1827 / 92 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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gen, als Milchvieh vieler kleinern und ärmern Haushal- tungen, und 4322. Schweine, deren Leßbtern jedoch eine große Zahl auch von auswärts zum Abschlachten alljähr- lich in den Kreis gebracht- und verkauft wird, da ver hältnißmaßig nur wenige Einwohner im Falle sind, sich mic dec Mastung abzugeben. Ader auch bei nicht voll ständiger Erzeugung des Bedarfs, nähren durch lebhaften Umsas die Landwirtbschaft und Viehzucht, die Jagd und Fi‘cherei, Überhaupt das Gewinnen roher Notur- produfie, eine große Menschenzahi, wobei der fleine, aber zahlreihe Marfeverkehr und der Victualien Handel nach den nahen und selbst nach entferntern Städten und Fabriforten, vor allm nicht übersehen werden darf.

Fabrifen und Manufacturen sind die zweite glei große, ader weit ergiebigere Erwerbequelle im Kreise, uud haben auch ihrerséits wieder, gleich den übrigen Ge- werben, großentheils durch Verbindung mit Grundbesiß, cine bleibeade Státte unter uns gefunden.

Mehr als die Hälfte aller Familien in dem eigent- lichen Fabrik - Bezirke des Kreises , leben von den ihm seit Jahrhunderten angehörigen Eisen- und Stahlarbei: ten, welhe im Umfange desselben 4 Eisenhämmer, 2 S\tahlhämmer, 99 Sqhleifmüßzlen und 2136 selbststän;- dige Meister in den verschiedenen Artikeln dieses viel seitigen Judustriezweiges beschäftigen.

Den Schleifmühlen wäre häufig eine verbesserte Einrichtung zu wünschen, nur wenige derselben sind nach den Erfahrungen der neuern Zeir und mic öôrficher Anwendung richtiger mehauisher und hydrotehunischer Grundsäße construirt.

Die Zahl der Arbeiter bei den eigentlihen- Solin- ger Fabriken scheint. übrigens, jedoch unbeschadet ihres Betriebes, scit den lehten Jahren advgenowmen zu ha- ben, wogegen sich die Wedereien sehr vermehrten. . E gehen dermalen im Kreite auf Seide, Wolle, Bauth- wolle und Leinen, oder für die verscbtiedene Zusammen: seßung dieser Stoffe 860 Stühle, welches 361 mehr be; trágt, als im Jahr 1316 vorhanden waren, und die einschließlich aller Nebenarbeiten ewa 1700 Menschen beschäftigen. Hierzu kommen nun 14 Färbereien und Druckereien, 2 Papiermühlen, 1 Pulvermühle, 2 Walk- müúhlen, 4 Dachziegel - Brennereien, 2 Blechfabriken, 3 Bürsten. Manufacturen, 11 Gärbereien, 4 Tabacks Ma- nufacturen, 7 Sayetspinnereien auf Maschinen und Handräádern, 58 Gecraidemühlen, nebst 11 Roßmúhlen und 12 Oelm. úßzlen, 34 Branutweinbrennereien, 9 Braue- reien, 19 Kruitpressen, und sämmtlicher Handwerfksbe- trieb,

Lebter ist in denjenigen Zweigen am lebhaftesten, welche dem Mittelstande am unentbehrlichsten sind, und ohne großen Aufwand von Geldmitteln erlernt und be- trieben werden fönnen, So sind z. B. 217 Bäcker vor- handen oder etwa einer auf je 45 Haushaltungen und 79 mehr als im Jahr 1816. Schneiter, deren Gewerbe in vielen, zumal ländlichen Haushaltungen, durch eigene Arbeit erseßt wird, sind dagegen auch aur 209 (12 mehr als 1816). Fleisher 65, Schuster 205 (21 mehr als 1816) ohne die Holzshuhmacher, deren Gewerbe häufig andere Fußbefleidung entbehrlich macht. Jn gleicher Beziehung mehren sich die Bauhandwerker, es befanden sich nemlich im Kreise: 1816. 1826.

Zimmermeister »- »+ s.» » ». 99 129 Maurer, Steinmeßen und Däch- E e N 126 E m in E 130 Glaser 7 » C N 23 27 Ohne die Gehülfen, deren überhaupt bei vorgenanntcn vier Handwerfen 165 verzeichnet sind, welchen zur be-

B treffenden Jahrebzeit sich bekanntlich mehrere ay Gast- und Schenky

Irceußishe Staats - Zeitung.

Taglöhner - Klasse zugeseller, schaft in mehr oder weniger jedoch sehr merk [hiedemer Ausdehnung betrieben ,

bis auf diese Zahl anwucßfen.

Von einigen- Gemeinden des Kreises existiren die Vertheilungszettel einer im Jahr. 1765 auszis nach den Gewerben geordneten Familin

benen, welche, wenn sie vollständig wäre; zu interessanten gleihungen Stoff geben würden. doch daraus theilweise den sehr veränderten Stan) alles Betriebs; damals z. B. waren in der jebzigen

germeisterei Opladen, Schlebush, Burtscheid und

língen, 27 Schenkwirthe, dermalen sind ihrer don Ju denselben R es im Jahr 1765 und im Jahr 1826 Schuster - . , 12 s ; Jah 47 Schneider „14 s 4 s 61 Schreiner .. ¡ - 28 Es ist zu bedauern, verlässiger Notizen nicht gestattet eine vergleichen) bersicht in dieser Beziehung vollständig aufzustella,

Bei diesem Aufschwung der Gewerbe, der nj Zuwachs“ der Bevölkerung Hand in Hand gin, wechselseitig eines durch das andere bedingt bleib, sih wohl eben um dieser Verbindung halbe, durch unbeschränkte Erwerbsfreiheit erleichtert wi unter uns ein ausfêômmlicher Zustand gebildet, d Allg: meinen genommen wohl von Reichthum und! cigfeit gleich entfernt ist. Der Umstand, daß haupt nur 3018 Dienstboten im Kreise vorkom:nen, lih mehr als 2/3 aller Haushaltungen deren gat haben, mag auf diesen g{ücklihen Mittelstand d

wo* im häuslichen, wie im bürgerlichen Leben, jeder

eigner Herr und Knecht ist! (Schluß folgt.)

Königliche Donnerstag, 19. April.

Schauspiele.

v. Maltib.

Freitag, 20. April. Jm Opernhause: „„Don J Oper in 2 Abtheilungen, mit Tanz. Musik von M

Sonntag, 22, April, Jm Opernhause: „M Quadrat,‘ Lustspiel in 1 Aupzug. Hierauf : „2 und leßtes Vocal; und Jnítrumentäl : Concert, Madame Catalani mehrere Gesangstücke vortragen __ Billets zu dieser Vorstellung sind im Bille faufs Büreau zu haben.

Preise der Pläbe: Ein Plab in einer Loi Kdnigl. Ranges 2 Rthlr. 20 Sgr. Ein Plaß in Parquet-Loge 2 Rthlr, Ein Plaß in einer Lo zweit:n Ranges 1 Rthlr, 10 Sgr. Ein Plaß in Loge des dritten Ranges 1 Rthlr, Ein Plab6 in quet 2 Rehlr, Ein Plaß im Parterre 1 Rehlr. 10 Ein Plaß auf dem Amphitheater 20 Sgr. |

Die freien Entreen und Abonnements si!

Ausnahme nicht gúltig,

Die resp. Abonnenten wollen sich aber bis S bend den 21. April, Abends 6 Uhr, im Billetve Büreau über die etwanige Beibehaltung der abon" Pläße gefällig erflären, bevor über deren weiteren fauf das Nôthige angeordnet wird.

| | i nährt theil schließlich, meist aber in Verbindung mit Eides V

ben, 506 Familien, welche seit dem- Jahr 1816 von

Man siéht in

s daß der Mangel weite

Im Opernhause: „4 Kohlhas,‘/ Trauerspiel in 5" Abtheilungen, von {

g des Reglements zu protestiren.

A 11.94€

meine

Ne 92.

“Berlin, Freitag, den 20ten April 1827.

E

Amtlihe Nachrichten. Kronik des Tages.

Berlin, den 17. April. Am grünen Donnerstage haben Seine Majestät der z das heilige Abendmahl in Gemeinschaft des en Albrecht K. H. in der Kapelle des Königlichen ¡s aus den Händen des Bischof Dr. Eylert em

jen,

Ohre Majestät die verwittwete Königin von Baiern, e des Kronprinzen und der Prinzen Wilhelm und KK. HH., haben am Charfreitage in der hiesigen und Domkirche communicirt und empfingeu das je Abendmahl aus den Händen der Hofprediger

nberg und Theremin.

Berlin, den 20. April. J, M. die Köntgin von Baiern, und JI. HH. die Prinzessinnen Maria und Ludovika Baiern sind von hier über Potsdam nach Leip- dgegangen, bis wohin JJ. KK. HH. der Kron- ' e die Kronprinzessin Allerhöchstdieselben beglei aden. i

Des Königs Majestät haben den Kammergerichts- or Flessing zum Justizrath bei dem Land- und dtgericht zu Danzig zu ernennen geruhet.

Angekommen. Se. Durchl. der Statthalter des herzogthums Posen, Fürst Radziwill, von Posen. Abgereist. Se. Durchl, der General -Major und ral - Gouverneur von Neu - Vor - Pommern , Fürst utbus, nah Stralsund,

lichen Vorrechte zu verleßen, über den „gegenwärtigen Geseßentwurf berathen fônnen. Der Redner suchte nun zu beweisen,' daß die Amendemencs der Pairskammer, da sie von dem - Könige noch nicht genehmigt wären, nur als Resolutionen angesehen werden fönuten ; die Kammer habe aber nicht das Recht, Über Vorschläge zu berathen, die nicht vom Throne kämen ; die Charte sage: der König schlägt die Geseße vor, wenn also der König einer Resolution ‘seine Zustimmung nicht ertheilt habe, so fann darüber nicht berathen werden, besonders, wenn, wie es hier der Fall sei, der- König einen andern Vor- schlag wirklich thue. Man wende zwar ein, jene Resos- lutionen seien ‘der Kammer auch vermittelst einer Ors donnanz vorgeschlagen worden ; allein es walte hier ein Mißverständniß in dea Worten ob, "denn es würde bes läidigend für die Majestär sein, wenn man die Nieders- egung einer Reihe widersprechender Entwürfe einen Vorschlag nennen wollte. Etn solcher geschehe nur, wenn der Kammer ein ganz fertiges Geseß vorgelegt würde, ihr zwei Entwürfe vorlegen, heiße so viel als gar feinen Verschlag thun. Der ursprüngliche Entwurf, sagte der Redner, existirt niht mehr, und es ist unbegreiflich, wie die Minister einen Leichnam haben ausgraben fönnen, um ihn uns vorzulegen, da wir doch außer Stande sind, wieder einen Lebensfunken in ihm zu erwecken. Am Schlusse shlug der Graf La Bourdonnaye vor, die Be: rathung auf unbestimmte Zeit auszuseßen. Hr. Borel v. Bretizel, Berichterstatter der Commission, erwies derte hierauf, daß die Charte feine Frist vorschreibe, binnen welcher die Amendements genehmigt werden müß» tenz es sei also mit Unrecht, daß man sih auf die Vor- rechte der Krone ‘berufe, um eine Weigerung über deren Vorschläge zu berathen, rechtfertigen zu wollen. Weit entfernt davon würde es eine Verleßung des Ansehens der Krone sein, wenn man über ihre Vorschläge nicht in Berathung treten wollte. Hr. Ag ier sprach im ent- gegengeseßten Sinne, und bemühte sih darzuthun, daß diese doppelte Vorlegung wenigstens unangemessen und

f unpolitish sei. Hierauf nahm der Justizminister das

Zeitungs-Nachrichten.

A usland.

Paris, 13. April. Jn der vorgestrigen Sißung Deputirten-Kammer war die Berathung über das eß, die Geschwornen betreffend (welches bekanntlich den Amendements der Pairs-Kammer vorgelegt wor- ist) an der Tagesortnung. Gleich nach dem der

ifident dieses verkündigt hatte, verlangte der Graf

Bourdonnaye. das Wort, um gegen eine Verlez: Meine Absicht ist, e er, zu beweisen, daß Sie nicht, ohne die König-

Wort und bewies, erstens, daß dieje Art der Vorlegung den Gebräuchen nicht zuwider sei, indem bereits Bei- spiele eines ähnlichen Verfahrens vorhanden wären, zwei- - tens, daß die Vorrechte der Krone und der Kammer da- durch nicht verleßt würden, da die Charte selbst noch die Krone nur nöthig habe, die vorgeschlagenen Amende- ments zu genehmigen oder zu verwerfen, bevor ein defi, nitiver Béschluß gefaßt worden seiz endlich drittens, daß die erbliche Kammer sich dadurch nicht gekränkt fühlen fónnte, indem in der gesebmäßigen Ausübung eines con- stitutionellen Rechts eine Kränkung nicht liegen fônne. Nachdem neh Hr. Hyde. v. Neuville zu Gunsten des Vorschlaas des Hrn. v. La Bourdonna ie gesprochen hatte, wurde er beinahe einstimmig durch die vorläufige

Redacteur Jol

L s

Gedruckt bei Feister und Eisersdorff.