1898 / 130 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

E R R E E Gti

Kaiser Wilhelms-Akadetnie für das militärärztliGße Bildungswesen, !

Dr. Staß, Ober - Stabsarzt 1. Kl. und Regts. Arzt vom Rhei Fuß-Art. Negt. Nr. 8, zum Magdeburg. Drag. Negt. Nr. 6; die Ober-Stabsärzte 2. Klässe und Regümnents-Aerite: Dr. Dürr vom 2. Hannov. Ulan. Regt. Nr. 14, zum Bad. Fuß- Art. Regt. Nr. 14, Pr. Weinreih vom Inf. Regt. Nr. 171, zum Rhein. Fuß-Art. Regt. Nr. 8, Dr. Heinide vom Inf. Regt. Mr. 151, zum 6. Thürina. Inf. Regt. Nr. 9%, Dr, Nothnagel, Stabs- und Abtheil. A1zt von der 3. Abtheil. 2. Garde-Feld-Art. WMegts., zur Unteroff. Schule in Potsdam; die Stabs- und Bats, ‘Aerzte: Dr. Wiemuth vom 2. Bat. des Gren. Negts. König

* Friedrich 11. (3. Ostyreuß.) Nr. 4, als Abtheil. Arzt zur 3. Abtheil.

2. Garde-Feld-Art. Regts.,, De. Rummel vom Pomm. Train-Bat. Nr. 2, zum 2. Bat. des Gren. Regts. König Friedrich Il.

(3. Ofipreuß.) Nr. 4, Dr. Waldeyer vom 2. Bat. des Fuß-Art.

Regts. Nr. 11, zur Kaiser Wildelms. Akademie für das militärärztliche Bildungswesen, Dr. Büge vom 1. Bat. des Inf. Regts. Prinz Mori von Anhalt-Dessau (5. Pomm.) Nr. 42, zum 2. Bat. des

uß-Art. Reats. Nr. 11, Dr. Esselbrügge, Oberarzt vom Weftfäl.

ion. Bat. Nr. 7, zum Ulan. Regt. Hennigs von Treffenfeld (Alt- máäck.) Nr. 161; die Assist. Aerzte: Dr. Jürgens vom 2. Rhein. Hus. Negt. Nr. 9, zur Obecfeuerwerkershule, Dr. v. Drigalski vom Gren. Regt. Graf Kleist von Nollendorf (1, Westpreuß.) Nr. 6, zum Kaiser Franz Garde-Gren. Regt. Nr, 2, Dr. Hocheimer vom Königin Augusta Garde-Gren. Regt. Nr. 4, zum Sanitätsamt des 111. Armee-Korps, Dr. Burchardt vom Ulan. Regt. Kaiser Alexander 11. von Rußland (1. Brandenburgisches) Nr. 3, zum Königin Augusta Garde - Gren. Regt. Nr. 4, Dr. Geige vom Pion. Bat. Fürst Radziwill (Ostpreuß.) Nr. 1, zum Gren. Regt. König Friedrich Wilhelm 1. (2. Dstpreuß.) Nr. 3, Dr. Badstübner voi Ulan. Regt. Hennigs von Treffenfeld (Altmärk.) Nr. 16, zum Königs-Inf. Nr. 145, Dr. Ablb ory vom 3. Posen. Inf. Regt. Ne. 58, zum Kadettenhause in Wahlstatt, verseßt. Dr. Wiehblißy, Gen. Arzt und Div. Arzt von der 22. Div., mit Pension und seiner bisherigen Uniform, Dr. Lindemann, Gen. Oberarzt und Div. Arzt von der 13 Dtv., Dr. Andrée, Gen, Ober- arzt und Div. Arzt von der 28. Div., beiden unter Verleihung des Gharakters als Gen. Arzt, mit Pension und ihrer bis- berigen Uniform, Dr. Fabricius, Ober-Stabsarzt 1. Klasse und Regts. Arzt vom 6. Thüringischen Inf. Rect. Nr. 95, mit Pension und seiner bisherigen Uniform, Dr. Mach olz, Dber-Stabs8arzt 1. Kl. und Regts. Arzt vom Magdeburg. Drag. Regt. Nr. 6, mit Pension und seiner bisherigen Uniform, Dr. Weber, Stabsarzt von der Kaiser Wilhelms-Akademtie für das militärärztlihe Bildungswesen, Dr. Bachert, Oberar;:t vom Großherzogl. Hess. Feld-Art. Negt. Nr. 25 (Großherzogl. Art. Korps), beiden mit Pension, Dr. Wan g, Oberarzt vom Königin Elisabeth Garde-Gren. Regt. Nr. 3, Dr. Kunze, Assist. Arzt vom Eisenbahn-Regt. Nr. 3, beiden behufs Vebertritts zur Marine, Dr. Makrocki, Stabsarzt dec Res. vom Landw. Bezirk Potädam, Dr. Meurer, Stahgarzt der Res. vom Landw. Bezirk Düsseldorf, Dr. Bloedorn, Oberarzt der Landw. 1. Aufgebots vom Landw. Bezirk Torgau; den Stabsärzten der Landwehr 2. Aufgebots: Dr. Wiesenthal, Dr. Wetekamp vom Landw. Bezirk ITT Berlin, Dr. Hirschberag vom Landw. Bezirk 11 Breslau, Dr. Müller vom Landw. Bezick Hamburg; den Oberärzten der Landw. 2, Aufgebots: Dr. Kirchhoff, Dr. Cassel vom Landw. Beztck [II[ Berlin, Dr. Nizinsfkfi vom Landw. Bezirk Schrimm, Dr. Schlüter vom Landw. Bezirk Schwerin, Dr. Erhardt vom Landw. Bezirk Gotha, der Abschied bewilligt. Dr. Heine Stabsarzt von der Kaiser Wilhelms-Akademie für das militärärztlie Bildungéwesen, Dr. zur Nedden, Assist. Art vom 6. Rhein. Inf. Regt. Nr. 68, aus dem aktiven Sanitäts-Korps ausgeschieden und zu den Sanitäts-Offizieren der Nes. übergetreten.

Köuiglich Bayerische Armee.

Sanitäts-Korps, 21. Mat. Dr. Friedmann (Bunzen- hausen), Assist. Arzt der Nes., Dr. Hermann (Erlangen), Dr. Zab n, Dr. Zimmer (Aschaffenburg), Oberärzte von der Landw. 1. Auf- gebots, Dr. Wahn (Hof), Stabüarzt von der Landw. 2. Aufgebots, Dr. Cahn (Ludwigshafen), Oberarzt von der Landw. 2. Aufgebots, der Abschied beroilligt.

Durch Verfügung des General - Stabsarztes der Armee. Dr. Scheuerer, einjährig - freiwilliger Arzt vom 9. Inf. Regt. Wrede, im 2. Jäger-Bat., Stelzle, einjährig-freiwilliger Arzt vom 1. Schweren Reiter-Regt. Prinz Karl von Bayern, im 13. Inf. Negt. Kaijer Franz Joscph von Oesterreih, zu Unterärzten ernannt und mit Wahrnehmung offener Asfist. Arztstellen beauftragt.

Beamte der Militär-Vcrwaltung.

21. Mai. Steichele (Augsburg), Ober-Apotheker der Landw. 2. Aufgebots, der Abschied bewilligt.

Durch Verfügung des General-Kommandos IL[. Armee- Korps. Brückner, Zahlmftr., im 21. Inf. Negt. eingetheilt.

Kaiserliche Schutßtruppen,

Berlin, 28. Mai. Dr, Langheld, Stabsarzt von der SHutz- truppe für Südwest-Afrika, ausgeschieden und gleichzeitig in der Armee und zwar als Stabsarzt bei der Kaiser Wilhelms - Akademie für das militärärztlihe Bildungswesen mit seinem bisherigen Patent wieder- angestellt,

Nichtamtliches. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 4. Juni.

Seinc Majestät der Kaiser und König besichtigten, von Marienburg kommend, gestern Mittag die Truppen der Garnison Danzig auf dem großen Exerzierplaß bei Langfuhr und inspizierten Nachmittags die Kaiserlihe Werft, im be- sonderen den Neubau der „Freya“. Abends gegen 6 Uhr chifften Sih Seine Majestät in Neufahrwasser an Bord der

acht „Hohenzollern“ ein und kamen heute Vormittag, kurz vor 10 Uhr, auf der Rhede von Swinemünde an.

JFhre Majestät die Kaiserin und Königin ertheilten vorgestern Mittag den Gemahlinnen des spanishen Botschafters und des brasilianishen Gesandten sowie der Gemahlin des Landes- Direktors der Provinz Brandenburg, Freifrau von Manteuffel die nahgesuchten Audierzen. :

Heute Vormittag von 11 Uhr ab wohnten Jhre Majestät in der Sing-Akademie der Jahresversammlung der unter Allerhöchstihrem Protektorat stehenden „Frauenhilfe“ für die vom Evangelisch-Kirhlichen Hilfsverein in Berlin begründeten Psflegestationen zur unentgeltlihen Armenkrankenpflege dur ‘Diakonissen bei.

Den Kammerherrndienst bei Jhrer Majestät der Kaiserin und Königin hat vom 5. bis einschl. 11. Juni der Major a. D. und Kammerherr von Alvensleben-Rusteberg über- nommen.

Die vereinigten Ausschüsse des Bundesraths für Zoll- und Steuerwesen und Bu echnungswesen, sowie die ver- einigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr hielten heute Sizungen.

A E A I E M E O E I T

Der Präsident der Königlichen Eisenbahn-Direktion Berlin, Wirkliche Geheime Ober-Regierungs-Rath Kranold hat sich u einer Sizung der ständigen Tarif-Kommission nah Baden- Baden begeben.

Der Regierungs-Rath Keßler zu Berlin ist der König- lihen Regierung zu Potsdam und der Regierungs-Assessor Volckart in Danzig der Königlichen Regierung zu Stralsund zur weiteren dienstlichen Verwendung überwiesen worden.

Danzia, 3. Jun, Seine Majestät der Kaiser und König traf, wie „W. T. B.“ meldet, von Marienburg kommend, heute Mittag 121// Uhr in Langfuhr cin und wurde daselbst von dem Kommandeur der 836. Division, General-Lieutenant von Pfuhlstein und dem Kommandeur der 36. Kavallerie - Brigade, Oberst Rosentreter empfangen. NAllerhöchstderselbe fuhr alsdann nach der Kaserne des 1. Leib- Husaren-Regiments Nr. 1. Hier stieg Seine Majestät der Kaiser mit dem Gefolge zu Pferde und nahm sodann auf dem Exerzierplay die Parade über die gesammte Garnison von Danzig ab. Nach der Parade fand in dem Kasino des 1. Leib - Husaren - Regiments ein Frühstück statt. Gegen 41/1, Uhr begab Sih Seine Majestät von Langfuhr nah der Kaiserlichen Werft, wo Allerhöhstderselbe von dem Ober - Werftdirektor von Wietersheim empfangen wurde. Vor dem Neubau der „Freya“ erwarteten der Staats- sekretär des Reichs - Marineamts, Staats - Minister Tirpiß und die Werftdirektoren den Kaiser, Allerhöchstwelcher sodann das Schiff und die Maschinenwerkstälte der Werft besichtigte. Gegen 6 Uhr fuhr Seine Majestät mit der Yacht der Werft nah dem Hafen von Neufahrwasser, um Sich an Bord der Yacht „Hohenzollern“ zu begeben.

Hessen.

Die Erste Kammer hat gestern das Geseh, betreffend die Besoldung der Beamten, nah den Beschlüssen der Zweiten Kammer einstimmig angenommen.

Oesterreich-Ungarn.

Jn der gestrigen Sißung des österreichiscchen Abgeord- netenhauses verwies zunächst der Abg. Dr. von Mi- lewski auf die große Anzahl der eingebrahtcn Regierungs- vorlagen, welche für die Bevölkerung von höchster Wichtig- keit seien. Auch die Erledigung des Budget-Provisoriums bedeute für das Parlament die Ausübung eines seiner wichtigsten Rechte. Redner fragte den Präsidenten, ob er ge- neigt sei, für die erste Lesung dicser Regierungsvorlagen neben den Sitzungen für die auf der Tagesordnung stehenden Gegen- stände besondere Sißungen anzusezen. Der Präsident von Fuchs erwiderte, er werde in dieser Angelegenheit die Obmänner aller Parteien befragen. Der Abg. Resel (Sozialdemokrat) wünschte die sofortige Ueberweisung der Vorlage, betreffend die Aufhebung des Zeitungsstempels, an den Budget-Ausshuß. Der Präsident erflärte, daß er auch wegen dieser Frage die Obmänner der Klubs befragen werde. Darauf ging das Haus zur Tagesordnung über und scßte die Debatie über die Sprachenanträge fort. Der Abg. Dr. Krvna- wetter führte aus: in weiten Volkskreisen herrsche die Ueber- zeugung, daß das Haus seiner Aufgabe niht gerecht werde. Diesem Zustande müsse ein Ende gemacht werden. Jn den Sprachenverordnungen des Freiherrn von Gautsch erblicke er einen gewissen Fortschritt. Der Sprachenautshuß verdiene das Wohl- wollen aller Parteien, er werde für denselben stimmen. Der Abg. Schnecker bespräh die Grazer Vorgänge und sagte: so anae die Sprachenverordnungen nicht aufgehoben würden, werde das Haus nicht arbeitsfähig werden. Die Behauptung, die Deutschen Böhmens strebten nah Vorherrschaft, sei unrichtig. Die Deutschen wollten nur den Frieden in Böhmen. Redner ver- langte die Anerkennung der deutshen Sprache als Staatssprache. Der Abg. Tittinger bezeichnete das Verlangen nach Vorherr- haft der Deutschen als Nation in Oesterreih als undurch- führbar. Die Deutschen könnten nur die Führerschaft an- streben, welhe aber nicht durch Geseße erzwungen werden könne. Die Obstruktion der Deutschen gegen den Sprachen- ausshuß sei verfehlt, da die Verhanölungen desselben jedenfalls zur Aufhebung der Sprachenverordnungen würden führen müssen. Der Abg. Pfershe be- sprach die Ecnennung des Grafen Gleispah zum Ober- Landesgerichts - Präsidenten von Steiermark, kritisierte dus Verhalten des böhmischen Feudal - Adels, der sih mit der, radikalen Politik verbinde, verurtheilte das Verhalten des böhmischen Statthalters und erflärte eine Verständigung für unmöglich, solange die jungcezehishe Partei die Führerschaft im Volke habe. Die nächste Sißung findet am Montag statt.

Großbritannien und JFrland.

Das neue Kriegsschiff „TDerrible“ ist von seiner Probe- fahrt nah Gibraltar und zurück wieder in Portsmouth eingetroffen. Das Schiff hatte, dem „W. T. B.“ zufolge, ver- sucht, die Rückfahrt unter vershärfter Fahrgeshwindigkeîit zu machen, erlitt aber nah drei Stunden cinen Maschinenbruch.

Die Anhänger und Fürsprecher der british-amerikanischen Ver- ständigung hielten gestern in London ein Festmahl ab, bei welhem Lord Coleridge den Vorsiß führte. Unter den Rednern des Abends befanden sih Lord Brassey und der Bischof von Ripon, welcher ein Hoch auf die „Vettern jenseits des Meeres“ ausbrachte.

Nuß lanD.

Wie dem „W. T. B.“ aus St. Petersburg berichtet wird, meldet der „Regierungsbote“: Am 29., 30. und 31. Mai rief in dem Kreise Margijan des Ferghana-Gebietes der Ein- geborene Jschan-Mahomet-Ali-Khalif den heiligen Krieg aus. Er rückte,mit einem beträchtlihen Volkshaufen nah Andishan, nachdem er die Telegraphendrähte zerschnitten hatte. Am 30. Mai überfiel er bei Tagesanbruch das Lager von wei Kompagnien des 20. turkestanishen Linien - Cadre-

ataillons, wobei 22 Unter-Militärs getödtet und 16 ver- wundet wurden. Obwohl der Ueberfall ganz plößlich erfolgte, sammelten sih do die Kompagnien schnell, [ugen den Angriff zurück und zerstreuten den Volkshaufen durch Gewchrfeuer. Die Aufständischen ließen 11 Todte und 8 Verwundete auf dem Play zurück. Ein beträchtliher Theil der Angreifer floh unter dem Feuer der Jnfanterie nah verschiedenen Richtungen. Die Uebrigen zogen sich mit dem Rädelsführer zurück, indem sie den Kara-Darja und den Tschakimabada überschritten. Zu ihrer Verfolgung wurden eine Köompagnie und 50 Mann

| von d-r berittenen Abtheilung des Bataillons aus Namangan

entsandt. Einem Bericht vom 1. Juni zufolge wurde der Rädelsführer mit einem Manne aus seiner Umgebung bereits ergriffen. Beide werden in strengem Gewahrsam gehalten. Dieses bedaueclihe Ereigniß, fügt der „Regierungsbote“ hinzu, ist, foweit es bis jeßt aufzuklären ist, nur durch den Fanatiker Fschan und seine Umgebung hervorgerufen worden. Die gesanmte übrige Bevölkerung bleibt durhaus ruhig. Auf Allerhöchsten Befchl ist der Ferghaner Militär-Gouverneur, der es dazu kommen ließ, daß sih inmitten tiefsten Friedens der Haufe bilden und russishe Truppen angreifen konnte, seines Amtes entseßt worden.

Ftalien.

Der König hat, wie „W. T. B.“ meldet, den General Tarditi durch Dekret vom gestrigen Tage zum Unter- Staatssekretär im Kriegs-Ministerium ernannt.

Die Deputirtenkammer wird, wie es heißt, nicht später als am 16. d. M. einberufen werden.

Der Gemeinderath von Mailand hat gestern eine Tagesordnung angenommen, in welcher das Vorgehen dés Generals Bava und der Armee bei der Unterdrückung der jüngsten Tumulte gutgehcißen wird.

Nach der „Jtalie“ ist der Minijter-Präsident di Rudin i mit Vorbereitungsarbeiten für die Errichtung einer Straf- kfolonie in Assab beschäftigt, wohin die zum Zwangsdomizil Verurtheilten geshickt werden sollen, wenn die Zeitdauer der Strafe über drei Fahre beträgt.

Spanien.

In der gestrigen Sißung der Deputirtenkammer be- gründete, wie „W. T. B.“ meldet, der Deputirte Ascarate eine Interpellation über den Artikel Castelar’'s gegen die Unverleßlichkeit der Krone und verlangte für die Gerichtshöfe das Recht, in voller Freiheit über die Angelegenheit zu urtheilen. Er hoffe, kein republikanisher Deputirter werde im stande sein, für eine Verfolgung Castelar’'s zu stimmen, falls das Tribunal eine solche verlange. Der Minister-Präsident Sagasta erwiderte, es sci nothwendig, mit Nachdruck die Un- verleßlichkeit der Krone zu vertheidigen. Er bedaure Erörte- rungen dieser Art, welche die Erledigung der dringendsten An- gelegenheiten verzögerten. Fn Beantwortung einer Anfrage er- klärte der Kriegs-Minister Corcrea, daß eine Expedition nach den Philippinen vorbereitet sei. Auf eine weitere Anfrage antwortete der Kolonial-Minister Romero Giron: er glaube, die von einem Blatte dem spanischen Botschafter in London zugeschriebene Erklärung, er hoffe, daß der Friede nahe bevor- stehe, sei unrichtig. Der Minister fügte hinzu, die Regierung sei entschlossen, eine vollständige Reserve zu beobachten.

Castelar, der sich augenblicklich in der Provinz Alicante aufhält, hat einem Berichterstatier gegenüber erklärt: er habe den in der Kammer besprochenen Zeitungsartikel zu Anfang April geschrieben und niht die Königin-Regentin, sondern ihre Umgebung bei Hofe angegriffen. Er werde niht vor November nah Madrid zurückehren.

Aus Madrid erfährt „W. T. B.“/ daß dem Marine- minister Aunon ein Telegramm des Admirals Cervera vom gestrigen Tage zugegangen sei, in welchem dieser der Regierung für die ihm gesandten Glückwünsche seinen Dank ausspricht.

Nach einer Meldung des „Reutershen Bureaus“ hat das spanische Geschwader Cadiz mit unbekannter Bestimmung verlassen.

Türkei.

Dem Wiener „Telegr. - Korresp. - Bureau“ wird aus Konstantinopel gemeldet, daß die russishe Botschaft die Aufmerksamkeit der Pforte auf die mangelhaften Sicher- heitszustände in Konstantinopel und auf die Nachlässigkeit der Polizei gegenüber den in der legten Zeit zahlreich eintreffenden Kurden, Lazen und Tscherkessen und die begünstigende Be- handlung, welche dieselben seitens der Behörden erführen, ge- lenkt habe.

Amerika.

Ein amtliches, im Kabinetsrath verlesenes Telegramm des Commodore Schley besagt, wie „W. T. B.“ aus Washington berichtet, daß kein Grund vorhanden sei, an der Anwesenheit Cervera's und seines Geschwaders in dem Hafen von Santiago zu zweifeln. Der Zweck des Bom- bardements sei gewesen, die Stellung der spanischen. Batterien genau zu bestimmen. Das Ergebniß sei ein völlig zufrieden- stellendes gewesen. Kein amerikanishes Schiff sei getroffen und kein Mann verleßt worden. i

Der Korrespondent des „Reuter'schen Bureaus“ an Bord des Admiralschiffs „Brooklyn“ bei Santiago telegraphiette, das Aufklärungsgefecht am 31. v. M. habe ergeben, daß Santiago stark befestigt sei, daß großkalibrige Geschüße, augenscheinlih britishe oder französishe, in den Forts aufgestellt seien und daß man rauchloses Pulver an- wende. Ein sehr starkes Bombardement werde nöthig sein, um die Batterien zu zerstören und die spanische Flotte zu ver- treiben.

Das Kriegs-Departement hat, dem „W. T. B.“ zufolge, noh einige weitere Schiffe für den Transport der cuba- nishen Jnvasionsarmee beschafft. Die TDransportflotte besteht jeyt aus 30 Schiffen, welche insgesammt 30 000 Mann befördern fönnen. Bis jeyt sind über 124 000 Freiwillige an- geworben worden. Nach einer der „Times“ zugegangenen Meldung bereitet die Regierung die Entsendung von 15 000 Mann unter General Lee nah Porto Rico vor. Ein zweiter Truppentransport nah den Philippinen wird am 10. Juni abgehen. j

Die neue Fl ottenvorla ge, welche kürzlih vom Kon- greß angenommen worden ist, gestattet die Ausgabe von 57 Millionen Dollars für Marinezwecke, 32 Millionen mehr, als ursprünglich für das laufende Finanzjahr ausgeseßt worden waren. Diese Mittel sollen zum Bau von neuen Schlachtschiffen 1. Klasse von je 11 000 t Deplacement

um Preise von je 3000000 Dollars (ohne die Kosten fär Panzerung und Armierung), ferner für den Bau von

4 Monitors zur Ra ph zum Preise von je

1 250 000 Dollars, 16 Torpedobootzerstöcern und 12 Torpedo- booten zum S O von 6 900 000 Dollars, sowie einem Kanonenboot zum Schuß der Binnenseen, dessen Her- stellung auf 260 000 Doll. veranschlagt worden is, verwendet werden. Außerdem ordnet die Bill die Anlage von 5 Trockendocks an; vier derselben sollen aus Holz oder Granit, das fünfte aus Stahl erbaut werden, und zwar eins in Portsmouth, eins in Boston, eins auf League Island bei Philadelphia, eins am Golf von Mexiko und eins an der Küste des Stillen Ozeans bei dem Schiffsbauhofe von Mare Jsland. Der Preis eines jeden

{ih nur auf 6,8 Milliarden, derjenige m

dieser Docks ist auf 850 000 Doll. angeseßt, die Summe von einer Million Dollars ist sofort zum Beginn der Arbeit an allen fünf Docks ausgeworfen worden. Unabhängig von dieser Bill haben die Flottenbehörden bereits den Bau von zwölf Torpedobooten in Kontrakt vergeben, deren Kosten aus den dem Präsidenten zur Verfügung gestellten 60 Millionen ge- deckt werden. /

Die aus 39 Mann bestehende Besaßung des spanischen Dampfers „Rit a“, welcher von dem amerikanischen Hilfs- freuzer „Yale“ aufgebraht worden war, ist nach New York gebraht und dem dortigen österreichish - ungarischen Konsul übergeben worden, der sie nah Spanien zurückschaffen lassen wird. : ;

Aus Havanna wird gemeldet, daß drei spanische Kanonen- boote, welche Schisse mit Lebensmitteln begleitet hätten, in den Hafen von Cienfuegos eingelaufen seien. Als sich

an einer Stelle des Ufers eine Schaar Jnsurgenten gezeigt, |

habe eines der Kanonenboote das Feuer eröffnet, worauf die Jnsurgenten eine weiße "Fahne gehißt und erklärt hätten, sich zwar niht unterwerfen, aber auch niht gegen die Spanier kämpfen zu wollen. Man glaube, daß ihr Verhalten auf einen von Maximo Gomez erhaltenen Befehl zurüchzuführen sei , während Garcia dafür sei, daß die Aufständischen die seitens der Amerikaner geplante Aktion unterstüßten. Jn der Provinz Santiago de Cuba haben die Jusurgenten dieser Tage das in der Nähe von Holguin gelegene Fort Loma

Cruz angegriffen, wurden aber zurückge)|chlagen und hatten |

68 Todte. i V A

Aus Port-au-Prince und Cap Haïtien in New York eingetroffene Depeschen melden, daß die amerikan ische Flotte gestern früh 3 Uhr das Feuer auf Santiago de Cuba eröffnet habe. Die Kanonade habe 11/5 Stunden gewährt. Der amerikanische Hilfskreuzer „Merrima c“ habe versucht, den Hafeneingang zu erzwingen. Die Spanier hätten den Kreuzer die erste Torpedolinie passieren lassen und einen Torpedo erst in dem Augenblick auf ihn abgeschossen, als er eine Strecke von 500 Fuß in das Jnnere des Hafens zurückgelegt hatte. Der Tor- pedo habe das Vordertheil der „Merrimac“ zerrissen; dieselbe sei fast sofort gesunken, und nur der Schlot und die Mast- spißen ragten über Wasser.

Der „Frankfurter Zeitung“ wird aus New York gemeldet : in San Domingo sei eine Revolution ausgebrochen, die Lage daselbst sei ernst. j

Asien.

Einer im Haag eingetroffenen amtlichen Meldung zu- folge hat die nah Pedir gesandte niederländische Expedition ibr erstes Angriffsziel Garut genommen, ohne erhébliche Verluste zu . erleiden. Die Atchinesen zogen sich mit Tuku Osmar zurück. Der jeßige Aufenthaltsort des leßteren ist unbekannt.

Afrika.

Das „Neuter'she Bureau“ erfährt, daß eine starke bri - tishe Truppenabtheilung einen Theil der british-egyp- tishen Expedition nah Khartum bilden werde. Die Expedi- tion werde insgesammt 20 000 Mann umfassen. Es gehe das Gerücht, die Derwishe hätten Shabluka, die stärkste Stellung zwischen Berber und Khartum, geräumt. Der Khalif konzentriere scine Streitkräfte in der Nähe von Omdurman.

Australien.

Wie „W. T. B.“ aus Melbourne berihtet, ist bei der gestrigen Volksabstimmung in Victoria und Ta3mania die vorgeshlagene Gründung eines australishen Staaten- bundes angenommen worden.

Nr. 18 des „Eisenbahn-Verorduungsblatts“, heraus- gegeben im Ministerium der öffentlihen Arbeiten, vom 1. Juni, hat folgenden Inhalt: Erlaß des Ministers der öffentlihen Arbeiten vom 18. Mai 1898, betr. Festseßung der geseßlihen Bezüge für die Hinterbliebenen verunglückter Beamten. Nachrichten.

Statistik und Volkswirthschaft.

Die Bedeutung der Landwirthschaft und der Industrie in Deutschland.

Unter dieser Ueberschrift veröffentli®ßt Dr. Ballod im neuesten Best von Shmoller's „Jahrbuch für Gefeßgebuna, Verwaltung und Volkswirthschaft" eine eingehende und interessante Abhandlung, in welcher er zu der Frage, ob und inwieweit Deutschland ein Jndustrie- staat sei, ein reiches statistishes Material in fo sahkundiger Weise, wie wenige Andere, zu liefern weiß. WVermag er mangels einer voll- ständigen Produktionéstatistik auch nur annähernd festzustellen, welche Werthe die Industrie einerseits, die Landwirthschaft andererseits her- vorbringt, wieviel also eine jede zum Nationaleinkommen beiträgt, fo lohnt es sih do, einige der wichtigsten Resultate hier kurz mit- zutheilen. Nach einen Hinwc?s auf die Ergebnisse der Berufs¿ählung vom 14. Juni 1895, nach denen die industrielle und die landwirthschaftliche Bevölkerung Deutschlands fich ungefähr die Wagschale halten, die Gefammtziffer der agrarishen Bevölkerung zwar eine etwas geringere als die der industriellen (18,5 gegen 20,2 Millionen), die Zahl der Erwerbsthätigen aber nahezu die gleiche ist (8,292 gegen 8,281 Millionen) und dabei die Landwirthschaft 1,049 Millionen Grwerbsthätige, die noch einen Nebenberuf ausübten, die Industrie dagegen 1,491 Millionen zählte, --— folgen zahlen- mäßige Erörterungen des Getreidekonsums im Deutschen Reiche, der im Durchschnitt der Jahre 1879/84 315,8 kg, in den vier Jahren 1894/97 dagegen 382,5 kg auf den Kopf der Bevölkerung betrug, des Einfuhrbedarfs an Lebensmitteln und Rohstoffen sowie des gesammten auêwärtigen Handels des Reiches. Dabei sind drei Gruppen von Ländern unterschieden, mit denen Deutschland im Waarenauêtausch steht: diejentgen, aus denen vorwiegend Nahrungs- und Genußmittel sowie Rohstoffe eingeführt werden (Rußland, Vereinigte Staaten von Amerika, Australien, Britisch - Ost- indien, British - Nordamerika, Kapland, Brasilien, Argentinien, Niederländish - Ostindien), die vorwiegend Industriegegenftände und Halbfabrikate liefernden Staaten (Großbritannien, Frank- rei, Belgien, Niederlande, Schweiz) und die Länder mit gemishtem Waarenumsaß (Oesterreich, Jtalien). Für das Triennium 1893/95 berechnet der Verfasser an der Hand der amt- lichen Reithsstatistik, daß der Handelsum mit den Nahrungsf\taaten t den Industriestaaten auf 8,4 und der Waarenaustausch mit Oesterrei und Italien auf 3,6 Milliarden Mark belief. Weiter stellt er fest, daß die gesammte Ausfuhr Deutschlands an Fabrikaten in den Jahren 1894/96 allerdings 2694 Millionen “Mark im Mittel betrug, daß dieser Gefammtausfuhr jedoch eine Einfuhr von 1308 Millionen

{ Mark an Fabrikaten, Metallen und einfach bearbeiteten Gegenständen gegenüberstand, die gesammte Mehrausfuhr von Industrie-Erzeugnissen einshließlich der Rohstoffe si daher nur auf 1330 Mill. Mark im jährlichen Durchsthnitt belief, daß dieselbe nur eine Werthvermehrung von ca. 1000 Mill. Mark bedeutet, daß zur Deckung des Betrages der Mehreinfuhr an fremden Rohstoffen und Nahrungsmitteln (2159,6 Mill. Mark im Durchschnitt der drei Jahre) die von der deutshen Industrie erzeugten Werthe nur zu etwa 57 9% ausreiten und der Rest von im Auslande angelegten Kapitalien, Nhederel- und Handelsgewinn sowie zu etna 5 bis 6 % aus der heimishcn Landwirthschaft (Zuckerrüben) ge- deckt werden mußte. Die Zahl der vom gesammten Export beschäftigten Industriearbeiter berechnet Ballod nah der Statistik der Unfallverficherung auf ca. 2 Milliones, | aller in der deutschen Industrie Erwerbsthätigen, und die Zahl der für die Mehraus fuhr thätigen Arbeiter auf nur etwa 1 Million, F3—1/6 der deutschen Inbustriearbeiter. „So wichtig daher“, folgert der Verfasser aus den vorstehenden Zahlen, „auch der Export ins Ausland is, eine aus- slaggebende Bedeutung besißt der Mehrexport von industriellen Er- ¡ zeugnissen keineswegs, und es is fraglih, ob er sie je besißen wird." Er müsse an Bedeutung verlieren, je mehr \ih die vorwiegend Nahrungs- und Genußmittel liefernden Länder der Industrie zuwendeten. Nach den Nahrungss\taaten habe Deutschland 1892/95 im Mittel für 808 Millionen Mark weniger Waaren aus- geführt, als es voa ihnen embvfangen habe. Die Befürchtung aber, eine fortschreitende industrielle Entwickelung dieser Staaten könnte es {ließli dazu bringen, daß sie ihre Schulden abstoßen und bei ers hevlicher Zunahme ihrer Bevölkerung keine Nahrungsmiitel mehr ausführen oder fol@e nur zu exorbitanten Preisen liefern, sei durhaus nicht unbegründet, wenn auch für die nä&sten Jahrzehnte ein solches Zurück fließen der Kapitalien aus den Nahrungsstaaten no keine akute Frage sei. Ballod siebt für Deutschland nur zwei Wege, auf denen dieser Gefahr vorgebeugt werden könne: Schließung eines Zollbundes mit den in r gemäßigten Zone gelegenen Ländern Süd-Amerikas oder Hebung ‘der inländishen Nahrungsmittel-Produktion, damit sie wieder in stärkerem Maße für die einheimische Bevölkerung ausreiche.

_Durch eingehende Berehnung suht dann Ballod annäherungs- weise festzustellen, welhe Weithe die deutshe Industrie, welche die Landwirthschaft hervorbrinct und in welhem Grade eine jede durch die Einfuhrzölle subventioniert wizd. Den Gesaumtwerth der land- wirthschaftlichen Produkte, soweit dieselben für menschliche Ernährung in Betracht kommen, berechnet ex an der Hand des vorhandenen statistishen Materials für das Triennium 1894/95—1896/97, wie folgt : Brotgetreide und Braugerste im jährlichen Durchschnitt 1350 Mil- lionen Mark, Kartoffeln 350, Kartoffeln und Getreide zur Brennerei 85, Zuckerrüben 240, Fleisch 1800, Mil und Milchprodukte 1600, Produkte des Gartenbaus 350, insgesammt 5775 Millionen Mark. Den Werth der Wolle von den 13 Millionen Schäfen {äßt er auf 40—50 Millionen Mark, den der Handelsgewächse Hanf, Flachs, Raps, Rübsen auf 170 Millionen Mark und den Ertrag der deutschen Forsten auf 500— 550 Millionen Mark. Land- und Forst- wirthschaft zusammen würden demnach im Mittel der drei Jahre ca. 6500 Millionen Mark an Werthen erzeugt haben, von denen Produkte für mindestens rund vier Milliarden Mark von der land- wicthschastlißhen an die übrige Bevölkerung verkauft. worden sein wüßten. Die Werthsteigerung, bezw. der Verdienst von Müllern, Bädern, Zwischenhänblern von Mehl und Fleishern betrug nah Ballod ca. 1300 Millionen Mark, also mehr, als der oben erwähnte gesammte Mekbrexport eingebracht hat. An Bier wurden in Deutschland 1895/96 ca. 60,6 Mill. Hektoliter im Werthe von etwa 970 Mill. Mark er- ¿eugt, von dem ca. 300 Mill. Mark die Nohbstoffe und Steuern ab- sorbierten, an Branntwein 2,8 Mill. Hektoliter absoluten Alkohols im Werthe von 220 bis 240 Mill. Mark inkl. Steuern, Zucker im Werthe von etwa 300 Mill. Mark nah Abzug der Steuer. Unter Hinzurehnuxg der aus dem Auslande eingeführten Nahrungsmittel im Betrage von einer Millarde Mark und der von der landwirth- \{aftlihen Bevölkerung selbst verzehrten Lebensmittel (27 Milliarden Mark) würde demnach der Gesammtwerth der Nahrungsmittel im jähr- liea Durhschnitt 9,5 Millarden Mark betragen, wovon 8,5 Ytilliarden auf einheimis@e Produkte entfielen. Hierzu käme noch der Auffchla der Detailhändler und Gastwirthschaften in Höhe von 1 Milliarde Mark. Den Gesammtwerth der industriellen Erzcugnisse berechnet Ballod auf 10—11 Milliarden Mark im Mittel; bringt man aber davon die auf die Nahrungsmittelindustrie entfallenden ca. 2,5 Milliarden Mark in Abzug, so verbleidven als Werth der sonstigen industriellen Erzeugnisse nur 7,9—8,5 Milliarden Mark. Somit ergiebt fh als Endresultat, daß einem Nahrungsmittelwerth von 9,5 (mit Eiashluß der importierten Produkte) bezw. 8,5 Milliarden Mark (ohne die ein- geführten Nahrungsmittel) ein Gesammtwerth der sonstigen industriellen Erzeugnisse von 75—85 Milliarden Mark gegenübersteht. „Alles in allem genommen, wird daher“, glaubt der Verfasser be- haupten zu können, „gegenwärtig die einheimische Landwirthschaft plus Nahrunysmittelindustrie mindestens dieselben Werthe hervorbringen wie diè gesammte übrige Industrie und dabei von einer ftärkeren Begünstigung der Landwirthschaft durch Schußzölle keine Rede sein können, eher umgekehrt.“

Nach dieser Abwägung der Leistungen der Industrie und der Landwirths{cha\t in Deuts{land geht Ballod zur Erörterung der Frage über, wie die Massen der anwahsenden Bevölkerung unterzubringen seien. Er beantwortet dieselbe dahin: soweit die Erwerbung von Ackerbaukolonien, in denen Deutschland einen Theil tes Ueberschusses seiner Bevölkerung absehen und dabei seinen Industrieexport erweitern könnte, oder cin Zollbund mit Nahrungsstaaten nicht zu erlangen sei, bleibe für das Reich nur die „Pflege des inneren Marktes* übrig, der Versuch, dur Hebung der Kaufkraft der landwirthschaftlihen Be- völkerung den Aureiz zu einer Mehrproduktion von Lebensmitteln zu geben. Die exste Bedingung dieser Pflege des inneren Marktes seten die landwirthschaftliten Schußtzölle, „In Deutschland ist heute und wohl so lange, als die Schutzölle niht ecrniedrigt werden, cine Steigerung der Ecträge der Landwirthschaft um das Doppelte nicht nux technisch, sondern auch wirthschaftlich möglih; wahrscheinlich ift eine schnelle Steigerung jedoch nur dann, wenn dafür ein ganz be- deutender Anreiz dur hohe Preise gegeben worden wäre, mit anderen Worten, wenn die Gewinnhance in der Landwirth» schaft wéênigstens für das Betriebskapital die gleihe wäre wie in der Jnduftrie*" Noch viel wichtiger aber als die Hebung der Preise für landwirthschafilihe Produkte sei die innere Kolonifation, und zwar eine Kolonisation im großen Stil, die zu einer Berdichtung der landwirthschaftlichen Bevölkerung führe. Schon Sch{moller hat den Plan einer verstärkten inneren Kolonisation, Ueber- nahme eines Theils der vershuldeten, wirths{chaftlich rückständigen Güter entwickelt. Ballod befürwortet indeß ein Vorgehen in noch umfassenderem Maße; es fei erwünscht, daß 20—30000 Kleinbetriebe jährlich neu gegründet würden. Den Kapitalaufwand des Staats, den dieses Werk beanspruhen würde, {äßt er auf 5 Milliarden Mark. „Dafür hätte man aber die Möglichkeit, ein volles Menschenalter hindur erfolgreich innere Kolonisation zu treiben, eine Verdichtung der landwirthschaftlißhen Bevölkerung um etwa F Million Klein- betriebe und damit Mehrabsay der Industrie im Julande zu fördern.“

Zur Arbeiterbewegung.

Aus Osnabrück meldet „W. T. B,“: Der Bishof von Osnabrück hat an den. Georgs-Marieñ-Bergwerks- und Hütten-Verein ein Schreiben gerihtet, in welhem er nunmehr die am 27, November v. J. ertheilte Erlaubniß zur Arbeit an den Sonntagen mit dem Bemerken zurückzicht, daß er diese Maßregel ergreife, weil die betreffenden Pfarrgeistlihen ihr früher abgegebenes Amen nunmehr als unrichtig bezeihnet und zurückgenommen ätten.

Aus Hohenlimburg in Westfalen wird der „Rhein.-Westf. Stg.” geschrieben, daß auf dem dortigen Gisenwerk der Firma

eber u. Giese amj 31. Mai ein Ausstand wegen Lohnftreits aus-

gebrochen ist. Zu dem Ausftand haben 23 andere Firmen des Ortes

in etner Erklärung an ihre Arbeiter Stellung genommen, in welcher sle die Einmischung des Fndustriearbeiter-Vereins in die Beziehungen zwishen den Arbeitgebern und ihren Arbeitern beklager und darauf hinweisen, daß sie mit der Firma Weber u. Giese in der Zurück- weisung folher Einmishung des Jndustriearbeiter-Wereins einig find.

Kunft und Wissenschaft.

Mey Brot der Jnternationalen aëronautischen Kom- mission, Professor Dr. Hergesell in Straßburg ersucht uns um Aufnahme folgender Mittheilung:

„Am 8. Zuni, in den Vormittagsstunden, findet eine wissenshaftlihe internationale Ballonfahrt statt behufs Erforshung höherer Luftschichten der freien Atmosphäre. Es werden voraussichtlih aufsteigen:

Ballons:

Ballons : | bemannte unbemannte bemannte unbemannte St. Peters-

Berlin 4 1 Brüssel J —— bur 1 1 München 1 bzw. 2 L Straßburg 2 1 Paris 1 2 Wien 2 bzw. 83 L

Der Finder eines unbemannten Ballons erhält eine be- stimmte Belohnung in Geld, wenn er den Ballon den diesem beigegebenen Weisungen gemäß behandelt und den Meteor 0- logie Landesdienst für Elsaß-Lothringen in cat f i. E. telegraphisch von dem Auffinden benach- richtigt.“

Für die „Renaissance-Ausstellung“ im Akademiegebäude ist jeßt auch der lang erwartete Katalog ershienen. Der Umfang (150 Drufseiten) und die übersihtlihe Darstellung der ausgestellten reichen Schätze dürften das verspätete Erscheinen entshuldigen. Der Katalog wird eingeleitet durch ein Verzeichniß der Aussteller, an deren Spige Seine Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich stehen. Dann folgt ein Verzeichniß der fünfzehn Abtheilungen und \chließlich die Angabe dec einzelnen Ausftellungsobjekte, in circa taufend Nummern nah obigen Gruppen geordnet. Der Katalog wird nicht nur dem Besucher ein willklommener Führer, fondern au dem Kunstfreund ein bleibend werthvoller Beitrag für feine Studien sein.

Bauwesen.

Am 23. Mai is in Christiania der namhafte norwegische Architekt Holm Munthe im 51. Lebensjahre einer unheilbaren Krankheit erlegen. Der Verstorbene, der ih in den siebziger Jahren zu feiner baukünstlerishen Ausbildung längere Zeit in Deutschland auf- gehalten hat und neben seiner Baupraxis in Christiania auch als Lehrer im architektonishen Zeichnen thätig gewesen i}, war, wie das „Centralbl. d. Bauyverw.“ mittheilt, einer der eifrigsten Vertreter jener Richtung, welhe die überlieferte heimishe Holzbauweise auf die neuzeitlien Verhältnisse zu über- tragen bemüht ift. Zu seinen hervorragendsten Werken in Norwegen gehören das Touristen - Hotel auf dem Holmenkollen im Nordwesten Christianias, das Restaurant und Sporthaus auf dem unweit davon liegenden Frognersaeteren und die Gastwirthshaft auf dem der ge- nannten Stadt näher gelegenen Aussihtspunkt St. Hanshaugen. In Deutschland is Munihe namentlih bekannt geworden durch die ihm von Seiner Majestät dem Kaiser und König übertragene Erbauung des Jagdschlofses Rominten und der Matrosenstation am Jungfernsee bei Potsdam. Eine Frucht s{rift\tellerischer Thätigkeit, zu der er [is mit L. Dietrichson verbunden hatte, ist das in Berlin (1893) er- hienezne Werk „Die Holzbaukunst Norwegens in Vergangenheit und Gegenwart“ : eine Veröffentlihung, mit der er in Deutschland viel für feine gesunde Richtung gewirkt hat und die ebenso wie seine Bau- ausführungen seinem Namen dauernd einen guten Klang sichern wird.

Verdingungen im Auslande.

Spanien.

6. Juli, 2 Uhr. Fábrica Nacional de la Moneda y Timbre in Madrid: Lieferung von Gummi arabicum zur Her- stellung von Stempelpapiec während der Jahre 1898/99 bis 1900/01 (mindestens 22 500 kg). Bedingungen und Muster bei ter Administration der Königlihen Münze in Madrid täglih von 11 bis 4 Uhr zur Einsicht. Angebotsformular in spanischer Sprache beim „Reichs-Anzeiger. *

Belgien.

13. Juni, 11 Uhr. Bank für die Prüfung von Feuerwaffen zu Lüttich, Rue Navette 22, Lieferung von: 1) 9—12 000 kg s{chwarzes Tagspulver 1. Kategorie, 2) 12—15 000.kg \{chwarzes Tagspulver 2. Kategorie, 3) 1000—1500 kg \{chwarzes Tagspulver extrafein 3. Kategorie, 4) 12—15 000 kg Sprengpulver, 5) a. Patronen für den Gebrauchß des Etablissements während eines Jahres, b. fcharfe Patronen verschiedenen Kalibecs für ;- Revolver und Kriegswaffen jeden Systems, c. Patronenhülsen ‘von Pappe für Jagdgewehre jeden Kalibers. Die näheren Bedingungen a im O der Bank erhältlih. Die Offerten sind ge|{chlossen ein- zusenden.

Verkehrs-Anstalten.

__ Nürnberg, 3. Juni. (W. T. B.) Der dritte deuts ch- österreihisch-ungarishe Binnenschiffahrts - Verbands- tag wurde heute mit einem Hoh auf den hohen Protektor, Seine Königliche Hoheit den Prinzen Ludwig von Bayern, geschlossen. Der vierte Verbandstag wird im September nächsten Jahres in Budapest stattfinden.

Oldenburg, 3. Juni. (W. T. B.) Eine Versammlung von Vertretern des Handels und Gewerbes sowie interessierter städtischer und ländliher Behörden von Oldenburg und Oftfriesland gründete heute hier einen Nordwestdeutshen Kanalverein. Der Zweck des Vereins is Vorarbeit und Agitation für den Ausbau des Hunte- Ems-Kanals, als einer mit dem Dortmund-Ems-Kanal zwischen ÜUnter- ems und Unterweser gleihwerthigen Wasserstraße.

Bremen, 3. Juni. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. Dampfer „Alle r", v. New Yo:k kommend, 2. Juni Vin. Genua angek. „Stuttgart“ 2.*Juni v. Fremantle n. Bremen abgeg. „Aachen“ 2. Juni v. Buenos Aires n. Bremen abgeg. „Bremen“, v. Bremen kommend, 1. Juni in New York angek. „Königin Luise“ 2, Juni y. New York n. Bremen abgeg. „Bayern“, n. Dst-Asien best., 2. Juni v. Neapel abgegangen.

4, Juni. (W.T. B.) Dampfer „Karlsruhe“, n. Australien best, 3. Juai Nm. in Colombo angek. „Dresden“, n. Baltimore best, 3. Juni Vim. Dover passiert. „Gera“ 3. Juni v. Australien in Genua angek. „Ems“ 3. Juni Nm. Reise v. Neapel n. New York fortgesetzt.

London, 3. Juni, (W. T. B.) Union-Linie. Dampfer „Gascon“ ist gestern uf der Heimreise von Kapstadt abgegangen.

Castle-Linie. Dampfer „Arundel Castle“ ift heute auf der Ausreise von London abgegangen. D. „Doune Castle" ist heute auf der Heimreise in Plymouth angekommen.

Theater und Musik,

Im Königlichen Opernhause wird morgen Lorßing's komishe Oper „Die beiden Schüßen“ gegeben. Am Montag beginnt die Gesammt - Auffor von Richard Wagners Bühnen-Festspiel „Der Ring des Nibelungen“ mit dem Vorabend: „Das NRheingold“. Die Besepun lautet: Wotan: Herr Bach-

mann; Donner: Herr ôdlinger; Froh: Herr Philipp ;

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