1825 / 15 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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unterdrüct worden war, und die Chefs der vereinigten Jrländer entweder auf dem Schaffot ihr Leben verblu- teten, oder aus dem Lande verbannt wurden, war an die Stelle des revolutionnairen Gèistes der gemäßigte Wunsch ruhiger und friedlicher Reformen getreten. Die Regierung, oder wenigstens die Freunde des Hrn. Can- ning und des Lords Liverpool suchten diesen Wunsch bei jeder Gelegenheit zu unterstüzen ; die Sendung des Mar: quis von Wellesley nach Jrland, als Vizekönig des Lan- des, war eine Bürgschaft dieser . wohlwollenden Gesin- nungen. Der König selbst hatte bei seiner Reise nach JFrland, (vor zwei Jahren,) die Hoffnungen des gemä- ßigten Theils der Katholiken mit neuem Muthe belebt. Dlese Hoffnungen beschränkten si<h darauf, die an- gefehensten Personen des Jrländischen fatholischen Adels als Pairs im Oberhause, und einige fatholische Depu- tirten, die unter dem Einflusse der Pairs oder der Kor- porationen würden gewählt werden, ins Unterhaus zu- zulassen. Mittelst dieser Konzession würde das politische Recht’ der katholishen Bevölkerung JFrlands anerfannt i worden feyn, die Ausübung dieses Rechts aber wäre in : die Gränzen beschränkt gewesen, die das Junteresse der : Katholiken selbst sogar erfordert; denn es ist einleuch- © tend, daß wenn in Folge alter Bürgerkrieg irgend ein : Tange unterdrüchtes Volk sich wo befindet, das der Zivil: * fation gewissermaaßen fremd geblieben, es gefährlich sein : wúrde, dassclbe auf einmal (plôözlich) zur Theilnahme an : der politishen Gewalt desjenigen Gesellschaftsvercins, Der es unterdrücft hat, zuzulassen. Diese Gefahr ist in ¿ Jrlaud wegen der ehemaligen Güter - Konfiskfationen- dop- © pelt groß: 9- Zehntheite der Ländercien sind dadurch den ¿Katholiken cntrissen worden, und der wahre Streit ist, : wie-Lord Liverpool es sehr gut bemerfc hat, ein Streit : Zwischen denen, die alles und denen, die nichts haben. Er Die fatholische Aristokratie in Jrland war mit ei- * nem solchen Pläne friedliczer Reform zufrieden, und : die aufgeklärkesten Mitglider der katholischen Geistlichs- ? Feit theilten diese Ansicht, ‘wobei sie übrigens nur den Vorschriften der Religion sich gehorsam bezeigten. Y Die Ungeduld aber und der angeborne Leichtsinn der : Jrländer haben diesen friedlichen Gang der Reform ge- : stórt. Die jacobinische nud ultramontane Fakftion haben : sich ‘des öffentlichen Geistes bemächtigt, und arbeiten in i einer =— an“ sih schon sehr befremdlihen Gemeinschaft * dahin, der Regierung durch Schre>en und Drohungen : das'zu entreißen, was eine feste und weise Landesverwal- - tung nur lojalen und ehrerbietiget? Bitten gewähren * darf. Der ‘katholische Verein zu Dublin, ursprünglich in sehr reiner Absicht gestiftet, hat sich zu diesen aufrüh- * rischen Anschlägen und Umtrieben hinreißen lassen z er hat ein Manifest bekannt gemacht, in dem er zwar den : Katholiken anempfiehle, sich jedés Jnsurreftionusakfts zu “enthalten, jedoch in einem Tone dics empfiehlt, der, so “zu sagen, zu verstehen giebt, daß er, wenn er's angemes- sen finden werde, auch das Signal zum Gegentheil würde g:ben fönnen. Hr. O’Connel, erster Advofat zu Dublin und Verfasser dieses Manifests, hattè seine ge- heimen Gedanfen schon verrathen, als er in jenem Ver- “cin gehaltenen Rede den Wunsch ausdrú>re, einen Jr- ländischen Bolivar an der Spiße des Landes erscheinen zu sehenz ganz entschieden aber hat er die Maske abge- worf:n, indem er si<h döfentlih mit dem s{<äudlichen William Kobbet, dem englischen Marat verband. Schon in wehrerei; Blätteri “seines Jouruals hat Kobbet die Nothwehdigfkeit einer Radikal - Neform des Grundbesikes in Jrland proklamirt; na<h dem Dafür-

halçen dieses alten Jakobiners man nicht bei halben èaßregeln stehen bleiben , das heißt, sich nit blos mit derx Restitution der politishen Rechte begnügeu , fondern

die Abkömmlinge der. Spoliatoren müßten ihm zufolge auch die Ländereien , die empfangenen Zehuüten und alle anderé, von ihren Vorfahren usutpirte Besikungen und. Einkünfte wieder zurückgeben. Dies ist dic buchstäbliche

Sprache dieses politischen Marats, und eben dieser M ist's, den Hr. O’Connell in einer der lebten Sißun; des' fatholishen Vereins , mit den promphaftesten Ÿ sprüchen , als den Advokaten, des katholischen Jrla vorstellte. :

Dies ist der wahre Gesichtspunkt, aus dem man jekige Gährung in Jrland betrachten muß. Auf | festen Lande denkt man vielle!<t , die Engl. Regierung way bei diéser Gelegenheit zu den strengsten Maßregeln, Militair - Operationen , zur Suspension der fonstitut nellen Gesebe u. \. w. ihre Zullucht nehmen. Wir ho

dagegen, es werde alles mit heftigen Diskussionen in Fs

öffentlichen Bläctern und in gesellschaftlichen Zusamny fünften , Diskussionen, welche den katholischen Jrläny zugleich die Eiùsichr von ihrem wahren Besten verschas werden, abgethan scyn.

Wien, 11. Jan. Der-oesterreichischhe Beoba giebt heute folgende Auszüge aus Berichten von Cy und Zaute bis zum 20. Dee. Der Feldzug in Aca nien , in so fern das, was sih dort im Laufe des J res zugetragen hat, den Namen eines Feldzuges y dient, ist nun zu Ende. Omer Pascha, durch s peijônlichen Fehden mit andern Albanischen und Epi tischen Häuptern , so wie durch seine höchst zweideu Stellnng gegen die Pforte, zu allen ernsthasten strengungeu unfähig gemacht, hatte nie über 5000, leber faum 3000 Maun zu seinem Gebot, Es ließ| daher voraussehen, daß er weder sclbft in Acarnan oder Aetolicn etwas Bedeutendes unternehmen , no< ebenfalls s<hwache Armee des Derwisch Pascha in Li dien und Thessalien verstärken, und fo das Pasch ven Faniua den griechi|cheu Streifpartien Preis ga würde.

Nichts desto weniger hiele Maurocordato , wel) die Seinigen Generalgouverneur des westlichen Gu <enlandes nennen , ob dieser Titel ihm gleich nichr mal aaf der andern Seite der Halbinsel je förmlich gestanden worden ist , für nothwendig, gegen Omer scha’s Bewegungen , und mögliche Versuche auf der H zu seyn. Er hatte zu dem Ende im Monat Juli mit! gefähr 2500 Mann ein Lager|bei Ligovißi (einem H sker auf éiner Anhdhe, nahe bei Machala und dem È Ozeron , 2 Stunden vom rechten Ufer des Afpropdl mos) bezogen. Diese Maaßregel ward in den Zeitun von Metalongi mit vielem Pomp angekündigt: ents dende Operationen sollten von jenem Lager ausge(! Arta, Prevesa, Janina sollten, Schlag a Scslag, in kurzer Zeit fallen. Von dem Allen erfo Nichte. Arta wurde zwar cinige Mal aus Ferne zur Uebergabe aufgefordert; es blieb aber l leeren Demonstratiouen und drohenden Briefen. go, einer der Unterfeldherrn Maurocordato's,/ plúnd und verheerte, den unglücklichen, meist von Chrisi bewohnten District vou Dadovichi , am Fuße des P dus ; Zonge, Nota, Bozzar! u. |. f. überfielen and! wehrlose Yuncte, mehr auf Beute als auf Sieg | H es fam nicht einmal-zu einem eansthaftren E ect. :

Omer Pascha hatte seine Position bei Carvi( sexai (einer Zollstätte am súdöstlichen Ufer des S von Arta) genommen. Das eigentliche Geschäft | Feindes war also, ihn von diesem Posten zu verdrängiß dicß konnte aber dur< stolze Artikel in der h ellenijd Chronik nicht bewirkt werden; und aydere Operation blieben aus. Dmer Pascha behauptete seine S elíul ungestört. Jm Monat September ließ er sogar , das nahe Lager bei Ligovißi unbefümmert , einen st fen Streifzng auf Vrachori, in Atolien, ausführen, F allgemeinen Schrecken verbreitete, Und wobei viele # wohner der Gegend ïn Gefangenschaft geriethen, großeu Verlust Vieh und Gütern erlitten. Dieser Stand der Dinge dauerte bis zum Einti)

der s{leht;n Jahreszeit. Jm Oftober wurde Maul!

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cordato, von Unzufriedenheit und Sorgen aller Art verzehrt, {0 ernsthaft frank, daß er nach Anatolico zurücégebracht werden mußte. Ehe er jedoch das Lager verließ, verlangte er von den sämmtlichen unter ihm fommandirenden, zum Theil mit Generals - Titeln aus- gestatteten Offizieren, einen \<riftli<en Revers, wodurch sie sich mit ihrem Ehrenworte solidaris< verpflichteten ¡ihren Posten nicht zu verlassen ; bei jeder Gelegenheit ihre Schuldigkeic zu thun, und die Subordination nicht zu“ verleßen, widrigenfalls als A n- ti-Patrioten betrachtet, und von Jedermann als olche bchande!t zu werden// Aus einem solchen Doku- mente läßt sich einigermaaßen auf den Geist schließen, der unter dieser Truppe einheimish seyn mußte.

. Jn den ersten Tagen des Novembers verließ dann au) Omer Pascha freiwillig sein Lager bei Carvan- ferat, und zog si fúrs erste na< Arta-zurú>. Er war in seinem Rücken von Gegnern bedroht, die ihm weit mehr schadeten, als die ohumächtigen Rüstungen zu Li- govibi und es war sicher nicht die Furcht vor cin Paar Tausead sehr schlecht bewaffneten Griechen, was ihm sechs Monate lang in Uuthätigkeit erhielt *).

Seltsam genug ist, daß gerade um diese Zeit der Enfel des Ali - Pascha, ein Sghn Veli-P aschas , nebst seiner Stief-Großmutter, der dur<h mancherlei rührende Schicfjale befannt gewordenen Vassilika, und verschiede- nen Vertrauten des einst so mächtigen Hauses, in La- isa erschienen ist, und zwar mit dem Vorsab, sich nach Epirus zu begeben. Man glaubte ziemlich allgemein, der Zweck dieser von der Pforte, wo nicht begünstigten, doh zugelaßuen Reise sei die Entdeckung eines Thèils der verborgnen Schäbe des Ali-Paschaz es ist aber viel wahrscheinlicher, daß man durch die Gegenwart dieser Personen seine alten Anhänger zu gewinnen, und an- dern Faftionen einen Zaum anzulegeu gehosst hat.

(Schluß folgt.)

Rom, 7. Jan. So eben erhalten wir aus Neapel die Nachricht von dem am 4. d. plödblih erfolgten Ab- leben Sr. Maj. des Königs beyder Sicilien.

Koppenhagen, 11. Jan. Aus mehreren Ge-

WMgenden „Fühnens, Jütlands u. st. w. wird nun einbe-

tihtet, daß sich Kinderblattern von sehr böôsartigem Chatakter eingestellt haben.

Man schreibt aus Aarhuus vom Aten d.: „Gestern bend wurden diejenigen Stadtbewohner, deren Häuser an der Aue liegen, die durch den Ort läust, in Schrek- fen gesest, da das Wasser bis 57 Fuß über fzine ge- wöhnliche Gränze stieg und die ganze Straße über- hwcmmte, so daß es, wenn es noch einen Fuß ge-stie- gen, in viele Häusér, vornämlich in die, dicht am Boll vetfe liegenden Pacfhäuser gedrungen seyn würde ; zum Glûcfe abèr fiel es um 8 Uhr bei einem besonders mils den stillen Wetter wieder. Und aus Vibdorg vom sten ird gemeldet: „Sonntag Abend um 4 Uhr erhob s< ein Sturm aus SW. der bis 10 Uhr anhielt und n Heftigkeit dem vom 18. Nov. ungefähr gleich war, ber feinen Schaden aurichtete.,,

Spanisches Amerika. Aus- Neu York schreibt an unterm 15. Dec. Die mexicanische Bundesversas- ung ist beynahe ganz nach der Nordamericanischen einge- ichtet. Die Republik führt den Namen : „Vereinigte Mexicanische Staaten.“ Es giebt drey Bundesgewal- en, die vollziehende, gesebgebende und richterliche Ge- alt. Jedem Staate wird es überlassen, sich. selbst eine Verfassung zu geben und seine innern Gewalten zu con: ituiren. Der gesebgebende Körper besteht aus dem ause des Seuats und der Deputirten; ein District,

© Omer Vrione ward , wie ín uuserm Blatte vom 8. d. M. gemeldet worden, vor furzem ín das Paschalik ven Salonichi versest. Wenn es der Pforte gelinzt, diesen Manu aus Albanien zu entfernen , #o wird ste nicht |wenig dabei gewinnen, (Anmerk, des österreichisch, Beobachters.)

der zwischen. 40,000 und 80,000 Seelen zählt , sendet einen Deputirten. Zu diesem Behufe wird alle zehn Jahre ein Census veranstaltet. Die Mahl cines Depus- citten ist für zwey Jahre gültig. Jeder Staat ernennt úbrigens zwey Senatoren. Der Congreß eröffnet seine Sibßung jährlih am 1ssten Januar und schließt diejelbe geseßlich am 15ten April. Die vollziehende Gewalt ru- het in den Händen des Präsidenten der V. Mex. Staa- ten. Jeder Staat ernennt zu dieser Stelle zwey Can- didaten, wovon einer wenigstens nicht zu demselben Staate gehören darf, von welchem er gewählt wird. Der, welcher die meisten Stimmen für sich hat, wird vom Congreß zum Präsidenten erklärt. Seine Amts- dauer ist auf 4 Jahre festgeseßt, eben so die des Vices- präsidenten. Die Prärogative des Präsidenten sind die- selben, wie die des Präsidenten der Nord - Amerifkanis schen Freystaaten : er ernennt und entläßt die Staats- secretaire, vergiebt alle Stellen in der Land - und See- macht, verfügt auf den Rath des Congresses über die dffentlihe Macht, ruft den außerordentlichen Congreß zusammen und trägt Serge, daß Recht und Gesebze gehandhabt werden. Während der Congrefßsißungen ste- het ihm ein Nath „, aus der Hälste des Senats zusam- mengeseßt, zur Seite. Die richterliche Bundesgewalt bestehet aus einem höchsten Gerichtshofe" von cilf Mit- gliedern, in drey Kammern getheilt. Die Richter wer- den, wie die Präsidenten der V. St. durch die Mehr- heit der Stimmen der verschiedenen Staaten gewählt. Die Atribute dieses hohen Gerichtshofes sind: die Streis tigfeiten der verschiedenen Staaten - unter einander zu vernehmen, so wie solche - welche zwischen den Bârgern uñd Behörden der einzelnen St. vorfallen ; die Ausle- gung der Gescke des Congresses bey etwaniger Mey: nunasverschiedenbeit zu bestimmen; úber die Gerichts barkeit der verschiedenen Tribunäle in der Union zu enl- heiden und alle Criminal - Verbrechen der Scnatoren, Deputirten, Gesandten, Consuln, so wie der höhern Regierungsbeamten zu richten, ohne daß von ihm ap- pellirt werden fann. : :

Der Beschluß, welchen die Regierung in Mexico unterm 13ten July wegen Aufhebung des Sclavenhan- dels gefaßt, soll, nah den neuesten Nachrichten, unver- züglich in Vollziehung gebracht werden. |

Aus Buenos - Ayres wird von der Mitte Octobers gemeldet: „„Die Sißung des Cóngresses werde wahr- heinli<h im November beginnen.‘ '

Die Verhältnisse in Chili machen gleichfalls rasche Fortschritte. Man hat si< in der leßten Zeit haupt- sähli< mit Reformen in den Verhältnissen der Kirche beschäftigt, Festtage abgeschaft, Mönche sccularisirt 2c.

Der Krieg in Ober -Peru dauert fort. În Folge eines Gefechts soll, nach den leßten Berichten von dort, General Valdez oder Barbucho mit 300 Mann in die Gewalt der Constitutionellen gerathen jeyn- .

St. Domingo (‘Taity) Die haityshe Regie- rung (hat mie die Ltoile berichtet) vor Kurzem alle auf die ‘leßten Unterhandlungen mit Fränfkreic bezgs liche Actenstücke bekannt gemacht. Diejen Piecen geht eine Proflamation des Präsidenten Boyer an die Hais tyer voraus, worin er dem Volfe vou Haity sein Ver- fahren darlegt. Nach einer Einleitung übrr Revolutto- nen spricht der Präsident von seinen Verhäáltizissen zu Franfreih. Zuerst gedenkt er der gegen Ende Octobers 1814 im Hafen von Port - au - Prinee erfolgten An- funft des, mit Jnstructionen des damaligen franzôsi- hen Marine - Ministers versehenen Generals Dauxton Lavaysse. Seine Vorschläge (heißt es) waren eben“ fo lácherlih als der Endzwe> seiner Schritte arglistig- Sie wurden verworfen und die Nation blieb auf ihrer Huth. Se. Allerchriftl. Maj. hat allerdings die Sen- dung dieses Agenten als nicht von ihm ausgegangen er élárt, - (désavoué) indessen durften wir damals Voll-

machten füx authentisch auschen, die mit der Unter