1919 / 134 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

J

Bei der Reichszentrale der Arbeitsnahwe ise | Berlin (Kurfürstenstr. 75) ist eine „Abteilung für aus- \cheidende Militärpersonen“ zur Unterbringung_ ehe- maliger. Angehöriger des Heeres und der Marine (Offiziere, Beamte und Unteroffiziere) gebildet worden. Jhre Aufgabe ist, die in Frage stehenden Personen wn Möglichkeit geeigneten Zivilberufen zuzuführen. Nach dein allgemeinen für die Reich2- entrale der Arbeitsnahweise geltenden Grundsaß befaßt sich diese Abteilung nicht selbst mit der Stellenvermittlung im einzelnen, sondern ¡hat zur Aufgabe, die bestehenden Einrich- tungen für Arbeitsnachweis und Berufsberatung in geeigneter Meise zusamtmenzufassen, nötigenfalls weiter auszubauen und dem genännten Zweck nußbar zu machen.

Am 14. Juni hat in Berlin die er ste Vollver sam m- lung der zahlrei aus allen Teilen des Neichs erschienenen Beiratsmitglieder des Reichswanderung2amts stalt- gefunden. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten, ine- resondere der Bildung von Ausschüssen, wurden, wie „Wolffs Telegraphenbüro“ berichtet, die Richilinien für die Auskunst- erteilurg und Beratung der Auswanderungse lustigen eingehend besprochen und klargestellt. Sodann beschäftigte sich der Bei- rat mit den zur Bekämpfung ungeregelter Werbetätigkeit durch Auskuvfteien, Stellenvermittler, Siedlungsgesellschaften Und Auswandererzeitschristen erforderlihen Maßnahmen. Eine wesentliche Verschärfung der jeßigen Bestimmungen gelegentlich der s{hwebenden Neubearbeitung des Au8wanderungsgeseßzes wurde allgemein für erforderlich gehalten.

Nach einer im Reichsversicherungsamt gefertigten Zu- can der NRentenz ulagen sind dur die Post und die Sonderanstaltea gezahlt ‘worden im Monat Januar 1919 als Zulagen zu Jnvalidenrenten (monatlich 8 M) 7 435 864 46, zu Krankenrenten (monatlich 8 6) 646 912 M, zu Altersrenten (monatlih 8 M) 1375 808 16, zu Witwen- renten (monatli<h 4 M) 273796 4, zu Witwenfkrankenrenten (monatlich 4 M) 10 212 H, zusammen 9 742 592 M.

Die Oberpostdirekltion Mey und die Pension é kasse der Reichseisenbahnen in Straßburg i. E. haben keine Mitteilungen über die im Monat Januar 1919 gezahlten Rentenzulagen

eingesandt.

Statistik und Volkswirtschaft.

Zur Arbeiterbewegung. :

Seit etwa vierzehn Tagen schwebten zwischen dem Verein der Berliner Buchdru>kereibesiger und der Organi- sation der Buch- und Steindru>ereihilfsarbeiter Verhandlungen wegen Lohnzulagen. Da sie zu keinem Ergebnis führten, traten die t-<üischen pilfsarbeiter am Freitag in den A u s- itand. Die Hilfsarbéiter hatten ursprünglich die Forderung gestellt, daß jedem männlichen Angestellten ebenso wie dem Buchdruckergehilfen cine wöhhentlihe Zulage von 20 f gezahlt werden solle. Weiterhin wurde eine Urlaubsregelung der Hilfsarbeiter in der Weise verlangt, daß na< 9 monatlicher Tätigkeit den männlihen und“ weiblichen Arbeitern d Tage Urlaub bewilligt werden sollten. Der jährliche Urlaub sollte um einen Tag bis zur Höchstgrenze von 15 Tagen gestei ert werden. Fim Laufe der Verhandlungen erklärten sich die Arbeitnehmer bereit, Zulagen von 10 6 an männliche, 6 # an weibliche und 4 „4 an jugendlihe Arbeiter unter 18 Jahren rücwirtend ab 5. Mai, ferner dieselben Ferien wie für die Gehilfen, zu bewilligen. Darauf ertlärten die Vertreter der Hilfsarbeiter fich nicht einlassen zu fönnen, sondern verlangten folgende Zulagen : Für männliche Angestellte | 12 4, für Frauen 9 #4 und für Jugendliche 6 6. (Sine Einigung anf dier Grundlage war m<t zu_ erzielen. Da von den Arbeitgebern beschlossen worden war, 1m Falle einer Arbeitsniedexlegung “eiter8 der Arbeiter, das Arbeitsverhältnis zu lösen, erfolgte die Entlassung der Hl lfsarbeiter, die ih ohne Störungen vollzog. Der , Neichs- und Staats- anzeiger“ war gleich der Mehrzahl der Berliner Zeitungen infolge des Ausstandes vom Sonnabend bis zum gestrigen Dienstag am Ektscheinen verhindert. (Srst gestern,abent ist eine WVer- ständigung « erzielt worden, die ein Wiedererschelnen des Blattes er- möglicht.

Das Gesamtpersonal des Deutschea Opern- bausestin Charlottenburg ist, wie hiesige Blätter melden, am Sonnabend in den Ausstand eingetreten, um die Abseßung des ihnea mißliebigen Verwaitungsdirettors Neumann: Hofer zu er- zwingen. i

In Magdeburg sind, wie „W. T. B.“ meldet, infolge Loh nausjtands der Heizer alle dortigen Großbetxiebe still- gelegt worden. Auch die Metallarbeiter beabsichtigen, in den Yusstand einzutreten.

lleber ejne A usstandsbewegung in Oberschlesien teilt, einex“ Nachricht des „W. T. B.“ aus Kattowiß zufolge, die Presfestelle des Staatskommissariats mit, daß im PDlesser Bezirk die Belegschaft einer Anzahl Gruben in den Ausstand getreten ist. Bet allen Aussländen spielt die Þpol- nishe Agitation, die im Kreise Pleß besonders stark ist, eine große Nolle. Bei einem Aussiand der „Gott mit uns- Grube" wird als Grund Einspruch gegen Haussuchungen des Grenz- \huzes na< Waffen angegeben , bei anderen Gruben Einspruch gegen die Verhaftung von Mitgliedern des Sokol-Véêtreins durch den Grenzshuz. Wegen Lohnforderungen ist ferner noch die „Deut | hs» land-Grube" bei S<hwientochlowiy ausftändig.

Nah einer von „W. T. B.“ überimittelten Meldung des „Tele - graaf“ aus London wurdé in einer Konferenz von Arbeitern und Arbeitgebern des Baugewerbes die Cintührung der 44 Stundenwoche mit Beibehaltung der jeßigen Löhne be- \hlossen. „Nieuwe Courant“ meldet, daß in der britischen Ma|ichinen- und Schhiffbauindustrie ein großer Aus- stand droht, bei dem zwei Millionen Arbeiter in Betracht kommen würden.

Laut einer von „W. T. B.“ übermittelten Havasmeldung aus Marseille ist am Montag ein Ausstand der Bergärbeiter 1m Gardonnebe>den zum Allgemeinausstand geworden. Im Cormourxgebiet sowie in St. Etienne und Umgebung haben die Bergleute am Sonntag beschlossen, die Arbeit niederzulegen.

Einer von „W. T. B.“ wiedergegebenen Meldung des „Telegraaaf" aus Brüssel zufolge veranstaltete die sozialistische Partei am Sonntag vormittag in allen großen Städten Belgievs zu- gunsten des UWGlskundentages und von Mindestlöhnén Kundgebungen, dieruhia verlaufen sind. So wurden im Brüsseler Boikshaus Kongresse der Metallarbeiter und der Holzarbeiter ab- gehalten, die sih beide einstimm1g für diese Forderungen entschieden. Der Kongreß ‘der Metallarbeiter beschäftigte sih außerdem mit der Möglichkeit einèr allgemeinen Bewegung zur Soztalisierung der Produktionsmitiel und zollte ihr Beifall. G

Wie „W. T. B." erfährt, meldet „Daily Mail“ aus To- ronto, daßdie Arbeiter in den Eisenbahnwerkstätten die Weisung ¿rbiistèn haben, am beutigen Mittwoch in den Ausstand u tretén. ‘Es handelt sih um 30 000 Arbeiter in ganz Kanada.

Kunft und Wissenschaft. Ausstellung der Freien Sezeîs

guten Durchschnitt.

Kräfte ragen Liebermann und Schmit

Kultur der Farbe verraten die drei Gemälde von Von

{hon sehr dem Kunstgewerblichen. Reiz sind die Blumen in der Vase von

Stil durchringen konnte. eine große eigene Begabung hervor. Auch bet Purrm

Kolioristisch

sehr entgegenkommenden Arbeiten von Pascin.

Reihe gut komponierter Zeichnungen.

ißenden Frauen ist der NRückenakt re<t gut in der be Bein! altung der re<hten Figur unklar bleibt Nottluff hätte vielleiht einen stärkeren Begri artigen Persönlichkeit gegeben, wenn er eine Auswa gestellten Werke gezeigt hätte. gleichen fünstlerishen Höhe.

haben das Gefühl, vor einem ehrli<h ringenden Me das Gesuchte und künstlih Beabsichtigte in Anlehnung

und Felix Müller zeigen, daß man dort noch heiten der modernen Kunst dur<zumachen hat.

zur rechten Geltung. 1 bru> eine größere Anzahl seinex Werke wundern nochmals den feinempfindenden Künsiller. fernec ein Frauenporträt von Milly Steeger au die große stehende Gestalt derselben Künstlerin leicht

Literatur.

Entente darstellt. t deutli hervor in der Freytags

St. Germain im Maßstabe von 1 : 1500 000, 40 :

in Potsdam ein Büchlein ersheinen lassen, das

enthält. Die Herausgeberin

teristishen Formen fkennzeichnet. Die Zarthe

Textes der Märchen bildet. rungszuschlag.

Au na dem Ausscheiden der Novembergruppe verb der freien Sezession wes Ha große Zahl ae P

t in dieser Ausstellung nur wenige Werke Uber elner A A Als die beiden hervorragendsten künstlerischen

hervor. Besonders mit der in Zeichnung und Farbe gut gegebenen Landschaft am Wannsee zeigt Liebermann seine alte Meisterschaft, während dem Geiger etwas die innere Kraft mangelt. Eine große

bner und Friß Rhein waren dagegen {on bessere Landschaften zu sehen. Das Blumenstü>k des leßteren nähert sich Von etwas größerem farbigen Bondy, wenn anO Grinnerungen an französishe Arbeiten stark anstanden. Ito tartker an französishe Künstler und van Goghs Technik besonders lehnen sich die Werke Theo vonBro>khufens an. Es ift bedauerlich, das das künstlerische Seen nes e E een

¡äh unterbro<hen wurde, bevor er f<* zu etnem jelbllandtgeren Ll ut e Denn aus manchen Werken leuchtet do

troß mancher Anlehnungen die stark ringende Per) önlichkeit heraus. ; fein empfunden ist sein „Interieur von 1917“. Gut entbehrlih wären die dem Geschma>k gewisser Kreise in Berlin W.

Auf der Grenze zwischen den den reinen Cindru>k eines Tôrper- lien Schauens wiedergebenden Künstlern und den nah stärkerem

i Ausdru> ringenden Modernen steht Barlach mit einer inneren Ausdru> ring N Do Müller

ist die äußere Form no<h bestimmend für den Eindru>. Bei seinen . S < mitt-

hl der jeßt aus-

Nicht alle Bilder sind auf der Besonders in seinen Holzschnitten \püren wir das Streben nah einem neuen Formausdru>. Wir

während bei vielen Mitläufern, besonders im ersten Ausstellungssaal,

re<t unerfreulih zu Tage tritt. Die Gäste aus Dreéden wie Dir

Die Plastiken kommen wegen ihrer shle<ten Aufstellung nicht Wir finden zum Gedächtnis an Lehm - vereint

Das Ende Deutschösterreihs niht mehr und nicht weniger bedeutet ter Gewaltfrieden, wie er si< nah dem erften Entwurfe der Der verstümmelte Rumpf des S <en Karte von Deuts} ch-

¿sterreti< na<h dem ersten Enlwurf der Friedensbedingungen von

die Kartogr. Anstalt G. Freytag & Berndt, Wien VII, Schotten- feldgasse 62, nah Bekanntgabe der Grenzen in mehrfarbiger Aus- führung zum Preise von 2 4, mit Porto 2,05 4, herausgegeben haï.

CGya Smidt, die dur< ihre ansprecenden Scheren- schnitte hon in weiteren Kreisen bekannt ist, hat im Stiftungéveriag

Märchen (na< Grimm, Andersen, Kopisch) mit 33 Schattenrissen thal | hat au<h in tiesen Bil1dchen thr beahtenswertes Talent bewährt, das sich in anmutigen, arak-

und die sorgfältige Ausführung der Ginzelheiten verliert sich nirgends ins Gezierte und Gefünstelte, so daß dieser Bild\chmu> eine durchaus angemessene und dankenswerte Ergänzung und Bereicherung des Das Büchlein kann angelegentlich empfohlen werden ; sein Preis beträgt 2,90 f und 10 vH Teue-

ion. verblieb

t-Nottluff

Großmann.

ann fühlt man

Form, während

seiner eigen-

nschen zu stehen, oft an Pechístein

die Kinderkrank-

und be- Necht gut ift fgefaßt, während geziert erscheint. W. F. V.

taatsgebiets tritt

55 ecm groß, die

sieben deutsche

it der Linien

maßregeln.

Gesundheitswesen, Tierkraukheiten und UAbsperrungs-

Nachweisung üher den Stand von Viehseuchen U Deutsh-Österreih am 4. Juni 1919. (Auszug aus den amtlichen Wochenausweisen.)

hüten, bat si die Postverwaltung geuötigt gesehen, die Annabme von Wertpaketen von Privaßpersonen nah Berlin bis eins<ließli<h 21. Juni zu \perren. Ausgenommen von der Sperre sind Wertpakete, die bares Geld oder Wertpapiere, Urkunden, Gold, Silber, Cdelsteine oder daraus gefertigte Gegcnstänte enthalten.

Theater und Musfik.

Theater in der Königgräßer Straße. , „Der Häuptling“ betitelt si< ein dreiaktiges Satirspiel von Paul Apel, das als Sommergabe im T eater in der M öniggräßer Straße in voriger Woche zum ersten Male mit gutem ASrfolge aufgeführt wurde. Der Wille zur Satire tritt darin nicht allzu kräftig hervor, es überwiegt vielmebr die Absict, erheiternd und unter- haltend zu-wirken. Held des Stückes ist ein Schriftsteller, der sich mit seinen ernsten Stücken auf der Bühne niht dur<hseyen kann, der aber sofort das Publikum auf seiner Seite hat, als er einen albernen Schwank schreibt. Entscbuldigt wird er für diese Selbsterniedrigung mit der Sorge um Weib und Kind, die er vom Ertrage seiner Feder zu er- nähren hat. Im übrigen arbeitet das Stück mit bewährten Typen aus älteren Schwänken und Wigblättern, als da sind: der Schwiegervater des Schriftstellers, ein verknöcherter, pedan- tisher Oberlehrer, ein Gymnasiast, der zum Tbeater gehen will und in den Estasen seines Rollenstudiums für einen Irr- sinnigen gehalten wird, eine neugierig-autdringliche Zimmerwirtin, ein jüdelnder Verleger, und selbstverständlich fehlen auch die für die Kunsi \<hwärmende junge Dame und der für sie bestimmte Liebhaber, ein junger Schauspieler, niht. Am besten unterbielten sih die Zu- schauer im dritten Akt, der während einer Theateraufführung hinter den Kulissen spielt. Eine ausgezeihnete Darstellung gab den Vor- gängen erst die re<hte Würze. Die Hauptrollen lagen in den Händen der Damen Brandt und Dier>s, der Herren Abel, Ekert, Hollmann Leopold und Schünzel.

Im Opernhause wird morgen, Donnekstag, „Hänsel und Gretel“ mit den Damen Escher, Schreber als Gast, Goeße, von Sceele-Müller und Herrn Bachmann in den Hauptrollen gegeben. An\chließend daran werden die Tanzbilder wiederholt. Musikalischer Leiter ist Dr. Karl Besl. Anfang 7 Uhr.

Im Schauspielhause wird morgen „Meine Frau, die Hofschauspielerin®“ in der bekannten Beseßung gcgeben. Spielleiter ist Aibert Patry. Anfang 7 Uhr.

Manuigfaltiges,

Magdeburg, 17. Juni. (W. T. B.) Amtlich wird gemeldet : Heute nachmittag entgleisten auf der Stre>e Blumenberg— Staßfurt von einem Güterzug die Maschine, ein Pa>wagen und drei beladene Güterwagen. Der Lokomotivführer wurde getötet, ein Zugbegleiter {wer und drei Zuabegleiter leiht ver- letzt. Die Ursache wurde no< nicht festgestellt. Der Personenverkehr wird durh Umsteigen aufreht erhalten.

Brunsbüttelkooa, 15. Iuni. (W. T. B.) In der Nordsee ift der Dampfer „Mai nz“ auf eine Mine gelaufen und verloren gegangen. Die gesamte Besaßung wude ge- rettet und von dem französischen Torpedojäger „De stin“ nah Brunsbüttel gebracht.

Stuttgart, 15. Juni. (W.T. B.) Amtlich wird gemelbvet: Am Freitag, den 13: Juni, Abends 10 Uhr, ist im Hauptbahnhof Stuttgart dem in der Abfahrt begriffenen Personenzug 1929 Stulttgart-Gmünd eine Rangierlokomotive in die Seite gefahren. Vier Wagen wurden aus dem Gleis ge- worfen. Ein Neisender wurde getötet. Die Schuld trisft das an der Nangierfahrt beteiligte Personal.

London, 15. Juni., (W. T. B.) Dem „Daily Herald“ wird aus Dover gemeldet, daß das dritteBataillon des Elite- Negiments Bla>k Wätch, tas na<h Konstantinopel eingeschifft werden sollte, meutcrte. Ein Teil der Leute drängte si< im leßten Augenbli> vor der Abreise des Schiffes über den Landungésteg ans Ufer zurü>. Die Unzufriedenen wurden in ein Nubelager bei Dover gebracht und aufgefordert, die Ursache ihrer Anfricdeneit bekannt zu geben. Die Hälfte der Mannschasten des Bataillons war in Deutichland gefangen gewesen. Cinige von ihnen waren drei- bis viermal verwundet, und die meisten Meuterer haben \<weren Kriegsdienst hinter si<. Man erwartet nah diefen NPorfall, daß keiner von früheren Kriegsgefangenen: ins Ausland ge- \{<i>t werden wird.

(Fortseßung des Nichtamilichen in der Ersten f und Zweiten Beilage.) |

Die periodische Nachweisung über den Stand ift für Ungarn seit dem 23. Juli und für Kroatie

nit eingegangen, ebenso fehlen die Angaben für reichischen Länder, Zusammen Gemeinden (Gehöfte):

Schweineseuche) 13 (15), Rotlauf der Schweine 26

2 Gemeinden und 2 Gehöften. Lungenseuche des NRindviehs und Beschälseuche sind nicht aufgetreten. Verkehrswesen.

Wertpaketsperre für Berlin.

Zeit, namentlih auh zu P e i | in Wertyaketen zu bewältigen und eine allgemeine

A Schweine Notlauf in Z e Klauen: Seine D Q S ) S S ahl der verseuten

S Länder 9

S S B E B Elf 2E 222

Dals| m 02182 B EMIE S S8 C> n S 18 D D 1 2 S GTT[ 8 191/10 1 | 1 Niederösterreih . . « 1/11 —! 1 O2 2/2 ë l——l— —l— —1 6 7 313 L i Rd Ol 2 61 8 31 9/ 10 414 ¿ E E 55 S -| 4 6 01 1 Ora. s E 1 1 0.8 612 Ÿ H 2 2 T8 s E 2 23 8 Calau 126 A S 9 | 1 Steiermark .... .|——| 1 6/1 31 —| H 2 f e a A 1023 30 ——| 129 | 1 Kürten... H 2 p A 13 | 2 E S 161 1-Tirol e 2 4 2 11 —| 18 2 " Q 10D 0 WA E E 4 5 tum: E Ee Gs 20 Voratlbed s —|—l 2 8— —l—|

dem 17. Juli 1918 in der bisherigen Ausfertigung ungarish-deuts<

Rot 8 (9), Maul- und Klauenseuhe 50 (156), Schweinepest Außerdem Pokenseuhhe der Schafe im Sperrgebiete Nr. 5 in

Um den tn leßter fingsten, eingetretenen gewaltigen Verkehr

von Viebseuchen n-Slavonien seit

die übrigen öster-

(31).

der Zuchtpferde

Theater.

Opernhaus. (Unter den Linden.) Donnerstag: 156. Dauer- bezugsvorstellung. Dienst- und Freipläße sind aufgehoben. Hänsel und Gretel. Märchenspiel in drei Bildern von Engelbert: Humpbperdin>k. Text von Adelheid Wette. Musikalische E Dr. Carl Besl Spielleitung : Hermann Bachmann. Hierauf : Tauzbilder. Musikalische Leitung: Dr. Carl Vesl. Choreographische Leitung: Alex Hoffmann. Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaus.(AmGendarmenmarkt.) Donnerst.: 168.Dauer- bezugsvorstellung. Dienst- und Freipläße sind aufgeheben. Meiue Frau, die Hofschauspielerin. Lustspiel in drei Akten von Alfred Möller und Lothar Sachs. . Spielleitung: Albert Patzy.

Anfang 7 Uhr.

Freitag: Overnhaus. 157. Dauerbezugsvorstcllung. Dienst« und Freip!äße sind aufgehoben. Der Ring des Nibelungeu. Bühnenfes\tspiel von Nichard Wagner. - Dritter Tag: Götter- dämmerung in drei Akten und einem Vorspiel von Nichard Wagner. Anfang dz Uhr.

Schauspielhaus. Freipläßze sind aufgehoben. Heimat. 4 ai Sudermann. Spielleitung :

r.

169. Dauerbezugsvorstellung. DUN und Schauspiel in vier Akten von

Albert Patry. Anfang

Verantwortlicher Schriftleiter: J. V.: Weber in Berlin.

Verantwortlich für den Anzeigenteil: Der Vorsteher der Geschäftsstelle, era o E Tee I

Verlag der Geschäftsstelle (J. V.: Reyher) in Berlin.

Dru> der Norddeutshen Buchdrulkerei und Verlagsanstalt, Berlin, Wilhelmstraße 32.

Zehn Beilagen E S (eins{ließlih Börsenbeilage). E] und Erste, Zweite, Dritte ‘Und Vierte

Sto>ung zu ver-

«‘ Zentral-Dandelsteaister-Beilate.

Erste Beilage

zum Deutschen Reichsanzeiger und Preußischen Staatsauzeiger.

M, 134.

Die Antwort der Eutente auf die deutschen Gegenvorschläge.

[Die am Montagnachmittag dem Reichsminister Grafen Brockdorsf-Nanbtyau übergebene Mantelnote hat laut Meldung des Wolffschen Telegraphenbüros folgenden Wortlaut: i

E Paris, den 16. Juni 1919.

; Herr Präsident! Die alliierten und assoziierten Mächte haben mit der ernstesten Aufmerksamkeit die Bemerkungen über die Friedens- bedingungen geprüft, welhe ihnen die deutsche Delegation hat zugeben lassen. Die deutsche Antwort protestiert gegen den Friedensrertrag, weil

er einmal im Widerspruch \tehen soll mit den Bedingungen, wel>e die Gruidlage des Waffenstillstandes vom 11. November gebildet haben, und ‘weil er ferner ein Gewaltfriede und nit ein Nechtsfriede sein joll. Der Protest der deutschen Delegation beweist, daß dicie die Lage verkennt, in der si<h Deutschland heute befindet. Die deutshe Dele- gation scheint zu meinen, daß Deutschland nur „einige Opfer zu dringen hat, um den Frieden zu erlangen“, als wenn dieser Friede einzig und allein der Abschluß eines Kampfes um den Gewinn von Cerritorien und Macht wäre. Infolgedessen halten es die alliierten und assogiierten Mächte für notwendig, ihre Antwort mit ciner ge- näauen Darlegung ihres Urteils über den Krieg zu beginnen, eines Urteils, wel>es tatsäblih das der Gesamtheit der zivilisierten Welt ist.

I. Nah der Meinung der alliierten und assoziierten Mächte ist der Krieg, der am 1. August 1914. ausgebrochen ist, das größte Ver- brechen gegen die Menschheit und die Freiheit der Völker gewesen, welches 1e eine Nation, die si als eine zivilisierte betrachtet, be- wußt unternommen hat. Während langer Jahre haben die Macht- haber Deutschlands, der preußis(hen - Tradition getreu, ihre Anstren- Ungen vervielfaht, um sih in Europa die Hegemonie zu sikern. Sie haben sih keineswegs mit der Wohlfahrt und dem wachsenden Ein- ¡luß begnügt, welden Deutschland mit Recht für sih beanspruchen onnte und welchen alle anderen Nationen gewillt waren, ihm in der Gssellschaft freier und glei<hbere<tigter Völker zuzueukennen. Sie haben sih in die Lage verseßen wollen, ein gekne<tetes Curopa ebenso zu beberrswen und zu tyrannisieren, wie sie ein geknehtetes Deutsh- land beherrs{t und tyrannisiert haben. Um ihr Ziel zw erreichen, haben sie mit allen in ihrer Macht stehenden Mitteln die Sinnes- richtung ibrer Untertanen zu der Doktrin. erzogen, daß in den inter- nationalen Anaelegenheiten Macht Necht 1st. Sie haben niemals auf- achórt, die Rüstungen Deutslands zu Lande und zu Wasser zu ent- micseln und die lügnerishe Behauptung zu verbreiten, daß eine folte Politik nonvendig sei, weil die Nacbarn Deutsthlands auf seinen Wohlstand und seine Macht eifersücbtig seien. Sie haben versucht, anstatt Freundschaft Feindschaft und Mißtrauen zwisGen den Nationen ¿zu säen. Sie haben ein Spionage- und Jntrigensystem entwidtelt, welches sie in den Stand gejeßt hat, innere Unruben und Mevolten hervorzurufen und sogar geheime Angriffêvorbereitungen auf dem Ter- ritorium threr Nacbarn zu treffen, um im gegebenen Augenbli sie mt mehr Sicherheit und Leichtigkeit vernichten"zu können. Sie haben Europa dur Gewaltandrobunoen in einem Zustond der Gäruna er- halten, und als sie festgestellt haben, daß ihre Nachbarn ents{lossen waren, ihren anmaßenden Vlänen Widerstand zu leisten, haben sie sich ents{lossen, ihre Verherrshaft durh Gewalt zu begründen, sobald ihre Vorbereitungen beendet waren. Sie haben einen unter- würfigen Verbündeten ermutigt, Serbien den Kriea. binnen 48 Stunden gu erflâären, dieson Krieg, dessen Ziel die (Kontrolle über den Balkan war. Sie wußten sehr wohl, daß sich derselbe nicht lofalisieren lassen und den allgemeinen Krieg entfesselnw werde. Um diesen allgemeinen Krieg doppelt sicher zu machen, haben sie ih jedem Versuche der Verständigung und der Konferenz entzogen, bis es zu spät war und det: Weltkrieg unvermeidlich geworden it, jener Weltkrieg, den sie geplant hatten und für den Deutschland allein unter den Nationen vollständig gerüstet und vorbereitet war. Die Ver- antwortlihkeit Deutscblands beschränkt sich aber nit auf diz Tat- sabe, den Kriea gewollt unt entfesselt zu haben. Deutschland it in gleicher Weise für die wilde und unmens{hlihe Art verantwortlic, in deres den Krieg geführt hat.

Wiewohl Deutschland \elt\t einer der Garanten Belaiens tvar, haben feine Machthaber die Neutralität dieses durbaus fricdli&en Volkes verleßt, nabdem sie feierli versprochen hatten, sie zu respektieren, Nicht genug damit, haben sie geflissentlih eine Reihe von Hinrichtungen und Brandstiftungen vorgenommen, einzig und allein in der Absicht, die Bevolkerung zu terrorisieren und sie dur<h ten Schre>ken ihrer Taten tirre zu machen. Die Deutsben waren es, die zuerst giftige Gase anoewandt haben, troß der * fur<tbaren Leiden, die dieselben herbei- führen mußten. Sie waren_ es, die mit ten Bombenabwürfen guf Städte und den Fernbeschießungen derseben angefängen hoben und war ohne militärischen Grund, eingig und a in in der Absicbt, die Meral ihrer Gegner dadur zu ers<üttern, daß sie Frauen und Kinder trafen. Sie waren es, die die Tauctbooot-Kampagne begannen, eine seeräuberisde Mißochtung des Völkerrechies, und so eine große Anzahl uns{<u!ldiger Passagiere und Seeleute mitten im Weltmeere, ferr von jeder Hilfe, Wind und Wellen und, \{limmer no<, den Besatzungen der Tauchboóte Ppreisaegeben, zum Tode verurteilten. Sie waren es, die mit brutaler Wildheit Tausende von Männern und Frauen gur Sfllaverei in fremde Länder wegges<leppt haben. Sie waren es, die hinsi<tlih «der Kriegsgefangenen, welche sie aemacht haben, cine ‘bar- barisde Bêhandlung, vor welcher ‘die am weniasten zivilisierten Völker zurückoeshre>t wären, zugelassen haben. Die Haltung Deutschlands ist fast ohne Beispiel, in der Geschichte der Menschheit. Die schre>lice Verantwortung, welche auf ihm lastet, läßt sh in der Tatsache zu- sammenfassen, daß wenigstens 7 Millionen Tote in Europa iw der Grde \{lummern, während mehr als 20 Millionen Lebende dur ihre Wunden und ihre Leiden Zeugen dafür sind, daß Deulschland durch den Krieg feine Leidenschaft für die Gewaltherrs>aft hat befriedigen wollen. Die alliierten und assogtierten Mächte glauben, daß sie die Schuldner? derjenigen bleiben würden, wel>e alles hingegeben haben, um die Frei- beit der Welt zu retten, wenn sie einwilligten, in diesem Kriege nicht ein Verbre>en gegen die Menschheit und aegen das Recht zu erblicken. Diese Auffassung der alliierten und assoziierten Mächte is mit voller Deutlickeit {on während des Krieges von den führenden Staats- männern dieser Mächte Deutschland dargelegt worden. Sie ist von dem Präsidenten Wilson in seiner Rede vom 6. April 1918 definiert wor- den und ausdrückl< und im einzelnen von dem deuts>en Volke als ein ten Frieden leitendes Motiv angenommen worden: „Mögen alle unsere Worte, meine Mitbürger, mögen alle unsere zukünffiaen Pläne und olle unsere Handlungen mit dieser Antwort im Einklang stehen, bis die Majestä; und die Kraft unserer vereinten Mächte den Geist dêrer dur<dringen und die brutale Kraft derer vernichten, welche, was wir lieben und ehren, verspotten und verachten. Deutschland sagt er- neut, daß die Kraft und nur kie Kraft entscheiden wird, ob Gerechtigkeit und Frioden die Anoeleaenheiten des Menschengesblec<tes sichern sollen, ob das Recht, so wie Amerika es versteht, oder die Hegemonie, \o wie Veltsc{land sie versteht, die Geschicke der Menschheit leiten soll. Da gibt es wohl für sie nur eine einzige Antwort: Die Macht, die Macht dis zum Aeußersten, die Macht bs Grenzen und- ohne Ende, die rich-

Berlin, Mittwoch, den 18. Juni

seß .der Welt mat und jede Gewaltherrs<aft zu egoistischen Zwe>ken in den Staub zwingt.“ / Die gleiche Haltung ist deutli zum Ausdru> gekommen in einer Mede des Premiermini\ters von Großbritannien vom 14. Dezember 1917: „Es gibt feine Sicherheit in irgendeinem Lande, wenn die Strafe n<t mit Gewißheit folgt. Es erxistiert kein Schuß für das Leben, für Sut und Geld in einem Staate, wo der Verbrecher mächtiger ist als das Recht. Das internationale Recht bildet keine Ausnahme, und solange man ihm niht Genugtuung gewährt hat, wird der Frieden der Welt immer jeder Nation auf Gnade und Ungnade ausgeliefert sein, der ihre Lehrmeister unaufhörlih den Glauben lehren, daß kein Verörehen \o- lange strafbar ist, als es die Größe und. die Bereicherung des Landes zum Gegenstand hat, dem jene Æhrmeister untertan sind. Jn der Welt- geschichte hat es zuweilen verbrecherisde Staaten gegeben. Wir haben in diesem Augenbli>k mit einem solchen Staate zu tun. Es wird_ immer verbreherisde Staaten geben bis zu dem Augenbli>, wo die Früchte, die ein internationales Verbrechen einbringt, zu fragwürdig sein werden, um Nußzen' zu bringen, and wo die Bestrafung eines internationalen Verbrechens zu sicher sein wird, als daß dieses Verbrechen no< An- ziehungskraft haben könnte." Dasselbe Prinzip if deutlich dargelegt worden in einer Rede des Herrn Clemenceau von 17. September 1918: „Was wollen sie (die französis<hen Soldaten), was wollen wir, wir selbst? Kämpfen ohne Unterlaß und fiegreih kämpfen bis zu der Stunde, wo der Feind begreifen wird, daß kein Kompromiß möglich ist zwischen einem solchen Verbrechen und der Gerechtigkeit. Wir suchen nur deh Frieden, und wir wollen ihn gere{t und dauerhaft, damit die künftigen (Generationen gerettet seien bon den entfeßlichen Zuständen der Vergangenheit." Desgleichen hat Herr Orlando am 3, Oktober 1918 erklärt: „Wir werden den Frieden erhalten, wenn unsére Feinde anerkennen, daß die Menschheit das Necht und die Pflicht hat, sich gegen den Fortbestand der Ursachen zu sichern, welche dieses entseß- lie Blutvergießen hervorgerufen haben und daß das Btut, das von Millionen Menschen vergossen ist, niht na< Rache \<reit, sondern die Erfüllung des hohen Ideals verlangt, für welches dieses Blut so edel- mütig vergossen ist. Selbst wenn es si um eine gerechtfertiate An- wendung des Wiedervergeltungsre<ts handeln sollte, so denkt niemand daran, Methoden brutaler Gewalt, anmäßender Herrschaft, oder Er- sti>ung der Freiheit eines Volkes anzuwenden, das heißt, eine Methode und eine Politik, we‘>e die ganze Welt gegen. die Zentralmächte auf- gebraht haben. Aber die ganze Welt wird anerkennen, daß zu Wiederherstellung den moralis{en Ordnung nicht genügt, daß derjenige, „dem ein \>ändli>des Unternehmen mißlingt, erklärt, er habe auf feinen Plan verzichtet. Die Fragen, die in ihrem Wesensinhalt selbst das friedliche Leben der Nationen berühren, müssen, wenn si? einmal gestellt sind, die Wsung finden, welche ‘die Gerechtigkeit fordert.“

Also ist die Gerechtigkeit die einzig mögliche Basis zur Be- gleihung der Rechnung dieses \hre>lihen Krieges. Gerechtigkeit ist s, was die deutsche Delegation verlangt und was na< Erklärung fer Delegation Deutschland versprochen sein foll. Gerechtigkeit soll euts{land werden. Aber es muß eine Gerechtigkeit für alle sein. Es muß Gerechtigkeit sein für die Toten, für die Verwundeten, für die Waîsen, für alle, die in Trauer sind. Damit Europa von dem preußishen Despotismus befreit werde, ist es nötig, daß Gerechtigkeit den Völkern werde, welche heute unter einer Last von Kriegsschulden zusammenbrechen, die sich auf mehr als 30 Milliarden Pfund Sterling beläuft und die fie auf sih genommen haben, um-die Freiheit zu retten. Gerechtigkeit muß den Millionen Lebewesen werden, denen deutsche Barbarei Heim, Land, Schiffe und Gut geplündert und zerstört hat. Deswegen baten die verbündeten und asscziierten Regierungen mit Nacbdru>k erklärt, daß Deutschland als Vorbedingung des Vertrages ein Werk der Wiedergutmachung bis zur äußersten Grenze seiner Leistungsfähigkeit übernehmen muß; denn die Wiedergutmachung der Schäden, die man verursacht hat, ist das Wesen der Gerechtigkeit. Aus diesem Grunde bestehen sie darauf, daß die Personen, die für den deutschen Angriff, sowie für die Akte der Barbarei und Unmenschlich- keit, die deutscherjeits die Kriegführung entehrt haben, am offen- fundigsten verantwortlich sind, einer Gerechtigkeit überliefert werden, die ihnen gegenüber bisher im eiaenen Lande nicht zur Anwendung gse- bracht worden ist. Aus diesem Grunde muß sh Deutschland auch für einige Jahre gewissen Beschränkungen und gewissen Sonderabmachungen unterwerfen.

Deutschland hat die Industrien, die Bergwerke und die

Fabriken der Länder, die thm bena>tbart sind, vernichtet. Es hat sie beineswegs 1m Verlaufe der Schlachb „zerstört, sondern mit dem wohlüberlegten Plane, seiner eigenen Industrie zu ermöglichen, die Markte jener Länder an \i< zu reißen, bevor deren Industrie sich von der Zerstörung erholen könnte, die es ihnen absichtlich beigebracht hatte. Deutschland hat scinen Nachbarn alles geraubt, was es zu verwerten oder wegzutragen vermochte. Es hat die Fahrzeuge aller Nationen auf bcher See zerstört, wo es für Passagiere und Besaßzungen keine Möglich- keit der Rettung gc. Es ist nicht mehr als gerecht, daß eine Wieder- herstellung stattfindet und daß die dergestalt mißhandelten Völker eine Zeitlang geaen den Wettbewerb einer Nation acscütt seien, deren óIndustrien intakt, ja durch die in den beseßten Gebieten gestohlenen Werkzeuge gekräftigt. sind. So hart diese Prüfungen für Deutschland sein mögen, so hat do Deutschland sie ih selbst zuzuschreiben. Irgend jemand muß für die Folgen des Krieges lerden. Wer soll leiden? Deutschland oder lediglih dié Völker, denen Deutschland Ucbles zugefügt hat? Wenn man nicht allen denen Gerechtigkeit wider- fabren ließe, die Arspruh auf Gerechtigkeit haben, \so hieße das, die Welt neucm Unheil ausfeßen. Wenn das deutsche Volk felbst, oder eine andere Nation, davon abacbra<ht werden foll, iden Spuren Preußens zu folgen, wenn die Menschheit von der Ueberzeugung be- freit werden soll, daß jedem Staate ein Krieg um egoistisher Ziele willen erlaubt if, wenn-die überlebten Ideen der Vergangenheit über- antwortet und die Nationen ebenso wie die Einzelwesen sich unter die Herrschaft des Nechtes stellen sollen, und wenn in einer nahen Zu- kunft fogar voz Verstöndigung und Beruhigung die Nede sein soll, so wird das nur der Fall sein, nachdem diejenigen, die die Verantwortung für den Friedens\{luß tragen, den Mut gehabt haben, tarüber zu wachen, daß nicht um des einfahen Vorteils eines bequemen Friedens willen der Gerechtigkeit Gewalt angetan werde. Die deutsche Denkschrift behauptet, daß die deuts<he Nevo- [ution berü>sibtigt werden müsse und daß das deutshe Volk für die Politik seiner Lenker nicht verantwortlich sei, weil es sie der Machk entkleidet hat. Die alliierten und assorierten Mächte erkennen den wvoll- zogenen Ums{hwung an und beglü>wünschen si<h dazu. Dieser Um- \{wung eröffnet eine große Friedenshoffnung und eine Neuordnung der Zukunft Europas. ‘Aber er kann nicht die Erledigung des Krieges selbst berühren. Die, deutshe Revolution wurde hinausgeschoben, bis daß ‘die deutscher Armeen im Felde ges{lagen waren, bis daß alle Hoffnung, aus einem Eroberungskriege Vorteile zu ziehen, dahin ge- {wunden war. Während ‘des ganzen Krieges, ebenso wie vor dem Kriege, sind das deutshe Volk und seine Vertreter für den Krieg gewesen; sie haben die Kredite bewilligt, sie haben die Kriegsanleihen gezeichnet; sie haben alle Befehle ihrer Regierung befolgt, so barbarish sie auch waren, \ie haben die Nerantworilt

] H 1 ichkeit für die/ Politik ihrer- Negierung geteilt; denn wenn sie oewollt hätten, so hätten sie sie jeden Augenbli> stür>n können. Wenn jene Politik der deutschen Regierung Erfolg gehabt hätte, so würde das deutsche Volk sie mit eben solcher Begeisterung begrüßt haben, wie es den Kriegzausbruch begrüßt hat. Das deutsche Volk kann also nicht verlangen, daß, weil es, nachdem der Krieg verloren war, seine Lenker gewechselt hat, die

tende und triumphierende Macht des Rechts, die das Recht zum Ge:

Gerechtigkeit es evlaube, daß es den Folgen seiner Kriegstaten entgehe,

: 1919.

————

_TI, Die alliierten und assoziierten Mächte glauben also, daß: der Friede, den sie vorgeshlagen haben, von Grund auf ein Fräede der Gerechtigkeit ist; sie sind niht minder gewiß, daß es ein RNechtsfriede ist, entsprehend dem Grundsaß, die unterdrückten Völker zu befreiew und die nationalen Grenzen soweit wië mögli entsprehend dem -Willen der interessierten Völker zu ziehen und dabei gleichzeitig jedem Volke alle Möglichkeiten zu geben, um national und wirtschaftlih ein unabhängiges Leben zuy führen. Diese Absicht, ist niht nur in der Rede des Präsidenten Wilson im Kongreß vom 8, Januar 1918 óffentlih bekanntgegeben, sondern au „in dem arundsäßlichen Prinzipien, die in den folgenden Reden auseinander- geseßt wurden und die die angenommene Friedensbasis waren. ina Denkschrift über diese Frage ist dieser Note beigefügt.

111, In Anwendung dieser Prinzipien haben die alliierten und assoziierten_ Mächte Vorkehrungen getroffen, um Polen -als unab- bängigen Sitaat wider herzustellen, mit „einem freien und sicheren Zugang zum Meere“. Alle die „Territorien, welche von unzweifelhaft polnischer Bevölke-ung bewohnt sind“, sind Polen zuerkannt worden; alle die Territorien, welche von einer deutshen Mehrheit bewohnt sind, außer einiger isolierten Städten und einigen Kolonien, wel<e auf Éürzlih mit Gewalt expropriierten Ländern errichtet sind und mitten_in unzweifelhaft polnishen Gebieten liegen, sind Deutschland überlassen worden. Ueberall, wo der Volkswille zweifelhaft ist, is eine Bolksabstimmung vorgesehen worden. Die Stadt Danzig wird' die Verfassung einer Freistadt erhalten. Jhre Einwohner werden autonon lein; fe werden nit unter der Herrschaft Polens sein und keinen Teib des polnischen Staates bilden. Polen wird gewisse wirtscaftlidhe Nechte in Danzig erhalten. .Die Stadt selbst ist-von Deutschland ab- getrennt worden, weil es keine andere Möglichkeit gab, um - jenen „sreten und fiheren Zugang zum Meere“ zu schaffen, welchen Deuts land abzutreten versprochen hatte. i

Die deutshen Gegenvorsbläge widersprehen vollkommen der Grundlage, die für den Friedenss{luß angenommen wurde. Sie laufen darauf hinaus, daß starke Mehrheiten von unzweifelhaft pol- nischer Bevölkerung unter der Herrschaft Deutschlands behalten wer- den. Sie ‘verweigern einen freien Zugang zum Meere einer Nation von mehr als 20 Millionen Einwohnern, deren Landsleute den ganzen na< der Küste führenden Weg entlang in der Majorität sind, um die Landverbindungen zwis<en Ost- und Westpreußen aufre<t zu er- halten, deren Verkehr sih immer in erster Linie über Meer abge- widelt hat. Diese Gegenvorschläge können daher von den alliierten und assoziierten Mächten ni<ht angenommen werden. Jedoch hat die deutsche Note eine Berichtigung gere<tfertiat, welhe au stattfinden wird. Unter Berücksihtigung der Versicherung, dh Obex - \<lesien, obaleih von einer Mehrheit Polen im Verhältnis 2 : 1 bewohnt (eine Million zweihundertfünfzigtausend gegen se<shundert- fünfzigtausend nach der deuts<en Volkszählung von 1910), deuts< bleiben will, willigen die Mächte darin ein, daß die Antwort auf die ¿Frage, ob Oberschlesien einen Teil Deutsckllands oder Polens bilden soll, dur die Abstimmung der Einwohner selbs entschieden werde. Os für das Saargebiet von den alliierten úund“assoziierten Mächten vorgeschlagene Negime soll 15 Jahre dauern. Diese Rege- lung is als Teil des allgemeinen Wiederautmahungsplanes sowie als unmittelbare und sichere, Frankreich zuerkannte Kompenfation für die -systemcatis>e Zerstörung seiner Kohlenminen des Nordens für notwendig befünden worden. Das Direktorium i nit unter die Souveränität Frankreis gestellt worden, sondern unter die Kon- trolle des Völkerbundes. Eine solche Regelung hat den Vorteil, daß sie keine Annexion bedeutet und dob Frankrei das Eigentum an den Minen zuerkennt und die wirts{aftlide Einheit des Kohlen- be>ens, welche für die Interessen der Einwohner \o notwendig ist aufre<t erbält. Nah 15 Jahren wird die Bevölkerung zusainmen- geseßten Charakters, wel&ke in der Zwischenzeit ibre lokalen Ange- [legenheiten unter der Ueberwachung und der Regierung des Völker- bundes kontrollieren Tann, volle Freiheit baben, sih zu entscheiden, ob ie die, Verbindung mit Deutschland, die Verbinbung mit Frankreich oder die Fortfebung des im Vertrage vorg-\ehenen Reginmes wünscht. Die Ländergebiete, welche man von Deutschland auf Dänemark und B elgien zu übertragen vors{lägt, rourden zum Teil gewaltsam von Preußen genommen, und keine Abtretung wird stattfinden, dis nicht das Ergebnis der Entscheidung der Einwohner ist. Diese Ent: scheidung soll mit fol<en Vorkehrungen getroffen werden, daß big éFreibeit der Abstimmung voll gewahrt wird. Swließlih find die alliierten uad asfoziierten Mächte der Meinung, doß die Eingeborenen der deutschen Kolonien sih heftig dem Gedanken widerseßèn unter die deutsche Spuveränität zurücfzufallen. Die Ueberltefetiüña den deutschen Berwaltung, die deutschen Negierungsmethoder und der Gebrau, der von den Kolonien als Basis zum Veberfall d Welthandel gemaht worden (f ach 8 di Eten E E e, gemacht worden 11t, machen es den allüerten und ass: zUrten Mächten unmöglich, viese Kolonien Deuts j “A: irten | ogli<, diese Kolonien Deutsbkand zurückzugeben oder ihm die Verantwortung, ihre Einwohner zu bilden und zu era zichen, anzuvertrauen. Deswegen glauben die alliierten und ass zuerten Mächte, daß ihrc territorialen Vorschläge mit den Friedens« grundsäben übereinstimmen, wie sie angenommen sind und. wie s e D een as O notwendig sind. Aifoluedessen

sie nit geneigt, | V Ï ebe: it Punkten, zu O orshäge, abgosehen von den angeführten

Wle Wor betreffend die 1 l i S Ene, Le veltend Dis inter nationale Regelung Ge ai n I dldandlag der territorialén Regelung s entspri “Friedensgrundlagen, \o wie fie an n, und ebenso dem in Curopa geltenden öffentli, Recht dak S „Znneren. des Kontinents liecenden Staaten dem Laufe der 1hr Terri- torium durfließenden Flüsse eutlang, einen gesicherten Zugang zitt Meere haben. Die alliierten und assoziierten Mächte metnen daß die Megelung, die sie vors>lagen, von vitaler Wichtigkeit für die freie Existenz der neuen Kontinentalstaaten ist. Dies bedeutet keine Be- einträbtigung der Necbte der übrigen UÜferstaaten. Nähme man die heute diskreditierte Doktrin an, daß jeder Staat auf Leben und Tod in einen Kampf um Vorkherrschaft gegen seine Nachbarn verstri>kt ist so bestände kein Zweifel, daß die fragliche Megelung ein Hindernis für die systematisde Erdrosselung eines Rivalen bilden könnte Aber wenn das angenommene Ideal in einer Zusammenarbeit der Nationen auf dem Wege des Handels und des [Friedens besteht, so ift die 1m Ausficht genommene Negelung natürlih und gere<t. Die Fluß kommissionen garantieren, daß dem allgemeinen Interesse Rechnung

Mie Velte elan sind E Abänderungen in der Anwen= ung dieser immungen an den ursprüngliche ä O g rsprünglichen Vorschlägen ge=

IV. Es scheint, daß die deutshe Delegation sich in einem schweren Irrtum über den Sinn der wirtschaftlichen und finan- ziellen Bedingungen befindet. Die alliierten und assoziicrten Mächte haben nicht die Absicht, Deutschland zu erwürgen und ibm den Plaß zu nehmen, der ihm im internationalen Handel zukommt. Vorausgeseßt, ‘daß es die Bedingungen des Friedensvertrages erfüllt und daß es gleicherweise die Ueberlieferungen der Angriffs- und UÜebcr« vorieilungspolitif, welche seine Methoden sowohl auf ge\>sästlihem wie auf politischem Gebiet <arakterisiert haben, aufgibt, so haben die alliierten und assoziierten Mächte die Absiht, Deutschland - eine ge re<te Behandlung zuteil werden zu lassen, sowohl hinfi4 lig tes Kaufes der Nohsteffe, wie des Verkaufs der Waren. Worbebaltlih der einstweiligen, oben erwähnten Maßnahmen, welhe im Jnteresse

der dur<h Deutschlands Handlungen verwüsteten und ge\Gwächten Nationen festgeseßt worden sind, wünschen die gllijerten und assozia