1825 / 80 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Wissenschaftlihe Nachrichten.

Die Beobachtung der Fortschritte der allgemeinen Civilasation ift eben so interessant als lehrrei<h. Jeder Staat nimwt daran, man darf sagen, unwillfkührlich Theil, und zieht daraus um so mehr und um so sicherer Nußen, als er mit Weisheit und Kraft die mannich- fachen Hindernisse aus dem Wege räumt, welche der Entwickelung der freien Gewerbsthätigkeit baid mehr bald weniger überall si< no< entgegénstellen. Und was ist in diejer Beziehung nicht seit dem Fahre 1307, um auf frúhere Zeiten niht zurüzugehn, in unserm Va: terlande ge)<hehen? Wie sehen wir schon jeßt die heil, samen Folgen diejer Maasregeln sich täglich immer mehr entwicln, und durch sie den Einfluß ungünstiger Zeit- umstände bedeutend vermindert!

Diese Betrachtung möge -einen stehenden Artifel dieser Zeitung eröffnen, welcher die Bestimmung haben wird, den Lesern die Fortschritte in der gewerblichen und - handelnden Welt vor Augen zu stellen und auf fruchtbare Vergleichungen hinzuleiten. Sich mitzuthei- len (sagt Göôthe) ist Natur; mirgetheiltes aufzunehmen, wie es gegeben wird, ist Bildung.

Wir eröffnen denselben mir einem Aufsabße über die Gewerbsamfkeit Franfreichs , der diesclbe in ein s<hônes Licht stellt, und der weiteren Mittheilung wohl werth zu sein. scheint, da die französische Nation in der That durch ein reges Bestreben si<h ‘auszeichnet die gewekb- lichen Künste zu vervollfklommnen, und bereits eine emi- nente Stelle in ihrem Reiche einnimmt. Eine nähere Kenntniß der Fortschritte, die in diesem Lande darin gemacht werden, wird uns in den Stand seßen, zu beurtheilen, in wie fern wir gleih- oder nachstehen, und was unsererseits bestrebet, errungen und begründet wer- den muß, um dieselbe Stufe der Entwickelung gewerb licher Thätigkeit und Bildung zu erreichen.

Der verdiente Technologe und Akademiker Dâüpin hat in einer Rede bei Gelegenheit der Eröffnung seiner Vorlesungen über Gewerbkunde, die er im Consfervato- rium der Künste und Handwerke zu Paris gehalten, ein Gemälde von den Fortschritten des französischen Ge- werbfleißes entworfen, das zu unserm Zwecke dienlich ist, und woraus wir das Wesentliche hier entnehmen.

Allgemeine Uebersicht der fortschreitenden Industrie in Frankreich seit dem Anfange des neunzehnten Jahrhunderrs.

¡¡Die Jhdustrie, so beginnt Er, hat Frankreich ein großes Schauspiel gegeben, durch die reichhaltige Tebte Ausstellung der National - Erzeugnisse zu Paris. Nach einem kurzen Zwischenraum von vier Jahren stellt sie die Meisterstücke ihres Kunsifleißes der Bewunde- rung des ganzen Volks wieder dar. Ungeachtet der Kärze dieses Zeitraums, entwickelt sie die wichtigsten und zahlreihsten Fortichritte ; sicht man sie durch néue Arbeiten die Grenzen erweitern, auf den Wegen , wo, wie jedermann glaubte, sie das leßte Ziel der E: fahrung und der Geschilichkeit erreiht habe. Sie hat noch mehr gethan; sie hat ihre Mittel zur Vervollkommnung selbst vervollfkommnet. Also weit davon entfernt, daß die von ihr schon erreihten Erfolge, ihre noch zu errin- gende Siege s{<werer und langsamer machen sollten, werden sie das Beförderungsmittel und die Stüße eines \hnelleren und kräftigeren Fortgangs. Sie sichern die Hoffnung auf. kfünsrige, von nun an noch ausgedehntere Eroberungen, als die der Vergangenheit waren, auf noch nüßlichere und deshalb. no< ruhmwürdigere Erfolge im Reiche der Gewerbsamfkeit." |

Die Mechanik ist insbesondere diejenige Wissen: schaft , die zu deu Entwi>elungen der neueren Jndusiri ungeméin viel beigetragen hat. Der Verfasser untex nimmt es, zu zeigen, auf welchen Punkt diese frucht, bare Wissenschaft das Vorschreiten der Künste begünstigt hat. Er spricht zuvörderst hauptsächlih von den Kün sten, deren Gegenstand die Verfertigung von Gewebe) ist; und trägt zuerst" deren Geschichte seit den abgelay fenen wenigen Jahren des jeßigen Jahrhunderts vor,

Bei seinen Untersuchungen stellt er die Geweh aus Wolle in decn ersten Rang, weil sie in Europ die gewöhnliche Bekleidung aller Menschen abgeben, v4 dem Bauer und Tageldhuer an, bis zu den reisty Privatleuren, den Fürsten und Monarchen.

Obgleich die Bearbeitung und das Verarbeiten de Schaafwolle eine sehr alte Kunst ist, und die Franzosy sie seit lange mit Zweckmäßigkeit betrieben, so hat dis Kunst doch in unseren Tagen , eine, so zu sagen, ny Gestalt angenommen, die sie der Mechanik und Hiühß der vorbereitenden Arbeiten des Ackerbaues verdankt,

Wie vorzüglih aber die zur Fabrikation “erdachta Mittel auch jein mögen, so hängt die Kraft, die Fein heit, die Elastizität, das Weiche der Zeuge doch vo nämlich von der Güte der Fließe ab, die den Stoff hergeben

Nur mit Mühe und langsam hat sich Franfreit in den Besiß des spanischen baumwolligen Schaafs gi seßt, und dessen Zucht eingeführt. Als dessen Vermeh mehrung so weit gediehen war, daß deu Manufaktuti sten die Wolle in Menge angeboten werden konnte, e hob sich ein verderbliches Vorurtheil dagegen: Mal erflärte mit Bestimmtheit, daß diese Wolle die äh spanische bei der Feintachfabrikation nicht erseßen fönnti, weil die franzôsische Merinowolle nicht eber so viel Kraft habe, als jene, Die Zeir hat dis sen Jrrthum besiegt. Die Erfahrung hat gelehrt, daj die Wolle der aus Jberien auf den französischen Bode v.rseren Heerden, weit entfernt ihre urjprüngliche \<affenheir zu verlieren , sih im Gegentheil von Ge! schlecht zu Geschlecht verbessert, als eine glückliche Folg

der ihnen gewidmeten Pflege und des Clima's. Heut zu Tage verwerfen die französischen Manufakturisten die spanischen Wollen zur Fabrikation der theuerste Zeuge, und begründen dieses durch die Behauptung, sie seien zu starr.

Königliche Schauspiele.

Mittwoch, 6. April. Jm Opernhause: „Sing thee und Liedertafel ‘/ Singspiel in 2 Abtheilunge verfaßt und in- Musik gescßt von dem Freih. v. Lichten! stein. Hierauf: „Die Tanzsucht (La dansomani1e)/ pantomimische Posse in 2 Abtheilungen, von Garde Neu einstudirt, vom Königl. Balletmeister Telle.

Donnerstag, 7. Im Schauspielhause: „„Jsidor ut Olga,‘ Trauer)piel in 5 Abtheilungen.

Anzeige. Da es bei oft unvermeidlichen Abát derungen des bereits erschienenen Repertoirs für dd Publifum unangenehm ist, die vielleicht für die leh teren Tage der Repertoir - Woche im Anfange di selben gekauften Billets wieder in das Billet - V faufs - Bureau zurückzuschi>ken oder umtauschen zu la sen, so wird hierdurch befannt gemacht, daß an jede! Donnerstage die- Billets nur für Donnerstag, Fr cag, Sonnabend und Sonntag gefauft ‘werden könnt Die Billets für Montag, Dienstag und Mittwoch wt! deu dagegen jedesmal nur von Sonntag früh 9 U an ausgegeben.

Gedruckt bei Feister.

Redacteur Joh

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preußische Staats-Zeitung.

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80.

Berlin, Donnerstag, den 7ten April 1825,

Ser

I, Amtliche Nachrichten.

Kronik des Tages,

Im Bezirk der Königl. Regierur:g zu'Aachen ist der bizherige Vikar Wilhelm Has l zu Helenabrun, bei Vierssen, Regierungsbezirk DúÚse dorf, als Pfarrer für die fatholijhe Pfarrstelle zu nden, Kreis Jülich z : zu Breslau ist der Exconventual und bisherige apellan Kaßner zu Striegau, zum Pfarrer in Frôms- rf, Münsterbergshen Kreises, und der zeitherige Ka: lan Baumert in Mittelwalde, zum Pfarrer in ischfowißs, Glaßer Kreises, ernannc worden.

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Il, Zeitungs - Nachrichten. A usland.

Paris, 31. März. - Jn. der vorgestrigen Sibung r Deputirten-Kammer dauerten die Verhandlun, n wegen der Verpachtung der Saline bei Vic fort. Rehrere Mitglieder widerseßten sich dem Geseße, weil \ûr die Salzfabrikation im. westlichen Frankreich nach- eilige Folgen haben würde. Hr. C. Perier oppo- rte aus einem audern Grunde. Er behauptete, die \ncession auf 99 Jahr würde das Salz - Monopol 'be- rdern; dies sei aber ein um so drücfendercs Uebel, s es auf der Bevölkerung des gesammten Frankreichs ste. Die Compagnie würde übertriebene Vortheile 16 der Pachtung ziéhn, und diese Vortheile in einem geheuern Maaße wachsen, wenn die zu hohe Salz- uer ermäßigt würde. Der Finanzminister ent- gnete, es handle sich ni<t um eine bloße Concession, udern um eine solhe Verpachtung, die der Regierung ven Antheil ‘an jedem nahen oder fernen Gewinn hern würdez übrigens würde jeder Zuschlag öffentlich id mit Concurrenz statt finden ; hierin liege eine hin- ¡hende Garantie. Die Verhandlungen wurden stern fortgeseßt. j

Nach der Etoile wird jeßt für gewiß angenommen, die Salbung Sr. Majestät erst im Juni und zwar

12. erfolgen werde.

Das Befinden des Ministers des Königl. Hauses, erzogs von Doudeauville, hat: sich bedeutend gebessert. Der Erzbischof von Rouen, Prinz von Croi ist zum ardinal ernannt worden.

Nach einer, in der Geseßsammlung enthaltenen Königl, Ordonnanz über die Organisation des Königl. Heeres joll die Jnfanterie aus 6 Garde - Regimentern, 64 Li- nien- und 20 leihten Jnfanterie-Regimentern bestehen, Jedes Regiment besteht aus dem Stabe und drei Ba- taillons , jedes Bataillon ist in 8 Compagnien abgéè- theilt und zählt auf dem Kriegsfuß 937 M., auf dem Friedensfuße aber nur 601 M. Die Kavallerie wird aus 2 Grenadier-, 2 Cuirassier-, 1 Dragoner -, 1 Chas- seurs-, 1 Lanziers - und 1 Husaren - Regimente bestee- hen, wele zusammen die beiden Garde-Divisionen bil- den; feruer aus .2 Karabiniers:, 10 Cuirassier-, 12 Dragoner -, 18 Chasseurs- und 6- Husaren - Regimen- tern, Jedes Kavallerie: Regiment hat 6 Schwadronen und zwar bei der Garde zu 152 M. und 153 Pferde auf dem Kriegsfuße, Und zu 120 M. und 119 Pferde auf dem Friedensfuße; bei der {weren Kavallerie zu 150 M. und 141 Pferden auf dem Kriegsfuße, und 118 M. mir 101 Pferden auf dem Friedensfußez; bei der leihten Kavallerie zu 166 M. und 157 Pferden auf dem Kriegs: und 1183 M. mit 101 Pferden auf dem Friedensfuße. :

afer ga fgr iA London, 26. rz, Hr. Huskisson schritt i gestrigen Sibung des -Unterhauses, in ntt Me vollen und überzeugenden Rede zur näheren Entwicke- lung der Pläne der Regierung in Bezug auf die Grund- sáße, nah denen unsere Handelsvethältnisse in Zukunft regulirt werden sollen. Diese Pláne können nicht als das Erzeugniß bloßer Theoretiker verschrieen werden : sie weisen nicht auf bloße Hoffnungen hin , sondern ‘auf die practischen Resultate |<hon ergriffener Maßregeln und sie empfehlen eine Verbesserung unseres dermaligen Systems, nicht wegen der Aussicht auf muthmaßliche Vortheile in der Zukunft, sondern -mit- Bezug auf die bereirs gewonnenen Früchte ciner erfolgreihen Erfah- rung. ¿Jndem ih mih‘/ (so lautet der Eingang der Rede) „in der Absicht erhebe, die Aufmerk/amfeit des Ausschusses hinzulenfen, auf die Angemessenheit gewis- je Auflagen, welche jeßt auf der Einbringung fremder in mehreren unserer bedeutendsten Manufacturzweigen gebrauchter Artikel lasten, desgleichen ‘auch einige der jogenannt shüßenden Auflagen ‘aufzuheben, darf ih mit um so größerer Zuversicht -‘geneigtes Gehör erwarten als die Erfahrung die’ wohlthätigen Folgen aller jener liberalen Maaßregeln , die von Seiten der Regierung zur Befördernng und Ausdehnung unferes inneren und auswärtigen Handels , bereits ergriffen worden sind flar gezeigt hat. So groß auch von Anbeginn meine und meines sehr ehrenwerthen Freundes, des Kanzlers der Schaßkammer, Zuversicht war, daß die von uns beabsichteten Maßregeln die wohlthätigsten Resultate ha- ben würden, so waren wir do< auf eine Opposition

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E L S R B I R R E: a B