1897 / 129 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Nichtfanifliches. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 3. Juni.

Seine Majestät der Kaiser und König hörten e Vormittag im Neuen Palais die Vorträge des Kriegs- inisters, General-Lieutenants von Goßler, des Chefs des Militärkabinets, Generals von Hahnke, des Chefs des General- stabes, Generals Grafen von Schlieffen und des Chefs des Zngenieur- und Pionier-Korps, Generals: Vogel von Saa stein. Um 121/24 Uhr empfingen Seine Majestät den Reichs- kanzler Fürsten zu Hohenlohe.

Der Bundesrath versammelte si<h heute zu ciner Plenarsizung. Vorher beriethen die vereinigten Ausschüsse für Handel und Verkehr und für Justizwesen.

_ Der Kaiserliche Botschafter in Paris Graf zu Münster ist von dem ihm Allerhöchst bewilligten kurzen Urlaub auf seinen Posten zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Bot- schaft wieder übernommen.

__ Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Königlich bayerische e Geheime Kriegsrath Habel ist nah München abgereist.

Sachsen-Meiningen.

Seine Hoheit der Herzog ist gestern von England nah Meiningen zurü>gekehrt.

Oesterreich-Ungarn.

In der gestrigen Sißung des österreihishen Ab- geordnetenhauses gab der Abg. von Jaworski im Namen der Majorität folgende Erklärung ab:

„Wir und mit uns die große Mehrheit der österreichishen Völker sind zu der unumstößlichen Ueberzeugung gelangt, daß bei den gegen- wärtigen Verhältnissen im Hause nicht nur jede erfprießlihe parla- mentarishe Arbeit unmöglich ist, sondern der Parlamentarismus felbst auf tas Aeußerste bedroht ist. Wir erachten es daher für müßig, die Sißungen weiter zu führen. Wir beharren aber auf der Grundlage der Prinzipien unseres Adreßentwurfs und zwar: der Anerkennung der bistorishen und politishen Rechte der Königreihe und Länder, der gere<hten Durchführung der Gleichbere<tigung aller Nationen, der Pflege eter Religiosität und Sittlichkeit, sowie fruhtbarer wirth- schaftliher und sozialer Hebung aller Klafsen der Bevölkerung. Wir werden daran als an unserem Programm auch für die Zukunft fest- halten.“ (Lebhafter Beifall re<is, Lärm links.)

Der Minister-Präsident Graf Baden i erklärte:

__ Namens der Regierung konstatiere ih mit lebhaftem Bedauern die offenkundige Thatsache, daß das Haus durch die Borgänge, welche seit einiger Zeit sich in diesen Räumen abgespielt haben, in der Aus- übung seiner ihm verfafsung8smäßig obliegenden Thätigkeit gewaltsam verhindert wurde (Unterbrehungen links), wodur< der Gang der öffent- lichen Angelegenheiten eine dem Staatsinteresse abträgliße und den klaren Bestimmungen der Verfaffung zuwiderlaufende Hemmung erfahren hat. (Neue Unterbrehungen links.) Das Haus wird si gewiß niht der Erkenntniß verschließen, daß das öffentliche Leben durch die weitere Fortsezung und Duldung folcher die Grundlagen der parlamentarishen Einrichtung untergrabenden Auftritte in hohem Grade bedroht ersheint. Denselben ein Ende zu seßen, ist geradezu ein Gebot der staatlichen Nothwendigkeit. Die Regierung, welche die Erfüllung ihrer staatlihen Aufgaben in und außer dem Hause jederzeit sh vor Augen hält .(lärmende Unterbrehungen links), ift überzeugt, hierbei in Uebercinstimmung mit der überwiegenden Mehr- heit der Mitglieder 2-8 hohen Hauses vorzugehen. Sie ist fih aber au<h ihrer Verantæworiung voll bewußt (weitere Unterbrehungen links) und erachtet sih als verpflichtet, eine Beeinträhhtigung der Staatsinteressen, welche si aus der Vereitelung der parlamentarischen Thätigkeit ergeben muß, unter allen Umständen hintanzuhalten. Im Allerhöchsten Auftrage erkläre ih die zwölfte Session des Reichsraths für geshlossen. (Lebhafter Beifall rehts, großer Lärm links.) 2 L

Der Vize-Präsident Abrahamovicz richtete sodann eine kurze Ansprache an das Haus und {loß mit einem Hochruf „auf die geheiligte Person des Kaisers, welcher hoh über Allen und über den leßten Stürmen stehe“. Sämmtiiche Mit- glieder brachten ein dreifaches, begeistertes Hoch auf den Kaiser aus. Unter großer Erregung verließen fodann die Abgeordneten den Sißzungssaal. 5 .

Gestern Nachmittag wurde der Minister-:Präsident Graf Badeni von dem Kaiser in einer einstündigen besonderen Audienz empfangen.

Großbritannien und Frland.

Die „Times“ bringt aus Aden vom gestrigen Tage die Nachricht, daß die britishe Gesandtschaft, welhe den König Menelik von Abessynien besuht hat, mit der Ueber- bringung eines Schreibens Mcnelik's und von Geschenken der Königin von Abessynien für die Königin Victoria be- auftragt worden sei.

Frankreich.

__ Die Bureaux der Deputirtenkammer wählten estern die Kommission zur Vorberathung des

udgets für das Jahr 1898. Von den 33 Mitgliedern der Kommission sind, dem „W. T. B,“ zufolge, 28 Anhänger des Ministeriums, und diese dürften das Budget so annehmen, wie és vorgelegt ist. Unter den Gewählten befinden sich Graux, Roux, Delombre, Kranß, Berger und Millérand.

Jtalien.

Der König von Siam ist heute Vormittag in Rom eingetroffen und am Bahnhofe von dem König Humbert, dem Kronprinzen und den Vertretern der Behörden empfangen worden. Vom Bahnhofe bis zum Quirinal bildeten Truppen Spalier; auf dem ganzen Wege a sih eine größe Menschenmenge zur Begrüßung ängesammelt. “Jm Quirinal, woselbst der König als Gast des Königs Humbert weilen wird, wurde derjelbe von der Königin und der Prinzessin von Neapel empfangen.

Eine aus dem Kommandeur, Oberst-Lieutenant von Alten und zwei anderen Offizieren ‘des 1. Hessischen Husaren-Regiments Nr. 13 bestehende Deputation welhe dem König die Glü>wünsche zu seinem 25jährigen Jubiläum als Chef des Regiments überbringt, is, wie

„W. T. B.“ berichtet, gestern Abend in Rom eingetroffen und am Bahnhof von einem Ordonnanz-Offizier des Königs und dem deutschen Militär-Attahé, Major und Flügel-Adjutanten von Jacobi empfangen worden.

Spanien.

Die Königin-Regentin hat, wie „W. T. B.“ meldet, gestern das Dekret, dur<h welches die Session der Cortes geschlossen wird, Qu:

Der Minister - Präfident Canovas del Castillo hat angesichts der shwierigen Verhältnisse in den Kammern der Königin-Regentin die Demission des Ministeriums angezeigt. Die Entscheidung der Königin-Regentin wird in der heutigen Consfeilsißung erwartet.

Türkei.

_ Das Wiener „Telegr.-Korresp.-Bureau“ meldet aus Kon- stantinopel, daß heute auf der Pforte die erste Sizung stattfinden werde, in welher über den Friedenss{luß ver- handelt werden solle. Der Minifter des Aeußern und die Botschafter würden an derselben theilnehmen. z

_ Der „Standard“ erfährt aus Konstantinopel vom gestrigen Tage, daß der Ministerrath die Aufmerksamkeit der Mächte auf die unbefriedigende Lage auf Kreta gelenkt und die Ansicht ausgesprohen habe, daß die Türkei mit der Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung auf der Jnsel be- traut werden follte.

Griechenland.

Die griechischen Delegirten sind aus dem türkischen Lager wieder in Lamia eingetroffen. Die Verlängerung des Waffenstillstandes sollte heute bei Sonnenaufgang unterzeichnet werden und zwei Vertreter der - Zivilbehörden seitens Griechenlands an der Unterzeihnung theilnehmen.

Die „Ephimeris“ seßt ihre Enthüllungen über die „Ethnike Hetairia“ fort und veröffentliht ein Zirkular des Verwaltungsraths der Gesellshaft vom 26. März d. J., wel<hes an alle Unterabtheilungen derselben gerichtet ist. Dieses Zirkular greift die Regierung an, weil diese das Werk der Gesellschaft hindere, erklärt, die Gesellschaft habe 3000 Mann bewaffnet, und appelliert an alle Mitglieder der Gesellshaft, jede antinationale Lösunc zu verhindern. Es heißt sodann weiter: das begonnene Wer könne erst dann unterbrochen werden, wenn die von Rehtswegen Griechenland zustehenden Provinzen frei sein würden. er Verwaltungsrath der „Ethnike Hetairia“ lege jedem Mitgliede der Gesellschaft dringend ans Herz, alles in seinen Kräften Stehende zu thun, um den Ausbru<h des Krieges herbei- zuführen und jede Lösung zu verhindern, die nur Fli>- werk wäre.

Amerika.

Aus Havanna wird berichtet, daß eine Proklamation des Generals Weyler größere Operationen im östlihen Theile der Jnsel ankündige und verschiedene. Maßregeln verfüge, c welche den Aufständischen alle Hilfsmittel entzogen werden ollten.

Afrika.

Dem „Reuter'shen Bureau“ wird aus Cape- Coast- Casile vom gestrigen “Tage gemeldet, daß Lieutenant Henderson si<h auf dem Rü>kmarsh aus dem Jimini-Gebiet nah Kumassi befinde und Geschenke von Samory für den Gouverneur überbringe.

Nr. 22 der „Veröffentlihungen des Kaiserlichen Ge- sundheitsamts* vom 2. Juni hat folgenden Inhalt: Gefundbeits- ftand und Gang der Volkskrankheiten. Sterbefälle im April. Zeitweilige Maßregeln gegen Pest. Gesundheitswesen im Neg.-Bez. Frankfurt, 1892/94. Gesetzgebung u. f. w. (Deutsches Reich.) Ge- beimmittel. (Preußen, Reg.-Bez. Posen.) Spiritusbrennereien. (Reg.-Bez. Breslau.) Schweineseuhen. (Reg.-Bez. Köln.) Mineralwafserfabriken. (Anhalt.) Viehents>ädigungen. (Dester- rei.) Lebensmittel 2c. (Frankreih ) Kunstweine. (Belgien.) Ba>stein- und Datziegelbrernereien. (Vereinigte Staaten von Amerika.) Nindfleishausfuhr. Gang der Thierseuchen. Snfluenza unter den Pferden in Preußen und Braunschweig, 1896. Thierseuhen in Ungarn, 1895. Desgl. in Rußland, 1896. Desgl. in Bulgarien 1897, 1. Vierteljahr. Zeitweilige Maßregeln gegen Thierseuchen. (Württemberg, Oesterrei, Straits Settlements.) Verhandlungen von gesetzgebenden Körperschaften. (Preußen.) Homöopathie, Kurpfuscherei 2c. Vermischies. (Preußen. Berlin.) Auëstellung für Nahrungsmittel 2c. Geschenklifte. Monats- tabelle über die Sterbefälle in deuts<hen Orten mit 15000 und mzhr Einwohnern, April. Desgl. in größeren Städten des Auëlandes. Wochentabelle über die Sterbefälle in deutshen Orten mit 40 000 und mehr Einwohnern. Desgl. in größeren Städten des Aus- landes. Exrfranfungen in Krankenhäusern deutsher Großftädte. Detgl. in deutschen Stadt- und Landbezirken. Witterung.

Arbeiterbewegung.

Die Met allarbeiter Erfurts erklärten si, wie der „Vorw.“ meldet, am Sonnabend in einer Versammlung für folgende Forde- rungen : Verkürzung ter Arb. itszeit, Lohnerhöhung von wenigitens 15 %, 334 % Aufschlag für Ueberstunden und Sonntagsarbeit ; ferner foll den Accordarbeitern wöchentlih eine Summe ausgezahlt werden, die dem üblichen Wochenlohn entspriht. Eine Kommission hat den Urternehmern diese Forderungen im Laufe der Woche vorzulegen.

Die Klempner Bielefelds (vgl. Nr. 123 d. BL) haben, dem „Vorw.“ zufolge, die Forderung auf 3 M Minimallohn fallen lassen, um den Ausftand schneller zu beenden.

Wie dasselbe Blatt mittheilt, haben 45 Tischler der Firma Zulehner u. Co. in Cassel, sämmtlih Mitglieder des Holzarbeiter- Berbandes, die Arbeit niedergeleat, weil ftatt einer direkten Ver- Ffürzung der Arbeitszeit eine Verlängerung der Vesperpause auf 4 Stunde eingeführt werden sollte. _ :

Hier in Berlin hielten, der „Boss. Ztg.* zufolge, gestern Abend einige Tausend Maurer (vgl. Nr. 127 d. BL) eine Versammlung ab, um zu der ablehnenden Antwort dtèr Berliner Maurer-Innung auf die Forderungen der Maurergesellen reunfstündige Arbeits- zeit und 60 F Stundenlohn Stellung zu nehmen. Der Ver- trauensmann Silbershmidt griff die Innungsmeister an und theilte mit, daß nah der leßten Kontrole auf 653 Berliner Bauten 7316 Maurer thätig gewesen feien. Auf 145 Bauten hätten 1631 Maurer bei neunstündiger Arbeitszeit gegen 60 4 Stundenlohn gearbeitet, auf 464 Bautên 5167 Maurer bei gleicher Arbeitszeit tnit 55 „4 Lohn, auf 27 Bauten 336 Maurer bei neunstündiger Arbeitszeit mit 55 bis 60 Lohn, auf 13 Bauten 82 Maurer bei zehnstündiger Arbeitszeit gegen 50 bis 55 4 Lohn und auf 4 Bauten 70 Maurer gegen Accord. 100 Maurer seien :-gemaßregelt, 300 -arbeitslos, und 500 besäßen feine Kontro!karten und arbeiteten in Vororten. Der Redner empfahl, der Pfingstfeiertage wegen von einem Ausftande- abzusehen. Es wurde ° befhlofsen, in * det Woche nah Pfingsten in einer Versammlung Über einen allgemeinen Ausftand zu berathen.

In Mantbeim hat, wie die „Volksstimme* mittheilt, en Theil der Schmiede und Wagner die Arbeit eingestellt.

_In Dresden wollen, wie die „Frkf. Zig.* erfährt, die Tishler- Gesellen behufs Erreihung einer Lohnerhöhung einen allgemeinen Ausftand ins Werk seyen.

In Zwi>au beschloffen, der „Lpz. Ztg.“ zufolge, die Maurer (vergl. Nr. 114 d. Bl.) am 29. Mai in einer Versammlung, einen Klaffenlobntarif von 34 bis 37 4 die Stunde ausarbeiten zu laffen und den Meistern zu unterbreiten, um nöthigenfalls nah Ablehnung des Tarifs zum allgemeinen Ausftand zu schreiten.

Der „Köln. Ztg.“ wird aus Verviers gemeldet: Der Maurer- ausfíftand im hiefigen Arrondifsement, der zu Ende voriger E beendigt schien, dehnt fih von neuem aus. Gestern stellten sämmtliche

ter an der neuen Kirche in. Lambermont die Arbeit ein. Die Ausständigen halten tägli< mebrere Versammlungen ab und berufen ih auf die Angebote deutscher Arbeitgeber, die Maurer zu 4 bis 4,90 4 Tagelohn suchten.

In New-York haben, demselben Blatt zufolge, 22 000 Kleider- macher (vgl. Nr. 119 d. Bl.), die Mebrzahl rufsish-polnishe Juden, den Ausstand erklärt. Sie verlangen Lohnerhöhung und Abschaffung der Stü>karbeit. Es wird erwartet, daß die Zahl der Ausftändigen fich auf 35 000 erböben werde.

Kunft und Wissenschaft.

Die vhilosopbis<{-bistorishe Klasse der Königlich preußischen Akademie der Wifsenschaften hat vor mehreren Jahren die Herstellung eines wisfens<haftli<hen Wörterbuches der deut- schen Rechtsspra {e in Aussicht genommen: ein Unternehmen, das die germanistishe Nechts-, Geshichts- und Sprahwissenschaft {on längst als ein dringendes Bedürfniß empfunden hatte. Nachdem das Kuratorium der „Hermann und Elise geb. He>mann Wengzel-Stiftung“ die für jenen Zwe> voraussihtlih erforderlihen Mittel zum theil fest be- willigt, zum theil unter gewiffen Bedingungen und Vorausfeßungen in Aus- sicht gestellt hatte, wählte die Klafse am 5. November 1896 für das Unter- nehmen eine akademische Kommission, die aus den Herren von Amira in München, Brunner, Dümmler, Gierke, Weinhold in Berlin, Frensdorff in Göttingen und Richard Schröder in Heidelberg besteht. Diese Kommission einigte sich in ihren Sißungen vom 3. und 4. Ja- nuar d. J. binsihtli<h der Anlage des Wörterbuhes über folgende Grundsätze, deren Veröffentlihung beshlofsen und von der Klasse ge- nehmigt wurde :*)

I. Nur ein Wörterbuch der deutshen, niht ein Wörterbuh der germanishen Rehts\sprache wird geplant. Damit ist es ausgeschloffen, daß die sfkandinavishen Quellen fpstematis< ausgezogen werden. Dennot erscheint die Berücksichtigung der nordgermanischen Ter- minologie als geboten, soweit es fi< um gemein-germanishe Wörter handelt und soweit die Geschihte und Erläuterung eines deutschen Rechtêwortes sie verlangen. Daëselbe gilt von den gothis<- burgundishen Quellen.

11. Dagegen sind die deutschen, das heißt die weftgermanischen Rechtstermini sämmtlich aufzunehmen, also au< die langobardischen, friesishen und angelfächsishen. NRechtsterminus ift jeder Ausdru> für eine rehtli< relevante Vorstellung wit Einschluß der Symbole, Maße und Münzen. Ausges{lossen bleiben Fremdwörter, ebenso Eigennamen, soweit si2 nit, wie z. B. Malberg, Detmold, eine technisch. juristishe Bedeutung haben. Dagegen sind zu berü>sihtigen einerseits die Lhnwörter des deutshen Sprachshaßzes, andererïeits aber nur auf Grund der vorhandenen Gloffare und Wörterbücher die dem Deutschen entlehnten Rehtswörter der nordgermanishen und romanishen Sprachen.

Zusammengesezte Wörter werden, wo dies von Interesse fein kann, au< nah dem zweiten Kompositionsgliede eingestellt, also z. B. balemund, leibgeding, landgraf, afgan unter mund, geding, graf, gan, dagegen nit erhalen unter holen, nidt elos unter los. Aufzunehmen find alle selbständigen (kompositiontähnlihen) Wortverbindungen, z. B. Hab und Gut, Erb und Eigen, Haus und Hof u. dergl.

I1T. Die Quellen sollen bis etwa 1750 systematisd ausgebeutet werden. Deshalb ist aber die Berücksichtigung jüngerer Quellen nicht grundsäglih ausgeschlossen. L :

1V. Seder Wortartikel foll bringen: 1) Belegstellen in Aus- wahl, wo mögli< aus allen Rechitgebieten und Zeitaltern, wichtigere Stellen in extenso. Bei allgemein gebräuhlihen Wörtern genügt es, Axfangs- und Endpunkte des Gebrauches zu fixieren. Besondere Be- rüdsihtigung verdienen Stellen, welhe Etymologien, Definitionen, Svynonyma, Glofsen oder Gegensäßte enthalten; 2) die v:rihiedenen Bedeutungen des Wortes oder der Wortverbindung in mög- lihst genetisher Ordnung, bei Wörtern mit wechselnder Be- deutung, soweit es dur<führbar, belegt dur Beispiele aus jedem Halbjahrhundert. Ujuelle und occasionelle Bedeutung sollen aus einander gehalten, auf den Zusammenhang zwischen Wörtern verschiedenen Stammes, auf Synonyma und Gegensäße foll hingewiesen werden; 3) die Etymologie des Wortes, soweit sie festgestellt werden kann; 4) die Altersbeftimmung u. a. nah der Lautgestalt, insbesondere bei Entlehnungen aus fremden Sprachen wie z. B. Kerker (karkäri) aus carcerem, Manger (mangâri) aus mango, Münze (*munita, ags. mynet, ahd. munizza) aus moneta, Pacht (mhgd. phaht, *ahd. pfahta) aus pactum oder auf Grund der Entlehnung aus dem Deutschen in fremde Sprachen z. B. burgus (burgum) im Lateinischen sit dem zweiten Jahrhundert oder nah Parallelen in verwandten Sprachen, oder von Wörtern, die zum Zwe> der Ueber- sezung fremder gebildet sind z. B. Gläubiger (glauber) na craditor; 5) Literaturangaben in möglichst deutliher Gruppierung. S ein Wortartikel zur re<teges{<i<tlihen oder re<t8antiquarishen onos- graphie auswase, ift s<le<terdings zu vermeiden. Rechtssäße dürfen nicht um ihrer selbst willen angeführt werden. Das Wörterbuch foll weder ein Reallexikon no< ein antiquarishes Gloffar werden.

V, Die Vorbereitung und Ausarbeitung des Werkes wird in zwei scharf zu sondernde Abschnitte zerfallen: /

1) Die fammelnde Thätigkeit, das Zusammenbringen des zu ver- arbeitenden Materials. Sie besteht haupitächlih in dem Ercerpieren der Rehtsdenkmäler und der Nebenquellen {d. h. der mittelbaren Erkenntnißguellen des Rechts, der gelegentlih sogenannten Profan- quellen). Urkunden und Nebengquellen werden . nur in fa<gemäßer Auswahl excerpiert. Ungedru>tes Material \ystematis<h heranzuziehen, wird -niht beabsichtigt. Eine Vorarbeit, welhe dem Unternehmen namertli< für die Abgrenzung der Rehtswörter gegenüber dem fon- stigen Wortvorrath zu ftatten fommen dürfte, wird das Nehtswörter- verzeichniß darbieten, welches Richard Schröder auf Grund der Wörter- bücher und der den gedru>ten Rechtêquellen beigefügten Gloffare auszuarbeiten begonnen kat. Nur die allerwihtigsten Rechtsquellen sollen auf Perikovenbogen abgeschrieben und verzettelt werden. Für die Excerptoren hat die Kommiffion eine besondere Instruktion fest- gestellt, welche vervielfältigt werden soll. Zu den Erxcerpten darf nur ein genau bestimmtes Zettelformular verwendet werden und zwar das Ofkftavblatt des sogenannten Reichsformats. Das Nähere sagt die er- wähnte Instruktion. E f _ :

2) Die verarbeitende Thätigkeit, darin beftehend, daß auf Grund- lage des gewonnenen Materials die einzelnen Wortartikel abgefaßt, in achöôrige Ordnung und in gegenseitige Beziehung gebraht werden, Verweisungen werden sh in beträhtliher Menge ergeben, weil jede Wortform, soweit sie_niht eine bloß graphische Besonderheit ist, in der alphabetishen Ordnung vertreten fein muß, S sie leiht nahgeshlagen werden kann. Wenn angängig, ist der Wort- artifel unter der neube<deutschen, eventuell unter der älteren hoch- deutschen oder unter der dem Hochdeutshen zunächst ftehenden Wort- form zu bringen, wogegen die Wortformen, die sih ni<t an derselben Stelle der alphabetishen Ordnung einreihen lassen, gehörigen Orts mit kurzer Verweisung auf den Wortartikel aufzunehmen find, z. B.

*) „Sigzungsberichte d. Kgl. Preuß. Akademie der Wissenschaften zu Berlin“, Jahrgang 1897, Nr. VIL.

frief. bon siehe Bann. Die Excerptenzettel erhalten daber ein zwei: ahes Stichwort : eines, das der Ercerptor nah der Wortform der undftelle anbri 1gt, ein zweites, das der Herausgebcr einfeßt, um auf den Wortartikel zu verweisen, in dem das Erxcerpt verwerthet werden foll. Die wissenshaftlihe Leitung des Unternehmens und zu- Leih die Hauptarbeit hat E Geheimer Hofrath, Professor Dr. ichard Schröder zu Heidelberg (Neuenheimer Landstraße 2) über- nommen.

Die Kommission ift der Ansicht, daß das Werk in zebn bis zwölf Jahren bergeftellt sein werde und daß der Umfang des Wörterbuchs se de era Drubogen doppelt gespaltenen Quartformats jedenfalls nit überschreiten werde.

Die s\oeben erschienene Nr. 23 des „Limesblattes* enthält eine Mittbeilun.g über die von den Herren Ober-Schulrath Soldan und Profeffor Anthes in Darmstadt an der Limesfire>e Kapers- burg bis Kloster Arnsburg in Hessen neuerdings ausgeführten Untersuchungen, bei denen es fh vornebmli<h um die Erforschung der sogenannten „Begleithügel" handelte. Es find dies Erd- bügel, die von einem Graben umgeben find und eine mehr oder weniger flahe Erhebung von meist -niht bedeutendem Umfang dar- ftellen. Die früheren Grabungen der Herren Soldan und Anthes an den Begleithügeln der Odenwaldlinie hatten ergeben, daß alle Hügel einen z. t. in Höhe von 1 m erhaltenen viere>igen Steinunterbau aus Tro>enmauerwerk enthielten. Bei allen diesen Steinbauten waren die vier E>en ausgespart ; darunter befanden \si<h 1,590 m tief in den Boden eingeschnittene Löher. Beim Ausräumen der leßteren ergab sich, daß se zur Aufnahme starker Pforten gedient haben, die jeden- falls einem hölzernen Oberbau angehörten. Gewöhnlih befinden fich die Hügel in der rähhften Nähe von Steinthürmen. Die neuen Grabungen der Herren Soldan und Anthes am Limes zwischen Kapersburg und Klofter Arrsburg baben nun zu dem Ergebniß aefühnt, daß diese in verschiedenster Weise gedeuteten Werke Theile einer selbständigen Limes-Anlage darstellen. In allen Hügeln findet si, wie auf anderen Stre>en, eine nah Art einer Tenne ber- gestellte Plattform, die von einem nahezu kreiéförmig verlaufenden Spitgraben umgeben is. Gine Steinsegung mit ausgeiparten Een, wie sie sich im Odenwald findet, ist nit vorhanden. Dagegen zeigen sh überall Löcher, in weiche die 30—35 cm starken, vierfantig be- hauenen Ed>pforten eines Holzthurm-8 1,30 bis 1,40 m tief serkre<ht eingeseßt waren. An einzelnen Stellen lagen neben den Holzthürmen no< Bara>en oder Blc>bäufer. Vor den Holzthürmen, 30 bis 32 cm von ihrer Front entfernt, fand ih überall, wo danah gesu<ht wurde, ein befonderes Gräben, wel<hes mit dem längst bekannten, vor dem eigentlihen Pfablgraben oder dem „Pfahl“ sich hinziehenden Gräbhen nicht ver- weselt werden darf. Anscheinend waren in diefen neu aufgefundenen Gräben ni<t dit nebeneinander stehende Paliffaden eingeseßt, sondern vielmehr einzelne Pfosten mit Fle@twerk dazwischen. Neben den Holzthürmen oder do wenigstens in der Linie derselben wurden stellenweise Erdschanzen aufgefunden, diz no einer genaueren Unter- fuchuna barren; die în ibnen gemahten Scherbenjunde sind wie die in den „Begleithügeln“ theils römischer, theils germanisher Herkunft und weisen auf dieselbe Zeit hin, in der die Holzthürme errichtet wurden. Die Erdschanzen, Holzthürme, Blo>bäuser und der Palifsadenzaun (das Gräben) bilden zusammen eine selbständige Limeslinie, die militärish sehr gut gezogen war. In ibr vermuthen Soldan und Anthes die älteste Limes- Anlage, deren Entstehung sie in die Zeit Domitian's verlegen. In den bisher bekannten, den Pfabl begleitenden Palifjaden-

räâben, den Stcinthürmen und dem Pfahl selbs hat wan nah ihrer Ar sicht die Anlage der mittleren und jüngeren Periode zu erbliden; der mittleren Periode dürften das Palifsadengräbhen und die Stein- tbürme und der jüngeren Periode der Pfahl angehören, neben dem die Steinthürme no< beibehalten wurden. Die gemauerten Zwifchen- B auf dieser Linie sammen wobl aus der zweiten und dritten eriode.

Literatur.

Eine dramatise Dichtung in drei Akten „Die Kaiserin des Balkans* von dem Fürsten Nikolaus I. von Monte- negro ist in einer deutshen Bearbeitung von Heinrih Stümd>e im Verlage von E. Ebering in Berlin erschienen. Diese Dichtung ist von hobem poetishen Reiz in allen Einzel- beiten, obgleih felbst dur< eine gute Ueberscßung, wie sie hier vorzu- liegen scheint, niht der ganze Reichthum der ursprünglihen Sprache wiedergegeben werden farn. Der Fürstlihe Dichter, der be- sonders als Lyriker sh längst einen ehrenvollen Namen au< in Deutschland erworben hat, tritt bier mit einem groß angelegten dramatishen Werk hervor , welhes ibm au< auf diesem Gebiete einen hervorragenden Plaß fichert. Im Mittelpunkt der Dichtung steht, wie {hen der Titel „Die Kaiserin des Balkans“ vermuthen läßt, eine edle Frauengestalt, des Fürsten Perun tugendreine, junge und shône Tochter Daniza, welche die Liebe jenes historischen Es Stanko aus dem Hause Crnojevié gewonnen hat, der aus Neid gegen seinen älteren Bruder Georg zu den Türken übergeht. Wenn man von diesen bistoris<en Punkten der Handlung ausgeht, muß man sie ans Ende des fünfzehnten Jahrhunderts verlegen; aber die dramatishe Dichtung bindet ih niht eng an die wirklihen historishen Vorgänge, fondern fsu<ht in dieser giMleena einzelnen Handlung ein volles Bild des

ebens und Charakters der serbishen Stämme, der Fürften und Völker zu geben. Wir sehen in dem Gedicht jene Fürstentochter ihrer großen Liebe zum Prinzen Stanko aus Vaterlantsliebe entsagen und, als sie den vaterland8verrätberis<hen Geliebten au<h nach einer verlorenen Schla>t, in der sein Bruder Sieger geblieben ist, niht auf den re<hten Weg zurü>führen kann, freiwillig in den Tod gehen. Die cinzelnen Gestalten der Dichtung find klar und fräftig gezeichnet ; die Handlung schreitet folgerihtig fort, wobei es niht an lyris< stimmung8vollen und an leidenschaftlih erregten Scenen fehlt. Die Sprache is bilderreih, obne {<wülstig zu werden. Der Fürst- lihe Dichter hat sein Werk dur<h ein einleitendes Gedicht den Frauen Montenegros gewidmet, denen er eine seltene Auszeihnung zu theil werden läßt, indem er in der o Gen Fürstin Daniza, wie er sagt, alle Frauen seines Volkes na< Verdienst ehren will. Heinrich Stüm>e hat der Dichtung eine interessante historis<he und literarbistorishe Einleitung vorausgeshi>t, welhe dem Leser als Eins führung in die Handlung des Dramas willkommen sein wird. Außer- dem ist das Buch mit einem guten Porträt des Fürsten Nikolaus I. ges<müdt.

Land- und Forftwirthschaft.

Weizenernte in der Kolonie Neu-Süd-Wales im Jahre 1896/97.

Nach einer neuerdings von dem Regierungsstatistiker der Kolonie Neu-Süd-Wales veröffentlichten Schäßung stellt si< das Ergebniß der diesjährigen Weizenernte in der genannten Kolonie, wie folgt:

Anbaufläche: Ernteertrag in 1000 ha auf 1 ha im Ganzen in kg in 1000 t

351 ; 705,6 247,8

Gesundheitswesen, Ta deen und Absperrungs- eln.

Aus den „Veröffentlihungen des Kaiserlihen Gesundheitsamts“ Nr. vom 2. Juni.

Peft.

Japan. Einer Mittheilung vom 14. April zufolge find seit dem 23. März ‘inder Präfektur Tainan (Süd-Formoja) 22 Pest- erfrankungen (davon 21 mit tödtlihem Verlauf) und 35 (30) zweifel- hafte Fälle gestellt worden. In der Präfektur Taihu (Mittel- Formosa) wurden in dém Hafenplay Lokang feit dem 17, März 3

(3) urzweifelhafte und 4 (4) verdähtige Fälle angezeigt. Jn der Präfektur Taipeh (Nord-Formofa) find seit dem 7. Januar d. J. 16 unzweifelhafte und 14 verdächtige Fälle zur Meldung gebra<t worden ; 19 Erkrankte starben.

Cholera.

British-Oftindien. Kalkutta. Vom 18. bis 24. April starben 117 Personen an Cholera, 6 an Po>ken und 210 an

Fiebern. Gelbfieber.

Auf Cuba wurden in Havanna in der Zeit vom 23. bis 29. April bei 70 Neuerkrankungen 17 Todesfälle, von leßteren 16 im Militär-Hospital, festgestellt, in Cardenas vom 18. bis 24. April bei 3 Neuerkrankungen 1 Todesfall, in Sagua la Grande vom 28, März bis 17. April bei 48 Erkrankungen 6 Todesfälle, ferner in Rio de Janeiro in den 3 Wochen vom 14. März bis 3. April 11 “f 8 und 8 Todesfälle, in Para vom 4. bis 10. April 3 Todes- raue.

Verschiedene Erkrankungen.

Po>ken: New-York 2, St. Petersburg 3, Warschau 4 Todesfälle; Paris 4, St. Petersburg 20 Erkrankungen: Rü>kfallfieber: Moskau 3 Todesfälle; Geni>starre : Elberfeld 2, Regierungsbezirk Düsseldorf 3, New-York 5 Todesfälle; in den Regierungsbezirken Arnsberg 4, Düsseldorf und Minden je 2, Kopenhagen, Wien je 4 Erkrankungen ; Influenza: Berlin 3, Frankfurt a. M., Amsterdam je 2, Lendon 18, New-York 11, Paris, St. Petersburg je 3, Rom 2 Todesfälle; Kopenhagen 28, Sto>holm 27 Erkrankungen; Keuchhusten: Wien 64 Er- krankungen. Mehr als ein Zehntel aller Geftorbenen ftarben an Masern (Durchschnitt aller deutshen Berichts8orte 1891/90: 1,30%): in Edinburg Erkrankungen wurden angemeldet in Berlin 68, Breslau 32, in den Regierungsbezirken Arnsberg 123, Düsseldorf 104, Münster 130, Posen 294, Stettin 91, Wiesbaden 176, in Hamburg 25, Budapest 241, Edinburg 311, St. Peters- burg 270, Prag 23, Wien 707 desgl. an Scharlach in Berlin 24, im Reg.-Bez. Posen 76, in Budapest 35, Edinburg 33, London (Krankenhäuser) 311, Paris 50, St. Petersburg 116, Sto>kholm 27, Wien 73 desgl. an Diphtherie und Croup in Berlin 44, Hamburg 28, Kopenhagen 30, London (Krankenbäuser) 108, Paris 59, St. Petersburg 123, Wien 56 desgl. an Unterleibstyphus in St. Petersburg 106.

Im Monat April sind na<hstehende Todesfälle gemeldet worden :

Polen: Bukarest 12, Marseille 21, Alexandrien 6, Kairo 14, Bombay 7, Buenos Aires 5, Rio de Janeiro 11; Cholera uvd Pest: vgl. die fortlaufenden Mit- theilungen in den Veröff.; Gelbfieber: Rio de Janeiro 28; Geni>starre: Baltimore 2, Brooklyn 5, St. Louis 3; Trichinose: Braunshweig 1; Influenza: Berlin 20, Ham- burg 11, Halle 9, Breslau, Danzig je 8, Leipzig, Braunschweig je 6, Bremen 5, Elberfeld, Hannover, Kreuznah, Altenburg je 4, Qued- linburg, Scest, Freiberg je 3, Aschersleben, Frankfurt a. O., Lüne- burg, Magdeburg, Mühlhausen i. Th., Stettin, Stralsund, Crim- mitschau je 2, in 16 deutshen Orten je 1, Kairo 1, Baltimore 28, Cincinnati 4, Buenos Aires 2. Im übrigen war in nachstehenden Orten die Sterblichkeit an einzelnen Krankheiten im Vergleich zur Gefammtsterblikeit eine besonders große, nämli<h höher als ein Zehntel: an Masern (1881/90 erlagen denselben 1,30 von je 100 in sämmtlichen deutschen Berichtsorten Gestorbenen): in Fürth; an Diphtherie und Croup (1881/90: 4,49% in allen deutschen Orten): in Bothelt, Grabow, Kalk, St. Iohann, Hagenau. Mehr als ein Fünftel aller Gestorbenen ist ferner nachstehenden Krankheiten erlegen: der Lungenshwindsuc<t (1881/90: 13,19 ®/% in allen deutshen Orten): in Forst, Frankfurt a. M., M.-Gladbach, Halberstadt, Caffel, Kattowitz, Köslin, Lüdenscheid, Meiderih, Neun- kirchen, Obligs, Remscheid, Solingen, Trier, Velbert, Wald, Watten- \heid, Bayreuth, Hof, Kempten, Landshut, Ludwigshafen, Nürnberg, Speyer, Cannstatt, Gmünd, Ulm, Pforzheim, Gießen, Offenbach, Oldenburg, Hagenau, Genf, Le Havre, Nancy, mehr sogar als ein Drittel in Neustadt O.-S., Passau; akuten Erkrankun- gen der Athmungsorgane (1881/90: 11,11% in allen deutschen Orten): in 53 deutshen Orten, darunter sogar mehr als ein Drittel in Bee>, Weißensee, Bocholt, Kreuznah, Ue>endorf, Göp- pingen, ferner in Genua, Brooklyn, St. Louis; akuten Darm- frankheiten (1881/90: 10,32% in allen deutshzn Orten): in Burg, Linden, Ingolstadt, Glauchau, Apolda, Gera, Le Havre, Alexandrien.

Unter den 262 deuts<en Orten hatten im Beriht8monat eine ver- hältnißmäßig hohe Sterblichkeit (über 35,0 auf je 1000 Ein- wohner und aufs Jahr bere<hnet) 2, nämliß Colmar 35,6 (1881/90: 27,7) und Bccholt 38,8. Im Vormonat betrug das Sterblichkeits- marimum 42,3 9/90.

Die Säuglingssterblihkeit war in 10 Orten eine be- trächtlihe, d. h. höher als ein Drittel der Lebendgeborenen, in Straubing 343 (Gefammtsterblihkeit 29,7), Apolda 344 (28,3), Königsberg 349 (25,2), Ingolstadt 369 (26,7), Langenbielau 370 (31,3), Werdau 373 (22,4), Prenzlau 377 (30,9), Landehut 379 (33,6), Meerane 413 (26,8), Tilfit 415 (29,0).

Die Gesammtsterblihkeit war während des Berichtsmonats

eringer als 15,0 (auf je 1000 Einwohner für den Zeitraum eines abres berechnet) in 30 Orten. Unter 13,0 9/00 blieb dieselbe in Döbeln 12,9, Wilbelmshaven 12,8 (1890/94: 16,8), Hagnnau 12,8, Wald 12,7, Jufterburg 12,6 (1881/90: 23,2), Schöneberg 12,3 (1888/92: 20,3), Velbert 11,7 (1893/95: 20,6), Erlangen 11,5 (1881/90: 32,4), Borhagen-Rummeléburg 10,6 (1891/95: 31,6), Ludwigsburg 10,6 (1882/91: 17,0).

Die Säuglingsfterblihkeit blieb unter einem Zehntel der Leber dgeborenen in Bielefeld (Gesammtsterblihkeit 13,2), Celle (18,4), Giebichenstein (13,4), Hameln (17,9), Hamm (17,4), Inster- burg (12,6), Iserlohn (15,0), Kattowiß (15,5), Krefeld (15,9), Kreuznah (23,1), Langendreer (143), Lüdenscheid (15,9), Meideri<h (18,7), Minden (13,6), Mühlhausen i. Th. (27,8), Osnabrü> (16,4), Saarbrüd>en (25,8), St. Johann (15,1), Siegen (22,6), Soest (32,5), Velbert (11,7), Döbeln (12,9), Gmünd (13,8), Offen- bah (17,7), Güstrow (20,1), Weimar (17,1). Weniger als ein Siebentel der Lebendgeborenen ftarb in 62, weniger als ein Fünftel derselben in 85 Orten.

ImGanzen scheint si< der Gesundheitszustand gegenüber dem Vormonat gebessert zu haben. Eine höhere Sterblichkeit als 35,0 9/00 fand sih in 2 Orten gegen 4 im Vormonat, eine geringere als 15,0 9/00 in 30 gegen 15, Mehr Säuglinge als 333,3 auf je 1000 Lebendgeborene ftarben in 10 Orten gegen 18, weniger als 200,0 in 173 gegen 172 im Vormonat.

Rußland.

ur Verhütung der Einschleppung der Pest sind für die Des- infektion der postalishen Korrespondenz, die aus pestverseuhten Gegenden nah Rußland versandt wird, nahstehende Regeln eingeführt worden :

1) Die Briefe und Kreuzhandsendungen mit Dru>ksachen und Ge- \häftspapieren aus von der Pest infizierten Ortschaften werden einer Desinfektion mittels strömenden Dampfes E,

2) Briefe (Paketsendungen) mit deklariertem Werth aus von der Pest infizierten Gegenden werden zur Beförderurg an russishe Poft- anstalten nicht On und im Falle ihres Eingehens an der Grenze an ihren Absendungsort retourniert.

3) Ebenso sind zur P E aus von der Pest infizierten Gegenden kommende Post-Pa>etsendungen (Objets de moessagerie colis postaux) und - Kreuzbandsendungen mit Gegenständen, deren Einfuhr aus jenen Gegenden verboten find, unzuläffig.

4) Die Desinfektion wird von der westlichen ai eroe be- werkftelligt: in Wirballen, Alexandrow, Graniza, Wolotshisk und Radsiwilow ; ferner in Odessa, Ssewaftopol, Batum, Baku und Wladiwostok; an der persishen Grenze in Dschulfa und Haudan und an der <inesishen Grenze in Troizkofsawsk. Die aus dem Auslande in besonveren Postsä>en versandte Korrespondenz nah St. Petersburg, Motkau, Warschau, Riga, Mitau, Libau, Tiflis wird in den Postanstalten diefer Städte desinfiziert. :

5) Als Bestätigung der erfolgten Desinfektion wird jeder Brief oder jede Kreuzbandsendung von der betr. Postanstalt mit einem Stempel mit der Aufschrift „desinfiziert“ versehen.

Die Postverwaltung von British-Indien ift telegraphish ersucht worden, die Korrespondenz-Absender zu warnen, der Korrespondenz keine derartigen Gegenstände beizulegen, die bei der Desinfektion mittels ftrômenden Dampfes (z. B. Papierwerthe, Dokumente mit La>- siegeln 2c.) verdorben werden können.

Türkei.

_ Zufolge Beschlusses des internationalen Gesundheitsratbs in Konstantinopel sollen die unter dem 7. Dezember 1892 erlaffenen Bestimmungen über die Einfubr von Häuten und fonstigen thierischen Abfällen in Zukunft au auf die Federn von Vögeln, Daunen (les plumes d’oiseaux, duvets) Anwendung finden. Leßtere müfsen fonah von einem Ursprungszeugniß begleitet sein. (Vergl. „Reichs- Anzeiger“ Nr. 307 vom 28. Dezember 1892.)

Verdingungen im Auslande.

Spanien.

26. Juni, 2 Uhr. Ministerium des Innern in Madrid und Stadtverwaltung von Murcia: Bau eines öffentlichen Schlacht- hauses in Murcia. Voranschlag 191 813,56 Pefeten. Kaution 5 ?/o. Näheres bei genanuten Behörden.

14. November. Stadtverwaltung von Linares, Provinz Jaén : Konzession für Zuführung und Vertheilung des Trinkwafsers aus den Quellen „Luis Albert“ und „La Hoz del Titorero* in der Stadt Linares. Näheres bei genannter Behörde.

Niederlande.

9. Juni. Gesellshaft „Landbouw Casino Beek Elsloö®* in Beek: Lieferung von 72 300 kg gemablener Thomas-Schla>e.

12. Juni, 2 Uhr. Justiz-Ministerium im Haag: Bau eines JFustizpalastes auf dem „Noordfingel“ in Rotterdam, Voranschlag 335 400 Gulden.

Rumänien.

8. Juni. Ministerium der öffentlihen Arbeiten in Bukarest: Fundierungsarbeiten, Tunnelsbauten 2c. auf der Eifenbahnstre>e Comanesti—Palanca (1. Loos). Voranschlag 1 350 000 Fr.

10. Juni. Desgl. 2. Loos, Voranschlag 1 550 000 Fr.

15. Juni, 4 Uhr. Bürgermeisterei der Stadt Jas sv: Lieferung s P mit mechanishem Zuge. Vorläufige Kaution

00 Fr.

21. Juni, 4 Uhr. Ministerium der öffentlihen Arbeiten in Bukarest: Bau des Stationsgebäudes in Calafat und zweier Halte- ftellen auf derselben Linie. Voranschlag 400 000 pr. i

21. Juni. Direktion der emán iben Eisenbahnen in Bukare | : Errihtung verschiedener Gebäude für die Zentral-Werkstätten in Bukarest und Bau der Verbindungslinie zwischen den Werkstätten und den Linien des Nordbahnhofs. Voranschlag 904 203 Fr.

23. Juni. Ministerium der öffentlihen Arbeiten in Bukarest: Errichtung verschiedener Gebäude, Einzäunungen und Brunnen auf der Linie Tirgu—Ocna—Moinesti—Saline. Boranschlag 800000 Fr.

27. Juni. Ministerium der öffentlihen Arbeiten in Bukarest: Legung der Schienen, Chaufseebauten u. \. w. auf der Eisenbahnstre>e Berlad—Galaß. Voranschlag 822 000 Fr.

9. Juli, 11 Uhr. Direktion der rumänishen Eisenbahnen in Bukarest: Fundierungs-, Ausmauerungs- 2c. Arbeiten, fowie Tunnelsbauten auf der Stre>e Rimnic—Valcea—Riul—Vadului. Voranschlag 10 036 112 Fr.

Kapland.

1. Juli, 4 Uhr. M. P. Thomfon, Stadtschreiber, Town-Hall, Uitenhagne: Liferung von 1325 t gußeiserner Röhren von 16 Zoll im Durchmesser für Wasserleitungen und von 17 & gußeiserner Röhren von geringerem Dur<messer. Näheres bei der Institution of Civil Engineers, Great George Street in London.

Verkehrs-Anstalten.

_ Aus Breslau wird gemeldet: Die Bahnstre>e Glaß—Lande> ist soweit gefördert, daß seit dem 1. Mai Arbeitszüge benußt werden können. Der Grunderwerb für die Bahn Liegniß —Rawit#<— Kobylin ist im Kreise Steinau abgeschloffen, und bezüglich des Klein- bahnprojekts Breslau— Trebnitz is das Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Der Kreistag des Kreises Waldenburg hat bes{lofsen, derNieders<hlesis<hen Clektrizitäts- und Kleinbahn-Aktien- Gesellschaft die Genehmigung zur Benußung der Waldenburg- Dittersbacher Kreishaussee in einer Länge von 4,4 km zur Anlage einer elektrishen Straßenbahn für Personen- und Güter- beförderung mit 1 m Spurweite zu ertheilen. Seitens der Provinzial- verwaltung ist für die Provinzial-Chausseestreken Waldenburg— Sorgau Salzbrunn Weißstein Hermsdorf Waldenburg auf 16,2 km diese Genehmigung bercits früher gewährt worden.

Bremen, 3. Zuni. (W. T. B) Norddeutscher . Lloyd. D. „Lahn“ 1. Juni 12 Mittags v. New-York via Plymouth n. d. Weser abgeg. „Trave“, v. New-York kommend, 2. Juni 3 Mrgs. in Plymouth angek. und 34 Mrgs. Reise n. Bremen fortges. „Dazxmstadt“ 2. Juni Vmn. Reise v. Albany n. Colombo fortges. „Aachen“, v. Baltimore kommend, 2. Juni 1 Nm. auf der Weser angek. „Saale“, n. New-York bestimmt, 2. Juni Vm. Beachy Head passiert. „Habsburg“, v. Brasilien kommend, 2. Juni 11 Vm=. auf der Weser angek. „Gera“, v. Australien kommend, 2. Juni 9 Vi. in Genua angek. „Bayern“, v. Ost- Asien kommend, 2. Juni 5 Mrgs. D over passiert. „Sachsen“, n. Ost-Asien bestimmt, 2. Juni in Neapel angekommen.

Hamburg, 3. Juni. (W. T. B.) Hamburg -Amerika- Linie. D. „Fürst Bismar>k", von New-York kommend, hat beute früh 8 Uhr Lizard passiert.

London, 2. Juni. (W. T. B.) Castle-Linie. D. „Ha- warden Castle" hat heute auf ter Ausreise Madeira passiert.

Rotterdam, 2. Juni. (W. T. B.) Holland-Amerika - Linie. D. „Maasdam“, von New-York nah Rotterdam, ift heute Vormittag in Rotterdam angekommen, D. „Spaarndam“" von M ottevam na< New-York, ist heute Nachmittag von Rotterdam abgegangen.

Theater und Musik.

Die Sommer-Spielzeit im Neuen Königlihen Opern- Theater wird morgen mit Rossini's komisher Oper „Der Barbier von Sevilla“ eröffnet. Die Beseßung lautet: figaro: fer Bulß; Rosine: Fräulein Dietrih; Graf Almaviva : Herr Naval ; Basilio: Herr Mödlinger; Bartolo: Ke Schmidt. Hterauf folgt das Ballet „Die Puppenfee* mit den Damen Dell’ Era und Urbanska in den Hauptrollen. Preise der Pläße: I. Rang-Loge und Mittel- Balkon 6.46; 1. Rang Seiten-Balkon 3 4; 1. Rang Tribüne 2.4; Mittel« Parquet 1. bis 10. Reibe 6 X, 11. bis 22. Reibe 4 #4; Seiten

arquet 3 ; Stehplaß 1 4 Im Garten findet von Nach- mittags 6 Uhr ab großes Konzert, ausgeführt vom Musikkorps des 2. Garde-Regiments z. F., unter Leitung des Königlichen Musik« dirigenten Herrn Graf statt.