1825 / 33 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

L E E S

E

130

Geld zum Verleihen im Ueberfluß, aber haushohe Si- cherheit! allenthalben Mißtrauen !/‘/ Das ist ungefähr die furze Charakteristik unseres jeßigen Antony- Geld: marfkfts. Wirklich sind auch hier viele, zu 5 pCt. in don Häusern stehende Kapitalien gekündigt, und, weil jeder die erste Hypothek verlangt, viele gekündigt geweiene und nun ausgezahlte Gelder zur Zeit noch nicht wi-der untergebracht. Der Termin war außerordentlich zahl- reich besucht; alie unsere besten Gasthöfe waren vou Fremden überfüllt. Theater, Concert, Ball der vorigen Woche, boten dur<h Zustrômen des Publikums, bejon- ders aus der weiblihen Welt, glänzende Gruppen dar.

Nach den großen Korn -Einkäufen, welche, die al-

ten Vorräthe mitgerechnet, eine jeßt hier befindliche tasse von 10 bis 11,000 Lasten ausmachen dürsten, sind die Preise namentli<h von Waizen, ungemein schwankend und zum Niedrigergehen geneigt.

Handel und Wandel fangen jeßt in der Mitte Aas nuars schon an, wieder zu blühen; ja vorige Woche gingen schon zwei Schiffe mit Korn nach England ab.

Man schreibt aus Neu - Brandenburg: ,,Durch Sroßherzogliche Verfügung ist der hiesige Wollmarkt, wegen der zugleich eintreffenden auswärtigen Wollmärkte, um mehrere Tage verkürzt worden.“/

München ,- 1. Februar. Die leidende Mensch! heit lief in diesen Tagen Gefahr, cinen ihrer edelmü- thigsten Freunde und Wohlthäter zu verlieren. Der Finanz- Rath Freiherr v. Schäßler von Augsburg er- krankte hier sehr shwer und man fürchtete mit Recht für sein Leben. Das Publikum wird daher mit Ver- gnügen die Nachricht vernehmen, daß es den eifrigen Bemühungen der ausgezeichuetsten Aerzte , Körper-Beschasfenheit des Patienten, so wie der liede- vollen Pflege seiner vortreffiihen Gattin, Söhne und Freunde gelungen, ihn der Gefahr zu entreißen. Sr befindet sich nun wieder auf dem Wege vollkommener Besserung und die Menschheit darf si Glück zu Er- haltung eines Mannes wünschen, der durch seine pa- triotischen Gesinnungen, wie dur seine vielen gemein» nüßigcn Handlungen sich die gerechtesten Ansprüche auf ihre Achtung erworben hat.

Augsburg, 3. Februar. Ein Privatschreiben aus Franffurt a. M. vom 29, Jau, in der hiesigen AUge- meinen Zeitung enthält Folgendes: Der Kourierwech|el durch unjere Stadt war in der lebten Woche äußer|t lebhaft; man will die Veranlassung dazu in dem Ent- s<lusse der brittishen Regierung hinsichtlich der neuen Staaten Súdamerifa?’s finden, Jmmerhin bleibt man überzeugt, daß solcher auf das Friedens5system der Kon- tinentalmächte nicht den mindesten Einfluß äußern wird, ja daß derselbe feineswegs unerwartet gekommen, da man seit der leßten Veränderung im engl. Ministerium hâtte vorausschen fönnen, es würde eintretenden Falls fein Bedenken tragen, das allgemein als heilsam be- trachtete Prinzip seinen individuellen Handelsinteressen aufzuopfern. Ob es sich aber, selbst unter diesem Ge- sichtspunfte die antizipirte Anerkennung jener Staaten betrachtet, nicht dúrste verrechnet haben, ist eine andere schwer zu entscheidende Frage. Denn wenn auch- durch jenen BYorschritt die Ruhe Europas nicht wird gestört werden, jo, glaubt man, könnte doch, bei dem inni- gen Einvernehmen, das unter den Mächten des Fest- landes herrscht, eine allgemeine Ausschließung des eng- lischen Handels vom Kontinent, möglichenfalls daß sclche in Erwiederung jener Abtrennung verfügt werden sollte, mit mehr Wirksamkeit, als zur Zeit der berufe: nen Kontinentalsperre Napoleons, zur Ausfährung zu bringen sein. Obschon nicht zu verkennen ist, daß die transatlandishe Halbkugel der brittishen Gewerbs- und Haudels- Industrie einen ausgedehuteren Markt,

der festen.

als unser Welttheil gewährt, so sind do<h imm der schnellere Umsaß und die Nähe des europij schen Marktes Vortheile, die jener sehr unvollkommen erseßen wÜrde. Gegentheils glaubt Viele in unsrer Handelswelt , daß das Festland di Handelsverdindung mit England fkcineswegs #0 {mer lich vermissen dürfte, als es auf den ersten Anblick scheine weil das zeither von demselben beobachtete System cbey nicht dem, beiden Theilen ersprießlihen Austausche dy Erzeugnisse, unter gleichheitlihen Bedingungen , förde, tich sei, indem selbst die Modifikationen, \0 es sej Kurzem angenommen, noch bei weitem die Forderungy der Gegenseirigkeit nicht erfüllten. Und sollte selbi hinsichtlich der Getreide-Einfuhr in der bevorstehendy

Parlaments5- Session eine Ermäßigung der zeitherign

Gesekgebung beschlossen werden, so würde solche, diesg Gegenden Deutschlands wenigstens, nichr Fouderlih Früchte ertragen, da unsere Exporte doch niemals nj denen aus den nordischen Gegenden die Konkurrey wúrden bestehn föônnen. Endlich aber bliebe es n immer problematish, inwiefern dle gestattete Einfuh fremden Getreides, vornemlich wenn solches, wie wahr scheinlich ist, mit einem starken Zolle dürfte belegt wt

den, einen anhaltend starken Absaß dieses ‘Produf

zur Folge haben möchte, da es sich nicht wohl absehu lasse, daß dadurch der Verbrauch dieses Nahrungsmit tels in Englaud bedeutend vermehrt, noch die Hervoi bringung desselben auf brittishem Boden andagueri) vermindert werden dürfte.

Rom, 22. Jan. Seine Heiligkeit haben mit Staats sefretariatsbillet den “Kardinal Spina zum Präfefta der Signatura ernannt. Am 17. d. besuchte du heilige Vater die lateranische und liberianische Kirch, das Kloster der Camaldulenser-Nonnen , und das beitszimmer des berühmten Malers Cavaliere Camu ciu

Neapel, 17. Jane Heer. Abend ift die f. milie von Capodimonte nah Neapel zurückgekehrt. Der erstgeborne Sohn des Königs Franz L, D. Ferdi nando, hat nun den Titel eines Herzogs von Calabrien angenommen. Der König wird 2 Monat lang ga nicht öffentlich funfrioniren, sondern nur nach dem v flossenen ersten Monat dio Beileidsbezoigungen der ober sten Staatsbehörden annehmen,

Spanien. Die Etoile enthält folgendes Schtel ben aus Madrid vom 21, Jan. „Sie haben die 00 zette vom 15. erhalten , ih sende Jhnen hierbey d gestrige Blatt; sie enthalten Nachrichten aus Amerika und zwar, das verbürge ih Jhn:n, ganz so, wie mal sle erhalten hat- Seit langer Zeir machte die Neg rung nichts Jureressantes über die amerikanischen Au gelegenheiten bekannt. Sie wollte ein tiefes Still \<hweigen beobachten, bis Maßregeln, welche im Ju teresse jener unermeßlichen Colonien ergriffen worden die Entwickelung eines Planes sehen ließen, der seit

länger als einem Jahre ergriffen worden und der iht]

altes Pacifications - System gänzlich verändert. Ade der von Seiten Englands gefaßte Entschluß, die Unab hängigkeit eines Theils des spanischen Amerika anzu fennen, hat ohne Zweifel die Regierung veranlaßt , dit Details bekannt zu machen, die Sie in der Gazette finden werden. Als der König von Cadix abging, war einer der ersten Gegenstände, auf welche Se. Ma} ihre Sorgfalt richteten, das Schicksal der überseeischen Unterthanen; mehrere Minister-Versammlungen wurdel deshalb gehalten. Durch zuverlässige Nachrichten wal! man überzeugt , daß eine zahllose Partei zu Gunstet des Mutterstaats vorhanden sei; man beschloß deshalb, Abgeordnete, zu senden, welche deren Vereinigung bewit fen und dieselbe in Thätigkeit seßen sollten, bis mal

Verkehr nue.

N E TE

dur< späterhin zu sendende Streitkräfte dieselbe zu un- Ferstüßen und ihr die Öberhand zu verschaffen vêrmöch- e, Jn Folge dieses Plans sind vor länger als 6 Mo- aaten Abgesandte der Royalisten in Mexico in Spa: hien angekommen. sm September und Anfangs Octo- her langten auch Abgeordnete von St. Fe de Bogata und von Carracas an. Alle stimmen in wohlausgear- eiteten mit unbestreitbaren Thatsachen angesüllten Denk- schriften úber die Leichtigkeit einer vollständigen Reac- ion in jenen verschiedenen Ländern überein. Die Re- (olutionairs haben so viele Erpressungen begangen so hiel geplúndert und verwüstet , daß sie ein gräßliches Elend unter allen Klassen verbreitet haben. Eine Ver- lnderung, eine Rückkehr zur alten Wohlfahrt ist der llgemeine innige Wunsch geworden. Die Revolution hegann durch einige Priester - welche das Volk durch ihre Reden und ihr Beyspiel fortrissenz; und dermalen Fnd es gerade die Priester, die stich für die Sache des Mutter - Staats aussprechen. Man weiß, was in Spa- hien alles von der Geistlichkeit zur Vernichtung der Constitution geschehen ist und man mag daraus abnel)- ien, was die amerikanische Geistlichkeit zu thun ver- dge. Die Abgeordneten Laserna’s bringen ihrerseits dem Einige die Huldigungen eines Heeres , das so viel Er: debenheit an den Tag gelegt hat, und der Anführer, lie so viele Beweise von Talent, Muth und Treue gelegt. Sie haben feine Hülfe verlangt, sondern 1x darum gebeten, daß man si<h zum Herrn des stil- în Ocean machen môge, und sie haben im Namen des Bicefôóuigs dafúr gut gesagt, Peru dem Mutterstaate

erhalten. Sie haben versichert, daß selbst in dem ineswegs wahrscheinlihen Falle, wenn Bolivar Fort- hritte machen sollte, diese doch nur vorúbergehend seyn unten, weil ex so geschwächt sein werde, daß er nichts ntsheidendes unternehmen könnte; besonders in einem Lunde, wo seine Excesse ihn zum Gegenstand des Ab- s{heus gemacht haben und wo er keine Hülfsquellen ir- dend einer Art mehr finden würde. Sie sagen, daß Niemand die wahre Lage des Landes besser erkannt abe als der General San. Martin, der , die Unmög- sichfeit der Errichtung einer revolutionairen Regierung h Peru einsehend, unter dem Vorwande einer Unzu- tiedenheit mit Bolivar sich zurückzog. Wenn leßterer ibt einen Schlag erleidet, so fehlt es ihm an allen hülfequellen und úberdem hat er den biendenden Gianz, èr ihn in seinem Lande umgab, verloren und der Ge-

eral Pâz erwartet nur den Augenbli seiner Nieder- f

dge, um ihn die Präsidenschaft zu entreißen, Diese kblere Behauptung steht mit den Meldungen der Ab- eordneten von Caraccas ganz in Einklang und über- m sind diese úberzeugt, daß Bolivars Niederlage noch E andere Personen außer Päz zum Abfall bringen erde,

Alle diese successiv eingegangenen Nachrichten hat- n der Regierung die gegrundetè Hoffnung gegeben, } einem glücklichen Resultat in den amerikanischen An- (legenheiten zu gelangen, ohne für jeßt andere Kräfte zuwenden als die der Seemacht ; da erhielt man von gland die Notification der Unabhängtgkeits - Erklä- Ung, Man war dcssen um so weniger aewärtig, da l spanische Regierung vollkommen wohl weiß, daß 0s engilshe Kabinet eben fo. gut wie das Kabinet Or, Kathol. Maj. von der günstigen Gestaltung uncter- htet war, welche die amerikanischen Angelegenheiten nen, so wie von dem wahrscheinlichen Rejultate, (ches in jenem Theile der Erde der Einfluß der, mit

royalistischen Partei vereinigten Geistlichkeit ge- bt haben würde. Die Minister Sr. Kathol. Maj. nen den Jnhalt der Berichte nicht, welche die in

spanishen Besißungen gesendeten englischen Com- ssarien geminacht haben werden; sie wissen jedoch, daß

‘Verlaufe der leßtern Jahre viele Schulhäuser

in den Gegenden, ivo dieselben gewesen , sie gefunden aben , daß die anzuerkennende Regierung nichts weni- ger als ciner Regierung ähnlich sehe; sie haben úberall nur Anarchie gefunden und namentlich in Mexico ha- ben sie sich in Gesellschaften ohne Umschweife darúber ausgelassen, was zu bittern Vorwärfen von Seiten der Obern Anlaß gegeben. Jn diesem Augenblick also und bei einem Sachverhältniß, was der von ihr geführten Sprache ganz entgegen ist, hat die englishe Regierung ein entscheidendes Theil ergriffen. Es ist kein Zweifel, daß dieses Ereigniß der Revolution des spanischen Ame- rifa eine augenblickliche Stärke geben, neue Excesse verur- sachen und großes Drangsal verlängern wird ; aber das endliche Resultat kann nicht in Zweifel gezogen werden, wenn die spanische Geistlichkeit, in Ländern, welche von Spaniern bewohnt werden, sh eines verhaßten IFochs entledigen will.

Ai ae,

Düsseldorf. Der verstorbene Johann Georg von Emst zu Holten hat in seiner testamentarischen Verfügung zu wohlthätigen Zwecken folgende Vermächt- nisse ausgeseßt: 1) fúr die fatholische Kirche zu Holten die Hälfte seines Wohuhauses; 2) für dieselbe ein Ka: pital von 1200 Rthlr. Behufs eines Anniversarii und zu haltender Messen; 3) für die Pfarre daselbst ein Kapital von 1000 Rthlr. vorbeyaltlich der Nußnießung bestimmter Legatarien auf Lebenszeit; 4) für die Armen zu Holten ein Kapital von 50 Nthlr. und “die andere Hälfte des Wohnhauses nebst dem vorhandenen Mobiliar und der Kleidung.

Ein Ungeuannter- hat dem Armenfond der Pfarr- gemeinde Gerresheim ein Kapital von, 200 Rthlr, bergisch vermacht.

Münster. Das höhere Schulwesen des hiesigen Reg. - Bezirks is in einem stetigen Fortschreiten; ohne die nicht unbedeutenden Hindernisse, mit welchen es auch zu fämpfen hat, würde es noch schnellere Fort- schritte machen, denn was guten Willen, Fleiß, Eifer und sittlichem Ernste anlangt , so lassen die Lehrer un- serer Anstalten nichts zu wünschen übrig.

Das hiesige Gymnasium zählt gegenwärtig gerade 500 Schúler in 6 Klassen, die 3 untern sind zwar eine jede in 2 Côtus getheilt, deren jeder; seinen bcsondern Lehrer hat ; allein die drei obern haben aus Mangel an Lehrern noch nicht so getheilt werden fônnen , und enthalten daher 70 bis 90 Schüler eine jede, was auf die Dauer nicht anders als nachtheilig für die Bil. dung der Schüler sein könnte. :

Die in hiesiger Stadt vor vier Jahren errichtete Chirurgen-Schule hat unter ihrem Direktor, den Regi- mentsarzt Dr. Weeßer und den übrigen, größtentheils zu der hiesigen philosophischen Fakultät gehörenden, Lehrern einen erfreulihen Fortgang, Der Cursus der- selben is auf drei Jahre berechnet; am Ende des ersten dreijährigen Cursus sind schon mehrere recht geschicéte junge Männer aus der Anstalt hervorgegangen. Der Erfolg wird noch bedeutend größer sein, wenn die flini- schen Uebungen erweitert sein werden, wozu jebt die nahe Aussicht vorhanden is, Es besuchen jet 45 Zdgs linge die Austalt und im ganzen herrsht Fleiß und Ordnung unter ihnen. | E Das Volfksschulwesen in den evangelischen Gemein- den hat ein gutes Gedeihen. Es sind nicht alleín im

theils erweitert und verbessert, theils neu gebaut worden, sondern cs hat sich auch der Eifer der Lehrer für ihre eigene weitere Ausbildung und für die Erfüllung rer Berufsobliegenheiten, so wie die Unterweisung und Er-

FRC e jag D A E I E E B DID E e 4 5 D Saar

B El E R P 2E B E

E E E

E E e E