1898 / 134 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

O ded Kreises dur bier Kreis» kommission namens des Kreises dur ür jeden Inhaber gültige, seitens des Gläubigers unkündbare Ver- Hreibung zu einer Darlehns\{chuld von

0.0/0; D . Mh, x : welche an den Kreis baar gezahlt worden und mit dreiundeinhalb Prozent jährli zu verzinsen ist.

Die Nüftablung der ganzen Schuld von 900 000 4 erfolgt na Maßgabe des genehmigten Tilgungsplanes mittels Verloosung der Anleihescheine in den Jahren 1899 bis spätestens 1933 einshließ- [ih aus einem Tilgungéstocke, welher mit wenigstens einundeinhalb Prozent des Kapitals jährlich unter Zuwachs der Zinsen von den getilgten Anleihescheinen gebildet wird. Die Ausloosung geschieht in dem Monat Dezember jeden Jahres. ‘Dem Kreise bleivt jedoch das Recht vorbehalten, den Tilgungsstock zu verstärken oder au sämmt- lihe noch im Umlauf befindlihen Anleibescheine auf einmal zu kündigen. Eine Kündigung sämmtlicher Anleihescheine foll jedoch nicht vor dem 1. Januar 1905 \tat1finden. Die dur die verstärkte Tilgung ersparten Zinsen wachsen ebenfalls dem Tilgungsstocke zu.

Die ausgeloosten sowie die gekündigten Anlethescheine werden unter Bezeichnung ihrer Buchstaben, Nummern und Beträge, sorote des Termins, an welchem die Rückzahlung erfolgen foll, öffentlich bekannt gemacht. Dieje Bekanntmachung erfolgt sechs und drei Monate vor dem Zablungstermin in dem „Deutschen Reichs- und Preufti- schen Staats-Anzeiger“, dem AmtsHlatt der Königlichen Regierung zu Schleswig, dem Haderslebener Kreisblatt und der Flenvburger Norddeutschen Zeitung. Wird die Tilgung der Schuld durh Ankauf von Anleihescheinen bewirkt, so ist dieses unter Angabe des Betrages der angekauften Anleihescheine alsbald nah dem Ankauf in gleicher Weise bekanrt zu machen. Geht eines der vorbezeichneten Blätter ein, so wird an dessen Statt von der Kreisvertretung mit Genehmigung des Königlichen NRegierungs-Präsidenten zu Szleswig ein anderes Blatt bestimmt.

Bis zu dem Tage, an welchem das Kapital zu entrilten ift, wird es in halbjährlihen Terminen, am 1. Dezember und 1. Juni, von heute an gerechnet, mit dreiundetnhalb Prozent jährlih verzinst.

Die Auszahlung der Zinsen und des Kapitals erfolgt gegen bloße Rückgabe der fällig gewordenen Zinsscheine beziehungsweise dieses An- Teibescheins bei der Kreis-Kommunalkasse zu Hadersleben, sowie bei der Commerz- und Diéêconto-Bank in Hamburg un» deren Niederlafsungen, und zwar au in der nah dem Eintritt des Fälligkeitstermins folgenden Zeit. Mit dem zur Empfangnahme des Kapitals eingercilten An- Teihescheine sind auch die dazu gehörigen Zinsscheine der späteren mil zurückzuliefern, Für die fehlenden Zinsscheine wird der Betrag vom Kapital abgezogen. Die gekündigten Kapitalbeträge, welche innerhalb dreißig Jahren nah dem Nückzahlungstermine nicht erhoben weiden, sowie die innerhalb vier Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres, in welchem sie fällig geworden, nicht erhobenen Zinsen verjähren zu Gunsten des Kreiscs. Das Aufgebot und die Kraftlos- erklärung verlorener oder vernihteter Anleihescheine erfolgt nach Vorschrift der §8 838 ff. der Zivilprozeßordnung für das Deutsche Reich vom 30. Januar 1877 (Reichs-Gesetblatt S. 83) beziehungsweise nah § 20 des Rusführungsgeseßes zur Deutschen Zivilprozeßordnung vom 24. März 1879 (Geseß-Samml. S. 281).

Zinsscheine können weder aufgebcten noch für kraftlos erklärt werden. Doch soll demjenigen, welcher den Verlust von Zinsscheinen vor Ablauf der vierjährigen Verjährungsfrist bei der Kreisverwaltung anmeldet und den stattgehabten Besiß der Zinsscheine durch Vor- zeigung des Anleihescheins oder sont in glaubhafter Weise darthut, nah Ablauf der Verjährungsfrist der Betrag der angemeldeten und bis dahin nit vorgekommenen Zinsscheine gegen Quittung ausgezahlt

werden.

Mit diesem Anleihescheine sind halbjährige Zinsscheine bis Ende Mai 1908 ausgegeben; die ferneren Zins\heine werden für zehnjährige Zeiträume ausgegeben werden. Die Ausgabe etner neuen Reihe von Zinsscheinen erfolgt bei der Kreis-Kommunalkasse in Hadersleben, fowie bei der Commerz- und Diéconto-Bank in Ham- burg und deren Niederlassungen gegen Ablieferung der der älteren Zinéfcheinreihe beigedrudtten Anweisung. Beim Verluste der An- weisung erfolgt die Aushändigung der neuen Zins\cheinreihe an den Inhaber des Anleibescheins, sofern dessen Vorzeigung rechtzeitig ge- \chehen ift.

Zur Sicherung der hierdurch eingegangenen Verpflichtungen haftet der Kreis mit seinem Vermögen und mit seiner Steuerkraft.

Dessen zur Urkunde haben wir diefe Ausfertigung unter unserer Unter|\chrift ertheilt.

Hadersleben, den 1. Juni 1898.

Die Kreis - Eisenbahnkommission. Der Vorsitende.

Königlicher Landrath.

Anmerkung. Die Anleihesheine sind außer mit den Unter- {chriften des Landraths und zweier Mitglieder der Kreis-Eisenbahn- kommission mit dem Siegel des Landraths zu versehen.

ProvinzSchleswig-Holstein. Regierungsbezirk Schleswig.

Zinsschein I. Neihe

zu dem Anleihescheine des Kreises Hadersleben,

VI; Ausaabe, Bucbstäbë (5 Nr ss

Über . . . . Reichsmark zu dreiundeinhalb Prozent Zinsen über

E AUE s D

Der Jnhaber dieses Zins\cheins emp}sängt gegen dessen Rückgabe in der Zeir vom ab die Zinsen des vorvenannten Anleihe- scheins für das nta vom . ten bis . . ten

bei der Kreis: Kommunalkasse zu Hadersleben oder bei der Commerz- und Disconto-Bank in Hamburg oder derea Niederlassungen. Hadersleben, den 1. Juni 1898. Die Kreis-Eisenbahnkommission. Der Vorsitzende.

Königlicher Landrath. :

Dieser Zinsschein ist ungültig, wenn dessen Geldbetrag nicht * innerhalb viec Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres der Fälligkeit erhoben wird.

Anmerkung. Die Namensunterschriften des Landraths und der Mitglieder der Kreis-Eisenbahnkemmission können mit Lettern oder Faksimilestempeln gedruckt werden, doch muß jeder Zinsschein mit der eigenhändigen Unterschrift eines Kontrolbeamten versehen werden.

ProvinzSchleswig-Holstein. Regierungsbezirk Shleswig.

Anweisung zu dem Anleihescheine des Kreises HaderKtleben, VI. Ausgabe, Buchstabe . . ., Nr. . ., über... M

Der Inhaber dieser Anweisung empfängt gegen deren Rückgabe zu dem obigen Anleihescheine die . . , Reibe von Zinsscheinen für die zehn Jahre vom . . . Juni . .. . bis Ende Mai . . .. bei der Kreis-Kommuvnalkasse zu Hadersleben oder bei- der Commerz- und Diéconto-Bank in Hamburg oder deren Niederlafsungen, sofern niht rehtzeitig von dem als folhen sich ausweisenden Inhaber des An- Leihescheins dagegen Widerspruch erhoben wird.

Hadersleben, den e

Die Kreis-Eisenbahnkommission, Der Versißende.

Königlicher Landrath. Anmerkung. Die Namensunterschrift¿n der Mitglieder der Kreis-Gisenbahnkommission können mit Lettern oder Fatsimilestempeln

Kreises durch diefe

As t

Die Anweisung ist zum 1 fersdlebs auf ber anzen Blattbreite unter den beiden e Binsiheinen mit davon abiveienben Lettern in natstehender Art abzudruden :

. „ter Zinsf{ein. | „ter Zinsschein.

Anweisung.

Ministerium der geistlihen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten.

Der Regierungs- und Schulrath Karl Oeltjen ist der Negierung zu Marienwerder überwiesen worden.

Der bisherige Privatdozent in der medizinischen Fakultät der Universität Bonn, Professor Dr. Walter Kruse ist zum Ae Professor in derselben Fakultät ernannt worden.

Zictamfkliches. Deutsches Neich. Preußen. Berlin, 9. Juni.

Seine Majestät der Kaiser und König empfingen, wie aus Potsdam gemeldet wird, vorgestern Nachmittag den Staatssekretär des Reichs - Postamts von Podbielski zum Vortrage und gestern Nachmittag den Besuch Seiner König- lichen Hoheit des Herzogs von Sachsen-Coburg und Gotha.

Heute Vormittag nahmen Seine Majestät im Marmor- Palais bei Potsdam die Vorträge des Chefs des Militär- kabinets, Generals von Hahnke und des Chefs des Zivil- kabinets, Wirklichen Geheimen Raths Dr. von Lucanus ent- gegen.

Seitens der Reichsbehörden sind die geeigneten An- ordnungen getroffen, daß kein NReichsbeamter durch seine dienstlihen Oblicgenheiten gehindert wird, bei den bevor- stehenden Reichstagéwahlen von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Laut telegraphisher Meldung an das Ober - Kommando der Marine ist S. M. S. „Schwalbe“, Kommandant Kor- vetten-Kapitain Hoepner, am 7. Juni in Sansibar an- gekomnien.

Bayern.

Der Landtag, dessen Session am 28. September v. J. begonnen hat, ist gestern durch Allerhöchste Botschaft bis auf weiteres vertagt worden.

Oesterreich-Ungarn.

Der öfsterreichishe Minister - Präsident Graf Thun be- absihtigt, nah einer Meldung des „W. T. B.“ aus Wien, wenn das Abgeordnetenhaus am Dienstag wieder zusammen- tritt, die Juierpellation über die Grazer Voraänge zu be- antworten und dahin zu wirken, daß die Sprachendebatte be- endet und der Sprachenausshuß eingeseßt werde.

Im ungarischen Magqnatenhause beantwortete gestern der Ackerbau-Minister Dr. Darányi die Jnterpellation des Barons Vecsey über die sozialistishe Agitation. Der Minister konstaticrte, daß die Entnahme von Arbeiterlegitimationen seitens der Feldarbeiter im Großcn und Ganzen glatt verlaufe und auch durch die von dem Besiß der Legitimation abhängigen Eisenbahnvergünstigungen der Arbeiter vortheilhaft gefördert werde. Ernteverträge würden noch immer im ganzen Lande abgeschlossen. Nur ausnahmsweise sci das Ackerbau - Ministerium um Aushilfsarbeiter angegangen worden. Der Minister bemerkte, daß er jede Nachfrage nach Arbeitern befriedigen könne. Die Einhaltung der Ernte- verträge seitens der Arbeiter sei geseßlih gesichert: er wolle edoch auch die Grundbesiyer darauf aufmerksam machen, daß fie ihrerseits gleichfalls dem Gesey zu genügen hätten. Der Minister theilte ferner mit, daß auch Arbeiter sih an die Re- gierung gewandt hätten, um Arbeit zu erhalten, und daß sie Uber 40 000 Arbeiter verfüge. Er glaube" nicht, daß größere Komplikationen eintretcn würden. Die Re- gierung wcrde allen Möglichkeiten gegenüber mit größter Entschiedenheit vorgehen. Das Haus nahm die Antwo1t dcs Ministers zur Kenntniß. Hierauf folgte die Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die landwirthschaftlichen Kreditgenossen- schaften, welcher angenommen wurde.

Nach dem Ausweis der Staatskassen für das erste Quartal d. J. betrugen, wie „W. T. B.“ berichtet, die Gesamnmteinnahmen 114,18 Millionen Gulden, gegen das Vorjahr 1,1 Million mehr, die Gesammtausgaben 143,6 Mil- lionen oder 9,4 Millionen mehr als im Vorjahre. Die Bilanz des 1. Quartals ist somit um 8,2 Millionen ungünstiger als 1897. Die direkte Steuer ergiebt eincn Ausfall von 1,3 Million Gulden ; die Übrigen Einnahmezweiae zeigen ebenfalls kleinere Minder- einnahmen. Wesentliche Mehrausgaben weisen die gemein- samen Ausgaben auf, nänlich 4 Millionen; die Mchraus- gaben bei den Tabackgefällen betrugen 16 Million. Die IJnvestitionen der Staatebahnen, welche gesondert aufgeführt werden, erforderten eine Mehrausgabe von 1,5 Million Gulden.

Fraukreich,

Bei dem deutschen Boischafter Grafen zu Münster fand, wie „W. T. B.“ aus Paris meldet, gest.rn Abénd ein Diner slatt, an welhem der Prinz und die E gei nrich VII. Reuß 1. L., der in Paris eingetroffene deutsche eichskanzler Fürst zu Hohenlohe, der Minister des en Mi Hanotaux und einige Herren der Botschaft theil- nahmen.

Die der Regierung nahbestehenden Blätter theilen mit, daß der Minister-Präsident Méline gelegentlich einer Jnter- pellation über die allgemeine Politik der Regierung erklären

gedruckt werden, doch muß jede Anweisung mit der eigenhändigen Namensunterschrift eines Kontrolbeamten versehen werden,

| das Kabinet auf breilerer Basis neu bilden. Alle Mini hätten zu diesem Zwecke Méli ; :peinister Verfüg n ae 8 Méline bercits ihre Portefeuilles zur

‘Rußland.

Der „Russishe Jnvolide“ veröffentliht ein Neskri des Kaisers, welches anläßlih der Verleibune t Brillanten geschmücktcn Porträts Allerhöchstdesselben und anderer werthvoller Geschenke an den Emir von Buchara ergangen ist. Jn kem Reskript wird, wie „W. T. Y aus St. Petersburg berichtet, anerkannt, daß der Emir während seiner zwölfjährigen Regierung Rußland gegen- über unentwegt aufrihtige Ergebenheit bewahrt, unermüdlih für das Wohl seiner Unterthanen thätig gewesen und mit allen Mitteln eine gute und schnelle Erledigung vieler An- gelegenheiten, die mit den Jnteressen der benachbarten russisch- bucharischen Gebiete eng verknüpft gewesen seien, gefördert habe. Dann heißt es u. a. weiter: Der Kaiser halte eg nachdem er es für gut befunden habe, die russishen Be- sißungen in Zentral-Asien unter der Leitung einer Person zu vereinigen, für eine angenehme Pflicht, dem Chan gegenüber die Ueberzeugung auszusprechen, daß die zwishen Nußland und dem von ihm zu beschüßenden bucharishen Chanat hbe- stehenden Bezichungen auch in Zukunft sich nicht ändern und in keiner Weise verleßt werden.

Jtalien.

Die Deputirtenkammer wird, der „Opinione“ zufolge am 15. oder 16. d. M. wieder zusammentreten. Die Vor: lagen, welche die Regierung der Kammer werde zugehen laßen beiräfen 1) die nachträglihe - Genehmigung der außer: ordentlihen Maßrcgeln, welche infolge der leßten Ruhe- störungen ergriffen wurden; 2) die Ausfüllung der in einigen Geseßen, namentlich in denen über die Vereine, die Presse und die administrativen Wahlen, vor- handenen Lücken, um die Ursachen der unheilvollen Propaganda zu beseitigen; 3) die Ergreifung wirthschaftliher Maß- regeln, namentlih Wohlfahrtseinrihtungen, um für das zu sorgen, was von den Wünschen. der Unzufriedenen ctwa bercchtigt sein könnte; 4) den Budgetvoranschlag mit einer Ergänzung, welche durch die mit dem Budget znsammen- hängenden finanziellen Fragen nothwendig geworden sei. Die „Opinione“ fügt hinzu: der Budgcetvoranshlag werde un- mittelbar nah der Debatte über die Mittheilungen der Negie- rung vorgelegt werden. i

Spanien.

__ Der Kriegs- und der Marine-Minister begaben sich, einer Meldung des „W. T. B.“ aus Madrid zufolge, gestern in - das Schloß und hatten eine Audienz bei der Königin Regentin. ;

_Wie die „Agencia Fabra“ mittheilt, legte der Kriegs- Minister dem Minister-Präsidenten Sagasta folgende, am 3. d. M. aus Manila abgesandte Depesche des General Gouverneurs der Philippinen vor: „Die Lage ist schr ernst. Aguinaldo ist es gelungen, die Bevölkerung des Landes zum Ausstande zu bringen. Da die Eisenbahn- und die Telegraphealinien abgeschnitten sind, bin ih ohne Verbindung mit allen Provinzen. Die Einwohner der Provinz Cavite haben sich in Masse erhoben. Städte und Dörfer werden beschossen und von zahlreichen bewaffneten Banden beseyt. Eine Truppenabiheilung vertheidigt die Linie von Zapote, um èas Eindringen des Feindes in die Provinz Manila zu verhindern; da der Feind aber auchz über Bulacan Laguna und Moron vordringt, wird die Hauptstadt von der See- und der Landseite her ecingeshlossen und angegriffen werden. Jch suche den Geist der Bevölkerung zu heben und werde alle Mittel des Widerstandes erschöpfen, mißtraue aber den Eingeborenen und den Freiwilligen; denn zahlreiche D. sertionen sind bereits vorgekommen. Bacolor und Jmus sind schon in der Gewalt des Feindes. Der Aufstand ist mächtig, und wenn ih nicht mit der Unterstüßung des Landes rechnen kann, werden die zu meiner Vcrsügung stehenden Streitkräfte niht genügen, zwei Feinden die Stirn zu bieten.“ Nach cincr Meldung des „W. T. B.“ vom heutiaen Tage geht in Madrid sogar das Gerücht, die Garnison von Manila habe kapituliert ; sie habe sich licber den Amcri fanern ergeben wollen, als sich von den Aufständischen h:n- morden zu lafsen. Angesichts dieser Ereignisse auf den Philippinen traten vor der gestrigen Sißung der Deputirtenkammer die Führer der Minoritätsparteien zusammen. Der Minister - Präsident Sagasta forderte sie auf, im Hinblick auf den Ernst der Lage sofort das Budget zu bewilligen und der Permanenzerklärung der Kammer zuzustimmen. Salmeron, Nomero RNobledo und Barrio lehnten biese Forderung des Minister - Präsi denten ab. Bei Eröffnung der Sißung der Deputirtenkammer drängten, wie „W. T. B.“ berichtet, Deputirte und Senatoren in den Saal; alle Minister waren zur Stelle. Der Minitter- Präsident Sagasta gab eine Erklärung ab, in der es heißt: das spanishe Volk müsse die s{chlechten Nachrichten männlich und gefaßt aufnehmen. Die Regierung habe nach der Nieder- lage von Cavite drei Telegramme aus Manila erhalten: in dem ersten habe der General:Gouverneur nah der Vernich- tung der spanischen Flotte berichtet, er sei im Besiße genügen- der Vertheidigungsmittel und rehne auf die Unterstüßung der eingeborenen Bevölkerung; in dem zweiten melde der General- gouv-rneur, Aguinaldo gelinge es nicht, die Bevöikerung zur Erhebung zu bringen; die dritte Depesche sei die am Diens- tag eingegangene. Silvela und Romero Robledo boten der Negierung ihre Unterstüßung an. Romero Robledo be- shuldigte das Kabinet der Unthätigkeit und sagte, man habe 39 Tage ver streichen lassen, ohne cinen Entschluß zu fassen; Redner prote stierte dagegen, daß eventuell aae conaaite Friede geschlossen werde. Mella tadelte das System des Schweigens. Der Minister-Präsident Sagasta erwiderte: die Regierung sei weder für die Ereiznisse auf den Philippinen, noch für den von Cervera eingeschlagenen Weg verantwortlich. Die Regierung habe Schritte gethan, die er niht mittheilen könne, weil es nicht patiiotisch sein würde. Der Carlist Llorenz hatte vorgestern die Regierung über die bei Beginn des Krieges erfolgte Be- \shießung des Schiffes „Alliance“ durch den spanischen Kreuzer „Conde Venadito“ interplliert. Gestern erwidêrte darauf der Minister des Auswärtigen, die Angelegenheit sei von dem vorigen Kabinet entsprechend dem internationalen Recht er- ledigt worden. ¿ex Marine-Minister theilte mit, der Kommandant des „Conde Venadito“, der die „Alliance“ be- schossen habe, sei verseht worden, aber nicht zur Strafe, sondern

werde: er wolle, den Ergebnissen der Wahl Nechnung tragend,

aus dienstlihen Gründen. Jm Senat wurde gestern die Berathung des Budgets fortgeseßt.

Nieverlaude.

Die Erfte Kammer hat, dem „W. T. B.“ zufolge, gestern E, betreffend die Aufnahme einer nleihe für Jndien im Betrage von 55 Millionen, angenommen.

Türkei.

Der Marschall Edhem Pascha trifft nach einer Meldung des „W. T. B.“ heute in Konstantinopel ein.

Schweden und Norwegen.

Der Budgetaus\chuß des Storthings soll, wie „W. T. B.“ aus Christiani a erfährt, beschlossen haben, im Plenum zu besürworten, daß die Apanagen des Königs und des Kron- prinzen wieder auf dieselbe Höhe gebracht würden, die sie vor der im Zahre 1893 erfolgten Herabseßung hatten, nämlich auf 336 000 bezw. 80 000 Kronen.

Amerika.

Der Schaßsekreiär Gage licß, wie dem „W. D. B.“ aus Washington berichtet wird, gestern dem Repräsen- tantenhause eine Mittheiluna zugehen, in welcher er darauf aufmerksam macht, daß 97 Millionen Dollars unge- münzten Goldes im Schage vorhanden seien und die Nothwendigkeit vorliegen dürfte, dieses Gold demnächst in Münze umzuprägen, damit es im Bedarfsfall zur Auszahlung gelangen könne. Jn der Mittheilung wird ferner bekannt gegeben, daß nah vorfichtigen Abschähungen der Merth der in den Monaten Juli und August von Klondyke zu erwartenden Goldeinfuhr fich auf 12 bis 15 Millionen rxs be!aufen werde. :

BoE kite Armee unter dem Kommando des Generals Shafter ging nah ciner Meldung des „Daily Chronicle“ gestern von Tampa ab. Sie ijt 27 000 Mann stark und besteht aus 21 600 Mann Infanterie (16 Regimentern reguärer Truppen, 11 Freiwilligen-Regimentern), 5 Schwa- dronen Kavallerie, 4 Batterien leichter Artillerie, zwei Batterien chwerer Rrtillerie und 1 Bataillon Genietruppen. Die Armee soll am Freitag. oder Sonnabend vor Santiago eintreffen, worauf die Landung sofort versucht werden soll. Diese Meldung wird bestätigt dur) den New Yorker Korrespondenten der „Times“, welcher jedoch hinzufügt, die in 29 Transportschiffen unter- gebrachten TiUppen beständen durhweg aus regulären Truppen.

Sn Ha/( anna eingelaufene Telegramme aus Santiago de Cuba sber das leßte Bombardement besagen, daß die Angriffe t/r Am3zrikaner wiederum zurückgewiesen worden seien. Die in den Batterien angerihteten Beschädigungen seien un|\rhebliech und bereits wieder ausgebc}ert. Die Bai erien häiten das Feuer nicht eingestellt und seien auch jet in der Lage, das feindliche Feuer fliästig zu erwidein. Nach einem amtlichen Telearamm sei von den spanishen L1ndtruppen nur ein Mann gefallen. Fünf Offiziere, unter ihnen Oberst Ocdofiez, seien vérwundct worden. Bei den Seestreiikräften betrügen die Verluste 27 Todte, unter denen sich der zweite Kommandant der „Reina Mercedes“ befinde, und 12 Verwundete, darunter ein Lieutenant zur See. Der Zustand der meisten Ver- wundeten sei nicht bedenklich. a8

Einem in Cap Haitien verbreiteien Gerücht zufolge soll, wie „W. T. B.“ aus New York vom heutigen Tage meldet, am Dienstag früh um 5 Uhr 30 Minuten bci Caimanera auf Cuba eine große Schlacht geschlagen worden sein. Fünf amerikanische Kriegsschiffe hätten ein shwercs Bombardement gegen die dortigen Befestigungswerke begonnen. Es sei ein formlicher Hagel von Geschossen gewesen, der viele Gebäude innerhalb dr Befestigungen zerstört habe. Dic spanische Artillerie habe lebhaft geantwortet und eine Zeit lang Stand gehalten. Das Feuer der Amerikaner habe aber nicht nachgelassen, und die meisten Schüsse derselben seien wirkungsvoll gewesen. Die Spanier scien shlicßlich gezwungen worden, ihre Stellungen am Ufer aufzugeben und sih in die Stadt selbst zurü- zuziehen. Späier seien sie auch von dort mit den Finwohnern gcflohen. Der Kommandeur d:s Distrikts habe befohlen, Caimancra niederzubrennen, bevor es übergeben werden müsse. Die Spanier sollen noch einen Versuch machen, die Amerikaner von der Landung abzuhalten. Nach den leßten Nachrichten habe die Landung gestern versucht werden sollen.

Auf der Eisenbahnlínie zwishen Canas und Alquizar ließen Aufständische gestecn beim Passieren ein Zuges eine Dynamitbombe explodieren. Ein gepanzerter Waggon wurde zertrümmert, sechs Soldaten und ein Passagier wurden getödtet, aht Soldaten und zwei Passagiere verwundet.

Der spanische Dampfer „Benito“ hat die Blokade durch- brochen und ist ohne Zwischenfall in Jamaica angekommen.

Die Einnahmen der Republik Mexiko aus den Ein- und Ausfuhrzöllen betrugen, dem „W. T. B.“ zufolge, im Monat Mai 1898 1 889 000 Doll. gegen 1 915 000 Doll. im April 1898 und 1 782 000 Doll. im Pèai 1897.

Statiftik und Volkswirthschaft.

Ergebnisse der Viehzählung vom 1. Dezember 1897 im Deutschen Reich.

In dem soeben ers ienenen 11. „Vierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reichs“ (1898) sind die ausführliheren Nächweise der am 1. Dezember 1897 in beschränkterem Umfang vorgenommenen Vieh- zählung unter eingehenden tabellarische«n Vergleichen mit den Grgebnissen früherer Viehzählungen veröffentlicht. Danach wurden am 1. Dezember 1897 im Deutichen Neich gezählt : (9098! unter 4 Jahre und 3287504 über 4 Jahre alte Pferde, 2 073246 unter & Jahr alte und 16417526 über è Jahr alte Stûuck Rindvich, 3 037 095 unter 1 Jahr alte und 1719 677 über 1 Jahr alte Schafe und 11639 286 unter 1 Jahr alte und 2 635 271 über 1 Jahr alte S(wmeine. Eine Vergleichung der Ergebnisse mit früheren Zählungen erçiebt, daß sich die Stückzahl der Pferde, des Rindviehs und ter Schweine stetig vermehrt, diejenige der Schafe aber stark vermindert hat.

Die Stückzahl betrug nämlich

für: Pferde Rindvieh um das Jahr 1861 . 3193 711 14 999 194 am 10. Januar 1873 3/352 231 15 776 702 am 10. Januar 1883 3522545 15 786 764 am 1. Dezember 1892 3 836 256 17 555 694 12174 288 13589612 am 1. Dezember 1897 4 038485 18 490 772 14274 557 10 866 772

Die Stückzahl der 1897er Zählung hat si demnach gegen die

von 1892 vermehrt bei Pferden um 5,27, beim Rindvieh um 5,33,

vil Ma TOBUAN um 17,25 9/0, dagegen vermindert bei den Schafen f 0e

Schweine Schafe

6462 572 28 016 769 7124 088 24 999 406 9206 195 19189 715

ih vie Stückzahl des

daß entfielen: - 1 gkkm auf 100 Einwohner 1873 1897 1873 1897 l E O 82 T indvieh . 292 342 38,4 35,4 Schafe. . 462 20,1 60,9 208 Schweine . 132 26,4 174 D780 Die Zunahme der Pferde und des Rindviehs hat also mit der Beyölkerungsvermehrung niht ganz Sritt gehalten ; von Schafen entfallen jeßt auf dieselbe Einwohnerzahl nur ein Drittel so viel als vor 25 Jahren ; bei den betrachteten vier Viehgattungen zeigt sich nur in der Zunahme des Sbweinebestandes eine die Bevölkerungsvermehrung übertreffende Entwickelung.

m Verhältniß Ee zur Bevölkerung des Reichs stellte e ; E au

Die überseeische Auswandekung aus dem Deutschen Reich

über deutshe Häfen, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam belief ih nach den Zusammenstellungen des Kaiserlichen Statistischen Amts in den Monaten Januar bis März 1898 auf 4152 Personen.

Hiervon kamen aus der Provinz Hannover 427, Brandenburg mit Berlin 390, aus Bayern rechts des Rheins 344, der Prooinz Posen 287, Rheinland 251, Schleswig-Holstein 244, Westvreußen 223, aus dem Köntgreih Württemberg 209, dem Königreich Sachsen 204, aus der Provinz Pommern 196, Slesien 156, dem Sroßherzogthum Baden 122, der Provinz Hessen: Nassau 100, Westfalen 78, Sachjen 70, aus der Rheinpfalz 63, der Provinz Ostpreußen 48, dem Großherzogthum Hessen 43, Oldenburg 43, Mecklenburg-Schwerin 30. Der Rest von 624 Personen entfällt auf die übrigen Gebietstheile des Reichs. An der Beförderung dieser Auswanderer sind die deutschen Häfen mit 3404 Personen betheiligt, und zwar gingen über Bremen 1816, Hamburg 1480, Stettin 108. Ueber Antwerpen reisten 655, über Rotterdam und Amsterdam 93. Ueber deutsche Häfen wurden außer den 4152 Deutschen noch 18 975 Auswanderer aus fremden Staaten, und zwar über Bremen 13 569, Hamburg 5197, Stettin 209 be- fördert.

Zur Arbeiterbewegung.

Aus Os3nabrück meldet „W. T. B." : Der Betrieb am Piess berg ift nah einem fast einstimmig gefaßten Beschluß in der General- versammlung des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins sofort in vollem Umfang eingestellt worden. (Damit ist der Ausstand der Bergleute natürlich beendet.) Da auh der Betrieb der Pumpwerke eingestellt wurde, steigt das Wasser im Innern des Berges; der größte Theil der Maschinen ift verloren. Der Vorstand des Georgs - Marien - Hütten - Vereins hat einen Aufruf erlassen, in welhem bekannt gemaht wird, doß die treugebliebenen Arbeiter wieder Beschäftigung finden sollen, Die Rube ist nirgends gestört.

Aus Bielefeld wird der „Rhein -Westf. Ztg.“ berichtet: Der

Verein Bielefelder Fabrikarten hat sich mit dem Ausstand der Sc(leifer bei der Bielefelder Nähmaschinen- und Fahrradfabrik N.-G. vorm. Hengstenberg u. Co. beschäftigt und arf Grund des Ber!chts des BRULE n dg Untersuhungs-Ausfschusses den Aussftand für ungerechtfertiat erklärt. : P Ale Mülheim (Rhein) berihtet datselbe Blatt: Der hier aus- gebrchene Maurerausstand wurde am Dienstag beendet. Die Ausständigen nahmen, laut „B. Z.“, die Arbeit unter den bisherigen Bedingungen wieder auf, soweit die Stellen nit durch auswärtige Arbeiter besezt worden waren. : N

In Dessau ist der „Madb. Ztg.“ zufelge die Arbeitseinstellung in der Ankaltishen Holztndustrie- AktiengeseUschaft beendet. (Fs ist eine Einigung hinsichtlih der Lobnerböhungen erzielt worden ; sämmt» lie Arbeiter haben die Arbeit wieder aufgenommen.

Kunst und Wissenschaft.

Kollektion Georg Hirth. 11. Abtheilung: Kunst- gewerbe, Graphishe Künste, Oelgemälde. 21 Bogen mit 90 Textillustrationen, 39 Licht- und 82 Buchdructiafeln. München, G. Hirth's Kunftverlag. Preis 30 #( Diese zweite Abtheilung des Pracktkatalogs der Hirth’shen Sammlurg verzeichnet die älteren kunstgewerblihen Grzeugnisse, soweit sie niht unter die bereits in der ersten Abtheilung „Deutsch-Tanagra“ behandelte K:ramik fallen. Der neue Band tritt zwar nicht wie „Deutich-Tanagra“ als einheit- lih abtges{chlofscnes Werk von grundlegender Wichtigkeit auf einem erft wenig ershlcs\senen Gebiet auf, dürfte jedoh zu den anziehendsten und reist ausgestatteten Katalogea gehören, welche in Deutschland er- schienen sind; der Geshmack des Herausgebers, welcher in der Sammlung waltet, is aus seinen Publikationcn „Formenschaßz“, „Deutsches Zimmor“ 2c. bekannt. Zunächst hak dieser zweite Theil für Sammler Interesse; durh den Reichthum an Abbildungen muster- gültiger Erzeugnissen aus alen Gebieten der Metalltehnik, in Möbeln, Holz-, Leder-, Textilarkteiten 2c. und aus den verschiedensten Zeiten, der Renaissance und des Rococo sowie der jeyt so beliebten Stile Louis Seize und Ewpire, wird er aber selbst zu eiaer Art Formenschaß und bietet Kunsthandwerkern , kunstgewerblilden Schulen und Anstalten brauhbare Vorlagen von auserlesenem Geshmack und mannigfacher An- regung. Meist sollten die Gegenstände Zwecken der Jnnendekoration dienen (Möbel, Uhren, Leuchter, Rahmen, Bucheinbände, dekorative Stoffe 2c.), darum mögen sie sih auch gerade hierfür als Vorbilder eignen, Das Abbildungtmaterial wird Allen erwünscht sein, welche \chafend, forshend oder als Liebhaber nacempfindend der Kunst nabestehen. Die Sammlung wird bekanntlih zugleih mit der Kollektion „Deutsch, Tanagra“ vom 13. Juni ab eine Woche lang in München im Kunstauktionshause von Hugo Helbing, Theatinerstraße 15, versteigert.

Land- und Forstwirthschaft.

Saatenstand und Getreidehandel in Rußland. Aus Nicolajew liegt folgende Nachricht vor: i Der zur jeßigen Zeit von den Landwirthen immer fehnlihst erwartete Regen if in diesem Jahre niht ausgeblieben, und es hat ih sowohl das Wintergetreide, als auch die Sotnmerautsaat infolge der genügenden Feuchtigkeit gut weiter entwickeln Töônnen. Die Wintersaat, die früheren Berichten zufolge im Poltawaschen Gouvernement niht günstig steben sollte, hat sich ebenfalls erholt und mußte nur an einigen Stellen durh Aussäen anderen Getreides erseßt werden ; Angeführt wurden seit dem 1. Januar bis 25. Mai 1898: 14 789 720 Pud, ausgeführt wurden seit dem 1. Januar bis 25. Mai 1898: 20 872 626 Pud. Der augenblicklihe Lagerbestand tellt \sch, wie 1 540 694 Pud, und zwar: Bestand am 1. Januar 1898 . 7623 600 Pud. Angeführt per 25. Mai 1898 c T 22413 320 Pud.

. 20872626 , 1 540 694 Pud.

folgt, auf

Ausgeführt per 25. Mai 1898 .

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs8- Maßregeln.

Dänische Antillen.

Die Regierung der dänischen Antillen hat die \. Zt. für Herkünfte aus Jamaica wegen Gelbfiebers crlassene Quarantäne aufgehoben (vergl. „R -Anz.“ Nr. 262 vom 6. November v. J.) und für Schiffe aus Valencia (Venezuela) wegen dort herrshender Pocken eine 15 tägige Quarantäne angeordnet.

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Gesundheitsstand und Gang

(Aus röffentlih des Kaiserlichen Gesund (Aus den -Veröffentlihungen af: A

Pest. e Bett d N Auf g Dampfer Sai E Y A d vo ombay nach dem per reie n Sd in der Zeit vom 24. März bis Ende April vier

Mann an Pest. Cholera

itisch-Ostindien. Kalkutta. Vom 24. bis 30. April find T Desouea an Cholera, 8 an Pocken und 161 an Fiebern

estorben. gef Fleck- und Rückfallfieber. : : Egypten, Eine Epidemie dieser Krankheiten wurde im März und April d. J. im großen Regierungsgefängniß in Alexandrien festgestellt, nahdem bereits seit Ende Januar vereinzelte Fälle auf- getreten waren. Eingeschleppt waren dieselben durch Gefangzne aus mehrecen Gefängnissen Unter-Eayvtens und Kairos, in denen ebenfalls diese Krankheiten eyidemisch aufgetreten waren. Am 10. März wurden unter ungefähr 400 Insassen des Gefängnisses zu Alexandrien 93 Kranke und 30 Nekonyaleszenten vorgefunden. eit dem 19. April traten neue Fälle nicht mehr auf, seit dem 4. Mai ift die Epidemie erloschen. Jm Ganzen waren feit dem 7. März 177 Erkrankungen mit 21 Todesfällen beobachtet worden. Am 6, März war mehr als ein Drittel des gesammten Bestandes érfrartt. In der Stadt selbs wurden von Anfang März bis Mitte Mai 53 solche Erkrankungen, darunter einige als Unterleibstyphus, angezeigt; von ibnen nahmen 32 einen tödtlihen Ausgang; unter den Gestorbenen befand sich auch der städtische Beziuks-Arzt, welcher den Dienft im Gefängniß versehen hatte. Verschiedene Krankheiten.

Pocken: Moskau 3, Odessa und St. Petersburg je 2, Warschau 8 Todesfälle; Berlin 16, Reg.-Bezirke Marienwerder 4, Münster 3, Paris 12, St. Petersburg 27 Erkrankungen; lecktyphus: St. Peteréburg 6 Érfrankungen; NRückfallfieber: toéfau 4 Todes- fälle: Genidstarre: Reg-Bez. Düsseldorf 2, Kopenhagen 7, Mosfau 2, New York 8 Todesfälle; Kopenhagen 17, Wien 9 Crefranfurgen; Keuchhusten: London 59 Todesfälle; München 30, Hamburg 32, Kopenhagen 70, Wien 59 Erkrankungen ; Fn fluenza: Berlin 3, Elberfeld 2, Amsterdam 3, London 16, Paris 2, St. Peteréburg 4 Todesfälle; Milzbrand: Wien 1 Todesfall und 1 Erkrankung; epidemische Ohrspeiheldrüsen-Entzün- dung: Wien 96 Erkrankungen. Mehr als ein Zehntel aller Gestorbenen starb an Masern (Durchschnitt aller deatshen Berichtsorte 1886/95: 1,15 9%): in Bonn, Posen Erkcankungea kamen vor in Berlin 60, Breslau 284, in den Regierunasbezirken Düsseldocf 108, Königs- berg 240, Pofen 476, Schleswig 317, Stade 117, Wiesbaden 348, in Hamburg 486, Budapest 87, Christiania 24, Edinburg 125, St. Petersburg 79, Prag 23, Wien 629 an Scharlach (1086/95: 0,91 9%): in Flensburg, Antwerpen Erkrankungen wurden an- gemeldet ia Butapest 30, Edinburg 38, London {Sranken- hâuser) 256, Paris 96, St. Peteréburg 49, Wien 68 au Diphs- therie und Croup (1886/95: 4,/279/6): in Regensburg Er- franfungen find angezeigt in Berlin 59, Kopenhagen 31, London (Krankenhäuser) 144, Paris 49, St. Peterëburg 110, Stcckholm 40, Wien 74 tesgl. an Unterleibstyphus in St. Peters- burg 155.

Im Monat April (für die deutschen Orte) sind nachstehende Todesfälle gemeldet worden: Pocken: Berün, Hof je 1, Marseille 3, Alexandrien 54, Kairo 3, Bombay 11, Mexiko 8, Buenos Aires 16; Cholera, Pest und Gelbfieber: vgl. die fortlaufenden Mittbeil. ous den Veröff.; Flecktyphus: Mexiko 37, Rio de Janeiro 1; Genickstarre: Beuthen 3, Kattowiß 1, Erlangen 2, Baltimore 6, Cincinnati 3, San Frarci#co 5, St. Louis 1; Influenza: Berlin 11, Barmen 5, Breslau 4, Elberfeld, Frankfurt a. M. je 95, Halle 3, Hannover 2, Köln 5, Offenbach, Oldenburg je 3, Bremen 5, Hamburg 9, Lübeck, Colmar je 9, 6 dbeu!she Orte je 1, Bufkareit 1, Mailand 14, Baltimore 4, Cincinnati 1, Mexiko 2, San Franciéco 1, St. Louis E; Lepra: Bombay, Rio de Janeiro iz 1.

Fm übrigen war in nachstehenden Orten die Sterblichkeit an einzelnen Krankbeiten im WVergleih zur Gesammtsterblichkeit eine besonders große, nämlich höher als ein Zehntel: an Masern (1886/95 *erlagen denselben 1,15 von je 100 in sämmtlihen deutshen Berichtsorten Gestorbenen): in Posen; an Sharlach (1886/95: 0,91% in allen deutschen Orten): in Giebichenstein; an Diphtherie und Croup (1836/95: 4,27 9% in allen deutshen Orten) : in Bottrop, Hörde, Inowrazlarwo, Kolberg, Sneidemühl, Jena. Mehr als ein Fünftel aller Ge- storbenen i ferner nacfstehenden Krankheiten erlegen: der Lungenschwindsucht (1886/95: 12,38% in allen deutshen Octen): in Beeck, Bottrop, Forst, Fulda, Köslin, Kreuznach, Liegniy, Neustadt O.-S., Ohligs, Paderborn, Remscheid, Solingen, Spandau, Trier, Wattenscheid, Bambera, Frankenthal, Fugo:stadt, Nürnberg, Pirna, Ludwigsburg, Konstanz, Gießen, Bremerhaven, Wolfenbüttel, Belgrad, Le Havre, Linz, Narcy; akuten Erkrankungen der Athmungsorgane (i886/95: 11,98 0/9 in allen deutsch:n Orten): in 63 deutschWen Orten, darunter sogar mehr als ein Drittel: in Bielefeld, Goslar, Schalke, Schwelm, Colmar. Hagenau, ferner in Bukarest, Mailand, Baltimorè, Mexiko; akuten Darmfkrankheiten (1886/95: 11,72 9/6 in allen deutschen Orten): ia Allenstein, Burg, Döbeln, Glauchau, Gera.

Von den 272 deutschen Orten hatten im Berihtsmonat eine verhältnifimäßig hohe Sterblichkeit (über 35,0 auf je 1000 Ein- wohner und aufs Jahr berechnet) Fürth 36,2 (1886/95: ade : und E 36,1. Im Vormonat betrug das Sterblihkeitsmarimum D(,L 2/00.

Die Säuglingssterblihkeit war in 8 ‘Orten eine be- trähtlihe, d. h. tober als ein Drittel der Lebendgeborenen : Werdau 338 (Gesammtsterblichkeit 28,1), Kaiserslautern 341 (29,7), Passau 344 (25,0), Küstrin 349 (22,4), Fürth 355 (36,2), Landshut 356 (28,0), Langenbielau 388 (26,1), Shönebeck 390 (18,2).

Die Gesammtsterblihkeit war während -des Berichtêmonats geringer als 15,0 (auf je 1000 Einwohner und aufs JaLr berechnet) in 34 Orten. Unter 12,0 9/00 blieb dieselbe in Wal» 11,6, Grünberg 11,5 (1891/95: 22,5), Wilhelmshaven 11,2 (15,1), Döbeln 11,2, Celle 11,1 (1886/95: 19,5), Ohligs 10,1 (1891/95: 17,9), Wesel 9,9 (1886/95: 17,4), Schöneberg 9,3 (1891/95: 15,4), Ludwigsburg 8,5 (1886/95: 15,9).

Die Säuglingssterblihkeit blieb in 286 Orten unter einem Zehntel der Lebendgeborenen. Weniger als ein Siebentel derfelben starb in 54, weniger als ein Fünftel in 99 Orten.

Im Ganzen s{heint sh der Gesundheitszustand der Säuglinge gegenüber dem Vormonat verschlehtert, der über 1 Jahr alten Personen dagegen niht wesentlich geändert zu haben. Eine höhere Sterblichkeit als 35,09%/0 hatten 2 Orte gegen 2 im Vor- monat, eine geringere als 15,09%/00 34 gegen 33. Mehr Sn als 333,3 auf je 1000 Lebendgeborene starben in 8 Orten gegen 4, weniger als 200,0 in 179 geg?n 196 im Vormonat.

Verkehrs-Anstalten.

London, 9. Juni. (W. T. B.) Der Doppelshrauben-S@hnéll- dampfer des Norddeutschen Lloyd „Kaifer Friedrich“ ist nah vorzügliher Reise am Mittwoch um 1 Uhr in Southampton än- gekommen. Die erreichte Geshwindigkeit. beträgt 22 Seemeilen in der Stunde. Schiff und Maschine bewährten sich voczüglih.

Bremen, 8, Juni. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. Dampfer „Roland“, v. Baltimore kommend, 7. Juni Nm. Lizard ass. „Wittekind“ 8. Juni Mrgs. v. La Plata in Bremer-

aven angek. „Kaiser Wilhelm der Große" 7. Juni Vin y. New York n. Bremen abgegangen. : 0