1820 / 71 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Sat, 02 Sep 1820 18:00:00 GMT) scan diff

dem Landgrafen Friedrich abgestiegen. Die Frau Herzogin Königl. Hoh. verweilen bereits seit längerer Zeit in hiesiger Stadt bei ihren durchlauchtigsten Eltern. Dem Vernehmen nach wird der Herzog, nachdem er einige Zeit im Kreise seiner Familie zugebracht, von hier na< Wien abreisen, und dem Lustlager zu Pesth beiwohnen. Jn seinem Gefolge befindèn sich die Oberst: Lieutenants Linsingen und Protkt, der Major Daz vison und der Rittmeister Graf v. Wallmoden.

Se. Königl. Hoheit der Kurfürst residiren noch (seit seiner Rückkehr vom Bade Hofgeismar ) im Shloße Wilhelmshöhe. Zweimal in der Woche kommen Se. K. Hoh. zu den Geheimen: Rathsizungen nach Kaßel. Diese Sißzungen werden in dem Theile des Schloßes Bellevüe gehalten, der zur Bildergalerie gehörte, und der Kursürst begiebt sih jedeemal von seinen Apparte- ments in Bellevüe durch eine vor einigen Jahren über eine Durchganghalle erbaute bede>te Galerie dahin. Der Kurfürst bemerkt immer mit besonderer Freund: lichfeit den Fleiß der in diesem Saale arbeitenden Künstler und Dilèttanten, welche Bilder aus der ans stoßenden Gemäldegalerie fopiren. :

Der Bau des neuen Residenzschloßes (Kattènburg) rüc>t sehr ras vorwärts. Dieses Gebäude ifi von be- deutendem Umfange. Das im Schloße Bellevüe be: findliche sauber gearbeitete Model desselben zeigt den Plan in seiner vollständigen Entwickelung. Es ist ein längliches Viere>, deßen beide lange Seiten die Flü- gel bilden. Bereits steht das Erdgeschoß fast ganz in Stein z die Peripheriemauern in lauter behauenen Qua: dern; au mit der Nivelirung des Terrains vom vors deren offenen Hose ist {hon sehr vorgeschritten. Ueber 1200 Arbeiter sind täglih an diesem wahrhaft großen Baue beschäftigt, der unter der Oberleitung des wür: digen Júüssow steht, den der Kurfürst am Tage der Grundsteinlegung mit dem Kommandeurkreuze des Gol- denen Löwenordens beehrt hat. Die wöchentliche Aus- gabe für diesen Bau belief sich damals auf 7000 Rthl. ; jest wahrscheinlih noch höher. Man rechnet, daß die Nivelirung des Bodens àälleîn 80,000 Rrhl. zu stehen kommen dürfte.

Darin skadt, vom aó. August. Der zweiten Kam- mer der Stände sind außer den früheren Geseh : Ent: würfen no< folgende von der Regierung vorgelegt worden: 1) Ueber den Abkauf der fiefalishen Grund: Renten. 2) Ueber den Abkauf der an Vemeinden oder an Kirchen, Pfarren, Schulen und sonstige öffentliche Stiftungen zu entrichtenden Grundrenten. 5) Ueber die Auswanderung. 4) Ueber die Abtretung von Pri: vat - Eigenthum für öffentliche Zwe>e. 5) Ueber die Veräußerung der Großherzogl. im Inlande gelegenen Domainen, 6) Ueber die Aufhebung der Novalzehn- ten. 7) Ueber die Ausgleichung der Kriegskosten. 8) Üeber die Rekrutirung. Der ate und 6te wurden angenommen. i

Folgendes sind die wichtigeren Anträge, welche bis- her von Mitgliedern der Kammer gemacht wurden: 1) Wégen VervoUständigung der Geschäft: Ordnung. 2) Wegen Oeffentlichkeit der Sibungen. (Ju der Sißung vom 18. Jul. hat die Kammer sich für die Oeffentlich: keit der Verhandlungen dur< Zulaßung von Zuhörern, als Regel, ausgesprochen. Es hat hienach eine Kom- mißiïon über die näheren Bestimmungen vorgetragen, untet welchen die Oeffentlichkeit stattfinden soll, und nah erfolgter Berathung über das Gutachten dieser Kommißion ist die Abstimmung über dasselbe erfolgt.) 3) Wegen Verbeßerung des Schulwesens. 4) Wegen einer würdigeren Feier der Sonn- und Feier: Tage. 5) Wegen Gleichstellung des Jsenburger Zolles mit dem Heßischen. 6) Wegen Befreiung vom Salzmonopol. 7) Wegen Reform des Hypothekenwesens in der Prô- vinz Rheinheßen. 8) Wegen Reförm ber Domanial- Forst:Administration. 9) Wegen einer beßeren Ein- rihtung der Wegegelderhebung. 10) Wegen Ausdeh: nung der Verordnung über Verwandlung der fiskali schen Zehnten auf bie Privatzehnten. 11) Wegen Ub-

änderung des Wahlgesebes, dahin, daß die nah Art. 8. F

der Wahl- Ordnung zur Wählbarkeit eines Abgeordne: | ten verlangte jährliche Entrichtung von 100 Guiden | direkter Steuern auf etwa 50 fl. herunterzuseßen sey. 12) Wegen Einführung eines allgemeinen Wechselrech: | 13) Wegen Aufhebung der Verordhung vom 19, | 1815, das Viehschlachten der Juden betreffend, 14) Wegen Abänderung der geseßlichen Bestimmungen über Maas und Gewicht. 15) Wegen Erklärung der | in den ständesherrlichen und patrimonialgeritsherrli: hen Bezirken angestellten öffentlichen Beamten zu wirklichen Staatsdienern. 16) Wegen Aufhebung der | Gewerbsteuer der Landbauern als solher. 17) Wegen Aufhebung mehrer Beschränkungen der Gemeinden in der Gemeindeverwaltung durch vie Provinzialregierun: gen. 18) Wegen Abänderung des Art. 16. des Edif: tes vom 18. März. 19) Wegen Rechnungs - Ablage über die den Provinzen Starkenburg und Obe: »Heten im Jahre 1817 von des Großherzogs Königl Hoheit gnädigst verwilligten Unterstügungsgelder im Betrage von 60,000 fl.

Bereits in der Sizung vom 15. Jul. hat die Kam} mer die Frage: glieder der Kammer giltige bejahend entschieden.

Vom 21. Jn der vorgestrigen Sißung- der zweiten Kammer erfolgte von Seiten der Regierung die wi: tige Mittheilung des Finanzgesebes und Budgets mit mehren dazu gehörigen Gesez-Entwürfen. |

tes.

Jul.

Hanover. Se. Königl. Maj. haben dem Gene-. ral Grafen von Alten das Großkreuz des großen militairishen Bath- Ordens zu fonfertren geruher, und Se. Durchl. den Prinzen Georg von Heßen-:Kaßel zum Großkreuz des Guelphen-Drdens ernanufsz Der General von Hake ist von Sr. Maj. zum Vice-Präsidenten der Königl. Kriegs-Kanzglei e: nannt.

Nach einer Bek nntmachvng vom 25. d. M. ist dit Königl. General - Kaße hiese!bii autorisirt, vas unte! dem 16. Sept. 1815 zu Gunsten der Lieferanten Ep! lermann, Helmtke und Comp: gemachte Anlehn

abzutragen.

Maynz. Herr v. Baar, Präsident der hiesigen Central-Untersuchungs-Kommißion der geheimen Um-: triebe, abgelöst vom Herrn Hofrath Falk aus Hc: nover, hat si<h während seines hiefigen Aufenth=lies die Achtung Aller erworben, die seinen biederen und lie benswürdigen Karakter näher kennen zu lernen Ge:

legenheit hatten.

Lemberg. Die hiesige Garnison hat dem Stif: ter der Militairschwimmanstalt hieselbst, dem General Grafen v. Fresnel, ein Monument errichtet, wel- ches am 10. Aug. feierlih eingeweiht ward. /

Inland.

Berlin. Ju Verfolg der im votig. Stk. d. L! mitgetheilten Nachricht Über die Korporation der hie figen Kaufmannschaft bemerken wir hier noch räglid, daß zu deren Aeltesten nah dex Stimmenmehrheit er

wählt worden sind die Herrn W. E. Benede, C. f

96. J. Schultze, C. Beyrich, C. W. F. Hungar, 9. Brose, G. Gabain, C. F. König, 3. Friebe C. F. A. Alberti, J. Mendelssohn, L. Gärk- ner, S. &, Grasni>k, J. G. Pietsch, J. G. 2% Halle, M. H. Mendheim, H, Hotho, C. S Golb, I. E. Schier, J. C. Struve, S, Weifs F. H. W, Wagener, Diese Aeltesten haben wi unter sich erwählt; Herrn W. C. Bene>e zum Vet steher, Hrn. J. Mendelssohn zum ersten, und Hrn. 6, W. J. Schulße zum zweiten Stellvertreter, Zur Kommißion von sieben Mitgliedern sind erwählt die Herrn Struve, Hungar, Friebe, Hotho, v- Halle, Weiße, Golh, Zur Börsen-Kommißion von vier Mitgliedern sind erwählt die Herrn Mendhein Gärtner, Wagener, Pietsch.

S R Ä Ä Ä T Ä E C E B A a ad c t Met

Beilage:

Ob die dermalen versammelten Mit:| Beschlüße faßen können? | obgleich Jedermann von der Nüglichkeit derselben

zum 71sten Stü>e der

Beilage

Allgemeinen Preußishen Staats-Zeitung,

vom 2ten September 1820.

Zur neusten Ges<<ichte des Katasters von Frankrei h. (Nach dem Moniteur.)

Das Kataster von Frankreich ist das größte stati: stishe Unternehmen, so von irgend einer Regierung auf dem Kontinente unternommen worden. Man hat bereits 20 Jahre auf dasselbe verwendet und 50 Mill. granken. Bei alledem is es dennoch erst zum vierten Theile vollendet. Es ist eben so angenehm als lehe- reih, ein so großes Unternehmen in seinem Gange zu verfolgen. Es giebt viele Aufshlüße Über die gegen: wärtige Natur der Gesellschaft und über die Einrich- tungen der Verwalt : Behörden. Man seht was fie vermögen auszuführen, und was nicht, und man lernt zugleih die Ursachen kennen, welche bewirken, daß große Unternehmungen so s<wer zu Stande kommen,

überzeugt isk. Denn bis jezt hat no< Niemand be- ' zweifelt, daß eine glei<hförmige Vertheilung der Grund:

Steuer mit zu den größten Wohlthaten gehöre, so eine gere<te Regierung einem Lande erweisen könne. Auch hat noch Niemand bezweifelt, daß eine solche gleihförmige Vertheilung nur dadur< zu erreichen sey, daß man eine vollständige Statistik von allen " Gemeinden aufstelle, welche den Maasstab für diese Ver:heilung enthalte.

Eine solche Statistik ist aber eben das Ka H ster. :

_ Die verschiedenen Berichte, so die Französtsche Re- “gierung über die Lage des Katasters A N ads ‘hat, und wovon der legte allein einen mäßigen Quart- Band beträgt, enthalten alle einzelne Thatsachen, #0

“bei der Begründung eines Urtheiles nothwendig sind; und denjenigen, welche geneigt sind, sich über den Gang des Geschäftes zu unterrichten, fehlt es wenigstens nicht an authentischen Quellen. Aus diesem ist das Folgende ‘geschöpft. | Gaudin, Herzog v. Gaeta, war 153 Jahre nacheinan: der Finanzminister von Frankreich ; und ungeachtet er den besten Willen hatte, eine gleihförmige Vertheilung ‘der Grandsteuer in Frankreich einzuführen, so ist ihm solches doch eben so wenig gelungen, als allen seinen Vorgängern seit Colbert, den der Tod übereilte.

Die Ursache hievon lag darin, daß si Gaudin nicht

‘gleich von Anfang die Schwierigkeiten klar machte,

die sich einem #9 großen Unternehmen nothwendiger

Weise entgegenstellen müßen. Die Steuerfreihei | n . iheit des Adels war freilih dur< das Dekret von 1791 gebro:

(hen ; allein nachdem die Stürme der Revolution vors

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“über gerauscht waren, hatte das große Grundeigen:

thum doch wieder sein Recht behauptet, und in jedem

[Dorfe war der größte Gutsbesiyer Maire, Dieser hatte den Vorschlag der viex Steuervertheiler dex Ge: meinde, und der Präfekt ernannte diejenigen jeded: mal so er vorschlug. Auf diese Weise hatte er ¡das Vercheilen der Grundskeuer so ziemlih in seine Hand, und er konnte si< und seine Freunde be: günstigen, wenn er hiezu geneigt war, Dieses Ulles Y fel weg, sobald das Kataster in seine Gemeinde kam, "und alle Grundstli>e aufmaß und abshäute, au die, "so dem Herrn Maire und den Steuervertheilern gehör "ten. Ein großer Theil dec großen Gutöbesiger war ¡also von Hause aus dem Kataster nicht gewögen.

Jede Kammer der Gemeinden besteht aber aus "großen Gutsbefigern, und wird von grosien Gutsbe: Pszetn gewählt. Viele von ihnen besien nit hin: slingliche Kenntniße vom Steuerwesen um nur einzuse- hen, daß die Grundsteuer eine Konsumtionsskeuer is, die | er Fabrikant des Kornes vorschießt und die dex Konsu: [N des Kornes bezahlt; und daß es hei dieser Steuer, lu wie dei aüen Konsumtionssteuern so bie Fabrikation treffen, nur darauf antommt, haß man sle glei<férmig

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auf die Fabrikanten vertheile, nämli<h na der Größe des Veschäftes so jeder betreibt. Wenn man eine Kam- mer hâtte, so aus lauter Brantweindbrennern bestände so würde in dieser ein Blasenzins oder ein Maisch- Zins schwer durchzusetzen seyn, indem sie auch der ir- rigen Meinung seyn würden, daß sie ihn bezahlen müsien und nicht die Konsumenten. Ein Minister, der E L Kammer einen Blasenzins dur<sezen e, würde mit einer f n vld großen Klugheit verfahren

Derselbe Fall tritt bei der Grundsteuer und beim Kataster ein, und eix Minister, der dieses in einer Kammer durchsezen will, so aus den Meisbeerdten des Landes besteht, muß mit einer großen Klugheit und Um- sicht verfahren, wenn die Sache gelingen soll. Das einzige, womit er die Sache zu Strande bringen kann ist das, daß er die fluge Rolle des Fabius Canétsa- tor übernimmt, und die Sache stü>weise und einzeln vornimmt.

Daß Gaudin die Sache auf einmal und in ib- rer ganzen Breite vorgenommen, darin is wel der Grund zu suchen, daß sie so wenig Erfelg gehabt Bei dieser Verfahrungsart wird die Mass8e der id entgegenstellenden Schwierigkeiten so groß, daß jede menschliche und ministerielle Kraft zu geringe i|, sie zu überwinden. s :

Um die Minister drängen f< in jeder Stunde s viele Geschäfte, die ihre Erledigung verlazgen, daf es fast für-sie unmögiich is, fh in ein o grofes Se= <äâft wie das Kataster dineinzusudiren , um es arm in ihre Gewalt zu bekommen. Dieser Mangel am Kenntnis macht fîe daun vielfa von hrer Umaebunag abhängig, und es gehc wie Herr v. Villèle sagte: sie sino die besien Leute voa der Welt und dadem auch die besten Gesinnungen, mais leurs bureaux SONT plus fort qu'eux memes, Dieses i aud bei Gau: din der Fall gewefen, und sein Katasterdüreau if im: mer stärker gewesen als der Mimisfir.

Jedes Büreau arbeitet immer auf das Centralif: ren hin. Cs will immer alles selder thun, und ete digt stets damit zu dehaupten: Alle Untergedene in den Provinzen verüänden gar nidts, und wenn dieVerwaltung gut gehen solle, so müße man alles in der Hauptstadt maz chen. Und wirklich batten sie im Kataster. Büreau in Paris eine Kopir: Anstalt angelegt, în der fe die 39,000 Plane der 39,000 Gemeinden von Frankreich kopiren wollten, damit se gleidférmia wärden. Die CEmployirten des Büreaus datten nämlied die Entdek:- kung gemacht, daß die Kopien in allen 5 Mill. kosten würden, und statt diese auf die 85 Departements tis vertdeilen, glaudten fie, daf diefer Gewinn den Parté: fern wol diuigerweise zuzuwenden sev, da die 83 Des partements do im Grunde dlos die Vorstädte von Paris wären. :

Man darf wol sagen, daf das Kataster:Vüreau in Paris Gau din um die Ehre gebracht dat, das Ka: taster von Frankrei wädrend feines Ministeriums zu vollenden, und fo ein Werk auszuführen, was dex große C oldert begonnen hatte, und was dem, der youendete, eine Stelle unrer den großen Ministern anwies. |

Es war natürli, daß man das Kataster damix anfing, dasi man zuersk eine Steuervertheilung (m (Bxrösien machte und jedem Departement seine Quote zuwiea, Man konnte dieses, wenn man die Dichtig? reit dey Beoslfeerung zum Maasskade nam, indem bie Sieuerkeäfte dex Provinzen icd immer sehr nahe verßalten wie die Bevolkerung, da von dieser die Menge Lebenamittel abhangt, so verzehrt werden, und von hex Menge, derer fo verzedet werden, wieder die Menge bier [9 gebaut werben, - Die Erzeugung dex