1820 / 94 p. 4 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Sat, 04 Nov 1820 18:00:00 GMT) scan diff

dies Königl. Geschenk den Z5ten Nov. ‘als am ersten Se aaa maih an eigentlichenReformationstage, unter angemeßenen Feierlichkeiten öffentlich aufgestellt wer- den. Zur Beschreibung der Büsten nur Folgendes: Sie sind 2 Fuß 2 Zoll hoch, beide sehr wohl gelun- gen, treu na< Lukas Kranachs Original-Gemähiden. Die Fußgestelle sind vierkantig, aus feinem Lodersle- bener Sandstein, in Gothischem Style geardeitet, bronzirt, 5 Fuß 5 Zoll hoch, und haben folgende Zn- christen : Luther. bt

Vorderseite: Gottes Wort ist nicht gebunden. 2ten Tim. 2., 9,

Rechts : Worms den 5. Apr. 1521.

Links: Hier geboren den 10. Nov. 1483-

Rúckseite. Hier gestorben dea 8- Febr. 1546.

Melanchthon. j

Vorderseite: Praeceptor Germaniae ; Und das alles in der Liebe. Ephes. 4., 16.

Rechts: Augsburg den 25. JUn. 1550.

Links: Geboren zu Bretten, den 16. Febr. 1497-

Rúckseite: Gestorben zu Wittenberg, den 19. Apr. 1560. |

Am vorderen Theile des Kranzgesimses steht:

„„König Friedr. Wilhelm IIL. der Mansfeldi]ch-Li- terarishen Gesellschast, und diese der Andreaskirche hier, 1817.‘ s

Die Schrift ist gut und stark vergoldet. Beide Glaubenshelden nehmen ihren Plaß an den Stufen des Altars, die Gemeinde im Auge.

Koblenz. Die in dem Korrespondenten von und für Deutschland aufgenommene, und von diesem aus, in verschiedene andere öffentliche Blätter über- gegangene Nachricht , daß der Prof. Görres, _we- gen seiner Schrift ‘¿Deutschland und die Revolution“‘‘ vor das Me Assisengericht werde gesteut wer- den , ist eine Erfindung.

L E hiesige Kreis-Physikus, Dr.

Friße sah eine merkwürdige Mißgeburt, die Finger

beider Hände bis zu dem Mittelknochen und an den Fingerspißben wie eine geballte Faust verwachjen ;

Klumpfüße, und die Knochen verschoben; das ganze |

Gesicht schief, das rechte Auge hervorgetrieben und schielend , das linfe mit einem Beutel festgescßloßen und heruntergedrängt. Auf eine höchst auffallende Weise hat indeßen das thätige Gehirn dieses Bild bereits umgestaltet; der Kopf hat jeßt fast eine na- túrliche Gestalt, beide Augen liegen bereits in gleicher Richtung ; der fleine Knabe nimmt mit Begierde seine Nahrung, alle Funktionen sind regelmäßig. Außer- dem sind schon mehr Finger durch die Operation ge- trennt, so daß die Hände für die Folge bei einiger Uebung auch brauchbar seyn werden.

Arnsberg. Durch Unvorsichtigkeit stúrbten wei Schieferde>er, Vater und Sohn, von dem ho- Lis Kirchthurme zu Schwerte herab. Sie hat- den das Seilwerk zum Decken, an das von Rost zerfreßene Thurmfkreuz befestigt - welches von der Last erbrah. Der- Vater büßte das Leben ein, der Sohn at jedoch nur einen Beinbruch davon getragen und befindet sich auf dem Wege der Genesung.

Bei Tönsae sind zwei den dortigen Fabrikanten Gebrüdern Kramer, gehörige Pulvermühlen durch Explosion zerstört worden. Glücklicherweise befand sich gerade fein Mensch darin. Dieselben Pulver- Mühlen sind schon einmal im Jahre 1817, desgleichen eine. andere im lebten Srügjayr explodirt; und {äßt man den dadurch erlittenen Verlust genannter Eigen- thümer auf 35000 Rthl. ; : “Jm Fserlohner Kreise sind die Fabriken noch in ziemlih lebhaftem Betriebe, dagegen haben die Osemund-Hämmer zu Altena mehre Wochen {on E múßen, weil Absaß und Preise zu bedeutend zerunter gekommen sind ; au< im Siegen schen be- findet si< der Eisenhandel in feiner günstigen Lage.

Der hier in früherer Zeit vorherrshende Aber- glaube des Volfes, daß eine Sonnenfinsternis von

hädli<hem Einsluß auf unseren Planeten sey, ist vor j

dem Lichte des beßeren Unterrichtes fast gänzlich ver- s{hwunden. Beim Eintritte einer solcheu Naturerschei;

Ställe, und rief den Himmel um Abwendung des drohenden Unglückes, mit Gesang und Gebet an, F

Diesmal sah auch der geringste Bauersmann ohne Besorgnis, den Mond zwischen Sonne und Erde seine Bahn durhwandeln, und die Wenigen, welche am alten Vorurtheile no< hingen, und Miene mach ten, ihr Vieh in Sicherheit zu bringen, wurden von nâchsten Nachbar über die Weisheit des Allmächtigen, eines Beßeren belehrt. : g h

Posen. Die in verfchieden auswärtigen Blât- tern berúhrte sicherheitpolizeiliche - Untersuchung im Großherzogthume Posen ist in ihren Resultaten wichtig gewesen, daß sie ein allgemeines Jntereße hat. Die Veranlaßung zu derselben gaben vielfache Einbrüche und Diebstähle, welche das Ministerium des

-

Inneren und der ‘Polizei bestimmten, den Hyvjrat

Und oft wurde an den Grab- und Denfmälern ihrer Helden, neue große That, beschloßeu und be-

i urer\chei: F shworen. nung trieb man hier in der Vorzeit, alles Vieh in die

So gedachte man au< in Schlesien für gleichen Zweck ei gleih würdiges Denkmal unseren Helden zu errichten auf naher Granit- Pyramide der Natur, und dort den Festtag der Befreiung Schlesiens fort- hin zu feiern.

Fürst Blücher, groß in jeder Gesinnung, wie in | friegerisher That, zog es vor, anspruchlos und einfach unter diesen heimatlichen Linden seine ermü-

Ï dete Hülle ausruhen zu laßen. Konnten wir also Ï auch nicht mit prachtvollen Kunstwerken seine Ruhe- Î Stâte der Nachwelt bezeichnen, so dürfen wir doch an

dem heutigen Ehrentage unsere Herzen laut ausspre-

Î cen laßen den tiefsten, innigsten Ehrendank der An-

Falkenberg zur polizeilichen Ausmittelung der Ur: |

Die Resultate dieser Untersuchung sind für die df fentliche Sicherheit nicht blos diejer Provinz, sonder des ganzen Staates und selbsi des benachbarten Aus

heber und Theilnehmer dieser Verbrecher abzusenden, |

landes von sehr nüblichem Erfolge gewesen. Ju}

einem Zeitraume von einigen Wochen wurden dur die Thâtigkeit dieses Kommißairs und den Beistand

welchen die Behörden der Provinz ihm leisteten, nicht F allein die bedeutendsten Räuber- und Diebes-Banden F

und die von denselben verübten Räubereien und Dieb stähle entde>t und ein sehr bedeutender Betrag der gestohlnen Gelder und Sachen zum Besten der El-

erfenntnis seiner Helden - Thaten ; so dürfen wir hier doch laut’ verkündigen, wie dieser dankbare Sinn uns anfeuert und erhebt zu Endschlüßen und Thaten Seiner würdig.

Sch!esier! Da die hohe That der Helden und nicht der Ort der Geburt ihr Vaterland ist, so dür- fen wir stolz darauf seyn Blüchern als Anführer der Schlesier in den Befreiungs - Kämpfen, Blüchern, als E _Besfreier Schlesiens unsern Landsmann nennen zu urse.

Eingegraben wird er nun in unsern vaterländi- schen Boden, wie in unsere Herzen, und nimmer werden verwelken die Blätter dankbarer Erinnerung,

genthümer wieder herbeigebracht - sondern au< 58 wle die Lorberkränze, welche die Geschichte ihm Mit\chuldige derselben verhaftet und der Kriminal- | weihte und weihen wird. Jmmer wird Blücher als

L Ï ein Stern erster Größe an Preußens Horizonte glän- Köln. Jn Bezug auf die vor dem Assisenhofe F ¿en, leuhten und wärmen:!

Justiz überliefert.

in Trier schwebende Untersuchung gegen den Fonfe |

schen Küfer Hamacher, den angegebenen Mörder

s

des jungen Könen aus Krefeld, hat gegenwärtig der | Kaufmaun Fonk in die hiesigen sowol als mehre |

Rheinische Zeitungen, Folgendes einrücen laßen:

„Schon vor mehr als zwei Jahren machte ich mid F anheischig, dem Publikum über den Prozeß, worin ih seit 1816 verwicelt gewesen, umständliche Nach: : | Ï ger jenes Denkmal weihete, welches der gern seine

riht zu geben. Blos um auf das Urtheil der Ge

s{<worneu, welche über das Schicksal des Küfers]

Hamacher sprechen sollen, auch nicht im geringste einzuwirken, habe ich bisher geschwiegen, und id werde dicsem Vorsaßbe bis zu deren Entscheidung tr

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Î Getrezuen ehrende Landes - Vater dort errichten ließ ;

* dort sprach Fürst Blücher von Wahlstatt in kraftvol- E ler Rede seine edlen Friedensgesinnungen als echter

Aber nicht für den Ehrgeiz kämpfte der Held Er, der dieses einsame Grab sich zum Pantheon er- for. Nur für den. Frieden fämpfte und siegte der Held! nicht blos für den äußeren Frieden, auch für Preußens inneren Frieden.

Dort, unter Wahlstadt, wo der ruhmvolle Sie-

N Patriot , als Preuße aus. Dort zeigte er treffend,

bleiben. Einstweileu bitte ih indeßen das Publifus f |

in seinem Urtheile úber diese Sache, den wirfli che

Prozeß nicht mit den eigenen Ansichten Ander} zu vermischen, uud sein Urtheil auszuseßen bis Alle]

gehört sind. ‘/ : (Da auch die Staats - Zeitung, in No. 9

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dieser Untersuchung als eines seltenen Kriminal}

Failes gedacht hat, so scheint es billig und gere<tf

auch dieser Erklärung einen Plaß zu gönnen.)

Minden. Unter die besonders zu bemerkenden traf rigenVorfälle gehört, daß 6 Kinder der Stadt Pader}

born ein in Papier gewickeltes Rattenpulver fanden, und es für Zucker haltend, davon genoßen. Drei ders! ben starben gleih darauf, die drei übrigen sind noói unter ärztlicher Behandlung und man hofft, ihre Het stellung bewirken zu können.

Kriblowiß. Der Regierungs - Präsident Hel! Freiherr v. Lürtwiß hielt am 16. v. M. bei de! feierlichen Beerdigung des Fürsten Blücher von Wahl statt, folgende Rede:

Die Vorzeit ehrte die Gräber ihrer Heroen meh!

als die neuere Zeit dur die G NOME Werke det een und weltberühn f

Kunst, jene Katakomben, Mauso

ten Pyramiden. Jn allen Zonen wallfahrteten dit F

Völker zu den Gräbern ihrer denkwürdigsten Männe F und höhere Pflicht ist preußische Tugendpslicht.

und feierten dort ihre Volkfeste zur Erinnerung ali große Thaten und Begebenheiten.

wie nur dur<h treumüthigen Einigkeit - Sinn, unter dem erhabenen Panier unseres tapfern Monarchen die Freiheit wieder erobert werden fonnte. Dort mahnte Er den Krieger, fernerhin guter Bürger, und den Bürger, braver Krieger zu seyn. Dort zeigte er im Geist Friedrihs des Großen, was es werthe, ein Preuße zu seyn.

Ihm nach wollen wir laut es sagen, hier an seinem Grabe, ernstlih uns prüfend in dieser wogen- den Zeit, wo neue Ungewitter vom Abend her die Ruhe Europa?s bedrohen, wie und daß wir in ganz | vollem Sinne, in Blüchers Sinne, Preußen sind.

| Bedauern wollen wir hier die irrenden Seelen die ‘da sich fabeln, als könnten sie seyn gleichzeitig | Christen und Heiden, Preußen und Teutschthüm- ler, Royalisten und Demokraten.

Sie stehen im Zweikampfe mit sich vor Gottes

F Gericht!

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Wir sind einzig Preußen , eher Preußen als | Teutsche , Europäer oder Weltbürger. Unsere nähere

So dachte, sprach und handelte Blücher. = Nur

sôlche ungetheilte, entschiedene Gesinnung giebt und erhâlt dem Patrioten die heldenmüthige Stimmung, die über die Stürme des Lebens mit Ruhe und kla- rer Besonnenheit gebietet.

_ Also darf auch teutsche Sprache uns Preußen nicht doppelsinnig sinden laßen, uns nicht zwiespal- tend entpreußen. Denn die Gesinnung geht der Sprache voraus, und gilt no< mehr als das Wort. __ Eine feste Burg soll uns seyn der Glaube an ein Preußenthum, das als strahlendes Vorbild, mit der Nechtswage an der Hand, zur praktischen Vollkommenheit anstrebet, ohne in idealen Regionen sich zu verlieren; an ein Preußenthum, das mit inne- rer Kraft äußere Mängel erseßen will, und eben darum nicht die Eifersucht, sondern nur die Achtung der Nachbar - Staaten anregen kann und mag.

Unser innerer Frieden soll au<h ni<t unterbro- chen werden durch Klagen uber Unbillen, die hie und da sich äußern, weil Menschenwerk immerhin Gepräge der Unvollkommenheit trägt. \

__ Gerecht wird die Geschichte darüber urtheilen ; nicht zu gedenken, daß solche Unbillen nichts bedeu- ten, gehalten gegen den Maassstab Spanischer Prie- ster - Jnquisitionen , und erneuerter Sizilischer Ves- pern. Richten wollen wir stets unsere Blicke im Streb2n zum Beßeren anf das mächtig überwiegend Gute in unserem Staate.

Nicht weiter nah dem Auslande wollen wir schauen über Blüchers Grab, uud fragen, wie jen- seit an der Themse Volks-Ehr2- und Volksgunst lauten? nicht jene Volfsfreiheit beneiden, wo ra- sende. Umwälzer und usurpirende Prätorianer die Herrscher mit den Völkern entzweien, und die Krie- ger gegen den Bürger empören!

Fragen wollen- wir nur, ob uns Preußen die

echte Freiheit gebriht zu re<tem Wort und edler That? Wir harren nicht einer Reichstandschaft, um in solcher National - Heiliges, oder die Mängel des Vaterlandes aller Welt mit offenkundigem bitteren Schmähworte zu verrathen.

Wir harren ruhig dem Rufe, um unsern Monar- chen mit Nath und That inniger zur Ausführung seines besten landesväterlihen Willens unterstüßen zu éônnen, und nicht, um die Kraft zu lähmen und zu schwächen, womit die Regenten unsrer glorreichen Dynastie stets die Freiheit der Rechte shüßten, ein- gedenkt des Rechtsspruches des preußischen Adlers.

Gleich wie dieser siegend vorausflog unter Blüä- chers Anführung in den Kampf für U Serie bee Völker: eben so muß auch im Kampfe für den in- neren Frieden der Preußische Adler s{hüßend horsten ; doch nicht auf Trümmern deßen, was unsere bie- dern Alt- Vordern, au<h weise auf ihre Nachwelt bedacht, gemüthigli<h bauten und ordneten. Vergängliches vergehe also nur von selbst, ohne ge- waltiges Zuthun!

Aufblühen möge dagegen unter seinem schirmen- den Fittige Neues und Gutes neben dem Alten, wie

der Jüngling aufblühet neben dem chrwürdi Greise. : E

So fönnen wir sicher na< Blüchers Wahlspruche vorwärts schreiten auf der Ehrenbahn Preußi- her Staatsbürger - Tugend. So stehen wir mit Gesinnungen, eines Blüchers würdig, vor seinem Grabe; eines Blüchers der schon kämpfend mit dem Tode, noch herois<h dem Könige rührend ver- melden ließ „„ daß er treu für den König gelebrc habe, und treu für ihn sterbe.‘/ So wollen au<h wir

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