1820 / 112 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

unter den Fenstern des Regierungs-Pallastes auf dem Rocio - Plaß zusammengefunden, und foderten mit Ungestúm, daß die Mitglieder der Junta aus den Erkern herauskommen sollten, was sie unter Facfel-Be- gleitung thaten, worauf das--Volk die Annahme der Spanischèn Verfäßung mit solchen Aendkrungen, als die Umstände erheishten, und die Wieder - Einseßung der resignirten Mitgliedér foderte. | | standen war, begleitete das Volk, mit Facfeln in den Händen, die Regierer in ihren Kutschen bis zu ihren Wohnungen. Der Rocio - Plaß ward bis #pät “in die Nachc illuminirt, wo alles friedlich nach Hause ging. Der allgemeine Ruf in den Straßen war „Die Spanische Verfaßung, und mehr Frei - heit !‘/ Mehren - Brittischen Offizieren, unter andern dem Obersten O'Toole, is der begehrte Ab- schied aus unsern Diensten verweigert worden. Madrid, 23. Nov. Kurz nach der vorgestern

unter großem Jubel des Volkes erfolgten Zurück- -

kunft des Königes, der Königin ünd der ganzen Kön. Familie, ward ‘zur allgemeinen Freude bekannt, daß Se. Maj. die: Zubehörungen ihres Hauses von St. Fernando, 900 Mill. Real. ‘an Werth, der Nation auf ewige Zeit úberlaßen. Der Erzbischof will fich von Valenzia nicht entfernen , sondern vor einem bürger- lihen Gerichte zur Verantwortung stellen. Die Wiederanstellung des Gen. Riego scheint außer Zwei- fel zu seyn. Man versichert ‘als gewiß, daß er zum General-Kapitain von Aragonien, ‘und General Odonoju zum General - Kapitain von Madrid er nannt worden. -— Am 182. ward zu Kadix wegen Aufhörens des gelben Fiebers ein Te Deum gesun- gen. 28. Nov. Zu Valenzia fand eine zwel- te Volksbewegung statt, sen zu seyn scheint. : Jndeßen. hat nach den leßt. empfangenen Mittheilungen, die Nachricht von dèr ge- schehéènen Rückkehr des Königes in die Refidenz, ‘alle erhißten Köpfe wieder ‘beruhigt. Die Valenziäner hof- fen, daß- die Befehle zur Einleitung des Prozeßes gegen den General Elio nun- nicht länger aufgehal- ten- „werden. Wie es heißt soll der Richter

erstex Jnstanz zu Burgos, Modeste Cortazar, sich nach einem benghbarten Kloster zur näheren Utitersuchung

begeben haben, wo man den Ursprung allér der lel- ten Unruhen zu finden vermuthet. /

Paris, 6. Dec. Die Herzogin v. Berry be- gab sich am 4. d. zu Pferde nah dem Gehölzè von St. Germain. Die Friedens-Richter der 12-Ar- rondißements der Residenz, Haben sih behufs meh- rer Einförmigkeit ihrer Aus\sprüche bei den ihnen täglich: vorköminenden Streitigkeiten, dahin geeiniget, sich monatlih 2mal zu versammeln und über die ihnen vorkommenden Rechts - Streite ihre Meinungen ge- genseitig auszutauschen und darüber ein für das Ar- chiv der Versammlung bleibendes Protofoll zu füh- ren. —- Das Journal ‘de Paris sagt: nicht Sir Ro- bert Wilson, sondern Lord Alranley, einer der größ- ten Anhänger der Königin von England, ist gekommen. Die hiesige Protestantische ibel-Ge- sellschaft hat sich heute zu einer General - Versamm- jung, unter Vorsiß des Pairs, Marquis de Jaucourt, in dem Saale der Gesellschaft zur Aufmunterung des National - Gewerb : Fleißes vereinigt. Die Mit- glieder der Opera-Comique sind verurtheilt worden, dem Hr. Bergeret die sit 14 Jahren dem Theater gelieferten Zeichnungen des Kostüms der Bühne-Mit- glieder, zu bezahlen. Diese haben dagegen die Ap- pellation eingelegt. Die Akademie der schônen Künste zu Neapel, hat als Preis-Aufgabe sür Ma- lerei pro 1821 bestimmt: die Darsteliung der Medea wie sie zwischen Mitleid und Zorn schwebend, ihren Kindern den Tod geben will. Das Gemälde soil 4 Fuß hoch und 5 Fuß breit seyn. Der Preis ist eine

oldene Medaille 600 Dufaten an Werth. Binaen furzem wird eine neue beträchtliche Sanm- lung von noch ungedruckten Briefen Voltaires hier er- schienen. Diese Korrespondenz ist fast gänz voù der

Als’ diès zuge-

die ziemlih starf gewe- |

hier an-

eignen Handschrift Voltaires oder seiner Secretaire Vainére und Colini , mit seiner Unterschrift. Am zo. Oft. sprach der Kriminal-Gerichts-Hof von Kor- sifa,, nach tägigen Debatten, gegen den Kaufwmann Paul Sollaci aus Ajaccio, wegen, Theilnahme an dem im J. 1816 gegen „den Rath dès Königl. Gerichts; Hofes Giafobi unternommenen Mord-Versuche , das Todes-Urtheil aus. i f at i Der König hat die, von dem ordentlichèn Ge richts-Hofe gegen Gravier und Bouton erfannte, und von dem Kaßations-Hofe bestätigte Todes: Strafe in lebenslängliche Zwang - Arbeit verwandelt. Ohm Zweifel hat dazu die Herzogin von Berry entschei dend gewirkt, denn glei ch nachdem die Bestätigung des Kaßations-Hofes erfolgt war, \chrieb sie nachste henden Brief an den König : ' „„Mein theurer und guter Oheim! da ich den König heut nicht sehen fann, so muß ih \chrei ben, um seine Gnade für zwei Unglückliche anzufle hen, die deshalb zum Tode verurtheilt sind, weil si gegen meine Person Versuche gemacht haben. a Fch würde in Verzweiflung seyn, wenn meinetwegeu Franzosen den Tod erleiden müßten. Der Engel, den ih beweine, foderte sterbènd Gnade für seinen Mörder. Er ist und bleibt das Muster meines Le bens. Möge mir mein Oheim gestatten, ihm nachzu ahmen und Seine Majestät um Gnade für das Le ben dieser zwei Ünglücklichen zu bitten. Sein erha

benes Beispiel gewöhnt uns an Milde Und erhebt | mich zu hoffen, daß die ersten Augenblicke des Da- l Heinrihs, meines geliebten Kindes F

seins meines : von ganz Frankreich, durch Merkmale verzeihendtr Qu ausgezeichnet werden werden.‘/ u. sw. Sr. Maj. entgegnete. hierauf: Sie empfänden“ zu vid Vergnügen über die Treue mit welcher die Herzogin

ihr Versprechen, dem Throne einen Erbén zu geben, |

erfúllt habe, als daß Sie ihr die im Namen ihres

Sohnes erbetene Begnadigung abschlagen könnten. Der - Constitutionel meldete . in

einiger Zeit seiner Dienste als Staats-Rath enthobéei worden, und im Begriff war, seine Vorlesungen über die Geschichte zu beginnen, vor die Kommißión des öfféntlihen Unterrichtes gefodert und zur Mittheilüng seiner Hefte angehalten sey; jeßt meldet ein späteres Blatt ‘desselben, daß Niemand zu seinen Vorlesun- gen zugelaßen werde, der sich nicht eine Einlaß-Karte dazu bei dem Sekretair der Fakultät der Wißenschaf- ten ‘gelôser habe.

Seit einigen Tagen wird ein Gemälde, und tioch mehr die Unterschrift desselben, mit Wohlgefallen be- trachtet, welches die Jungfrau von- Orleans darstellt, in dem Augenblicke, wo sie ihre Fahne auf die Mau- ern von Orleans hinpflanzt; die Unterschrift lautet : „Wer sein Vaterland rettet, den hat der Himmä begeistert. /?

_ Die Statue, Ludwig den 14ten zu Pferde ‘dart- stellend, ist fertig; schon haben sie nicht nur einé fleine Anzahl von Kunhst-Freunden in der Werkstatt des Künstlers gesehen und bewundert, sondern auth Monsieur, Madatne, der Herzog von Angouleme und die Herzogin von Berry haben se in Augenschein ge nommen und dem Genie des Künstlers Gerechtigkeit widerfahren laßen; sie wird auf dem Plaße des Victoires aufgestellt, an der nämlichen Stelle wo bis zu dem Jahre 1792 die Stätüe desselben Monarchen zu Fuß stand, welche bekanntlih durch die revolutid- naire Wuth zertrümmert wurde.

Hr. Hyde Neuville, der fich “auf dém Transport-Stchiffe le Tarn zu Rochefort, eingeschift hatte, um als Gesändter nah Brasilien zu gehèn, ist wegen großer Beschädigung am Steuer-Ruder des Schiffes, gendthigt worden in den Hafen von Brest einzulaufen, ünd wird erst nah Wiederherstellung dès Tarn in Sée gehen. ; :

Neulich präsidirte der Herzog von Talleyrand? Perigord bei der ersten“ Versammlung der fkreirten

einem frühere

Blatte, daß der berühmte Gelehrte Güizäl der seik j ungestôrte Anhänglichkeit versichern, hat die Königin,

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Kommißion zur Acquisition bord. :

Bordeaux, 1. Dec. Die natürlichen Blattern haben hier dergestalt überhand genommen, daß der Präfekt sih zu durchgreifenden Sicherheits - Maas- regeln gegen diè weitere Verbreitung genöthigt gese- hen hat. Alle nicht geimpfte Kinder werden danach von dem Besuche der öffentliHen Schulen so lange ausgeschloßen, bis der Nachweis der geschehenen Vac- cination geführt ist; auch diejenigen Eltern die aus öffentlichen Fonds Unterstüßung empfangen, sind, wenn sie solche niht verlieren wöllen, gehalten ihren Kindern die Schuß-Blattern einimpfen zu laßen. -— Die 102jährige Wittwe Labrone, starb an den Folgen eines Falles, und fand sich bis zur lebten Stunde im Besiß aller Körper- und Seelen-Kräfte.

Rennes, 2. Dec. Vor dem hiesigen Assisen-

ofe ward der seit 20 Jahren als Prediger fungirende Durocher Saint-Aulaire, wegen Ausfertigung falscher Dokumente, durch die er sich in den Besiß des Pre- diger-Amtes und einer Pension geseßt hatte, zu 10 jähriger Zwang-Arbeit verurtheilt.

Strasburg, zo. Nov. Durch die vom Gene- ral-Lieutenant Hatrel eingeleitete neue Organisation der zten Militair-Division, fällt ein amhafter Theil der Offiziere in die Reform. Dieses Schicksal hat auch die Oberstèn der Legionen von der Mosel und vom Doubs getroffen; désgleihen eine Zahl von Hauptleuten, Lieutenants u. st. w.- Alle diese Ofizie- re werden mit unbeschränkftem Urlaub, in ihre Heimat zurückgeschickt, wo sie einstweilen die Hälfte ihres bis- herigèn Gehaltes genießen.

London. Die Zeitung, the Times, widerspricht dem Gerüchte, daß die Königin sih in der Nähe von Paris angekauft habe, und versichert, daß sie in Eng- land lebenslang zu residiren gedenkez auch sey die Nachricht, dáß Bergami nach London komme, dürchaus falsch. Während bei des Königes Majestät von ‘meh- ren Orten Adrèßgen eingehen, welche dem Monarchen

der Domaine Cham-

außer den vielen Adreßen, die ihr von den ihr zuge- thanen Ortschaften überreicht worden, aus Shrews- bury ein delikates Stück -Pôkel - Fleisch erhalten, und die Versicherung, daß diesem zu Weihnachten ein 70 Pfund s{chwerer Plum - Pudding, und eine Christ- Stolle von 35 Pfd. nachfolgen sollen. Bei Erdöfnung des Parlamentes, wird, heißt es, der Königin ein Pallast samt Jahrgehalt angewiesen werden. Am 4. fand die Vermählung des Grafen Errol, Lord Con- netable und Marschals von Schottland, mit der drit- ten Tochter des Herzogs von Clarence K. H. statt. Unter den gestern mit dem Strange bestraften séhs Wechsel: Verfälschern befand sich auch der vor- malige Kapitain Harnett, der sih, bei einem Ein- fommen von 1500 Pfd. Sterling, diesem ehrlosen Ge-

werbe hingegeben hatte.

Brüßel, 7. Dec. Man will behaupten, daß die Neger zu Tabago revoltirt und sich in den Besiß zweier Fesiangen geseßt hätten. Jhre Anzahl ist zu der der Weißen, in dem Verhältniße wie 15 zu 1. Zu Chili wird eine Expedition nah Peru ausgerüstet, be- stehend aus 9 Kriegs- und 20 Tansport-Schiffen, mit einer Besaßung von 6000 Mann unter San-Martins Befehlen. Gestern ward hier mit den üblichen Feierlichkeiten der Geburts-Tag Sr. K. H. des Prin- zen von Oranien festlich begangen. Eine Virtel-

Stunde von Fleßingen fand man amUfer cine Scha-

luppe, worin 2 Leichname waren; sie führte die Jn-

{rift Martha Lecosa Fontonberg 18g20., was die

N icennns des Schiffes dieses Namens vermuthen t.

Die Preisé des Brabanter Linnen und Flach- sés sind in Folge des. Span Einfuhr - Verbotes sehr gefallen. Es heißt, daß bei der für un- sre Linnen-Fabrifkation gar zu nachtheiligen Rückwir- füng dieses Verbotes, wegen deßen Wiederaufhebung Versuche gemacht werden sollen.

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Karlsruhe, 6. Dee. Heute morgens. 5 Uhr sind J. Königl. Hoh. die Frau Markgräfin Leopold glücklich von einer Prinzeßin entbunden worden.

Kaßel. - Se. K. Hoh. Kurfürst haben die bei- den Prinzen Georg und Friedrich vou Anhalt-Deßau, zu Großfreuß8en des Ordens - vom Goldenen Löwen, und den K. Sächsischen Major von Aster zum Komi- mandeur 2ter Klaße ernannt.

Aus dem Würtemberg sc{chen, im Dec. Unsere Stände-Versammluug hat am 1. d. M., nach der Ver- tagung vom v0. Juni, ihre Thätigkeit in der 78sten Sißung auf neue, aber nur in der 2. Kammer be- gonnen; die 1. Kammer fonnte bisher nicht zusam- men treten, weil die verfaßungsmäßige Anzahl der Mitglieder sich noch nicht eingefunden hat. Der gegenwärtige Land-Tag wird in Beziehung auf die Ver- wirklichung der Verfaßungs-Bestimmungen viel Merk- würdiges darstellen, so wie in Beziehung auf die in- nere Staats-Verwaltung Würtembergs viel Heilsames bewirfen; daher verdient sowol die Art wie wir dié Verhandlungen gepflogen werden B als ihre Ré- sultate die größte Beachtung der Zeit-Genoßen.

Stuttgart. Beschlúße der gz. Sibung 1. Ver- beßerungs - Vorschläge werden in der Regel vor der Haupt-Frage zur Abstimmung gebracht. 2. Enthält ein Geseß - Ertrourf oder irgend ein Antrag mehr Punkte, worüber besonders abgestimmt wurde, ‘so muß, nach der Abstimmung Über die einzelnen Punkté, noch úber das Ganze abgestimmt werden. 5. Wenñ der Prôsident an einer Debatte Antheil nehmen will, so verläßt er den Präsidenten-Stuhl, und kann den- selben hinsihtlich der Verhandlung über diesen Gée- genstand so lange nicht wieder einnehmen, bis diè Sache definitiv erledigt ist. j

Rom, 14. Nov. Gen. Guil. Pepè, an der Spike von 27,000 Mann hat von Teramo aus, det hiesigen Behörden angezeigt, daß sie wegen seines Vorrúckens an die Gränze des Päpstlichen Gébietes, feinen Besorgnißen Raum geben. möchten. “Dies scheint auch Mer nicht der Fall zu seyn, deni ès fom- men fast täglich Fremde von Range an, die hier eine Zeit lang zu verweilen gedenken ; unter den eben eiti- getroffenen befinden sich Fürsc Wolkonsfi und Lord Tal- bot; der Minister Freiherr von Stein wird erwartet. Dem Kronprinzen v. Baiern scheint unsere milde Luft séhr zuträglich zu seyn. Am 8. v. M., riß dér Blib, der in die Kirche St. Giovanni im Lateran einschlúg von der Statue des heil. Gregor, welche die Verdach- ung verziert, Kopf und Krone herunter.

Neapel, 24 Nov. Eine Abtheilung dèr Ar- mee, welche nach den Abruzzo’s bestimmt ist, hat sich dahin bereits in Marsch geseßt. Jn wenig Tagen werden ‘andere 30,000 Mann, von dem Prinzèn Reichsverweser gemustert, gleichfalls nah dèn Grän- zen aufbrechen. Der Prinz- Reichsverweser hät unterm 18. d. erflärt, im Falle eines feindlichen An- griffes sih in Person an die Spike der Armeé stellen zu wollen. Sowol Juländer als Fremde, wenn sie mit Pâßen versehen sind, die vom 20. Séept. an votn Fürsten Castelcicala, als Neapolitanischem Gesandten zu Paris, oder von anderen von unserer Regierung nicht mehr anerkannten Gesandten und Konsuln u- terzeichnet wurden, sollen niht über die Gränze ge- laßen werden. Unser Parlament besteht dermalen aus 1 Kardinal, 19 Priestern, 1x Eigenthümern, 12 Magistrats-Personen, 12 Advokaten, 8 Militäirs, 6 Perjonen vom hohen Adel, 6 Aerzten, 4 Beamten, 2 Pehnsionirten und 2 Kaufleuten. -- Die außerot- dentlihe Spezial - Kommißion zu Bologna hakt zwei aus Sonnino gebúrtige Jndividuen, welche begna- digt ‘und nach Ferrara verwiesen waren, zum Tode verurtheilt, weil sie sih neuerdings des Straßen- Raubes schuldig gemacht hatteù, indem sie den Wagen des Marquis Marescoti ansielen, und dabei durch einen Flintenshuß deßen Tochter tödtetet.

** Die General - Jnspektion der Landwehr und der Legionen hat verordnet, daß die zu er-