1827 / 46 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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\<ädli< darstellt. Aus der Frist von 5 oder 10 Tagen folgt, daß jede Schrift in Beschlag genommen werden fann, wenn irgend ein Exemplar aus den Werkstätten des Buchdruckers geschenkt oder gestohlen wird; Jene Ftist ist ein Zwischenraum der Angst für den -Schrift) steller, indem er dur< eine Handlung eines Dritten um seine Ausgabe kommen kann, ohne daß über den Jnhalt des Werkes selbst erkannt wird, Zudem hat heutiges Tages- der Schriftsteller, wenn auch ein Prozeß über sein Werk entsteht, den Vortheil, daß er bereits in den Händen des Publikums ist, und daß die öffentliche Mei» nung darüber hat absprechen föônnen, die sodann ihre Einwirkung auf die Gerichte nicht perfehlt, indem das Geseß nicht vorher die Preßvergéhen genau bestimmen fann, sondern die Urtheile in {ol<hen Sachen nux aus der natúrlihen Billigkeit des Rechtes fließen ; diese Bil- ligfeit beruht abet auf einer Meinung, die stets durch die dffentlihe Meinung aufgeklärt wird. Man wird «also unter der Herrschast des" yorgeschlagenen Geseßes nicht schreiben. Von -der audeïa Seite folgt aus der unbegrenzten oder unentschiedenen Verantwortlichkeit der- Buchdrucker, verbunden mit der Confikation seines Bre- vet, daß man uicht mehr drucken wird. Aus der un- endlichen Schwierigkeit, die man den Journalen in den Weg lezt, und die deren Eigenthum uùtergraden, folgt die Zerstörung oder der Verkauf der Journale: J spreche niht vom Stempel und dea unendlichen Geld- bußen, die ni<ts- anders als eine Confisfation bilden, Der Redner bezieht sich sodann auf die ossizielle Apolo- gie -des- Gefeßes, worin es heißt, daß man zur Ausrot- tung des Bösen auch das Gute zuweilen mit zerstôren músse, weil jenes hundertmal mehr |<ade, als dieses núße, Hier liegt also flar die Adsicht am Tage, daß man das Gute mit dem Bösen begraden muß. Um 4 zu diesem Zweck zu gelaugen, muß man die Freiheit um- stürzen, die nah dem Gebot der Schöpfung beides her- vorbringt. Nicht die Presse wird unterdrücêt, sondern der Mensch selbst, und was. ist dieses anders als Tyrau- rei. Ein -Geseß des Argwohns (loi des suspects) im ausgedehntesten Sinne, das Franfreih ins Gefängniß unter der Wache des Ministeriums seßte, wäre bloß die. genaue Folge des Grundjoßes, auf den der Ent- wurf beruhe. ( Murren im Centrum. ) Das Mini sterium fonnte beim Vortrag desselben mit weit mehr Autoritát sagen: „Das Bôse verursacht hundertmal mehr U-4bel, als das Gute Nußen bringt. Der Urheber der Dinge hat ehedem das Gegentheil geglaubt ; er hat sich geirrt. (Allgemeines Gelächter. ) Seit der Unter- diücfung der Freiheit verschwindet der Verstand, ihr Gefährte. Die Wahrheit ist vom Guen, der Jrr- thum ist vom Bösen, man darf das Gute nicht sonen, um das Böse auezurotten. So wie das Gefängniß das natúrll<e Heilmittel gegen die Freiheit ist, so ist die Unwissenheit das Heilmittel gegen den Verstand.// So urtheilc man! Diese Argumentation ist gerade das Um- gefehrte des von der Magistratur und den Schriftstellern aller gebildeten Zeitalter ausgesprochenen Grundsaßes: daß man lieber zehn Schuldige lossprechen, als einen Unschuldigen verurtheilen soll. Der Entwurf muß schon der Jnquisition im Geiste vorgeschwebt haben, die_zu der Zeit der Verfolgung der Albingenser die Orchodoxen mit den Kebern in ein Feuer warf, damit ja keiner die- ser leßtern davon fomme. (Lebhafte Bewegung). . Hat man je in der Revolution, während der größten Tyran;- nei, eine solche Verachtung gegen die Menschheit an den Tag: gelegt. (Mehrere Stimmen : Das ist wohl wahr !- hórt! hôrt!) Zwar läßr der Entwurf uns das Leben, und beraubt uns nur den Gedanfen. Um die Journale zu zerstören, hebt er die ewigen Geseße des Rechts auf, er erflárt die bestehenden Uebereinkünfte für unerlaubdt, vernichtet die Verträge, ermächtigt die Spoliation und

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neint, ist gotteslästerishz ein Gese, das mit dem genseitig gegebenen Vertrauen spielt, -ist die Umwälz der Gesellschaft. Kein Gehorsam darf ihm gele werden; denn, sagt Bossouet, es giebt auf Erden é Recht gegen das Recht. Mußte es unter der legiti Regierung dazu foinmen, daß man solche Grunds wieder entwickeln muß. Aber es ist no< Treue Glauben in Frankreich, und eure Verderbtheit y nicht befolgt werden, Jeder wird seine Schuld zah und man wird dem untreuen Depositar mit der F mie belegen, der von dem häßl;hen Vorrecht Geh macht, das ihm das Geseß gestattet! Welche Zuf bereiten uns solhe Grundsäße! (Unterbrechung.

fall und Bravo’s.) “Diè Untèrnehmung des Entriu it múhsam, allein sie ist schwer durhzuführen.@ Entwickelung der Verstandeskräfte ist längst aus Büchern in die Köpfe übergegañgen, und dätaus mi ihr sie verjagen, um euer System zu “vervollständi Habt ihr dafür auch einen Geseßvorschlag ? (Allg nes Gelächter). Ferner müßt ihr die ganze Volfsn zerstreuen, alle zum Ackerbau nôthigen,, dann die V stätten, Manufakturen und alle Communifkfätions-M zerstören. . (Unterbre<hung.) Ohne alles dieses ette ihr euern Zweck niche, Das sind die shônen T deren glänzeude Morgenrôöôthe das Preßgeseb bil Doch, die menschliche Gesellschaft wird nicht unter sie hat no<h Stüben genug, um ihren Feinden zu tr

Hr. Syries v. Mayrinhac sprach fär den wurf, und hob besonders die Nothwendigkeit her dem Unfug der pcriodisheu Presse zu steuern z ere nerte in dieser Beziehung daran, daß im Jahr l die Zeitungen unter eine Censur gestellt wurden ; doch, fügte er hinzu, wurde den Künsten und Wi schaften ni<ht weniger gehuldigtz; die Völker waren n minder glücflih. Bald darauf aber, während drei Y naten nur wurden die Zeitungen frei und wir wi nux zu gut, wie viel Unheil diesen Zeitraum bez nete, Man wendet ein, der Unfug der Presse 1 feine außerordentlichen Maaßregeln erforderlich, al er hat zu große Fortschritte gemacht, als daß er g net werden fkfönne;z -er hat zu viel Unheil angesti als daß man nicht dagegen. wirken müsse; und die Anstrengungen derer, welche die Presse einer Z lung entziehn möchten, beweisen, wie nothwendig sie Um halb sechs Uhr wurde die Fortseßung der handlung auf den folgenden Tag oerschoben.

Fünfprocentige Rente 101 Fr. Dreiprocen 63 Fr. 45 C. 7

London, 13. Febr. (über Paris). Im Oberhl brachte gestern Graf Liverpool, so wie im Unterh( der Staatssecretair Peel eine ‘Condolenz: Adresse an * Maj. wegen des Ablebens des Herzogs von Yorl Vorschlag; sie ward einstimmig angenommen, Minister kúndigten auch an, daß wegen der Kran! des Hr. Canning die Verhandlung Über die Koruge auf Montag den 26. d. verschoben werden, dann ( unausbleiblih statt finden soll, wie au< Hrn. Canni Gesundheitszustand sein möge.

Suir- Franzis Burdecr trug darauf an, die handlung wegen der Katholifen bis zum 1, verschieben.

Die Marine- Etats wurden im Unterhause v0 legt und genehmigt. Es sind danach (wie im vot! Fahre) 30000 Mann, mit Jubegrisf von 7000 Ste daten für den Seedienst bewilligt worden. Sir G Clerf äußerte bei der Vorlegung dieser Etats, das Aufhören der Feindseligkeiten in Judien und in Ô amerifa zwar eine Verminderung der Seemacht lih mahé, daß jedoch bie Besorgniß von Feind feiten in anderen Welttheilen solche verhindern ; er hinzu, der Zustand Griechenlands erheische eine Seem

reizt zum Diebstahl, Ein Geseß, was die Moral ver-

ebt werden sollen, fi

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im Me Meere zum Schuße des levantischen andeis. } : 9 Die Schiffeigner sind in großer Bewegungz von fiverpool, Hull und allen bedeutenden Hafenpläben sind Deputirte hier eingetroffen ‘oder unterwegs, um der Regierung und dem Parlament Vorstellungen über den finfluß zu machen, welchen die Gèseße wegen des freien handels auf die Schiffahrt haben müssen. Consols 82 825 #& \ St. Peteësburg, 13. Febr. Das hiesige Jour- jl enthälr heute folgende Nachrichten von der Armee un Georgien vom 12. (24.) Januar: i Nachdem der Generallieutenant Fürst Madatoff

28. Dez. über den Araxès gegangen, bewirkte er ine Vereinigung wit der Abtheilung des Obusten Nisthenfo, Befehlshaber des Jufanterie - Regiments pheron, welches von Djavat eingetroffen war. Die uppen rü>ten nun s<leunig dur< das Desilé von Jaraourte nah dem fleinen Flusse Zambour, in dessen sähe ein Theil der nomadishen Stämme von Shaks- han, Adjaline und andere ihr Lager aufgeschlagen hat- n, Das pübliche Erscheinen der Unsrigen bewirkte ne große Bestürzung unter diesen Stämmen. Die heuterei von Karabagh und Schirwan, - durch die Ar- nier aus Karabagh verstärkt, fiel tnit Erfolg in ihr ger, und entführte ihnen an 15090 Hammel nebst ei: 1 bedeutenden Anzaßl Kameelen und Pferden, wa 500 nomadische Familien aus Karabagh, welche wm den Persern über die Grenze geführt worden waren, ten sich mit Unterwürfigkeit und wurden nach der snaunten Provinz zurück zeshi>t, Der Senerallieute- int Fürst Madatoff, der das Gerücht hatte verbreiten sen, daß er nah dem Chanat Talyche vorzurücken absichtige, seßte seinen Marsch langsam fort, um die hmadischen Perser, welche in den Gegenden von Ta- he umhershweiften,-zu veranlassen, nah deni Distrikt n Meschfine ihre Zuflucht zu nehmen, wo es leichter 1 ste anzugreifen: Dieser Plan ist vollständig gelun- n, Als der Fürst Madatoff in der Nacht vom 1. qun. in den Distrikt von Meschkine eingerúc>c war, hr er, daß jere Nomadén angekommen seien und derte alsbald die leichte Reuterei und die armenische fanterie zum Angriffe derselben ab. Der Feind sebte n unvorhergesehenen Angriffe nur shwachen und fkur- n Widerstand entgegen; sein Verlust betrug 13 Todte ist etlihen Verwundeten; unsererseits haben wir nicht ten einzigen Mann verloren und den verschiedenen no- dischen Stämmen von Schakhsevan 2000 Kameele, 000 Stück Rindvieh und 60,000 Hammel abgenom- n, Der Generaitieutenant Fürst Madatoff hat die ine Stadt Lahar oder Lori im Distrikt von Mesch-“ je beseßt. Ata-Chan, der Verwalter jenes Districts d sein Bruder Sheckur-Chan sind zum- Fürsten Ma- of gefommen, um dessen Schuß nachzusuchen; - sie d woblwoliend empfangen worden, Der durch das scheinen unserer Truppen eingeflößte Schre> hat sich i nach der Stadt Ahar verbreitet; Emir Zadi.-Seifu- luf - Mirza, der sie beseßt hielt, hat sich mit seiner milie nach Tauri geflüchtet und 1500 Mann regulai- Truppen, die unter ihm standen, sind auseinander: ufen. Nach der Meldung des Fürsten Madato}f der Weg nah der Stadt Lahar und der Uebergañg r den Berg Salvate-Hiadyschi sehr schwierig, Das

ihm befehligte Corps beträgt 11000 Mann verschie- er Truppen, nebst 33 Stück Geschú6.

Vom Main, 18. Febr. Die Preisaufgaben und îmien, welhe nach der (früher erwähnten) Verord- ing vom 14, Jan. d. J, zur Ermunterung der inlän; hen Fabrikation jährlih im Königreiche Bayern aus- sind nun für das gegenwärtige hr befannt gemacht, Die Aufgaben, deren 12 sind,

Rothgerberei, Papiermacherei, die Verbesserung der Mahlmühlen und des Gußstahles, die Herstellung neuer Maschinen , ‘und besonders des besten Webestuhls, das Gewebe aus inländisher Seide, die Bereitung der Strohgeslehte nah florentiner Art, die Töpferglasur, und den raffinirten inländishen Runkelrübenzuker. O O Preise steigen von 200 bis auf 1000 resp.

Bei dem bevörstehenden Eisgange hat. die K. Re- gierung des Untermainkreises die sämmtlichen Polizei- behörden aufmerksam gemacht, -daß von den Ufetn der- Flüsse alles dem Wegschwemmen ausgeseßte Holz ents fernt, die hôlzernen Brücken und Stege hinlänglich bes festigt, die anwohüenden Nachbarn zeitlih gewarnk, ünd die sonst nach den Lokalverhältnissen nothwendigen Maßregeln angeordnet werden, um überall Schaden vorzubeugen. I

In Augsburg wurden im vorigen Jahre 755 Kin- der geboren, worunter si< der vierte Theil uneheliche, námlih- 190 befand¿Ì ; katholischer Seits beträgt die Anzahl der Gebornen 446, evangelischer Seits 309; ges storben sind in Allem 1005, worunter 632 Katholiken und 373 Yrotestanten. Ehen wurden geschlossèn 245 ; hierunter find von katholischer Seite 149 und von pro- testantisher Seite 96, * s /

. Das große Familienfest der Hessen nähert sih, Am 19, d. feiert das Großherzogthum den Tag, wels her vor einem halben Jahrhunderte ein geliebtes Re- gentenpaar vereinte. Es ist eine schône Ueberein stim-

‘ißre Schuld verarmte H

mung, daß im ganzen Großherzogthum überall sih die Ueberzeugung ausspricht, die Jubelfeier eines so wohl- thätigen Fürstenpaars föônne nur dur<h Spendung von Wohlthaten würdig begangen werden. Alle Thränen des Kummers, die es, in vereintem Streben, in dem langen Zeitraume getro>énet hat, sollen sih an diesem Tage, in Zähren des Dankes verwandelt, mit den neuen Seguungen vereinen, welche die Erinnerung an sto viele Beispiele ihrer Milde hervotruft. Ueberall wer- den Sammlungen zur wirksamen Unterstüßung der Ar- muth, zur. Pflege der Kranken, zur Vorsorge für Witt- wen und Waisen veranstaltet. Jn Maínz werden nach einem desfallsigen Beschlusse des dasigen Stadt- raths, am Tage des Jubelfestes an 20 bis 25, ohne | andwerfksfamilien, nach dem Grâde ihrer Bedürfnisse, 2000 fl. iu der Stille vertheilt iverden, um sie in den Stand zu seben, durch Fleiß und Sparsamkeit si< wieder zu erheben. Eine gleiche Summe ist bestimmt worden, um als Kern einer Spar- fasse zu dienen, úber wel<he die Stadt die Garantie úbernimmt. Dieses wohlthätige Jnstitut, das in andern Städten si< so vortheilhast bewährt hat, wird ein blei- bendes Denkmal dieses Tages sein. Viele öffentliche Beamte und wohlhabende Bürger beeifern sich gleichfalls, durch Beiträge die Bedrängten zu unterstüßen, so daß ein wahres Fest der Freude von Armen und Reicheu gefeiert wird.

Man weldet mehrere Unglücksfälle, die in der Ge- gend von Múblenhausen (an der Zll) durh den Schnee verursacht worden sind, Der am 3. Februar sehr häu- fig gefallene feine Schnee wurde vom Winde gleichsam aufgethürmt, und dadur<h an manchen Orten die Lands straßen unwegsam gemachr. Heimkehßhrende Erwachsene und Kinder wurden bedeckt; Fuhren blieben ste>en, Mann und Roß konnten sich nur mit Múhe herausars- beiten; Kuriere und Eilwagen famen ni<ht an. Eine Mehlhändlerin, welhe vom Mühlhauser Markte zurück- fechren wollte, erfror elendigli<h im Nonnenbruch be Luterba<h. Zwei Murmelthierjungen und mehrere Män: ner sind eistarrt im Walde und in Gräben gefunden worden. Verschiedene Arbeiter werden _no< vermißt. Auf dem fogenanten Ochsenfelde war die größte Lebens-

hren im Allgemeinen die Tuchmacherei , Färberei,

gefahr. Reisende vou Than nah Mühlhausen mußten