1920 / 45 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Gebrau maßen. Es muß also besonders darauf hingewiejen * werden, daß der Steuerpflichttge keineswegs berechtigt ist, ohne

weiteres den Bedarf für fsechs Monate abzusegea, sondern es |

ist ihm unr geftaitet, den Unterhalt für die nächsten drei Monate in Abzug zu bringen. Will er darüber hinaus einen weiteren Abzug in Anfprncy nehmen, ss ift ihra anheimzufsitellen, die angegebenen Voraussezungen für einen weiteren Abzug daxzulegen.

In einigen Teilen Deutschlands konite vfichtigen das Steuererflärungsformular

den Steuer- für die

Beranlagnng der Kriegsabgaben noch nicht zugestellt :

verden, Ès empfiehlt sich nichtsdestoroeniger, dai diejenigen Steuerpflichtigen, die ihr Kapitalvermözen nah dem Stande vom 30. Juni 1919 durch ihre Bank

lassen wollen, dieser {hon jet den betreffenden Auftrag er-

teilen; denn es steht zu befürchten, daß die Banken anderu- !

falls nach erfolgter Zustellung der Formulare infolge der vlöpli Et Mehrarbeit nicht in der Lage wären, in der den Stene! pflichtigen zur Verfügung stehenden kurzen

rist die Bere&;nung aufzuilellen. Jn diesem Falle wären dann ! J | äts 7 werke, die jämtlien Arbeiter der Wasserwerke, des ftädti-

die Steuerpflichtigen gezwungen, ihr Kapitalvermögen an der Hand des Steuer kur3zettels selust zu berechnen. Jedenfalls find die Finangämter vom Reichsfinanzministerium angewiesen worden,

gemäß vorzunehmeir.

Da die Entente gegen das neue Umsaßsteuergeseß vom 24. Dezember 1919 Einspruch nicht erhoben hat, ist dieses seit dem 1. Januar 1920 auc im besetzten Gebiet (linfes Rheinufer nd Brückenlöpse) in Kraft.

Bann e rur 2e na

Die „Polnische Telegraphen-Agentur“ veröffentlichte vor

einigen Tagen eine Erklärung des poluischen Overkommandss, j

in der die Behauptung Een wird, daß die widerrechtlihe Unterbrehung des telegraphischen und telephoni- schen Verkehrs nah Ostpreußen durch die deutschen ab- rüdenden Truppen erfolgt sei, die planmäßig fämiüliche zur Unterhaltung des Drahtverkehrs erfordei lichen Einrichtungen zerstört oder mitgenommen hätten. Wie „Wolffs Telegraphen- bâro“ miiteilt, wird hierzu von zusiändiger Stelle bemerk:

Die deutschen Truppen haben bei ihrem Abzug lediglich thr planmäßiges Feldgerät mitgenommen, die Neichsleitungen find überall intaft Leblin ben und erst im Laufe des polnichen Vormazrsches uach der polnishen Beseßung unterbrochen worden. Die von dem poluischen Oberkommando aufgestellte Behauptung, daß die Unter- brechung des Drahtverkches willfürlih durch deutsche Truppen erfok fei, Wt daher vôllig unbegründet und umso weniger verständli, das eigene deutsche Interefse die Aufreterhaltung einer ungestörten Verbindung Oftpreußens mit den ührigeu Teilen „des Mutierlandes unbedingt exfordert. S

Das Urteil gegen den Fähnrich a. D. Oktwig v. Hirschfeld lautet wegen gefährlicher Körperverlezung unter Zubilligung mildernder Umstände auf 11/4 Fahre Ge- rängnis unter Anrechnung der ganzen Untersuchungsha vou 26 Tagen. Der Haftentlassungsantrag wurde mit ficht auf die Höhe der Strafe abgelehnt. Der Staatsanwalt hatte zwei Jahre Gefängnis beantragt.

Preuszen.

Eine Massenkundgebung der deutschen Sehles- ;

wigec fand am Sonntag in Flensburg und 24 anderen

Das Programm für alle Versammlungen lauteie: „Unser Nechtskampf um die Grenze“. Ju Flensburg . versammelten sich, wie „Wolffs Telegraphenbüro“ meldet, zu dieser Kund- gebung viele Tausende auf dem Exerzierplas, wo von ver- schiedenen Stellen aus Redner aller Parteien zu der Menge sprachen. Am Schluß wurde in allen Versammlungen eine Entschließung angenommen, in der es heißt:

«Wir Dentschen fordern unter Aufrehterhaltung unseres Protestes gegen die die Deutschen beeinträchtigenden Wahtbestimmungen als Nordgrenze eine Liaie, die gle:ch große Minderheiten aus beiden (Zetten läßt. Sechon auf Srunv des vorliegenden Abstimmungs- c gebnisses muß die Grenze mindestens bis zur Tidjelinie zurück- «drängt werden. Wir fordern, daß zur endgültigen Grenzfestseyung «uch das Ergebnis in der zweiten Zone mit herangezogen wixd. Nur auf der Grundlage des Rechts kann eine Verständigung von Volk zu Voik exxeicht werden.“

Pavlamentarische Nachrichten. Die deutsche Nationalversammlung ist nah einer

Meldung von „W. L. B.“ für kommenden Donnerstag, den

26. Februar, einberufen worden. Auf der Tagesoxdnung steht die Beratung kleinerer Vorlagen.

me erm E A

Der Landwirtschaftsausschuß der preußischen Landesversammlung hat sich, wie das „NaGrichtenbüro des Vezeins deutscher Zeitunzsverlegec"“ berichtet, für die Beibehal- tung der Zwangsbewirtscha\tung der Nahrungs- mittel ausgesprochen; denn alle auf Aufhebung der Zwangöswirt schaft sind abgelehnt worden, so der Antrag Fricdborg (Dem, ), der nur für Getreide und Mil noch die Zwangswirisehaft aufrechterhalten will, ferner der Antrag von Kessel (D. Nat.), der freie Wirischaft für den Zucker verlangt, der Antrag Porsch (Zentr.), der eine Erhöhung der Zuckerpreise wünscht, uud die räge Peters- Hochboun (Soz.) und Porsch (Zentr.) auf Annäherung der Gehälter und Whne an die Weltmarkilage. gegen wurden der Antrag Wiitih (Soz.) auf Förderung der landwirtschaftliheu. Produktion durch Zuführung von kfünftlichem Dünger und technischen Hilfsmitteln \swie Schaffun von Arbeitönachweisen für Landarbeiter und der Antrag Richtarsky (B will, einstimmig angenommen.

Statistik und Volkswivtschaft.

Zur Entwicklung von Fleisherzeugung und «perbrauch in europäischen Ländern während des Krieges.

Nach ciner im „Tropen Statistiken der verschiedenen Länder während des Kriezes in den Staaten des europäischen Festlands der Rindviehbestand um 10 bis 30 vH, in Deutshland um 18 vH, . in Frantreich um 29 vH, in Defterreih-Ungarn um über 20 vH, in

| 1913/14

| während die Zahl der Schafe mit 49,8 gegen 49,7 Miklionen fast | zur verbindung berechnen * Größeres erwarten lafsen.

j} Lohnforderu n den 2 j eine Verlängerung der Frist zur Abgabe der Steuer- | Krankenanftalten sind uicht im Ausstande. Der Stadtverwaltung ist -s

eiklärung nicht aus dem Grunde zu bewilkigen, weil die Bank i des Steyerpflichtigen uicht in der Lage fei, dié Berechraing fuisl- ! \ Arheitswillige erhalten militärishen Schug. 3 / allen tädtis{en Arbeitern uno Arbeiterinnen, die

| des mit dem Magistrat geschlossenen Tarifvertcages in ssmtlichen | i {tädtisGen Betrieban die Arbeit niedergelegt hätten.

: förderung zu erhöhen.

entr.), der mehr Saatgut zur Verjügung stelten

zer“ auf Grund der amtlihen gegebenen Uebaerfiht hat sich

um 20 bis 30 H ‘vermintert. Jn Großbritannien ijt der Beséand kaum zurückgegangen, seine fehr aroye Fleish- | einfuhr hat fch zuungunsten Australiens und Meuseelands sowie Argentiniens und Dänemarks mchr Kanada und den Ver- einigten Staaten von Amalia zugewandt, und zwar lieferten | Hut Australien u. Veteinigte z p f Argentinien Neu feoláub Staatén Kanada Dänemark ? Tonnex lets 265 000 92 C00 12 009 1914/15 * 3838 000 2% 000 143-990 34 000 131 000 1915/16 312000 169 090 251 000 60 000 85 000. An den Vereinigten Staatèn von Amerika hat fi{& von 1914 bis 1919 die Zahl der Rinder vou 56,6 Millionen auf 67,8 Millionen Stück, die der Schweine fogar yon 56,9 auf 75,6 Millionen vermehrt,

talien

437 000 119 000

unverändert geblieben ist. Dennoch wird die Auösfuhrmöglichkeit der Vereinigten Staaten weiter abnehmen, da jezt nur noch 390 Rinder gegen 660 im Jahre 1900 auf 1090 Ginwohner cntfallen.

gp E

Arbeitss|reltigkeiten. -

In Danzkig traten, wie „W. T. B.* meldet, am 20. d. M. die Arbeiter der städtischenGas-und Elektrizitäts-

\chen Fuhrparks, die Kanalisationsarbeiter usw. wegen en in den Ausstand; nur die Arbeiter der städtischen

unter Mitwirkung von Studenten der Technischen Hocbschule ge- lungen, eine Technische Rothilfe zu scaffen, durch die die städtishen Werke Nachmittags wieder in Betrieb gesezt wurden. Der Magistrat hat

in den Ausstand getreten sind, gekündigt, da fie unter Bruch

Wie „Petit Parisien“ „W. T. B.“ zufolge meldet, hat der Minister für öffentliche Arbeiten Trocquer am Sonnabend Ver- } treter der französischen Bergarbeiter empfangen, die sich bereit erflärt haben, Neberstunden zu leisten, um die Kohlen-

a Lyon find nah einer von „W. T. B.“ übermittelken Havaësmeldung 30000 Metallarbeiter in den Ausstand getreten. Bisher ift der Ausstand rubig verlaufen.

Aus Amsterdam meldet ,W. T. B.“ : Den Bättern zufolge, hat das Personal ver holländischen neuen Rhein- \chiffahrts-Gesellschaft den ausftändigèn Trans- portiarbeitern angeschlossen. =— Laut „Aigemeen Handeleblad“ hat die Schiffahrtsvereinigung (Verband der AEIERE beschlossen , jedwedes Laden und Lö)dchen der Schiffe von heute a aufhören zu lassen.

Mie das „Tschecho-\lowakische Correspondenzbüro“ aus Softa meldet, ift dort der am 27. Dezember vorigen Jahres begonnene Ausstand der Post- und Eisenbahnangestellten, der von den Kommun}sien veranlaßt worden war, nuumehr beendet. Die Ausständigen baben die Arbeit bedingungslos wieder aufgenommen, Die Regierung wird die Urheber des Nusjuandes niht wieder einstellen.

Gesundheitswesen, Tierkraulßeiten und Absperrungs- maßregeln. Ktel, 20. Februar. (W. T. B.) Nah Berechnung der Hiesigen

O riskraukenkasse find in den legten Tagen hier täglich 600 Neu- | t q y an Kobe am 12. Februar auf dem Dampfer „Ume Maru* ver-

erktranbungen au Grippe zu verzeichnen gewesen.

Kunft und Wiffenschaft.

Die preußishe Akademie der Wissenschaften hielt am 12. Februar eine Gesaai!sigüung unter dem Vorsig ihres Sekretars Herrn Planck, in der Her von Wilamowiß- Moellendorffüber die Kunstformen der griechischen Nede sprach. Nicht nur die Axbeit, auch das Spiel, der Tanz führt zu

î E erzeugt ned) fein festes Maß und keinen poetishenStüil. Es ift gebundene Rede, aber auch das Sprichr»ort bindet sie, auch so entstehen Verse, aber ohne festes Maß und ohne Sti!. Poesie gibt es erst, wenn es Poeten gibt, die aus ihrer Kunst ein Gewerbe macheu ; wo diese fehlen, wie bei den Jtalikern, fehlt auch eine wirkliche Vers- kunst. Den Griechen schaffen zuerst die home1iscen Rhapsoden eine Kunstform, die bald auf alles angewandt wird. Aber nah wenig SFahrhunderien tritt ueben die Verse gebundene Prosa, Kunsi prosa. Diese hat bald den Vorrang gewonnen, und das Eude ist gewesen, daß fich aus der Kunstprosa eine neue Verékunst eutwickelte. Herx Orth legte eine Mitteilung über Traumen und Knocheneiterungen vor. Die Osteo- myelitis ist eine hämatogene eiterige Cntzündung, bei der nidht eine Gewalteinwirkung, sondexn Bakterien n Vordergrunde stehen. Ein Uafall kaun ihk eine Hautwunde diesen die Eintrittöpforie Ucfern; aber wichtiger it, daß er für die örtliche Ansiedelung der Bakterien eine Disposition schaffen kann, die besonders in Verbindung mit der natürlichen Disposition wachscnder Knochen für die Gntstehung einer Osteomyelitis von wesentlicher Bedeutung sein kann. Den Tod kann eine Osteomyelitis direkt. herbetsühren, indem aus ihr eine Septikopyämie entsteht, aver fie kann au indirekt für ihn mitverantwortlich werden, indem fie die Grundlage von Vers!limmelungen, allgemeiuem Siechtum, Fettleibigkeit (Fettherz) abgibt. An 9 begutachteten Föllen werden die besonderen in Betracht kommenden Verhältnisse näber erläutert. Herr Goldschmidt legte vor zwei Sonderavdrucke seiner Arbeiten aus dem Jahrbuch der preuß schen Kunstsammlungen sowie eine Broschüre „Die Kreuzigung von Vadstena“.

| ihren Rollen ab.

Orien der zweiten und teilweise auch der ersien Zone statt. | pm Ger Bewegung und zwingt die begleitenden Worte unter diesen |

Die Akademie hat das korrespondierende Mitglied der physalis{- mathematischen Klasse Wilhelm Pfeffer in Leipzig am 31. Ja- nuar und das forrespondierende Mit, lied derselben Klafse Otto Bütsch Ulti in Heidelberg am 2. Februar 1920 duxch den Tod verloren.

fan ar 4A B

Infolge Gintritts wärmeren Wetters foll der Versuch gemacht werden, die wegen Kohlenmangels zurzeit ge{lossenen Berliner ftaat- lien Museen vom Dionslas, den 24, d. M., ab bis auf weiteres tägli in der Zeit von 10 bis 1 Nhr ohne Bun ofen zu halten, wie dies s schon mit dem Kaiser Friedrich-Museum ge!hicht. Montags bleiben das Alte, das Neue, das Kaiser Frievrih-Mulseum, das Kunsigewerhe-Museum und die Sammlung für Deutsche Volks- Lunde, Dionstags das Museum für Völkerkunde gon ofen.

Theater und Mufir,

Friedrih-Wilhelmftädtishes Theater.

„Der Raub der Europa“, eine dreiaktige Posse von Theo Halton und Emil Fiering mit Musik von Leopold Maaß, die zum erslen Vial am Sonuabend im F1iedri-Wilhelm- städtischen Theater in Szene ging, hat mit den Schicksalen der be- Tannten mythologishen Figur herzlich wenig 2M und wenn nicht

erade ein in dem Etück austretender Graf Roderih den Zu- aueri verrieie, daß er selbst unter diesem Titel ein Stü

verfaßt habe, so hätte mon der Posse aud ebensogut einen andern Namen geben diufen. Schauplag der Handlung isst ein Wiener

Ba

? wirkenden zusammenzubringen. Fn diefe „Handlung® sind zwet

Liebespagare eingeflohten, die nach cinigen H ndernissen zum Schlusse ihrer üblihen Bestimmung zugeführt werden. Daß trotz dieses mageren Inhalts die Zuschauec auf ihre Nechaung kamen, war besonders den z. T. fehr zeitgemäßgen Couplets, die starken Anklang fanden, der gefälltgen Musik, vor allem aber den Mitwirkenden zu verdanken, die sowohl durch ihr Einzelspiel, als au durch thr Zusammenwirken den Erfolg des

| Abends herbeiführien. Eine treffliche Figur als ehemaliger Kiarinetten-

blöser und nunmehriger Wiener Kaffechausbesizer {uf Kurt Mikulski;

; auch Walther Schenk als lyrisher Dichter Hahn und Adolf

Hartenfels als Verfasser des Stückes im Stück fanden sich gut mit Unter den weiblihen Da:stellern zeidbnete fich besonders Ilona von Montagh als Varietéstern Jlka durch thr an- mutiges und temperameuntvolles Spiel sowie èurch eine hübsche Stimme aus: Eigenschasten, die sie besonders in einem Czardas zur Geltung zu bringen wußte, und die, wenn nicht alles trügt, 1 Anerkennenswerte Leistungen boten ferner Maria Grium-Cinodéhöfer als Wiener Kaffeebqusbesigerin, Lilly von Arvay als eigentiihe Vertreterin der -Európa pre Hella Lhornegg als Gräfin Hulda. Das Publikum war jehr belustigt und Veß cs an Beijallskundgebungen nicht fehlen :

Im Opernhause wird morgen, Dienstag, „Madame Bútterfly“, mit den Damen von Catopol, Birkenström, Jörn und den Herren Kirehnrer, Armster, Hence, Philipp, Stock, Backmann und Krasa beseßt, aufgeführt. Musilkalisher Leiter ift Dr. Karl Bes. Anfang 7 Uhr.

Im ae wird morgen (außer dem Dauer- bezug) „Othello" in bekannter Beseßung unter der Spielleitung von Dr. Reinhard Bruck aufgeführt. Anfang 7 Uhr. Ueber sämtliche (intrittôkarten ist bereits verfügt.

Die Ausgabe der Dauerbezugskarten für den Monat März 1920 zu 25 Vorstellungen im Dperuhause und 20 Vor- stellungen im Schausptelhause erfolgt am 2b. und 26. d. M. zwis{en 9} uad 1 Uhr ia der E gegen Vorzeigung des Dauerdezugéêvertrages, und zwar am 2%. für 1. Nang, Parkett, IT. Rang des inhauses, am 26. für Lil. Nang Opernhaus und alle Playgattungen des Schauspielhauses.

Karlheinz Martin ist den Reinhardt-Bühnen als Spiel- [eiter verpflihtet worden. Er beginnt seine Tätigkeit im Einverständnis mit der Direktion des Kleinen Theaters, das ihm hierfür einen Urlaub bewilligte, bereits in dieser Spielzeit. Karlheinz Martin wird bereits die Uraufführung von Gerhart Hauptma„ns neuem Stückd „Der wetße Heiland“ im Großen Schauspielhaus in Szeue jetzen, i

Als nachste Erstaufführung în den Kammerspytelen des Deutschen Theaters wird am S den 1. März, Gerhart Hauptmanns fünsaktiges Schauiviel „Gabriel Schillings Flucht" auf- ge{ührt. Spielleiter it Felix Hollaender.

ert 4 L rem

(Der Konzertberich t befindet flch in der Ersten Beilage.)

Mannigfaltiges.

Die Reih3zentralftelle für Kriegs- und Zivil- gefangene tellt mit, daß seit dem 20. Januar insgesamt 190000 Mann, darunter über 4300 Offiziere, aus den Gefangeneunlagern in S zurüdlgekehrt 4 8 E vollzieht sih andauernd in planmäßiger Weije.

Nach einem Drahtberiht der {weiz n Gesandtshaft i Tokio hat der fünfte Die O dus

lassen. Der Transport, dessen Führer Oberst von Kessinger ist, läuft Tfingtau, Schanghai, Sabang und Port Said anu. An Bord be- finden sich 60 Ariegngetangene mit 14 Frauen und Kindern sowie 58 reichgangebörige nner und Frauen aus Japan. Jn iangpai werden ungefähr dreihundert Personen aufgenommen. (W. T. B.

Perpignan, 21. Februar. (W. T. B.) Infolge Ueber - schwemmung wurden die telegraphi}chen Verbin- dungen unterbrocheun und zahlreiße Brücden fortge- rissen. Der verursahte Schaden beträgt mehrere Millionen. Auf dem Mittelländischen Mecre herrs{t ein Sturm von furch¿barer Heftigkeit.

Madrid, 21. Februar. (W. T. B.) „Havas“ meldet: Die wolkenbruchartigen Megengüsse der leßten Tag- haben Ueber- schwemmungen zur Folge gehabt. Die Elektrizitäts- werke sind beschädigt. Madrid ist ohne Licht und Sixom.

(Fortsehung des Nichtamtlichen in der Grsten Beilage.)

Theater.

Opernhaus. (Unter den Linden.) Dienstag: 44. Dauer- bezuzsvorsteung. Madame Butterfly. Anfähg 7 Uhr. Mittwoch: Tanuhäuser uud der Sänugerkrieg auf Wart-

burg. Anfang 6 Uhr. Schauspielhaus. (Am Gendarmenmarkt.) Dienstag: Karten- re nas 40. . Othello, der Mohe vou Venedig. Anfang L.

T Mitiwoch: Friedrich der Große. 1. Teil: Der Ke inz. Anfang “d 7 y N S

Familiennachrichten.

Verlobt: Frl. Wanda von Zakrzewski mit Hrn. Farmbesizer Edel von Westernhagen (Rittergut Oppin, Saalkreis z. Zt. Lützen! söômmern). Fueiin Helene von Ziegesar mit Hrn. Hauptmann a. D. Wilhelm von Kloeden (Weimar Wiesbaden).

Gestorben: Hr. Oberlchrer a. D. Professor Dr. Oscar Kefiler (Breslau). Verw. Frau Luise Gräfin von Frankenberg und Ludwigsdorf, geb. Prinzessin zu Hohenlohe: Oehringen (Slawenßih). Frau Zeremonientmeitter Lidy von Frankenberg, geh. Freiin von Lüttwig (Breslau).

R]

Berankwortlicher Shriftleiter: Direktor Dr. Tyrol, Charlottenburg.

Verantwortlich für den Anzei il: Der Vorstehar der Geschäftsstelle. j Wechnungsrat a4 ge t ng A i AntA | Verlaa der Geschäftsstelle (Mengering) in Berlin. Druck der Norddeutshen Buchdrudterei und Verlagsanstalt, Berlin, Wilhelmstraße 32. Vier Beilagen

(einschließliG Börsenbeilage)

Kaffechaus, dessen er von dem Grafen veranlaßt wird, zweds Aufführung [eines

tüdcs in der Villa seiner Tante die Mit- ®

und Erste, Zweite, Dritte, Vierte und Fünft: Zentral-Handelsregister-Beilage.

zum Dentschen

M

NieGtamtlihzes; (Fortseßung aus dem Hauptblatt.) Preußische Laudesversammlung. 118. Sißung vom 21. Februar 1920, Mittags 12 Uhr. {Bericht des Nachrichtenbüros des Vercins deutscher Zeitung8verleger.)*)

Vom dem Abg. Dr. Por ch (Zenir.) ist eine förmliche Anfrage wegeu des Grubenholzmangels eingegangen.

Der von allen Parteten gemeinsam eingebrachte Gese g - E über Gemeindebeamte im Gebiete der künftigen Stadt Groß Berlin wird ohne De- hatte in allen drei Lesungen angcuonmen. Danach dürfen bis qum Jukcafttreten des Gesezes über di? Bildung einer Stadt Grog Berlin neue planmäßige Stellen für besoldete Mitalieder der Gerneindevorstände, für Beamte oder Angestellte nicht er- richtet und Besoldungsänderungen nicht vorgenommen werden.

3 folgt die Beratung des Antrages der Abgg. Dr. Friedberg (Dem.) u. Gen.: Die Frauen sind zu juristishen Prüfungen und zum Vorbereäi- tungSdienst unter den gleihen Voragus- sezungen Fuigzulassen wie die Männer.

Hur Begründung des Antrages erbält das Wort die Abg. Frau Dr. Heine; fie ist aber noch nicht anwesend. ___ Frau Ege (Soz): Mit diesem Antrag ist meine Vartei voll- fommen einverstanden. Nach Art. 128 tver Reichsverfassung find alle Staat3bürger ohne Unterschied entsprehend ihrer Fähigkeit zu allen Nemtern zuzulassen. Alle Bestimmungen gegen weidlihe Beamte sind zu beseitigen. Jn jurislishen Kreisen is vieles für und wider ¡eiprocben worden. s eberfüllung in der Slaat31nwaltshait durch Zulassung der Frauen uno zu vermehren. Das kann kein Grund sein, den Frauen Äemter vorzuenthalten. Nach dem Woit „Freie Bahn dem Tüchtigen" müssen auc) tüchtige Frauen ihre Tüchtigkeit bewähren können. Was will eg denn sagen, wenn vielleicht 120 bis 150 Frauen Rechtsanwälte sind, wenn ia Deutschland 115 000 Rechtsanwälte beitehen ? (Sehr richtig ! ling.) Die Anficht, daß es mit dec Frauenwürde nicht im Eirklan, siände, wenn Frauen in Sittlichkeitsprozessen Richter seien, ift dod heute wirkli nit mehr aufreckt zu erhalten. Die Frauen werden sich) sor eignen, sobald main ibnen die Wissenschaft eröffnet. Um dle weibliden Aerzte haben wir ebenfo kämpfen müssen, dann aber haben fie fih als ein Segen erwiesen. Die Frauen werden gerade zu weiblichen Anwälten over Richtern größeres Vert-auen haben. So wird sh auth der weiblihe Jurist als ein Segen für das seclishe Wohl der Frau erweisen. (Sehr richtig! links.) Wegen der hohen Kosten konnte s allerdings bisher die frau aus dem Volke nicht dem juristi:chen Berufe widmen, wir verlangen ja aber, daß dazu dur Besoltuna der Referendare die Möglichkeit ge- \haifen wird. Gerade in sittlichen und sozialen Prozessen wird fich die Frau als Richter bewähren. (Lebhafter Beifall.) Frau Dr. Lauer (Zentr.): Der Antrag zeigt, da Work wahrmachen will. Auf andcren Gebteten hat man ja die Beschrän- ung längst fallen gelassen. 8 handelt sich hi-r um den Befähiguags-

i A WMEOY E A

man das

nachweis. noch_nickt um die Berechtigung ; denn davon spricht der |

Antrag Friedberg nicht. Es werden sich ntcht allzu viele Frauen dem jurisli'@en Studium zuwenden, da die Aussichten hier nit allzu glnitig find. Die natürliche Veranlagung von Mann und Frau ist verschicden.

? N Beim juristishen Studium ift Logig und Geiste sfärte BPorauéfezung, was ja vielen F1auen abgeht.

Dagegen haben die rauen oft einen besseren Blick für das praktische Leben. Ich stimme dem demoftratischen Gruntgedanfen des Antrages zu.

Frau Dr. Spohr (dnat.): Theoretis hat man den Frauen das qurijtis.e Studium freigegeben, praftisch aber nicht. Man hat die Frauen dadurch, daß man sie in der Praxis nicht beihäftigt hat, 0bgehalten, thre Seiftungtfähigteit voll auszubilden. Solange diefer Mangel nit beseitigt ist, kann von einer gerehten Beurteilung der retstungéfähigfeit der „Frau nichr die Rede sein. Erst ein längerer Zettraum praktiscer Betätigung is notwendig, wenn die Frauen das in langen Iabren Verabiäumte nathholen follen. Au bei uns mussen die Frañen als Nechtäanwälte zugelassen werden, rie das seit einer Neiße von Jahren {chon in Norwegen, Holland und anderen Undern der Fall ist, und zwar zur aligemneinen Verriedigung. Für die Jugendgertcbie find die Frauen besonders geeignet. Was dke ge- meinsaine praftische Vorbereitung beider Geschleier betrifft, so baben fich noch keine Unzuträglichkeiten ergeben Das Pechtögefühl dr Frau ift anders ala das tes Mannes. Die Frau urteilt ohue Anwendung bestimmter allgemeiner Regeln, aber unter Berücksichti- gung der Besonberheiten des vorliegenden Falles. Die Frau vectritt die Billigkeit, ver Mann das logische Net. Jn manchen len wird eine Frau gerechter urteilen tönnen infolge der psycho- gischen Feinhetten ihres Seelenlebens als der gerechteste Mann. (Sbenso wie der weibliche Arzt sich die Achtung erzwungen hat, 10 wird es auch dem weiblichen Anwalt glücken, das Lertrauen des Publitums, besonders das Vertrauen der Frauen, zu gewinnen. Vertreter ‘des Justizministers Geheimrat Versen (auf der Tribüne nur brustückweise verständlich): Die Frage ist nad Ansicht der Justizverwaltung noch nit spruchreif. Eine Zulassung zu den &rlfungen und zum Vorbereitun, sdienst is nah Lage der Gesetz- gebung nicht möglih. Auf die Verfassunçcöbeslimmunz, daß alle Leutschen vor dem Geseß gleich sind, kann man sich nit berufen, deni das sind nur allgem-ine programmatische Fesilegungen, die fich rdht ipeziell auf das juristische Gebiet anwenden lassen. Auch die Vesilinmung der Reichsverfassung, die alle Ausnahmebestimmungen gogen das weiblihe Geshlecht beseitigt, kann hier nit angezogen erten. Es heißt da ausdrüdlich im Art. 128 „nah Maßgabe der Gesege“, d. h. der bestehenden Geiege. (Sie fönnen aber geändert verden.) Solanze sie bestehen, sind sie aber maßgebend. Danach innen nur Männer Richter und Rehtsanwälte werden. Daraus roigt, daß auch nux Männer zur großen Staatsprüfung zugelassen werden. Die ganze Materie gehört vor das Forum der Nei 8gescß- gedung, nit der Landesgesehg bung. Es ist deshalb zweckmäßig, die M genvas in diesem Sinne weiterzugeben.

Abg. Frau Arendsee (U. Sob.): Der Regierungsvertreter hat

Ofenbar von dem neuen Geist der Zeit noch keinen Hauch verspürt. Bir können nur wünschen, daß der Justizminister aus den heute bier don Frauen aller Pa:teien vorgetragenen Ansicien und Ueber- ¿eugungaen die Konsequenzen zieht. Die uns entgegengehaltenen Ein- ande find teils veraltet und dur die Entwicklung übertolt, teils lüngst wiederholt.

Abg. Dr. & ör ck (D. Vp.): Der bestehende Rehts:ustand steht N Verlangen der Antragiteller entgegen; es ist eventu-ll eiue lenderunzy der Geießgebung erforderlih. Daß den Frauen etne be- Qndere Eignung für die Mitwirkung an Vormunckschafts- und Zugendgerichten zuge) prochen werden muß, wird auch von uns durch- t Q D.

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HeihSanzeiger und Prettfzi

So ist gefragt werden, ob es klug fet, z. B. die ?

„freie Babn dem Tüchtigen“ auch auf dem juristis{en Gebiet

Erfte Beilage

Berlin, Montag, den 23 Februar

E ——— ————— ———————— L

aus anerkannt. Mit der Verweisung des Antrags an den Nechts- aus\chuß sind wir einverstanden.

Im Schlußwort weist Abg. Frau Dr. Heine (Dem.) mit Befriedigung auf die erstaurliche einmütige Zustimmung hin, die der Antrag gefunden hat. i

Es wird Verweisung des Antrags an den Rechtsaus\{Guß beschlofsen.

Von den Demokraten ist ein Gesezentwurf einges bract, nach dem § 34 des preußischen Feld- und Forst- polizeigeseßes von 1880 folgende Fassung erhalten foll:

Die zustänvigen Minister und die Polizeibehörden können An- Schuße von Tierarten, von Pflanzen, von bemerktens8werten Bodenvorkommnissen, dcs Landschaftsbildes und von Naturschutzgebieten, jowte zur Bernichtung \ch{ädlicher Tiere und Pflanzen erlassen und ¿war auch für den N eeresftrand und das Küstenmeer. Die Ucder- tretung dieser Anordnungen wird mit Geldstrafe bis zu 159 46 oder mit Haft b siraft.

ur Begründung dieses Antrags führt Abg. Dr. Sch{loß- mann (Dem.) aus, daß es si darum handelt, die Landschaftsbilder und Boden|hubgebtete, wie es die Neich8verfafsung verlange, unter betonderen geseßliden Schuß zu stellen. U. a. sei Hamburg auf diesem ‘Gebiet Preußen bereits vorangegangen.

__ _Gheimrat Hiefke: Der beantragte Gesetzentwurf {ließt eine Lücke in unserer Geseggebung und kann daher nur hohwillkommen geheißen werden. Der Landwirtschaftsminister hatte bere:ts einen Ihnlichen, aber niht gleich weitgehenden Verschlag vorbereitet. Üebrigens helfen auch die best-n Gesege nichts, wenn tir nicht eine fc::e Stüße im Volke felbst durŸ stete Belehrung und Erziehung gewinnen.

Der Geseßentwurf wird dem Rechtsausshuß überwiesen.

Hierauf tritt das Haus eia in die Besprechung der {hon am 6. Februar begründeten und beantworteten förmlichen Anfrage der deutschen Volkspartei (Abg. Boelit und Genossen) über die Lehrbücher für Geschichte.

Ministerialdireltor Ja h n k e cibt dazu noch folgende Erklärung namens des Ministers ab: Die Unterrichtsverwaltung gibt zu, daß es vielleiht besser gemesen wäre, vor Herausgabe des Griasses mit der Vereinigung der Schulbuchverleger Fübhlung zu nehmen; fe kann aber rit zugeben, daß er eine ernsthafte Schädigung herbeitütrt. Weder sind di- alten Bücher dur neue verdrängt, noch ijt etn Ver- bot erfolgt. Der Erlaß drängt vielmehr darauf, die Benutzung der Bücher während des Untcrrichts zu versagen und die Eltern vom 5ivange ter Anschaffung zu betreien. Für die Unterricht8verwaltung war und ist maßgebend der Wunsh den Geschichtslehrern die Mög- lichkeit zu geben, unabhängig von Lehrbücrn den Unterriht mehr auf die Kulturfort schritte als auf Kriege und Machtverschiebunaen einzustellen; dieser idea!e Gesichtspunkt ist wichtiger als eine mögliche Schädigung der Verleger. Sollte sie ab-r wider Erwarten den Ein- druck gewinnen, daß die Mehrhett in dem Erlaß eine nicht zu er- trag nde Cr'{werung des Unterrichts sieht, so würde sie bereit sein, in cine Nachprüfuug des Er!asses einzutieten.

Abg. Ha ck e (Soz.): Wenn man bten bôberen Schulen die Auf- gabe zuwei't, auf der Grundlage der Sotteëéfur&t und Vaterlands- liebe die Shüker zu selbständig dêétfkenden - Menschen zu erziehen, so versteht man unter Golteéfurht die Ko! feision, unter Vaterlands- liebe den Monarchiêmus und unter selbständiges Denken das Fest- balten an Borurteilen. Das Christentum lehrt d-e Nästenliebe, aber der Staat lehrt: Du tolist öten. Der Papst hat am 30. Juli 1914 gesagt: Ihr, die ihr heute Zeugen cid der größten Tragötie, die jemals menschlicher Haß und men)\chliche Leidend'ajt entiesseit haben, sollt wiffsen, daß beute die größte Lästerung gegen Gott ge- schieht, die jemals von der Menscbhcit begangen ift. Der Geschichts- unterricht in der Schule crweckt aber in den Kindern die Vorstellung, als ob die Welt dazu da set, daß die Menschen sich gegen'eittg den Kopf abshlagen. Nach dem Artikel 148 der Weimarer Beifassung soll der Schulunt:errih: im Geiste der Völfervsöhnung erteilt werden. Die Deut\chna!ionalen und einige Mitglieder der Deutschen Bolképartoi haben für die Beseiligung dicser Bestimmung gestimmt. Das foll man nit vergessen. In diesem Sinne werden noch beute Kaisergeburtstagieiern veranstaltet. Nicht die Namen der Fürsten und ihre Tatea, nicht die Schlachten und Gebietsecweiterungen follten die Kinder kennen lernen, sondem wie durch große Ideen und Er- findungen die Menschen weitergesbrt worden sind (Sebr richtig ! links). Für das positive Taisachenn:atetial genüut ein einfacher ten- denzloser Leitfaden, während der Vortrag des Lehrers und das Ge- \chichtslesebuch die Kulturgeschichte dem Schüler zu!ühren soll. Aller- dings wird auch in f: anzösishen Gescbichtébüchern Frankreid8 große Zeit unter Ludwig X1V bebandelt, aber es steht auc) darin, daß Ludwia X19. Frantreihs Wohliiand gänzlich rutiztert hat und das Bolf ihm Flüche in das Grab nachgesandt hat. Gewiß gehört in das Geschichisbub auh das Verdienst des Großen Kurfürsten uni Preußen, aber au der Wortbruch Friedri Wilhelms UL., der nach den Freihei!6friegen dem Volte die versprcchene Necfassung verweigerte und den Grund für die politische Nückständigkeit Preußens legte. Vor alicm ift in ter Gescbihte der voltêwirtschaftlihen und sozio!lo- gischen Entwicklung der Menschheit mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden. Der Nömerstaat it zusammengebrochen, als er seine wirtschaftliche Grundlage verlor. Herr Dr. Boeliß \prah voa der Anarchie im Geschihtsunterriht. Diese Anarchie ist längst dadurch eingerissen,daß der geseymäßig geäußerte Wille niht beachtet wird. Gerade den hôberen Schulen wird schr viel grundsäzlihe Sabotage gegen die Mepublik cetrieben. Der Wert des bisherigen Ge1chihtsunterrichts ift problematisch, es wär? nch's verloren, wenn für die Nebergangs8- zeit dexr Geschiitsunterriht ganz wegfiele. (Hört! hört! und Wider- spruh rechts.) Die Abichattung der bisherig-n Ge'chichtsbücher be- deutet nur einen Verlust für eine beschränlte Anzahl von Personen, aber (Fr sparnisse für viele Eitern. Jch er1uche das Min:sterium, unter keinen Umständen Les Grlaß zurückzunehmen. Der Geschichts- unterriht kann ohne Leh1buch erteiit werden. Wir legen dem Mini- sterium eine Neihe von Vorschlägen für den Geschichtsunterricht vor. (Beifall bei den Sozialdemotraten.)

Abg. Dr. Wildermann (Zentcum): Wir Katholiken in Deutschland, besonders in Preußen, halten die Errinnerung an die KuUurkampfzecit in unserem heranwahsenden Ge\chleht stets wah, damit es der opferwilligèn Glaubenstreue |einer Eltern und Bischöfe stets eingedenk bleibt, und unjere Glaubensgenossen im Vaterlande fich dessen. bewußt bleiben, daß keine Regierung, mag sie noch o stark sein, einen siegreichen Kampf gegen die katholische Kirche in Deut'ch- land zu führen vermag, wenn die Katholiken einig sind. (Sebr richtig! im Zenirum.) Viel“ Gesch ch:sbücher waren und sind nicht allein aus Wahrheitsliebe gi schrieben, nicht um die Geschichte objektiv da zustellen, sondern um irgendwe!chen Parteien oder Nichtunzen zu dienen. Wir Katholiken haben das in unserem Vaterland genügend erfabren und haben uns unter der altea Regtcrung sehr oft beklagen müssen. Jn eiuer deutsh-nationalen Versammlung sind die katholi\che Kirche und die zatho.iten D uischlands für den Ausbruch des Krieges und für feinen traurigen Aus,\ang verantwortlih g-macht wo: den. Wir wollen keine Ge\cbichtsbücher, die von eincm Parteistandpunkt

ordnungen zum

aus geschrieben fiud. Wir sind überhaupt gegen die dicken Geschichts- bücher. Es ist unmöglich, Deschichtsbücher von heute auf morgen her- d

Viel besser ift es, wenn ohne Bub unterri{tet ivird, als wenn vorgelesen wird, was leider noch vielfa geschieht. Man muß sich erst über die ganze Gestaltung des Schulwesens flar sein. Für die Uebergangszeit sind wir mit der Verfügung des Ministers ein- verstanden. (Beifall.)

Abg. Sommer (Dem.): Wir betauern den Miristerialerlaß vom 6. Dezember 1919. Das SPlingern will kein Ende nehmen. Wir verkennen ntcht die Fülle von ungemein wichtigen Aufgaben, die dem Kukltusministerium obliegen. Aber es sind dankbare Aufgaben und müssen auch bis ins kleinste vorbereitet werden. Die Fiage ift nit eine rein buhbäntlerische Geschäftssrage, sondern eine eminents- pâdag"gische, uad wir hätten gewünscht, daß der Minister vor dem Erlaß sih von Pädagogen bätte beraten lassen. Der deutshe Buch- bandel wird durch dieten Erlaß um etwa etre Million Mark ge- Gä: igt. Das deutsche Buchgewerbe ist eine derjenigen wir1!chaft- lihen Grscheinungen, auf welche wir mit Nechi flolz sein tönnen. Das hat die Bugra 1914 gezeigt, Kaum ein Gewerbe ift so dur den Krieg gescwadigt worden, wie das Buchgewerbe. Warum hat man nicht die Vertreter eines so wihtizen Verbandes gefragt? Das war cine grobe Unterlassungssünde. Auch die Sortitnenter werden geihädigt; der Erlaß kommt viel zu spät für sie. Auch die Eltern werden geschädigt. Solche einshneidenden Maßnahmen müssen recht- zeitiger getroffen werden. Auch wir find von der Notwendtakett einer Neform des Geschichteunterrichts überzeugt. Es ist unmöglich, den Geéschichtsunteriht vollständig tendenzlos zu geben. Die Geschichte soll auf Grund der Kenntnis der Vergangenheit den Blick tür die Gegenwart und Zukunft s{ärfen und vor allen Dirgen elnen mannhaften Charakter heraubilden. Wie wollen Sie das Deutihtum w'eder hochbringen, wenn Ste der Geschichte die belehcnde Seele nchmei. Ge}ihts- tabellen, Aufführungen von einfawen Tatsacen und Zahlen, find nur eine Tocenkammer der Geschichte. Geschichte aber soll auch be- geistern. Schon Gocthe sagte: das Beste, was wir am Geschichts unte:rit haven, ist die Begeisterung, die sie erweckt. Die Ueber- ipannung des nationalen Bewußtieins durch die Alldeutsden hat uns den Namen der Barbaren einge“raht, bat zu dzm grenzenlo!en Hasse geführt, der im Frieden von Versailiecs zum Ausdruck gekommen ift. Wir wolien richtioes Augenwaß haden für unsere Werte, aber au für die Werte der anderen Böikter. Das heißt deuts empfiden. Wir ver- langen in erster Linie Objektivität von der Geichichte, a“er auch der Ges shihtslehrer toll uns in die Höhen des Menschentuins bineinführen, und auß nicht de-n Blik verschleiein für das Abwär!s8gebhen, aud unseres eigenen Vottes, Das baben wir versäumt und verschuldet. Das Mintfterium muß sich in Verbindung seten mit den berufiichen Fachorganijationen. Wir haben viele tüchtige und objettive Geschichts» schreiber, die Auswabl würde da nit {wer iein. Wenn man von den |chädliGen Wirkungen eines EGrlafjes über:cugt it, dann muß man auch die KFonsequenztstn ziehen. Jn dieser Neformbewegung darf aber au ni&@t zu radikal vorgegangen werden, es ist nicht nötig, alles sorgsam fernzuhalten, was an Monarchen und Monarchentum erinnert, das hieße den Leufel mit Beelzevub ausireiben. És gibf auch unter den Hohenzollern um dên“ Kulturfort'hritt verd:ente«. Péänner und man muß auch den Verdiensten Preußens um die Hebung und Ausprägung des deuiswen G. danfens Rechaung tragen. (Lebhafter Beifall rechts.) Die Heschichte nuß obj fi» bleiben, und für den Geschichtsunterridt muß Sachlichteit uud Ger tigkeit die Richtschnur tein. In erster Linie sähen wir die Zurückz-ebung des (Srlass-8 am liebst-n; foll'e das nicht möglich e u», dann wäre vielleiht dem Vorichlag des Verlegêèrve' bandes : äherzutreten jedem einzelnen Lehrer frenzustel!en, das ttisher an fein: #1 al! erie Geschich:ölehrouch roeiter zu benußen oder nh, und daß Tem Schüler freigeitillt wird, das Geichiebtsbua d di Eltern anschaffen wollen unablänqg tas oder niht. Wenn das Benuzu gover“oi befet die Freilassung des Hausrea:rs gar mte, den werden bereit sein, ein Buch zu kautéa, dessen Bergung iu? Schule untersagt ist. Der Erla solle list 631d nah) rüji werden. (Beitall bei den Deutschen Demoekraten u-d redts

Abg. Nippel (dnat.): Der bisherigen UÜusicwerh:it urid Bos unruhigung weiter Interessenkreise auf diejem Gebiete ist dur den Erlaß vom s. Dezember insoweit allerdings ein Ende vemack&t worden, als diesec Erlaß fi als ein weiterer Schritt zu dea Ziele der Monopolisierung der Schul- und Lehrbücher und somit zur Sch ma- tisiecung des Geistes darstellt, Vielleicht wird bereits enst ih der Gedante erwogen, ein Staatsl-hrbuch, ein monovol|ifiertcs Lehrbih herauszugeben. Auh wir stehen einer NR-:fo.m der Geschichtsbücher freundüch gegenüber, aud wir lecea mehr Wert auf Kultur- als auf Friegszeshihte, auß wir sind gegen d:n Pe-rjonenlultus. Das Schhulbuch er Vergangenheit hbutte manche Fehler, abec wir müssen leider bie bemündete Befürä nig hegen, daß man seßt aüs einm Extrem in das andere fälf Menn der Abg. Dr. Wildermann hier die Gelegeubcit. gacgea dio deutihnationale Volkspartei zu polemisiercn, an den Haaren berbei- gezogen hat, so können wir das nur bedauern. Er fürditet tes elbst nicht, daß soihe Aeußerungen, wie sie hie und da in Bers tammlungen gegen die Katholiten gefallen find, in die Geschichts- lebrbücher Eingang finden werden. Was soll werden, wenn die Deutschnationalen in gleichem Tone antworten? Der Kultu:tampf wird sich nicht wiederholen. Kommt es noch einmal dazu, dann wird er, wie ein fatholishes Biatt mit Recht ge\agt hat, fih gegen das CG\ristentum überhaupt richten, dann wird in diesem Kamvfe Herr Udolf Hoffmann der Generalfeldmarschall sein. Wir wünschen, daß das Lehrbuch der Geschichte freigebalten wird von etinseitiger Parteidarsteliung; die Beschichte muß von einer höheren Warte dar- g \lelli werden. Es dar! aber auch nicht so neutral gehalten \. in, daz es ein blutleeres, wes-nloses Gevilde wird, ana dem fein Me:\{ch fich erwärmen kann. Wenn es \cho1 jeßt möulich ist, daß Stadt- verwaltungen tatholishe und evangelische Lehrer juchen, die sich zur Mehrheitsfozialistishen Partei zählen, was mag tann erst in Zu- kunft unfer harren! Der Grlaß vom 6. Dezember war recht kleinl:ch, er ift auch überstürzt und unfahlich, er ist ein Beweis für die geinige Biegsamkeit des Kultusministers, der es am liebsten allen recht machen möcdte, er ist eine V-.rbeugung vor dem äußer\ten Radikalismus. Gr beschränkt fich auch niht auf die neueste und neuere Geschichte, er macht vielinehr mit einem Feder!trich auch die alte Geschichte zur Makulatur. Einen Geschichtsunterriht ganz ohne Leit'aden und ohne Lehrbuch halte ih nicht für durhführbar und nicht für ertoigreih. Der Erlaß {ließt nur formell den Zwäng aus, tatsählch ist er eine unerträgliche Zwangsmaßregel.

Abg. Ob u ch (U. Soz.): Von einer Verbeugung gegenüber dem äußersten Nadifalismus ist bei dem Erlaß keine Rede. Was 1ônnen Sie (nah rechts) an diesem Erlaß als unduld)am bemängeln® Gr will ledigliih die Möglichkeit einer freieren Biwezung tür die Lehrer und die Eltern schaffen. In den heutigen Geschicht-lehrbüchern ott nur für Volfs ch len, 1ondern auch tür Vêiticl uud bôhere Schulen wird die gewaltige Geschichte der Sozialieform, an der Jabrzehnte lang das Volk in allen seinen Schichien mit der aröß!en Anstrengung und Lebhaftigkeit gearbeitet hat, in gan: ems itig r und arm- seiliger Weite als ein Werk der deutschen Kaiser h ng:\t Ut. Der Geschthtéunt.rriht war \chon vor dum Kriege jür einen greßen Teil des Volkes ein unerträgiicher Gewisse: 8&zwong. Jett, wo die weltgeschihtlichen Taisachen über die mi narch1\{chen Institutionen hinweggegangen sind, wollen Sie dem Minister verargen, daß er diese nicht mehr zur Grundlage des Geschichtsunterrihts machen will 2

zustellen,

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E S R R E E E E G R E Mrt Ez e

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V n Ba Ss Hv Gi S C KAE