1825 / 72 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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- Seélupfwinkel genau fennen , leiht wird, den Türken oft empfindlichen Schaden zuzufügen ; andern Theils ader auch, wie sie, des Räuberhandwerks gewohnt und für Geld*alles thuend, sih so leicht bewegen lassen, ohne Rúcksihten auf Gemeinwohl Vaterland, Unabhängig- feit , oft wichtige Positionen ja selbst feste Pläße den Täárken verkaufen, und wie sie die Uebergabe mancher Festung durch Verkauf von Lebensmitteln an die Be- saßung Monate tang aufgehalten haben.

Schon lange warf man Kolokotroni vor, daß er nur auf Raub und Plünderung ausgehe, um seine Schäbße in der englischen Bank zu häufen, und nach der Eroberung von. Napoli di Romania fonnte mau erst dur< Festnehmung seiner Verroandten, 'und selbst der Schwiegermutter seines Sohnes, Bobelina (was jeßt wiederholt worden. sein soll), ihn dahin bringen, einen Theil der Beute herauszugeben. Doch muß selbst dieser wilde und eigennüßige Räuber Augenblicke gehabt háäben, wo der -Frciheits?* und Vateclandssinn ihn begei- sterte. Eine Frau begehrte einst eine Gefälligkeit von ihm, und bediente sih dabei des Ausdru>es: „Herr, wenn ihr mir diese Gnade erweiset, so werde ich eure Sclavin sein !‘/ worauf er mit seiner rauhen Stimme erwiederte: „„Du Elende! du weißt, daß wir für dic Freiheit fe<hten, und willst meine Sclavin sein ?// Sein, túrzlih im Aufstande gegen das Vaterland gefallencr, faum 19jähriger Sohn soll ein Jüngling von milderem Charakter gewesen sein, und sanuftere Züge gehabt haben,

Inland.

Die Fabrifanstalten im Kreise Saarlouis haben, wie sih aus Nachstehendem näher ergiebt, im verflossenen Jahre einige Fortschritte gemaht. Jm Fahre 1823 wurden in den Hüttenwerfen zu Dillingen und Bettingen 413 Arbeiter beschäftigt und der Werth der Fabrifate betrug 125,465 Thlr, Jm Jahre 1824 dagegen wurden 415 Arbeiter (mithin 2 mehr) beschäf- tigt, und der Werth der Fabrikate betrug 136,230 Thlr., mithin 10,765 Thlr. mehr. Jn der Steingutfabrik zu

Trier.

MWallerfangen wurden im Ÿ. 1823 beschäftigt 107 Ar-.

beiter uud für 36,804 Thlr. Waaren fabrizirt, wogegen im J. 1824 = 157 Arbeiter, mithin 50 mehr beschäf- tigt und fr 46,275 Thlr (mithin für 9471 Thir. mehr) Waaren fabricirt wurden.

Sn der Privat- Steinkohlengrube des Villeray in dem vorgenannten Kreise wurden im Jahre 1823 be- schäftigt 257 Arbeiter und der. Absaß betrug 7519 Fu- der (zu 30 Ctr.) im Geldwerth 27,800 Thlr.z; im Jahre 1824 wurden daselbst 260 Arbeiter (also 3 mehr) be: schäftigt und 8667 Fuder, im Geldwerth von 32,346 Thlr. (also für 4546 Thlr. mehr) abgeseßt.

Auch die Eisenhüttenwerke in den Kreisen Wittlich und Daun wurden mit Thätigkeit betrieben. Zu Düp- penweiler, im Kr. Merzig, sind die Arbeiten zur Be- treibung eines Kupferbergwerks, welche im- Mai v. J. begonnen haben, so weit vorgerückt, daß der große Schacht ám 1. Januar 1825 zu einer Tiefe von 12 Lachtern im festen Porphyr gebrochen war. Eine Dampf- maschine ist zum Auspumpen der Tiefwoasser bestimmt und bereits einigemale in Gang geseßt worden, -

Der Viehhandel hat im verflossenen Monat an Leb- haftigkeit gewonnen. ¿

An Trier ist eine Schuellschifffahrt ‘errichtet wov- den, welche jeden 5., 15, u. 29. des Monats Waaren

näch Côln verschifft und resp. auf der Hin- und Rüg, fahrt 15 Tage zubringt. Es würden 5 Tage hinreichen wenn nicht, wegen Mangel an Waaren, auf der Fahtt theilweise ein- und ausgeladen werden müßte.

Königliche Schauspiele.

Freit. 25. März. Im Opernhause: Flinte un} Pinsel, Lustsp. in 1 Aufz., nach dem Franz., bearLeite von Th. Hell. Hierauf: Zum Erstenmale: Singe thee und Liedertafel, Singsp. in 2 Abtheil. , vey n und in Musik geseßt von dem Freiherrn von Li tenstein. |

Meteorologische Beobachtungen,

Barometer | Therm. ]| Hygr. | Wind]

23. März |A. 289 47“ 46° | NO. hell, Wolken. 24. Márz|F. 28° 3/]—44-2°/ | 632 | NO. |gebrochner Himmi M. 28° 221/|-44-62°“] 42° | SO. belt, milde,

Witterung,

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Redacteur Joh

Literarische Anzeige.

Das erste Heft des zweiten Bandes des neuen allgemeinen Archivs für die gesammten Skaats und Gewerb8wissenschaften, für Geseßgebung und Staatsverwaltung (mit alleiniger Ausnahme de Politik), das der Hofrath Dr. Harl, in Verbindung mit mehreren Staatsmännern herausgiebt, liefert kriti: \che Anzeigen im Fache der Legtislation und Ge sezgebungswissenschaft: 1) Entwurf des Strafgesehe buhs, München 1822. 2) Felix Joseph Lipows ky, Fön. baierishen wixklihen Central-Rathes und Archivars der Ständt des!Neiches, Materiälien zur baier. Strafgeseßgebung. 3) Entwurf eines Polízcigeseßbuchs oder eines Geseßbuchcs für die hohe Sicher: heit, öffentliche Ruhe und allgemeine Ordnung sowohl als auch für alle Zweige der vollständigen Privatsicherheit, nebst einer Polizeb Gerichtsordnung. Von J. P. Harl.- 4) Ausführliche Pri fung des neuen Entwurfs zu einem Strafgeseßbuch für da Königreich Baiern, erschienen in München 1822, Von Dr, A. S. Oersed, Etatsrath und Deputirter des königl. däni hen Kanzleicollegii. 5) Vergleichende Kritik des Entwurfl des Strafgeseßbuchs für Baiern mit dem baterishen Strafgs geseßbuche, vom Jahre 1813, 6) Bemerkungen zum Entwurft des Strafgeseßbuches. München 1822. Von Jacob Friedrid Binder, erstem Bürgermeister der Stadt Nürnberg. 7) Bo merkungen über den Entwurf des baierishen Strafgeseßbucht! insbesondere von Uebertretungen, von Jos. Heinrih T h oma, f. b. Negierungsrath des Regenkreises. 8) Bemerbungen übe den Entwurf des Strafgesezbuches für das Königreich Baier von M. L. Wellmer. 9) Einige Gedanken über die Geseh gebung im Fache der Polizei von E. v. Moy, Bataillonk Auditor ‘im k.--b, Artillerie -Regimente, 40) Einige Motive zum baierischen Entwurf des Strafgesetzbuches mit kurze Prüúfung der ausführlichen Prüfung, welche der Hr. Etatsrath und Deputirter des k, dänischen Kanzleicollegii Dr. Oer s ed zu Kopenhagen im Jahr 1823 herausgegeben hat. Von Dk, N. J. von Gönner, königl. baterischen wirkl, Staatsrath 11) Kritik der Schrift des dänischen Staatsraths Dr. Oer sed über den: Entwurf zu ‘einem Strafgeseßbuche für das König: reíh Baiern, von dêm königl, baierischen Ministerialrathe von

Spies.

Gedruckt bei Feister.

M L ge

Preußische St

Mete

aats-Zeitunsgs.

Mg 72.

Berlin, Sonnabend,

L Amtlihe Nachrichten. Kronik des Tages. Se. Majestäc der König haben dem Fürsten zu

Reuß-Schleiß den rothen Adler - Orden erster Klasse u verleihen geruhet. H

f

Il, Zeitungs-Nachrichten. Ausland.

Paris, 19, März. Die wefentlihen Bestimmun- gen des Renten-Geseßes, über welches die Ver- handlunigen in der vorgestrigen Sißung der Deputir- ten-Kammer angefangen haben, sind folgende: Die von der Tilgungs-Kasse bis zum 22. Juni 1325 aufge: fauften Renten verbleiben ihr zum Anffauf der Staats- Papiere, wenigstens bis zum 22. Juni 1830; die in diesem Zwischenraume aufgekauften Reuten werden je desmal aus dem großen Buche gestrichen und die Cou pons fassirt ; vom 22. Juni 1825 darf dié Tilgungs- Kasse fein Papier auffaufen, das höher wie das Pari steht ; vom Tage der Publikation des gegenwärrigèn- Gesebes bis zum 22.Juni 1825 hat jeder Jnhaber von 5 pcti- gen Renten das Recht, vom Finanz-Ministerio zu fordern, daß ihm für jede 75 Fr. 5 pCt. eine Juscription von 100 Fr. 3 pCt. gegeben-werde , oder aber, daß ihm für jede 100 Fr. 5 pCt: eine Jnscription von. gleicher Summe zu 44 pCrt. gegeben werde, die Freiheit leb- teres zu thun haben die Renten- Jnhaber bis zum 22. Sept. 1825, und die Regierung giebt die Zusicherung. daß eine Rückzahlung der Papiere. zu 45 pCt. nicht vor 10 Jahren, d. h. nicht vor 1835 statt finden werde. Hr. Boucher sprach zuerst gegen ‘das Gesckz er suchte zu beweisen, daß der diesjährige Plan noch schlechter wie der vorjährige sei, indem die Rentiers nach dem Lebterem liedes Schwanfens und jeder Ungewißheit überhoben gewesen seien, während das neue Projekt sie der schre>- lihsten Täuschung Preis gebe und sie ganz in die Hände ‘der weltbürgerlichen Banquiers liefere. Herr von Rouge vertheidigte dagegen das Gesek, Er nahm an, das Recht , die Rente zurückzubezahlen sei erwiesen, folgli<h fei die Herabsezung des Zinsfußes unter den gegebenen Umsiänden durchaus nothwendig ; dies sci auch bei vielen Staaten Europens als Grund

saß angénommen z in dieser Hinsicht berief er sih auf

den 26sten März 1825.

das Beispiel Dänemarks, welches die Zinsen seiner Schuld neuerdings herabgeseßt habe. Herr Bourdeau griff das Geseß in seinen einzelnen Theilen sehr scharf an. - Seine - Rede (welche- wir im n¿chsten Blatte mits theilen werden) machte großen Eindruck, und ungeachtet dieselbe bis halb 7 Uhr dauerte, so waren doch “noch sehr viele Deputirte am Schlusse gegenwärtig.

Am Anfange der Sißung war der Bericht über das Geseß in Betreff des Steinsalzlagers in Vic und der Salzquellen im Osten erstatten worden. Der An- trag der Commission ging auf Annahme des Gesebes. Nächstdem wurden von dem Ministerio die Geseße we- gen der Seeräuberei, “wegen des Sacrilegiums und wegen der geistlihen Frauen-Corporationen der Kammer zur Berathung vorgelegt. Dieselben werden vorläufig in den Büreaus gepruft werden.

Rente 103. 102. 95.

London, 15. März (über Paris). An der Börse hatte man Briefe aus Havarnah vom 27. Januar, die jedoch nihts Neucs von Bedeutung melden. Ueber die bedeurenden Ereignisse, welche (wie früher gemeldet wor- den) im Laufe des December in Peru statt gefunden haben sollen, enthalten sie gar nichts; dieses Still- schweigen errege neue Zweifel gegen die Siegesnachrich- ten der Judependenten, und deren Einrücken in Lima.

Die Dubliner Biätter enthalten ein Schreiben des befanntlih dermalen noch hier ‘anwesenden Hrn. O’Con- nel an den Präsidenten des fatholischen Vereins, worin er die feste Zuversicht ausspriht, daß die Bill wegen Emancipation der Katholiken in der: jebizen Parlaments- Sibung durchgehen werde. --Er meldet zugleih, daß - man ihm die Redaktion der Bill überlassen habe. „Wenn, wie ih hoffe, diz Bill durchgeht, (heißt es in dem Schreiben) so werden die Katholiken mit den Protestan- ten auf gleihe Stufe der bürgerlichen Rechte gestellt werden, ausgenommen in Ansehung. der Thronfolge, welche Niemand unter uns verändert zu sehen gewünscht hat; ferner mit Ausecnahme. der Anstellung als Lord- Kanzler von England und von Jrland. Man wird von uns feine Gewährleistung verlangen, die wit den Lehren unserer Kirche unverträglih wäre.“ Weiterhin heißt es; „Man bèabsichrigt, dur< eine Klausel der Bill für den Unterhalt der fatholischen Geistlichkeit Fürsorge zu treffen; dergestalt, daß dieselbe sich in Stand geseßt sehen würde, Afte- der Barmherzigkeit auszuüben und Almosen zu gewähren, anstart daß fie jeßt beinahe ge- nöthigt ist, dergleichen in Anspruch zu nehmen. Kurz, wenn wir êmancipirtwerden, so werden wir es in einer, dem wahrèn Geiste der englischen Großmuth angeiness senen Weise und so, daß jeder irländische Katholik seine protestantischen Brüder segnen wird,‘

Consols: 937,

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