1898 / 140 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

E A2

E Za T6

E E

a E E S Er U R I A A S

Laut telegraphisher Meldungen an das Ober-Kommando der Marine ist der Dampftr „Herzog“. der Deutsch-Oftafrika- Linie mit der Ablösung für S. M. S. „Condor“, Trans- arer: Unter-Lieutenant zur See Förtsh, am 15. Juni n Sansibar und der Dampfer „D armstadt“ des Nord- deutschen Lloyd mit der Ablösung für Ost-Asien, ‘Transportführer: Korvetten - Kapitän Rein>e, heute in Kiautschou eingetroffen; S. M. S. „Prinzeß Wilhelm“, Kommandant : Korvetten-Kapitän mit Oberst-Lieutenantsrang Truppel, ist am 15. Juni von Nagasaki nah Manila in See gegangen.

Kreuznach, 15. Juni. Zhre Königlichen Hoheiten die Prinzen August Wilhelm und Oskar, Söhne JFhrer Kaiserlihen und Königlichen Majestäten, sind heute Vormittag hier eingetroffen.

Deutsche Kolonien.

Das „Deutsche Kolonia!blatt“ vom 15. d. M. veröffentlicht eine Kaiserlihe Verordnung vom 2. Mai d. Ii, bés treffend die Erfüllung der Dienstpflicht bei der Kaiserlihen Shußtruppe für Südwest-Afrika. Nach derselben erhalten die zur Ableistung ihrer aktiven Dienstpflicht in die Kaiserlihe Schußtruppe für Südwest-Afrika eingestellten Wehrpflichtigen, solange sie noh in Ausübung ihrer geseßlichen Dienstpflicht begriffen sind, eine Löhnung von monatlich 50 M4, für die Dauer ihrer Theilnahme an kriegerishcn Unter- nehmungen dagegen diz _bei der Schubtruppe übliche volle Reiterlöhnung. Hinsichtlih aller sonstigen Gebühr- nisse sind sie den derx Schußtruppe zugetheilten übrigen deutschen Mannschaften gleihgestellt. Die Einjährig-Frei- willigen crhalten freie Unterkunft nach Maßgabe der örtlichen Verhältnisse. Abgesehen von kriegerischen Unternehmungen, für deren Dauer die Fürsorge in dieser Beziehung vom Kommando auf Rechnung der Landesverwaltung über- nommen wird, habea sie si< selbst zu verpflegen, zu bekleiden und auszurüsten sowie auch beritten zu machen. Sie sind berechtigt, gegen cine Vergütung von täglih 2 #4 sih in die Naturalverpflegung der Truppe aufnehmen, gegen Er- statiung der Selbsikosten aus Truppenbeständen bekleiden und auêrüsten, sowie gegen eine Entschädigung von 210 # von der Truppe beritten machen zu lassen. Neben dem leßteren Betrage 1st für die Unterhaltung des Pferdes, einschließlich des Hufbeschlags und sonstiger Aufwendungen, eine besondere Vergütung nicht zu entrichten.

Oesterreich-Ungarn.

Die Mitglieder der österreichischen Quoten- Deputation wurden gestern davon verständigt, daß die mündlichen Ver- handlungen beider Duoten-Deputationen am 25. d. M, in Wien fortgeseßt werden.

Der sozialdemokratis<he Verband richtete, wie „W. T. B.“ aus Wien meldet, an die Wüählerschaft eine Kundgebung, in der er jede Erhöhung der Verbrauchssteuern für unzulässig erklärt, dringend die Regelung der Sprachen- frage fordert, es aber ablehnt, chauvinistishen Bestrebungen irgend welcher nationalen bürgerlihen Parteien Vorschub zu leisten, und für allgemeines, gleiches, direftes Wahlrecht eintritt. i

Eine Note der Polizeidirektion in Prag besagt: Jn der legten Zeit häuften sih die Anzeigen, daß an den Thüren von Häusern, die Deutschen und Juden gehören, Zeichen an- gebraht worden seien, aus denen man auf eine Proscribierung der Deutschen Prags habe {ließen können. Umfassende Nach- forshungen hätten ergeben, daß die Zeichen au<h an den Thüren von Tschehen und Christen gehörigen Häusern an- gebracht worden seien, sodaß cs si nur darum handeln dürfte, die Deutschen zu beunruhigen oder au<h Propaganda für Un- ruhen zu machen, um dadurch viellcicht die Nationalfestlichkeiten der nächsten Tage zu stören.

In den galizishen Bezirken Jaslo und Kolaczyce herrscht, der in Lemberg erscheinenden „Gazeta Lwowska“ zu- folge, wieder Ruhe; dagegen wurden in einigen Nachbar- gemeinden, zumeist von Handwerksburschen, antisemitische Ausschreitungen verübt und in einigen jüdishen Wirths- häusern die Einrichtung zerstört. Jn eincr Oitschaft mußte die Gendarmerie von der Waffe Gebrauch machen. Dabei wurde ein Nuhestörer getödtet und eine Anzahl decselben verhaftet. Jn Gorlice versuhten 400 Bauern, Ruhestörungen zu begehen, wurden jedo< von Gendarmen zurücgetrieben. Die Statt- halterei hat Anordnungen zur Aufrechterhaltung der Ruhe getroffen. i

Zn einer vorgestern Abend in Wien abgehaltenen Sißung beschäftigte fih der Polenklub mit dén antisemitishen

xcessen in Galizien und faßte einhellig folgenden Beschluß: Der Polenklub verurtheilt mit größter Ent- rüstung die umsftürzlerishen Excesse, welche für das Land ehr <hädli< sind; indem der Polenklub die energische

ätigkcit des Statthalters anerkennt, wird das Präsidium des Polenklubs beauftragt, bei dem Minister-Präsidenten als Leiter des Ministeriums des Jnnern und bei dem Justiz-Minister eine energischere Unterstüßung der Thätigkeit des Statthalters in Galizien zu erbitten, damit derselbe mit allen Kräften gegen die umstürzlerishen Unruhen auftreten könne. :

__Das ungarische Abgeordnetenhaus verhandelte

estern über die Vorlage, betreffend die Verzehrungssteuer. M louvi beshuldigte die Gemeinden und Städte, daß sie falsche Abrehnungen vorlegten, um ihr Einkommen aus der Verzehrungssteuer zu verheimlichen. Wegen dieser Behaup- tung entstand wien dem Minister - Präsidenten Baron Banffy und olonyi cin heftiger Wortwechsel. Polonyi ließ infolgedessen nah Schluß der Stßung den Minister-Präsidenten fordern, welcher ebenfalls seine Zeugen nannte. Jn einer Konferenz der beiderseitigen Zeugen fand indessen der Zwischen- fall seine Erledigung. ___ Der Prásident bea Magnatenhauscs Wilhelm von Toth äst vorgestern in Nyitra-Foanka gestorben.

Frankreich,

Gestern trat im Elysée der Ministerrath zusammen, um über die dur die vorgestrige Sizung der Deputirten- kammer geschaffene Lage zu berathen. Der Minister- räsident Mél ine überreichte die Demission des Kabinets, welche der Präsident der Republik Faure annahm.

Später empfing der Präsident Faure Loubet und Deschanel zu einer Besprechung.

Spanien.

Der Minister des Aeußern Herzog de Almodovar hat, wie „W. T. B.“ aus Madrid erfährt, dem früheren spanischen Legationssekretär in Washington du Bosc und dem Licutenant Carranza den Befehl gegeben, Canada zu ver- lassen. Der Befehl hängt mit den Reklamationen zusammen, zu welchen ihr Aufenihalt daselbst geführt hat.

Jn der gestrigen Sißung des Senats wünschte der Marquis Corvera die Regierung über die Verleßungen des Völkerrechts zu interp-llieren, welche die Amerikaner vollführt hätten. Der Minister des Aeußern Herzog de Almodovar weigerte sih indessen, zu antworten, mit der Begründung, daß jede Diskussion über die auswärtigen Angelegenheiten die moralishe Kraft der Regierung mindern würde.

In der Deputirtenkammer erklärte gestera der Kriegs- Minister Correa in Beantwortuns einer Anfrage, daß Guan- tanamo nicht mit Santiago verbunden sei. Es sei daher nicht auffallend, daß man nicht wisse, ob den Amerikanern die Lan- dung geglü>t sei. Falls die Nachricht wahr fei, habe man keinen Grund, sie zu verbergen. Sobald man Nachrichten besitze, werde man dieselben veröffentlihen. Die Kammer nahm hierauf einen Antrag der Republikaner an, welcher dahin geht, ein Gesetz, betreffend die allgemeine Weh rPTlht, in Vorschlag zu bringen.

Amêerika.

Aus Havanna meldet „W. T. B.“ vom gestrigen Tage: Drei spanische Kreuzer verließen am Montag die Bay, um die Stellungen des amerikanischen G. shwaders auszukundschaften, welches sich zurü>gezogen hatte. Ein amerikanisches Kanonenboot erschien später unter der Parlamentärsflagge vor Havanna, um dem englischen Konsul von dem englischen Botschafter in Washington übersandte Briefe zuzusiellen. Die Genehmigung zur Ueber- gabe der Briefe wurde ertheilt, do< durfte das Kanonenboot sih dem Hafen niht nähern. Einige amerikanische Schiffe versuchten, sih der Küste zu nähern, zogen sih aber vor dem Feuer der Batterien vield,

Ueber den Zwe> der Landung amerikanischer Truppen bei Santiago de Cuba wird dem „Reuter schen Bureau“ aus Washington mitgetheilt, daß beabsichtigt sei, die spanische Flotte entweder zu zerstören oder wegzunehmen. So- bald dieser Zwe> crreiht sein werde, würden die Truppen nah einer anderen Oertlihkeit gesandt, und den Aufständishen werde cs überlassen werden zu ver- hindern, daß Santiago von den Spaniern wieder bescßt werde. Die Behörden zweifelten indessen an der Geschi>klichkeit der Aufständischen; es sei daher wahrscheinlih, daß eine kleine Truppenabtheilung sowie cinige amerikanische Kreuzer zurüc- gelassen würden, um den Hafen zu bewachen.

Aus Guantanamo isst in New York ein Telegramm vom Dienstag Abend eingctroffen, dem zufolge die amerika- nische Marine - Jnfavterie eine 400 Mann starke spanische Truppcnabtheilung gcschlagen habe. Ein Amcrikaner sei leiht verwundet worden, die Spanier hätten einen Berlust von etwa 40 Todten erlitten. Eine weitere Depesche besagt, daß eine Patrouille von amerikanis<en Soldaten gestern Abend mit achtzehn spanischen Gefangenen, unter denen sich ein Offizier befunden habe, etrva 100 Mausergewehren und 10 000 Patronen ins Lager zurückgekehrt sei. Die Amerikaner hätten gemeldet, daß in den verschiedenen Gefechten mit den Spaniern der Verlujt der leßteren auf 100 Todte und 200 Ver- wundete sich beziffere.

Nach einem Telegramm des Admirals Sampson an das Marine-Departement in Wasßington haben die amcri- fanishen Truppen unter General Nabi mit Hilfe der Auf- ständischen *unter Garcia die Stadt NAcerraderos beseßt.

Die zweite armerikanishe Expedition na < Manila, welche gestern von San Francisco abgegangen ist, wird von Honolulu ab von Kriegsschiffen begleitet werden.

Jn Lima ist gestern der Kongreß der Republik Per u zu einer außerordentlichen Sißung zusammengetreten, um über das Protokoll zu verhandeln, das von Billinghurst, dem Delegirten von Peru, und Latorre, dem Vertreter von Chile, redigiert wurde und die Provinzen Tacna und Arica betrifft.

Asien.

Der Kaiser von China hat, einer Meldung des „W. T. B.“ aus Peking zufolge, Li-hu ng-<ana und Chang-yin-huan die dritte Stufe der ersten Klasse des Doppelten Drachen-Ordens verliehen.

Von der russishen Behörde sind die chinesishen Wächter des Zoll-Leuchthauses in Liaotieshan entlassen worden. JInfolgedessen befindet \si<h das Leuchtfeuer am Eingang des Golfes von Petschili nunmehr in russischen Händen.

Die „Agence Havas“ meldet, eine französisch - belgische Gruppe habe die Konzession für den Bau einer Zentraibahn von Hankau nah Peking und cine französishe Gruppe ‘ar rougledia für cine Anschlußbahn nah Schansi er-

alten.

_Die Lage in Manila ist nah einem in Madrid einge- troffenen Telegraram dcs G:neral-Gouvern:urs der Philippinen vom 8. d. M. andauernd sehr ernst. „Der Feind“, so heißt es in dem Telegramm, „umgiebt die Stadt: ich habe die Truppen zurü>- gezogen, um sie zu konzentrieren. Die Blohauslinie ist ver- stärkt dur< Erdarbeiten, wo unsere Truppen sich schlagen können. Jede Verbindung ist nah wie vor abgeschnitten. Jch erwarte den General Monet mit Verstärkungen, aber man hat keine Nach- richt, wie die Truppen ankommen werden. Die Bevölkerung befürchtet eine Niedermeßelung dur<h die Rebellen und zieht D arden vor; ih weiß nit, wann dies beginnen wird.

Afrika.

Eine Note der „Agence Havas“ hebt hervor, die neue, dur die Niger-Conven tion anerkannte Grenze der west- afrikanischen Kolonie Frankreihs sei 3000 km lang ; alle französishen Kolonien in West-Afrika seien nun- mehr in ihren Hinterländern unter einander verbunden. Unter anderem erhalte Srankreih dur< diese Kon- vention das ganze Ostufer des ZTsad-Secs, von Barrua bis jur Schari-Mündung. Die Note schließt: Das Uebereinkommen ónne nur die günstigsten Folgen g die Beziehungen Frank- reihs zu England sowie für die esammtlage Frankreichs in Afrika haben.

Nr. 24 der „Vexöffentlihungen des Katserlihen Gesundheitsamts* vom 15. Juni hat folgenden Inhalt: Gesund- heitsftand und Gang der Volkskrankheiten. Zeitweilige Maßregeln gecen Pe>en. G. sundheitswesen im Neg.- Bez. Hildesheim, 1892/94, Mittheilungen aus British-Ostindien, 1896/97. Geseygebung u. st. w. (Preußen.) Betriebe mit elekirisGen Leitungen. (Meg Bez. Oppeln.) Maul. und Klauenseude 2e. (Schweiz. Kanton Zug.) Baugesey. (Frankreich.) Margarine und Butter, —— Apothekergewerbe. Belgien. Gefährliche 2c Betriebe. Gang der Thierfeuchen in Belgien, 1. Vierteljahr. Desgl. in Bulgarien. Minderpe}t in Süd-Afrika. Zeitweilige Maßregeln gegen Thier- seuchen. (Württemberg, Schweiz, Niederlande, Schweden, Japan, Argentinien.) Vermischtes. (Oldenburg.) Pferdezucht. —- Geschenk« liste. Wochentabelle über die Sterbefälle in deuts<ben Orten mit 40 000 und mehr Einwohnern. Desgl. in größeren Städten des Auslandes, Erkrankungen in Krankenhäusern deut|<er Großstädte. Desgl. in deutschen Stadt- und Lantbezirken. Witterung. Grund- wasse:stand und Bodenwärme in Berlin und München, April.

Nr. 24 des „Centralblatts der Bauverwaltu n g”, heraus- gegeben im Ministerium der öffentlihen Arbeiten, vom 11. Juni hat folgenden Inhalt: Amtliches : Dienstuacrichten. Nichtamtliches : Das Gerichtsgebäude in Birmingham und die neuere Terracotta- Bauweise in England. (Schluß,) Der Wettbewerb um das Berger-Denkmal bei Witten. Ueker Strekenble>ierung. Friedrich Geselshap f. Vermischtes: Ghrengrab für K. von Hasenauer. Preisbewerbung um ein Denkmal rer deutschen Einheitsbestrebungen in Franffurt a. M. Wettbewerb um Pläne für etnen Neubau auf dem Grundstücke der Lange-Stiftung in Hannover. Wettbewerb um Entwürfe für den Neubau einer tatholishen Kirche in Lodz. Brandprobe mit Muaeller'shen De>ken. Neue Patente.

Nr. 19 des „Eisenbahn-Verord u ungsblatts8", heraus- gegeben tm Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 11. Juni, hat folgenden Inhalt: Gesetz, betreffend den Staatshaushalt, vom 11. Mai 1898. Geseyz, betreffend die Erweiterung und Vervoll- ständigung des Staatsersenbahnuezes und die Betheiligung des Staates an dem Bau von Kleinbahnen, vom 20. Mai 1898, Allerhöhßer Erlaß vom 23. Mai 1898, betreffend Bau und Betrieb der in dem Geseße vom 20. Mai 1898 (Geseß-Samml. S. 91) vor- geschenen neuen Eisenbahnlinien. Erlaß des Ministers der öffents lichen Arbeiten: vom 26. Mai 1898, betreffend Besoldungsdienstalter der Militäranwärter für mittlere Beamtenstellen. —— Nathhrichten.

Kunst und Wissenschaft.

Die Königliche Akademie der Künste widmet ihrem ver- storbenen Mitgliede, dem Maler Friedrih Gesel schap folgenden Nachruf:

„Unter den Leidtragenden, die um den Tod Friedri Gesels<ay?s

trauern, stehen in erster Reihe der Senat und die Genossenschaft der Mitglieder der Königlichen Akademie der Künste. : Die Gesammtheit derselben fühlt sih* {wer getroffea, denn der Mann, der nun die Augen für immer ges{lofsen hat, war nit nur dur sein künstlerishes Schaffen eine Zierde der Akademie, er war zugleih der Freund und Beratber aller Miistrebenden, die, wie er, in der Kunst die geistigen Schwingen suhten, welche unser Volk über den Staub der Alltäglihkeit zu erheben bestimmt sind. Friedrih Geselshap war der genialste Vertreter der deutschen Monumentalmalerei unseres Jahrhunderts: eine Künfstlerseele, die aus kleinen Verhältnissen \i< emporkämpfte, und im Ningen um das täglihe Brot nie vergaß, die böchsten Anforderungen au an die geringe Aufgabe zu stellen. Ihm gaît noch die einfältige Wahrheit, daß der Gegenftand der Kunft das Schöne und Maßstab des Sc{;önen die Harmonie sei; daß aber die Götter den Kranz nur dem gewähren, der im SŸweiß seines Angesichts und in ernster Wahchaftigkeit darum gerungen hat. So läßt fi< der Me: {< in ihm vorm Künftler nit trennen; dem hohen Flug sein-s8 Genius entspra< eine reine, einfah und einheitliß empfindende Seele, die in der Praxis des Lebens dem Goecthe’shen Fdeal entsprah: „Edel sei der Mensch, hilf- rei) und gut.“

Die Welt kennt nur wenig von dem, was Gesels<hay in er- ftaunlih reiher Produktivität ges{<afen hat. Von seinen"Düsseldorfer Anfängen haben si< nur \pärliche Reste erhalten; seine römischen Studien, die zahlreichen Kopien na< Rafael und Michelangelo sind von dem Allzufreigebigen in alle vier Winde verstreut worden, . oder ruhez no<h in der langen Reihe von Mapyven, die seine Entwürfe und Vorarbeiten zu großgedachten Kompcsitionen verbergen ; sie werden einst zeigen, wie er si literaris< mit dem richtigen Gefühl des Künstlers für einfahe Größe an der Bibel, an Homer und Dante inspirierte und gleichzeitig am Studium der ‘Meister des Cinque. Cento einen nie tcügenden Sinn für den nothwendigen Zus- sammenkbang von Architektur und Malerei gewann. Auch die Farben- te<hniëï der Alten beschäftigte ibn lebhaft; er suhte das im Fammer des 30 jährigen Krieges verlorene Geheimniß ibrer Farbenmishung, die B?erbindung höchster Farbenwirkung mit höchster Dauecrhaftigkeit und meinte bereits dem Ziele nahe zu stehen. Es haben si< Skizzen und Studien von ihm erhalten, die sich kühn dem Besten an die Seite stellen lassen, was auf diesem Gebiete geleistet worden ift.

Aber erst als Geselshap 1872 aus Nom nah Berlin über- siedelte, und au< da nur nach einex Periode \{weren Niægens mit den Mühseligkeiteu des Lebens, fanden fi für ihn die Aufgaben, an denen er feine volle Kraft enifalten konnte. Die leider nicht im Großen ausgeführten herrlihen Entwürfe für die Kaiferpfalz in Goslar, die Wandgemälde im Sitzungssaale der Reichsbank. tie Mosaiken an der Fassade des Gewerbe-Museums, cine Reibe von Kompositionen für Privattauten, in denen Phantasie und Humor tes Künstlers zu gleich fröbliher Gntfaltung gelangten, ebneten ibm endli<h den Weg und trugen ihm den Auftrag eia, nah dessen Ausführung er wider- spruchslos die erste Stelle in der Reihe unserer Historienmaler ein- nahm.

Der Triumphzug am Fries des Kuppelsaales der Herrscherhalle unseres Zeughauses is ein Hymnus patriotischen Dankes, wie ihn die großen Jahre 1870 und 1871 in der Seele des Künstlers lebendig werden ließen. Die durchsihtige Klarheit des Gedankens, die jeden Kommentar überflüssig macht, die Schönheit der Formen, der bewegte Rhythmus der {<webenden Gestalten das Alles vereinigte fh zu einem Ganzen von ni<t übertroffener Wirkung, Man hat ihn nah Vollendung dieses Triumphzuges wohl den Deutscven Rafael genannt; an die markige Kraft Michelangelo's erinnert „Der Krieg“, und die folgenden bret Gemälde: „Die Aufrichtung des Reiches“, „Der ériede“ und „Walhalla“ s<hließen in schöner Einheitlichkeit den Cyclus ab.

Für Ges:ls{<ap roaren die Jahre, welche er dieser Arbeit widmete, eine Töftlihe Zeit des Genusses, wie ihn nur der schaffende Künstler empfindet; zugleih aber eine Zeit höchster Anspannung seiner physischen und psyhischen Kräfte. Bewunderungöwürdig ist die vornehme Sicher- heit, mit welcher er die Schwierigkeiten einer für andere Zwecke bereh- neten Architektur überwand, epohemaend die Erprobung etner neuen

arbentehnik, die bewußt auf Effekte des Augenbli>s verzichtete, um Bleibendes zu \<haffen, und wabrhaft eritatinticd die Spann- kraft, die thn ein |<weres physishes Leiden, das jede Bewegung eishwerte, mißahten, und das Ganze troy allem zu rühmliwem Ab- {luß ‘gelangen ließ. Nun aber folgte der Rü>shlag. Die politische Wandlung, die das Jahr 1891 brachte, bekümmerte ihn tief. Er hing mit der ganzen Leidenschaft, deren er fähig war, am Fürsten Bismar>, und ein s{werer politischer Pessimismus, der erst in seinem leßten Lebens- jahr zu {winden begann, lastete fortan auf ihm. Auch seine persôn- lichen Tue begannen ihn zu drü>en. Es dauerte lange, ehe si neue Aufgaben für ihn fanden; sein körperlihes Leiden steigerte {ih

dlihem Schmerz; er mußte sh zu einer Operation ent- eel n dann no< zweimal wiederholt wurde, und endlich Linderung der Qualen, aber keine Heilung brate; bis an sein Lebens- ende hat er eine offene Wunde am Bein mit \i< herumgeiragen. Er hatte das Gefühl, als seien ibm die Schwingen gekni>t, und erst nah Jahren rang er sih zu ciner Stimmung der Resignation dur, die ibm das Leben wieder erträglih machte. Auch diesmal war es seine tapfere Seele, die dem siehen Körper emporhalf, Zwet neue große Aufgaben waren an ihn herangetreten: In der Friedenskirhe zu Potédam sollte er in Räumen, die allen Wünschen des Künstlers cnt- sprachen, die Lebens- und Leidenêgeschihte Christi darstellen, in Ham- hurg fonkurrierte er mit Entwürfen, welche die pravtyollen Wände des neuen Rathhauses unserer größten See- und Handels\tadt zu zieren bestimmt waren. Es is} ihm no<h vergönnt gewesen, feinen Skizzen die endgültige Fassung ¡u geben. Bon einem der Potsdamer Gemälde war der Karton {hon im Großen fertig, da fühlte er seine Kraft erlahmen; eine Erholung war unerläßli< und in Ftalien, das ihm wie eine zweite Heimath vertraut war, dachte er sie zu finden, um dann in Rom, mitten unter den ewig neuen Anregungen, die ihm das stets erneute Studium der großen Italtener und der Antike bot, beides zu Ende zu führen. Auh ein Mausoleum für den Herzog von Anhalt follte hier vollendet werden. Da hat, fetnen Freunden völlig unerwartet, der Tod ihn fortgerafft. Geselschap litt, wie die Obdbuktion ergeben hat, an einem \><weren Gehirnleiden, das sh {hon im Lauf des Februar als Verfolgungs- wahn äußerte, ihm aber sonst die Klarheit des Geistes ließ. Noch wentae Wochen vor feinem traurigen Ende zetaen seine Briefe keiner- lei Spuren einer geistigen Umnachtung. Es wäre ohne Zweifel möglih gewesen, dur Ueberführung in eine Nervenanstalt ihm das Leben zu erhalten; aber feine geistige Freiheit war E Allem un- rettbar verloren. Wir kennen die Gründe nit, die das Nächstliegende yersäutnen ließen. E

Und so ist er hingegangen; auf dem protestantis<hen Kirhhof an der Cestius-Pyramide, unter einem Lorbeerbaum, neben Gocthe?s Sohn, hat man ihn beigeseßt. Au die Akademie der Künste hat dem Ge- nosscn und Freunde einen Kranz aufs Grab gelegt. ite ehrte den genialen Künstler und den herrlichen Mann! | ;

Denn au< als Mensch verdient Geselshay niht minder Bee wunderung denn als Künstler. Eine dur<hsihtige Kinderseele, rein und klar wie Quellwasser, allem Guten und Etlen zugänglich, allzeit muthig eintretend für seine Ueberzeugung, sützend und fördernd überall da, wo er ernstes Streben erkannte oder wo es galt Bedürstigen zu helfen. Er i} viel mißbrauhßt worten aber nie wurde er irre an seinem deuts<en Volke. Er kennte zürnen und rihten, wo die Gemeinheit ihm den Weg kreuzte; im Verkehr mit Freunden und Bekannten war er gütig, na<hsihtig und unendlih anregend, wenn er auf das Gebiet zu reden kam, das er als Meister beberrs<te.

Geselshap war kein Freund der neuen Richtung tin der Malerei. Was er ihr vorwarf, war die pietätlose Vernachlässigung des Studiums der großen Alten. Er verdammte nicht die Kühnheit, die nah neuem strebte, wohl aber das Verkennen der leßten Ziele der Kunst; niht das Natürliche war ihm das Schöne, fondern die dur die Idee des Künstlers vergeistigte Natur. Niemand drang lebhafter als er auf das Studium der Wirklichkeit, aber sie war ihm Mittel, ni<ht Selbstzwe>k. Geselshap's Bildung war nit universal, aber tief eindringend. Er kannte das Beste; ers<höpfend war sein Wissen nur auf dem Gebiete seiner Kunst; wollte er ih an Poesie und Musik erqui>en, so kehrte er stets zu den alten Lieblingen zurü. In der Politik folgte er seinem Herzen.

So wird die deutshe Nation, wenn sie ihn einst voll kenncn lernt, in ihm einen ihrer besten Männer verehren; der deutschen Kunst aber bleibt er ein Leitstern, der fünftigen Generztionen den Weg weisen wird zu den Höhen des klünstleris<hen JIdeals.

Ehre seinem Andenken !“

Berlin, den 16. Juni 1898. s i Der Gesammtsenat und die Genossens(aft der Mitglieder der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin.

Der Präsident. H. Ende.

Um über eine Ehrung für Friedri< Gesels<hapy zu be- rathen, trat die Königliche Akademie der Künste am 10. d. M. zu einer außerordentlihen Sißzung, an der sich der Gesammtsenat und die Genossenschaft betheiligten, zu)ammen. In ergreifenden Worten schilderte der Präsident den unerseßlihen Verlust, den die Akademie Und die deutsche Kunst dur diesen Tod erlitten hat, und tief bewegt folgte die Versammlung seinen Ausführungen. Bei Erwähnung der pietätlosen Auslafsungen, mit denen eine sonst geahtete biesige Zeitung die erste Nachricht von dem Todesfall begleitet hatte, verhehlten die Anwesenden nit ihren Unwillen und erklärten einstimmig, den {on erfolgten Protest dagegen au zu dem ihrigen zu machen. E

Ueber die leßten Tage Gefelshap’s gaben Briefe der Professoren Hans Meyer und Meurer in Nom, die der Präsident verlas, aus} ühr- lie Nachricht. | f

Im weiteren Verlauf der Sißung faßte die Versammlung darauf folgende Beschlüsse : L

1) Die Königliche Akademie der Künste wird für die Errichtung cines würdigen Denkmals auf dem Grabe des Verstorbenen Sorge tragen; e 2) fie nimmt eine Ausstellung seiner Werke im Akademiegebäude in Aussicht; i A

3) sie wird si<h bemühen, die Erwerbung seincs künstlerischen Naÿhlasses durch die Königlihe Staatsregierung het beizuführen.

Die Ausftellung von Werken der modernen Kunst- tôpferei im Königlihen Kunst gewerbe-Museum ift bis zum 3, Juli verlängert worden, da Ende Funi die Töpferei-Genossenschaft Und der Verband der keramishen Gewerke ihre Sitzungen in Berlin ab- halten werden und das Interesse an der Ausf\tellung in diefen Kreisen erflärliher Weise ein besonders großes ist. Eine Bereinigung spezifish moderner Arbeiten und Verfahrungsweisen ist bisher weder in Deutschland no< im Auslande in gleiher Vollständigkeit vor- geführt worden.

…_ Die Malereien der Sakramentskapellen in der Katakombe des hl. Callistus. Von Dr. Joseph Wilpert. Mit 17 Illustrationen. Freiburg i. Br., Herder's<e Verlagéhande- lung, 1897. Pr. 3 M 60 $. Eines der wichtigsten Denkmäler Unter den bildlihen Darstellungen der ersten <hristlihen Jahrhunderte sind die f. g. Sakrameatskapellen in der Katakomke des hl. Callistus in Rom.. Diese Reihe von mit Fresken ges<mü>ten Kammern und Nishengräbern wurde während der Diokletianishen Verfolgung bershüttet und ers neuerdings dur de Rossi wieder aufgede>t. Für den inneren Zusammenhang und die liturgishe Bedeutung der Fresko- gemälde in diesen Kammern hat sih nah de Nosfi auch Kraus in seiner vortrefflihen „Geschichte der <ristli<hen Kunst" ausgesprochen. Hieran bält au Dr. Wilpert, einer der tüchtigsten Schüler de Rossi's, fest. Dagegen tritt er in ber Deutung einzelner Darstellungen des Cyclus è Rossi, Kraus und anderen Archäelogen entgegen. Seine gründ- lichen Ausführungen sind durchgehends beahtenswerth, wennglei< das septe Wort in diesen Fcagen auch jeßt no< nicht. überall gesprochen ein dürfte. Besonders werthvoll ift die Wilpert’s<e Arbeit durch die genaue Wiedergabe der Bilder, deren Erklärung, weil sie früher auf unzuverlässigen und willkürlih ergänzten Arbeiten mangelhaft ge“ hulter Kopisten fußte, wiederholt in Irrthümer verfallen war.

Literatur.

Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien. Gesammtdarsftellung e Gebiete der gewerblichen und Tin

ständig in 10 Bänden, Preis geßeftet je 8 M, in Halbfranzband je 10 A Auch in 160 Heften zu je 50 S, oder in 400 wöhentl:< erscheinenden Lieferungen zu je 20 H beziehbar. Leipzig, Ver- lag von Otto Spamer. Soeben ist, na<hdem ihm be- reits vier andere vorangegangen, der zweite Band des Werkes in der neuen Auflage ershienen Er behandelt ein außer- ordentli< reihes Stoffgebiet: die Kräfte der Natur und ihre Benußung. Im ersten Theil bespriht Ingenteur Nosenboom in anzichender, leiht verständliher Form das Wesentlichste der Mechanik. Unter steter Beziehung auf das praktis%e Leben werden die Grund- begriffe der Mechanik, die Gesege der Schwere und ihre Anwendung, das Pendel, der Hebel, darunter die te<nischen Wagen, die hydrau- lishen Geseße und endlih die Mechanik der [uftförmtgen Körper be- handelt. Besondere Beachtung verdient der Abschnitt über Luft- schiffahrt und Flugmaschinen, der bereits die allerneuesten Ver- suhe auf diesem Gebiet berüdsihtigt. Der zweite Theil, bearbeitet von Professor Dr. Grunmoh, giebt eine Dar- stellung der physikalishen Erscheinungen und Kräfte, sowie ihrer Erkenntniß und Verwertbung im praktisGen Leben. Nach einer Ein- leitung über Maße und Messen folgt ein interessantes Kapitel über den Schall; dann werden ausführlich die Erschetnungen des Lichtes und ihre praktishe Anwendung in der Photometrie, beim Spiegel, Prisma, Spektroskop, der Camera obscura, dem Panorama, dem Stereoskop, Teleskop und erdlih beim Mikroskop geschildert; Ab- snitte über Wärme, Magnetiömus, Elektrizität und Galvanismus schließen i< an. Fn dem Kapitel über die Wirkungen des galvanischen Stroms findet man eine umfassende, durch gute Abbildungen erläuterte Darstellung der überras<henden Entde>ungen des Professors Röntgen. Dieser Theil if in feiner Art eine Musterleistung. Zugleich knapp und klar if auch der dritte, von dem Ingenieur Nosenboom bearbeitete Theil, der die für unsere Zeit hoh bedeutsamen Kraftmaschinen be- schreibt. Mit stets wahsendem Interesse folgt man den Ausführungen des Avtors von den ersten Versuchen, das Bedürfniß nab größeren Kräften als die Muskelkraft des Menschen zu befriedigen, his zu dem heutigen Stande der Mascbinentehnik. Die Darstellung der einfa<hsten Windräder, Wasserräter und Turbinen fesselt ni<t weniger als die Ausführungen über die Prinzipien der Dampfkessel vnd Dampfmaschinen, der Gas- kraftmaschinen, Benzin- und Petroleum-Motore 2c. Auch dieser Ab- schniit ift bealeitet vou zahlreichen, vortrefflichen Illustrationen, die stets zur Stelle sind, wo das geschriebene Wort der bilolichen Er- gänzung bedarf. Die Verlagsbuchhandlung zeigt {< nah alledem au in der neuen Auflage erfolgrei< bestrebt, das in seiner Art ein- zige populäre Werk auf der Höhe dea Ansehens zu erhalten, das es seit seinem ersten Erscheinen genießt. Für Handels\{<üler oder Flinger der Industrie giebt es no< immer kein empfechlenswertheres Buch zur allgemeinen Vorbildung für ihre Fächer als das vorliegende.

Land- und Forftwirthschaft,

Saatenstand in Ungarn.

Nach den beim ungaris{hen A>kerbau-Ministerium am 11. d. M. eingelangten Berichten ergiebt \si< folgende, in der amtlih:n „Wiener Zeitung“ veröffentlihte Ertrags\{hätßung, bei welcher der Ausfall infolge von Elementarschäden berüd>sihtigt ist: Für

Schäßung am Vorjähriger

30, Mai Ertrag Meterzentner

33 704 730 24 472 241

9 640 211 8 928 643 Gerste 14 041 398 14 062 436 9 030 051

Hafer . 12 199 862 12 259 110 8 546 540

Im ersten Drittel des Monats Juni war das Wetter ver- änderlih, in verschiedenen Theilen des Landes waren lokale Nieder- shläge häufig. Sporadis< waren Gußreagen und Hagel im Alföld und auf beiden Seiten der Donau. Im Tisza-Maroser Winkel trat häufig Nebel auf, welcher das Getreide \<ädli< beeinflußte' und den beinahe im ganzen Lande cufgetretenen Roft förderte. »*bzwar der hierbur< verursahte Schaden bisher ni<t bedeutend ist, giebt er do< zu Besorgnissen Anlaß, da er in zahlreichen Orten des Landes ziemlich verbreitet is, und da seine Verbreitung _namentli< beim gelegten Getreide befürhtet wird. Ein bedeutender Theil des stehen- den Getreides leidet hauptsähli<h an Blattrost; in einzelnen Ko- mitaten zeigt fich au< Brand, ohne jedoh bedeutenden Schaden ver- ursac{t zu haben. 7 : i :

Im allgemeinen hat das Getreide zugenommen, die Aehren find gewöhnli s{<ön und mit geringen Ausnahmen voll. Es hängt nun- mehr vom Wetter resp. von der Ausbreitung des Nostes ab, inwie- weit die derzeitigen Ertrags8caussichten verbleiben werden, die dem all- gemeinen Durchschnitt entsprechen. Das mit : Winiter- und Sommerweizen bebaute Areal kann unter Berücksichtigung _der Elementarshäden auf 9 Millionen Katastraljo<h ges{häßt werden. Der Gesammtertrag kann auf 32 bis 34 Millionen Meterzentner ges{äßt werden, da die Entwickelung im Durchschnitt fortgeseßt befriedigend ist, indem der Rückgang in einzelnen Landes- theilen dur< die Besserung in anderen wettgemacht wird. Der zu erwartende Ertrag dürfte sih gleihwie im leßten Ausweife eher auf 7 als 6 Meterzentner per Katastraljow stellen. Der Weizen ist im Alfôöld und in einem großen Theile der wesilihen und östlichen Komitate größtentheils {Gon abgeblüht. Das Wetter hat ihn wohl stellenweise ungünstig beeinflußt, troßdem schreitet die Kernbildung im Durch-

nitt gut vorwärts.

N Die mit Noggen bebaute Fläche kann na< Abzug der von Elementarshäden betroffenen auf 1 600 000 Katastraljo< ges{<äßt werden. Der Roggen hat si in leßter Zeit eher gebessert, und dre Kernbildung ift mit geringen Ausnahmen befriedigend. Regen und Nebel verursachten ziemli viel Schaden, troßdem is ein Eitrag von 9 bis 10 Millionen Meterzentnern zu erwarten, indem der zu er- wartende Ertrag etwas mehr als 6 Meterzentner per Katastraljodß be- ragen dürfte. L E

E Ert reift {on theilweife, Sommerger ste blüht zum großen Theil. Obzwar auch bei derselben Rost und stellenweise Brand aufgetreten ist, steht sie im allgemeinen Durchschnitt be- fricdigend, ift stellenweise sehr [<ön und giebt in Landesdur<h]<niit auf einen Mittel-, stellenweise auf einen Gutmittel-Ectrag Ausficht. Das bebaute Areal kann auf ¿zwei Millionen Katastraljc< geshäßt werden, und es ist im Landesdurhschnitt ein Ertrag von beiläufig 4 Millionen Meterzentnern zu erwarten. / g Hafer ift an mehreren Orten Nost aufgetreten, auch Würmer und Unkraut. Im allgemeinen hat. er sih kaum geändert. Das Wetter war seiner Entwi>lung größtentheils günstig, und es darf im allgemeinen ein Mittel-, zum theil ein Gutmittel-Ertrag erwartet werden. Per Katastra!jo< if ein Ertrag von 6 bis T Meter- zentnern, d. i. E ein Ertrag von beiläufig 12 Millionen Meterzentnern, zu erhoffen. /

Oa Nav s\cnitt ist im Zuge. Der Ertrag ist im allgemeinen faum mittel. Stellenweise verursahte der Regen großen Schaden. Die Entwi>elung der Maispflanze schreitet infolge des häufigen Regens s<ön fort, ebenso die Entwid>kelung der Hülsenfrüchte. Die Berichte über die Entwid>elung der Gartengewächse sind cinhellig günstig. Hirse und Buchweizen haben si im Westen gut entwid>elt. Hanf und la<s stehen zufrieden- stellend. Der Hopfen entwi>elt si< |\{<öôn und verspricht einen Gutmittel-Grtrag. Der Taba> entwi>elt sih {ön. Die Zu>errübe hat sih im großen Theil des Landes sehr gut eutwi>elt und verspricht ein befriedigendes Resultat. Die Futte E steht an mehreren Orten noch besser als die Zu>kerrübe. Die Entwid>elung der Erdäpfel ist im allgemeinen günstig, der Ertrag der ae \ 2 im allgemeinen mittel. Die Ertragsauésichten des Se n st 0 g haben si nit sehr gebessert, Die Aussichten auf den Obstertrag

werden immer {wä<her.

33 755 072

M of R 9 835 899

Noggen

Saatenstand in den Niederlanden.

Amsterdam, Anfang Juni 1898. Die Frühjahrssaaten sind in- folge der vortheilhaften Witterung des Monats Mai gut zur Ent- wi>elung gekommen. Der Stand der Kartoffeln ist zufciedenstellend. Mit dem ersten Heuschnitt ist hier und ta begon-en worden ; der Ertrag verspricht infolge der kühlen Witterung des Monats Mat ein reihliher zu werden.

Rotterdamer Getreidemarkt.

In der ersten Hälfte des Mai blieb die Stimmung unter dem Eindru>k des spanish-amertkanishen Krieges und der zeitweisen Auf- hebung der Gctreidezölle in Frankrei, Spanien und Jtalien auf- geregt bet weiter steigenden Preisen. Qann. wurde jedo< die Kauflust bei der Steigerung der Zufuhr und infolge des Eintretens warmer Witterung beeinträchtigt, sodaß die Preije fielen. Selten ist der Markt so unruhig und sind die Preife so verschieden gewesen, wie in diesem Monat.

Weizen. Bei kleinen Anfuhren und stark auseinander laufenden Preisen wurden nur wenig Geschäfte abges<lossen, da das Verhältniß der Weizenpreise zu denen des Mehls zu ungünstig war.

Noggen. Die Nachfrage in Roggen konnte wegen geringen Angebots am Anfange des Monats nur theilweise befriedigt werden. Einige Geschäfte wurden in Petersburger Roggen gemaht. Später wurde das Angebot größer ; do< sind bedeutendere Abschlüsse nicht bekannt geworden.

Gerste. Das Geschäft war bet fallenden Preisen sehr flau. Hafer wurde im Preise anfangs böher als im Vormonat ges halten, fiel jedo ebenfalls bald bei lustlosem Geschäft.

Mais. Der Umsatz war bei erst weichenden, dann böberen und \<ließlih stark fallenden Preisen bedeutend. Dabei schienen sowohl die Aufwärts- wie die Abwärtsbewegung unnatürlih und übertrieben. Gegen Ende des Monats wurde jedo< au<h in diesem Artikel das Geschäft flau und ohne Na<hfrage.

4 A Getreidepreise und -vorräthe ergeben si< aus na<hstebenter Tabelle :

Nit Getreidepreise und Vorräthe

im Monat Mai 1898.

1 Mai Juni

Last zu für

[9000 M 100 kg Last

Getreideart 19400 kg | 2100 kg | |

Fl. Fl) Sl L

. [230—275) . 1217—275)

Weizen . Kurrachee .

Roggen: Taganrog . Western Nicolajew (s{<wimmend) Donau

Gerste: Odessa . Hafer: Amerikanischer Mais: Americ. mixed Odtfa: Cizquantin , Dan «4

7,38—8,75

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten.

(Aus den „Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts“ Nr. 24 vom 15. Juni.)

Pet.

Egypten. Der Schiffsarzt des an den Mosesquellen in Qua- rantäne liegenden Dampfers „Mehallah“ (vgl. Nr. 129 d. Bl.) ift am 22. Mai an Pest erkrankt und in der Naht vom 26. zum 27. Mai gestorben ; am 28. Mai wurden unter der Mannschaft zwei verdächtige Fälle gemeldet. f | E S

Honakong. (Bgl. Nr. 129 d. Bl.) Zufolge einer Mittheilung vom 5. Mai hat die Seuche erhebli< zugenommen ; die Zahl der Erkrankungen betrug am 21. April 27 (mit 20 Todesfällen), am 9. Mai 39 (28). Vom 1. Januar d. J. bis zum 4, Mai wurden 793 Gifkrankungen mit 662 Todesfällen feftg tellt ; demna verliefen 87,9 9/9 der Fälle tôdtlih. Während die Seuche bis vor kurzem fast auss<ließli< Chinesen heimsuhte und nur vereinzelte leite Er- krankungen von Europäern vorkamen, erlagen ihr Anfang Mai 3 Europäer, darunter 2 Krankenpflegerinnen des Hospitals. l

China. In Swatau ist nah einer Mittheilung vom 28. April die Pest wieder ausgebrochen ; eine Statistik über die Anzabl der Fälle besteht niht, jedo nimmt man an, daß in der Zeit vom 21. bis 28. April tägli< 4 Erkrankungs- und cbensoviele Todesfälle vor- gekommen find. In der Nachbarstadt Chaoyang sollen in diesem Sahr der Pest bereits ungefähr 8500 Menschen erlegen sein.

Cholera. British-Ostindien. Kalkutta. Vom 1. bis 7. Mai sind 16 Personen an Cholera, 7 an Po>en und 131 an Fiebern ge-

storben. Verschiedene Krankheiten.

Po>ken: Moskau, Odessa, St. Petersburg je 2, Warschau T Tdeofäe: Regierungsbezirke Marienwerder 5, Münster 9, Ant- werpen 2, Paris 5, St. Petersburg 17 Erkrankungen ; Fled>typhus: Warschau 4 Todesfälle; St. Petersburg 4 Erkrankungen; Rüd>fall- fieber: Moskau 2 Todesfälle; Geni>kstarre: New York 8 Todes- fälle; Regierungsbezi:k Stettin 2, Kopenhagen 13 Erkrankungen ; K e u <- busten: London 45Todesfälle; Hamburg 54, Kcpenhagen 76EGrfrankungen Influenza: Berlin, Moskau, Paris je 2, London 13, New York 3, St. Petersburg 4 Todesfälle; Milzbrand: Moskau 1 Todesfall ; Wien 1 Erkrankung; Tollwuth: Moskau 1 Todesfall; epidemische Ohrspeicheldrüsen-Entzündung: Wien 52 Erkrankungen. Mehr als ein Zehntel aller Gestorbenen starb an Masern (Durch- hnitt aller deutshen Berichtsorte 1886/95: 1,15%): in Boun, Plauen Erkrankungen kamen vor in Berlin 45, Breslau 249, in den Regierungsbezirken Düsseldorf 103, Königs- berg 266, Pofen 371, Schleswig 236, Sigmaringen 143, Wies- baden 112, Hamburg 436, Budapest 86, Christiania 44, Edinburg 109, St. Petersburg 93, Prag 28, Wien 527 an Scharlach (1886/95: 0,91 9/0): in Antwerpen Erkrankungen wurden gemeldet in Budapest 30, Edinburg 40, Kopenhagen 24, London (Kranken- häuser) 220, Paris 102, St. Petecöburg 37, Wien 49 desgleichen an Diphtherie und Croup in Berlin 57, Budapest 27, London (Krankenhäuser) 147, Paris 61, St. Petersburg 89, Stockholm 48, Wien 44 desgleichen an Unterleibstyphus in Paris 20,

St. Petersburg 160.

Kalkutta, 16. Juni.

(W, T. rL In Sbanzeragans ift ein Pestfall vorgekommen.

Ein Mohamedaner aus Kalkutta

Arbeit, sowie von Weltverkehr und Weltwirths<haft. Neunte, dur- aus neugeftaltete Auflag E Bearbeitet von Fachmännern. Bolle

starb an der Seuche.