1825 / 124 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

494

Ueber die Folgen , welche diese Entscheidung herbei- führen mag, sind wir völlig beruhigt; wir haben oft gefagt , Jtlands Zustand wúrde um Nichts durch die Bewilligung der katholischen Forderungen gebessert wer- den , derjelde hat gar nichrs mit der fatholischen Frage gemein. Das Zugeständniß der Emanzipation allein, wird Jrland um nichts besser stellen, aber auch ohne dasselbe wird sein Zustand in der Besserung -rash vor- wärts schreiten, wenn man der nämlichen Geseßgebung treu bleibt, die man einige - Jahre hindur< ange- wandt hat.

Es ist nicht zu läugnen, daß diejenigen Jundividuen, welche allein dur<h die Emanzipation gewinnen fonnten ihre Anzahl ist geringe, die Macht und wahr- sheinlih auch die Neigung haben, die heftige. Gemüthsx beschaffenheit ihrer Landsleute zu dem Zustande fieber- hafter Reizbarkeit hinauf zu spannen, der zu Brand- stiftungen, Mord und Rebellion reift; aber sie verlieren diese Macht mir jealichem Jahr; mit jeglihem Monate M isse durch den Weg, den die Regierung verfolgt, die mehr, des Volkes umzuwandeln, und sie dem |<ädli; hen Einflusse seiner Demagogeu minder unterworfen zu machen.

Stocfholm, 20, Mäi. Während- der Reise ZJ. KK. MM. nach Norwegen werden JJ. KK. HH. der Kronprinz und die. Kronprinzessin das Lustschloß Drottn- tugholm bewohnen.

Die officielle Zeitung enthält jeßt die Ernennung des Oberst - Lieutenants, Freiherrn Nordin, zum Staats- Secretair fúr die Kriegsge|chäfte, an die Stelle des Hrn. Arnell. |

Se. Maj. der König haben wegen der an manchen Orten unter den Pferden herrschenden Seuche das Ein- bringen fremder Pferde in das Königreich bis auf wei- ter verboten.

Der Ausfuhrzoll für Holzwaaren aus Norwegen betrug im vorigen Jahre 307,000 Spec. Thlr. und der für andre Artikel 104,000 Thlr.

Laut Berichten aus Wermland is der Clarelswen aus seinen Ufern getreten und hat großen Schaden ‘it

der umliegeuden- Gegend angerichtet. Fn den Gothenburger Scheeren sind bis jeßt

26,550 Tonnen Heringe gefangen worden. Copenhagen ,- 24. Mai, Voriges Jahr wurden

im Königreiche Dännemark (die Herzogthümer nicht mit eingeshlo}en) 14,756 -Menschen mehr geboren, als starben, von deneu allein 4328 auf das Stist Seeland kommen. …. _-

_ Während der stürmischen Tage in der Mitte vori- gen Monats sind mehrere Schiffe und Fahrzeuge in der Nordsee und Kartegart verunglückt.

__ Das Dampfschiff Prinzessin Wilhelmine geht jeden Sonntag von hier na< Travemúnde ab. und ein an- dres, Caledonia, nah Helsingor und Charlottenlund.

Die K. Gesellschast der Wissenschaften in Göttin- gen hat den Professor Dr. Jacobsen zu ihrem corre- spondireuden Mitgliede erwählt. '

München, 21. Mai. Die Kammer der Abgeord- neten hat in ihrer heutigen geheimen Sißung den Ge- seßesentwurf : die Aufhebung des in-einigeu Theilen des Königreichès den Juden gestatteten höheren Zinsfußes betressend, einstimmig angenommen. Der Geseßesent- wurf hinsichtlih des Art, 425, Thl. 1. des Strafgescßz- buches erhielt mit 94 gegen 4 Stimme die Zustiumung, und der von der Kämmer der Reichsräthe hiezu in An- trag gebrachte Zusaß mit. 93 gegen 2 Stimmen. Auf den Geseßesentwurf : die Abkürzung der Nothfrist in Wechselsachen zu Augsburg betrefsend, wurde mit 91 ge- gen 1 Stimme und die von. der Kammer der Reichs- räthe in dieser Beziehung vorgeschlagene Redaktion ein- Cs angenommen. Feruer wurde der Geseßesent- wurf :

V TEL E E L a % s D VOZER E 2 4 M 7 K v E O E M E S A A S

die Verlängerung der Einführung des Hypothe- |

fengescßes bis zum 1. Jun. 1826 mit 67 gegen 21 Stin| men und der Antrag, gegen die säumigen B eamte mit aller Strenge zu verfahren, einstimmig angendj men. Endlich beschloß die Kammer, über den Antr des Abgeordnten v. Reindl: die Aufhebung des 6 seß:s vom 22. Jul. 1819, die Aften - Junrotulation hi treffend, mit 78 gegen 18 Stimmen , die alsbaldige Ays hebung nicht zu beantragen, dagegen —- na< dem Gy achten des ersten Ausschusses mit 67 gegen 30 Sti men der Regierung nur den Wunsch zu äußern: d die Aufhebung des Geseßes vom 22. Jul. 1819, sow es die Aften - Jnrotulation betrifst , bei der bevorstehy den Geseßgebung berücfsichtigt werden möge. tailand, 15. Mai. Gestern langten Fhre M lestäteu der König und die Königin beider Sizilien hi an, Unsere Souveraine waren Jhnen bis Gaml loíta entgegen gefahren. Am 15. trafen Jhre Maj stät, die Herzogin von Parma und Se. f. k. Hohe der Großherzog von Toskana mit seiner durchlauchtj sten Schwester hier. eiu. . Abends besuchten die All höchsten und höchsten Herrschaften das prächtig beleud tete Theater della Scala, Vom, 17. Mai, Unsi Souveraine fahren fort, die dffentlihen Anstalten uns rér Stadt mit Jhrem Besuche zu beehren. So | suchten des Kaijers Majestät in Begleitung des E herzogs - Vicekdnigs das hiesige Bürgerspital, gingen | die Krankensále, und besprahen Sich huldvoll mit mh reren Kranken. Jhre Majestät die Kaiserin verfügt Sich in das königliche Kollegium Guastalle der una! geltlichhen- Erziehung adeliger junger Frauenzimmer widmet. Der Erzherzog “Franz und Seine Gemah! besuchten die Bibliothek der Akademie der Künste uil Wissenschaften, wo der Bibliothekar die Ehre hatte, d Erzherzogin eine von ihm verfaßte Schrift über di Toilette der griechischen Damen zu überreichen, das Jh

| k. Hoheit- huldvoll aufzunehmen geruhten.

Rom, 14. Mai. Hier wurde nach dem Plane di Grafen Giraud eine Scontobank, und in Bologna U Ancoua Filialien derselben errichtet.

Töôrkey. Ein Schreiben aus Alexandria sagt, daß engliihe Regierung die Absicht habe, eine Gesandtschi| nah Egypten zu shi>en, um dem Vicefdnig eine Vi bindung des rothen mit dem mittelländischen Me vorzushlagen. Der Viceköônig hat in kurzer Zeit u 12 Millionen Thaler Baumwollen - Waare verkauft. = Der bekannte Mainotten - Anführer, Pietre : Bei s mit seinen Truppen zur Armee Jbrahim - Pascha?s gt stoßen seyn, um gemeinshaftlihe Sache gegen die Gi <en mit ihm zu machen.

Die Allgemeine Zeiturig giebt folgende Mif theilungen.

Smyrna, 18. April, Uebereinstimmender, Bri aus Alexandria vom 27. Márz zufolge bereitet der Y cefônig Mehmet Ali Pascha eine neue. Expedition i nah dem Peloponnes bestimmt ist, und angeblich 17,08 Mann stark fein soll, vor. Der Viceköônig leitet U Zurüstungen persönlich in Cairo, und hat seinen Schwl gersohn den Defterdar Bey zum Kommaudanten di selben ernannt. Heute traf die dôsterreicis<he Bril l’Orione in 10 Tagen aus Napoli di Romania hi ein, und brachte“ die Nachricht mit , daß Ibrahim Þ scha. am 27., 28. , 29, und 30, mit 4000 Mann m rere Versuche gemacht hatte, um si< Navarinos | bemächtigen. Nach den in Napoli mitgetheilten Bi rihten war es ihm bereits- gelungeu, die Mauern diesl Festung zu ersteigen, als Conduriotti erschien, Türken mit beträchtlichem Verlust zum Rückzuge zwan) Der Verlust der Griechen soll ebenfalls bedeutend stil

und unter den Gebliebenen ist der Verlust des bei dies

Gelegenheit getödteten jungen Mauro Michali, Soh!

des Pietro Bey, den Mainotten ein

und d

: empfindlicht! Schiag. Die Aegyptier verloxen den General Solimal

495

Bei, einen ehemaligen bonapartischen General, der den

oslamismus annahm.

; Ragusa, 7. Maái. rfährt man hier úber die ster ollenen Ereignisse durch die aus den jonischen Inseln ommenden Kapitains ungünstige Berichte für die Pforte. Fin aus Corfu den ‘27. April abgegangener, am 3. Mai ier angekommener Kapitain erzählte, die aus Alexan- diia bei Modon gelandeten Türken seyen seitdem ge)cia- en worden, und nur ein fleiner Nest hätte sih auf die vor Anfer liegenden Schiffe retten können; die andern ren der Wuth der Griechen aufgeopfert worden. Ei- nige schließen aus dieser Aussage, daß sich diése Mit-

Aus dem benachbarten Morea

' nq auf eine zuleßt gelandete ägyptische Abtheilung | ( s e S e ‘in Schlafzimmer des Engländers. angefangen

jeziehe, und mit der zweiten unten folgenden Aussage ines am 26. April aus Cefalonia. abgegangenen, und den 5. Abends hier eingetroffenen Kapitains nichts ge- mein habe, iudem dieser Ereignisse bei Navarind mel- dete, die längst befannt sind, und früher statt gefunu- den haben dürften, als die erstern. Der aus Cefalonia

efommene Kapitain sagte aus: ¿daß die Türken den 6, April auf Navarino einen abermaligen Sturm wag- en, und eine gänzliche Niederlage erlitten. Aus Scutari ist die Nachricht eingetroffen, daß der Dsche: edin Bey, Neffe des Pascha, mit 6000 Mann gegen Missolunghi vorrückte.

Der engkishe Kapitain Selly beschreibt in seiner eise na< dem Tempel von Elora, einen fürchterlichen indishen Völkerstamm, der mit den ehemaligen Assasi-

n viele Aehnlichkeit hat, und einer nâgern Erwäh- nung hier nicht umwerth zu seyn scheint.

Die Bheels, ein Stamm , der sein ganzes Leben dem Rauben und Morden weihet, haben ihre Wohnu- orte in den wildeften Gegenden Jhudiens, wohin die ivilisation und die Religion des Brahma nie hiudrin- jen kann, dagegen sie aber auch einen großeu Abscheu jezeigen. Jhr Wuchs ist durchaus flein , sie haben mit: nter frause Haare und eine di>e Unterlippe; ihre Farbe ist dunfelbraun, und ihre Züge sind männlicher, ils die der Hindus. Nomadisch ist ihre Lebensart, aber o dichte und große Wälder, unzugäugliche, mit Wal: jungen bede>te Gebirge sich befinden, da ist “ihr lieb: er und fester Wohnplab, den sie nur verlassen, wenn le rauben „, oder als Hülfstruppen eines Oberhauptes der Hindus sich anwerben lassen wollen, um die durch den Krieg begonnenen Verwüstungen fortzujeßen.

Wenn. die indischen. Heere die Bheels in ihre Rei- jen aufnehmen, so ist dies das Zeichen eines Vertil- jungsfrieges. Ein Theil wird dann gewiß vernichtet ; ein Lebeudiges, feine Wohnung bleibt verschont. Jedoch lie Menschlichkeit der Anführer \{üßt gewöhnlich das and vor diesen mordlustigen und verwüstenden Helfers- fern. Sie bedienen sih ihrer nur, wenn sle ‘eiue große Beleidigung. zu rächen haben. Jun diesem Falle benach- ihtigen sie ihre Feinde davon und verlangen Genug- huyng. Die Drohung, die Bheels zu den Waffen zu ufen, hat dieselbe-Deurung, als die in unsern europäi- hen Kriegen: keinen Pardon zu geben, oder eine Be- iung über die Klinge springen lassen.

Das Geschäft dieser menschlichen Ausort ist, Brun- n und Quellen zu vergisten, Dörfer anzuzünden, rndte und Vieh zu verderben, und die Einwohner mzubringen. Hundert Bheels thun oft mehr Schaden, ls eine ‘indishe Armee! :

Sie dringen durch die dichtesten Wälder auf ihnen lein befannten Wegen , um zu dem Opfer zu gelan- en, das ihnen gewidmet ist. Keine Hindernisse , we- er durch Zeit no< dur<h Entfernung, können. fie ab- hre>en;, sie wissen mehrere Jahre den Streich, den t nicht aufder Stelle ausführen fonnten, aufzuschie-

dort in neuester Zeit vorge-*

ben. Ein Bheel widmet sein ganzes Leben dem Plane zur Erfüllung seiner Rache, und wenn er diesen nach L FaN ies Versuchen unausführbar sieht ermordet er sich.

Ein englischer Offizier hatte einen dieser Räuber verwundet und dadurch auf eine lange Zeit unbrauch- bar. gemacht. . Der . Bheel erfor den Offizier zum Opfer. Die größten Sicherheitsmaßregeln wurden nun für den Offizier getroffen ; eine Schildwache stand Tag und Nacht vor der Thúr seiner Wohnung, die an eis nem Flusse lag. ‘Allein die Bheels gruden am andern Ufer, in weiter Entfernung, einen unterirdischen Gang, durch welchen nur ein einzelner Mensch fkries chen fonnte, Schon hatte der Mörder die Bretter zu zeré schlagen, als er entde>c wurde. Obgleich nun in der Stadr 2000 Maun Besaßung lagen, mußte der Ver- folgte do<h von hier, wegen seiner Sicherheit , na< Bombay verseßt werden !

Nie Veil 6:5 1:04

Arnsberg. Der von der Seehandlung unternom- mene Bau der Kunststraße von Erwith nach Olpe, w0s dur<h die Verbindung zwischen der Weser bei Minden unò dem Rhein hergestellc wird, ist nunmehr begonnen worden. Man kann si<h mit vollem Rechte erfreuliche Rejultate davon versprechèn, deun nicht allein begründet die erleihterte Kommunifation der Ländertheile einen lebhafcern innern Verkehr, und wird mancher Gegend, welche bisher isolirt und unzugänglih war, die Mdgs- lihfeit des Absabes für ihre Erzeugnisse gewähren, jons dern es ist auch eine augenblilihe Hülfe für die, Bes wohner der angrenzenden und benachbarten Ortschaften gewährt, die in dem Tagelohn ihren Unterhalt finden

können, Jm Betriebe der Fabriken wird vermehrte

Thätigkeit wahrgenommen , - namentlih in der metalli- schen Fabrikation. Der Preiserhöhung des Roheijens i\t ein verhältnißmäßiges Steigen des Preises der ferti: gen Waaren gefolgt ; ader auch die Nachfrage nach Me- tallfabrifaten hat zugenommen und besonders lebhaft ist der Betrieb der Drath- und Näáhnadel Fabriken. Der Arbeitslohn steht in den Fabrifgegenden no<h immer ziemlich hoch. Viele Eisenwerke, besonders im Hers- zogthume Westphalen, welche wegen des geringen Wek? thes. des Roheisens seit langer Zeit still standen, sind jeßt in fortwährender Thätigkeit, und da bei dem stets wachsenden Begedren , die seit zwei Monaten erfolgte Preissteigerung von 40 auf 50 Rthlr. pr. Karre (1020 Pfd.) die lebte Grenze no<h nichr erreicht haben fann,y so’ hofft man, daß das Hütten- und Hammergewerbe immer blúhender werde. |

Minden. Von landwirthschaftlihen Producten giebt allein die Wolle günstige Aussichten. Mit Sehn- sucht sieht daher der Laudmann dem Zeitpunft entgegen, wo er die diesjährige Schur zu Gelde machen fann. Auch nach Vieh ist einige Nachsrage entstanden, besons ders wurden Schweine aufgekaufe. Der Garn- und Leinwandhandel erfreut sich einer vortheilhaftern Kon- junétur. Die Käufer von feinem Garn konnten kaum befriedigt werden. Feine Leinwand wird fortwährend gesucht und auch die Preise der grôberen Sorten haben sich, jedoh nicht bedeutend, gehoben. Leider wird der Mangel an tauglihem Webergarn, dessea Fabrikation während der langen Absastlosigkeit - sehr vernachläßigt worden ist, immer fühlbarer. Zu Bielefeld wurden im April d. J. 3665 Stück Leinewand geloyget. Die Sa- line zu Salzkotten ist fortwährend in lebhaftem Betrieb. Es wurden circa 40 Lasten Salz gewonnen.