1919 / 146 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Téeater untersten Preisen 1,50 bis 3,590 6 wicder etwas (12 bis 16 vO) fallen, Cine Abgabe von ungefähr 30 vH, mie se bei etaem Ciutritisgelde von 15 6 vorgesehen ist, oder gar von uygefähr 39 vH bei einem Eintrittsgeide von 40 4 übersteigt die bicbher üblihen Säße. Gs erscheint aber unbi deoflih, Luxusau8gaben 11 dleler Hôhe zu einer befonders großen Abgabe beranzuteben.

__ Die Paus{stcuer wird, wie \hon oben gejagt, nah tem Flächenraum crhoben. Sie beirägt bei Theatcivorhiellungen, Bart:té- usw. Vorste lungen, Lidtbiltvor!'übrungen und Bollsbe- lustigungen je nah tem Flächeninhalt des Raumes, auf dem sie statt- finden, 2 bis 50 6, bet Konzerten (#3 bis 30, - Weiteres ecs- gidt sich aus dem $8 L6 des Entwurfs, Ju $ 19 ist auch eire Be- sleuetung des „Haliens“ von Sthau- und Scherzautomaten und von Musßikwericn an öfen!liken Orten und Platen oder tn Galt- und Scchankwirt\chaften usw. vorçesehen. Die Steuer richtet sich hier na< der Löbe des Anschaffungspreises des betreffenden Apparates, und ¿war siebt die Staffelung ais niedrigsten Say 025 6 für j:den angefangezen Belrieb8monat (oei einem Unschafungêvreis von 50 M) und 7 6 (bei einem An)cbaffung8preis von mehr als 4000 é) vor.

Ver voraussihtlihe Ertrag der Bergnügungésteuer 111 nur fäwer zu säen, zumal da erhofit wird, daß die Bergnügungtlust durch fie eine Veirirgerung erfährt. Immerhin mog man mindestens N it eie fuftommcn von €60 Millionen Mark rechnen, movon dem Jed 30 Millionen Maik bleiben würden.

Ueber die Verwendung tes auderen Teiis trift die Landes- rezicrurg Vesilmmmung. Es ist dabei in eister Unie an die ete weiunz an die Gemeirden (Gemetndeverbände) gedacht, datnit die Schädigung ihrer Finauzen durch den Enmgrift des Reichs in ein m we)entuicen iben bisher vorbebaltenes Gibiet ausgeglichen werde. Die Bundeêregierungen werden daher an die Gemcinden den größzien Tel der Hâ! fte des Verg ünungtsteu?rertrages abg-ben. Den Bundet- ita2!en bleibt aber die Vis lichteit, cinen Teil für sich zutückzubeha!ten, un Au: fill? zu deken, die ihnen dich den Fortfall voa Laudes- fieuern auf Lustvarkeiten entslehen. Mit G netmigung ter LUnte-- repierunz fônreu die Gemeindea und Eemetudeverbände jür ci, cne Necuung Zwch1äg? zur Steuer erheben.

Bemerkt sei |{ließli< no<, daß der Entwurf enes Vergaügungt- steuergeseßes eine Erhöhung des Zolls für entwidelt e #tlme zur Vortührung beweglicher Lichtbilder (Kinofiline) von 200 # auf 1500 46 für 1 dz versieht. G8 soll damit die nidt jellea aus Sensattontfilmen bejtebende Etrf hr im Boltötrnteresse erl{<wert werden, Zum gleichen Zweek: wnd die zcllircie Zu- lassung entw'>-lter File zum vorübe-gebend-n Gebrau im Zu!and ausgehoben.

Statistik und Volkswirts<aft,

Dur Arbeiterbewegung.

Der Auéstand der Berliner Eisenbahnbeamten und „arbeiter daveri rc< fort; der Stadtbahn-, Ningbahn- und Vorortverketr ist vollständig eingestellt. Aus diesem Anlaß hat der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten geitern eine Bekanntmachung erlassen, die nah einer Meldung von „W. T. B.“ wie folgt lautet :

„Den Wünschen der Eisenbahner folgend, stellt die Negierung wertvolle Auék”andslebensmittel zu bedeutend berabgeseßten Preiscn zur Verfügung, die cinen Aufwand von 1} Milliarden erfordern und dem gesamten Volke zugute kommen. Damit hat sie das Aeußerste getan, was ra< Lage der Staatéfinarzen möglich ist. Sie wird aber au weiterhin ihrem Perfonal zu helfen bemüht bleiben, so- weit die allgemeine Not des Volkes dies noch irgendwie er- laubt. Die Demokratisierung der Eisenbahnverwaltung erfelzt in voller Vebereinstimmung mit dem gescßgeberishen Vor- geben im Neiche und den Anschauungen der Landesversarmumlung. Durch die Einführung der Betriebsräte auf Grund des Neichsgeseßzes wird dem Personal ein weitgehendes Mitwtrkungsre{t etrgeräumt.

. Sämtliche Eijenbahnerorganisationen haben ausdrü>li erklärt, daß

sie den gegenwärtigen Streik nicht billigen. Auch sonst haben weite Kreife des Perfonals wiederholt bctont, daß die Arbeit wieder auf- genommen würde, sobald der Streikerlaß des Ne-dewehtnuinisteriums, durch den sie si in ibrer Atbeitsfreibeit beeinträdhtigt fühlten, auf- geboben fei. Im Vertrauen auf diese Zusicherurgen ist der Grlaß aufgehoben worden. Trotztem wird der Streit fortgeseßt. Abgesehen davon, daß die Arbeiter große Lohnausfälle erleiden, daß die streikenden Beamten kraft Gescßes ihres Diensteinkommens für die Tage der Arbeitseinstellung verlustig gehen, sind die Folgen jür die Allgemeinheit unabsehbar. Alle Zufuhr nah Berlin kommt wegen der Velriebêeinstellung auf den Bahnhöfen ins Sto>en. Gegen 9000 Waçcen allein für Berlin sind auf weiten Stre>en unterwegs zum Stilliegen gekommen. So müssen wertbolle Lebenëmiitel zugrunde gehen, Vieh muß unterwegs verhungern, Fisdsendungen müssen verderben, Der Streik würde aber au< verhirdern, daß die vorbereitete Senkung der Lebens- mittelpzcise und die Verteilung der verbilligten Nationen allscitig und rechtzeitig dur<geführt werden können. Hierdur wird nicht nur die Ernährung der Millionen-Großstadt Berlin, sondern aud) der gesamte Bolkskörper aufs s<{werste bedroht. Angesichts der furhtbaren Lage, in der sich der Staat infolge des unglüctichen AuLgargs des Krieges befindet, muß; jeßt das Wirt s@aftéleben unbedingt und mit allen Mitteln wieder in Gang gebracht werden, um das Land vor detn Zufammen- bru und die Bevölkerung vor weiterem Hunger zu bewabren. Sciweren Herzens, aber im Bewußtsein der ernsten, mir vor dem Volte ob- liegenden Verantivortung sehe id 111i daber genöôtigt, nunmehr die Ausnahme des Betriebes mit äußersten Mitteln durzzuschen. Die Beamtenschaft ist si zum allergrößten Teil {hrer Pflicht gegenüber dem Bolksganzen bcwußt und - bestrebt, gemeinsam mit zahlreichen gleidgesinnten Arbeitern den Verkehr vor dem Erliegen zu bewahren. Ale diese Kreise der Beamten und Arbeiter werten es wit mir nicht nur als notivendig, sondern geradezu als eine Erleichterung des auf ibnen lastenden feclif<en Dru>kes emvfinden, wenn id) nunmebr folgendes bestimme: Arbeiter, die nicht bis spätestens am Donnerstag, dem 3. Juli, ibren Dienst wieder aufnehmen, sind entlassen. Ebenso erhaiten Be- amte, die ni<t bis zu dem gleichen Tage ihren Dier:stt wieter auf- nchmen, ibre Entlassung na< den disziplinarischen Bestim- mungen. Für die Sicherurg dec Ardeitsfretheit ift Scrge getragen,“

Zum Ausstand der Angestellten und Arbeiter de Berliner Straßenbahnen sowie der Hoh-undUnter- grundbahn berihten die Tagcébiätter, daß die Direktien der Großen Berliner Straßenbahn gcstern bei ciner Besprechung mit eincr klein ren Kommission der Streikenven versv>t hat, tie Strei- enten zu bewegen, wenigstens die Paketbeförderun q dur die Straßenbahn fortzuseßen. Millionen Pakete sollentäglih im Auftrage ter Post dur tt: Straßenbahn befêrdert werden, die vielfa< dem Ver- dérben ausgesepte Libensmittel enthalten. Die Direlticn der Straßen- bahn giaubte also im Intercsse der Allgemeinheit zu handeln, wenn siè den Strcikenden vors{lig, die Pakt 1beförterung freizugeben. Die engere Kommij|sion der Stretkenden sagle dies auch anfärgli< zu. Nah Rücksprache mit der Havptisheitleitung wurde icdoc erklärt, daß auch die Patetbesörderung nit „genehmigt“ werden könne.

Seit heute früh ist au< tex Omnibusbetrieb in Berlin bollsiändig eingestellt. Gestern fanten Verhandlungen zwischen der Omnibusgeselliciaft und ibren Argestellten statt. Die Gesellschaft hat eine monatlicje Zulage von 60 ( bewilligt, die für zwei Monate rü>wirkend gelten und außerdem für drei Monate im voraus gezahlt werden foll, fo daß jeder Angestelite fofort in den Besitz von 300 fâme und dic Lohnerhöhung von 60 46 am 1. Oktober praftis< in Erscheinung treten würde. Die Angestellten, die npzrüngliÞh eine Wirlschaftebcihiife von 700 46 gefordert Hatten,

ermäßigten diese Forderung auf 500 .@, Dic Omnibusgesellschaft erklärte aber, auch diese Suinie nicht zahlen zu können, da fie schon seit Jahren mit Unterbilanz arbeite.

JZnfolge der Verhaftung des Geschäftsführers des „Allge - meinen Verbandes deutswher Bankbeamten“ Emonts berief diese Orgauisation, deren Angehörige nach Berichten der Tagesblätter fast aus\<{ließli sfubalterne Ange- stellte von Banken sind, für Montag eine Versammlung ein, in der die unverzügliche Freilassung des Verhafteten gefo:dert und für den Fall, daß diese nicht erfolge, ein Streik angedroht wurde. In der Oeffentlichkeit, insbesondere in den Kreisen der Bank- beamten, ist vielfa die irrige Annahme verbreitet, als ob die Verhafiuung von Emonts auf cine Tätigkeit in der wirtschaftlichen Bewegung der BVankangestellten zurü- zuführen fei. Es ist sogar die Vermutung aufzetauht, daß von der Arbeitgeberseite im Bankgewerbe auf die Bechaftung Emonls? hiu- gewirkt worden sei, und es ist daran ter [were Vorwurf geknüpft worden, als ob den Maßnahmen der Behörde dem Emonts gegenüber kazi- talistifhe Motive zu Grundelägen. Demgegenüber erklärt, wie „W.T.B berichtet, der Erste Staatsanwalt beim Landgerilt 1 in Berlin, daß die Verhaftung Emonts? mit sciner Tätigkeit in der Bankbeaaiten- bewegung niht das Geringste ¿u tun hat und die Bank- leitungen ibr vollständig ferusteher. Den Grund ter Verhaftung bildete seine anderweitige, bei der Aushebung cines Tommunistif<en Bünos festgestellte Tätigkeit im Dienste der fommunistishen Bewegung für die Ausbreitung des Bolichewismus, ‘für den Sturz der gegen- wärtigen Negierung, die Einführung der Diktatur des Proletariaits und die Aufreizung der Massen zur Weltrevolution. Da tiese Tätigkeit den Tatbestaund verschiedener ftrafbarer Handlungen crfüllte, erging am 18. Juni 1919 eine Verfügung der Staatsanwalts$haft bei dem Landgericht T, an das Polizelvräsidium, in der dieses angewiesen wurde, Einonts s\cfort zu verhaften und der Siaat8- anwalischaft vorzuführen. Diese Vcrfügurg ist von der Kriminal- polizet am 39, Juni 1919 ausgeführt worden.

Der 14 tägige Ausstand in ter Magdeburger Metall- induítrie ift na< einer Meldung von „W. T. B.* für beentet erklärt worden. Am Donnerstag soll die Arbeit wieder aufgenommen werden. Die Fordcrungen der Arbeiter sind zum Teil erfüllt worden.

Nach einer von „W. T. B." übermittelten Meldung des Ainstcrdamer „Telegraaf® aus London ist die Lage in der Baumwollindustrie in Lancashire wieder bedroblih geworden. Die Spinner bleiben bei ihrer ursprünglichen Forderung einer 463 stündigen Arbeitéwcche und seßen den Streik fort. Dadurch sind auch die Weber arbeitslos geworden.

Cirer weiteren Meldung aus London zufolge hat der Nationale Verband der Seeleute und Heizer, der dem Arbeiterdrelbund angehört, eine Gntsc{lichung gefaßt, in der dcr Grundfaß, die Streikwatte zur Beeiuflussung des Parla- ments zu benußen, vcrworfen 1nd die Teilnahme an der zur Be- tâtigung dieses Gruutsates vorges>lageren Konferenz verweigert wird.

Kauft und Wifseushaft,

Die philosophis<h- historis<he Klasse der Preu- ßischen Akademie der Wissen]chaften hielt am 19. Juni unter dem Vorsiß des Hrn. Noethe eine Sizung, in der Hr. Erd - mann von den Resultaten einer Untersuchung über „Berkeleys Philofophie im Lichte seines wissenschaftlichen Tagebuhs" bert&tete. Die bisher unbea%tet gebliebenen Berichtigungen von Frasers Texten des von thm so genannten Commonplace Book von Berkeley, die Theodor Lorenz bon 19.2 gegeben bat, ebenso dessen Andeutungen über die Konstitution des Tagebuds (1905) sind von ibm 1913 privatim in dankenswerter Weise ergänzt worden. Daraufhin war €s mögli, einen im wesentlichen gesicherten Text herzustellen, aus dem Chaos ber Fraserschen Veröffentlichungen einen geordneten, deutlich fortschreitenden Gedankenzusammenhang zu gewinnen, der einer künftigen Auégabe des Tagebuds als Grundlage zu dienen hat, und die Philosophie Berkelcys, die Bedingungen ihres Ur- sprungs und ihre historise Stellung neu zu beleudten. Hr. von Harna> rei>te eine Abhandlung ein: Ueber L. Korinth. 14, 32 ff. und Nöm. 16, 25 ff. nah der éltest-n UVeberliefezrung und dcr Marcionitisen Bibel. I. Kor. 14, 52 ff. ist mit dec Marctionitischen Bibel und Ambrosiaster zu lesen: „Die Geister der Propheten find den Propheten untecwürfig; denn fie sind nicht aufsässige, sondern friedfertige Geister, wie in allen Kirden der Heiligen.“ (Also ist nicht zu lesen: „denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern tes Frieden£“.) Röm. 16, 25 ff. ift boechstwabrscheinlih eine Marcionitische, fathelis<h überarbeiteie Doxologie. Ob ihr eine Paulinische Urform zugrunde liegt, [äft 8 nicht mehr erkennen. Hr. Kuno Meyer legte ferner eine Abhandlung über den altirishen Totengott und die Toteninsel vor. C8 wird nahgewkfen, daß die Iren si eine Tel) Duinn, „Haus Donns* genannte Insel an ber Südwestküste Irlands als den Siß des Totengottes Dona vorstellten, der zuglei, wie der galiische Dis pater und der indis<e Yama, als Stammeévater galt.

Am gleichen Tage bielt au die ph y fikalish-mathematiic<he Klasse der Akadernie unter dem Vorsiz des Hrn. Plan eine Sitzung. Hr. Correns berichtete in ihrem Verlaufe über „VBererbungsversuche mit buntblättrigen Sippen, I. Capsella Bursa pastoris chlorina und albovarietilis*. Außer etner chlorins-Siype wurde bei Cs psella Bursa Pastoris aud) eirc tucißbunt gesdedte alvovarisgbilis-Gippe gefunden und seit 10 Fahren ina Sultuc gehalten. Bei ihr ist die Weit.buntheit eine mendelnde, dur eine Aulage, ein Gen, bedingte Eigenschaft. Gleich. zeitig zeigt aber die Seleftiion einen Erfolg, der nichr durch die Aus- wahl unter verschiedenen, dur Kreuzung vermis{ten Biotypen, fondern dur< elne verärderlide Erbanlage zu erflären ist. Als Ursahe wird ein Krankheitszustand ter Unlage angenommen, der s<wankend stark und ausheilbar ift.

Literatur,

„Aus der Zeit“ betitelt fih das soeben ne Maihest der Süddeutschen Monatshefte (Verlag München und Leipzig, Vierteliahrspreis fünf Mart). Daz Heft enthält u. a. folgende Beiträge: „Die Deutschen in Versailles" (z. T. na& müntlicen Bericbten) von Dr. Karl Alerder von Müller, Prof: ssor der Geschichte an der Universität Münd-cn: „Die legte Fahrt der deutshen Flotte“ von Oberleutnant z. See Frit von Twardowéki; „Was man won den Avslandsdeut schen hätte lerren fönnen“; „Dle Franzosen in Elsaß- Lothringen“ von eine elsaß-lothringisd)en Mitarbeiter; „Die Franzosen in Straßburg“, ein Tagebuch qus dem November und Dezember 1918 von Alfred Waltez- Horst: Berichte von elfäsfishen Ausgewiesenen; „Von unserem Nüczug aus Frankreich“, Tagebu<h von Dr. Max Dingler (hat den Rückzug mitgemacht) ; Bemerkungen zu NRollcnds Johann Christof von Dr. Iofef Hofmiller ; Worte bei der Beiseßung von Otto Crusius von Dr. Karl Nupp- ret; „Luthers Quellen“ von Dr. Scbastian Merkle, Professor der Kircbengeschichte an der Universität Würzburg; „Ans der Kopenhagener Beit“ von Brokdorff-Nanßau; „Zur Ent{tchung der „polnischen“ Armee Haller“ von Obersticutnant Otto Benkendorff ; „Die Berliner und die Münchener Hofcper während des Kticges“; „Der Kricg der Wissenschaft gegen Deuischlard* (entkält in Deutscland z. T. unbe- kanntcs Matertal) von Professor Dr. Gcorg Karo, erstem Sekcetär des Deutschen Ard äologischen Instituts in Athen.

ertchr2wesen.

Wegen Sto>kung im Cisenbahnyerkehr sind Pakete für Breslau von den Postanstalten vorläufig ni<t anzunehmen.

Bei der Koklonialwerktzeihenstelle des Briefpostamk in Berlin ist der Verkauf der Kolonialpostwertzeichen mit dem 28, Iuni eingestellt worden.

Mannigfaltiges.

Der Deutsche Architektentag, der am 27. Juni im Künstlerhause in Berlin tagte, gestaltete n zu einer eindru>8- vollen Kundgebung des ganzen deutschen M N Aus allen Teilen Deuts<hlands waren zahlreiche Architekten, selbständige, beamtete und angestellte erschienen, um über die Sicberung des Bestehens des ganzen Standes und über seine Mitwirkung beim wirtschafstligen Wiederaufbau unseres Vaterlandes zu bes raten. Nach Begrüßungßtansprachen des Vorsitzenden des Arbeits ausschusses Geheimen ats Prefessors Ebbardt und des Geheimen Rats Stübben namens des Berliner Architektenvereins sprach Dr.-Ing. Albert Hofmann über den Gegenstand: „Der Architekt im Leben und Gesells<haft“ und legte an der Hand werivoler, zeitgenössisher Aeußerungen dar, welche Bedeutung der Architektenstand in den vergangenen Kulturevo<en gehabt und weles Ansehen er genossen hat. Professor Peter Vehrens behandelte die Wiedererbhebung der Baukunst zu befiuuhtender Baus gemeinschaft der Künste. Er betonte die engen Beziehungen zwischen der Baukunst und den bildenden Künsten, denen ganze Zeitalter ihre hohe Blüte verdankt haben, die abcr neuerdings _zum Schaden der ganzen Kultur vollständig verlorengegangen seien. Eine Abhilfe wäre nur dur Neugestaltung des Ausbildungswesens inöglid), die cine gemeinsame Vorbereitung des Nachwuchscs und crst eine allmäh lihe Trennung der Berufe als Bauklünsiler, Maler oder Bildhauer bedinge. Der Geheime Nat Professor Bestelmeyer brate in seinen an\<ließ;enden Ausführungen wertvolle Anregungen und prakti‘he Vorschläge im einzelnen über die Erziehung des Arwitekten, die geradezu ein Pregramm darstellen. Der Architekt Paulsen behandelte sodann die Stellung des Archi- teten im Aufbau der neuen Gesells<aft und der Architel: Loß die Stellung des Architekten bei den kfommenden Bauaufgaben. Nach einer angeregien Auésprahe über die Notwendigkeit eincr Arbeitsgemeinschast aller deuten Architekten, bei der u. a. die Ausführungen des Architckten Norris-Mündhen über den Architektenrat Bayerns befonders lebhaften Beifall fanden, wurde cinhellig tolgeude Ent - \<ließung gefaßt: „Die heute versammelten deutshen Architekten, selbständige, beamtete und angestellte, {ind einbellig der Ueberzeugung, daß nur eine einheitlihe Vertretung ibres Stantes in der Lage sein wird, di°- Iatercssea der deutschen Baukünstler in dem neuen Deutsch- land erfolgreich und würdig zu vertreten und am zivirtscaft- lihen Wiederaufbau unseres WVateclandes tatiräftiae Mitarbeit zu leisten In der Cikenninis, daß ter ganze Stand zurzeit

in seine tiefsten Lebensbedingungen erschüttert ist und andererscits

gerade der Architektensiand seiner technischen und wirt s{<aftlihen Be- deutung entsprehend in erster Nelbe an den kommenten Aufgaben mitzuwirken berufen ist, gründen die heute Versammelten den Deutschen Architektentag als eine dauernde Etnrichtang und bceaustragen und bevollmächtigen ihn zur Führung und Vertretung der gesamten AÄrchi- tektenschaft*. Durch Zusaßbeschluß wurde noch die Beteiligung der elden Ve: bände an den Arbeitsausshuß des Architektentages geregelt.

Hörde, 1. Juli. (W. T. B.) Zu Unruhen, deren Ursache ie hohen Preise sür Gemüse und Obst find, kam cs heute in Hörde, wo der Wochenmarkt ab,„ehalien wurde. Die Vtenge stürmte die Stände der Händler, die Waren wurden entwendet und zum Teil zerstört. Dann ¿og die Menge zu vielen Hunderten durch die Stadt, wo sie in mehrere Geschäfte eindrang und die- Waren zu Schleuderpreisen ver- taufte. Vor dem Nathaus sammelte si eine große Merschenutenge an, an die ein Kommunistenführer eine Ansprache hielt. Die Unrukben dauern fort. Nachdem die hohen Preise von Gcmüse und Obst in der Stadtverorduetensizung von Hörde am 20. Juni zur Sprace gebra<t worden waren, setzte die Polizei Höchstpreise fest, die den Händlern nur einen verhältntsmäßtg geringen Vertienst ließen, de< konnte dies nit verhindern, daß die scit langem bestehende Grbitterung über die hohen Preise kFecuie zum Aus bruch kam.

Nr. 53 des „Zentralblatts der Bauverwaltung“ berauggegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vem 28. Jun 1919 hat folgenden Inhalt: Amtliches: Erlaß vom 27. Mai 1919, betreffend Mietwohnhäufer für Beamte und Arbeiter. ODienst- nahridten. Nichtamtliches: Petersburger Architekten zur Zeit Peters des Großen. Amerikanische te<nisde Truppen in FrankV- reich. Dampffährerverbindung zwischen Schweden und England. Vermischtes: Wettbewerbe für Entwürfe zu einem Verwaltungs- gebäude der Sparkassengirozentrale Hannover und für Arbeiten über den behördlidhen Schuy des Ingenieurtitels in Deutschland. Berufsyerein höherer Staatsbaubeamten in Preußen. Prüfun der Blißableiteranlagen. Walchenfee-Kraftwerk und Bayernwerk. Amtobezeichnungen bei der bayerischen Staatseisenbahnverwaltung. Blißschuz in Bayern. Brandunglük bei cinem Benzinlager, Schweizerische Gesellschaft sür Ansiedluna auf dem Lande, Zwelta rêderiges Ci 1sienenfahrzeug. Bücherschau.

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(Forlsetung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

Familiennachri<hten,

Verlobt: Frl: Johanna Schuster mit Hrn. Kousistoriala\sc}\sor Johannes Nedlich (Breslau). Frl. a8 voin Dina lar Hrn Leutnant d. N. Günther Sheibler (Méßleter Aue—Godes- berg a. Nh). Gräfin Helene von Bethusy-Huc mit Hrn. Rittmeister d. Nes. Hubertus Graf von Garnier (Bankau— Turawa). ;

Verehelicht: Hr. Wolf-Burgkhardt von Diebitsch mit Frl. Li Brauns (Stettin). O o E E

Gestorben: Hr. Iohann Georg von Ferber (Melz).

Veraniwortliher Sriftleiter: J. V.: W eber in Berlin,

Verantwortlich für den Anzeigenteil: Der Vorsteher der Geschäftsstelle, e<hnungsrat

engertng in Berlin. Ï e N Geschäftsstelle (Meng e ring) in Berlin. L; Fünf Beilagen 4 (eins{Tießlih Börsenbeilage) E Ey ¿ und Erste, Zweite und Dritte Zenkral-Handelsregister-Beilage, J

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Deutsche Nationalversammlung in Weimar.

t O) 43. Sigung vom 1. Juli 1919. f (Bericht von „Wolfs Telegraphenbüro“.)

Am Regierungstische der Reichsminister des Jnnern Dr. Davidu.a. N | : Präsident Fe hrenba< eröffnet die Sigzung um 3 Uhr 20 Minuten. C A Auf der Tagesordnung stehen zunächst kleine An- frage Abg. D, Mumm (D. Nat.) fragt nab der Verwendung bon Meicbésgeldern für Parteizwede, wie sie durch Pre Versendung ron roshüren und sonstigen Drucksachen dur den Werbedienst der deutschen Republif und der Zentrale für Heimat- dienst erfolgt sei. Er fragt, ob die Megierung bereit sei, dieser miß- räudllichen Propaganda endli ein Ende zu machen und mitzuteilen, wieviel Reichsgelder für \solde Zwéde verbraucht seien, sowie die f<uldigen Beamten zur Rechenschaft zu ziehen und von thnen NRück- erstattung der Béträge zu verlangen. E Geheimer Oberregierungsrat 1m Meichsministerium des Innern reiherr von Welser: [Seit Arordnung der Liquidation des evbedienstes sind nah Angabe des Leiters neue Druckaufträge nicht mehr erteilt worden. Eine Reihe von Druckaufträgen konnte aber nit mehr rüd>gängig gemaht werden. Soweit dieses ropaganda- material unbedenkli< erschien, wurde es vom Werbedien\t noch ver- handt. Seit mehreren Wehen it aber jeder Versand endgültig eingestellt worden. Die Liquidation des Werbedienstes ist nahezu abges&lossen. Die Abrechnung wird einer genauen Prüfung dur einen Sackwer- ständigen unterzogen werden. Die von der Zentrale für Heimatkdienst verbreitete Denkschrift „Der Geist der neuen Volksgemeinschaft“ ist ledigli eine Privatarbeit, die den Enimurf eines Organisationsplanes enthält und zum Meinungéaustaush angen soll. Auch aus Kreisen der politisen Richtung des Herrn Abg, Mumm ‘sind dafür der entrale für Heimatdienst zahlreide Anerkermungsschreiben zugegangen. ine Durführung des Organsationsplanes ist selbsüverständlih nab feiner Rihtung erfolgt. Irgendwelhe Geldmittel für seine Ver: wirklihung“ sind nit aufgewendet worten. j Abg. Exfkeken z C an, ob nit die Truppen- übungsþläße sowie die Bara>ken auf ihnen mit ihren Einrichkungen ‘für Ferienkolonien der Schüler, für Serienheime Erwadtsener, für Herbergen und Unterkunfts- räume der Wander- und Turnvereine verwendet werden könnten. __ DOberskleutñant van den Bergh: Die Truppenübungsplätze snd zurzeit zur Unterbringung der _MeichEwehrtruppen nötig, wahrend die: Lager zur Unterbringung der heimfkehrenden deutschen j Freiwerdende Lager werden dem

Kriegsgefangenen dienen sollen. Reichs /hasmi nisterium überwiesen, 2 Abg. * Mumm stellt die Ergänzungsfrage, ob der: Regterung békannt seijdaß die Aniwort in (Scffstem Widerspru) siehe mit derx Antwort és srüheren. Ministerpräsidenten Scheidemann, wonach der Werbedienst der - deutschen Nepublik bercits seit Februar sich jeder Propaganda * enhalten" habe, und ob die Regierung die beute nicht bie Dariele Ucone wieviel Reichsgelder verwendet seien, später in der Oeffentlichkeit beantworten wolle.

Eine Añtivort darauf erfolgt nit.

Abg. Frau Zie (U. Soz.) fragt was die Regierung zu tun gedenkt, uin die gegen zahlreide Angebörige der U. S. P. D. in

Berlin angeordnete Ueberwachung ihrer Telephonanshlüsse dur die politis Polizei, 2e eine ungeseßliche und herabwürdigende Ein- \<ränfung des Telephongeheimnisses sei, zu beseitigen.

(in Negterungsvertreter erteilt d!e Auskunft, daß das Telephongeheimnis nicht O werde. Bei Verhängung des Be- lagerungézustandes könne die Militärbehörde Anordnungen über die Aufhebung des Telephóongeheimnisses in bestimmten Fallen ergeben lassen, und sie“trage dann basür die Verantwortung. (Lebh. Hört! hért! bei den U. Soz.) ;

__ Abg. Frau Zi (U. Soz.) stellt ferner eine Anfrage über die Notlage der Unfall-, Invaliden- und Altersren t- ner infolge der Geldentwertung und der Teuerung aller Lebens- bedürfnisse“ und * wüns<{t Auskunft darüber, ob“ die Regterung eine Grhöhung der Bezüge eintreten lassen wird.

i: Ein Neégierungsvertreter verweist auf die vorliegenden peleblihen nungen, nah denen verfahren verden müsse, und Tündigt eiñtèn Zieh U über Angen an.

, AUbg. Frau Zie ß (U. Soz.) stellt endlich eine Anfrage über bie ntedrtige Unterstüßung der Frauen und Kinder der Kriegsgefangenen.

Geheimer Oberregierungsrat Fretherr von Welsæ r verweist Darauf, daß für den genannten Zwe> bisher 2 550 000! Mark auf- gewandt worden seien. Gegenwärtig sei eine Erhöhung der Bezüge nit angängig, in besonderen Fällen müßten sich die Betroffenen um Grhöhung ihrer Ünterstüßungssäße an die zuständigen Lieferungs- verbände wenden.

Aba. Frau Beh m (D. Nat.) stellt eine Anfrage darüber, Daß Kapitänleutnant von Mücke, der Führer der „Ayesha“, während eines Vortrages über seine Erlebuisse vor Scbülern imm Zirkus Schumann in Frankfurt a. M. mißbandelt und zum Abbruch seinés Vortrages gezwungen worden sei.

. Geheimer Oberregierungsrat Freiherr von Welser teilt mit, daß die Regieruna no< nicht über ausreichende Unterlagen zur Nach- prüfung des-Falles verfügt.

_ Abg. Kemp kes (D. V.) fragt nach cinem Versuch des Mit- gliedes der: Nationalversammlung Severing, Regierungskommissars im Rheinlande, die Stadtverwaltung in Oberbausea im MNheinlande zur Weiterbesoldung der dortigen Arbeiterratsmitglieder zu ingen. Der Oberbürgermeister sei in diesem KRusammenhange sogar mit der Festnahme bedroht worden.

. Geheimer Oberreoierungsrat Freiherr von Welser führt an, daß die Vestimmung über die Selbstregelung der Angelegenheit dur die neugewählten Gemeindevertretungen nit ohne eibungen dur- geführt worden se. Deshalb habe der Neichskommi sar für einen gewissen Zeitraum das bisherige Verfahren zugelassen. Das sei zwe>- méißig gewesen und werde von der Negierung gebilligt. Das Gerücht über eine Feiheitsbeshränkung des Oberbürgermeisters sei nicht ernst zu nehmen,

_ Aba. Dr. Graf zu Dohna fragt nach: der in Aussicht gestellten rei<sgesebßliwen Regelung der Haftpflicht für Aufruhr\chäden..

Geheimer Oberrégierungsrat Freiberr von Weller teilt mit, daß ein Geseßenlwurf über die dur die inneren Unruhen verursachten Schäden bereits int Staatenaus\{<uß vorliege und voraussihtli< in einigen Tagen der Nationalversammlung vorgelegt werden könne. .

Hierauf folgt der Bericht des Reichshaushaltsausschusses über die Verordnung zur Beschaffunagwvon landwirt [<haftlihemSiedlungsland.

Der Aüss{ußberi<terstatter Abg. Allefkotte (Zentr.) hat die Verordnung Zu: einem Gesehentwurf umgearbcitet, der in seinem $1 bestimmt, daß die L De flihtet sind, zur Schaffung neuer Ansiedlungen .und zur Hebung bestehender Kleinbetriede gemeinnüßig? Siedlungöunternebmungen zu bilden;

H A Fehrenbadch stellt fest, daß, nachdem die Kommission die Berordnung zu einem Gesetzentwurf umgearbeitet habe, eine Be- ratung in drei Lesungen erforderlich sei,

_ Abg. Blu m (Zentr.): Ueber das Siedlungsgeseß könnte man passend die Parole chreiben: „Glücflih der Mann, der der Stadt entsloben“, und man kann wobl sagen, daß sih neuerdings in der Wert- shâßung des Bodens eine vollständige Wandlung der Anschauung voll- zogen hat. Statt von einer Landflu t, wie sie seit den siebziger Jahren si ) entmidelt hatte, Tann man heute beinahe von einer Stadtflucht sprechen, und das ist im Interesse der Gesundung unseres Volkes nah der volkswirt\chaftlicen wie nach der ethishen Seite bin fehr erfreuli< Immerhin wird man nicht annehmen “dürfen, daß sih nun die Um- wandlung Deutsands aus einem Industriestaat in einen Argrarstaat in raschem Tempo vollzieben wird, Man wird auch hier Geduld haben

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müssen. Die Frage, ob der Großbesiß oder der Kleinbesißz vorzuziehen et bahin zu beantworten, daß volfswirtscaftlid eine gesunte Mischung beider das Richtige und Zwe>kmäßige is. Die Statistik beweist, 8 im allgemeinen in den unteren Stufen des Gesetzes der

; größeren agegen die Pachtfläche gestiegen ift. ungesunde Entwi>klung. Schon deshalb, weil der Enverb von Grundbesiß dur die Kapitalisten nibt immer im volks- sse stattgefunden hat. Im Kriege ist ja namentli der sogenannte „Küchenhof“ berühmt geworden, der nur dazu: dienen ( aushalt mit landwirtschaftlihen Produkten zu versorgen. Jn jedem Falle wird man sagen müssen, daß für die Sied- Tungstätigkeit zunächst die Schaffung von Bauerngütern mittlerer Größe das Ziel sein muß. Denn dieses ist am besten in der Lage, \ih den wedselnden Bedingungen ber Erzeugung und des Absaßes, mit denen wir gerade für die nä>ste Zukunft re>nen müssen, anzupassen. Er- freulich ist die Tatsache, daß die meisten Bewcrber um Land, soweit sich bis jegt hat feststellen lassen Fönnen, aus ten Kreisen der Kleinbe- mitielten, der Handwerker, der Kleingewerbetreiberden, der Versiche- rungspflichtigen stammen; sie bieten ja auch die beste Gewähr, daß die Siedlungstätigkeit das Ziel erreit, das sie si g:ste>t hat. Hier bietet

CGigcnbetrieb, in den Das ift eine durchaus

wirtshaftli®en Intere sollt-, den \tädtisden

intelligenter und leist

sich namentlih den Städten, besonders denen, die sih in den leßten Jahren große Reserven von Grundeigentum zugelegt haben, ein weites

eld rsprießliher Tätigkeit. Die Siedlungstätigkeit wi

ingen au die Aufgabe haben, die Landarbeiterfrage lösen zu helfen. Das ist um \o notwendiger, als wir für die nä&sten Jahrzehnte auf den Zugang ausländischer sogenannter Saifonarbeiter ni<t mehr re<nen können, Mehr als je brauben wir ‘auf dem Landé cinen Stamm ungsfähiger Arbeiter, der die Stolle liebt und der Freude hat an seiner Tätigkeit. Die Tatsache, daß das Bauen, einstweilen und wehl aub ne für längere Zeit teuer ist, darf kein

Grund sein, mit der

Die Ersabbauten haben ih troß mancher Mängel im allgemeinen bewährt und stellen i so billig, daß die Rente der kleinen Siedlungen gesidert ist. Auch in den Städten bestebt großer Eifer für die Ér- richtung ton Siedlungébauten, aber man lagt febr, daß die staatlichen Zusctüsse nit ausreichen. |Sel die nötige Scalung erhalten, damit er mit Nußen feine Siedlung bebauen fann. Wanders>ullehrer und Wanderhausbaltungs[ehrerinnen konnen bie fleinen Siedler fabcemäß unterribten. Gemeinden, Kreise

: Provinzen und Staat müssen gur Förderung des jammemvirken. Aber“ unter - bürokratis&er Verwaltung darf das

Siedlungswesen nicht erstarren. * Die Sicdlung is eine volläwirtsc<att-

liche Tat von Bedeutung für das Landleben; sie wird helfen, uns über

die sdavere Zeit zu glüdlien Zeiten himvegzubringen. (Beifall)

Abg. Sbmidthals (Dem): Die Verteilung des Grund und Bodens ist eine alte Frage, die uns aber durh den Krieg dcppelt nähegètra>t it. Jn den Bezirken des Großgrundöoesizes hat die größte Abwanderung s\tattaefunden, weil die Leute dort keine Cristenz-

l In S{lesien steben neben Gütern von 159 060 Meorgen in den (Händen eines Besißers einige 20 009 kleine Stellen, die ni<t einmal 10 Morgen umfassen. És müssen in der Landwirt- saft neniger Großbetriebe und niehr Kleinbetriete acs>affen werden. Der GreßLetrieb mag inr Kriege vielleicht an Ectreide und Kartoffeln mebr gesaffen haben als der Kleinbetrieb; aber diejer leistet an sonstigen Erzeugnissen, wie Butter, Fett Eier, Fleasch, auf derselben Fläche viel mehr als der Großbesiß, und nur die Neserven des kleinen | r< die Kriegsjahre hinturdccbra>t. 80 % des Nindviehes und 90 % der S>weine merten von kleinen Besißern se- züchtet, Für einen etwaigen künfticen Krieg müssen wir uns große Reserven an Viehbestand anlegen. Ver allem wird die landwirtschaft. lie Arbeit im kleinen Betrieb viel sorgfältiger gemacht, als es im großen möglich is, Der Kleinbetrieb afft also für die Gesamtheit meh Wenn wir die breiten Massen der Arbeiter- bevolkerung niht wieder auf das Land hinausbringen, müssen sie auê- wandern. Unser einziges Aktivum ist unsere Arbeitskraft und das, was in unjerem Boden ste>t. Jn die Arbeitskraft muß wieder die nôttae Arbeitsluüst hineinkommen. Dieses Geseß kann helfen, diese Aufcabe zu [öïen. Zunächst müssen die ganz großen Besißungen aufgeteilt werder und danach erst die mittleren, denn wir brauen eine aesunde Mischung von großen und kleinen Betrieben. Zu den Stellen, die über die Gnt- eianung zur Landbeschaffung zu ents<eiden Haben, wünschten wir die Hinzuziehuna praktischer Landwirte. Die Bodenpreise sind jeßt aller- S dings sebr hoch, aber man darf auch nicht zu ängstlich sein. Die Kreditfrage wird gelöst werden können, wenn die Siedlungsgesell- {aften als Garanten auftreten. Nicht bloß im Reich, sondern in tedert Cinzelstaat und jeder Provinz muß ein Kontrollausf>{uß für die Durh- führung des 'Siedlunasgeseßes eingeseßt werden. Zu beseitigen sind die einzelstaatlihen Bestimmungen, wonah die Genehmigung d Einzelstaates erforderlich ist, wenn ein anderer Einzelstaat in dessen Sebict siedeln will. Hamburg ist z. B. stets von der preußisben Ne-

bedingungen fanden.

Besibes haben uns du

mehr als der große.

gierung abhängig, wenn es auf preußishem Gebiet eine Ansiedlung anlegen will. Der Erfolg der Siedlung ist eine Sache der Persón- lidfeit; wo ein Wille dabinter stedt, gelingt es, selbst aus elendem 4 Sandboden gute Erträge zu erzielen. Wir müssen dahin arbeite, daß das deutsde Volk wieder Lust und Liebe zur Arbeit bekommt, und wir glauben, daß dieses Gese ein Weg dazu ist. (Beifall bei den

Demokraten.)

Abg. Do elbe (Soz.): Wir begrüßen dieses Geseß, weil es end- lid ein Verspre>en erfüllt, das den Kriegsteilnehmern gegeben worden ift. Seit Jahren !hat man thnen gesagt: „Ein (Stück deutschen Landes joll in ihre Hand gegeben werden. Als besonderen Vorteil dieses Ge- seßes und eine wesentliche Verbesserung seiner alten Fassung betrachten wir die Tatsache, daß das |Geseß ausdrü>lic die Vergrößerung kleiner Stellen vorsteht und nicht nur auf neue |Stedlungen dringt. Für Oberscilesien \pielt dieser Umstand eine besondere Rolle. Gerade in Kreisen auêgekaufter Bauern bestebt gegemvärtig eim starkes Be- durfnis nah Entwicklung ihrer Wirtschaft. Als Vorteil betraten wir es mi, daß kleine Bauern, mittlere Bauern und Lehrer lbei der Au®Lführung des Gefeßes mitwirken und also die Entscheidungen nicht mehr der Bürokratie überlassen bleiben. Wir haben die besondere

Bitte, daß die Siedlungegesell;>aften.na> Fertigstellung des Gesetzes ampf am zu arbeiten fangen und si< nit mebr hinter Weinliden Formbctenken vers{Ganzen. Wir werden das Gesetz und «sämtliche Anträge annehmen, (Beifall.)

Dr. Roes ice (D. nat. Vp.): Wir haben uns für das Siedlungs- wesen immer [lebhaft interessiert. Herr von |Wangenheim und andere unserer Parteifreunde haben bahnbrehend in ihm gewirkt. Die Er- folge Ttönnten nad tage der Dinge nicht so groß fin, weil nit nur

nun endlick mit |Velld

Hemmnisss bürokrati\

Erste Beikaoge

nzeiger und Preußischen Staatsanzeiger, Berlin, Nittwoch, den 2. Juli

ird vor allen

Siedlungstätigkeit no< länger zu warten.

bstverständli<h muß der kleine Anlieger

Siedlung8wesens zu-

des

er, sondern auh tatsähliher Natur zu über-

®

P

winden waren, Von den

Osten leider so gut wie alles verloren. dem ‘Zusammenbbruch alles dur die deuts<e Ansiedlung Erreichten Um fo notwendiger ift die Bermehrung Zes Siedlungslandes; denn

veträchtTichen erzuelten Erfolgen geht uns im es Man steht dort geradezu vor

jest muß Deuts{land wieder mehr YAgrarstaat werden. Durch dag Geseß erfüllen wir die Forderung des Hannes, den wir während des Krieges am meisten verehrt baben: Marsall |Hindenburg. Leiter wird die Bedeutung des Gesetzes anscheinend gerade an den Stellen m><t re<t erfaßt, bon denen nir das meiste Verständnis erwarten jollen. ‘Der [Redner venmveist auf die leeren Regierungébänke, auf denen nur ein Fommissar 1Bt. (Lebhafte Zustimmung rets.) Es hat keine! Zweck, Siedlungs!ustigen Versprechungen zu macben. Ansiedler, di m><t dur>halten können, weiden nit zum Erfolge kommen. Di S1edlung soll zufriedene Menschen machen. Zufriedenbeit ift Grundlage für die 2 diedererstarfung |Deutsilands. Leider wird immer noch andauernd die Unzufrietenbeit in agitatorischer |Weise gefördert. Wir mul|en wieder lernen, zufrieden zu sein. Nur dann bekommen vir wieder Ordnung. Bei der Gründung von Siedlungen i barauf 3 a<ten, daß die Rentabilität acsichert bleibt. Sonst bringen \ie feine Vorteile, sondern Gefahren. Besonders s>wierige Verhältnisse \{affen Uns in dieser Hinsicht die hohen Baukosten. Die Regierung will die Lebensmittelversorgung dur< 1% Milliarden im Ausland gekaufter Lebensmittel bessern. Das ift aub ein Unternehmen, bas die 2uy- [riedenheit fördern soll. Das Geld wäre aber besser oder mindestens ébensogut angewandt, wenn es in Form von Baukostenzuschiüssen für Ansiedlungen zur [Verfügung gestellt würde. Der Landwirtschaft wird gerade in der näbsten Zukunft größte Bedeutung zuzumessen sein. Wir haben immer für den Gedanken aekämpft, baß Deuts>lland ih mög- lidst selbst ernähren solle. Dafür haben wir Hobnllachen geerntet: der Krieg ist den Lachern von damals vermutlih eine bittere Lehre über die Richtigkeit unseres Standpunktes gewesen. Wenn wir ein starkes, selbständiges Deutschland haben wollen, ist die erste Be- dingung: die "Hebung der Landwirtschaft. Die ganze Kraft des Bolkes jollte nud>si<têlos für das Siedlungäwesen eingeseßt werden. (Beifall re<ts.) Undurchführbar freilich ist, 5as ganze Deutschland vom Boden- see bis Memel bloß auf die Landwirtschaft zu stellen. Wir braucben eine Mischung der Produktion, freili eine ribtige Mischung. An Kapital darf nit gesparrt werden. Eine ganze [Menge Momente kommen hier in Betracht. Der Kleingrundbefiß ist namentli für die Viehhaltung wichtig. Auf der anderen Seite (nah links) bat man freilih seiner Entwicflung enigegengewirkt, weil man dort alles Ge- wicht auf die großen Städte lecte. Hinsichtlich des Verkehrs wurde so aub der Often gegen den Westen zuvüdgeseßt. Dabei bleibt eine der wichtigsten Aufgaben die Wieder berstellung des Landes. Das Ge- seßt genügt ibr in allen Punkten niet. Jedenfalls sind Ueberganas- bestimmungen gu treffen, namentlid um eine ŒEntbélferung des Landes ¿u verhindern, in erster Linie im Interesse der Volkêernährung. Not- wendig ist au, daß die Ansiedler für ihren neuen Beruf angelernt werden. Für die Vorgänge auf der lantwirts<aftld&en Hocbsctule in Berlin und den Mangel an Voraus\i&t, den die Regierung dabei ge eigt hat, fehlt mir jedes Verständnis. (Sebr richtig! re<ts.) Die Professoren, erste Kräfte darunter, müssen hre wichtigsten Versucke mit Dakgärten machen, und selbst diese werden ibnen jeßt genommen. Eine Regierung, die das fertig brinat, ift nit geeignet, das Volk dabin zu thren, taß es zu besseren Verbältnissen kommt. (Sebr ridtia! ret.) Bedauerlic ist dabci, daß feiner der Herren der Regierung

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da ist, um es zu hören. (Sehr ridtig! re<ts. Unruhe links.) Ein einiges Vorgehen in dieser Frage ist unbedingt geboten. Nur aus dem

Land kann Deut{{land neue Lebenskraft für feinen Wiederaufbau 0t- avinnen,

Regierungskommissar für das Wohnurgswesen Sche idt: Der Borredner bat bemängelt, daß bei der Beratung eines so wichtigen eßes die Megierungsbänke leer ble:ben. Ib will deshalb mitieilen,

L 2 5 daß das Neichskabinett dur außerordentli wicbtige Beratungen langer festgehalten wurde, als rorauszusehen war. Andere Kommissare

sind dur< der Streik in Berlin verhindert worden, hier zu erscheine. Der Verrednér bat auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die einer llziebung des Geseßes entaecgensteken. Ste besteben in der. Hauv sa in dem Mangel an Baustoffen. Für die Bauwirtscaft fehlt eigentli alles, namentli Ziegel und Kalk. Ziegel können nit ber gestellt werden, weil die Koble feblt und, wie die Verhältnisse liege ist [eider nit zu emvarten, daß de! große Mangel an Kohle in alk sehbarer Zeit abgestellt werde. ¿e Verhandlungen in der Reichs wohnungskomnmission hatten stets das (Ergebnis, daß diese die E: Elärung abgab, daß sie ein Mehr von Koble für die Bauwirt\>aft nicht zur Verfügung stellen kfönte. Von insgesamt 18 000 - ten in Deutschland haben zeitweise üver 17 000 stillgelegen. Gegenw liegen no< 16 500 till, so daß nur 1500 arbeiten. Und au diese sind nur zum Teil imstande, ihre Wirts{baftsmögli>keiten auszunußten, so daß sie vielfad ihre Lieferungen nit einhalter können. Dr. Roe sie wies darauf bin, daf namentli bei landw! aftlichen Bauten auf Ersaßstoffe zurü>aeariffen werden könne. Er \pra< vom Lebm als braubbaren Ersfaßstoff für Ziegel. Wir baben Versude gemacht, und wir batten ein verhältni8mäßig günstiges Ergebnis, feilweise durchaus befriedigend. Auch die Baukosten ermäßigten sid. größte Scbwieriakeit liegt vielleicht in der Bautfestenverbeuerung. Neich bat 500 Millionen für Wohnungsbauten zur Verfügung gestellt Auf die Frage, ob diese Mittel ausreichen werden, fann i< nur sagen, sie werden es bestimmt nit tun. (Hört, hört!) Es läßt sich soaar ehr leit ausre<nen, wie weit fie unter den beutigen Verbält::sen

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qusreichen. Vor dem Kriege sind in Deutsbland etwa 200 000 Wohnungen mit einem Kostenaufwand von 4 Milliarde aebaut worden. Heute haben sich die Baupreise um das Vierfache erböbt, an einzelien Stellen n2< mebr. Wir würden also rund 5 Milliarden brauden. Das wäre der JahreêSbetrag, der nötig wäre. Aus Reichs mitteln stehen aber nur 500 Millionen zur Verfücuna. Mit diesem Zuschuß is die Not nit zu beseitigen, und wenn erst Baustoffe wieder in größerer Masse vorhanden sind, dann werden wir mit den 500 Mil- lionen bald zu Ende sein. Als Staatskommissar wesen Fonnte id noob die Beobachtung maten, da gegangenen Anträge auf Zusbüsse fast auss>ließlib aus den Städten stammen. Aus dem Lande aber fast keine. Das ift eine qroße Gefahr für die Ansiedlung. Nachher wird für das Land nichts mebr ül sein. Unk wenn die 500 Millionen verbrauct sind, vermag 1< ni einzusehen, wie da verfahren werden fell. Ich möchte daher warnen, daß die Landwirte, wie es beute wohl vielfa der Fall ist, mit ihreg Bauten warten, bis wieder Zieael zur Berfügung steben. Von feiten der beteiligten Stellen wird alles gesehen, um die Schwierigkeiten zu beseitigen oder wenigstens zu mildern, die sid der Schaffung neuer Ansiedlungen entaegenstellen. B ß di t- gehenden Erwartungen, die in bezuq auf die Schaffung neuer An lungen vielfach an dieses Gesey geknüpft werden, taum in Erfüllun

oly o Mo Y oj gehen tverden.

is Not alo Ta li e ino Ader 19. Aron,

Aba. Du s<&< e (D. Volksp.): - Meine politiscen Freunde sind (A 7 A N P d: F CS ede a 3 T 2 [con seit Jahrzebnten für eine tatkräftigë Unterstükuna ; Siedlung

E A E S E F N wetens eingetreten. - Wir haben deshalb aud 1e m1uigearde1t die Selle! Bln S A an die Stelle einer Verordnung ein noues Siedlungsgeseß zu stellen.

Ib halte es für das wichtigste, mögli>st viele neue Siedluncen zu schaffen. Dabei sollte man mögli\t auch die Krieg8beschädigten und diejenigen berüsi<tigen, die aus ben uns jeßt verloren gehenden Ge bieten in das verfleinerte Deutschland zurü>wandern. Um die Er- richtung neuer Siedlungen zu erleichtern, sollte man < ent\&ließen, aus den Staat8waldungen eiwas mehr Holz zur Verfügung zu stellen,