1920 / 63 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

P

Bekanntmachung Auf Grund der Bekanntmachung zur Seentaiig unzuverläf\iger Personen vom Handel vom 283. September 1915 (NGBl. S. 603) habe ih dem Shankwirt Walter Wünsche, Lutheistr. 27, dur< Verfügung vom beutigen Tage den Handel mit Gegen- sländen des täglichen Bedarfs wegen Unzuverläsfigkeit in bezug auf diesen Handelsbetrieb untersagt. Berklín O. 27, ben 12. März 1920.

Der Polizeipräsident. Abteilung. W. I. V.: Dr. Weiß.

WelanuntmaGuUuUng-

Gemäß $ 1 der Verordnung des Bundesrats zur Fernhaltun unzuverlässiger Personen vom Handel vom 23. September 1915 ijt dem Jean Killewald sowie dessen Sohn Aloys Killewald, beide wohnhaft Cöln-Ehrenfeld, Vogel- fangerstraße 44, der Handel mit Lebens- und Genuß- mitteln aller Art, namentli<h mit Wein, Bier und alkoholfreien Getränken, untersagt worden. Die Mon der Veröffentlißhung haben Jean und Aloys Killewald zu tragen.

Göóln, den 12. Februar 1920. Der Oberbürgermeister. J. V.: Dr. Billstein,

Bekanntmachung.

Ich habe die Mühle des Müllermeisters August Schubert in Koßenau wegen Unzuverlässigleit des Betriebs3- inhab@as \< ließen lassen.

Lüben, den 11. März 1920.

Der Landrat. Freiherr von Stof\<h.

Bekanntmahun g.

_Auf Grund der Bekanntmachung zur Fernkaliung unzuverlässiger Personen vom Handel vom 28. September 1915 (RGB|. S. 603) habe i< dem S<hlächtermeister Franz Hoffmann in Potsdam, Spandauer Straße 30, dun<h Verfügung vom heutigen Tage den Handel mit Gegenständen des täglichen Bedarfs wegen Unzuverlässigkeit in bezug auf diesen Handelsbetrieb untersagt und seinen Betrieb geschlossen.

Potsdam, den 19. März 1920.

Der Polizeipräsident. von Zigzewig.

Bekanntmachuna.

Dem Händler Albert Mieli>ke in Ziebingen ist auf Grund dex Verordnungen des Bundesrats vem 23. Sep- tember 1915 (RGBL. S. 603) und vom 24. Juni 1916 (RGEBl. S. 581) die Erlaubnis zum Handel mit Lebens- und Futtermitteln wegen Unzuverlässigkeit entzogen worden.

Reppen, den 10. März 1920.

Der Vorsigende des Kreisausshu}ses. Rie >.

Niqchtkamtíliczes, Deutsches Reich.

Der Reichsrat versammelte fich heute zu einer Vollsizung; vorher hielten die vereinigten Ausschüsse sür Volkswirischast, für Haushalt und Rechnungswesen und für Steuer- und Zollwesen, die vereinigten Ausschüsse für Haushalt und Rechnungswesen und für Volkswirtschaft En die vereinigten Ausschüsse für Volkswirtschaft und für Nechtspflege und die vereinigten Aus- schüsse für Volkswirtschaft und für innere Verwaltung Sizungen.

Die Vorlage, betreffend die Ae ea der Staats- eisenbahnen auf das Reich zum 1. April d. J., ist, wie „Oi Telegraphenbüro“ meldet, vom Reichsrat angenommen worden.

Jn Ergänzung des gestrigen Berichts über die Ereignisse im Reiche infolge des Pulsches seien folgende Meldungen des „Wolffschen Telegraphenbüros“ über die Lage in den Ge- bieten und Städten mitgeteilt, in denen besonders shwere Un-

ruhen und Kämpfe staltgefunden haben:

Nach {weren Kämpfen, de sih zwischen Arbeitertruppen und der Neichswehr im rheinis<-westfälis<hen Industrie- gebiet unter Anwendung von s{hwerer Artillerie auf beiden Seiten abgespielt hatten, haben vorgestern unter Leitung des MNeichs- tommissars Severing eat ungen u Bielefeld begonnen, die in Hagen fortgesegzt wurden. Die Konferenz der Arbeitervertreter und Stadtverwältungen des Industriebezirks legte at eine Erklärung fest, in der ausgeführt wird, daß die Vertreter aller beteiligten Parteien und Erwerbsgruppen erklären, daß sie ihre Forderungen zur Entwirrung der entstandenen Lage mit der Verfässung und der Regierung auf Grund derjenigen Veieinbarungen in Einklang bringen wollen, auf Grund deren die Vorstände der Deutschen Gewe:k\chaften, der S. P. D. und der U. S. P. D. in Berlin die Beendigung des Generalstreiks beschlossen haben. Weiterhin wurde insbesondere be- stimmt, daß die Korps Lüßow, Lichtshlag und Schulz aufgelöst werden, und. daß die bestehenden Vollzugs- oder Aktionsausschüsse in Semenlbalt mit den zuständigen Gemeindeorganen die Ortöwehr aufzustellen haben. Zur Unterstüßung der ordentlichen Sicherheitsorgane wird, soweit erforderli, eine Ortswehr in Stärke bis zu drei auf tau]end Einwohner aus den Kreisen der republikanischen Bevölkerung, insbesondere der organisierten Arbeiter, Angestellten und Beamten gebildet. Die Beteiligten verpflihten sich, ihren ganzen Einfluß dahin auszuüben, daß die Arbeiterschaft so \{<nell wie an zur gebotenen Arbeit zurüdfehrt. Bet loyaler Einhaltung dieser Vereinbarung wird ein Einmarsch der Reichswehr in das rheinish-westfälische Industriegebiet nit erfolgen. Nach der Erlläcung des Reichskommissars wird das Mehrkreiskommando in politish- militärischen Angelegenheiten nur auf friftlihe Anweisung des gesamten Reichsministeriums handeln. Der vershärfte Ausnahmeiustand soll sofort aufgehoben werden. Weder den Arbeitern, die an den Kämpfen teilgenommen haben, noch den Mitgliedern der Polizei und Cinwohnerwehr und den Mannschaften der Neichêwehr dürfen Nachteile wegen ihrer Tetlnahme erwadsen. Veber die Lage in Thüringen berichtet die Reihswehr- Brigade XI, daß die Truppen des Generals Rumschöttel, ohne Wüderstand zu finden, in Cisenach eingerü>t sind und geftern die Gegend halbwegs Eisenah—Gotha erreichten. Wie die „Thüringer Allgemeine Zeitung“ meldet, haben die Aufrührer in Got ha gestern morgen bedingungslos die Waffen gestre>t. 1 Meiningen ist die Reichswoehr abgezogen ; ein Aktionsausshuß hat die vollziehende Ge- walt übernommen und verschiedene Vo uge im nördlichen Meiningen gener. Jn Ohrdruf ist der General treil aufgehoben worden. Die Arbeiterschaft befindet sh no< im Besiß von Waffen. Der Play selbst ist gestern naht freiwillig von der Noten Armee geräumt worden. Kleine Banden von Bewaffneten sollen sfih no< in den umliegenden Wäldern aufhalten. In Nordhausen herr|<hen no<h ungeseBlihe Zustände. Ueber Beendigung des Generalstreiks shweben BYerhandlungen. y Y L P ämpfe in und um Halle haben in der Nacht zum Dienstag ihr Ende gefunden. Die Stadt ist nah mehrtägigen

<weren Artilleriekämpfen wieder in den Händen der Regierungs-

truppen. In zahlreihen Massenversammklungen der Arbeiter bat \i< die Mehrheit tros Abmahnens der Sireikleitung für die Fortseßung des Streiks ausgesprochen, bis die vorgestern und gestern wegen der Kämpfe Verhafteten auf freien Fuß gesegt sind. :

In Leipzig fanden die {wersten Kämpfe in der Näbe des Hauptbahnhofes fait. Die Kämpfe zogen sih die ganze Woche bindur< fort. Die am p begonnene Kampfaktion gegen die Aufständischen hat am 22. zu dem Sieg der Truppen gesübrt, die nunmehr Herr der Lage sind. Der Generalstreik ist beendet; der Eisenbahn- und Postbetrieb sind vorgestern wieder aufgenommen. Jn Chemnißg hat die Arbeit:rshaft na< Entwaffnung der bürgerlichen Elemente die Herrschaft übernommen, ebenso in den Städten der Umgegend Hoherstein, Ernsttal, Limbah und Stollwerk. Die Oelsnitz-Lugauer Bergbezirke streiken no<. Im Vogtlande seßt sih die Näteberrshaft immer mehr dur<h. Besonders arbeitet der Kommuntist Hölz in der Gegend von Plauen und Falkenstein mit dem {c<ärfsten Terror. :

Sn Kiel verließen die Werstarbeiter auf die Erklärung des Militärbefehlshabers, Admirals von Leveßow, die Marine habe sich der Kapp-Regierung zur Verfügung aestellt, die Werkslätten und traten in den Generalstreik. Zum Oberpräsidenten wurde der kürzlich von der Mehrheit der Kieler Siadtverortnetenve! sammlung zum Rü>tritt gezwungene Oberbürgermeister Lindemann ernannt. Bald aber erklärten die De>offiziece und dke überwiegende Mehrheit der Marinetruppen \ih entschieden für die alte Regierung, worauf die Militärherrshaft des Admirals von Leveßow zusammenbrah, an dessen Stelle der Demokrat Hieronymus und der Sozialdemokrat Garbe die Gewalt übernatmen. Leveyow wurde inzwischen abberufen und dur den Konteradmiral Evers als Stationëchef ee it. äm Donnerstag kam es zwijchen bewaffneten Arbeitern, an deren Seite sih die Sicherheits- polizei stellte, und Reichswehrtruppen zu {wren Kämpfen. Schließ- li famen Verhandlungen zustande, die am Freitag zu einem Cin- vernehmen führten. Die Truppen kehrten in die Kasernen zurüd>, die Urbeiter beshlossen Arbeitswietergusnahme in allen lebenswichtigen Betrieben. In Wilhelmshavan wurde gleihjalls der Stalions-

ef Admiral Michelsen gezwungen, sein Ämt niederzulegen, nachdem die Matrosen sich geweigert haiten, die Kapp-Regterung anzuerkennen. Auh in Curhaven stellten si die Marinetruppen hinter die alte Negierung. ,

Fn und um Hamburg kam es zu Kämpfen, namenlli<h mit Baltikumtruppen. Die Harburger Cinwohnerwehr und die Neichs- wehc nahm 700 Mann Baltikuméruppen gefangen und führte sie nah Hamburg ab. Aus Bremen und Lübe> sind keine erheb- lihen Störungen gemeldet worden.

E

Ueber die Kohlenlage wird „Wolffs Telegraphenbüro“ von unterrichteter Stelle mitgeteilt : 5

Sn Westfalen wird voll gearbeitet. Es werden tägli un- gefähr 16 000 Eisenbahnwagen (saviel, wie zurzeit, als die Ausnahme der Mehrarbelt begann) gettellt.

Fn Oberschlesien wird voll gearbeitet, do<h gestattet die Verkehrslage nit, die geförderte Menge aus dem Revier heraus- zusaffen, da besonders der UnisteUbahnhof Breslau-Brodau sehr stark verstopft ist.

Sm rheinis<hen Braunkohlenrovier, das im be- sezten Gebiet liegt, hat die Arbeit während ber kritishen Tage nie gesto>t. Dagegen wird im mitteldeutshen Kohlenrevier, im Halle- ichen Nevier, im Bitterfelder Revier, im Zeitz-Weißenfelser Revier tast garniht gearbeitet. Ebenso wird in Sachsen zu einem großen Teil no< gestreikt. Im Altenburger Revier wird zwar gea!beitet, do< werden die geförderten Kohlen zum großen Teil n die Bedürf- nisse des Altenburger Landes verwandt. Im Niederlausizer Revier, belandérs in Senftenberg und Umgebung, ist heute, von wenigen Aus- nahmen V M A die Arbeit roieder ausgenommen worden. Doch dürfte die Koblenversorgung solange zu wünschen übrig lafsen, bis die dur den Cisenbahnerstreik hervorgerufene Bensiopsung der Bahnhöfe beseitigt und damit die Verkehrénot behoben ifi S /

Preußen.

Der Minister des Junern hat dem „Wolffschen Teles rophenbüro“ zufolge dem Oberbürgermeister Dr. Hasse, früher in Thorn, die Vertretung des Oberpräsidenten er Provinz Oftpreußen übertragen. Ferner wurden für den Oberpräsidialrat von Hassel und den Regierungs- präsidenten Freiherrn von Braun in Gumbinnen Vertretungen

bestellt.

Die Jnteralliierte Kommission in Allenstein. hat der „Allensteiner Zeiumg“ zufolge eine Versügung erlassen, wonach auf Giund des Ausnahmezustands Streiks sowie Aufreizung hierzu verboten sind. G

Parlamentarische Nachrichten.

Die für den heutigen Donnerstag anberaumte Sigßung der Deutschen Nationalversammlung ist nah einer Meldung von „W. T. B.“ ‘auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Dem Präsidenten Laar wurde die Ermächtigung erteilt, nah Klärung der Lage eine Sißung anzuberaumen.

Nuch der Aeltestenansshuß der preußischen Landes- veriammlung hat gestern beschlossen, mit Rücksicht auf die ungekllärte Lage im E die für den gestrigen Nachmittag an- beraumte Sißung ausfallen zu lassen. Der Präsident wurde ermächtigt, die nächsle Sizung anzuberaumen; sie soll einen Taa nah Zusammentrilt der deutschen Nationalversammlung stattfinden.

Jagd.

ür den Landespolizeibezirk Potsdam verbleibt es bin li des Beginns der Jagd auf Wildenten für das Sade 1920 bei dem geseglihen Termin (1. Juli 1920).

Theater und Musik,

Schauspielhaus.

Frank Wedekinds wohlbekanntes Hochstaplerstü> „Der Marquis von Keith" ging am Freitag, den 12. d. M., unter der Spielleitung Leopold Feßners zum erstenmal über die Bühne des SwMau}pielhauses, und zwar in einer dem Bizarren, Grotesken und Paradoren der Handlung vollkommen angepaßten Stilisierung. Es war der erste große Regieer folg des neuen Intendanten, der mit der „Tell“-Aufführung so viel Widerspruch erwe>t hatte. Die niht an Zeit, Ort und Wirklichkeit gebundene karikierende Kunst Wedekinds verlangt, wie Jeßner jn rihtig erkannte, eine Gestaitung, die

< dem Wißblattstil annähert. Im Zusammenwirken mit em Münchener Maler Emil Pirchan stellte der Spiel- leiter sie daher in einen Rahmen, der ihrem Wesen SERE Gegen einen \{li<ten weißen oder roten Hintergrund stellte er die insgesamt in shwarze, phontastis<h zugeschnittene Ge- wandung gekleidecen Figuren so, daß sie, bis auf die kreideweißen Ge- ihter, wie Silhouetten wirken mußten; {warz war auch das pârliche Hausgerät auf der Bühne. Diesem Stil entspre<end, bewegten sih auch die Schauspieler im allgemeinen so, daß die Um- risse ihrer Körper phantastis<he und verzerrte Linien aufwiesen. Jn diesem Rahmen wirkten Wedekinds Absichten viel überzeugender als bei realislisher Spielweise, weil die Men|chen, die er schildert, fo wie so nicht dem Leben nachgezeichnet sind, be t insbesondere die Hauptgestalt —, gewissermaßen neben sich selbst tretend, die Rolle

ibrer einenen Erklärer spielen. Auß die Spre<weise der Darsteller hatte Herr Ießner so zu inspirieren gewußt, daß sie sich diejem von ihm geschaffenen besondere! Wede!intstil gut anpaßte. In erster Linie ist der Tiäger der Hauptrolle Friy Kortner hervor- zuheben, der dem si<h Vèarquis von Keith nennenden Hochstapler einen Zug dämonischer Größe, tinen Stih ins Napoleonishe zu geben wußte, und neben ibm Tilla Durieux als temperamen1volle, in der Erscheinung sehr fesselnde Gräfin W rdenfels. Als D.itter im Bunde ist no< Lothar Müthel in der tarik'erten Rolle des vom Leben ge- foppten Idealisten Ernst Scholz mit Anerkennung zu nennen. Auch in den vielen Epyifodenrollen waien dur<weg tühiige Kräfte am Werk. Einmütiger starker Beifall rief zum Schluß mit den Hauptdarstellern auch den Intendanten Jeßner hervor.

Neues Volkstheater.

Mit der „Hoffnung auf Segen“, dem Unglü>sschiffe des Reeders Klemens Los in Hermann Heijermans vier- aftigem Schauspiel gleihen Namens (Deuts<h von Fcanziéka de Graaff), eröffnete am 13. d. M. unter der Direktion von Emil Beris<h und Heinz Goldberg das Neue Volks1heater in der Köpeni>er Straße dem Publikum seine Pforten. Die E: wartungen, mit denen die zahlrei<h erschienenen Besuher dieier Eröffnung mit einem Tendenzstüd>e, das vox Jahren beretis an verschiedenen hiesigen Bühnen in Szene gegangen war, entgegensahen, wurden nit allein restlos erfüllt, fondern weit übertroffen, dank den auégezei<hneten Leistungen sämtlicher Mitwüikender, die es verstanden. die im Grunde ziemli<h dürftige Handlung höht dramatis< zu gestalten. In er- greifender Weise fvielte namentii<h VMaitha Altenberg die Rolle der abgehärmten Fischerswitwe Kniertje, deren Söhne dur<h Paul Herm und Er» Laskowski mit all der diesen Rollen innewohnenden Leiden- \chaftlihkeit dargestellt wurden. Die brutale Energie des nur auf den eigenen Vorteil beda<hten Reeders Bos kam in der Wieder- gabe dur< Eri<h Kuttner in pad>ender Weise zum Durch- bru, etenso vortreffih zeihnete Otto Kirchner die Figur des vertro>neten Buchhalters Kaps. Vorzüglihes leiteten ferner Friedrih Lobe als Bruder Cobus und Grih Otto als Häusler

aantje; thnen ebenbürtig waren die Damen Rose Liechtenstein Ey

taria Kühne (Klementine) und Hertha von Steuben (Marietje Auch die Neberrollen waren dur<weg gut beseßt, ebenso entsprachen das Zufammen|piel unter Leitung von Heinz Goltberg sowie cte Ausstattun1 allen Anforderungen. Wenn die weitere Entwicklung der neuen Bühne hält, was diese erste, mit wiederholtem starken Beifall aufgenommene Darbietung verspriht, dann dürfte die Hoffnung auf Segen, die soviel Leid über die Gestalten der aufgeführten Dichtung E te, für die neue Bühne im wörtlihen Sinne in Erfüllung gehen. ;

Im Opernhause wird morgen, Freitag, „Nigoletto“ (63. Dauerbezugsvorstellung), mit den Damen Hansa, von Scheele- Müller, Manke und den Herren Mann, Schwarz, Habich, Kraia, Bachmann, Lücke, Schüßendorf als Gast beseßt, gegebeu. Mu!ikalischer Leiter ist der Kapellmeister Otto Ura>k. Anfang 7 Uhr. Am, Sonnabend (64. Dauerbezugsvorstellung) geht „Mona Li'a“, Sonntag (18. Reservesaß) außer dem Dauerbezuge „Die Walküre“, Montag S Reservesatß) als Volkévorstelung „Der Waffenshmied“ in

zene. Sm Schauspielhause erfolgt die Wiederaufnahme der Borstellungen des „Marquis von Keith®“ am nähsten Sonntag. Morgen, Freitag, werden „Die . Journalisten“ (66. Daueibezucçs- vorstellung) in bekannter Beseßung unter der Spielleitung Albert Patrys (Anfang 7 Uhr) gegeben. Am Sonnabend (67. Dauerbezugs- vorstelung) wird „Der Kronprinz“, Sonntag, Nachmittags (53. Nes servesaß) als Volksvorstelung „Nathan der Weise“, Abends (52. Ne- servesaß, außer dem Dauerbezuge) „Der Marquis von Keith“, Montag (68, Dauerbezugsyorstellung) „Othello“ wiederholt. Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit.

Mannigfaltiges.

Die Neichszentralstelle für Kriegs- und Zivil- gefangene teiltmit: Der Heimtransport der deutschen Kriegsgefangenen aus Ostsibirien-ist gesichert. Fünf papanllde Dawpfer sind fest gecartert, woyon der erste „Scotland

aru* am 20. März 1920 Wladiwostok A sollte. Die Kosten für die Heimshaffung von ungefähr 5900 Gefangenen betragen rund 150 Millionen Mark. Von den Heimkehrertrans- porten aus Japan is der Dampfer „Une Maru“ am 9. März von Sabang na< Port Said, „Hudson Maru"“ am 14. März von Port Said nah Anbordnahme dort interniert ge- wesener Neichsdeutsher nah Bremerhaven weitergegangen, wo er vom 1. April ab erwartet wird. (W. T. B.)

Sm amilien Teil der heutigen Nummer d. Bl. ist (unter Preußen) eine Bekanntmachung des Kohlenverbandes Groß Beclin vom 23. d. M. über Festseßung vou Kokspreisen veröffentlicht.

_(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.) ? JVOÖSVGUE E IRLOOULN N IRS C ESRET E O T R I I G T

Theater.

Opernhaus. (Unter den Linden.) Freitag: ‘63. Dauer- bezugsvorstellung. Rigoletto. Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaus. (Am Gendarmenmarkt.) Freitag: 86. Dauer- bezugsvorstellung. Die Jourualisteu. Anfang 7 Uhr.

Die Ausgabe der Dauerbezugskarten für den Monat April 1920 zu je 20 Vorstellungen im Opernhause und Sdcauspielhause erfolgt am 27. und 29. d. M., zwischen 97 und 1 Uhr, in der Theaterhauytkasse gegen Vorzeigung ‘des Dauerbezugsvertrags, und zwar: am 27. d. M. für den 1. Rang, das Parkett und den 2. Rang des Opernhauses und am 29. d. M. für den 3. ang des Opernhauses und für alle Plaß- gattungen des Schauspielhauses.

Familiennachrichten.

Verlobt: Frl. Elisabeth Reimer mit Hrn. Regierungsrat Dr. jur. Hans Biaunkbälter (Berlin-Wilmersdorf).

Gestorben: Hr. Geheimer Regierungsrat, Professor Dr. N. Zunß (Charlottenburg). Hr. Generala1zt Dr. Wilhelm Schürmann (Karlsruhe, Baden). Hr. Verlagsbuchhändler, Major d. Nef a. D. Rudolf Eisenshmidt (Berlin).

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Verantwortlicher Shriftleiter: Direktor Dr. Tyrol, Charlottenburg. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Der Vorsteher der Geschäftsste

Vechnungsrat Véengering in Berlin. : Verlag der Geschäftsstelle (Menaerina) in Berlin. Dru>k der Norddeutshen Buchdrudkerei und Verlagsanstalt, Berlin. Wilhelmstraße 32. Vier Beilagen (einshließli< Börsenbeilage) und Erste, Zweite und Dritie Zentral-Handelsregister-Beilage.

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Erite Beilage,

zum Deutschen Reichsanzeiger und Preußischen Staatsanzeiger.

Nichtkamtlicßes, : TForisekung aus dem Haup!tblall]

Polen.

Eirer Meldung der „Times“ aus Warschau zufolge dauern ia Woléynien die starken Angriffe Ln Bee wisten gegen die polnische Front fort.

Der Siaatskommissar für bie U an Polen

teilt den Deuiscz-Polnischen Pressedient mit, daß na< den neüeslen omtlichen Juformotionen die Verlängerung des deuts<-volnishen Beamtenabtommens nicht endgültig vereinbart worden ift, Die vorübergehend in Polen in Dienft getretenen deutschen Beamten scheiden daher mit dem 31. Märzaus.

s Frankrei}.

Die Votschafterklonferenz hat vorgesiern einen Vor- trag über die Loge in Deutschland gehört und Bestim mungen des Friedensvei trags mit der Türkei über Strafakiionen und and27e Fragen beratea.

Die Kammer hat ein Gese angenommen, durch das vom 1. März an jedem Senator und Abgeordneten ein Zuschuß von 1000 Frarken monatiih gewährt wird.

Jn der Kammerkommission für Auswärtige Angelegenheiten und Finonzen erklärte der Minister- präsident Millerand, wie „Wolffs Telegraphenbüro" be- richtet, daß das auswärtige Statut für Elsaß-Lothringen auf jed-n Fall Bezieburgen mit dem Heiligen Stuhl verlange.

Litauesn.

Laut Meldung dcr „Berlingike Tidende“ aus Kowno hat die litauishe Negaierunga in einer Note an Fiypnland ibr Bedauern ausgesprochen, nicht zur Konferenz der Nandstaaten in Warschau eingeladen oder über die Ergebnisse der Konferenz unterrichtet wor ben zu sein, und erklärt, fi dur< ein Abkommen der Nandftaaten nit gebunden zu fühlen.

—— Na einer Meldung des „Wolfsschen Telegraphenbüros“ haben die Polen den vor einigen Mle Gen Ängriff auf Litauen auf Verlangen der Ententekommission, die die polnishen Streifragen unte:su<ht, wieber eingestellt Die M eine Rethe von Dörfzra, die fic beseßt haiten,

‘äumt.

Niederlande.

Die niederländische Regierung kat, wie der „Tele- graa¡“ meldet, infolge der Ereignisse in Deutschland aus- gedehnte Maßregeln ergriffen, sowohl umim Jinera des Landes die Ruhe aufrehtzuerhalten, als au<h um etæaige Strei züge roter deutscher Trypper:abteitungen zur Austreibung von Lebens-

mitteln in die Niederlande abzuwehren. Es ift den nieder-

ländischen Behörden bekannt, daß zwis<en spartakislishen N im wetisälishen Jndustriegebiet und niederländischen ommuniften Fühlung besteht.

___— Weie Amsterdamer Blätter melden, befaßten fi die Abgeordneten der an die Zweite aae 7 geschlossenen Länder auf ihrer vorgestern in Rotterdam ab- gehaitenen Sipung, der u. a. Troelstra, Huysmans und Shaw beiwohäten, mit den Aufforderungea zur Teilnahme an dem internationalen Kongreß, der im Juli in Genf statt- finden soll. Außerdem wurde von dec Abordnung, die sich nah Deutschland begeben hatte, um zwischen den deutschen Sozia!ldemotraten Einigkeit yerzustellen, Bericht erstattet.

Amerika.

Im amerikanischen Senat brate der Senator Owen einer radiotelegrophischen Meldung zufolge einen Antrag auf Abänderung der Verfassung ein, wona< der Senat ermächligt „verden foll, den Fiiedensrertrag zu ratifizieren, au<h wenn der L U Rebe Stimmenmehrheit erzielt

nb ri eine Zweibrilteimehrheit, wie sie die Verfaßun

bisher vorgeschrieben hat. | S

DemamerikanishenRepräsentantenkause ist laut Meldung des „Wolfsschen Telegraphenbüros“ ein Gesetzentwurf zugegangen, der zu einem Sonderfrieden zwischen den

ereinigten Staaten und Deutschland ermächtigt. Dec Entwurf sieht die Schaffung eines Handelsrates vor, der fo ras als möglih dem Kongreß einen besonderen Entwurf für die Leislung von Krediten an Europa 1mterbreiten soll. Diese Kredite sollen so lange laufen, bis der Wechselkurs den Stand der Vorkriegszeit erceicht hat.

Asien.

Die „Times“ berichtet aus Charbin, daß chinesische Truppen die Eisenbahnlinien besetzt haben. Die russische Polizeimocht ist aufgelöst worden.

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Statiftik und Volkswirtschaft

Die Hauptergebuisse der reih<hsgesezlihen Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung für das Jahr 1918.

_Das Ianuarheft der „Amtlichen Nachrichten des Neichs- versicherungsamts“ (Jahrg. 1920) enthält u. a. die gemäß $ 1358 Abs. 2 der Meichspersicherungsordnung aufzustelende Nachweisung über die gesamten Nechnungsergebnisse der Träger der Invaliden- versicherung für das Gefchäftstahr 1918. Die Landesversicherungs- anstalt El)aß-Lothringen und die Pensionskasse der Reichseisenbahnen haben keine Üebersichten mehr eingereiht. Im folgenden werden die wichtigsten Zahlen aus der Nachweisung über die Iehnungsergebnisse der verbliebenen 30 Versicherungsanstalten und 9 Sonderanstalten mitgeteilt und zum Vergleih in Klammern die vorjährigen Zahlen unter Aussckeidung der Ergebnisse der genaunten berden Versicherungs- träger beigefügt.

, Ver von den 30 Verstherungsanstalten aus dem Verkauf von rund 973 (574) Millionen Beitragsmarken erzielte Erlös belief sich auf 233842 360 4 (221 316142 4); die Bettragseinnahme der 9 Sonderanstalten betrug 27 312 258 (6 (24 742 886 4) für rund 56

(52) Millionen Wogenbeiträge. In diesen Beträgen sind 64 326 6 (90 078 M) enthalten, die von den Arbeitgebern ver)iherungsfreier Ausländer gemäß $ 1233 Abs. 2 der Neichsversiherung8ordnung für rund 444 000 (681 000) Beitrag8wechen entrichtet roorden sind. Rukfierdem gingen 27 908 6 (35 429 4) für Zusatmarken ein. Die Gesamteinnahme aus Beiträgen bezifferte sich mithin auf 261 182 526 4 (246 094 457 46). è

Die Abrechnung für das Jahr 1918 umfaßte 109 317 (101 293) JInvalidenrenten, 58 019 (78 809) Krankenrenten, 43 049 (71 583) Altersrenten, 17 399 (15 386) Witwen- und Witwerrenten, 1140 (1015) Witwcnkrankecnrenten, 85 800 (94 851) Waifenrenten (Waisenstärnme) und 64 (50) Zusayrenten, zusammen 314788 (362 987) Nenten mit einem dur<s<nittli<en Fahresz- betrage von 206,91 (201,67) #, 198,48 (200,01) 4, 174,87 (172,76) M, 83,89 (82,76) M, 84,44 (83,60) 4, 92,30 (94,09) A und 1,65 (3,63) 4. Kinderzushüsse wurden bei Jnvalidenrenten in 21359 (20725) und vet Kranfenrenten in 21 141 (31257) Fallen gewährt; ein Kinderzuschuß betrug durds&nitttih bei den Fnvaliben- renten 45,75 (46,09) é und bei den Krankenrenten 46,89 (47,48) 6. Bei der erstmaligen Festseßung der Waijenrenten find 190 174 (217 030) Waisen lberüctsitigt worden, fo daß auf eine Waise ein durchschnittliher Iahreëbetrag von 41,64 (41,12) 6 entfiel. Ferner find 30 011 (32 002) 46 Witwengelder und 4 741 (3 567) 46 Watsenaus- steuern in der Durhschnittshöhe von 82,24 (81,23) 6 und 26,56 (26,33) H gezahlt worden; Beitragserstattungen erfolgten dagegen nux noch in 2 (4) Fällen.

An, vei<sgeseupltGen Sn [VMadigunagen Renten und einmaligen Leistungen würden 365 923 571 #6 (275 493 347 Æ) gezahlt. Davon entficlen auf das eib 92819431 M (92254504 6), nämli 912106483 M (90 591 254 4) an Menten und 1578783 Æ (1663250 4) an einmaligen Leistungen, auf die Verstherungsträger 273 104 140 M (1383 238 844 46), und zwar 272143022 Æ (1821990583 #4) an Nenten und 961 118 M2(1 039785 M) an einmaligen Leistungen.

FürdasHeilverfahren sind cinshließlih bon 1 837 244 46 (1259 870 4) für Hausgeld, 3 149 453 6 (2216 324 M) für allge- weine Viaßnahmen gemäß $ 1274 der Neichsversicherungtordnung und 12636 852 M (12 368 279 6) jür Krteg8wohlfahrtsvflege insgesamt 45230428 M (36270822 (A) aufgewen det worden. An Etrfsazzleistungen gingen von den Krankenkassen 4799 $07 46 (3 349 016 46), von den Trägern der Unfallversicherung 10 307 46 (39485 H) und an fonstigen EGrsagleistungen und Zuschüfsen 1187 698 6 (1 040 797 6), im ganzen 5 297 773 M (4403 258 46) ein. Das Heilvcifahren und die Kricgswohlfahrtspflege erforderten fomit bei den 39 Veisicherungsträgern cine YNeinausgabe von 39232 69046 (31861995 M) over 15,02 “A (12,95 Æ) vom Hundert der Einnahme aus Beiträgen aus|[{ließliÞ der Zusay- marken.

Die Kosten der Invalidenhauspflege beliefen sh auf 2847 521 4 (25625370 MÆ), wovon jedo die einbehaltenen MNentenbeträge in Höhe “von 651 689 J (642 625 Æ) und sonstige Ersaztzleistungen und Zuschüsse im Betrage von 187 443 #4 (179 959 46), inógejamt 839 132 46 (822 584 e) abzusehen sind. Die tatsächliche Ausgabe betrug demna<h nur 2008 389 #6 (1739786 46). Für Waisenhauspflege wurden von 18 (17) Verscßerungsträgern zusammen 659 715 „#6 (446 483 4) aufgewendet. Nah Abzug von 52 155 M (29987 d) Tür einbehaltene Menten und forstige Crsag- leistungen und Zuschüsse blieb eine Neinausgabe von 607582 16 (408 896 6). Dice Mehrletfiungen nah $1400 der Neichs- versiherungsordnung beliefen fh auf 1101 097 4 (884 706 4).

Die Kosten der allgemeinen Verwaltung betrugen 28 611572 4 (20726 055 A6), das find 110 4 (84 #) von je 1009 ,/ó der Einnahmen aus Beiträgen und Zusatzmarken und 80 /6 (84 46) von je 1000 /( der Gesamtausaabe. Die Verwaltung #- kosten überhaupt beliefen sih auf 38 056 133 46 (28547 831 6). Von je 1000 # der Verwaltungskosten überhaupt kamen auf die allgemeine Verwaltung 752 # (726 #4), auf die CGinziehung der Beiträge 78 4 (87 4), auf die Ueberwachung 82 4 (83 6) und auf sonstige Kosten 88 6 (104 46).

Die Gesamteinnahme stieg im Geschäitsjahr 1918 auf 358 535 6501 (337446524 #) und die Gesamtau8gabe auf 357 643159 # (248 049490 4); der Vermögenszu- was betrug also 892 492 4 (89 397044 #4).

Das Vermögen der Landesversiherungsanstalten und der für die rei<sgeseßlibe Invaliden- und HinterbliebenenversiWecung be- stimmte'Teil des Vermögens der Sonderaustalten betrug am Schlusse des Berichtsjahres 3 258 044 320 A (3 099 943 206 46). Diejtem Vermögen (Robvermögen) standen 807 268 788 46 (650 060 167 4) Schuldverpflichtungen gegenüber, so daß ein Neinver- möôgen von 2450775531 4 (2449833039 6) verblico, Die bemertenswerte Zunahme der Schuldverpflichtungen ist auf die starke Beteiligung der Bersicherungsträger an den im Jahre 1918 zur Ausgabe gelangten Kriegsanlcihen und auf die feit dem 1. Februar 1918 zu zahlenden Nentenzulagen zurüczusühren. Von den letzteren sind den PVersicherungéträgern vom Neiche °/%, mit mehr a!s 82 Millionen Mark gestundet worden. Auf der Belastung dur<h Nentenzutagen beruht auch die geringe Zunahme bes NRetnvermögens. Die Landzs- versiwerung3anstalt Posen hat für die Wertpapiere und Dazleben die Bilanzwerte, d. h. den niedrigeren der beiden Werte: Antkaufs- oder Auszahluncspreis oder Kurswert, no<h nicht mitgeteilt. Für die übrigen 38 Versiierungsträger bleibt der Brlanzwert um 208 078 901 46 hinter dem Ankauss- oder Auszahlungspreife zurück.

Angelegt waren von ie 1000 4 Nobvermögen 13 (6 (8 M) im Kassenbestande, 951 46 (955 #6) in Wertpapieren und Darlehen, 33 s (34 44) in Grundstücken und 3 H (3 F) in bewegliher Ein- richtung, 1 494 899 525 M (1 292 667 516 46) oder 610 # (528 46) von je 1000 é des Neinvermögens in Auleihen des Reichs uad der Einzelstaaten. Die durc\chnittliche re<nung8näßige Verzinsung des Ende 1918 in Wertpapieren oder Daclehen an- gelegten Vermögens betrug ‘4,19 (4,13) vH des Ankaufs- oder Auszahlungspreises. E

Funst und Wissenschaft.

In der Märzsibung der Gesellschafi für Erdkunde spra der Professor Dr. Sarre - Neubabelsberg über die mo - hammedanisc<he Baukunst in Perfien. Der Vortragende wies in einleitènden Worten auf seine Reisen hin, die ihn zum Studium der mohammedanishen Kunst dur) das gesamte Gebiet der islamischen Länder und vor allem mehrmals nah Persien geführt haben, wo er auch während des Krieges militärii<ß und a beschäftigt war. Auf dem iranischen Hochlande hat sih mit zcit- weiligen Unterbrehungen seit den Tagen der acämenidischen Großtönige, eines Cyrus und Darius, bis in die Gegen- wart ein monarchis< régierter Nationalstaat erhalten. Hiermit und mit der geographishen Abge|<lossenheit hängt es zusammen, daß si die Kunît bier eigentümlih entwi>eln konnte und zu allen Epochen in hoher Blüte stand, Weniger als die Felsreliefs und Palastanlagen der Achämeniden und der Sassaniden, die vom 3, bis 7. Jahrhundert bis zur arabischen Invasion herrshten und die national-persische Kunst nahhaltig pflegten und förderten, sind die Kunstäußerungen der mohammedanishen Epoche Persiens bekannt.

1920.

I E T Ey

Die fast aus\Mließlih in Bacstein errihteten Bauten find, wenigstens die der älteren Zeit, zugrunde gegangen und baben fi nur tn Nuinen erhalten, die unaufhaltsam dem Untergaig entgegengehen. Die frühislamishe Kunst Mescpotamieas und d2s persischen Hoch- landes hat sh auf altortientalisher und bellenistisGer Grundlage entwidelt. Die Weiterbildurg des Gewölbebaues und der Palast- architettur der parthishen und sassanidischen Epohe haben unsere Ausgraßungen von Samarrxa, der abbasid!schen Kalifenresidenz inr 9. Jabrhundert, nördlich von Bagdad gelehrt. Hier finden si auch in den reihen ornamentalen Stückdeforationen der Ännenräume die alt- orientalis{hen Orthostaten wieder, die in den bettiischen und afsyrischen Paläjten, hier freilich in Stein ausgeführt und mit figürlihen Dar- fellungen verziert, die Wände fo>elartig umgaben. In Persien zuiage ges komrnene Neite lehren, daß dizfelbe Stlicédeforation wie in Mesopotamien zu gleicher Zeit au dort üblih war. Seit dem 10.—11. Jahrhundert mehren sich die bier no< vorhandenen Nutnen von Baudenkrnälern. Zu den ältesten Monumenten gehören die Mausotcer urid Grabtürme. Rund oder viele>ig gestaltet, zeigen sie das Bestreben, die Flöche in der Technik des Ztegelmosaits mit geometris<en PDêuftern zu verzieren. Dazu kommt dann der glafsierte Ziegel, der eist nur einfarbig, in blauer Farbe, auftritt, um dann immer breiteren Naum in der Flöchendckoration einzunehmen. Die in Lüstecfarben bemalte Fliese, das tunstvoile, in der SGnittehnik bergefteilie Fayencemotaik und daneben das geschnittene und modelliecte Stück, das national-pezsische Smulsystem, finde: seit dem 13. Jahrhundert vor allem tin den Snnenräumen immer reih2zre Verwendurg. Aus dem Beginn des 14. Jahrhunderts Hat sich ein imposantes Grabdenkmal in dent Mausoleum des Mongolen Chodadvende Khan in Sulfanich im nord=- westlichen Persien erhalten.

Neben dem Mausoleum in seinen verschiedenen Formen beansprucht te Entwickelung des islamishen Bethauses, der Moscheen, befendere Be- atung. Von dem ältesten, tn Samarrca in charatteristiscer Fort ver- breiteten Bautypus, der sogenannten Pfeilermoschee, bei der auf Stüßzen ruhende Hallen einen re<hte>igen Hof umgaben, baben f< in Persien nur no< geringe Spurxcn erbalten. Dägegen hat hier der Bautypus der Kuppelmoschee mannigfa!tige Veiwendung gefunden, auf die der Boctêagende im einzelnen hinwies. Auch der Bautypus der Me- dresse, der religiösen S<huke, ist zu nennen. Er hängt mit dem sassanidishen Palastbau zusammen und zeigt eine quadraui!<he Hofs anlage, in deren Teilen f, umgeben Len Nischen, hohe, ionnen- gewölbte Hallen, die sogenannten Liwane, öffnen. Diese Liwane \piclen in der persischen Architektur eine besondere Nollce. Der Vor- iragende zeigte in: Lidtbilde die aus dem 13. Jahrhundert stammenden vraGtvollen Bauten des Seldschukénreihes vcn Konia in Kleinasien. Sie sind nachweislib von verstGen Architekten und Handwerkern gei<affen und haben fich verhältniömüäßia beser als die gleichzeitigen rein versis@en Bauten crhalten. Hier: har auc wieder das {Fayence moslaik in der Innendekoration eine ‘große Bedeutung, das in be- sonders reicher Weise in jüngerer Beit auf persishem Boden bei der aus dem Beginn des 15. Jahrhundérts stammenden Blauen Moschee von Tebris verwandt worden ist. Der politishen Zerrifscnheit, in welche der zweite mongolise Einfall unter Timur Persien gestürzt hat, malt um die Wende des 15. Jahrhunderts Schah Ismael, dec Begründer der Safiwidentynaitie ein Ende, indem er das ganze Land untec einem nationalen Zepter vereinigt. Die Safiwitenzet, wenigstens ihr Beginn im 16. Jahrhundert, fann als eine persische Nena!ssance bezeihnct werden. Au! allen Gebieten küust- lerishen Schafens ist ein Azufitrebcn bemerkbar. Dieser Cpocze ver- danken wir au< die prachtvollen geknüpflen Tevpiche und die Seiden- stoffe, Fayencen und mit Mintatwren gcs>@m>ten Hands@riften. Die Moscheen und Paläste, mit denen dtte safiwidishen. Herrscher, vor allem Abbas der Große (1537—1629), ihre Vesidenzen, besonders JFsfahan und die Grabmoschee der Dynastie tn Ardebil, s<hmüdten, gehören zu den bedeutendsten Schöpfungez der national - persischen Architektur und bilden ihren glänzcnden Abschluß. An die Stelle des Faycncemosaiks tritt die zuadratishe Fliese, mit naturalistischermn, oft unter europäischem Einfluß {t Hendem Blumenmusier; mit ihr sind die Wände der Mo'‘ween bede>t. Durch die Mongolen kommt versische Zrchitektur auß na<h Turkestan und Indien, Die Wauten d-8 Welteroberers Timur und seiner Nawbfolger in Buchara und Samarkand und die pröchtigen und vhantastisGen Denkmäler der Mogulkaiser in Lahore, Delhi und Agra gehören zu den s{<önsten Aeußerungen ber persishen Kunst. Der dewis<hen Forschung, fo {loß der Vortragende, find fürs erste die Wege na< dem Osten verschlossen. Dies i umso mehr zu bedauern, als die persischen Denkmäler, wenigßens die auf dem HeHlonde, unaufhaltsam dem Verfa geweiht: find und nur dur< Aufnahmen und genaue Unter- \udangen der Nachwelt erhalten werden kênnen.

Verkehrswesen,

Für die Cinreise naÞ Schweden sind folgende neue vorläufige Bestimmungen erlassen worden:

1. Für jeden Antrag auf Einreise na< SA#weden find der Schwedi\hen Gcsandtichaft in Berlin, Begentenstraße 20, drei vor- schrift8smäßig ausgefüllte und mit Lichtbiidern versehene Fragebogen sowie Paß mit gültigem Sichivermerk für die Ausreise aus Deut|<- land vorzulegen. 2. Die Kosten der telegravbisWen Anfrage be=- tragen 40 Mar für jeden Anirag. 3. Bn Stempeltosten sind pro - Person 40 Mark zu entrichten. 4. Für Besuchs- und Erholungs- rcisen sowie Siellungsantritt empfiehlt es sich, die Einreisegenehmi- gung vorerst dur die [<wedisde1 Neferenzcn beim ‘Minifterium des Aeußern in Sto>holm zu erwirken. 5. Für DurGreise dur Schweden na< Norwegen und Finnland find bis auf weiteres Rüt- fragen in Sto>Xholm nicht Nui Pag ind unter dèr Borausfezung, daß Bescheinigung über Durchreise ohne Aufenthalt beigebraht wird. Das Visum der Schwedischen Gesandtschaft in Berlin wird drel Tage vor der Grenzüberschreitung erteilt. Dabei find vorzulegen. Drei Fragebogen, Paß mit gültigem deutihen Sichtvermerk wie oben und Visjum des in Frage kommenden Landes.

_ Bahnamilich wird mitgeteilt: Der Zu g verkehr inSachsen ift nunmehr in vollem Umfange wieder aufgenommen worden, Seit Montag verkehren au< die Züge nah und von Leipzig wieder fahr- planmêéßig. Zwischen Dresden und Berlin verkehren seit Sonnabend ebenfalis alle Züge. Einzelne Störangen sind no< bei den von Beriin na< Dresden abgehenden Zügen zu beobachten. Die "im Zugverkehr mit Breslau eingetretenen Störungen find glei<fall3 be- hoben. Die Züge werden au hier bis und ab Breslau durchgeführt. Ebenso ist der Zugverkehr über Großenhain und Kaznenz in Richtun

Senfkenberg und Kottbus wieder frei. Auch in Thüringen i

der Zugper ehr wieder aufgenommen worden. Störungen 0E jedo noc< {n Halle, sodaß der Zugverkehr über Leipzig hinaus in der Nichtung Halle zurzeit no< nit möglich ist. Der Schnellzug- bertehr von und nah Hann over wird voraussi<tlti{< über Bitter- feld— Dessau umgeleitet. Nah wie vor muß jedc< damit gerechnet werden, daß die zurzeit vorhandenen Verbindungen dur< örtliche Störungen zeitweise wieder unterbrochen werden,