filangieri. Dieser stellte sich nun an die Spiye des Dragoner-Regiments Fe r- dinand, und griff das Bataiiloón an; 30 Mann wurden getödtet, 50 verwundet, Viele ins Meèr ge- sprengt. General Filangieri sou selbst verwundet worden feÿn.

Es heißt, der Genexal Prinz Campana stehe an os Spige einer Adrheilung antikonstitutioaeller Mi: iCâtrs.

Sis zum 14. Jul. war in Palermo Alles ruhig, und das Fest der heil. Rosalia, welhes 4 Tage währt, wurde wie gewöhnlich begangen.

(Berichtigung, Jn mehren Zeitungeñ, untèr andern auch in der VBoßischen vom 5. d., wird unter Neapel angeführe, der Rußische Gesandte, Fürst Jta: linsfy, solle das Ansuchèn um Oesterrei sche Trup- pen dem Hofe abgerathen haben. Wie wenig diese Nachrichk gegründet sey, erhellet {dn daraus, daß der Fürst Jtalinsky gar nicht Rußiséher Gesandter zu Neapel ist, sondern der Graf v. Stakelberg.)

Lißabóñ, Dié Sammlung dèr Gesehe und De: frète, welche der König seit seiner Ankunft in Brast: lien érlaßen, ist in Dru> erschienèn, drei Folidbände stark, und kostet 58,400 Reis,

Löóndoón. Bei der den 15. Aug. stattfindenden zweiten Verlefung dêr Bill gegen ae werden mehr denn 300 Lords gegenwärtig seyn, und so lange hier bleiben, als die Verhandlungen über diese Ange: legenheit dauern. Die Ausbleibenden zahlen für jeden Tag einé Geldbuße von 100 Pfd. und sind noch au- ßerdem einer Gefängnisskrafe im Tower aüsgeseyt. Den: fenigen, welche älter áls 70 Jahre sind, odex dur ärztliche vollgiltige Atteste erweisen können, daß ihr Gesundheitzuskand ihr Erscheinen durchaus nicht ec: laubt, wird ihre Abwesenheit nicht angerechiet.

Lord Erskine überreichte am 24, Jul. nachste: hende Bittschrift!

„„Jhre Majestät die Königin beklagèn, daß das Haus der Lords für gut gefunden hät, Ihre Bitte um eine Liste der Zeugèn zu verærrfen, welche zur Unter: