1820 / 75 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Gelegenheit wird der Wißenschaft liebenden Französi- schen Jugend der Besuch dieser so nahe gelegenen und doch so wenig besuchten Jnsel empfohlen.

Der Tod eines Mitgliedes der Deputirtenkammer, der zwar selten auf der Redner-Bühne erschien, aber doch viel. in den angeordneten Kommißionen gebraucht wurde, des Baron Salis, wird sehr bedauert und ihm faustisher“ Wis, aber doch dabei ein sehr mensch: lies. Gemüth nachgerühmt.

Madrid. Der General Quiroga hat in den offentlichen Blättern eine Erklärung abdrucken laßen, des Jnhaltes, daß ihm, seitdem er zum Deputirten ernannt worden, eine große Anzahl von Bittschriften zugeschickt würden, in der Meinung, daß dies das sicherste Mittel sey zum Zwecke zu gelangen. Aber dieser Jrrthum verursache ihm mehr Kosten an Post: geld, als sich mit seinem Einkommen, was ihm allein seinen Unterhalt gewähre, vertrüge, zuweilen täglich 20 bis 30 Piaster. Ueberdies habe gar Einer dieser Sollicitanten, und zwar ein solcher der verhaftet wor- den weil er einen Anderen bestohlen , sich Beleidigun- gen gegen ihn erlaubt; er bitte daher Alle, die durch zhn ihre Rechte äm besien gelten zu machen glaub: ten, ihre Briefe zu frankiren, ehe sie aber sih zum Schreiben entschlößen, vorher den 12gsten Artikel der Konftitution zu lesen. (Dieser lautet also: „Während der Dauer ihrer Abordnung können die Mitglieder der Kortes durchaus kein Amt annehmen oder für ei: nen dritten nachsuchen, welches vom Könige verliehen wird, noch hinaufrücken 2c.*')

Gemäß dem Vorschlage der zur Prüfung der Sache ernannten Kommißion haben die Kortes festgeseßt, daß in dem Eide, den die Nationalgarden zu leisten haben, enthalten seyn solle: „wir schwören die Waffen zum Schutze der Katholischen Religion, der Gesebe, der Aufrechthaltung der Kortes, der Beschüßung der ge- heiligten und unverleblihen Person des Königs und der Unverleßlichfeit der Deputirten in Ansehung ihrer Meinungen 2c. zu führen.‘

Die erste Nummer des Correro, welcher die Kon- stitution tadelte, manche Abänderungen als höchst nö- thig schilderte, und die gegenwärtige Verfaßung dem Machwerke Napoleons in vershiedenen Punkten nachsezte, ward im Klubb Lorenzini verbrannt. Dies gab zu heftigen öffentlichen Debatten Anlaß, welche von der Censurjunta gegen den gedachten Klubb ent: chieden wurden. Jn den Versammlungen der Kor: tes herrsht Mäßigung; eine rechte und linke Seite giebt es niht. Der vormalige Prokurator : Fiskal, DAlpuente, läßt sich von seiner Hiße zuweilen verleiten, strenge Maasregeln hartnäckig zu vetheidi- gen, man vergiebt es ihm aber als eine alte, ihm vom vorigen Amte noch anflebende Gewohnheit. Graf Torreno, in England und Frankreich gebildet, weiß die Verhandlungen sanfter zu leiten, Und vergißt, wenn er auh gegen das Ministerium einmal auftre- ten muß, doch nie die Regeln des Anstandes und der Höflichkeit. Estrada, Rosa und Cepero, früher Verwiesene, haben, durch das drückende Gefühl einer \schuldlosen Verbannung zu weisen Männern gereift, die seltene Tugend, persönliche Beleidigungen zu ver- geßen, sih anzueignen gewußt, und beweisen bei jeder Gelegenheit dié Grundsäße shonender Nachsicht.

Neapel, vom 24. August. Die Gesundheit des Königes ist in so weit wieder hergestellt, daß er täglich ausfahren kann, wobei er jedesmal vom Volke neue Beweise von Zuneigung und Ehrfurcht empfängt. Am 20. bezog er das Schloß Kapo di Monte, wo er den Ueberrest des Sommers zubringen will. Die Prinzen seine Söhne statteten ihm daselbst am a5. ei- nen Besuch ab. Am 19. war der Geburtstag des Herzoges von Kalabrien durch Feste bei Hofe, durch Jllumination der Stadt’ 2c. sehr feierlich begangen

worden. / d i Die Nachrichten aus Sicilien lauteten fortwährend

sehr traurig. Diese Jnsel scheint der Schauplaz eines blutigen Bürgerkrieges zu seyn. Die zu Palermo sigende Junta hatte nah dem Brande von Katanisetta ein neues Proklam erlaßén, worin sie unter Drohun-

gen älle Sicilianexr auffodert, mit Palermo gemein; | schaftliche Sache zu machen. Girgenti und Melazze

hatten gehor{ht; Meßina und Katania, Syrakus un)

Trapani waren bis dahin der Neapolitanischen Regie;

rung treu geblieben ; Trapani ward daher von den Jn:

dependenten belagert. Ein anderes Korps dieser legt: | genannten stand bei Cefalu, 6o Jtalische Meilen von

Palermo, auf dem Wege nah Meßina. Ale Straßen

dér Jnsel wurden durch die in Freiheit gesezten Ga:

leerensklaven unsiher gemacht. Eine Englische Fre:

gatte war zu Palermo eingelaufen, um die Personen

und das Eigenthum ihrer Nation in Schuz zu neh:

men ; da sie aber von Smyrna kam, wurde ihr kein

Kommunikation mit dem Lande gestattet. Man ttrif

hier Anstalten, mehr Truppen nah Sicilien zy

schicken.

Fast durchgehends fangen die Bewohner des Rej ches an, sich nach ihren alten Provinzen zu nennen, So haben wir jeßt Hirpiner, Lukanier, Samniten, Bruttier u. \. w.

Livorno, vom 1. Sept. Endlich haben wir hie} über See Paiermitaner Zeitungen erhalten ; fie reiche bis zum 12. August und sind fast ganz mit Verord: nungen der Junta angefüüt. Das Journal 1a l’e. F nmice liefert unterm 31. Julius einen Bericht an di: F Junta über die Borfälle vom 14. bis 17. Julius, Die beiden wichtigsien Atcenßiücke in diesen Zei: tungen sind: die Antwort der Nalermitaner auf das Profiam des Prinzen Reichsverwesers, und die F Antwoort auf die von Neapel gefoderten ersten Bedin: gungen. Aus den übrigen Blättern erhellt noch, daj | Girgenti sh an Palermo angescklofen hat, Meßina, Katania und Syrakus aber an Neapel hangen. Von dem Vorfalle zu Katanisetta (welche Stadt von k den Palermiranern geplündert und in Asche gelegt tvorden seyn sell), deßen audere Jtalishe Zeitungen erwähnten, finder sich nichts in den Palermitanischen | Blättern. |

London. Die Addreßen an die Königin darceez noch immer fort; gestern ward ihr eine überreitht, de! die Unterzeichner in 135 Kutschen jolgten. Der ganze Weg von Westminster bis Brandenbourgh- House, dem Landsize der Königin, war mit Menschen und Wagen bedet. Markerendezx hielten Bier und verschiedene Sorten hibiger Getränke feil, und öfter stiegen die Damen aus ihren Equipagen, um sich leiblich zu stärken,

Der Alderman Wood kauft täglih 3000 Exem: plare der Times, um fe unentgeltlich vertheilen zu laßen, weil der Redakteur dieser Zeitung die Parthei der Königin genommen.

Von dem True- Briton werden die Kosten ble

des Berhörs der Zeugen auf 200,000 Pfd. angeshlage! | *

Die Königin soll, als fie Majochi unter den Zeu} gen gegen si erblickt, niht Teodore, sondern wi

ein Jialiäner, der beim Auftritte zugegen gewesel, L 2 le ren Vorsteher der Profeßor de Candolle ist, hat zur

behaupten will, Traditore (Verräther) gerufen hade,

Louise de Monat, (nicht Dümon*!) erklärt jeh, M die Briefe, in denen geäußert, bloß geschrieben zu haben, um die Königiß zu bewegen, die dur ihren Abgang erledigte Kaw: F merfrauenstelle, ihrer jüngeren Schwester zu verleihe, F

Die Zeugenverhöóre sind nun beendiget, und di Einleitung der Vertheidigung der Königin von ihre Räthen je6t zu erwarten.

Unm mehre Pairs gegen den Pöbel zu schütemn, wurde am 4. eine Abtheilung Leibgarden in St. Jw mes-Vark aufgefzellt.

Die Königin erhält die zur Fortseßung ihres Pt: zeßes erfoderlichen Gelder aus der Schatzkammer nut? gegen specielle Berechnung über die Verwendung det früher zu gleichem Bebufe gezahlten Gelder.

Der Besorgnis, - daß die Fremden : Akte werde in f M mindert, und die Ausgaben für den Militairetat durch [ein eignes von des Großherzogs K. Hoheit ernanntes

Anwendung kommen, um der Herbeischasfung der ZeU gen für die Königin Hinderniße in den Weg zu legen, ist von der Regierung bestimmt widersprochen worden:

Nach Briefen aus Genua vom 24. v. M. solleu die Konsuln von England und Sardinien Algier aus } unbekannten Ursachen verlaßen haben, und auf eine } Marseillet Schiffe abgesegelt seyn.

' fen, ohne sie zu sehen. Portrait des hier versktórbenen Sohnes des Oberen Vrafen v. Taufenkirchen, welches ihm hinsichtlich

} ser Beziehung allen gerechten

St. Petersburg. Die protesktantishe Kirche ird in eine bischöflihe umgewändelt, unter firchlicher Obhut und Disciplin. Nachdem mehr teutsche pro- testantishe Prediger den an sie ergangenen Antrag zur Annahme der Bischofswürde abgelehnt hatten, wie Scheibel in Breslau, Härms in Kiel. u. a., ver: schrieb das Ministerium, an deßen Spiße der Fürst Alexander Golißin steht, den Bischof Zigneus aus

Borgo in Schweden, nachdem diéser vorher den neu

freirten Superintendenten Feßler (den berühmten Schriftszeller aus Ungarn) eingeweiht hatte. Feßler ist bestimmt, die protestantischen Kirchen der Kolonisten an der Wolga (60,000 an der Zahl) zu organisiren. Der Bischof Zigneus is bereits angekommen, er soll nächstens durch einen besonderen Ukas installirt und wahr- scheinlih zum Erzbischof erhoben werden, als solcher die ganze protestantishe Kirhe in Rußland leiten, dem ebenfalls neu geschaffenen General: Konsistorium vorsigen und die einzelnen Unterkonsistorien kontroliren.

Wien. Die Bauten zur Verschönerung des Plabes vor der Hofburg, den kaiserl. Stallungen gegenüber,

T werden mit größtem Eifer fortgesezt. Einige Tage hin:

tereinander wurden verschiedene Dekora:ionen, welche das am Eingange dieses Plaßes zu erbauende Thor nebst Wachhäusern derstellten, zur Ansicht aufgestellt.

Man glaubt, daß die von dem Direktor der hiesigen

Architefturschule, Hrn. v. Nobili, entworfenen Zeich- nungen zur Ausffihrung gewählt werden dlrften. Auch mit dem Pflastern der Viege, die nach den Vorstädten führen und rings um das Glacis heramgehen, is der Anfang gemacht. Eben jevt wird der Weg vom Kärnth: ner Thore nach der Wieden gepflastert.

Trient. Von Seiten der privil. Oester. Natio: nalbank isk seit dem g. d. M. eine Bankverwechselungs- Anstalt angeordnet worden; mit diesem Filial-Etablißez- ment ist zuglei das Anwei-egeschäft von Trient auf Vien und von Wien auf Trient verbunden, bei wel- hem die Gebühr auf F Procent bestimmt is.

München, vom 6. Sept. Am 1. trafen dex Kronprinz und die Kronprinzeßin von Baiern K. H. von Brückenau wieder zu Würzburg ein.

In kurzem wird die heute hier angekommene Frau Reichard êine Luftscdifffahrt hieselbst halten.

Seit einiger Zeir hält fich hier ein talentvnller Miniatur:Maler Namens Me y er, aus Freiburg, auf, der die seltene Gabe hat, Personen blos nah deren genauer Beschreibung auf das Spréchendste zu tref: Das Neustè dieser Art is: das

der Aehnlichkeit so vorzüglich gelungen, daß die El: tern selbst davon auf das Angenehmste überrascht wor-

* den sind.

Genf. Die hiesige allgemeine Lesegesellschaft, de:

Beförderung des Studiums der teutschen Spracie für

sie sich zum Lobe der Königit f den bevorstehenden Winter wöchentlich zwei Versamm-

lungen bestimmt, in denen nur teutsh gesprochen wer-

I den soll.

Darmstadt. Bei Uebergabe des Budgets und

des Finanzgesebes an die zweite Kammer, sagte der Geh. Staatsrath Hofmann unter andern : „die ns- thigen Ersparniße sollen theils durch Abänderungen in der Administration der Berg- und Salzwerke, durch | Einschränkung bei dem Civilbauwesen und bei dem Karaeralflußbaue, so wie durch Verminderung der

Ausgaben auf Forstkulturen: theils durch ausgedehn-

| tere Verpachtung der herrschaftlichen Jagden, und Ver- © nigung der Forstrecepturen mit den Rentämtern be- | wirft werden.

Die Ausgaben für den Großherzogl. Marstall und für das Landgestüt sind beträchtlich ver:

NMilitairkomité so weit beschränkt worden, daß in die- j Foderungen Gnüge geleistet worden ist. Die bisherigen Kosten der Steuer-

egulirung sind um 73,511 fl. vermindert worden, ohne den Ansprüchen der Unterthanen auf Beförderung der

Gleichstellung in den direkten Steuern zu nahe zu treten, und die neuen geseßlichen Bestimmungen über die Steuererhebung, welche gleih im Anfange einen so günstigen Erfolg bewährt haben, haben. es möglich ge- macht, den Vorschlag für inexigible Posten und Aus: fälle von 4 auf 2 Procent, mithin um 31,449 fl. her: abzusezen. Durch aüe diese Anordnungen ist nicht nur das vorhanden gewesene Deficit vershwunden, son- dern auc die Möglichkeit herbeigeführt worden, in einic gen Abgaben schon jeßt zweckmäßige Abänderungen und Milderungen eintreten zu laßen.‘ Nach einer summa- rischen Uebersicht des Budgets werden die Einnahmen und Ausgaben der Haupt: Staatsfkaße für die Jahre 1821, 1822 und 1825 folgende seyn ; A. Einnahme.

O. E 1,91C,635

25,260 2,603,107 1‘299,905

L D a d IT. Regalien è IIT, Ditefte Steuern . h IV. Jndirekte Auflagen . » i V. Einnahmen aus verschiedenen E 2 4

® ® * ® +

157,605

B. Ausgabe. A Ea L. Lasten, Abgänge und Kosten bei der Finanz-Verwaliung . IL, Verzinsung und Amortisation der Staatss{hulden 4 L, Dee VI. Bedürfniße des Großherzogl.

Hauses und des Hoffstaares Apanagen und Deputate . V, Zur Unterhaltung des Mili- tairs und der Milirairanffalten 2,086,935 V1, Geheimes Staatsministerium, Geh. Kabinetzerpedition und Ae 6 VIl Auswärtige Verhältniße VILI, Behörden und Anstalten r E E N 1X, Justiz: Polizei- u. Hoheit- “E C X. Administrativ- Behörden und Anstalten ee C XT. Weitere Kosten bei dem Ge- _schaftbetriéde L 4 5 XLI, Beiträge zu den Witwen- ‘und Went . 2 XIIL. Zur Unterstü6ung Nothlei- __ dender, au andere Verehrungen XLV. Für die Dekorationen des Großherzogl. Hausordens . A V. Zur Landesvermeßung und Verfextigung d. definit. Kataster AVL Für Staatsfrohßnden und

_dessallsige Entsc&ädigungen XVII. Kosten des Landtages , AXVIIL Reservefond E

1,596,685

681,828 534,917

591,604 213,834

82,952 86,7183

255,972 70,058 114,577 16,692 27,532 25,800 1,500 06,555

30,000 15,000 110,000 8,995, 755 Verglichen bleibt Ueberschuß „8 475

Karlsruße, vom 3. September. Die Strafe der Vermögens. Konfiskfauon ist nah der in der zwei- ten Kammer dieserhalb erfolgten Diskußion, heute aufgehoben worden; bei Desertionen und in Fällen, wo sich Unterthanen der Militairpflichtigkeit entzie- hen, finden fsedoch noch Geldstrafen statt.

Heute erschien von Seiten des Ober:Zerewmonien:- Meisteramtes das Hof : Programm zu den beim Schluse der ersten Lanbtagsigung, den 5. stattfinden: den Feierlichkeiten.

Kaßel. Der vormalige Regierungsrath Kraft is nunmehr von der Ober: Wegbau- Direktion gänzlich dispensirt, u. als ein ganz vorzüglicher Recht®gelehrter zum Ober: Appellationsrath an die Stelle des abgegan: genen Ober:Appellationsraths Pfeiffer ernannt, da: gegen aber der Ober-Bau: Direktor Geheimer Kamner- Rath Jussow als Chef der Ober-Wegebau-: Direktion vorgesezt worden.