1825 / 86 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Zu Barth hat im März gat kein Seeverkehr statt gefunden. Die Heeringsfischerei ist in diesem Jahre so gering ausgefallea, wie sich die ältesten Einwohner nicht zu erinnern wissen.

Wissenschaftlihe Nachrichten.-

(Schluß des im gestrigen Blatte abgebrochenen Artikels.)

Was die Bereitung der Thierhäute anlangt, so wer- den die lacirten englishen und deutschen, so wie das russische Leder vollklommen nachgeahmt, der asiatische Saffian aber Úbertroffen.

Das Papier ohne Endez. die s<ônen hollándi schen und englischen Zeichen-Papiere ; die Tuchbereiter-Pappen, vormals vom Auslaude bezogen, werden jeßt in Frank: reich verfertigt. :

Von den Künsten, denen das Mineral - Reich den rohen Sroff darbietet , ist anzuführen: das Ei- sen wird geläutert ausgeschmiedet , ausgestre>t dur< Walzen, die ihm neue Eigenschaften mittheilen, und seine Zubereitung weniger fostbar machen; die Kunst, Stahl zu bereiten, die sid auf den höchsten Grad von Vollkommenheit erhebt, und der Fabrikation der Schnkei- dezeuge und Justrumente einen neuen Impuls giebt ; die Verfertigung von Holzschrauben, mit neuen Maschi: nen im Großen; die Messerschmiederci, wohlfeile und gute Prdúfte liefernd, Die Sagen, Raspeln , Feilen, Sensen, Sicheln, vormals alle aus Deutsthland, vor; námlih aus Steiermark bezogen, werden jeßt in Frank- reich selbt verfertigt. Die schönsten Damascener - Klin- gen- werden nachgeahmt und übertroffen durch wissen- schaftlihes Verfahren. Die verzinnten Eisenbleche, die gegossenen Stahlplatten, die Frankreich früher nicht

verfertigte, werden jeßt mit mathematischer Genauigkeit

in den größten Dimensionen ausgewalzt. Die Kunst, Eisendraht und Drahtgewebe aus Stahl, Messing, Zink und Platina zu bilden, ist in allen Zweigen ver- vollfommnet. Endlich ist die Stahlschleiferei so weit ge- bracht, mit den Meisterstücken aus Birmingham rivali- siren zu fönnen. :

Jn der Verarbeitung der edelu Mecalle. ist di- Gold- und Silber -Plattirung zugleich dauerhafter und wohlfeiler gemacht; das Lackiren der Metalle variirt und vervollkommnet; das Moirée metallique, von einem Franzosen erfunden. i ?

Eine Menge Ackerbau - Maschinen fremden Ur- sprungs in den französishen Werkstätten sind nachge- macht und beim Landbau in Gebrauch geseßt; hydrau- lishe Maschinen von Franzosen erfunden; die Dampf- maschine in großen Werkstätten aufgestellt, und die Kunst, sie zu verfertigen, in den Städten Frankreichs ausgeübt, entwickelt und verbessert,

Die mechanischen , physischen , optischen , astronomi- shen- und Schifffahrts- Jnstrumente sind in vieler Hinsicht zu derjenigen Vollkommenheit gebracht, in de- ren ausshließli<hen Besiß die Engländer bis dahin si< befanden. Die französische Uhrmacherei ist dur< Bre: guet und seine Schüler über allen Vergleich mit der der fremden Judustrie gestellt.

Die mechanishen Verfahrungen der Typographie sind in allen Theilen vereinfacht. -Die Stereotypen, die Lithographie, die Kupferstecherei, dur<h Vervielfälrigung der Abdrücke eine ausserordentliche Anwendung erfahrend, u. st. w. Ferner siand zu erwähnen :

Die Verbesserung der musikalischen Justrumente.

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Hinsichts der Künste, die sich auf das häusliche Lebe beziehen: Die Gas Erleuchtung in Frankreich erfundey in England angewandt und heruach zurückgebracht. Dit gemeine Töpferei, das einfache Steingut, weniger groß, dauerhaft und haltbarer fúr das Feuer gemacht. Di Eleganz der Formen, der Farben und der Zeichnung aj allen Geräthschafteu zum Hausgebrauch und zur Ziery dienend, erhoben. Das Porzellan verwohlfeilt, ah dabei nicht vershlehter. Der Prophyr nachgeahmy und zu den s{dnsten Verzierungen, gFleih denen d Alterthums, geeigwet.

Die Krystallschleiferei, dur< die Mechanik h Engländern geraubt, und Wunder darstellend, wie st von andern nicht hervorgebraht werden fonnte, tw die Handarbeit der französishen Künstler einen neu Mere dur den Geshmack findet, womit sie solche au uyrte. :

Die fostbaren Steine des Orients werden jeßt lj zur Täuschung nachgeahmt, durch die Wunder tin JFndustrie, deren einziger Fehler ist, daß sie ihre ben, dernswerthen Nachbildungen zu wohlfeil stellt.

Endlich werden für das Ameublement die inlän shen Hölzer so verarbeitet, daß sie die geschmac>vollsi und glänzendsten Möbel abgeben; diese Hölzer mitt neuen Maschiuen,- welche zugleih Ersparungen und 0 nauigfeit gewähren , behauen, geschnitten, polirt, gen, gerade gemacht.

Und dies alles, ruft der Verfasser aus, ist -die } beit eines einzelnen Volks, einer einzigen Generatin Franfkrei<h, und eine zwanzigjährige Austrengung hab alle diese Wunder hervorgebracht!

Es werden hierauf noch die Fortschritte, in Bel auf die Künste für den öffentlichen Dienst, / fahrt, die Kriegsfkfünst, den Straßenbau, den Bergb u. d. m., angegeben, lr. j

Menn nun auch in dieser Darstellung das G stete vielleicht etwas zu sehr herausgehoben, und th weise úberschäßt sein* mag, so ist doch nicht zu läugnt

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jreußishe Staats-Zeitung.

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90.

Berlin, Donnerstag,

aaren

I, Amtliche Nachrichten.

Kronik des Tages.

Der bisherige Privatdocent Dr. Bernhardy hie: ist zum außerordentlichen Professor in der philo

hishen Fakultät der hicsigen Universiräe ernannt eden,

Im Bezirk der Königl. Regierung

die S4 Düsseldorf ist die erledigte ersie Curat - Stelle in linghausen dem bisherigen zweiten Vikar Ferdinand dppinghaus verliehen worden.

Angekommen. Der Königl. Portugiesische Ka-.

daß die Fortschritte des Kunst- und Gewerdfleißes Frat ets, Courier Eucasna, von Lissabon.

sind, und daß“ darin in è neueren Zeit auch in diesem Lande mehr geschehen i als zu irgend einer vorhergehenden. Die Jndus Frankreichs verdient folglih gehörig gewürdigt und n geahmt zu werden. Der Wettstreir der Nationen d diesem shônen Kampfplaß muß nothwendig heilbring für alle sein, und ihr Wohlsein vermehren. Môdht doc bald alle Schranfen vernichtét werden, die freien Regsamkeit der Völfér im allgemeinen Welt! fehr no<h hier und da entgegenstehen, und ihre © wicfelung hemmen! Da die mächtigste Nation in Handelswelt jeßt beginnt, hierin mit einem s{<ônen Ÿ spie! voranzuügechen, so unterliegt es feinem Zweifel, | die Fesseln , wodurch der Aufschwung des Handels l der Gewerbe no< zurücégehalten werden, bald übd werden zerbrochen werden.

reihs fehr bedeutend

Königliche Schauspiele.

Mittwoch, 13. April. Jm Opernhause: ¿„Die S der Alten ,‘/ Lustspiel in 5 Abtheil. , nach Delaviy von J. F. v. Mosel. Hierauf: „„Das Schwei Milchmädchen „// pantomimisches Ballet in 2 Ab chht vom Balletmeister Titus. Musik von Girowebß.

Donnerst. 14. “Im Schauspielhause: „Die Mi der Verhältnisse,“ Trauerspiel in 5 Abtheilungen, ! L, Robert.

11, Zeitungs-Nachrichten. Ausland. Paris, 7. April. Hr. Ch ifflet äußerte sich im

ngange der Deputirten-Kammer úber das Héei- humsshändungs Geseh seinrs abgestatteten Berichts, geudermaaßen: Es ist wohl nicht nôthig, sich úber die Vor- ile der Religion, dieses so nothwendigen Bandes der esellschaft , glich bekannt. rundlage des geselligen Vereines zu befestigen, und halb aus unsern Geseßen alles zu entfernen, was r Entwickelung der Religion entgegen streben möchte, gegen müssen wir die in unserer Gejeßgebung, in ser Beziehung, vorhandenen Lúcken ausfüllen. Hizr: muß dex Geseßgeber ganz besonders darauf Rück.

weitläufig auszulässen; sle sind uns hin- Es is aber unjere Pflicht, dieje erste

nehmen, daß die gegenwärtige Gesellschaft in ihrer

jedergeburt begriffen ist. Sie ist in die Stelle einer t< Luxus und religiöser Gleichgültigkeit verderbten esellschaft getreten. rbniß erst gezogen,

Sie hat sih außer dieser Ver- nachdem eine Reihe von Umwäl:

ngen und Ausschweifungen statt gefunden hätten, de-

Gedrud>t bei Feister.

Redacteur Jf

1 Charafter so empôrend war, L iten der tiefsten Barbarei zurückgehn muß, wenn

daß man bis auf die

an Beispiele davon auffinden will. Diese Zeit ist üctlicherweise hon fern von uns; unsere Restauration

den 14ten April 1825,

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ist nicht bloß politis<h gewesen, vielmehr wenden sh jeßt all Gemäth:r der Religion zuz man hat in den Tagen der Trauer empfunden, wie nothwendig sie uns ist, sie erscheint jeßt als ein rettender Anfer, und. doch hat si2 Feinde, welche gezügelt werden müssen. Die Revolution hat der Religion alle \<hüßenden "Geseße entrissen; der Geseßgeber muß sie ihr wieder verschaffen. Der Frevler gegen die Religion muß bestraft, und Jeder durch die Furcht der Strafe von dem Frzvel abgehalten werden. Die Strafe wird zwar das Maaß des Ver- brehens mt errei<en, wenu sie den Heiligthumsschäns der treffen soll. Schwache Sterbliche, die wir sind, bes gránzt in unsern Handlungen und in unsern Gedanken, dúrfen wir nicht dana streben, die Maj-stár Gottes rächen zu wollen; solche Strafen sind nicht von dieser Welte, Aber die ganze Gefellschaft, deren heiligste, theuerste Gefühle durch den Heiligthumsschänder anges griffen sind, muß gerächt werden, darum sei die Strafe dieies Verbrechens auch die hôchste. Der Redner ging nun in das Einzelne des Gesbes ein, und s{<lug, im Namen der Commission, dessen Annahme ohne Aendes rung. vor. Es haben si< 10 Redner für und 9 gegen das Geïeß einschreiben lassen. Die Kammer beschäfe tigte sich in ihrer vorgestrigen Sißung au<h noch mit dem Geseß úber die Seeräuberei und den Waarenbetrug dasselbe wurde, wie cs von der Pairs- Kammer modifi- cirt worden, unverändert augenommen.

Rente 102. 15. 102. 40,

London, 2. April. Jn Liverpool ist eine Unters zeichnung eröffnet worden, um Hru. Huskisson, ' zum Zeichen der ‘Dankbarkeit für die ausgezeichneten Dienste, die er dem Lande dur<h Befreiung des Handels von den bisher auf ihm lastenden Fesselu gewährt hat, ein fostbares Geschenk an Silberzeug zu machen. Gleich am ersten Tage wurden nicht weniger als 1300 Pfd. unterzeichnet, obwohl ass Maximum des Betrags einer einzelnen Unterzeichnung nur 5 Pfd. festgesekr sind.

dit einem Capital von 1 Mill. Pf. Sr. hat s< hier eine Neu Seeland:-Compagnie gebildet, deren Zweck ist, Handels-- Etablissements auf Neu-Seeland anzulegen und die Produfte jener Jusel, als: Flachs, Bauholz 1c. nach hier zu senden. \

Vom Vorgebirge der guten Hoffnung sind wieder gúnstigere Nachrichten eingelaufen ; die Kaffern“ verhiels ten sich ruhig und man sah einer guten Aerndte ents egen. i Ms Die katholische Frage, sagen die Times, verliert durch alle die Umstände,’ welche uns mit ihrem iunern Werthe vertrauter machen, nichts von der ihr eigenen Kraft der Anziehung, die sh sogar mit der Annähes rung des Z-itpunkts , in welchem die Geseßgebung sie

auf die eiue oder die andre Weise beseitigen muß, no<

erhöhet. Durch das kühne Vorschreiten und durch dis

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