1898 / 103 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Qualität

gering

mittel

Gezahlter Preis für 1 Doppelzentner

niedrigster

A.

höchster h,

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Mh. M.

bödster

niedrigster

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Y Perkaufte Menge

Doppelzentner

Durchschnitts- Verkaufs- preis

1 Doppel-,

M.

werth für Dur(h- \hnitts- zentner preis

Am vorigen Markttage

A.

Außerdem wurden am Markttage (Spalte 1) na< überschläglicher Schäßung verkauft Doppelzentner (Preis unbekannt)

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Fnsterburg .

Brandenburg a. H. Î

Frankfurt a. O. Greifenhagen Pyriß - Schivelbein . Kolberg .

Köslin . Schlarwoe .

14,50

14,00 16,00

15,00 15,50 15.00 15/00

15,70 15,70 14/50 15/00

16,00 16,00

G erfte. 16,40

16,00 16,20 16,50

15,00 18,00

16,40

16,00 16,40 16,90

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16,40

16,50 15,70

17,00 16,00

16,20

16,00

16,00

Deutséher Reichstag. 80. Sißung vom 30. April 1898, 1 Uhr.

Ueber den Anfang der Sihung wurde bereits am Sonn- abend berichtet.

Nächster Gegenstand der Tagesordnung ist die Berathung des von dem Abg. Dr. Bachem (Zentr.) eingebrachten Geseßentwurfs, betreffend die Verzollung von rohseidenen Geweben (sog. Pongees). Diese Gewebe sollen einem Zollsay von nur 300 f (statt 300 #6) unterliegen.

Abg. Mal Laue, | (nl.), der ursprünglich denseiben Antrag eingebracht hatte, hat denselben dur folgende Reso- lution erseßt:

„die verbündeten Regierungen zu ersu<hen, im Verordnungs- oder Gesetgebungbwege baldigst dafür zu sorgen, 1) daß zur Veredlung dur< Waschen, Bleichen, Appretieren, Färben oder Bedru>ken auf Grund des $ 115 des Vereinszollgeseßes zollfrei zugelassene rein- seidene Gewebe, wel<e nah erfolgter Veredelung“ in eine unter Zollvershluß stehende Niederlage aufgenommen worden sind, von hier nah dem bei der Abmeldung \< ergetenden Gewicht zur Ver- zollung gezogen werden dürfen; 2) ferner, daß auf reinseidene Ge-

nalisiert gilt. Wenn also <inesis<e Seidenwaaren in Frankreich unter dem Regime der admission temporaire veredelt werden, so würden wir den Saß von 800 A von ihnen erheben. Hierdurch ist die Sach- lage einigermaßen verändert, und auch dieser Punkt wird bei der Ent- \cließung über diese Anträge ins Auge gefaßt werden müssen.

Abg. Dr. Bachem bemerkt, daß er sib ebenfalls für den Antrag Münch-Ferber erklärt habe, obglei<h sein Antrag schneller zum Ziele führen würde und vom Bundesrath in kürzester Zeit erledigt werden fönnte. Seit zehn Jahren petitioniere die Handelskammer in Krefeld in dieser Sache, und es sei unbegreiflih , daß man ihren Wünschen niht nahFegeben habe. /

__ Geheimer Ober-Regierungs-Rath im Reichs-Schaßamt Henle: Die Handelékammer Krefeld hat erst im vorigen Jahre einen brauchbaren Antrag gestellt. Wenn die verbündeten Regierungen si<h auf den Antrag Münch-Ferber einlassen sollten, so würde dabur< au< der einheimis<he Markt erobert werten Éöônnen.

__ Abg. Freiherr von Stumm (Rp.) hält die Aenderung eines einzelnen Zollsaßes für bedenkli<h und- empfiehlt die Annahme des An- trages Münch-Ferber.

Abg. Singer (So0z.) \sprit seine Freude darüber aus, daß die Hochschutzöllner des Zentrums Anträge auf Ermäßigung der Zölle stellten und damit den Gedanken, daß man die nationale Arbeit durch

Behörden in Breslau beschlossenen Mädchengymnasium versagt hai?

Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten D. Dr. Bosse erklärt sich bereit, die Jnuter- pellation sofort zu beantworten.

Abg. Gothein führt zur Begründung der Fnterpellation aus: Die Schulbildung wird immer eine bestritrene Frage sein; man muß aber jedenfalls der Jugend. die Möglichkeit geben, auf verschiedene Art ihre Biltung zu su<hen. Das gilt au< von der Erziehung der Mädchen. Die Ausbildung im logishen Denken wird auf den Gymnasien besser erzielt als auf unseren höheren Mädchenshulen. Wenn ein Mädchen das Abiturientenexamen bestanden hat, hat es siherli<h die sittlihe und geistige Qualifikation, eine Universität zu besuhen. Das Berliner Mädchengymnasium hat bereits sehc gute Erfolge gezetgt. Aber diese Anstalt is eine Privatanstalt und verfügt nit über die Mittel, um die genügenden L:hrkräfte anzustellen. Deshalb und weil i< aus weiten. Kreisen das Bedürfniß geltend machte, bes<hlossen die städtishen Behörden von Breslau die Errich- tung eines Mädchengymnasiums; die Breslauer Stadtverordneten habèn mit großer Majorität zugestimmt. Einer der eifrigsten Förderer

2ölle <üuen könne, ad absurdum führten. Die Sozialdemokraten der Sade in der Stadtverordneten: Versammlung war ein fonservativer würden für beide Anträge stimmen. Herr. Es wurde ein Lehrplan aufgestellt, der mit der Tertia begann

Abg. Dr. Müller- Sagan (fr. Volksp.): Ohne Ermäßigung des und in3gesammt 7 Jahre umfassen sollte. Am ‘21. Januar Zolles wird es {hwerli< möglih sein, den einheimishen Markt zu erstattete der Magistrat von Breslau an den Minister Bericht und gewinnen. Wenn die Krefelder Handelskammer keine brauchbaren bat um die Genehmigung der Anstalt. Es zweifelte niemand, daß

15,60 15,60 15,80 | 15,80 16,00 2 15,70 15,72 16,00 16,50 16,59 17,00 17,00 16,50 16,00 12,50 14,50 | 16,50 16,50 14,50 14,50 159,50 16/00 17,00 14,90 14,759

webe, welche in einem vom deutshen Meistbegünstigungsreht aus- ges<lossenen Lande erzeugt und in der unter 1 angegebenen Weise im deutschen Zollgebiet einer Veredelung unterzogen worden find, im Fall der Werzollurg die vertragsmäßigen Zollsäße Anwoendung

Stolp. . Krotoschin Namslau

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avensburg U Offenburg . - Braunschweig Altenburg . Diedenhofen Breslau . « Néuß. » a

Die verkaufte Menge wird auf volle Doppelzentner 4 (—) in den Spalten für Preis

16,00 16,00 15,00 16,00 17,00 16,00 16,00 15,70 12,00 16,00

15,80 14,40

16,60

14,00 14,00 15,00 16,00 18,00 16,50

16,00 17,00 15,26

17,00 17,75 16,00 14,00 15,34 13,98 14,00 15,00 16,00 14,00 15,50 15,60

17,00 15,80

14,00 16,20

15,00 14,00 16,00 18,00 18,00 15,00 19,00 14,50 16,00

13,50 14,60 16,52

14,25 12:50 18/60 19,40 13 50 13,40

14,00

15,75

16,00 16,40 15,50 16,00

17,20

16,00 16,00 15,70 13,50 16,00 16,00 14,60

16,60

14,00 14,00 15,00

16,20 18/00 17:60

17,00 17,33 15,50

17,00

17,75 16,00 16,00

16,44 16,13

15,00 15,00

16,40 14,00 16,50 16,60 17,00

16,20

und der Verkauf e hat die Bedeutung,

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swerth auf volle Mark

15,00 16,60 16,50 16,00 16,00 16,67 18,50 19,00

19,00 19,75 15,50 18,00 17,80 13,95 20,00 17,48 19,23 17,00 14,50 19,34 19,50 20,090 16,00 17,40 15,20

16,00

14,20 16,25

16,40 15,80 16,00 16,50 14,50

16,20 16.80 16,80 16.80 16,00 16,80 17,00 | 17,40 16,00 | 16,50

17,00 17,00 16,00 17,00 17,20 17,30 16,50 | 16,50 1650 | 16,50 16,20 16,20 14,00 15,00 16,80 | 16,80 16,20 16,40 15,20 15,40 16,00 | 16,00

15,50 | 16,00

15,00 | 15,00 16,00 | 16,00 17,20 17,20 16,40 | 16,60 120 l 18,25 17,60 | 17,60

17,10 | 18,09 1788 1 17,07 15,50 16,00 17,00 |- 17/00 18,00 | 18,00 16,00 | 17,00 18,00 | 18,00 16,50 | 16,50

1620| 18,00 17,55 18,98 16,88 | 17,96 16,00 16,50 15,00 16.00 16,00 16,00

17,00 18,00 15,28 15,25 16,80 16,80 16,75

17,40 15,60 16,40

16,50 16,80

17.00 17,00 17,07 19,00 91,00 14,50 19,10 19,75 15,50 20,00 14,00 23,00 18,32

17,00 18,60 19,80 20,10 19,00 17,40 15,80

Hafer. 19 00 16,60 14,80 16,50 17,00

17,00

15,00 16,60 16,90 17,00 17,20

17,60 17,00 18,00 17,30 17,00

17,00 16,70 16,00 17,20 16,60 15,50

17,00

16,00 16,00 17,00

16,80 18,50 18,00 16,00 18,10 17,67 16,00 18,00 20,00

18,50 17,00 16,80 18,20 20,34 18,01 16,60 16,00 17,50 17,49 19,00 16,20

17,30 17,40

| 17,20 17,40

i 676 17.00

17,00 17,00 17,50 17/40 18,00

| 16/80 15,80

| 16,60 16,80

16,80

16,50 15,00 15,00

16,50 16,60

17,00

17,00 17,00 17,33 19,00 21,00 15,50 91,00 90,00 16,00 20,00

14,00 93,00 19,20 18,00 18,60 19,80 91,00 19,00 17,80 16,90

19,00 16,60 16,00 16,50 18,00

17,00

15,00 16,80 16,50 17,20 17,20

18,00 17,50 18,00

17,50 17,00 ¡7,00 16,70 17,00 17,20 16,80 15,60

17,00

16,00 16,00 17,00

17,00 18,50 18,50 17,00 20,00 18,00 17,00 18,80 20,00

18,50 17,00 17,80 20,00 21,59 18,82 17,00 17,00 17,50 18,40 19,60 16,20 17,65 18,00 17,20 17,50 18,00 16,00 17,00 17,80

Bemerkungen.

daß der betreffende

abgerundet mitgetheilt.

Der Durch

Preis niht vorgekommen ist; ein P

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16,50 16,20

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17,60

19,33 17,45 19,00

19,50 19,50 19,64 17,50

17,60 16,60 14,65 16,26 17,48

15,80 16,00

14,50 15,00

16,50 16,80 16,80 16,27

17,00 17,00 16,40 17,16 16,80 16,00 16,50 16,14 14,57 16,80

15,50 16,00 16,80

15,73

263 499 16,50 1436 17,50

948 16.53 1 800 18,00

273 17,06 46 271 17,61 2 395 18,28 1 264 17,20

626 17,90 1 0983 17,43 593 15,36 3441 16,85 9 488 17,07 236 16,86

9 175 17,20

unkt (. ) in den leßten se<s8 Spalten,

15,16 | 17,00 14/60 | 16,25 | 16,78

15,60 | 15/67 |

15,00 15,00

14,40 15,90 15,60

16,00

16,20 16,00 16,00 16,50 16,79 18,00 16,25 14,86 14,20 15,60

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nittspreis wird aus den unabgerundeten Zahlen berechnet. [c : sprechender Bericht fehlt,

finden.“

Abg. Münch-Ferb er weist darauf hin, daß die deutshe Seiden- industrie dadurh {wer geschädigt sei, daß fie die bezeihneten rohen Seidengewebe, wenn sie aus China und Japan eingeführt würden, mit 800 M verzollen müsse, während die Franzosen die veredelten Stoffe auf Grund des Handelsvertrages nur mit 600 A. verzollten. Dieses Verhältniß habe dahin geführt, daß nah Frankreich über 140 000 Stü>, nah Deutschland aber nur 4900 Stü>k Pongees ein- geführt worden seien, zum Schaden der deutshen Veredelungéindustrie, obwohl die deutshe Zeugdru>erei an der Spiye der gleidhen In- dustrie aller andern Länder stehe.

Abg. Dr. Bachem: Jh wäre bereit, auf den Antrag Münch- Ferber einzugehen, wenn das Haus denselben acceptieren würde. Die in Rede stehenden Gewebe machen der deutshen Weberei keinerlei Konkurrenz. Die Engländer und Franzosen führen das rohe Gewebe zollfrei bei sich ein, veredeln es und bringen es dann als englische und französishe Waare mit 600 4 Zoll auf den deutshen Markt, wäh- rend die deutshe Veredelungsindustrie für das rohe Gewebe 800 M. bezahlen muß. Die Einfuhr der Porgees is von 1893 bis 1896 von 3 800 000 / auf. 5 850 000 M gcitiegen Es muß der Versuch gemacht werden, die Veredelung dieser Stoffe in Deutschland zu vollziehen

Direktor im Reichs - Schaßamt Dr. von Koerner: Meine Herren! Ich bin allerdings niht in der Lage, eine endgültige Er- klärung über die Stellung der verbündeten Negierungen zu den beiden Anträgen abzugeben. Sie haben bisher no<h ieine Gelegenheit gehabt, zu diesen Anträgen Stellung zu nehmen, -aber wie i< bereits in der Sißung vom 14. Februar dieses Jahres anläßlich einer Bemerkung des Herrn Abg. Dr. Barth in Bezug au! denselben Gegenstand ausgeführt habe, erkennen die verbündeten Negierungen das Bestehen dieses cigenthümlihen Zustandes in unserem Zolltarif vollkommen an und erkennen die Berechtigung ay, na< einem Wege zu suchen, auf wel<hem diesen Uebel- ständen abgeholfen werden kann. Es fragt si<h aber nun, auf weldem Wege das geshehen soll. Die beiden Anträge geben ver- \chiedene Wege an, und ih kann do<h nit verhehlen, daß weniastens bei den betheiligten Ressorts des Reichs gegen den Antrag des Herrn Abg. Dr. Bachem erheblihe Bedenken bestehen. Zunächst be- zwe>t der Antrag Bachem eine Aenderung des bestehenden Zolltarifs. Nun ist es an si< niht wünschenswerth, daß wir jeßt, wo wir mit Aufstellung eines neuen Zolltarifs beschäftigt sind, einzelne Zollsäte berauégreifen und jeßt {on ändcrn. Der ganze Zolltarif ist mehr oder weniger ein organishes Ganzes, namentli soll dieses auch der fünftige fein, und es ist au flar, daß die einzelnen Zollsäße, namentli< bei den Geweben, aufeinander einen Einfluß üben. Es läßt sh also heute ne< garniht übersehen, wenn wir jeßt einen Zoll von 300 4 auf die <inesis<hen Pongees einführen, ob dieser Saß in ten künftigen Tarif hineinpaßt. Ein weiteres Bedenken ist, daß, wenn wir eine so erhebliche Herabseßung des Zollsatzes für chinesische Seidengewebe einführen, wir dadur<h ein wihtizcs Ver- bandlungsokjekt für spätere Bertragsverhandlurgen mit China aus der Hand geben. Ferner erreiht der Antrag des Herrn Abg. Dr. Bachem, wie er selbst angegeben bat, den Zwc>, den er verfolgt, nur in einem beschränkten Grade. Er läßt außer Betra<ht die gefêperten Pongees, wie das ja {hon Herr Abg Münch, Ferber ausgeführt haz, welche einen wesenilicen Theil der japanischen Einfuhr bilden. Er läßt 28 des ferneren dabei, daß die ungewaschenen Pongees immer noch benachtheiligt sind gegenüber der Einfuhr der gewaschenen. Das lieat einfah in dem Gewichtsuntershied. Ferner würde der Zollsaß von 300 ( immerhin den Absaß der veredelten Waaren nah dem Ausland erheblich ers<hweren, während nah dem Antrag des Herrn Abg. Münch - Ferber der Veredelungsverkehr so gestaltet wird, daß das Material für den ausländishen Abfaß zollfrei eingeht. Bei der Annahme des Antrags des Herrn Dr. Bachem wird es immer noch erforderli sein, neben der Zollherabsezung einen Veredelungs- verkehr für den Absaß nah dem Auslande einzuführen, der dann no< den Nachtheil haben würde, daß man doppelt arbeiten müßte. Man müßte die Fabrikation für das Inland von der Fabrikation für das Ausland trennen, und das bietet zweifellos geschäftliche Schwierigkeiten und Unzoträzlichkeiten. Sodann ift niht außer Acht zu lassen, daß die Scwierigkeiten der zolltehnisden Urterscheidung zwiichen den chinesishen Pongees und den anderen Seidenwaaren, namentlich euro- päishen Seiden, niht so ganz beseitigt sind. Ez find ja namentli von der Handelskammer in Krefeld gewisse Kriterien angegeben, die die Unter\ceidung ja wohl ermöglichen; aber Schwierigkeiten bestehen do< no<. Dann aber is ein we}jentliher Punkt, daß, sobald der Antrag des Herrn Abg. Bachem bekannt geworden ist, die badischen Seidenweber \s< sehr energis<h gegen eine derartige Herab- seßung des Zolles auf diese chinesishen Pongees erklärt haben. Ob man über diefen Widerspru<h so ohne weiteres würde hinweg- gehen können, das steht doch au< no< dahin Dann will ih mir nebenbei in formeller Beziehung no< zu bemerken erlauben, daß dieser Antrag des Herrn Abg. Bachem eine Ausnahme konstituieren will gegenüber der Ziffer 306 1 des Zolltarifs, und es der ganzen Struktur und Eintheilung unseres Tarifs niht entsprehen würde, wenn man diese Bestimmung als eine selbständige Pier in den Tarif aufnehmen wollte. Es würde si< wohl empfehlen, dies in Form einer Anmerkung zu der Ziffer zu thun. Das würde die weitere nüßlihe Folge haben, daß man dié nächstfolgenden Nummern nit zu ändern brauht, was ja immer für die statistis<e Ver- gleihung mit früheren Jahren Schwierigkeiten bietet. Alle diese Bedenken stehen dem Äntrage des Herrn Abg. Münch-Ferber ni<t gegenüber, mit dem im übrigen wohl derselbe Zweck erreiht wird, den der Herr Abg. Bachem im Auge hat. Schließlich aber möchte ih no< auf einen Punkt aufmerksam machen, der beiden Herren - bisher ni<ht befannt geworden zu sein scheint, nömlih, daß der französischen Kammer ein Antrag verliegt, nah dem die Zollfreiheit auf die außereuropäishen Seiden- ewebe in Frankrei aufgehoten werden und diese außereuropäischen

eidengewebe einem Zoll von 900 Franken unterworfen werden sollen. Nach der Stimmung der frarzösishen Kammer, wie fie wenigstens bisher gewesen ist, wird faum zu zweifeln sein, daß dieser Antrag angenommen wird. Dann wird die ganze Situation wesentli versboben; denn sollte ein derartiger Zoll in Frankreich eingeführt werden, so würde die Veredelung in Frankreich zollfrei nur ausgeführt werden können im Wege der admission temporaire, und wir haben

bisher stets daran festgehalten, daß, wenn eine Waare in einem Ver- | tragélande unter Zollkontrole veredelt worden ist, sie nicht als natio- i

Vorschläge gemacht hat, so wäre es Sache des Reichs, Schaßamts ge- wesen, solhe Vorschläge zu machen.

Direktor im Reihs-Schaßamt Dr. von Koerner: Die Vorwürfe, die der Herr Vorredner gegenüber der Haltung der Vertreter der ver- bündeten Regierungen erhoben hat, erledigen sich, glaube ih, dadurch, daß ih im Eingang meiner Ausführungen ausdrücklich bemerkt habe, daß die verbündeten Regierungen das Bestehen eines Uehelstandes an- erkennen und geneigt find, auf die Beseitigung dieses Uebelstandes hinzuwirken. Ich habe dann meine ganzen Ausführungen nur darauf gerichtet, daß gegen den Antrag des Herrn Dr. Bachem Bedenken bestehen, welche gegen den Antrag des Herrn Abg. Münch-Ferber nicht bestehen, und daß es meines Erachtens möglich sein wird, auf dem Wege des Antrags des Herrn Abg. Münch-Ferber den Uebelständen, wie sie bestehen, Abhilfe zu verschaffen, wie das auch st. Z. in der Sizung vom 14. Februar Herr Dr. Barth ausdrü>lih bemerkt hat. Also ih glaube nicht, daß diese Vorwürfe begründet waren.

Abg. von Kardorff (Rp.): Ich bin ein Vertreter der shuß- zöllnerishen Richtung, aber niemals ift es mir in den Sinn ge- kommen, Rohstoffe, die im Inlande nicht erzeugt werden, mit einem lästigen Zoll zu belegen. Es handelt sih hier allerdings nicht um einen eigentlihen Rohstoff, aber um ein rohes Gewebe, welches im A niht erzeugt wird. Ich werde daher für beide Anträge

immen.

Abg. Dr. Bachem: Es is nicht nur Sache der Kaufleute, son- E au des Bundeëraths, Mittel zuc Abhilfe von Uebelständen zu uchen.

Beide Anträge werden darauf einstimmig angenommen.

Es folgt die Berathung von Petitionen.

Eine Petition, betreffend Abänderung der Gebühren- ordnung für Zeugen und Sachverständige, wird dem Reichskanzler als Material, eine Petition, betreffend die Zu- lassung des Rechtsweges in Zollstreitsahen, zur Berücksichtigung, eine Petition, betressend Einrichtung von Einigungsämtern und Schiedsgerichten, und eine Petition, betreffendE inrichtung ka ufmännischer Schieds- gerichte, zur Erwägung überwiesen. Als Material werden ferner dem Reichekanzler überwiesen Petitionen, betreffend den oblig a- torischen Ladenschluß um 8 Uhr Abends, während Petitionen, betreffend Aenderungen des Krankenversicherungs- gesezes, un» solche, betreffend Aufbesserung der Be- amtenruheghälter, durh Uebergang zur Tagesordnung erledigt werden. Eine Petition um Einführung eines | Zolles auf rohe ausländishe Schafwolle, die nah dem Antrage der Kommission dem Reichskanzler als Material

(fr. Vgg.), dem si< Abg. Freiherr von Stumm (Rp.) an- schließt, von der Tagesordnung abgeseßt.

Verschiedene Petitionen, welche eine Abänderung der 88 315 und 316 des Srafgeseßbu<s dahin verlangen, daß die Gefährdung von Straßenbahnen nicht der Gefährdung von Eisenbahntransporten gleichgestellt werden solle, sollen nah dem Antrage der Kommission der Regierung als Material über- wicsen werden.

Atg. Stadthagen (Soz.) befürwortet namentli mit Nücksicht auf die Kutscher, welche auf derselben Straße wie die Straßenbahnen fahren, eine Aenderuyrg dieser Bestimmung, die im Interesse der aid adet w.lhe die Schienengeleise angelegt hätten, er- assen |ei

Atg. Freih:rr von Stumm hält dafür, daß die Bestimmung niht im Interesse der Unternehmer, sondern im Int resse der fahren- den Personen, unter tenen s< au< zahlreiche Arbeiter befänden, erlassen sei, hält aber ebenfalls bezüglih der Straßenbahnen eine mildere Bestimmung für nothwendig.

Der Antrag der Kommission wird darauf angenommen.

Nach dem Antrage der Kommission werden ferner Petitionen, betreffend die Revision der medizinischen Prüfungen, dem Reichskanzler zur Erwägung, Petitionen, betreffend den Vogelshuß, zur Berücksichtigung überwiesen, dagegen Petitionen, betreffend die Einführung eines Zolles auf Heringe, dur< Uebergang zur Tagesordnung erledigt.

Bezüglich zweier Petitionen, betreffend die Verordnung über den Betrieb von Bäckereien und Konditoreien, beantragt die Kommission die Ueberweisung als Material.

Abg. Stadthagen beantragt den Üebergang zur Tages- ordnung. weil diz Petitionen feinerlei neue Vorschläge enthielten, welce eine Aenderung der Gesetzgebung begründen könnten.

Abg. Fieiberr v on Stumm widerspricht diesem Antrage, weil man nit ersehen fözne, ob in den Petitionen niht do Punkte enthalten seien, die Berüdsichtigung verdienten.

Auch die Abgg. Dr. Müller-Sagan und Dr. Hiße (Zentr.)

erklären sich für die Annahme des Kommissionsbeschlusses Der Kommissionsantrag wird angenommen. Schluß 41/4 Uhr. Nächste Sißung Montag 1 Uhr. (Vorlage betreffend die internationale Sanitäts-Konvention ; dritte Lesung des Geseges über die Naturralleistungen und des Geseßes über die Konkursordnung sowie des Antrages Bachem über Abänderung des Zolltarifs; Berichte der Wahl- prüfungskommission; zweite Lesung der Novelle zur Zivil- prozeßordnung.)

Preußischer Landtag. Haus der Abgeordneten.

69. Sißung vom 30. April 1898.

Auf der Tagesordnung steht zunächst die Verlesung der Interpellation der Abgg. Gothein (fr. Vgg.) und

Genossen: Welches sind die Gründe, aus denen die Königliche Staats- regierung die Genehmigung zur Errichtung eines von den städtischen

iiberwiesen werden soll, wird auf Antrag des Abg. Rickert j

diese Anstalt genehmigt werde, na<hdem die Berliner Privatanstalt genehmigt war. Der Staat hat keine Pflichten dafür zu über- nehmen; er brauhte nur die Genehmigung zu ertheilen. Es hatten sh) bereits 96 Schülerinnen gemeldet, wel<he in die Tertia eintreten wollten, darunter 14 Töchter von Beamten, Lehrern und Geistlichen. Die übrigen rekrutieren ih aus den verschiedensten Ständen. Da kam wie ein Schlag aus heiterem Himmel am 13. April die Antwort des Ministers an den Magistrat, daß die Genehmigung versagt worden sei. Vergeblich fragte man sich nah den Gründen; denn es war nicht für nöthig erahtet worden, Gründe ans zugeben. Der Magistrat bat den Minister um Mittheilung der Gründe, aber sie sind bisher no nicht mitgetheilt worden. Es ist do< anzunehmen, daß der Minister Gründe gehabí hat. Schon ein Akt der Höflichkeit wäre es gewesen, die Gründe anzugeben. Als Stadtverordneter von Breslau bitte ih deshalb den Minister hier um die Mittheilung der Gründe. Ich hoffe, daß nur formelle Gründe die Genehmigung ver- sagen ließen. Um Klarheit über die Sachlage zu schaffen, war die Interpellation nothwendig.

Minister der geistlihen 2c. Angelegenheiten Dr. Bosse:

Meine Herren! Die seusationelle Bedeutung, die man dem Fall, der hier den Gegenstand der Interpellation bildet, in der Presse zu geten versucht hat, besißt er niht. Hätte ih den Plan, in Breslau ein öffentlihes Mädchengymnasium zu errichten, genehmigt, dann allerdings, meine Herren, hätte das kleine Feuerchen, das die städtischen

auflodern können (Ah! links. Sehr richtig! im Zentrum), die auh heilige, große Güter unseres Volkes gefährdet haben würde. Aber, meine Herren, da ih diese Sache abgelehnt habe, ist dieses Feuer in ih zusammengesunken.

Für die Beurtheilung des ganzen Falls ist der aus\<laggebende Gesichtspunkt der, taß es sih hier um einen ganz konfreten Einzelfall handelt, um einen bis in die kleinsten Einzelheiten auëgearbeiteten Lehrplan, der darauf basierte, daß ein öffentliches, d. b. unter staatlicher Autorität genehmigtes Mädchengymnasium verbunden werden sollte mit einer ebenfalls öffentlichen städtischen höheren Mädchenschule in Breslau. Meine Herren, ni<ht die Frage if verneini worden, ob in Preußen gymnasialer Unterriht an Mädhen ertheilt werden darf. I< würde mi< kaum für befugt gehalten haben, diese Frage kraft meiner alleinigen Autorität und Zuständigkeit in dieser Allgemeinheit zu verneinen und no< viel weniger sie zu bejähen. Nein, meine Herren, das hätte i< {on deshalb nit gethan, weil, wenn man diese Frage in der Form, wie sie der Magistrat zu Breslau gestellt hat, bejaht, es dann allerdings in der Konsequenz sh um sehr wichtige, unser gesammtes \soziales staatlihes und ôffentliches Leben berührende grundlegende Konsequenzen handeln fann, sodaß ih, ebe ih eine solhe Entscheidung abzugeben bätte, mir uvbedingt die Zustimmung des Königlichen Staats- Ministeriums vorher erbeten haben würde.

So lag die Sache aber nicht, meine Herren. Vielmehr ift lediglich der Antrag abgelehnt worden, ein öffentlihes Mädhengymnasium nah den Plänen der fogenannten Reformgymnasien mit einer nah den vorgeschriebenen Lehrplänen der höheren Mädchenschulen arbeitenden höheren Töchtershule in Breslau, der Viktoriashule, unter ganz be- | stimmten, von den städtishen Behörden Breslaus in ihrem Anträge ausdrü>li< ausgesprohenen Vorausfeßungen zu verbinden, Diesen Gesichtzpunkt, meine Herren, bitte ih, wenn Sie die ganze Sathe billig beurtheilen wollen, genau festzuhalten. Für diese Ablehnung, meine Herren, war ich allein ohne Zweifel zuständig.

Meine Herren, ih will aber do<h bemerken: die Ablehnung ist erfolgt auf Grund der allergenausten und eingehendsten Erwägungen, Prüfungen und Erörterungen der hierbei in Betracht kommenden Ges sichtspunkte, und zwar na< dem übereinstimmenden Votum aller Räthe der drei Unterrichts-Abtheilungen des Ministeriums, die ih zur Prüfung und Berathung der Frage vereinigt habe.

Also, meine Herren, leihtfertig oder allzu leiht habe ih die Sage nicht genommen; ih bin mir wohl bewußt gewesen, daß mög- liherweise daraus Konsequenzen gezogen werden können. Meine Räthe haben also alle einstimmig für die Ablehnung votiert; die Verant» wortung dafür trage ih ganz allein das versteht sih von selbst und ih trage sie sehr gern, meine Herren, weil ih angesichts der möglichen Tragweite einer anderen Entscheidung fest überzeugt bin, daß i< durchaus pfli<htmäßig gehandelt habe.

Meine Herren, der Magistrat in Breslau hat in einer Eingabe vom 20. Januar d. I., die niht an mich, fondern an die Königliche Regierung, Abtheilung für Kirhen und Schulen, in Breslau gerichtet war, den Antrag gestellt, die geplante Einrichtung, sowie ih sie Jhnen vorhin angedeutet habe, zu genehmigen. Jh will hier gleich bemerken : die Regierung in Breslau hat ih natürlih ebenfalls sehr eingehend mit der Sache beschäftigt und hat, wie au< der Magistrat bei ihr beantragt hatte, an mi<h berihtet. Der Magistrat hatte die Regierung ausdrü>li<h ersuht, sie möhte die Genehmigung des Ministers herbeiführen; das war auch korrekt, weil nur dieser nach den bestehenden Vorschriften für die Genehmigung zuständig ist. Natürlich hatte die Regierung auh einige Zeit gehbrau<ht, um thren ausführlichen Bericht fertig zu stellen, und dur< das Zirkulieren der Sache hier in meinem Ministerium war au eine ganze Weile darüber hingegangen, ehe wir im April die Entscheidung treffen konnten, die damals ret eilig war, weil der Magistrat zu Ostern die Sache mik

dem neuen Schuljahr bereits ins Leben treten lassen wollte; ih komme nahher nohmals auf diese zeitlihen Termine zurü>, wenn ih an die

Behörden in Breslau angezündet haben, wohl zu einer Flamme *

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