1898 / 128 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

erächen kann. Unter Umständen empfichlt es sih jedoch, alsbald cinen ncuen formellen Bescheid zu erthcilen, damit der Kläger nicht zu lange auf die ihm gebührende Entschädigung zu warten braucht, und zwar namentlih bei fol<en Schicde- erichten, wel<he wegen der geringen Zahl der bei ihnen an: ängigen Berufungssahhen nur in verhältnißmäßig großen wijGenrdumen Verhandlungstermine ansehen können. Der neue escheid ist aber, soweit er dem von dem Kläger in dem an- hängigen Berufungsverfahren gestellten Antrage nicht genügt, nicht geeignet, über das s{hwebende schiedsgerihtlihe Verfahren hinweg eine neue, der Rechtskraft fähige Ablehnung des Mehr- anspru<hs dem Kläger gegenüber zu schaffen. (1715.)

Auf dem Gebiete der Jnvaliditäts- und Alters- versicherung werden folgende Revisions-Entscheidungen ver- öffentlicht:

Die Berufungsschrift eines Staatskommissars, welche, ohne einen Antrag zu stellen, zur Belegung der Warte- zeit nothwendige Krankheitsbescheinigungen bemängelte, ist als hinreichend bestimmt angesehen worden, wenngleih unter Ablehnung der Rechtsauffassung des Staatskommissars, daß seine Berufungen keine bestimmte Richtung zu haben brauchten. (641.)

Die Berufung eines Staatskommissars, welche gegenüber cinem Jnvalidenrentenbescheide ledigli<h bemerkt, daß die Invalidität bereits vor dem von der Versiche- rungsanstalt angenommenen Rentenbeginn eingetreten sei, einen Anirag nicht enthält und au<h sonst niht er- fennen läßt, ob eine Abändezung des Bescheites zum Vortheil oder zum Nachtheil des Klägers bezwe>t wird, ist als dem $ 4 Absag 2 der Kaiserlihen Verordnung vom 1. Dezember 1890 nicht entsprehend ohne weiteres zurü>- zuweisen. (642.)

Parteivereinbarung macht ein an sih unzuständiges Schiedsgericht nicht zuständig. Der $ 5 Abjaß 2 der Kaiser- lichen Verordnung vom 1. Dezember 1890 enthält nur eine Ordnungsvorschrift. (643.)

Ein Vorbescheid nach $ 6 Abs. 1 der bezeichneten Verordnung darf niht mehr ergehen, sobald Beweis- aufnahme erfolgt ist. (644.) |

Der Vorstand der Versiherungtanstalt und das Schieds- gcriht sind verpflichtet, für die gehörige Vertretung eines niht verfügungsfähigen Rentenbewerbers von Amtswegen Sorge zu tragen. Es ist ein wesent- licher Mangel des Verfahrens, wenn das Schiedsgericht si damit begnügt, cine von dem Vater eines solhen Klägers eingelegte Berufung zurückzuweisen, weil der Vater zur Ver- tretuna nicht befugt sci. (645.)

Wenn das Sißungsprotokoll geladene Zeugen als erschienen aufführt, im übrigen aber weder aus dem Protokoll noh aus dem Urtheil ihre Vernehmung oder der Grund des Unter- bleibens der V.rnehmung ersichtlich ist, so leidet das Verfahren an einem wesentlihen Mangel (zu vergleihen $ 15 Absay 2 und 3 der Kaiserlichen Verordnung vom 1. Dezember 1890). (646.)

Das Fehlen von Urtheilsgründen begründet eine Auf- hebung des Urtheils dann nicht, wenn sie dur<h Verweisung auf die ausführliche und ershöpfende Begründung eines Vor- bescheides erscht sind. (647.)

Die Revijionsfrist gilt als gewahrt, wenn ein zuverlässiger urtheils nicht zu erbringen ist. (648.)

Dic Aufnahme des durch Tod des Klägers unter- brochenen Rentenfestsiellungsverfahrens erfolgt mit der Aufnahmeerklärung des Vorstandes der Versicherungsanstalt ohne ein dem $ 217 Absay 2—4 der Zivilprozeßordnung entspre<endes Zwischenverfahren. (649.)

Die Vernehmung cines niht geseßlihen Partei- vertreters als Zeugen is zulässig. (650.)

Das Zugeständniß einer einzelnen Thatsache seitens ciner Partei steht einem auf die gegentheilige Behauptung gestüßten Revisionsangriff nicht unbedingt entgegen. Erwerbsunfähigkeit ist nah Z 9 Abs. 3 des Juvaliditäts- und Altersversicherungs- gesches die Unfähigkeit zum Erwerbe eines bestimmten Betrages dur< Lohnarbeit. Ein gleicher Verdienst aus einem Hauster- handel {ließt daher die Annahme der Erwerbsunfähigkeit no< nicht aus. (651.)

Der nichtamtliche Theil enthält ein ärztlihes Ober- gutaen, betreffend plöglihe Erblindung als akute, durch

uftzug in Verbindung mit Ueberanstrengung der Augen herbeigeführte Verschlimmerung tabisher Sehnerveratrophie (Schwund der Sehnerven in Verbindung mit Rückenmarks-

\hwindsu<t).

Nachweis üher den epu der Zustellung des Schiedsgerichts-

Der Königlih niederländishe Gesandte Jonkheer Tet s van Goudriaan ist vom Urlaub nah Berlin zurü>gekehrt und hat die Geschäfte der Gesandtschaft wieder übernommen.

Cronberg, 2. Juni. Jhre Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechen- land trafen, wie „W. T. B.“ meldet, gestern Nachmittag hier ein und wurden auf dem Bahnhofe von Jhrer Majestät der Kaiserin Friedrich empfangen.

Vaden.

Jhre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin sind gestern Abend zu längerem Aufenthalt von Karlsruhe in Schloß Baden eingetroffen. Jhre Königliche Hoheit die Kronprinzessin von Shweden und Nor- wegen wird heute daselbst erwartet.

Oldenburg. (H.) Seine Königlihe Hoheit der Großherzog ist ee früh von der Reise zurü>gekehrt und hat in der Sommer-Residenz Rastedt Aufenthalt genommen.

Sachsen-Altenburg. Seine Hoheit der Herzog hat sich, wie die „Geraer Ztg.“ berichtet, gestern von Altenburg zu einer vierwöchhigen Kur nach Kissingen begeben.

Deutsche Kolonien.

Nach einer telegraphischen gg des stellvertretenden Gouverneurs von Kamerun hat der Aufstand der Bane und Buli im südlichen Theil des Schußgebiets mit der völligen

Unterwerfung dieser Eingeborenenstämme geendet. Der Kom- mandeur der Kaiserlichen Schußtruppe, Hauptmann von Kampÿßh ist mit derselben bereits nah Kamerun zurückgekehrt.

Ueber eine Expedition nah der Ostgrenze des S chußgebiets Kamerun berichtet Premier - Lieutenant von Carnap nach seiner Rü>kehr über den Congo nah Kamerun im „Deutschen Kolonialblati“, wie folgt:

Den fortwährénden Bitten der dur< ten Häuptling Ngila beunruhigten, dietseiks des Sanaga wohnenden, regicrungsfreundlih aesinnten Stämme nachgebend, verließ ih am 4. September 1897 die Station Yaúnde. Ih war nach bereits gemachten Erfahrungen über- zeugt, daß ein wahsames Auge meinerseits Ngila von weiteren räuberishen (Finfällen abhalten würde. Meine Anwesenheit war umscmehr angebra<ht, als es die Zeit der Farmarbeit war, bei der die Eingeborenen jede kriegeris<e Störung. besonders empfinden.

Am oberen Sanaga trafen von glaubwürdiger Seite Nach- richten ein, die, ans<cinend dur< Verschiebungen der nördlichen Völkerftämme veranlaßt, mi<h bewogen, na< Norden weiter zu gehen, um Zuverlässiges melden zu können. Nach Feststellung des Sach- verbalts in Voko marschierte i< in südöstliher Nichtung, um nah Yaúinde zurückzukehren. Ih wählte einen neuen Weg, um einerseits unerfors<tes Gebiet kennen zu lernen, andererseits den größten Kola- markt Wutschaba zu besuchen. Es war mir ferner mitgetheilt worden, taß im Südosten ein Fluß vorhanden sei, dessen eventuelle Schiffbar- keit festzustellen für mi von Interesse sein mußte.

Als mir in der Gegend Wutschabas, vier Tage sütlih von Yoko, der Unteroffizier Staadt mit 22 Soldaten, von Yaúnde kommend, am 14. Oktober die Verfügurg des Herrn Gouverneurs überbrachte, laut we!<her i< versuchen jollie, „auf friedlihem Wege die Verbin» dung mit ‘den Handelsfaktorcien in der Südoste>e des deutschen Kamerungebiets herzustellen“, hielt i< mi<h für verxflihtet und be- rc<tigt, sofort an die Lösung dieser Aufgabe heranzugehen. Wohl hatte i< die Absicht, eine direkte Meldung von meinem Weitermars< na< VYaúnte zu fenden, do< stand i< na< reifliher Ueber- legung davon ob, da mir die von mir besuhten Volks\tämme die genügente Sicherheit für etne Patrouille niht zu geben vyer- mochten. Von Yaúnde an war die Reise eine ungemein anstrengende: bis November tägli Regen, {le<te Wege, Urwald, Sumpf, besonders die leßten Wochen auf dem Marsche dur das deut|he Süd-Adamaua haben die Leute zu Gerippen werden lassen, und zwar troß der vorzüg- lihsten Verpflegung. Die Schuld hieran trägt die Kälte, die selbst uns EuroþÞäer veranlaßte, Feuer während der ganzen Nacht und morgens bis 8 und 9 Uhr in unseren Hütten zu unterhalten. Ich batte immer- hin aber no< einen günstigen Moment zur Ausführung der Reise getroffen. Wäre ih später marschiert, fo wären die [eßten Stre>cn, namentli in dem wasserreihen Adamaua, einfa unpafsierbar gewesen. Ich gestatte mir zu bemerken, daß ih nur dur unerforshtes dcutses Gebiet marschiert bin, um durch diese, endlih ins Werk gesetzte Reise einen mögli<# crgiebigen Nußen für die Kolonie zu erzielen. Daß mi<h das Geshi>k von Yoko na< Südost und dann den Sanaga aufroärts bis diht nah Ngaundere geführt bat, lag in den hiesigen politishen Verhältnissen und in meinem Auftrag, die Verbindung möglichst auf friedlidem Wege herzustellen. Ein direkter Weg VYarinde— Dandungu nah Südosten ist mit solchen Schwierig- keiten verknüpft, daß ihre Ueberwindung größerer Vorbereitungen bedürfen wird. An das Mureellegebict {lit si< nah meinen Erkundigungen nah Osten ein ausgedehnter Urwald, der das MReservoir für den {wunghaften Elfenbeinhandel bildet, den die belgi- {hen und holländisthen Faktoreien am Sanaga betreiben und in dem jagende Haussa und Fulla eifrig der Elepbantenjagd na<hgehen. Die Haussa-Handelskarawanen kommen von Norden über Yola und Ibi na< Tibati— Yoko - Wutschaba—Wenke, und von Osten aus Carnot —Gaza—Bertua, Delele, Wuischaba—Wenke, oder aus Bania und Bajanga-— Bertua —Wutschaba.

Nach 82 Tagen angestrengtester Zeit traf die Expedition am 25. November in Carnot am Mambere ein, die Leute durch die Kälte abgemagert und burh den Busch abgerissen. Nur die außerordentli freundliche Aufnahme, welhe der französif<e Administrator G. A: Blom in Carnot der Expedition zu theil werden ließ, bewirkte es, daß die Expedition na einer viczwöchentlichen Ruhe wieder leistungs8- fähtg war. Ich sandte die Unteroffiiiere Staadt und Zampa mit dem größten Theil der Leute von Carnot über Wutshaba—Wenke na< Vaúinde zurü>l, wo sie ohne Zwischenfall eingetroffen find. Herr Bklom gab von feiner Truppe einen Sergeanten und 20 Mann zur siheren Begleitung der Expedition bis zur Grenze (Bertua) mit. Sowohl auf franzöfishem wie später auf belgischem Gebiet bin i< mit größtem Takt und kameradschaftlichec Liebens- würdigkeit von allen Seiten aufgenommen worden und habe i< Ge- legenheit gefunden, mi< bei den Herren Gouverneuren des Congo belge und Congo français vorzustellen und zu bedanken. Am 22. Dezember in Simu am Sanga, der Kameruner Südoste>e, ein- getroffen, habe ih den Häuptling Malengo über feine Stellung zum Kaiserlichen Gouvernement aufgeklärt, ihm auf sein Gesuch hin einen Schußbrief ausgestellt sowie eine Abschrift dieses dem französischen Agenten übergeben. In Gegenwart zweier weißen, der Landessprache mächtigen Zeugen hat der Häuptling Weisung erhalten, fremden Unternebmungen keinerlet Schwierigkeiten zu beceiten, thnen vielmehr Hilfe und Nahrung gegen landesübliche Zahlung zu gewähren, was er auch zusagte. Ich habe ihm au< mitgetheilt, daß Landesverkäufe ohne Bestätigung des Kaiserlihen Gouvernements ungültig sind; im übrigen sollte er seine Leute zum Plantagenbau heranziehen, damit den geradezu jämmerlihen Veripflegungsverhältnissen mögli<s vor- gebeugt wird. Ich schalte hier ein, daß seitens meiner Expedition auf französishem Gebiet ohne ausdrü>klihe Genehmigung des Administrators weder zum Zwe> des Sammelns, no< aus einem anderen Grunde ein S<huß abgegeben worden iff, au<h habe ih beim General-Gouverneur des Congostaats die Genehmigung nachgesucht, das Gebiet mit sc<s8 bewaffneten Soldaten passieren zu dürfen. Daß von hiesigen Faktorcien Tauschartikel bis ins Yauindegebiet kommen, scheint mir daraus hervorzugehen, daß ih hicr wie dort dieselben Waarenetiquetien gefunden habe, und nicht dringend genug ist den deutshen Firmen zu ratben, sih für den Hinterlandhandvel mit guten Stoffen zu versehen, wie fie hier ge- wüns<t werden. Schnaps wird nicht verkauft, hingegen Gewehre und Pulver in ungeheueren Quantitäten, und troßdem klagen die Faktorêien über Waarenmangel, ein Beweis, wel<e Massen Elfenbein outgeführt werden. In Richtung Oft und Nordost is „Wute“, Süd und Südost „Bonga*“ die Handelssprahe. Die Firmen bes><äftigen Accraleute als Handwerker, Kruboys als Arbeiter. Ueber Uesso, am Zusammenfluß des Ngoko und Sanga, begab i< mi<h mittels holländishen Dampfers na< Ngoko, die Kanufahrt war zu Ende. In Uesso selbs sind zwei Faktoreien, und nicht weit davon war früher ein französisher Posten, Die Verpflegungs- verhältnisse find jämmerlih, au<h stroßen die Dörfer im ganzen Gebiet von Shmußt.

In Ngoko verhält si< unser Interesse, wie folgt: Die Faktoreien lagen in früheren Jahren auf dem linken Ufer, verlegten jede< ihre Waarenlager auf das rehte, gezwungen durch die alle drei bis vier Jahre wiederkehrenden, ganz bedeutenden Uebershwemmungen. Das Hauptarbeitsfeld liegt augenscheinli<h auf deutshem Gebiet, was si< dur den zwischen dem 2. und 4, Breitengrad liegenden Urwald er- klärt. Die Agenten begeben si< zu Handelszwe>ken in das deutsche

„Gebiet, Unterkunftsräume an dem von Norden in den Ngoko ein-

fließenden Mbumba und dem von Westen kommenden Mschama be- finden sih auf unzweifelhaft deutshem Gebiet. Die Société anonyme belge pour le Commerce du Haut Congo hat in Ngoko nur ein größeres Waarenlager aus Bambus er- richtet, während die holländishe Faktorei Wilhelmina aus zahl- reichen, massiven Gebäuden, eigenem Pulverhaus 2c. besteht, die ins- erar einen sauberen, wohlhabenden Eindruk machen. Der Fle>ken

goko liegt auf einer e die Pflanzungen desselben aber auf dem linken Ufer. Der Fluß hat einen Tag \tromauf Stromschnellen, ist oberhalb dieser wiederum s{hiffbar. Für die an der Kamerunküste an» sässigen Kaufleute wäre der Hande] über Land nach hier ju weit, was

den Kautschuk anbetrifft, und wie weit se den Elfenbeinhandel an si ziehen, bänat von ihnen felbst ab. Die Preise der na sind an 8 Elfenbein ist dagegen sehr billia, 6 bis 7 M pro Kilo.

Die Eïzevgung von Kautschuk, den ih in zwei Arten Bäumen und drei Sorten Liaren überall und in Mengen angetroffen habe, türfte einen wesentlihen Auff<hwung nehmen, sobald sich die Arbeiterverlältnisse mehr klären. Der Tranéx ort dieses Artikels dur<- Träger, 50 bis 60 Pfund pro Last, ist im Verhältniß zur Masse zu theuer, und für diesen Fall wäre eine Verbindung Ngoko-—Sanga— Leopoltville—Matadi zy «mpfchlen, upd will < nit eine neue Gesellshaft bildcn, was ein größeres Anlagekapital erfordert, so selite deutsd'es Kapital ent‘hieden Arsluß an eine bereits bier eirgeführte Gesellschaft fuhen. Wenn au< Elfenbein no< für Jahr- zehnte hivaus in reiher PVienge in den zwisden dem 2. und 4, Grad liegenden Waldungen vorhanden ift, so sollte man den Export des Kautschuks, der jeßt einen so guten Markt hat, niht vernachlässigen.

Ueber scinen Rü>marsh von Carnotville nah Yaúnde hat Unteroffizier Staadt einen Bericht erstattet, dem das „Deutsche Kolonialblatt“ Folgendes entnimmt :

__Am 10. Dezember 1897 marschierte ih von der französishcn Station Carnotville ab. Da der Rü>kroeg ein möglichst direkter sein sollte, fo {lug ih einen direkt ne< Westen sührenden Weg ein, um ungefähr bei Landunku den Sanaga zu erreichen. Von Carnotville bis Bertua ist das Land (französishs Gebiet) fast nur Grasland, mit sehr viel kleinen Eewässern tur<zogen und wenig bevölkert. Bei Bertua, einem Orte von etwa 1500 sehr \{<ön gebauten, runden Hütten, betritt man das Gebiet des bis zum Sanaga si ausdebnenden Madastammes. Da dieser große Stamm kein all- gemein anerkanntes Oberhaupt hat, wird er von allen Seiten stets bekäwpft und dürfie wohl seinem Untergange entgegengehen. Als ih bei Mekunda, zwei Tage südli von Wutschaba, eintraf, sagten mir Boten des Häuptlings Loa, Wemke \#-t fürf Tage südlih mit dem Mackastamm twoteder in rieg verwi>elt. Die Sache hat folgenden Grund: Tibati hat Wemke den Befehl zugehen lassen, ihm um- gehend 100 Sklaven zu {i>en, welhe Wemke au fofort bei dem Mackastamm geholt hat. Da Wemke {ou wieder das re>te Ufer ves Sanaga errei&t hatte, konnte ih biefen Menschenraub leider nit mehr verhindern. Der Ma>astamm soll Menschen- fleis<h allen anderen Speisen vorziehen, welcber Umstand au<h einem meiner E das Leben TLostete

\hwarzen Soldaten Am 11. Januar 1898, auf tem Marsche von Ngollo no< etnem Lagerplag, ktlieb der Betreffende troß wiederholter Ermahnung am Ende der Marschkolonne fast bundert Schritte zurü>. Als gegen Mittag ein kleiner Wald passiert wurde, wurde der Soldat von Ein- geborenen von rü>wärts mit cinem Speer erstoGen. Als Zampa hierauf \{<oß, eiite ih zurüd, verfolgte die Eingeborenen, wodur es mir gelang, dieselben zu verirciben und wenigstens die Leiche zu retten. Zwei weitere Soltaten erhielten je einen Pfeilschuß in die Oberlippe, do< waren es leihte Verwundungen. Der Ge- fallene wurde an demselben Tage im Lager keerdigt. Um auf meinem Weitermarsche nicht mebr gestört zu werder, marschierte ih zwei Tage na< Nocden, bis zum Häuptling Mekunda, balb Wutte, halb Mata, unter Herrschaft der Wuite stehend, worauf der Marsch bis Yaúnde, mes ih am 27. Januar ohne jegli<he Störung erreichte, fortgeseßt wrde.

Oesterreich-Ungarn.

Der Großherzog und die Großherzogin von Hessen sind gestern in Laxenburg eingetroffen und nahmen Abends an der Kaiserlichen Tafel theil.

Das österreihishe Abgeordnetenhaus hat gestern seine Sißungen wieder aufgenommen. Eingegangen sind bei dem Hause Vorlagen, betreffend die Aufhebung des Zeitungs- und Kalenderstempels,' die Einführung einer staatlichen Zu>er- verschleißabgabe, sowie das Budgetprovisorium für das zweite Halbjahr 1898. Die Abg. Hochenburger und Genossen brachten einen dringlichen Antrag ein, in wel<hem die Regierung aufgefordert wird, den Erlaß, betreffend die Auflösung des Grazer Gemeinderaths, sofort zu widerrufen. Der Abg. Dr. Hof- mann von Wellenhof verlangte die sofortige Berathung des Antrages. Der Abg. Dr. Engel (Jungczehe) sprach sich in entgegengeseßztem Sinne aus. Der Präsident erklärte, daß der Antrag Hofmann nicht zur sofortigen Berathung kommen könne, weil Widerspruch dagegen erhoben worden sei. Daher werde das Haus zur Tagesordnung übergehen. Auf leßterer standen die &prachenanträge. Der Abg. Dr. Hofmann von Wellenhof besprah die Vorgänge in Graz und erklärte, die dortige deutsche Bevölkerung sei ruhig und geseßestreu und werde es bleiben troß der Herausforderung seitens der Re- gierung. Auf dem jezt eingeschlagenen Wege werde die Regierung niht zu innerem Frieden gelangen; die Deutschen würden niht von dem ablassen, was ihnen Ehre und Pflicht gegen ihr Volk geböten. Der Abg. Forscht (Czeche) erklärte, die Czechen bedauerten von dem Standpunkte der städtishen Autonomie das Vorgehen der Regierung in Graz, aber vom politishen Standpunkte begrüßten ste es als ein wihtiges Symptom im Jnteresse einer Gesundung der öffentlihen Verhältnisse. Der Verständigung der Deutschen mit den Czechen müsse cine Einigung über drei Begriffe vorausgehen: ehrlihe und vollständige Gleich- berehtigung, nationale Autonomie und Revision der De- zemberverfassung behufs föderativer Umgestaltung des Staatsrehtes. Der Abg. Göß (deutsch - liberal) besprach gleihfalls die Vorgänge in Graz, bezeihnete die Auf- lösung des „Grazer Gemeinderaths als ungeseßli<h und willkürlih und erklärte, die Debaite über die Sprachenfrage werde, unter Zurückdrängung aller anderen Gegenstände, so- lange ni<ht von der parlamentarishen Verhandlung ver- schwinden, bis die Sprachenverordnungen aufgehoben seien. Die Verhandlung wurde sodann abgebrochen. ;

Das ungarishe Unterhaus hielt gestern eine for- melle Sißung ab. Der Finanz-Minister von Lukacs legte dem Hause einen Geseßentwurf über die Verlängerung der Gültigkeit der Geseze, betreffend die Branntwein- und die Zuersteuer, für die Zeit vor, für welhe das Ausgleichs- provisorium Gültigkeit hat.

Frankreich.

Die Session des Parlaments is gestern eröffnet worden. Jn der Deputirtenkammer hielt bei Beginn der Sißung der Alters-Präsident Bo ysset eine Ansprache, in welcher er, dem „W. T. B.“ zufolge, die Politik des Kabinets scharf fritisierte und Reformen im nationalistishen Sinne sowie Maßnahmen gegen die e verlangte. Der Deputirte Dru mont rief wiederholt: „Nieder mit den Feen Hierauf schritt die Kammer zur Mahl eines provisorischen Präsidiums. Es stimmten im Ganzen 556 Deputirte. 3 Zettel waren ungültig, mithin 5653 gefa, Die absolute Mare betrug demnah 277. Es erhielten: Deschanel 277, Brisson 276 Stimmen. Deschanel is Kandidat der regierungs- freundlihen Republikaner. Der Sriftführer po urde erklärte, das Bureau wolle das rgebni der Wahl nicht proklamieren, weil ein Zettel zur Erde

efallen sei, und überlasse es der Kammer, hierüber zu entscheiden. er Deputirte Poincaré bemerkte, dieser Zettel könne auf das Resultat der Wahl keinen Einfluß ausüben, da die absolute Majorität nah der Zahl der für gültig angeschenen Stimmen berechnet werde. Der Deputirte Bourgeois be- tonte die Wichtigkeit der Entscheidung, da die Autorität des Präsidenten unbestritten sein müsse. Mehrcre Deputirte verlangien, das Bureau solle entsheiden. Der Schrift- führer Reille wollte sprechen, aber die Linke über- schrie ihn. Während der nächsten 10 Minuten durhtönte Geschrei, Lärm dur Aufschlagen auf die Pulte und lautes Schimpfen den Saal. Der Alters-Präsident Boysset schlug vor, die Sißung zu unterbrehen, und verließ seinen Siß unter dem Lärm des Hauses. Während der Unterbrehung der Sitzung berieth das aus dem Alters-Präsidenten und den jüngsten Deputirten entnommenen Schriftführern bestehende provisorishe Burcau und {lug na< Wiederaufnahme der Sitzung vor, die Wahl des Prästdenten heute von neuem vorzuneh- men. Dér Vorschlag wurde na< Befürwortung von Deschanel und furzer Diskussion angenommen. Zu Vize-Präsidenten wurden Sarrien (radikal) und Leygues (Nepublikaner) gewählt. Die Sizung wurde sodann aufgehoben. Vor Schluß derselben begaben sich zahlreiche Mitglieder der Gruppen der Linken zu Brisson, um ihn zu ersuchen, seine Kandidatur aufrecht- zuerhalten. Brisson jagte dies zu. Jtalien.

Der König empfing gestern- Nachmittag, wie die „Agenzia Stefani“ meldet, di Rudini und genehmigte folgende, von demselben vorgelegte Ministerliste: di Rudini, rästidium, Jnneres und interimistish Ackerbau; Cappelli, Auswärtiges; Bonacci, Justiz; Branca, Finanzen; Luzzatti, Schaß; General di San Marzano, Krieg; Vize - Admiral Canevaro, Marine; Cremona, Unterricht; General Afan de Rivera, öffentlihe Arbeiten; Frola, Postwesen. Die neuernannten Minister, mit Ausnahme von Canevaro, welcher erst heute nah Rom zurü>kehrt, leisteten noch gestern Nach- mittag dem König den Eid.

Spanien.

Der Senat nahm, wie „W. T. B.“ aus Madrid berichtet, gestern nah längerer Debatte einstimmig eine Protesterklärung gegen einen Zeitungsartikel Ca stelar's an, welcher die Person der Königin-Regentin angreift. Der Minister für die Kolonien Romero Giron erwiderte auf die Anfrage eines Senators, daß die Nachricht von dem Kampfe bei Santiago eine amtliche sei, _und bemerkte weiter, diese Nachricht gebe einen Ausbli> auf weitere glüd- lihe Erfolge, dank dem Muthe der spanischen Seeleute. Der Senat nahm hierauf einstimmig einen Antrag an, welcher der Befriedigung über den Erfolg der spanischen Waffen Ausdruck verleiht.

Nah einem in Madrid eingetroffenen Telegramm aus Gibraltar wurden aus einer Volksmenge Steine gegen den britishen General Richac dson, den Ober - Befehlshaber der Garnison von Gibraltar, geschleudert, als er mit einem anderen Herrn in San RNoque spazieren ging.

Niederlande.

Die Zweite Kammer hat gestern, wie „W. T. B.“ meldet, mit 72 gegen 20 Stimmen den von der Regierung eingebrahten Gesczentwurf angenommen, welcher die obli- gatorishe persönlihe Dienstpflicht in der Armee einführt. Ausgenommen sollen Geistliche aller Bekenninisse sein.

Serbien.

In dem auf Anordnung des Kassationshofes wieder auf- genommenen Prozesse gegen Pasch it sh wegen Beleidigung des Königs Milan wurde der Angeklagte, wie dem „W. T. B.* aus Belgrad berichtet wird, zu 9 Monaten Ge- fängniß verurtheilt.

Schweden und Norwegen.

Das Storthing genehmigte, wie „W. T. B.“ aus Christiania meldet, gestern eine Verfassungsänderung, nah welcher die Wahlen bis Ende September beendet sein müssen. Das Storthing tritt künftig regelmäßig am 10. Of: tober zusammen; das Budgetjahr beginnt am 1. April. Im Heeresausschusje soll Stimmung dafür vorhanden sein, die Bewilligung von 16 Millionen Kronen zu Exltra- ordinarien für das Kriegsbudget zu empfehlen.

Amerika.

Wie dem „W. T. B“ aus Madrid gemeldet wird, erhielt der Marine - Minister Aunon gestern eine Depcsche, worin cs heißt, daß das amerikanis<he Geshwader vor Santiago de Cuba eine Niederlage erlitten habe. Die spanischen Forts und das Geschwader Cervera's hätten die Angriffe der feindlihen Schiffe abgewiesen. Letztere hätten sich beschädigt zurü>gezogen. Das spanische Geschwader habe nicht gelitten.

Ein in New York eingetroffenes Telegramm aus Havanna vom gestrigen Tage besagt, daß daselbst folgende amilihe Miitheilung über den Kampf bei Santiago veröffentliht worden sei: Die amerikanishe Flotte, be- stehend aus den Schiffen „Jowa“, „Massachusetts“, „Brooklyn“, „Texas“, „New Orleans“, „Marble- ge ad. „Minneapolis“, einem anderen Kreuzer und e<s fleinen Schiffen, nahm am 31. v. M. westli<h von dem Ausgange dcs Hafens von Santiago Aufstellung. Zunächst eröffneten fünf Schiffe das Feuer. Der spanische Kreuzer „Cristobal Colon“ lag gegenüber Punta Gorda vor Anker und konnte von der Sce aus geschen werden. Die Batterien von Fort Morro, Socapa und Punta Gorda und der Kreuzer „Cristobal Colon“ erwiderten das Feuer. Die amerikanischen Kriegsschiffe gaben 70 Schüsse ab, meist Geschosse shweren Kalibers, welche indessen keinen Schaden anrichteten. Das Bombardement dauerte anderthalb Stunden. Dann zogen ih die Amerikaner zurü>. Einer ihrer Hilfskreuzer war be- hädigt, zwei Granaten sah man am He> der „Jowa“ expio- ieren, und an Bord eines anderen Schlachtschiffes brach Feuer aus. Einige Geschosse fielen im Junnern des Hafens in der Nähe der spanishen Kriegsschiffe nieder. Jn Santiago herrscht große Begeisterung. :

Na einem anderen Telegramm New Yorker Blätter aus Fo rt-au-Prince unterhielten die spanishen Batterien

Minuten lang heftiges Feuer, dann s{<wächte si<h ihr

euer ab, während die Amerikaner eine heftige Kanonade auf

ort Morro richteten und dasselbe vollständig zerstörten.

egen 4 Uhr Nachmittags stellten die Amerikaner das Feuer ein. Amtliche Nachrichten über den Kampf sind durch die amerikanishen Depeschenboote no<h niht überbracht worden.

__ Aus Cap Haïtien von gestern früh wird gemeldet, daß in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch ein amerikanisches Torpedoboot in Le Môle St. Nicolas eingetroffen und eine Stunde später wieder in See gegangen sei. Dasselbe habe berichtet, daß ein amerikanischer Hilsskreuzer vor Santiago \<hwer beschädigt worden sei.

Ein Telegramm hes New Yorker „Evening Journal“ von Cap Haïtien, 10 Uhr Vormittaas, besagt, die amerikanische Flotte sci neuerdings vor Santiago erschienen; man er- warte ein no<hmaliges Bombardement.

Dem „W. T. B.“ wird aus Washington gemeldet, daß der Kriegssekretär Alger ein Schreiben an das Repräsentantenhaus gerichtet habe, in welchem er einen Nachtragskredit fordere und vorschlage, sofort 15000 bis 20 000 Mann nah Cuba zu schi>en und diesen so s<hnell wie möglich weitere 50 000 Mann folgen zu lassen.

Die „Times“ meldet aus New Y ork, daß einer Washing- toner Depesche zufolge Aèmiral Sampson der Nachfolger des Commodore S<hley im Kommando der amerikanischen Flotte vor Santiago geworden sei.

Der General-Jnspekteur des cubanishen Sani- tätswesens hat, dem „W. T. B.“ zufolge, erklärt, daß die Zahl der erkrankten spanischen Soldaten auf die Hälfte zurü>- gegangen sei.

Der <hilenishe Kongreß ist, na<h einer Meldung des „W. T. B.“ aus Valparaiso, vorgestern dur<h eine Bot- \haft des Präsidenten eröffnet worden. Der Präsident P darin die Erwartung aus, daß die Grenz- rage mit Argentinien bald werde gelöst werden; Schiedsrichter würden im Monat August die Grenze im allgemeinen festlegen. Die Ausgaben des nächsten Jahres werden auf 76 Millionen Dollars, die Einnahmen auf 83 Millionen Dollars geschäßt. Unter den angekündigten Vorlagen befindet sih ein Geseßentwurf, betreffend die Be- steuerung fremder Versicherungsgesellshaften, des Tabaks und des Alkohols.

Statistik und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Aus Magdeburg berihtet die „Magdb. Ztg.": Der Aus- stand der Zimmergesellen und die Aussperrung der Maurer- gesellen in unserer Stadi scheint no< länger andauern zu wollen. Man kann sti< der Thatsache nicht verschließen, daß damit bedeutende Schädigungen niht allein der direkt Be- theiligten, sondern au< vieler anderer Berufe, wie Maler, Dacbdeker, Tischler, Schlosser, Klempner 2c., verbunden find, die si im Laufe des Sommers no< re<t fühlbar mahen werden. Fn einer am letzten Freitag abgehaltenen Maurerversammlung wurde beridtet, baß K< die Lage der Auétsverrung no< nicht geändert habe. Es würden jedo< na< Dessau, Mückendorf und anderen Orten Maurergesellen verlangt; deshalb wurden die Ausgesperrten auf- gefordert, dort Arbeit zu nehmen oder wenigstens von Magdeburg abzureisen.

In Dessau haben, wie der „Vorwäris*" beriétet, 50 Tischler einer Holzleistenfabrik die Arbeit niedergelegt.

Fn Bremerhaven und Lehe befinden fh na< demselben Blait die Maurer wegen Lohnstreites im Ausftand. Bisher sollen 14 Meister die Forderungen bewilligt haben, Von den Ausständigen sind 50 abgereist.

Kunst und Wissenschaft.

Das im Jahre 1890 gegründete Kartell der deuts<hen und öfterrei<cishen Akademien der Wissenschaften hat, der „Nat.-Ztg.“ zufolge, an den Pfingstfeiertagen seine gemein- schaftlice Sißung in Göttingen abgehalten. Gegenstände der Verhanblung waren: 1) die Organisation für die Heraus- gabe des mit dem Jahre 1900 heginnenden Katalogs der naturwissenshaftlicen Literatur der ganzen Welt, welche von der „Royal Society* in London eingeleitet und mit Hilfe aller gebildeten Nationen der Welt durhgeführt werden foll; 2) die Foriführung der Publikationen einer ÉEncyklopädie der Mathematik; 3) die Organisation von Erdbeben-Stationen über Mittel, Europa; 4) die Organisation cines großen Neßes von Pendel-:Bevbachtungen, um die Veriiedenheiten der Erds<hwere festzustellen; endlih Ver- abredunaen über die regelmäßige Beschi>kung des botanischen Gartens, welchen die holländishe Regierung tn Buitenzorg auf der TFnfel Java unterhält, dur junge Botaziker aus Guropa, um diesc mit den Eigens thümlichkciten der tropishen Flora bekannt zu machen. Nußer den deuts<hen Akademien war au die „Royal Society* in London vec- treten. Mitglieder der philosophisch-historishen Klasse der Akademie cer Wissenshaften zu Wien trafen zu gleicher Zeit mit den Bertretern deuts@er Afademicn in Berlin zusammen, um über die Fortsegung des Vierkes „Thesaurus linguae Latinae“ zu berathen.

Dur die Bewilligung der Summe von 300 000 4 seitens des Neichtagcs ift die große deutsche Tiefsee-Expedition 1898/99, wel<e Professor Chun (Breélau) bei der vorjährigen Tagung der deutschen Naturforsher angeregt hat, gesichert, Die Fahrt wird im August d. J. von Hamburg aus angetreten werden und die Route der Hauptsache na< eine Umfahrung Afrikas sein, Auf dex ersten Stre>e Hamburg - Kapstadt wird das Schiff fo möglichst nahe dem Kontinent helten; eingehende Untersuchungen find für die Gongo-Mündung vorgesehen, um die Mengen organis>er Substanzen, welhe dieser Strom dem ODzean zuführt, festzustellen. Auf der zweiten Strecke, Kapstadt— Sansibar, wird ein Vorstoß nah Süden bis zux Eisgrenze gemacht, und es follen dab-i die Küstengewässer von Madagaskar untersu<t werden. Von Sansibar wird | der Indische Ozean in der Richtung nah Colombo gekreuzt und dur< das Rothe Meer die Rükfahrt angetreten. Die Untersuchungen umfassen fowohl die Ozeancgraphie und Meteorokogie als au namentli die Zoologie. Das Programm hat Dr. Gerhard Schott in einem Vortrage vor der Berliner „Gesellschaft für Erdkunde“ eingehend entwidelt.

Im August d. J. wird, na< „Petermann's Mittheilungen“®, Dr. Hermann Meyer, welcher die von Dr. K. von den Steinen im Jahre 1884 begonnene, 1888 in Gemeins&aft mit Dr. P. Vogel fortgesezte Erforschung des Xingú-Quellgebiets im Jahre 1896 wieder aufnabm, eine neue Reife nah Zentral-Brasilien antreten. teren Ziel die Erforshung des auf der leßten Reise ent- de>ten Rio Ätelchu (Steiner.fluß), eines Tributärs des Ronuro, fowie des nördlid vom Kuluëöne in den Xingú mündenden Paranayuba sein wird. Besonders der leßtere Fluß verspricht eine reie ethnologishe Ausbeute, da derselbe von wissenschaftlichen Reisenden no< niht besuht worden is und, nach den Angaben, welhe Dr. Meyer seinerzeit am Kuluöne er- bielt, sehr diht von unbekannten Stämmen bewohnt sein foll. Dr. Meyer wird zunächst einige Monäte in den deutschen Kolonien (n Rio Grande do Sul si aufhalten und anfangs Januar in Buenos ‘Airez mit seinen Reisegefährten zusammeutreffen, von wo die Fahrtden L axo-¡uay aufwärts nah Cuyabá A wird. Die Theilnehmer up der Ex- pedition sind Dr. Mansfeld aus Dresden als Arzt und Ap{hropolog, Dr. Pilge aus Berlin als botanisher und zoolegisher Smmler und Dr. Koh aus Gießen als Photograph, während D-y, Meyer fe geographis@en und ethnologishen Arbeiten selbst Ÿ ernimmt. de 1899 oder Anfang 1900 wird die Expedition abg?" <lossen werden.

emann ermer me

Die Münchener Jahresausstellung 1898 im König- lihen Glaspalast ist, wie „W T. B.“ aus München meldet, gestern Vormittag vbur< einen Rundgang Seiner Königlichen Hoheit des Prinz-Regenten und der zur Zeit anwesenden Prinzen und Pr:nzessinnen des Königlichen Hauses eröffnet worden. Später fanden ih au< Minister, Gesandte, unter diesen der preußische Gesandte Graf von Monts, sowie Vertreter der Behörden und zahlreihe Künstler zur Besichtigung der Ausstellung ein. Ein besonderer Gr-

offnungsakt fand nicht ftatt.

Literatur.

Lexikon der gesammten Technik und ihcer Hilfs- wissenshaften. Im Verein mit Fahgenofsen herausgegeben von ¿Otto Lueger. Abtheilung 26--30 (Sechster Band). Mit zahl- reien Abbildungen. Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart. Als von diesem weit angelegten Werke der fünfte Band erschien, welcher erst mit dem Stihwort ,Kuppelungen“ s{loß, durfte man Zroeifel an der Möglichkeit heaen, daß der Stoff in den nur no< zur Ver“ fügung stehenden zwei Bänden untergebraht werden könnte. Der nunmehr vorliegende sc<ste Band beseitigt jedo diese Bedenken, denn er reiht bereits bis zu dem Stihwort „Reibung“. Daß dies vit dur< Kürzung des Stoffes, also auf Kosten der Qualität des Juahalts erreiht worden is, verdient aewiß Anerkennung. Schon in dem vorliegenden Bande liefert die Verlagtbuchhandlung den Subskribenten zehn volle Dru>bogen unentgeltlih, und au für den nächsien (Schluß-) Band des Werkes wird eine beträchtliche Zugabe angekündigt. Es zeigt s{< gegen den Schluß hin immer mehr, daß die weitgehende Spezialisierung des Stoffes, die allerdings zuweilen die Orientierung über einen bestimmten Gegenftand etwas umständlicher gestaltet, als es bei zusammenfassender Behandlung des Stoffes der Fall sein würdé, do< ein sehr zwe>mäßiges Verfahren war, und zwar na< zwei Richtungen hin. Ein- mal konnte ein großer Theil des Stoffes bereits in der ersten Hälfte des Werkes behandelt werden, welcher fonst erit an viel späterer Stelle abzuhandeln gewesen wäre. So sind beispielsweise die verschiedenen Träger bereits in zahlreichen Einzelartikeln in verschiedenen Bänden der ersten Hälfte des Werkes erschienen ( „Balken“, „Blechträger", „Bogen“, „Gelenkträger“ 2c.), sodaß unter dem Stichwort „Träzger* nur ein furzer, allgemeiner Artikel und im Uebrigen Hinweise auf jene Einzelartikel zu geben fein werden. Sodann bietet die Spezialisierung des Stoffes den gerade bei einem tehnishen Nahsc{lagewerk nicht zu unterschäzenden Vortheil, daß sie das ras<e Erscheinen außerortent- lih erleichtert, ja überhaupt ermögliht: die umfangreiche Arbeit konnte so nit nur in viele Hände gelegt werden, sondern sie ver- theilte f< zur leihteren Bewältigung auch zeitlih in sehr vortheil- hafter Weise. Diesen wichtigen Gesichtépunkten gegenüber können fleine Unbequemlihkeiten beim Nachshlagen niht in Betracht kommen, zumal der Interessent ja bald mit der Disposition des Werkes vertraut sein dürfte. Was die Darstellungen im besonderen anbelangt, so haben fh dieselben durhweg auf der bisherigen Höhe erhalten; sie zeihnen \si< wiederum dur Klarheit, Korrekt- beit und Gründli@keit aus. Fast überreih sind die Artikel dur) gute und infftruktive Illustrationen ausge- stattet. Besondcre Anerkennung verdient ferner die eingehende und kritische Berücksichtigung der Patent - Literatur, wie z. B. in den Artikeln „Leder“, „Lederfärberei“, „Nagelfabrikation“ 2c. Vor- trefflihe, zum theil sehx eingehende Artikel um aus der großen Zahl nur einige herauszugreifen haben geliefert: Schwarz über Lafettierung, Munition, Munitionstransport, Panzershiff, Propeller; Lindner über Kurbel, Kurbel lager, Kurbelschleife, Lager, Los[cheibe, Niete, Nietung, Niet- verbindungen, Platten, Pleuelstange, Pumpenzylinder, Pumpenkolben, VBumpenventile; Andés über Lade, Lackfarben, Mischfarben ; Koll über Kurvenabste>ung, Methode der kleinsten Quadrate; Birk über Loko- metive, Näder für Gisenbahnfahrzeuge; Goering über Lokomotiv- \{upven, Oberban, Rangierbahnhöse; Hartmann über Lüftung ges(lofsener Räume, Pumpen; Dolezale® über Luftseilbahuen, Maschinenbohren; Treptow über magnetishe Aufbereitung, Müßblen, Pohwerk; “Holy über den elektrischen Motor, Negistcierapparate, eleftrishe; Arndt über Mahblgang, Mehlfabrifation, Plan- ßdter; Dalhow über Messershmiede-Arbeiten, Münzfabrikation, Münzmaschinen, Nadelfabrikation, Nietmaschinen, Plattieren, Polier- maschine; Müller-Hannover über Meßwerkzeuge, Nähma)chinen, Netze; Vogel über Photochemie, Photographie, Photometer, photo- araphishen Pressendru>, Projektionsbilder; Zschokke über Preßluft- qründung; Mehmke über Rechenmashhinen; Weyrau<h über Neben- \pannungen, Nietverbindungen, Parabeliträgec (die graphisde Berehnung giebt hier wie in allen analogen Fällen Ritter), Parallelträger, Paulishe Träger 2c. 2c. Somit kann das Lueger’she Lexikon als ein reihhaltiges, vielscitiges Na%schlagewerk jedem Techniker no<mals empfohlen werden.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs8- Maßregeln.

Hinterindien.

Wegen Auftretens der Beulenpest in Kalkutta ist der Hafen vou Kalkutta dur< Bekanntmachung der Kolonialregierung in Singa- pore vom 5. Mai d. I. für verseucht erklärt worden. Alle von Kal- futta kommenden Schiffe werden bis zum neunten Tage nah der Ab- fahrt von Kalkutta oder nah dem Datum des L an Bord vor- gekommenen Falles der Krankheit oder bis zur reigabe dur den Gesundheitsbeamten der Kolonie in Quarantäne gehalten.

Der Gesundheitsftand in Berlin war au< in der Woche vom 15. bis 21. Mai cin guter und die Sterblichkeit eine niedrige; von je 1000 Einwohnern farben, aufs Jahr bere<net, 15,1 gegen 14,9 der Vorwoche. Unter den Todesursachen erfuhren akute Ent- zündungen der Athmungs8organe einen weiteren Rükga'ag ; au< der Verlauf wurde cin milderer und die Zahl der durch fie be- dingten Sterbefälle cine kleinere. Erkrankungen an Influenza v»urden jedo< no< immer beobachtet, aud) kamen wieder 3 dur d/selben bedingte Sterbefälle zur Mittheilung. Etwas seltener als in der Vorwote endeten akute Darmkrankheiten tödtlich; die an diesen Krankheitsformen Gestorbenen standen überwiegend im Alter unter 2 Jahren. Die Betheiligung des Säugliv.gsalters an der Sterblichkeit blieb fast die gleihe wie in der Vorrooche; von je 10 000 Einwohnern in Berlin starben, aufs Jahr bere®net, 43 Säug- linge. Von den Infektion®krankheiten zeigten sih Gr« krankungen an Unterleibstyphus etwas häufigez, auh Erkrankungen an Masern und Diphtherie wvrden etwas wehr als in der Vorwoche zur Anzeige gebra<t; Erkrankuncen an Scdhocta® Bltes in beshränktec Zahl. Die Erkrankungen an Masern zeigten si< in der Schöneberger Voista®,x und wv Moabit am häufigsten; Erkrankungen an Scharlah uno Diphthe"ie, von denen lehtere über- haupt nur 2 Todeéfälle T0 IR gelangten aus keinem Stadttheil in nerwenswerther ZaE zur Meldung. Erkrankungen an Kindbett- fieber. wurden 2 beko\gnt. Ferner wurden 1 Todesfall an Windpo>en und, eine Erkro"{ung an Genikstarre gemeldet, Rosenartige Entzün- d'angen des Zellgewebes der Haut wurden weniger beobachtet; auh Srkrandv.cgen an Keuchhusten. die m 9 Fällen tödtlich verliefen, kamen seltençr zum Vorschein. Rhoumatishe Beschwerden aller Art zeigten

in rem Vorkommen jw Verglei zur Vorwoche keine wesentliche Veränderung.

Verkehrs-Anftalten.

_ Nürnberg, 1. Juni. (W. T. B.) Von dem dritten deu ts<- österreihis<h-ungaris<hen Binnénshiffahrts-Verbands- tage (vgl. Nr. 127 d. Bl.) wird weiter berihtet : Die Eröffnung der Versammlung erfolgte heute Nahmittag im großen Rathhaussaale in Anwesenheit Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Ludwig von Bayern dur< den Vorsigenden des Verbandsvorstandes,