1873 / 159 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Leider is der Verlust zweier Menschenleben, und zwar der Tod einer Dame und eines Bremsers, zu beklagen. Die vorge- kommenen Verleßungen waren, wie es scheint, meiflens nicht sehr erheblich, so daß fast sämmtliche Passagiere die Reise mit dem nähsten Zuge von Eisenah weiter fortseßten. Der Handels- Minister hatte sofort nah Eingang der ersten Nahriht von dem beklagenswerthen Unfalle einen Kommissarius behufs örtlicher Information in bau- und betriebstehnisher Beziehung entsendet. Von demselben is das Schienen- und Shwellenmaterial des im Jahre 1868 neu gelegten Geleises, in welhem der Unfall statt- fand, in guter Beschaffenheit, so weit fich bei den durch dic Entgleisung verursachten Zerstörungen erkennen ließ, vorgefun- den worden, \o daß im Zustande dieses Geleises die Ursache der Entgleisung niht wohl zu suchen sein dürfte. Dagegen fand sih unter einem der entgleisten und. vom Damnie herabgestürzten Achsen eine im Schafte gebrochene Mittelahse von Gußstahl vor. Der Bruch war völlig frish, und ließ die Bruchflähhe ein gesundes und fehlerfreies Material erkennen. s i ;

Nah Lage der Sache läßt sich nicht mit Bestimmtheit ent- scheiden, ob der Achsbruch Ursache oder Folge des Unfalles ge- wesen is; die erstere Annahme gewinnt jedoch durch mehrere Nebenumstände an Wahrscheinlichkeit. Als festgestellt ift zu er- achten, daß die Entgleisung von der Mitte des Zuges ausging, woselbst sich der Wagen befand, dessen Mittelachse gebrochen ift. Durch die fich auch nach vorn hin ausbreitende Wirkung der ersten Entgleisung wurden die davor befindlichen Personenwagen mit dem Packwagen und der zweiten Maschine des mit zwei Lokomotiven versehenen Zuges aus dem Geleise gerissen. Der Packwagen und die zweite Maschine sind jedoh auf dem Bahn- planum, die erste Maschine sogar im Geleise verblieben.

Bis zur gänzlichen Wiederherstellung des zerstörten Geleises wird der Betrieb an der Unfallstelle auf dem unversehrten ande- ren Geleise ausgeübt. Die Untersuchung über den Unfall ift im Gange,

Der Landarmenverband der Rheinprovinz, welcher im Jahre 1872 dur die Vereinigung der fünf Bezirks- Landarmenverbände der Rheinprovinz gebildet ift, hatte im ge- nannten Jahre 128,928 Thlr. Einnahmen und 97,188 Thlr. Ausgaben, mithin Ende des Jahres 31,740 Thlr. Rechnungs- bestand. Da das Kapital des Landarmenverbandes des Re- gierungsbezirks Cöln (36,700 Thlr.) ers Ende 1872 in den Besiß des Landarmenverbandes der Rheinprovinz übergeführt worden ift, \o sind die Zinsen dieses Fonds unter obigen Ein- nahmen noch niht verrechnet. In den Ausgaben sind Vermwal- tungskosten des Landarmenverbandes nicht enthalten, indem die Gesammtkosten der provinzialständishen Verwaltung pro 1872 gemäß Beschluß des Provinzial-Landtages vom 24. September 1872 aus dem zur Disposition der Stände stehenden Zinsgewinne der Provinzial - Hülfskasse unter Aufstellung einer besonderen Rechnung entnommen sind.

Der Kaiserlich russische Minister der Domänen, Wirk- liher Geheimer Rath von Walujeff, is heute früh aus St, Petersburg hier eingetroffen und im Hotel Royal abgestiegen.

Bayern. München, 4. Juli. Nach mehrwöchentlihem Aufenthalt in Wien werden der Prinz und die Prinzessin Ludwig heute hierher zurückehren. Prinz Luitpold wird fih mit seiner Tochter, der Prinzessin Therese, am nächsten Sonntag wieder nah Wien begeben.

Die Einberufung des Landtages soll bis Mitte September in sicherer Ausficht stehen, jedenfalls muß das Budget am 1. Oktober in Vorlage gebracht sein.

Bezüglih der Organisation der Feldlazarethe der beiden Armee-Corps if dieser Tage eine neue, sehr umfangreiche Instruktion aus dem Kriegs-Ministerium ergangen.

5. Juli. Das Staats-Ministerium für Kirchen- und Schulangelegenheiten hat unter dem 30. v. M. über Stellung und Wirkungskreis der mit dem Titel „Kreis-Schulinspek- toren“ aufgestellten fahmännish gebildeten Kreis\cholarhen eine besondere, zehn Paragraphen enthaltende Instruktion er- lassen, welche sofort in Anwendung zu kommen hat. Nach der- selben hat der Kreis-Schulinspektor neben der durch die Ver- ordnung vom 1. April 1832, die Errichtung der Kreis\cholarchen betreffend, geregelten Funktion eines Kreis\holarhen noch die Stellung eines ständigen Beiraths der Kreisregierung, Kammer des Innern, in allen technischen Fragen des niederen und höheren Volks\chulwesens. Derselbe is in dieser Eigen- haft Hülfsorgan der Kreisshulreferenten und allen für die Beamten der Kreisregierung bestehenden Dienstvorschriften unter- worfen. Den wesentlihsten Bestandtheil der Wirksamkeit des Kreis-Sculinspektors bildet die Vornahme von außerordentlichen Visitationen der Volks\hulen des Regierungsbezirks, worauf der- selbe im Laufe jeden Jahres mindestens einen Zeitraum von 3 Monaten zu verwenden hat. Die Visitationen haben \sih auf die inneren und äußeren Schulverhältnisse zu erstrecken; der Kreis-Schulinspektor hat bei \einen Visitationsreisen auch die Thätigkeit der Schulkonferenz-Vorstände zu kontroliren.

Der Personalstand der den Ministerien des Innern und der Finanzen unterstellten Beamten is nah dem Stande des neuen Hof- und Staatshandbuches vom 16. v. M. folgender:

Im Ministerium des Innern: 1 Minister, 1 Ministerial- Direktor, 9 Ministerial-Räthe, 1 Ober-Regierungs-Rath, 1 Ober- Medizinal-Rath, 2 Geheime Registratoren, 4 Geheime Sekretäre, 2 Ministerial-Sefretäre, 5 Kanzlei-Sekretäre, 8 Regierungs-Präsidenten, 8 Regierungs-Direktoren, 38 Regierungs-Räthe, 8 Kreis-Medizinal-Räthe, 9 Regierungs-Assessoren, 31 Regierungs-Sekretäre, 17 Registratoren, 30 Rechnungs-Kommissäre, 16 Kanzlisten, 153 Bezirksamtmänner, 231 Bezirksamts-Assessoren, 34 Bezirksgerichts- und 141 Bezirks-Aerzte, 1 Reichsarchiv-Vorstond, 2 Reichsarchiv-Assessoren, 2 Reichsarchiv- efre- täâre, 8 Archivs-Konservatoren, 10 Archivs-Sekretäre, 1 Polizei-Direktor, 1 Ober-Kommissär, 5 Polizei-Kommissäre, 3 Polizei-Assessoren, 1 Tax- beamter, 1 Registrator, 1 Sekretär, 7 Offizianten, 1 Ober-Berg- Direktor, 2 Ober-Bergräthe, 1 Ober-Bergamts-Assesjor, 1 Sekretär,

1 Offiziant, 3 Bezirks-Bergamtmänner, 6 Markscheider.

Tin Finanz-Ministerium: 1 Minister, 10 Ministerial-Räthe, 1 Ober-Rehnungs-Rath, 4 Regierungs- und Forsträthe, 4 Geheime Sekretäre, 1 Archivar, 2 Geheime Registratoren, je 1 Registrator und MgeKomuiisar, 4 Kanzlei-Sekretäre; Oberster Rechnungs|)of: 1 Präsident, 7 Ober-Rechnungs-Räthe, 1 Rechnungs-Kommissär, 1 Kanzlift; Rechnungskammer: 1 Direktor, 2 Regierungs-Räthe, 1 Re-

ierungs-Assessor, 6 Rechnungs-Kommissäre, je 1 Sekretär, 1 Regi- Acatoe, 1 Kanzlist; Central-Staatékassa: 1 Central-Staatskassier, 1 Kontroleur, 1 Zahlmeister, 2 Buchhalter, 5 Offizianten; Regie- rungs-Finanzkammer: 8 Direktoren, 51 Regierungs- incl. Forsträthe, 14 Regierungs-Assessoren, 15 Kreisforstmeister, 68 Rechnungs - Kom- missäre, 16 Registratoren, 8 Oter-Geometer, 8 Kanzlisten; Kreis- kassen: 8 Kreiskassiere, 8 Kontroleure, 5 Zahlmeister, 16 Offizianten; 217 Rentbeamte,s 73 Forstmeister, 629 Oberförster, hierunter 113 Kommunal-Oberförster.

Sachsen. Leipzig, 7. Iuli. (W. T. B.) Die Gene- ralversammlung des Vereins für Verbreitung der

, genannten Anstalt ein zweites Institut dieser Art in's Leben ge-

in den beiden Sitzungen gefaßten Beschlüsse empfehlen außer den bereits gemeldeten Maßnahmen noch die Vermehrung der Wanderlehrer, und der freiwillig oder gegen Entgelt zu halten- den Vorträge zu Bildungszwecken, sowie die Errihtung von Volksbibliotheken auf dem Lande. Eine besondere Aufmerksam- keit soll der Erziehung verwahrloster Kinder zugewandt und für die Verbreitung von Leitfäden der Geschichte, Land- und Haus- wirthschaft und Ge*eßeskunde Sorge getragen werden. Ein An- trag, betreffend die Uebernahme des Schulwesens durch das Reih “hi nah lebhafter Debatte an die Shul-Kommission verwiesen.

Wüürttemkerg. Stuttgart, 3. Iuli. Die Königin Je wie der „St. A. f. W.“ mittheilt, ein neues Werk zum

esten der Erziehung und Bildung der weiblichen Jugend in Angriff genommen. Da das unter dem Protektorat Ihrer Majestät stehende Katharinenstift überfüllt ift, so wird neben der

rufen. Diese , Olga-Schule“ foll im Herbst in den 6 un- teren Klassen bereits eröffnet und allmählih bis auf 9 Klassen ergänzt werden.

Die Nr. 23 des Regierungsblattes enthält eine Ver- fügung des Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens, betreffend Einführung einer Maturitätsprüfung an den Gymnafien und an dem Realgymnasium in Stuttgart, vom 19. Juni 1873; eine Bekanntmachung des Ministeriums des Kirchen- und Schul- wesens, betreffend die Verwaltung der Staatssammlung vater- ländisher Kunst- und Alterthumsdenkmale, vom 25. Juni 1873; sowie eine Bekanntmachung der Ministerien der auswärtigen Angelegenheiten, des Innern und der Finanzen, betreffend die Einseßung der Bau-Inspektoren in eine höhere Rangklasse, vom 1. Juli 1873. Ulm, 3. Juli. Die hiesige Festungsartillerie geht morgen zu dreiwöchentlihen Schießübungen nah Gmünd. Von hier bis Süßen wird fie mit der Eisenbahn befördert, von dort set sie den Weg nah Gmünd über den Rechberg fort.

Hessen. Darmstadt, 8. Iuli. (W. T. B.) Der Kaiser von Rußland wird morgen von Ems in Jugen- heim eintreffen und daselbst bis zum 27. d. Mts. seinen Aufenthalt nehmen.

Der in der Sihung der Zweiten Kammer der Stände vom 14. Juni d. I-gestellte Antrag des Abgeordneten Stüber lautet wörtlich:

Die Kammer wolle beschließen, an Großh. Staatsregierung das dringende Ersuchen zu richten:

1) einen Geseßentwurf darüber vorzulegen, daß aus dem hessischen Antheil der französischen Kriegskosten-Entshädigung ein Ae von 250,000 fl. mit der Bestimmung gebildet werde, daß die Erträgnisse desselben zur Versorgung der in dem Großherzogthum wohnenden Jn- vatiden und Hinterbliebenen Gefallener aus dem Krieg gegen Frankreich verwendet, die selbstverständlich getrennt von dem eignen Vermögen, zu führende Verwaltung desselben aber, nah Maßgabe eines zu erlassenden Statuts, dem Vorstand des Hülfsvereins im Großherzogthum Hessen, als Landesverein der Kaiser Wilhelm-Stiftung für deutsche Invaliden unter staatlicher Kontrole übertragen werde;

2) die Allerhöchste Genehmigung dafür zu wirken, daß diesem Ron zum immerwährenden Gedächtuiß des bevorstehenden 25jährigen

egierungs-Jubiläums Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs der Name „Ludwigs-Stiftung für Invaliden und Hinterbliebene Gefallener oder Gestorbener aus dem Krieg von 1870/71“ beigelegt werde.

Das „Darmst. Fremden- und Anzeige- Blatt“ bringt den Wortlaut der Regiekungs-Iubiläums-Stipendien- Stiftung nebst begleitender Widmungs - Adresse. Die“ von den Gemeiden des Großherzogthums gespendete Summe. soll danach als Kapital angelegt werden, aus dessen Zinsen drei junge Leute, aus jeder der drei Provinzen Einer, eine gleihmäßige jährlihe Unterstüßung erhalten sollen, welche dieselben zu ihrer Ausbildung auf einer höheren Bildungsanstalt bedürfen. Der Großherzog ertheilt am Stiftungstag, 17. Juni, auf Vorlage des Kuratoriums, die Stipendien. Das Kura- torium, bestehend aus den jeweiligen Bürgermeistern der drei Provinzialhauptstädte Darmstadt, Gießen und Mainz, bezw. deren Stellvertretern, beßellt einen Rechner, von welchem jähr- lih im Monat Iuni Abrechnung gestellt werden muß, welche nach Prüfung des Kuratoriums veröffentliht wird, bestimmt die Anlegung des Kapitals, fordert öffentlih die lusttragenden Be- werber auf, sfich durch ihren ortsangehörigen Bürgermeister an- melden und dabei ihr Gesuch begründen und beglaubigen zu lassen, und legt dem regierenden Großherzog die Gesuche nebst Bericht zur allergnädigsten Auswahl und Genehmigung vor. Das Stipendium kann bis zu drei Jahren, aber niht länger, vertheilt werden. Antheil an dieser Stistung haben nur die Ge- meinden, welche Beiträge dazu geleistet haben.

Sachsen-Meiningen-Hildburghausen. Meiningen, 4. Juli. Heute bezieht der Herzog Bernhard mit Gemahlin die Residenz Altenstein. Die Prinzessin Marie wird fich in der nuhsten Zeit nah Bad Liebenstein begeben, woselbst auch in den nächsten Wochen der regierende Herzog Georg mit Ge- mahlin erwartet wird.

Sachsen-Coburg-Gotha. Coburg, 6. Iuli. Nach dem gestern veröffentlihten Geseze für den Staatshaus- halt des Herzogthums Coburg auf die Zeit vom 1. Juli 1873 bis dahin 1874 beträgt die gesammte Einnahme der Staatskasse 483,245 fl. und die Ausgabe 482,495 fl, wodurch sich ein Einnahmeübershuß von 750 fl. entziffert. Unter den Einnahmen befinden sich 84,963 fl. Beiträge aus den Domänen, 89,270 fl. Grundsteuern, 147,700 fl. Einkommen- und Klafsen- steuern und 68,672 fl. Sporteln und Nachlaßsteuern. Bei den Ausgaben betragen 102,354 fl. die Bedürfnisse der gemeinsamen Angelegenheiten der Herzogthümer Coburg und Gotha, 115,687 fl. die Zinsen der Staats\huld, 73,452 fl. die Justizpflege, 65,800 l. die innere Landesverwaltung und 29,182 fl. die Aufwände auf die Kirhe und Anstalten des Unterrichts und der Wissenschaft.

Anhalt. Dessau, 5. Juli. Vorgestern Abend kehrten Prinz Eduard von Ballenstedt, gestern Mittag der Erb- prinz Leopold und Prinz Friedrih, nahdem fie von Genf aus noh eine Reise nah Wien und Böhmen gemacht, im besten Wohlsein nah Wörliß zurü.

Schweiz. Bern, 7. Juli. (W. T. B.) Der National- rath wurde heute mit einer Ansprache des Präsidenten Dr. Wirth-Sand eröffnet, in welcher derselbe die Hoffnung aussprach, daß die Berathung der Bundesrevision niht, wie im vorigen Jahre, eine verlorene Arbeit sein werde. Die Wahl der Bureaus wird ers morgen vorgenommen werden, nachdem heute Desor aus Neuenburg seine Wahl zum Präsidenten abgelehnt hat.

Der Ständerath trat ohne Eröffnungsrede zusammen

Der erstere is gegen, der letztere für die Revision der Bundes- verfafung.

Der Bundesrath hat beshlossen, bei der Bundesver= sammlung zu beantragen, daß die Altkatholiken in Luzern mit ihrer Beshwerde über den Beschluß der Luzerner Regierung, die Verweigerung der- Franziskaner-Kirhe für die Vorträge des Professors Reinkens betreffend, abgewiesen werden.

Belgien. Brüssel, 7. Iuli. (W. T. B.) Das Duelk zwishen Ranc und Cassagnac hat heute Nachmittag unweit Bettembourg im Luxemburgischen stattgefunden. Dasselbe hat fol- genden Verlauf genommen. Cassagnac erhielt zunächst eine Ver- wundung am Unterarm. Bei der Wiederaufnahme des Kampfes wurde Cafsagnac derartig am Arme verwundet, daß derselbe nicht fähig war, das Duell fortzuseßen. Die Sekundanten er= klärten deshalb den Zweikampf für beendigt.

Großbritannien und Irland. London, 5. Juli. Die Königin hat dem Schah von Persien den Hosenband- Orden in Diamanten verliehen.

Der Schah von Persien hat heute mit seinem zahl- reihen Gefolge London und England verlassen, um fich über Portsmouth und Cherbourg nah Paris zu begeben. Der Prinz von Wales, der Herzog von Edinburgh und Prinz Arthur gaben Sr. Majestät das Geleit nah dem festlich ges{chmüdckten Bahn- hofe, woselbst der Herzog vom Cambridge, der Herzog von Teck, Prinz Christian und Prinz Eduard von Sachsen - Weimar erschienen waren, um sich von dem Hohen Gaste zu verab- schieden. Die Abfahrt nach Portsmouth erfolgte gegen 11 Uhr unter den Klängen der persishen Volkshymne und dem Salut der aufgestellten militärishen Ehren- wahe. Der Herzog von Edinburgh und Prinz Arthur begleiteten den Schah nah Portsmouth, woselbst die Einschiffung an Bord der französishen Dampf-Yachten „Rapide“ und „Hiron- delle“ stattfand. Wenn das aus vier Schiffen bestehende eng- lishe Eskforte- Geshwader mit dem französishen Geschwader, vorausfihtlich 25 oder 30 Meilen südlih von der Insel Wight zusammentrifst, werden die zwei Geshwader Salutshüsse aus- tauschen, worauf die britishen Schiffe einen öôstlihen Lours nah Leith und Norwegen eins{chlagen werden.

Die offizielle „London Gazette“ enthält einen vom 28. v. M. - datirten Erlaß des Geheimen Rathes, welcher die Vereinigung der Prinz Eduard-Insel mitdem Domi-= nium von Canada veröffentlicht.

Im Oberhause beantragte in gestriger Sizung Lord Re=- desdale den Erlaß einer Adresse an die Königin, worin dieselbe angegangen werden soll, den Lordkanzler, die zwei Oberrichter und den Präsidenten (Chief Baron) des Schaßkammergerihhts zu lebenslänglihen Pairs zu ernennen. Er machte darauf auf=- merksam, daß das, was er befürworte, d. i. die Kreirung von offiziellen lebenslänglihen Pairswürden, kein neues Prinzip sei, denn . von der frühesten Zeit an sei die Kirhe im Hause der Lords repräsentirt gewesen, und er sehe feinen Grund, warum niht auch der Richter- stand darin seine Vertretung haben sollte. Er versprach sih von der Ausdehnung des Prinzips viele Vortheile, und glaubte nit, daß die Einführung dieser Richter in das Haus ihre son- stigen Pflichten beeinträchtigen würde. Der Antrag fand indeß nicht die Gunst des Hauses, und mehrere seiner hervorragendsten Mitglieder, wie Lord Granville, der Marquis von Salisbury, Lord Malmesbury, Lord Cairns und der Lordkanzler, machten ihre Bedenken gegen denselben geltend. Die Debatte wurde \{chließlich fallen' gelassen, ohne daß es zu einer Entscheidung über den Antrag kam.

Das Unterhaus hielt gestern zwei Sihungen. In der Vormittagss\sißung begannen die Verhandlungen mit einer Interpellation bezüglich des Handelsvertrages mit Frankreich. Miall erkundigte sih, ob, wenn der am 5. No- vember 1872 unterzeichnete Handelsvertrag mit Frankreich nicht ratifizirt werde, Ihrer Majestät Regierung einen Artikel urgiren würde, der den Stand der Ungewißheit, der gegenwärtig betreffs der Zukunft der diesseiti- gen Handelsbeziehungen mit Frankreih existirt, wirk- sam verhindern würde, und ob Ihrer Majestät Re- gierung die Einführung solcher Verbesserungen der französishen Zollverwaltung mit Bezug auf Expertise und Klassifikation von Gütern, wie solhe in Paris zwischen den von ihnen bezüglihen Regierungen ernannten Kommissären ver- einbart wurden, urgiren würde. Lord Enfield erwiderte: „Der Vertrag vom 5. November wurde nah dem jüngsten Regierungs- wechsel dem Conseil superieur du Commerce de l’Agriculture et de l’Industrie überwiesen, und bevor nihcht der Conseil seinen Bericht erstattet, der in Kurzem erwartet wird, können keine formelle Unterhandlungen darüber eingeleitet werden ; aber die zwei Regierungen taushen unoffizielle Mit- theilungen aus, die hoffentlih die Erzielung eines für beide Länder befriedigenden Üebereinkommens erleichtern dürften. Es würde vorzeitig sein, Erklärungen über die Natur dieser Mit- theilungen abzugeben, aber das Haus mag si versichert halten, daß Ihrer Majestät Botschafter in Paris, der volle Instruktionen für seine Richtschnur besißt und der die Unterhandlüngen führen wird, die Interessen des britischen Handels sorgfältig überwachen wird.“ Lord Enfield erklärte auch in Erwiderung auf eine Interpella- tion A. Iohnstons, dem Auswärtigen Amt seien weder offiziell noch anderweitig Nachrichten über Ausbrüche von moslemitishem Fanatismus in Bosnien zugegangen, und die leßte Depesche des britishen Konsuls in Bosna-Serai erwähne keines solhen Um- en Demnächst seßte das Haus die Spezialdebatte über

en Gesegzentwurf zur Errichtung eines Obersten Ge- richtshofes fort und förderte dieselbe bis zum §8. 24.

In der Abendsizung lenkte Plunket (Dubliner Univer- sität) die Aufmerksamkeit auf die Lage der irischen Staats- beamten. Eine Königlihe Kommission B unlängst die gegenwärtigen Gehälter derselben hinsichtlich der allgemeinen Theuerung und im Verhältnisse zu den Gehältern, welche die- selben Beamten in England beziehen, für unzulänglih befunden, und mit Bezug darauf stellte Plunket den Antrag, den Vor- \hlägen der Kommission zur Abhülfe dieser Ungleichheit stattzu- geben. Gladstone und der Schaßkanzler bekämpften den Antrag, aber \{ließlich gelangte derselbe mit 130 gegen 117 Stimmen, also mit einer Majorität von 13 gegen das Ministerium zur Annahme. :

Die Dubliner Amtszeitung enthält cinen Erlaß der irischen Regierung, welcher die Bestimmungen des Friedens- erhaltungsgeseßcs und der Akte zum Schuß von Leben und Eigenthum in gewissen Theilen Irlands auf die gesammte Ba- ronie Ober-Bunralty, die Kirchspiele Kilkendy und Room, Ba- ronie Inchiquin und eine Anzahl Ortschaften in der Baronie Unter-Bunralty, Kreis Clare, ausdehnt.

und wählte nah seiner erfolgten Konstituirung Kopp aus Luzern

Volksbildung hat heute eine zweite Sizung gehalten. Die

zum Präsidenten und Köchlin aus Basel zum Vize-Präsidenten.

In Indien is der Bauernaufstand ausgebrochen.

Ein Telegramm der „Times“ aus Calcutta vom 4, d. meldet

darüber Folgendes: „Die Bauernshaft im Distrikt Pulna, eine Erhöhung ihrer Pachten befürchtend, vereinigte fih, um ihre Pachigelder zurückzuhalten. Sie erklärte, dieselben nur der Obrigkeit zahlen zu wollen. Sie plünderte und verbrannte einige Häuser. Es gab zwei Banden, die sich bei der Ankunft der Behörden zerstreute. Der Gouverneur entsandte Polizei und ließ die Pächter mahnen, ihren legalen Gebühren zu zahlen. Die Gutsherren der Bauern find hauptsählich Mohammedaner. Es sind die Hindus und nit die Kerozee, welche sh an dem Auf- ftand betheiligt haben. :

Frankreich. Paris, 5. Iuli. Dem „Français“ zu- folge wird der Kriegsrath zur Aburtheilung über den Mar- {hall Bazaine in Compiègne im September zusammentreten. Da Admiral Trehouart durch Krankheit verhindert is, werde der Herzog von Aumale mit der Mission betraut werden müssen, diesem hohen Tribunal zu präsidiren.

Versailles, 7. Juli. (W. T. B.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung brachte der Deputirte Lamy eine Interpellation über ‘die Aufrehterhaltung des Be- Tlagerungszustandes in Paris und in den Departements ein, deren Beantwortung auf den 15. November d. I. festgeseßt ward. Es erfolgte darauf die erste Lesung des Gesetzentwurfs über die Reorganisation der Armee. Die zweite Lesung wird die Versammlung bereits am Freitage vornehmen.

Jtalien. Rom, 6. Iuli. Der Schah von Persien wird, wie die „Opinione“ gegenüber den abweichenden Meldungen anderer Blätter versihert, Rom und die hauptsächlihsten Städte

Italiens besuchen.

7. Juli. (W. T. B.) Die Munizipalwahlen sind für die Liberalen günstig ausgefallen; die Klerikalen enthielten sih der Abstimmung. Der Papst hat gestern und heute zahl- reiche Besuche empfangen.

Florenz, 6. Juli. (W. T. B.) Der König hat fih heute nach Rom begeben und wird am Mittwoch hierher zurückehren.

Griechenland. Athen, 6. Iuli. (W. T. B.) Die zweite Nahwahl in Messenien, bei welher Kumunduros unterlag, ist von der Kammer mit 88 gegen 80 Stimmen eben- falls für ungültig erklärt. Wahrscheinlih wird die Kammer aufgelöst werden.

Türkei. Konstantinopel, 28. Juni. Yakub Bey, der Gesandte des Atalig Ghazy (Herrschers von Kaschgar in Oft- turkestan), wird nächstens nah Indien zurückehren, um die bri- tishe Mission unter Mr. Douglas Forsyth nah Kaschgar zu be- gleiten, Er überbringt seinem Souverän von Seite des Sul- tans ein kestbares Schwert, den Osmanie-Orden 1. Klasse und ein Handschreiben. Das britishe Ueb'ungsgeshwader unter dem Kommando des Vize-Admirals Sir Reginald Yelverton, welches Malta am 9. v. M. verließ, um die Levantehäfen zu besuchen, sollte die Besikabai, in welcher cs Anker geworfen hatie, Ende vorigen Monats verlassen, um nach Smyrna zu gehen und dann nah Malta zurückzukehren.

Nufßlaud und Polen. St. Petersburg, 5. Juli. Der General Kaufmann hat folgenden Tagesbefehl an die Truppen des turkestanishen Militärbezirks im Lager bei Uth T\chutshak nnter dem 25. Mai (6. Juni) erlassen:

___ Ich beeile mich, den Soldaten des mir anvectrauten turkestani- {en Militärbezirks meinen Glückwunsh für die günstigen, erfolgrei- chen . Resultate auszusprehen, die von Euren tapfern, scneidigen Kriegsgesährten, den gegen Chiwa operirenden turkestanischen Truppen, erreicht worden sind. Nachdem sie unermeßlihe, ihr nam-ntlich bei Chala-Ata durch die Natur entgegengestellte Schwierigkeiten auf einem Pete oon Wersten ausgedehnten wasserarmen, heißen, tiefsandigen

errain überstanden, und den in der Zahl von 3500 Mann si ihrem Vordringen zum Strom (dem Amu Darja) entgegenstellenden Feind verjagt hat, stand die Têtenkolonne der turkestanischen Abtheilung ohne alle Opfer und Verluste am 11. (23.) Mai festen Fußes an dem recht-n Ufer des Amu Darja nahe bei Utsh Tschutschak.

Indem ich hiervon den Truppen meines Bezirks Mittheilung mache, fann ih nicht umhin, hervorzuheben, daß ein derartiges Re- sultat nur dur das einmüthige, ehrenhafte Streben Aller, vom Ael- testen bis zum Jüngsten, ihrem Beruf treu, ihrer Pflicht und dem dean Mee geschworenen Eide gemäß zu erfüllen, erreiht werden onnte. )

Bei Zurücklegung einer 800 Werst langen Strecke wußten die

operirenden Truppen troß der verschiedenartigsten, meistens ungünstigen Bedingungen ihre Kräfte zu erhalten. Jhr Gesundheitszustand be- findet sich in der vorzüglichsten Verfassung ; Kranke sind fast gar nicht vorhanden. Nachdem sie außerdem auf dem leßten Marsche von Chala-Ata nah Utsch-Tschutschak Mühen und Entbehrungen dur den Wassermangel, den tiefen Sand und die Schluchten des Weges erlitten hatten, standen die Soldaten am 22. Mai lustig Angesicht in Angesicht dem Feinde gegenüber. Jhr Kriegsmarsh am 22. Mai nach dem See Sardaba-kul ging unter den Augen des uns von allen Seiten umshwärmenden Feindes in musterhafter Ordnung und in dem Feinde imponirender Ruhe vor sich. Die Truppentheile bewegten si wie auf dem Erxerzierplaß und man mußte sich unwillkürlich über ihr Verhalten freuen. _ Der Feind, alle va auf Erfolg aufgebend, verlor bei jedem Schritt immer mehr seiner. verwegenen Reiter und floh 20 Werst weit verfolgt von unseren Sotnien und einer Raketen- batterie. Die Erbeutung eines großen Qu (vermuthlich Zelt) war der Lehn für unsere Kavallerie, welche während einer Nacht mehr als 60 Werst beschwerlichen Weges zurückgelegt und dann den fliehenden Feind hartnäckig angefallen hatte. ___ Mit Dankbarkeit muß ich au der Arnpveilheile gedenken, welche ih nothgedrungen zur Sicherung in Chala-Ata, im Fort St. Georg Et an den Brunnen Adam Krilgan und Atti-Kuduk zurücklassen mußte.

__ Ihnen liegt es ob, noch weiter männlich mit Entbehrungen ver- schiedener Arten zu kämpfen, wie sie mit dem Aufenthalt hei den Brunnen und mit den Steppenmärschen verbunden sind, welche die Têtenkolonne bereits so ruhmreih überwunden hat. So wie wir den Amu Darja überschritten haben werden, wozu die Mittel in der aller- kürzesten Zeit zu erwarten sind, werde ih mich bemühen, auch ihnen Gelegenheit zu geben, sich mit dem Feinde zu messen.

Für die kei der Abtheilung stets, namentlich bei den leßten Sta- tionen beobachtete Ordnung danke ‘ih Allen, vom Aeltesten bis zum Jüngsten. (Folgen die-Namen sämmtlicher Truppen-Commandeure 2c.) Mit besonderer Anerkennung gedenke ih auch der Dienste Jhrer Kai- serlichen Hoheiten, der Rittmeister Großfürst Nicolai Constantino- witsch und Herzog Eugen Maximilianowitsch Romanowski (Leuchten- berg). Sie ertrugen gleich“ den übrigen Soldaten standhaft Mühen und Entbehrungen, sie dienten Allen als Beispiel und befanden fih bei dem Kriegömarsh nach Sardaba-Kul thoils bei der Infanterie, theils bei der Kavallerie der Avantgarde; Fürst Eugen Maximiliano- witsch kommandirte die Verfolgung. Dieselbe zog sich zwanzig Werst bis zu dem Uebergang über den Fluß hin, wo die Abtheilung unter Benußung von Kähnen auf einer | andbank Posto faßte. Als sich der Feind hier festseßte, befahl der Commandeur der Kavallerie dem Großfürsten Nicolaî, eine uralische und semirätschenskishe Sotnie, dem Fürsten Romanowski, eine andere uralische und eine orenburgische Kosakensotnie zur Attaque zu führen. Die feindliche Reiterei ergriff die Sluht und wurde nur noch durch Raketen verfolgt. Jch bin

glüdcklih, dieser rühmlichen Thaten Jhrer Hoheiten dem mir anver- trauten turkestanishen Bezirk gegenüber Erwähnung thun zu können.

Der Gouverneur von Baku hat ih, der „M. 3.“ zufolge, nah Krafsnowodsk begeben, um über die Drangsale, die das Krassnowodskische Detachement ke: seinem Steppenfeldzuge hat erdulden müssen, genauere Erkundigungen einzuziehen,

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__ Schweden und Norwegen. Stockholm, 3. Iuli.

Eine Minenabtheilung, bestehend aus den Schoonern „Am-

phion“ und „Aslög“ und den Dampfern „Thyra“ und „Nord-

stjernan“ soll in diesem Sommer in Stockholm ausgerüstet wer-

den, um Proben mit Minen anzustellen. Zum Chef dieser Expedition ist der Oberst-Lieutenant Zethelius ernannt.

An das \chwedische Marine- und Postdepartement ift vom \ch{chwedis{-norwegishen Minister in London ein Telegramm eingetroffen, daß Prinz Arthur von Großbritannien zur Krönung in Drontheim, begleitet von 4 Kriegsschiffen unter Kommando des Contre-Admirals Hornby, ankommen werde.

Christiania, 2. Juli. Nah „Morgenbladet“ zeigt das vom Storthing für den Termin 1873/74 angenommene Budget eine Einnahme von 5,339,960 Spez. gegen cine Ausgabe von 9,499,704 Spez.; der Unterschied 115,744 Spez., wird gedeckt, indem man einen entsprechenden Betrag als Einnahme aus dem kontanten Bestand der Staatskasse nimmt. Im Budgetvorschlag der Regierung war die Einnahme mit 5,365,000 Spez. und die Ausgabe mit 5,515,000 Spez. aufgeführt, indem aus dem kontanten Bestand ein Betrag von 150,000 Spez. zur Einnahme geführt wurde. Die Krönungsausgaben sind zu 35,000 Spez. veranschlagt.

Der König ist auf seiner Reise durch Norwegen gestern Nahmittag in Hammerfest angelangt, von wo er Abends 10 Uhr weiter nah dem Nordcap reiste.

„Dänemark. Kopenhagen, 3. Iuli. Die zuleßt an- gekommene westindishe Post brate in der „St. Thomas Tid. den Bericht über die zweite Berathung des Budgets im Ko- lonialrath der Insel St. Thomas vom 9. Juni. Hauptgegen- stand der Diskussion war der Beitrag zu den allgemeinen Staatsausgaben. Während dieser nah dem jetzigen Kolonial- geseß 28,000 Dollars jährlich betragen soll, war derselbe im Budgetentwurf übereinstimmend mit dem Entwurf zu einem neuen Kolonialgesez zu 15,000 Dollars angeseßt, und das Bud- getkomite rieth zur Annahme dieser Bewilligung, \prah jedoch gleichzeitig die Hoffnung aus, daß das Gouvernement sein Bestes thun möge, den Zuschuß auch für dieses Iahr ganz wegfallen zu lassen. Das Resultat der Verhandlung war, daß man die verlangte Bewilligung ganz verwarf.

_— Mit der Durchführung des Münzgesegzes is, wie „TFädrelandet“ erfährt, der Nationalbank - Direktor, Etatsrath Levy beauftragt, welcher in dieser Veranlassung interimistisch zum Müngzdirektor ernannt worden ist. /

Nr. 26 des Central-Blattes für das Deutsche Reich hat folgenden Inhalt: 1) Allgemeine Verwaltungs-Sachen: Verweisung von Auësländern aus dem Reichsgebiete 2) Münzwesen: Notiz über die Ausprägung von Reichs-Goldwünzen. 3) Zoll- und Steuerwesen : Bekanntmachung, betr. Errichtung eines Nebenzollamtes zu Chambrey. 4) Postwesen: Uebersicht über die während des II. Quartals 1873 im deutschen Reichs-Postgebiete eingerihteten und aufgehobenen Post- anstalten. 5) Konsulatwesen: Bekanntmachungen, bctr. Exequatur- Ertheilunggn. 6) Marine und Schiffahrt : Bekanntmachung, betr. den Beginn der Seesteuermanns-Piüfungen für - große Fahrt bei Naviga- tions-Schulen.

Nr. 54 der „Annalen der Landwirthschaft in den Königlich preußishen Staaten“ hat folgenden Inhalt : Die Cichorienpflanze als Gemüsepflanze. Die Ohrwürmer und ihre Schädlichkeit. Von Dr. Kalender Warnung vor Anwendung des von G. Schallehn in Magdeburg empfohlenen künstlichen Guanos. Von Professor Dr. Märcker. Die Hausthiere der Mongolei. (Nach den im Jahre 1870 auf einer Reise von Barnaul nach Khobdo und zurück gewonnenen Erfahrungen.) Von C. Kalwing. Verbesserun- gen in der Obstkultur. TIV. Von Dr. Kalender. Vermisthtes : Mittheilungen über den Stand der Rinderpest. Generalversammlung des landwirlhschaftlichen Vereins für Rheinpreußen. Wollmärkte.

Statistische Nachrichten.

Im Regierungsbezirk Merseburg sind 25 städtische und 8 Kreis\parkassen. Bei denselben wurden im Jahre 1872 6,169,536 Thlr. neu eingelegt, 437,200 Thlr. wuchsen dem Kapital durch Zinsen zu. 4,258,456 Thlr. Einlagen wurden im Lauf des Jahres zurückgezogen, fo daß sfich die Einlagen Ende 1872 auf 16,632,311 Thlr. beliefen, gegen 14,284,034 Thlr. Ende 1871.

Rudolstadt, 2. Juli. Eine kürzlih veröffentlichte statistische Uebersicht Über im Bezirke des Appellationsgerichtes in Eisenach voll-

ogene Ehescheidungen ergiebt folgende Zahlenverhältnisse: Jn der

Bit vom 1. Januar 1852 bis 31, Dezember 1872 sind Ehescheidungen vorgekommen: 236 in Schwarzburg-Sondershausen, 118 in Schwarz- burg-Rudolstadt und 558 in Sachsen-Weimar.

London, 4. Juli. Amtlichen Ausweisen zufolge wanderten im Juni v, J. via Liverpool 18,603 Personen, d. i. 626 mehr als im entsprechenden Monat des Vorjahres, nah transatlantischen

äfen aus. Jn dem mit Ende Juni verflossenen Ha!bjahr sind von Liverpool aus 6129 Personen mehr als in dem entsprechenden Zeit- raum des Jahres vorher ausgewandert.

Paris, 7. Juli. (W. T. B.) Die amtlichen statistishen Er- mittelungen über den französishen Handel in den ersten 5 Monaten 1873 liegen jeßt vor. Darnach beträgt die Gesammt- Einfuhr 1284 Millionen, 118 Millionen weniger wie in der ent- jprechenden Periode des Vorjahres. Die Gesammtausfuhr beläuft sih auf 1635 Millionen, 192 Millionen mehr wie in dem gleichen Jahresabschnitte von 1872. Die Gesammtauskunft ous den Grenz-

óöllen und den indirekten Steuern erreiht den amtlichen ngaben zufolge die Summe von 424 Millionen, 96 Millionen mehr wie die vorjährige Einnahme in der gleichen Periode.

Stockholm, 3. Juli. Die Zolleinnahmen in [Stockholm betrugen laut „Post och Jnr. Tid.“ im Juni 742,833 Rdl,, im gan- zen verflossenen Halbjahr 3,592,776 Rdl. gegen 3,282,327 Rdl. im entsprechenden Zeitraume 1872, ergalen also ein Plus von 310,449 Rdl.

Kunst und Wissenschaft.

Berlin, 8. Juli. Die „Gesellschaft naturforshender Freunde“ hierselbst feiert morgen im Krollschen Lokale ihr hundert- jähriges Stiftungsfest.

Die diesjährige Hauptversammlung des deutschen Ee LENS findet am 2., 3. und 4. August zu Nürn-

erg statt.

Freiburg, 3. Juli. An der Verschönerung der Hauptzierde der Stadt, des Münsters, wird gegenwärtig, was das Innere betrifft, dem „Schw. M.“ zufolge wieder eifrig gearbeitet. Die weiße Ueber- tünchung wird von den Wänden überall abgekraßt, um den rothen Sandstein in seiner natürlihen Schönheit wieder hervortreten zu lassen, auch sind die Kapellen im Chorumgang des Münsters in den lebten

Jahren planmäßig und geshmackvoll renovirt worden, und bieten mit

¿ihren \{önen Skulpturen, ihrem glänzenden Bs u. f. w. einen abweselnden und effektvollen Anblick. Besonders beahtenswert erscheint die Kapelle auf der Nordseite, wo in der bekannten typis gewordenen Weise das heil. Abendmahl plastisch dargestellt ist: der Heiland und die Apostel sißen in lebensgroßen und nah alterthüm- lichem Style vollständig bemalten Gestalten um den Tisch, Judas Din sich entdeck und eilt mit dem krampfhaft gehaltenen Beutel eg.

Hamburg, 7. Juli. (W. T. B.) Naqh einem der hiesigen deutschen Polar-Schiffahrtsgesellshaft aus Tromsoe vom 6. d. M. zugegangenen Telegramme sind die Mitglieder der norwegischen- Polar-Expedition, welhe auf Spißbergen zu überwintern ge- nöthigt war, dort von dem der Gesellschaft gehörigen Schooner „Tromsoe“, Kapitän Ma, als Leichen (18 an der Zahl) aufgefunden worden. Die Beerdigung der Leichen hat Kapitän Mack angeordnet.

Zürich, 5. Juli. Die allgemeine ge\chichtsfor\ch{Gende Gesellschaft der Schweiz wird am 18, a 19. oe af hier ihre Jahresversammlung abhalten.

Paris, 5. Juli. Gestern versammelter sich alle Abtheilungen des Instituts von Frankreich, um den von Napoleon Il. % gründeten zweijährigen Preis zu vergeben. Denselben erhielt Mariette für seine Arbeiten Über Aegypten.

_ Kopenhagen, 3. Juli. Heute Mittag wurde die 11. \kan- dinavishe Naturforsherversamalung im großen Festsaale der Universität eröffnet. Derselben wohnten der König und der Kcon- prinz bei. Die Zahl derzauswärtigen Theilnehmer beträgt bis jeßt: 79 aus Schweden, 40 aus Norwegen und 3 aus Finnland. Die Be- grüßungsrede hielt der dänishe Naturforsher J. Steenstrup, worauf zunächst ein Vortrag des Norwegers, Professor der Geologie, Kjerulff folgte. Um 5 Uhr findet auf der Königlichen Schießbahn in der Vor- stadt Westerbro ein Festmahl statt, wozu die fremden Theilnehmer an der Naturforsherversammlung eingeladen sind. Die Verjammlung wird eine ganze Woche tagen und in Sektionssißungen schr umfassende wissenschaftlihe Diskussionen abhalten. Am Sonntag wird ein Ausflug per Dampfschiff nah der Insel Möen veranstaltet, die nicht nur wegen ihrer landschaftlihen Reize, sondern auch wegen ihrer ddie gs Beschaffenheit 2c. für Naturforsher von besonderem

nteresse ist.

Zur Beobachtung des Venusdurchganges gehen von Frankrei vier wissenschaftlihe Erpeditionen aus. Zwei derselben stehen unter dem Befehl von Marincoffizieren, der Ingenieur Bacquet de la Grye wird die Expedition nah der Insel Campbell, Kapitän Mouchez die nah der Insel St. Paul kommandiren.

Florenz, 6. Juli. (W. T. B.) Nah Meldungen aus der Provinz Bell uno haben dort an mehreren Orten neuerdingt vi leichte Erderschütterungen taefmiden,- E E

Gewerbe und Handel.

Breslau, 3. Juli. Der neunte Verbandstag der Er- werbs- und Wirthschafts. Genossenschaften Siblesiens wird am 9. und 10, Juli în Oels abgehalten werden.

Naumburg a. S. Am 826. Juni hielt die Naumburger

Braunkohlen-Aktiengesellschaft unter lebhafter Betbeiligung ihrer Aktionäre die zweite ordentlihe Generalversammlung ab. An- wer ot V E at 225 Stimmen. _ Lir entnehmen dem Geschäftsbericht, daß das von der Gesell- haft neu eingerihtete Wak „Grube Naumburg“ bei Teuchern h dem 1. Juli vorigen Jahres bergbaulih in Angriff genommen, in allen seinen Arbeiten von den günstigsten Umständen begleitet wurde, daß der theilweise Betricb seit Mitte Mai eröffnet ist, und bis zum Tage der Versammlung ein täglicher Debit von 15 bis 29 Waggonladun- gen Knorpelkohlen und Preßteine erreiht wurde. Die Kohlen find der guten Dualität halber stark gesuht. Der volle Betrieb von tägli 40 bis 50 Lowrys wird im Laufe des neuen Geschäftsjahres als ec- reichbar bezeichnet. Für das erste Jahr wurden 5 Prozekt Zinsen vertheilt. Die Generalversammlung ertheilte Decharge. In den Auf- sihtêrath, welher nah Ablauf des ersten Geschäftsjahres den gefeßz=- lichen Bestimmungen gemäß neu zu bilden war, wurden' neu resp. wieder gewählt die Herren Ober-Bürgermeister Weise, die Bankiers Voß und Schaufuß, der Sanitäts-Rath Dr. Sander, die Kaufleute Schindler und Richter, Baumeister Claus und Rentier Arends.

ZU Revisoren für „das neue Geschäftsjahr wurden die Herren Hoyoll, Meißner und Päß, zum Grubenrepräsentanten der Betriebs- Direktor der Gesellschaft Herr Albert Mann ernannt.

Verkehrs - Anstalten.

_Berlin, 8. Juli. Heute ist die Pferdeeisenbal 6 Rosenthaler Thor nah dem Gesundbrunnen dem öffentlichen Deb kehr übergeben worden.

__ Die Direktion der Pfälzischen Eisenbahnen lei ihren jeßt veröffentlichten Jahresbericht für 1872 mit E Sat ein, daß die starke Zunahme von Verkehr und Einnahme, welche im J. 1871 lediglich als eine olge des dur den Krieg lange zurück- gehaltenen Handels und der wieder zu neuer Thätigkeit erwacenden Industrie betrahtet werden mußte, im J. 1872 nicht nur andauernd geblieben, fondern noch wesentlich stärker geworden ist. Auch ist eine allgemeine Verbesserung der Lage der Pfälzischen Bahnen durch Grün- dung des Reichslandes Elsaß-Lothringen, als eines großen Vorlandes der Pfalz mit gleichartigen Verkehrsinteressen und günstigen Bahn- Aen torgetreten: E ie Meilenlänge der im Betriebe stehenden Pfälzischen Bab- nen betrug am Schlusse des Jahres 1872 50,88 Mein E f a auf die Ludwigsbahn 24,40 M., auf die Maximiliansbahn 12,6 M., auf die Nordbahnen 13,84 M. entfallen. Die Gesammteinnahme belief sih auf 7,002,439 Fl. und is gegen 1871 um 758,167 Fl. oder 12,14 Proz. gestiegen. Es entfallen auf: den Personenverkehr 1,732,291 Bl. (weniger 87,628 Fl. oder 4,8 Proz.), den Gepäckverkehr 64,781 Fl. (mehr 14,296 Fl. oder 28,3 Proz.), den Viehverkehr 50,833 Fl. we- niger 28,229 Fl. oder 35,7 Proz.), den Güterverkehr 2,584,044 Zl. (mehr 383,181 Fl. oder 17,4 Proz.), den Kohlenverkehr 1,980,827 Fl. (înehr 161,065 Fl. oder 8,8 Proz.), sonstige Einnahmen 589,663 Fl. (mehr 315,482 Sl. oder 115,1 Proz.). Es wurden u. a. befördert: 3,544,092 Personen (-+-268,481), 222,297 Stü Vieh (—63,171 Stück), 32,492,339 Ctr. Güter (-+-6,430,254 Ctr.), 22,281,789 Ctr. Kohlen (4-1,767,920 Ctr.). Die Gesammtausgaben betrugen im J. 1872 3,707,200 Fl. oder 92,9 Proz. der Brutto-Einnahme, wovon 176,014 F[. auf die allgc- meine Verwaltung, 1,401,310 Fl. auf die Bahnverwaltung und 2,129,876 Fl. auf die Transportverwaltung entfallen. Gegen das Vorjahr sind die Betriebsausgaben um 15,8 Proz. gestiegen, wobei einestheils die oben nahgewiesene Zunahme des Verkehrs, sodann aber der im J. 1872 eingetretene enorme Preisaufschlag aller zum Eisen- IEO e Sat 1872 bean in Betracht kommt. Der einertrag des Jahres 2 beziffert sich hiern : i Fl. Me pla Fl. E Mi, Pee Bahnmeile. O E ie Transportmittel der vereinigten Pfälzischen bestanden in 123 Stück Lokomotiven, weite iu S E ues 542,827,80 Meilen gefahren haben, in 340 Personenwagen mit 13,953 Sp den, A A aler Art mit einer Tragfähigkeit , ; mit allen Wagen zurück - zahl belief sih auf 11,777,844. ae: E

Straßburg, 7. Juli. (W. T. B) Die Cöln-Düssel- dorfer Dampfschiffahrts-Gesellshaft wird vom 15. d. M. ab ihre Dai auf dem Rhein bis Straßburg gehen lassen. Täglich wird ein Boot von da nach Mannheim und eins von leßterem Orte nah Straßburg in Fahrt geseßt werden. Die Fahrt zu Berg

zwischen beiden Orten dürfte 15 Stunden dauern.