1873 / 151 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

soweit dieselbe als neu und eigenthümlih anerkannt ist, ohne

Jemand in der Benußung ihrer bekannten Theile zu beschränken,

auf drei Iahre, von jenem Tage an, gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.

Justiz-Ministerium. : :

Der Rechtsanwalt und Notar Loeper zu Wittenberg ift

in gleicher Eigenschaft an das Kreisgeriht zu Naumburg a. S.

mit Anweisung seines Wohnsißes in Weißenfels versezt worden.

Ministerium für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten. R

Dem Gutspächter N a st| zu Augustenhof, Kreis Wirsiß

ist die in Silber ausgeprägte Gestüt-Medaille verliehen worden.

Hauptverwaltung der Staat\chulden. Belaunnit Ms ch U a H tam betreffend die Einlösung der zur RUCZahlUNn( 1. Nee 1873 gekündigten Schuldverschreibungen der 5 prozentigen Anleihe des Norddeutschen Bundes von 1870.

Von den durh unsere Bekanntmahung vom 25. Sep- tember v. Is. (Reichs-Anzeiger Nr. 228) zur baaren Einlösung am 1. Januar 1873 gekündigten Schuldverschreibungen der 5prozentigen Anleihe des vormaligen Norddeutschen Bundes vom Iahre 1870 ist ein Theil bisher nicht zur Einlösung ein- gereiht. Es wird daher an die baldige Einlösung der qu. Schuld- verschreibungen mit dem Bemerken erinnert, daß eine Verzinsung dieser Schuldverschreibungen seit dem 1. Januar 1873 nicht mehr

ndet. agi e M den 24. Juni 18783.

Hauptverwaltung der Staats\hulden. von Wedell. Löwe. Hering. Rötger.

Bekanntmachung. :

Die Ferien des Kammergerichts, des hiesigen Stadtgerichts, der Kreisgerichte des diesseitigen Departements und der zu denselben gehö- rigen Deputationen und Kommissionen beginnen in Gemäßheit der allgemeinen Justiz - Ministerial - Verfügung vom 16. April 1850 mit dem 21. Juli und dauern bis zum 31. August d. J.

Dies wird dem Publikum mit dem Eröffnen bekannt gemacht, daß während der Ferien der Betrieb aller niht s{chleunigen Sachen ruht, weshalb die Parteien und Rechtsanwalte sih während der Serienzeit in dergleichen Sachen aller Anträge und Gesuche zu enthalten haben. : A : E

leunige Gesuche müssen als solche begründet und als „Ferien- Fache PectiGaet anbei Gehen andere Gesuche ein, fo ist deren Er- ledigung während der Ferien nicht zu erwarten.

Berlin, den 25. Juni 1873.

Königliches Kammergericht.

Abgereist: Se. Durthlaucht der Reichskanzler Für st von Bismarck, nach Pommern.

Versonal - Veränderungen.

Offiziere, Portepee-Fähuriche 2c. a In e Armee. ;' Seetch A Ernennungen, Beförderungen un erfeßungen.

e 19. RUNi 1873. von Lettow, Major vom Kriegs-Mi- nisterium, als Commandeur des Füs. Bats. in das 3. Pomm. Inf. Regt. Nr. 14 verseßt. von Pen, Hauptm. aggr. dem 3. Ostpreuß. Gren. Regt. Nr. 4 und kommandirt zur Dienstleistung beim Kriegs- Ministerium, unter Stellung à la suite des Regts., auf den Etat des Kriegs-Ministeriums übernommen. Wodtke, Hauptm. vom 2. Hann. Inf. Regt. Nr. 77, unter Entbindung von dem Verhältniß als Adjutant der 5. Division, dem Regiment aggregirt und gleich- zeitig zur Dienstleistung beim Kriegs - Ministerium fommandirt. Stöôrmer, Hauptmann, aggregirt dem 6. Oftpreuß. Infant. Regt. Nr. 43, in das Regiment einrangirt und als Adjutant der 5. Div. fommandirt. Crüger, Port. Fähnr. vom Altmärk. Ulan. Regt. Nr. 16, in das 4. Thür. Inf. Regt. Nr. 72 verseßt. :

Den 21. Juni 1873. v. Oerßen, Sec. Lt. vom Kür. Regt. Königin (Pomm.) Nr. 2, in das 1. Magdeb. Inf. Regt. Nr. 26, Gr. Wachtmeister, Sec. L. vom 5. Pomm. Inf. Regt. Nr. 42 und kommandirt zur Ge augs beim Kür. Regt. Königin (Pomm.) Nr. 2, in dieses Regt. verseßt. f

Den 22 Sun 873. Prinz Wilhelm von Württem- berg Königl. Hoh., Rittm. und Esc. Chef im Garde-Hus. Regt., der Charakter als Major verliehen. | j

Den 24. Juni 1873. Frhr. v. Gemmingen, Rittm. vom Königl. Württemb. 1. Ulan. Regt. (König Karl) Nr. 19, bis ult. September d. I. zur Dienstleistung beim 1. Hannov. Ulan. Regt. Nr. 13 kommandirt. Pförtner von der Hölle, Hauptm. von der 10. Gend. Brig., zum Major befördert. Schulz, car. Major von der 5. Gend. Brig., ein Patent seiner Charge verliehen. von Krane, Pr. L. von der 9. Gend. Brig. Graf von Hessenstein, Pr. Lt. von der 7. Gend. Brig., von Duisburg, Pr. Lt. von der 10. Gend. Brig., der Char. als Hauvtm. verliehen. Riedel, außer- etatsm. Sec. Lt. von der 4. Ing. Insp., in das 1. Hess. Hus. Regt. Nr. 13 verf.

B. Abschiedsbewilligungen 2c. :

Den 21. Juni 1873. v. Bentivegni, Oberst a. D., früher Oberst-U. im Kaiser Franz-Garde-Gren. Regt. Nr. 2, in die Kate- gorie der zur Disp. gestellten Offiz. verseßt. Pförtner von der

¿lle, Sec. Lt. von der Res. des Pos. Ulan. Regts. Nr. 10, der

ied bewilligt.

pt 00 24. Täni 1873. Gablenz, Hauptm. von der Garde- Landw. Art., mit Pension und der Erlaubniß zum Tragen seiner bisher. Unif.. der Abschied bewilligt, dersclbe verbleibt jedo bis auf Weiteres in seinem gegenwärtigen Kommando zur Dienstleistung als Vorstand der Depct-Verwaltung des Eisenbahn-Bats. v. Dry- galsfi, Maj. von der Inf. des Res. Landw. Bats. Berlin Nr. 35, mit seiner bisber. Unif., der Abschied bewilligt. Ix. In der Marine.

Offiziere 2.

Den 21. Juni 1873. Werner, Kapt. Lt., zum Korvetten- Kapt. befördert. Perino, See-Kadett von der 2. Matrosen-Div.,

pt Reserve entlassen. Hol, Dautwiz, Shwarzlose, v. Hol=-.

eben, Strauch, Cochius, v. Lepel-Gniß, Mar Meyer, Gr. v. Ranzow, Frhr. v. Seckendorff, Gr. Schwerin- Schwerinsburg, Aschmann, v. Gloeden, v. Arnim, Gr. v. Haugwiß, Lieuts. zur See, Patente ihrer Charge vom 15. Ok- tober 1870 verliehen.

Die heut ausgegebene Nummer 4 der Allgemeinen Verloosungs-Tabelle des Deutschen Reihs-, und König- lichen Preußischen Staats - Anzeigers enthält die Ziehungsliften folgender Papiere: Al staden, Aktiengesellschaft für Bergbau zu

Düsseldorf. Aussig - Teplizer CÉisenbahn - Aktien. Ba- dische 35 fl. Anleihe. Berliner, Königsberger Kauf- mannschaft, Schuldverschreibungen. Breslauer, Dortmun- der, Eislebener, Graudénzer Stadt-Obligationen. Bres - lau-Odervorstädti\sche Deichverband-Obligationen. Fran k- furt, vorm. freie Stadt, 35 proz. Anlehen. Gothaer Ablösungskasse, Schuldbriefe. Grünberger, Rügener, Züllihau-Schwiebuser Kreis - Obligationen. Hamburg,

[d-Obligationen. JIelez-Griasi-Woronesch-Eisenbahn-

gationen. Posen, Pfandbriefe des neuen landwirth aftlichen Kreditvereins für die Provinz. Preußische Staats-Anleihen. Preußische Bergwerks- und Hütten-Aktiengesell- \chaft, Prioritäts-Obligationen. Russische Hope 4% Certi- fifate. Sächs\i\ che Landeskultur-Rentenscheine. Schleswig- \che Eisenbahn-Prioritäts-Obligationen. Stargar d-Posener Eisenbahn - Prioritäts - Obligationen. Türkische Eisenbahn- Prämien-Anleihe. Ungarishes Staats-Eisenbahn-Anlehen. Die Allgemeine Verloosungs - Tabelle erscheint wöchentlih einmal und is zum Abonnementspreis von 15 Sgr. vierteljährlich durch alle Postanstalten zu beziehen, in Berlin auch bei der Expedition Wilhelmstraße 32. Preis pro einzelne Nummer 24 Sgr. /

Zur Beantwortung mehrfaher Anfragen wird bemerkt, daß die Allgemeine Verloosungs-Tabelle dem Reichs- 2c. Anzeiger niht beigefügt wird, sondern nur mittelst besonderen Abonnements bezogen werden kann.

_Nichtamtkliches. Deutsches Neich

Preußen. Berlin, 28. Iuni. Ueber die Reise Ihrer Majestät der Kaiserin - Königin von Karlsruhe nah Wien und die Festlihkeiten zu Ehren Allerhöchstderselben am Kaiserlih-Königlichen Hofe daselbst geht uns noch nachstehender Bericht zu: Die Reise Jhrer Majestät der Kaiserin-Königin war von Karlsruhe aus über Nürnberg und Passau durch Bayern in er- wünschter Weise vor sich gegangen. Auf der ganzen Tour durch Bayern wurde Ihre Majestät mit den gebührenden Ehrenbezeu- gungen empfangen. Von Passau aus war die Deutsche Kaiserin dec Gast Ihrer Majestäten des Kaisers und Königs und der Kaiserin und Königin von Oesterreih-Ungarn, Bis Passau war der Hohen Frau der Botschafter des. Deutschen Reiches, General- Lieutenant von Schweiniß, entgegengereist und bis Linz der Eisenbahn-Hofzug des österreichisch - ungarischen Kaiserpaares Ihrer Majestät entgegen gekommen, um Allerhöchstdieselbe auf- zunehmen und nah Wien zu bringen. Auf dem dortigen Bahn- hof war eine Ehrenwache mit Musik und Fahne aufgestellt; dort erwartete auch Ihre Majestät der Allerhöchstderselben zugetheilte Ehrendienst Graf Alfred Potocki und Graf Wilczek; ebenso waren die Spitzen der Civil- und Militärbehörden zum Empfange anwe- send, und geruhten Ihre Majestät, das von dem Kaiserlichen Hofe angebotene Diner anzunehmen. In St. Pölten erwartete Se. Maje- stät der Kaiser von Oesterreih und König von Ungarn in der Uniform des Kaiser Franz Garde - Grenadier - Regiments die Deutsche Kaiserin und begrüßte Allerhöchstdieselbe auf das herzlichste. Auf dem Bahnhofe war eine Ehrenwache des 11. Iägerbataillons mit Musik und Fahne aufgestellt; ferner waren beim Empfange anwesend der Bischof von St. Pölten, der Stadt-Komman- dant, der Bürgermeister, die Spizen der Behörden und Graf Trauttmansdorf. Nach den üblichen BVor- stellungen durch Se. Majestät den Kaiser Franz Joseph in den prachtvoll dekorirten Sälen des Bahnhofes erfolgte die Wei- terreise Beider Majestäten im Hofsalonwagen und die Ankunft auf dem Penzinger Bahnhofe um 8 Uhr 30 Minuten. Penzing ist diejenige Eisenbahnstation, welche dem Lustschlosse von Schön- brunn am näGsten gelegen ist. Auf dem Perron war eine Com- pagnie des' Infanterie-Regiments Erzherzog Albrecht Nr. 44 mit Musik und Fahne aufgestellt. Zum Empfange der Kaiserin und Königin hatten Sih eingefunden: Jhre Majestät die Kaiserin und Königin von Oesterreih-Ungarn, begleitet vom Kronprinzen Rudolf, Ihre Kaiserliche Hoheit die Erzherzogin Marie, Gemahlin des Erzherzogs Rainer, Ihre Kaiserlihen und Königlichen Hoheiten die Erzherzoge Carl Ludwig, in der Uniform Seines Preußischen Ulanen-Regiments Nr. 8, Ludwig Victor, Albrecht, Leopold, Beide in der Uniform Ihrer Preußischen Infanterie-Regimenter Nr. 3 und 6, Rainer und Friedrich, Se. Königliche Hoheit Prinz Wasa, Ihre Hoheiten Prinz Gustav von Weimar, Prinz August von Sachsen-Coburg-Gotha und Fürst Carl von Rumänien, ferner der Landeskommandirende Feldzeugmeister Freiherr v. Maroicic, der Statthalter von Nieder- Oesterreih Freiherr v. Conrad - Gybesfeld, der Leiter der Polizeidirektion Regierungs - Rath Weiß. Außerdem waren, um der Deutschen Kaiserin ihre Ehrfurht zu beweisen, noch an- wesend die Gemahlin des deutshen Botschafters, Frau von Schweiniy, das Personal der deutschen Botschaft, Botschafts- Rath Graf Dönhoff, der als Militärbevollmächtigter zur Bot- haft kommandirte Major Graf von Finkenstein, der Gesandte Württembergs, der Herzog von Ratibor mit dem Erb- prinzen, die Mitglieder der preußishen Ausstellungskom- mission und viele preußishe Staatsangehörige von Distinktion. Als der Zug in Sicht war, stimmte die Musik die preußische Nationalhymne an, Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth trat in Begleitung der Mitglieder der Kaiserlih - Königlichen Familie und der übrigen Fürstlichkeiten auf den Per- ron, um Ihre Majestät die Kaiserin Augusta zu begrüßen. Kaiser Franz Ioseph vermittelte die Begegnung der Beiden Kaise- rinnen, deren Begrüßung in der freundlihsten Weise stattfand. Darauf erfolgte von Seiten Ihre: Majestät der Kaiserin Augusta die Begrüßung derjenigen Mitglieder der Kaiserlih-Königlichen Familie, welche Allerhöchstderselben bereits persönlich bekannt waren, und dur den Kaiser die Vorstellung derjenigen, deren persönliche Bekanntschaft zu machen, Ihrer Majestät bisher noch niht Ge- legenheit gegeben war, sowie auch der anwesenden Vertreter offizieller Behörden. An der Seite der Kaiserin Elisabeth betrat die Deutsche Kaiserin die Bahnhofshalle, die Versammelten theils durch huldvolles Neigen , theils durch Ansprache begrüßend. Se. Majestät der Kaiser Franz Joseph geleitete die Hohe Frau an den mit vier Pferden à la Daunvet bespannten offenen Halb- wagen, in welchem die Kaiserin Augusta zur Rechten der Kaiserin Elisabeth Plaß nahm. In einem zweiten Wagen folgten der Kaiser Franz Joseph und Kronprinz Rudolf. Zu bemerken ist noch, daß der Kaiser sowie sämmtlihe Erzherzoge das große Band des Schwarzen Adler-Ordens trugen. So ging der Zug durch die dihten Menschenmassen hindurch bis nah dem Lustshloß Schönbrunn, wo die Allerhöchsten Herrschaften an der großen Freitreppe anfuhren. Se. Majestät der Kaiser führte Ihre Ma- an die Kaiserin Augusta am Arme die Treppe hinauf, Ihre ajestät die Kaiserin und Se. Kaiserliche Hoheit der Kronprinz Rudolf folgten. Der Erste Obersthofmeister Fürst von Hohenlohe und der Kaiserlih Königliche Ober-Ceremonienmeister traten vor, und die Suiten folgten den Allerhöchsten Herrschaften. In der großen Galerie hatten \sih die Obersten Hofämter, Garde-Kapitäne und Hofdienste, die gemeinsamen Minister, der Minister - Präsident Fürst Auers- perg an der Spitze der Kaiserlich-Königlichen Minister, der König- lih ungarische Minister am Allerhöchsten Hoflager, die Hofdamen

hohen Würdenträger des Hofes und Staates vor Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta durch Se. Majestät den Kaiser Franz Joseph statt, nah welher Sih der Hohe Gast des Kaiserhauses in die für Allerhöchstdieselbe bereiteten Gemächer, welche einst die Erz- herzogin Sophie bewohnt hätte, zurückzog, um kurz darauf beim Familienthee Ihrer Majestäten wieder zu erscheinen.

Am Morgen na der Ankunft in Schöubrunn stattete Ihre Majestät die Kaiserin - Königin der Erzherzogin Marie, Ge- mahlin des Erzherzogs Rainer, in Wien einen Besuch ab. Darauf begab sich Ihre Majestät in die Stefanskirhe und später in das Arsenal. Se. i 5 Josef erwartete die Kaiserin am Portal und geleitete Allerhöchst- dieselbe durh alle Räume desselben. Von da fuhr Ihre Majestät nach der Bildergalerie des Belvedere, die in allen Einzelnheiten genau besichtigt wurde, und begab Sih nah Lustshloß Schönbrunn zurück. Um 4 Uhr nahm die Kaiserin an der Hoftafel in Schönbrunn Theil. Außer

Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha und der Fürst Carl von Ru- mänien anwesend; ferner hatten der deutsche Botschafter General- Lieutenant von Schweiniß mit Gemahlin, der Botschaftsrath Graf Dönhoff und der als Militärbevollmächtigter zur deutschen Botschaft kommandirte Major Graf von Finkenstein, sowie eine Anzahl Herren und Damen der österreichischen Aristokratie Ein- ladungen erhalten. E

Am Abend gegen neun Uhr empfing Ihre Majestät an der Seite des Kaisers Franz Iosef und der Kaiserin Elisabeth im fleinen Redoutensaale der Kaiserlihen Hofburg zu Wien die Botschafter und Botschafterinnen, die Chefs der Missionen mit ihren Gemahlinnen und dem Personale der Legationen. Die Vorstellung der Herrèn geschah durch den deutshen Botschafter General-Lieutenant von Schweiniß, der Damen durch die Frau von Schweiniz. Demnächst präsentirte der deutsche Botschafter Sr. Majestät dem Kaiser und König von Desterreih-Ungarn die Mitglieder der deutshen Weltausstellungs-Kommission und der Iury, als Ihre Majestät unter den übrigen Anwesenden der Hofgesellschaft Cercle mate. Darauf sah Ihre , Majestät eben- falls die deutshen Mitglieder der Weltausstellungs-Kommission. Unter Vortritt des Ersten Oberst - Hofmeisters, Fürsten zu Hohenlohe, geleitete Se. Majestät der Kaiser Franz Iosef den Gast nah dem großen Redoutensaale, woselbst ein Kon- zert von dem Orchester, den Mitgliedern und dem Chore des Kaiserli Königlichen Hof - Operntheaters veranstaltet war. Die Deutsche Kaiserin saß zwischen Ihren Majestäten von Oesterreich-Ungarn. Der Kaiser von Desterreih trug die Uni- form Allerhöchstseines preußishen Garde-Regiments mit dem Bande des Schwarzen Adler-Ordens, sowie auch Ihre Kaiserlichen Hoheiten die Erzherzöge, soweit Sie Chefs von preußischen Regimentern sind, die Uniformen derselben trugen, und sämmtlich den Schwarzen Adlerorden angelegt hatten. Dem Konzerte wohnten außer den Erzherzögen auch Ihre Hoheiten die Herzoge von Braun- \chweig und Sachsen-Coburg-Gotha , Ihre Königlichen Hoheiten Prinz Ludwig von Bayern mit Gemahlin und Se. Kaiserliche Hoheit Prinz Peter von Oldenburg bei. Während der Pause machte Ihre Majestät unter den Fürstlichkeiten sowie den übrigen Geladenen Cercle, und beehrte die österreichish - ungarischen Herren, den Minister-Präsidenten Grafen Andrassy, Fürsten Adolf Auersperg, den Fürsten Adolf Schwarzenberg und den Sektionschef im Aus- wärtigen österreichisch - ungarishen Amte Frhrn. von Hofmann mit huldvoller Ansprahe. Am Schlusfe des Konzertes wurden Ihrer Majestät durch den Oberst-Hofmeister Fürsten zu Hohen- lohe die im Konzerte mitwirkenden Künstler und Künstlerinnen vorgestellt, worauf Sih Ihre Majestät, geführt von Sr. Majestät dem Kaiser Fra1z Iosef, zurückzog und nah Schönbrunn zurüdck- begab. :

f Gestern Vormittag 10} Uhr besuchte Ihre Majestät, laut telegraphischer Meldung, die Weltausstellung. Der Kaiser von Oesterreich erwartete die Kaiserin an dem Südportale und führte Allerhöchstdieselbe in den Ausstellungsraum. Bei dem Empfange waren die Erzherzöge Carl Ludwig und Rainer anwesend. Ihre Majestät die Kaiserin Augusta besuchte zunächst. die Rotunde und besichtigte darauf nacheinander die österreichische, ungarische, russische, griechische, orientalishe und die deutsche Abtheilung, wo Sich der Kaiser und die Erzherzöge von Ihrer Majestät verabschiedeten. Die Kaiserin nahm alsdann, von deut- \chen Kommissionsmitgliedern begleitet, die Längengalerie des westlihen Theiles des Industriepalastes in Augenschein und ver- fügte Sich \chließlich in den deutschen Kaiserpavillon, wo ein Dejenuer \ervirt wurde. Um 2 Uhr verließ Ihre Majestät die Kaiserin die Ausstellung.

Gestern hielt der Bundesrath unter Vorsig des Staats-Ministers Delbrü die 42. Plenarsizung.

Es famen zur Vorlage die Schreiben des Präsidenten des Reichstags über die Beschlüsse des Reichstags, betreffend: a. den Entwurf eines Münzgeseßes; b. den Gntwurf eines Geseßes we- gen des nah dem Geseße vom 8. Iuli 1872 einstweilen reser- virten Theiles der französishen Kriegskosten - Entschädigung; c. den Entwurf eines Geseßes über den Antheil des ehemaligen Norddeutschen Bundes an der französishen Kriegskosten-Ent- schädigung; d. den Entwurf eines Gesezes wegen Verlängerung der Wirksamkeit des Banknoten-Geseßes; e. den Entwurf eines Gesehes wegen Abänderung des Vereins-Zolltarifs ; f. Petitionen wegen Aufhebung des Eingangszolles für verschiedene Gegen- stände; g. den Gesehentwurf wegen Feststellung des Nachtrags zum Reichshaushalts-Etat für 1873; h. den Geseßèntwurf wege Feststellung des Reichshaushalts für 1874. i j

Ferner wurden vorgelegt: ein Uebereinkommen mit Belgien, betreffend die Postbeförderung von Geldbriefen und ein Antrag Bayerns, betreffend die Denaturirung von Salz. Aus\chuß- berihte wurden erstattet über: a. die elsaß-lothringishe Bausch- summe; b. den. vom Reichstage beschlossenen Gesezentwur| wegen der Volksvertretung in den Bundesstaaten; c. Petitionen, betreffend die Aenderung von Bestimmungen der Shiffsver- messungs-Ordnung; d. die Taravergütung von Kaffee in Säen; e. die Besteuer1ng der Zuckercouleur als Malzsurrogat; f. den Antrag Sachsens wegen des Erlasses der Branntweinsteuer für Preßhefenmaische; g. den Zollaus\chluß des Terrains für den Quaibau bei Altona; h. die Interpretation des §. 82 des Vereins-HZollgesezes, betreffend Strandgüter; i. die Deklaration von Heringen in Tonnen 2c.; k. den Antrag Badens wegen Errichtung eines Ansagepostens bei Lörrach; |. die Zuläffigfeit der Gewerbe-Legitimations\cheine der Handlungsreisenden in Bezug auf die Steuerpflicht; m. die Tarifirung von Korbflechtwaaren; n, den Abschluß einer Uebereinkunft mit Rußland über den Schuÿ der Waarenbezeihnungenz; 0. den Entwurf einer Verordnung wegen Beschaffung der Kautionen der Telegraphen - Beamten;

E b-Obligatie Rentenbriefe. Hannovers\che (vorm.,) Staats- u

Obligationen. Lübeck-Büchener Eisenbahn-Prioritäts-Obli-

und der Dienstkämmerer Ihrer Majestät sowie die Flügeladjutan-

ten Sr. Majestät versammelt. Hier fand die Vorstellung der

Majestät d:-r Kaiser Franz -

der Kaiserlihen Familie in engerem Kreise waren der regierende

p. den Baushsummen - Etat für Bayern; q. den Gesezentwutf

über Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften wegen des Ueber- gangsverkehrs mit fteuerpflihtigen Gegenständen.

Der Aus\ch{chuß des Bundesraths für Handel und Verkehr hielt heute eine Sizung.

Bis zum 7. Juni d. Is. waren in den Münzstätten des Deutschen Reichs in Zwanzigmarkstücken 562,060,220 Mark und in Zehnmarkstücken 126,662,630 Mark ausgeprägt worden. In der Woche vom 8. bis 14. Juni sind ferner ge- prägt in Zwanzigmarkstücken: in Berlin 5,511,240 Mark, in Hannover 2,879,320 Mark, in Frankfurt a. M. 3,252,680 Mark, in München 1,295,940 Mark, in Karlsruhe 400,200 Mark und in Darmstadt 438,460 Mark.

Die Gesammt-Ausprägung stellt \sich daher bis 14. Juni d. Is. auf 702,500,690 Mark, wovon 575,838,060 Mark in S E und 126,662,630 Mark in Zehnmarkstücken

estehen.

Bei dem Bundes-Amte für das Heimathwesen stehen für Montag, den 30. Iuni, folgende Termine an: 1) Ortsarmenverband des Gutsbezirks Johannisruhe contra Landarmenverband des Kreises Rössel. 2) Landarmenverband Hannover contra Ortsarmenverband Lüneburg. 3) Ortsarmen- verband Kiel contra Ortsarmenverband Bosau. 4) Landarmen- verband Posen contra Ortsarmenverband des Gutsbezirks Carls- hof. 5) Landarmenverband Hannover contra Ortsarmenverband Uelzen. 6) Landarmenverband Shlefien - Glag contra Orts- armenverband Gleiwiß. 7) Ortsarmenverband Elbing contra Ortsarmenverband Frauenburg. 8) Ortsgarmenverband Gluski contra Landarmeny»yerband Posen. 9) Ortsarmenverband Stettin contra Ortsarmenverband Colow. 10) Ortsarmenverband Suhl contra Drtsarmenverband Halle. 11) Ortsarmenverband Regeñ- walde contra Ortsarmenverband Pyriß. 12) Ortsarmenverband Wongrowiß contra Ortsarmenverband Bromberg. 13) Orts- armenverband Faid contra Landarmenverband der Rheinprovinz. 14) Ortsarmenverband Misdow contra Ortsarmenverband Stettin.

_ Se. Majestät der Kaiser und König haben für die Abgebrannten in Cappe bei Zehdenik eine Unterstüßung von 1000 Thlr. zu bewilligen geruht.

Der Kursus der vereinigten Artillerie- und Ingenieurschule i| gestern geschlossen worden und haben sich die zu demselben kommandirt gewesenen 337 Artillerie - Offiziere zu ihren resp. Regimentern zurückbegeben.

‘Heute Vormittag. 10 Uhr fand in der Central-Turn- anstalt hierselbst die Shlußbesichtigung der zum 3monat- lihen Sommerkursus kommandirten Unteroffiziere statt.

Die Direktion der Lebensversicherungs- Anstalt für die Armee und Marine hat den Schlußtermin zur Anmeldung neuer resp. Erhöhung bereits angemeldeter Ver- siherungen vom 1. Juli cr. bis zum 15. Juli 1873 verlängert.

Der russische Botschafter von Oubril is gestérn früh aus Bad Ems wieder hierher znrückgekehrt.

Der Erste Präsident des Kammergerichts, Wirklicher Geheimer Rath Dr. von Strampff is von seinen Inspektions- reisen nah Berlin wieder zurückgekehrt.

Der General-Major und Chef der Landestriangulation von Maroczowicz hat eine Dienstreise zur Inspizirung der Arbeiten der Bureaus der Landestriangulation nah Westpreu- ßen, Posen und Pommern angetreten; demnächst geht derselbe mit einem mehrwöchentlichen Urlaub nah Mecklenburg.

In der Königlihen Gärtner-Lehranstalt am Wildpark bei Potsdam findet vom Montag, den 30. Juni, bis inkl. Mittwoch, ‘den 2. Juli, die erste diesjährige Spezialaus stellung von Erdbeeren, Kirschen, Pflan- zen und Blumen 2c. statt. Dieselbe vereinigt alle neuen, werthvollen Erdbeersorten 2c., welche in den Königlichen Hof- gärten, in dem Mustergarten der Gärtner - Lehranstalt und in der Landes-Baumschule kultivirt werden und zur weiteren An- pflanzung zu empfehlen find. Der Besuch is Jedermann un- entgeltlih gestattet.

Am 16. k. M. wird bei Vionville die feierlihe Ein- weihung des Denkmals stattfinden, welhes für die im Feld- zug gegen Frankreih gefallenen 2c. Offiziere und Mannschaften des Brandenburgischen Füsilier-Regiments Nr. 35 errichtet ist.

Unter den Unterschriften der in Nr. 146 d. Bl. mit- getheilten Adresse an des Kaisers und Königs Majestät ift statt „Carl Richard“, Königlicher Kreisrichter, zu lesen: „Carl Pickart“, Königlicher Kreisrichter.

Danzig, 27. Juni. Die Sanitäis-Kommission hat, wie die „Westpr. Ztg.“ mittheilt, zur Abwehr | der Cholera fol- genden Beschluß gefaßt:

Hinsichtlich der Revision der auf der Weichsel herunterkommenden Traften bleibt das bisherige Verfahren in Kraft. Sämmtliche von den Traften zu entlassende Personen auf der ganzen Strecke von der Plehnendorfer Schleuse, Strohdeich, Weichselmünde, Neufahr- wasser find nah dem Gansfkruge zu dirigiren, werden gesammelt, desinfizirt und untergebracht, sobald Räumlichkeiten dazu beschafft sind, was sofort durch Aufschlagen von Baracken bewirkt wird, Dort werden die Flößer beaufsihtigt und, wenn nöthig, verpflegt, bis sie, zum Eijenbahnhof behufs Rücktransport in die Heimath ab- geführt werden können. Die Strompolizei wird dies bewirken, während das ländliche Polizeiamt die Desinfektion unter ärztlicher Aufsicht zur Ausführung bringen läßt, auch für die Unterkunft und Verpflegung Sorge trägt. Die Eisenbahnverwaltung wird die Flößer auf dem Bahnhof und in den Waggons iseliren und die Polizeibehörde die Flößer in geschlossenen Trupps nah dem Bahnhof geleiten. Auf dem Bahnhofe wird die Eisenbahnverwaltung für Desinfektion der Abtrittsgruben sorgen, welche aus\{ließlich für die Flößer herzu- richten sind, auch werden für die Flößer durchgehende R bis zur Grenzstation ausgegeben. Für die erforderliche Anzahl Polizei- beamter zur Beaufsichtigung und zur Transportbegleitung der Flößer ist bereits gejorgt.

Ems, 26. Juni. Ihre Majestät die Königin von Württemberg und Ihre Kaiserlihe Hoheit die Großfürstin Vera sind zum Besuche Sr. Majestät des Kai- sers von Rußland hier eingetroffen und haben Äbsteigequartier in den „Vier Thürmen“ genommen.

Wilhelmshaven, 24. Juni. Gestern Mittag nnd heute Morgen wurden Seitens der Torpedo-Abtheilung der Kaiserlichen Marine hierselbst in dem Hafenkanale Versuche mit Torpedos neuerer Konstruktion angestellt.

Bayern. München, 25. Juni. Prinz Otto is dem „K. v. u. f. D,“ zufolge von seiner langwierigen Krankheit wieder hergestellt. Derselbe verbringt die Tageszeit bereits wie- der in seinen Appartements in der Königlichen Residenz und ver- weilt nur die Nächte noh in Nymphenburg. Der Prinz wird si erst dann zu längerem Aufenthalt nah Hohenshwangau begeben,

wenn der König, welcher zur Zeit noch in Schloß Berg weilt, \ ein Hoflager dorthin verlegt haben wird.

26. Juni. Der König wird in näthster Zeit von Schloß Berg in München eintreffen und einige Tage hier ver- weilen. Die Königin-Mutter wird in einigen Tagen von Elbingeralp nah Hohenshwangau zurückehren.

_ Württemberg. Stuttgart, 26. Iuni. Der König ist, nachdem er vorigen Sonnabend die Garnison von Ludwigs- burg, am Montag die Garnison von Stuttgart besichtigt hat, gestern Vormittag nach Ulm abgereist, wo am Nach- mittag große Revue in der Friedrihsau stattfand und heute Vormittag ein Manöver von den Ärtilleristen und Pionieren ausgeführt wird. Um Mittag reist dann der König weiter nah Friedrichshafen, dem alljährlihen Sommeraufenthalt des König- lihen Hofes. Die Königin, welche die Kaiserin von Rußland nach Ems begleitet hat, wird von dort am nächsten Sonnabend zurückerwartet und sodann die Reise nah Wien und Ishl an- treten. Der König wird sich, der „Sp. Ztg.“ zufolge, Mitte Juli nah Wien begeben, einen Besuh in Ischl tadelt: nach seiner Rückehr einen Aufenthalt in dem JIagdshlo}e Kloster Siebenhausen nehmen und darauf wieder nah der Sommer- residenz Friedrichshafen zurückehren.

Der Prälat Dr. v. Dettinger is, seinem Ansuchen gemäß, von der durch ihn seither bekleideten Funktion eines Delegirten der evangelischen Ober-Kirchenbehörde bei der Mini- sterial-Abtheilung für Gelehrten- und Realshulen enthoben und diese Funktion dem außerordentlihen Mitglied des evangelischen Konsistoriums, Hofklapan Ober-Konsistorial-Rath Dr. Wittich übertragen worden.

Hessen. Darmstadt, 27. Iuni. (D. Ztg.) In der gestrigen (18.) Sißzung fuhr die Zweite Kammer der Stände in Bera- thung des Entwurfs der Städteordnung fort. Zunächst wurde Art. 16 (von der Wählbarkeit ausgenommene Personen) mit zwei Anträgen des Aus\{hus}ses, wonach die Bezirks-Justizbeamten von der Wählbarkeit in die Stadtverordnetenversammlung nicht ausgeschlossen sein sollen und die aktiven Staatsbeamten zum Eintritt in dieselbe des Urlaubs der Staatsregierung bedürfen, angenommen. Die Art. 17 (Aus\{huß eines Stadtverordneten durch bestimmte Verwandtschaft mit einem anderen oder einer Magistratsperson), 18 (Unvereinbarkeit des Amtes eines Stadtver- ordneten mit dem eines besoldeten Gemeindebeamten), 19 (räumliche Abgrenzung der Wahlbezirke innerhalb einer Stadt), 20 (Fertigung der Listen der Stimmberechtigten durch den Bürgermeister), 21 (Auflegung und Einsicht der Lislen, Reklamationen gegen die- selben), 22 (Bekanntmachung der Wahl), 23 (Abstimmung mit- telst Stimmzettel), 24 (Verkündigung der Gewählten), 25 (Prü- fung der Wahl durch den Kreisrath, Entscheidung durch den Kreisaus\{chuß), 26 (Bekanntmachung der Veränderung eines Wahlergebnisses), 27 (Eintritt und Ausscheiden der Stadt- verordneten, deren Verpflihtung durch den Bürgermeister) und 28 (Inkraftbleiben des Geseßes vom 22. November 1872, über die Mitwirkung der Forensen bei Festseßung des Gemeinde- voranshlags) wurden theils unverändert, theils mit unwesent- lichen Modifikationen angenommen. Zu erwähnen i} in dieser Beziehung nur, daß ein Antrag des Abgeordneten Dumont, den Art. 19 zu streihen, also nicht in räumlichen Wahldistrik- ten, sondern durch die Wähler der gesammten Stadt, alle Stadt- verordneten wählen zu lassen, abgelehnt wurde; dagegen wurde ein “Amendement Küchler, wonach.“ nicht der Bürgermeister (Fassung der Vorlage), sondern die Stadtverordnetenversamm- lung die Wahlbezirke abgrenzen foll, unter Zustimmung der Regierung einstimmig angenommen. Ein Antrag des Abg. Dumont zu Art. 22, wonach der Bürgermeister die Stunden des Wahltags, an denen gewählt werde, nur im Einvernehmen mit den Stadtverordneten festsezen könne, wurde ebenfalls abgelehnt und Ersterem allein dieses Recht vindicirt. Hierauf wurden die Art. 29 (Wahl zweier oder mehrerer Beigeordneten als Gehülfen und Vertreter des Bürgermeisters) und 30 (Per- sonen, die von dem Amte einer Magistratsperson, d. h. eines Bürgermeisters und eines Beigeordneten, ausgeschlossen sind, Ausscheiden eines zur Magistratsperson ernannten Stadtverord- neten aus leßterem Amte) angenommen; ein Antrag des Abg. Dumont, die Bürgermeister und Beigeordneten zu Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung zu erklären, falls kein kolle- gialisher Magistrat vorhanden sei, wurde abgelehnt. Schließlich trat die Kammer in die Debatte über die Art, 31 und 34 (Wahl und resp. Bestätigung der Bürgermeister und Beigeord- neten) ein, ohne die Diskussion indessen zu beendigen.

Der Abg. Greim hat am 25. d. M. in der Kammer folgende Interpellation eingebracht:

1) Gedenft die Großherzogliche Staatsregierung jene Angehörigen der katholischen Kirche, welche die Unterwerfung unter die vatikani- schen Konzilsdekrete verweigern, in den Rechten, welche ihnen in ihrer Eigenschaft als Katholiken gewährleistet sind, namentlih in dem Mit- gebrauch der den katholischen Gemeinden zustehenden gottesdienstlichen Gebäude, Geräthschaften 2c. 2c. zu {chüßen? 2) Gedenkt die Groß- Ge Staatsregierung folche Geistliche, welche von einer alt- atholishen Gemeinde angestellt sind, in dieser Eigenschaft anzuerken- nen, namentlih auch denselben die Beurkundung des Civilstandes für die Angehörigen der betreffénden Gemeinde zu übertragen? 3) Gedenkt die Großherzogliche Staatsregierung, wenn ein an einer öffentlichen Schule angestellter Lehrer sih zur Ertheilung des Religionsunterrichts an die Kinder der Altkatholiken bereit erklären sollte, demselben dies zu gestatten, eventuell ihn in seiner Stellung zu schüßen?

Derselben find ausführlihe Motive beigegeben. Der bei der Verlesung anwesende Regierungs-Kommissär Ministerial-Direktor v. Starck erklärte, daß die hier in Frage stehenden Verhältnisse bis jezt von feiner Seite bei der Regierung in Anregung ge- bracht worden seien und die Antwort demnächst nah Mittheilung der Interpellation im gewöhnlihen Geschäftsweg erfolgen solle.

Sachsen-Coburg-Gotha. Coburg, 26. Juni. Die Herzogin is gestern Nahmittag wieder auf Schloß Callen- berg eingetroffen.

Anhalt. Dessau, 26. Juni. Der Herzogliche Ho wird, wie die „Leipz. Ztg.“ meldet, nachdem de eite e Wien für jegt aufgegeben, seinen Aufenthalt in Wörliß zunächst beibehalten.

Desterreich-Ungarn. Wien, 23. Juni. Der Groß- herzog von Mecklenburg is am 23. d. M. Abends sammt Gefolge in Ischl angekommen und hat im Hotel „Kaiserin Eli- sabeth“ Absteigequartier genommen.

Der Erbprinz Leopold ¡und der Prinz Friedrich von Anhalt find vorgestern ‘von Salzburg nah Wien abgereist.

__ Pesth, 26. Juni. Im Abgeordnetenhause wurden die Budgets des Unterrichts- und Handels-Ministeriums erledigt und hierauf die Generaldebatte über das Budget des Iustiz- Ministeriums begonnen.

__— 27. Juni. (W. T. B.) In der heutigen Fraktion s- sißung der Deakpartei wurde beschlossen, morgen im Ab-

geordnetenhause der Erklärung der Regierung in der Angelegen- heit der Veröffentlihung der vatikanishen Dekrete durch den Bischof von Rosenau zuzustimmen und die Einseßung einer Kommission zu beantragen, welche die geseßliche Regelung des Verhältnisses des Staates zur Kirche einer Vorberathung unter- ziehen soll.

Die kroatishe Regnikolar-Deputation hat auch bezüglich des leßten noch vorhandenen Differenzpunktes die An- träge der ungarishen Regnikolar-Deputation angenommen. Am Sonntag findet die feierliche Schlußsizung der Deputation statt.

_— Einer Meldung des „Pesther Lloyd“ zufolge is der zwischen Desterreih-Ungarn und der Pforte betreffs Re- gelung der Frage des eisernen Thores und über den Anschluß der rumänishen an die österreihishen Bahnen abgeshlo}ene Präliminarvertrag nunmehr unterzeihnet worden.

Schweiz. Bern, 27. Iuni. (W. T. B.) Der Bundes- rath hat heute festgestellt, welhe Gegenstände der im Iuli zu- sammentretenden Bundesversammlung zur Berathung vorgelegt werden sollen. Die Vorlagen umfassen 69 verschiedene Num- mern, darunter die Botschaft des BundesPräsidenten, die Re- vision der Bundesverfassung betreffend.

Zürich, 26. Juni. Dem „Lien federal“ zufolge würde der Bundesrath der Bundesversammlung eine gruppenweise Abstimmung des Bunde srevisions-Entwurf s vorschlagen, und zwar in folgender Weise: :

T. Stimmrecht, Wählbarbeit und Naturalisation (Art. 42, 43, 70 und 71 des Entwurfs). IL. Unterrichts- und Kultusfragen. (Art. 25, 48, 49, 50, 60, 64 und 65). IIT. Forst- und Wasserbaupolizei, Sischerei und Jagd, Eisenbahnen, Spielhäuser, Münzwesen und Papier- geld, Maß und Gewicht, Sanitätöswesen (Art. 22, 23, 2081, 37 38, 99, 47, v6). IV. Militär- und Finanzwesen, Ohmgeld (Art. 12, 18, 19, 20, 26, 27, 28, 33, 36, 40 und 41 nebst Art. 1 der Uebergangs- bestimmungen). V. Gewerbefreiheit, Fabrikarbeit, Aufenthalt und Wolmortsverhältnifse, einheitliche Geseßgebung, Abschaffung der Todes- strafe und des Leibhafts, Befugnisse der Bundeéesbehörden, Organisation des Bundesgerichts (Art. 29, 30, 32, 44, 45, 46, 55, 57, 61, 81, 87 99, 102—111 und Art. 2 und 3 der Uebergangs-Bestimmungen. VI. ie dés E der Volksrehte, Bundesrevision (Art. 67, 85, 89, 90 un :

__ Niederlande. Haag, 23. Juni. Die Königin, welche sih gegen Ende dieses Monats nach Wien zu begeben beabsih- tigt hatte, wird neuerer Anordnung zufolge in diesem Sommer keine Reise ins Ausland unternehmen.

Der Prinz Alexander, des Königs jüngerer Sohn, hat in Begleitung seines Gouverneurs, des Hofraths Camp, und eines Adjutanten gestern eine zweimonatliche Reise angetreten. Derselbe wird sich über Neuwied und: Stuttgart, wo er einige Zeit verweilen wird, nah Wien zum Besuche der Weltausstellung begeben und über Hannover, wo er einen mehrtägigen Aufent- halt zu nehmen beabsichtigt, zum 25. August, seinem Geburts- tage, nah dem Haag zurückehren.

Großbritannien und Jriand. London, 26 Zuni. Gestern Abend fand zu Ehren des Schah von Persien im Bueingham-Palast ein Hofball statt, zu dem fehr zahlreiche Einladungen ergangen waren. Kurz vor 11 Uhr traten der Prinz und die Prinzessin von Wales, begleitet von dem Schah und den persishen Prinzen, sowie den gesammten Mitgliedern der Königlichen Familie in den Salon, worauf der Ball sofort begann. Unter den Anwesenden befand sich auch der Czare-= witsh mit seiner Gemahlin, die Großherzogin von Mecklenburg- Streliß, sowie die hier weilenden indischen Hoheiten.

Heute begab sih der Schah nach Liverpool und Manchester. Soweit bis jezt feststeht, wird der Shah England am 2. Iuli verlassen. Am gedachten Tage wird er \ich in Portsmouth an Bord der Staats-Yacht „Victoria und Albert“ nah Cherbourg ein- schiffen. Die Panzerflotte hat Befehl erhalten, bis zur Abreise S N d Sie b 4 Anker zu bleiben. Vor feiner

reise wird der Schah der Königin auf Schlo indsor ei weiteren A abstatten. 4 E L Men _ Eine Anzahl amerikanischer Artillerie-Offizier ist in England eingetroffen, um die neaesten Derbfninat in europäischen Geschüßwesen zu prüfen. Dieselben werden sih von hier nah dem Kontinent begeben.

Frankreich. Paris, 26. Iuni. Die Decentrali- salitions-Kommission hat heute beschlossen, daß in allen Städten, wo es Präfekten oder Unter-Präfekten giebt, die Maires von den Gemeinderäthen ernannt werden; in den Ortschaften wo die Maires zugleich die Regierung vertreten, follen dieselben durch die Gemeinderäthe, denen man die Höchstbesteuerten bei- giebt, gewählt, und dann der Bestätigung der Regierung unter- worfen werden.

Der neue General-Gouverneur von Algerien, Gen Chanzy, is am 25. d. M. in Algier eittgeiroffen, as

…_— Der Municipalrath der Stadt Lyon hat die An- träge Gailletons, bezüglich des Projekts der Errichtung einer medizinishen Fakultät, angenommen. Danach verpflichtet sih die Stadt zu diesem Zwecke vier Millionen herzugeben, das Terrain von 13,000 Meter eingerechnet, das ihr gehört. Die Stadt Lyon garantirt dem Staate das Gleichgewicht der Aus- gaben úñd Einnahmen der Fakultät auf die Dauer von fünf Jahren und sichert zugleih eine provisorishe Installation der Fakultät bis zur Beendigung der Bauarbeiten zu. Ein Konkurs von Bauprojekten wird eröffnet werden, deren Preise 35,000 Francs begreifen. Die Stadt wird keine Anleihe machen ‘und die Summe von vier Millionen in vier Jahren aus ihren regel= mange Ten zahlen.

ersailles, 27. Juni. (W. T. B.) Die Nationa - sammlung hat heute die Wahl Turignys, der in lat A Deputirten gewählt worden war, mit 418 gegen 217 Stimmen für ungültig erklärt. Ein Antrag Claude's, daß für baumwollene und wollene Gewebe und Garn, welche zum Zweck der Veredlung nah Elsaß - Lothringen eingeführt worden sind, bei. deren Wiedereinfuhr in Frankreich die bis zum 1. Iuli

d. J. bereits zugestandene Zollfreiheit verlängert werde, wurde angenommen. i

Italien. Rom, 24. Juni. Die amtliche Zeitung tri

den übertriebenen Gerüchten über die Sun der Chol eva entgegen. Es sei leider wahr, daß in einigen Orten der Pro- vinzen Treviso und Venedig Cholerafälle vorgekommen wären ; vom 30. Mai, wo der erste Fall konstatirt worden, bis zum 21. Juni, reduzire si jedoch die Zahl auf 26 Fälle, darunter 24 in der Provinz Treviso und 2 im Venetianishen. Auf die Anfrage des römischen Präfekten bei dem von Venedig, wie die Cholera dort ausgebrochen sei, erwiderte dieser, daß eine Zigeuner- bande auf ihrem Wege von Ungarn nah Rom sich einige Zeit in der Provinz Treviso aufgehalten habe, und die Cholerafälle

in der Richtung ihrer Me aufgetreten wären. Der Präfekt von Rom hat hierauf alle Unterpräfekten der Provinz ange- wiesen, sobald die Zigeuner dex römischen Boden betreten, sie