1825 / 100 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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der Urtheile sein, die hiermit bestätigt werden sollen ? (Sensation). Die Kammer der Pairs hat den Geist des Gesebes ganz zerstört, indem es diese empôrende Bestimmung hineingebracht hat (Zur Ordnung). Jch stimme dagegen. Der Finanzminister. Es ist weder eine empôrende Bestimmung, noch, wie ebenfalls gesagt worden ist, ein Spoliations Geseb, was wir hier vom König zu vertheidigen beauftragt sind. Der Geist dieser Bestimmung ist, so sehr man sich auch be- múht, ihn fal\< darzustellen, dahin gerihter, recht fest zu bestimmen, daß durchaus kein Eingrisf in den 3ten Artikel der Charte statt finden darf. Dieser Sinn ist auch flar im Zusaß-Artifel und besonders in d-ssen er- flärenden zweiten Theil enthalten, und umsonst sucht man der Regierung die Absicht unterzuschieben, als wollte sie die Gräuelthaten der Revolucion, als wollte sle den Mord des Herzogs von Enghien sancrionniren. €Es haben sich no< mehrere Redncr sür und wider die Amendements vernehmen lassen; Leßtere wurden am Schluß der Sißung mit einer Majorität von 221 Stim- men gegen 130 angenommen.

Gestern vor der Messe empfingen Se. Maj. die gewöhnliche Aufwartung der Großdignitarien, der fremden Gesandten, der Minister, Marjchälle, Pairs und Deputirten, so wie einer großen Anzahl Civilbeam- ten und Militairs. ,

Eine Bekauntmachung des ersten Kammerherrn Sr. Maj. vom gestrigen Tage besagt die Kleidung, in der die Damen und Herren, welche bei der Salbungs-

feierlihteit zugegen sein wollen, er|<heinen müssen.

Der Prinz Leopold von Sachsen-Koburg, der am 20. von hier in Calais eingetroffen war, hat sich noch am setbigen Tage um- 410 Uhr Abends nach England einge})<iffec.

Nach einem unserer Blätter haben die na<h Sene gal deportirten Bewohner von Martinique gegen Ende Februars den Befehl zu ihrer Freilassung erhalten. Fünf derselben sind darauf uach St. Thomas abgereist und vier andere wollten am 29. Februar (?) na< Do- minique abgehen.

Zu Guines (Dep. Pas de Calais) hat sih ein gro- ßes Ung!ú> ereignet. Jun einem Saal des Rathhauses wurde Termin zum Verkauf mehrerer Ländereien abge- halten als plôblih der Fußboden wih und mehr als 200 Personen úber einander her in die untere Etage stürzten ; die meisten wurden sc{<re>tih gequerscht und verstummelt. Ein Glück war es jedoch dabei noch, daß ‘das Local, in welches sle stürzten, vor den kurz vorher darin versammelt gewesenen Personen, mehr als 309 an der Zahl , bereits wieder verlassen war.

Mau war sehr wegen der Folgen in Besorgniß ge- wesen, welche die jeßt waltende Pferdefranfheit für die französische Kavallerie haben föônne. Nach zuverlässigen Nachrichten sind jedoch diese Besorgnisse fast ganz be- seitige.

Rente 101. 90, 102.

London, 21. April. (Ueber Paris) Gestern war das große Lever in Caritonhouse; vor dem allgemeinen Empfang wurden Jhre Durchl. der regierende Herzog von Braunschweig nebst seinem Bruder und dem Prin- zen von Leiningen Sr. Maj. besonders vorgestellt. Eine Deputation der Pflanzer von Jamaica wurde vor Sr. Mai. gelassen und überreichte etne Adresse, worin fie die Bitte auesprachen, daß Sr. Maj. Jhren Mini- stern befehlen sollten, dem Parlament die kritische Lage in der sih jene Jnusel befindet, vor Augen zu legen. Als Grund dieser kritischen Lage werdèn die im Unter- hause statt gehabten Verhandlungen angegeben, mit dem

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Bemerken , daß die Gefahr immer größer werde, wenn |

jene Discusfionen in demselben Geiste fortgeseßt wür: den, Die Neger haben sich eingebildet daß das Par-

seit der Zeit sinnen sie unablässig auf Jusurrection und Empörung.

Das Oberhaus war géstern nur auf sehr kurze Zeit versammelt und es wurden mehrere Petitionen gegen die Emancipation der Kathollken eingereicht.

Die Sißung des Unterhauses wurde, da \i< um 4 Uhr noch nicht mehr als 30 Glieder anwesend fan den, vom Sprecher alsbald aufgehoben.

Im Unterhause erklärte vorgestern außer Hrn, Brownlow (von welchem- bereits Meldung geschehen) auch Lord North, daß er, in Folge näherer Prü fung, seine früheren Aasichten von der Emancipa- tion der Katholifen geändert habe. tere noch für gefährli<h zu halten, erfenne er vielmehr in ihnen die getreusten Unterchanen Sr. Maj. indem alle Verfoigungen und Kränkungen, die sle erlitten, ihre Ergebenheit nicht zu erlöschen vermocht. Er sprach sich deshalb auf das lebhafteste für die Emancipation aus. Unter den in dieser Sibung eingereichten Petítio; nen, deren eine große Anzahl gegen und auch etliche für die Emancipation lauteten, war die von Hrnu, Scarlett überreichte Petition des Advocatenstandes die bedeutendste; sie war von 163 Personen unterzeichnet, Hr. Scarlett bemerfte jedoch, daß dies noch feineswegs alle zu diesem Stande gehörigen und der Emancipation günstigen Personen wären, indem vielmehr eine nicht ge ringe Zahl derselben die Metnung hegten, es zieme dem Advocarenstaude nicht, eine Petition an dies Haus zu richten, Hr. Scarlett machte besonders bemerklich, wit die Unterzeichner der Bittschrift gewiß von allem per jônlichen Juteresse bei der Sache frei seien, da es uw [treitig nichr der Weg, Stellen zu erlaugen, wäre, wenn man. sih den Katholiken güustig erkläre.

Die Anzahl der in dieser Sißung eingereichten Bittschriften gegen die Katholifen hat, nah dem Mor ning herald niht weniger als 200 betragen und deren Ueberreihung 5 Stunden Zeit erfordert.

1 Uyr Morgens ging das Haus auseinander.

Die Bombay Zeitung meldet , 1. October erfolgten Tode eines Braminen , das gt wöhnliche Ansuchen au die Behörde gerichtet wurdet, dreien jeiner Frauen zu gestatten, daß sie sich mic sei nem Leichnam’ verbrennen dürften, die eine dieser Frauen

Vom- 22. April (úber Hamburg). Hr. Cannin begab sich Dienstag um 7 Uhr ins Unterhaus, bliel aber nichr lange; er ging mühsam am Stocke.

Gestern ward die Discussion über die Katholische Bil fortgejekt und um 3 Uhr dieren Morgen das Amendment, auf welhes Herr Banfkes am Dienstage antrug, di zweite Lejung auf sehs Monate zu verschieben, mi 268 gegen 241 Stimmen verworfen. Die Lesung is deinnah geschehen. Unter anderen höchst bedeutende Reden zeichnete sih die, welhe Hr. Canning ungeach tet seincr Schwäche hielt, für, und die des Hru. Pet

f wider die Maaßregel, schr aus,

Vom ‘23. Gestern fand im Unterhause ohne Dis cussiou die erste Lesung der Bill des Hru. Liteleton ws gen Reguliruug der Wahlrechte in Jrriand statt.

Die Vereinigten Sraaten haben znr Verminderung de! Zinsen der Nationalschuld eine Anleihe vou zwölf Mil lionen Dollars zu 42 pCt. eróffnet, uicht vor 1828 rüd zahlbar.

fúndigt worden; man traf alle möglihen Wehranstalten Alle Briefe aus den Vereinigten Staaten wurden geös net und alle Fremde streng visitirt«

“Die Columb. Regierung hat beschlossen, ihren Si nach Ocana zu verlegen, wo die in den ersten Grund zügen der Verfassuug beschlossene Stadt Bolivar gebaul werden soll. Ÿ

lament ihre baldige Freiheit proflamiren wolle, und :

Conjfols 925

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daß nach dem an?

war 27, die andere 21 und die dritte nur 15 Jahr alt}

Am 5. März ist das Kriegsgeses in Havana vet

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Brássel, 22. April. Der Gesundheitszustand unsers geliebten Königs bessert sich mit jedem Tage.

General Kraayeuho} ist heute nah Hellvoztsluis abgereiset.

Am 19. d. is]! zu Amsterdam das Linienschiss, de

Korfenaar, von 80 Kanonen, so wie die Königl. Cor: vette, de Triton, von 28 Kanonen, vom Stapel gelas- sen worden. Die Provinzial-Staaten von Ost - Flandern haben ín ihren außerordentlichen Versammlungen am 19. d, zu Gent, auf den Vorschlag, die Mahlsteuer einzufüh- ren, verneinend geantwortet. :

Die Zahl der hiesigen Makler ist hier von 12 auf 90 vermehrt worden.

Zwischen Rotterdam und Ysselmonde wird Dampfpacketbootfahrt eingerichtet.

Die Bank von Amsterdam giebt: für. das vorige Fahr eine Dividende von 65 Fl. pr. Actie.

Karlsruhe, 22. April. Das großherzogliche Regierungsblatt Nr. 6 vom 21, d. M. enthält foigen-

des Geseh : ; Wir haben, unter Zustimmung Un-

Ludwig 2c. i 1 i serer getreuen Stände, beschlossen und verkünden hier-

mit, wie folgt: Art. 1. Die Adgeordneten der Grund- herren, der Universitäten, der Städte: und Aemter zur Ständeversammlung werden auf sehs Jahre gewählt. Nach Ablauf dieser Zeit, und so immer von sechs zu sechs Jahren, treten die gewählten Mitglieder sämmt. lih wieder aus, wenn nicht die Kammern früher auf gelôst worden sind. Diele geseßlichen Bestimmungen dehnen sich auch auf die gewählten Mitglieder der ge: genwärtigen Ständeversammlung aus. Art. 2. Alle drei Jahre muß eine Ständeversammlung statt finden. Art. 3. Das Auslagegeses wird in der Regel auf drei Jahre gegeben. Beschlossen zu Karlsruhe in Unserem großherzoglichen Staatsministerium, den 14. April 1825. Ludwig. Vdt. Frhr. v. Berstett. - Auf Befehl Seiner Königlichen Hoheit. Eichrodt.

Mittels hô<ster Verfügung vom 20. d. haben Se. K. H. die auf 2 Monate bestimmt gewesene Dauer der Ständeversammlung zur s{hlüßli<hen Beendigung der Arbeiten bis zum 14. Mai zu verlängern geruht.

Aus Tirol, 22. April. Jn der Nacht vom 16. auf den 17. d. M. hat die Stadt Lienz im Pusterthale ein großes Unglück getroffen. Fast der vierte Theil die- ses Orts ist ein Raub der Flammen geworden. Funf- zig Gebäude uud darunter 39 Wohnhäuser sind in Asche elegt. : :

1 Mailand, 15. April. Am 12. d. hielten-Se. Mas jestät der Kaiser in Begleitung Jhrer f. k. Hoheiten, des Erzherzogs Vicetönig und des Erzherzogs Franz Karl Jhren Einzug in Udine. Ungeachtet Se. Maje: stät den Wunsch geäußert hatten, bei dieser Gelegenheit

eine

‘feine Feierlichkeiten zu halten, so fonnteu doch die Ein-

wohner, im Uebermaße ihrer Freude, sich derselben nicht ganz enthalten, und. empfingen den geliebten Monar- <en mit Musif und lautem Jubel. Pontafel war die- sen Abend beleuchtet, desgleichen Udine. Se. Majestät wollten bis zum 16. in Udine bleiben, und daanu zu Ce- neda die uneuangelegte Straße nah Deutschland iu Au: genschein nehmen.

Neapel, 5. April. Das Giornale del regnso delle due Sicilie enthält heute die Anzeige, daß Jhre Maj. der König und die Königinn beider Sicilien, in Folge der. freundschaftlichen Einladung Sr. fk. k. apostol. Maj. am 11, d. M. die Reise na< Mailand antreten wer- den, Der Staatsminister , Cavaliere de’ Medici , Mi- tister-Staatssecretair der Finauzen, interimistisher Prä- sident des Ministerialrathes, uud interimistis<h mit dem Portefeuille der auswärtigen Angelegenheiten beauftragt, und dexr Staacminister Marchese Rusfsso , - Minister- |

Staatssecretair des fduiglihen Hofhalts und der Rit- fer Orden, begleiten den König auf dieser Reise. Der Vorsis im Ministerialrathe wird, während der Abwesen- heit des Cavaliere de’ Medici, dem Staats - Minister und Minister - Staatssecretair der Justiz und der geist- lichen Angelegenheiten , Marchese Tommasi úbertragen, und die Führung der Geschäfte in den Ministerten der Sinanzen, der auswärtigen Angelegenheiten und des fôs niglichen Hofhalts (leßteres in Abwesenheit des Mar- cheje Nuffo) den respectiven Directoren dieser Ménistes rien, mit ollen den Ministern selbst zustehenden Befug- nissen, anvertraut.

Rom, 13. April. Am 10. d. bejuchte der heil. Vater zu Fuß in Begleitung vieler Kardinäle, ihrer Dienerschaft, der Pilger 2c., die vier Hauptfirchen von Rom. Jn der Laterankirche las er Messe. Der Zulauf der Einwohner und Fremden war ungeheuer. Der Jus biláums - Ablaß wurde den diese Prozession begleitenden Kardinälen, ihrem Gefolge und den Pilgrimmen er- theilt, Leßtere wurden gespeist, Am 8. d, war eine Versammlung der vornehmsten Damen von Rom , dar- unter die Herzogin von Lucca, die Fürstin Orsini tc., prozessionsweise zu Fuß in die Vatikanfirhe gezogen. Vom 14. April. Gestern um 12 Uhr verkündete eine Artillerie : Salve von der Engelsburg die Anfunft Jh- rer Majestäten des Königs und der Königin beider Si- zilicn, die im Palläsk Farnese abstiegen , und öald dar- auf dem h. Vater einen Besuch abstatteten.

Corfu, 7. März. Ju der Rede, womit der Lord Ober : Commissair vorgestern die Sibung des gesebßge- benden Körpers eröffnete, erwähnte derselbe nächst dem was bereits (in Nr. 97. d, St. Z.) gemeldet worden, ¡edes auf der Jusel Santa - Maura sich dur< Erdbeben ergebenen unglücklichen Ereignisses, ‘und der Hülfe, welche die jouishe Regierung den Verunglückten jener Jusel kräftig und unverweilt angedeihen ließ. Er drückte jein Wohlgefallen über den blühenden Zustand der Staats- Einkünfte aus, welcher herbeigeführt wurde, ohne die Auflagen zu erhöhen, was der allgemeinen Verbesserung der Hülfsquellen des Staats und dem bei der leßten Parlaments - Sißung angenommenen weisen Systeme, die Staats- Einkünfte nicht zu verpachten , sondern auf Rechnung des Staates zu erheben, zuzuschreiben ist. Er - führt- au , daß sih die Einnahme des Jahrs 1824 ungleich höher als jene vom Jahre 1823 belaufe, wäh- rend die Erhôhung der Ausgaben, obwohl beträchtlich, doh mit jener der Einkünfte ‘in feinem Verhältnisse stehe. -Er erwähnt mehrerer Modifikationen in einem der wichtigsten Zweige der öffentlichen Einkünfte, nämlich der Abgabe vom Oel, und anderer finanzieller Vorschläge, welche der Versammlung zur Erwägung werden vorge- schlagen werden. Er berührte ferner die Errichtung der jonischen Universicät mit dem Beisaße , - daß nach einer Entscheidung des Senats jede Eruennung bei dies ser Anstait nur provisorisch sein könne, indem durch die Erfahrung erst bewährt werden müsse, ob dieß Jus stitut den Zwe> seiner Einseßung auch erreihen werde. Der Patriar< zu Konstautipel trat der Errichtung der neuen Bisthümer bei, und die Jnstallation der Prälaten wurde bereits mit geziemendem Gepränge ges- feiert. Der Straßenbau rü>t thätig fort. Die Ge- rihts - Orèdnüng wurde verbessert, und“ der Wirkungs- kreis des obersten Justizhofes wurde erweitert. Der Lord Oberkommissair ermahnt am Schlusse seiner Rede die Versammlung, bei ihren Berathschlagungen das Wohl des jonischen Volks zum einzigen Zwee zu haben./

Copenhagen, 23. Aptil. Der Königl. Hof hat für die verewigte Herzogin von Nassau auf 6 Tage Trauex angelegt.

Ein Königl. Placat vom 8. d. enthält Folgendes: „Um eine Gleichförmigkeit in den Schiffspapiereu für die, uusern Unterthanen gehörigen Schiffe, auf ‘ihren