1873 / 167 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

wurde. Unterärzte und Unterapotheker, welche eventuell nicht in etats- mäßigen Stellen ven Assistcnzärzten resp. Garttisons-Apothekcrn stehen, sowie einjährig freiwillige Aerzte und Pharmazeuten in auswärtiger Vertretung von Assistenzärzten resp. Garnisons-Apothekern haben. die Bezüge von Portepeefähnrichen inkl. des Verpflegszuschusses zu erhalten.

In Ausführung des zwishen Bayern und Baden unterm 23. November 1871 abgeschlossenen Staatsvertrages zur Herstellung einer Eisenbahn von Aschaffenburg über Milten- berg zum Anshlusse an die badishe Odenwaldbahn und von Lohr na<h Wertzeim wird, dem „Korr. v. u. f. D.“ zufolge, die bayerishe Regierung die auf ihrem Gebiete gelegene Bahnstre>e von Miltenberg bis zur Landesgrenze der badischen Staatsregie- rung und leßtere die auf ihrem Gebiete gelegene Bahnstreke von Wertheim bis zur Landesgrenze der bayerishen Regierung über- lassen. Zwischen Wertheim und Kreuzwertheim wird eine

feste Eisenbahnbrü>e über den Main auf gemeinschaftliche Kosten

hergestellt werden, deren Bau von der bayerishen Regierung übernommen wird.

16. Juli. (W. T. B.) Die Gemeindebevoll- mächtigten sind den Beschlüssen des Magistrats, betreffend die Errichtung zweier konfessionell gemishter Volks- \hulen, mit 35 gegen 10 Stimmen beigetreten.

Sachsen. Dresden, 16. Iuli. Nach den neuesten ärztlichen Anzeigen bis incl. 14. Juli beträgt die Gesammtzahl der in den Königlichen Gerihtsämtern Dresden und Döhlen vorgekommenen Choleraerkrankungen 247, von denen 86, d. i. nahezu 35 Prozent einen tödtlihen Verlauf nahmen.

Leipzig, 17. Juli. (W. T. B.) Der vom Pastor Ahl- feldt als Vorsizenden des Vorständes der Nicolaikir.he erhobene Widerspru<h gegen den Beschluß des Kirchenvorstandes, die Kirche dem deutschen Protestantentage zur Abhaltung des Gottesdienstes einzuräumen, is von der Regierungsbehörde ver- worfen worden.

Hessen. Darmstadt, 15. Juli. (D. 3tg.) Die Zweite Kammer der Stände seßte in ihrer gestrigen 29. Sißung die Berathung des Hauptvoranshlags der Staatsausgaben für die Jahre 1873, 1874 und 1875 fort. Es wurden bewilligt: 1) für das Finanz-Ministerium 29,360 fl. ; 2) für die Ober-Rechnungs- kammer nebs der dazu gehörigen Iustifikatur 1. Abtheilung 32,370 fl.; 3) für die Hauptstaatskasse 27,370 fl. ; 4) für die Ober-Steuerdirektion 35,890 fl. ; 5) für die Ober-Baudirektion 30,425 fl. ; 6) für streitige Rechtsverhältnisse und Prozeßführung 9600 fl.; 7) für Elementarverwaltungsfkosten der Kameral- domänen 59,100 fl.; 8) _für Verwaltungskosten der direkten Steuern , indirekten Auflagen und Regalien 538,924 fffl.; 9) für die in den verschiedenen Zweigen des Baumwesens angestellten höheren te<nis<hen Lokaldiener 48,051 fl. ; 10) für laufende Unterhaltung des Centralbauwesens im Ministerium des Innern 32/000 fffl.; 11) für desgleichen in Geschäftszweigen des- Ministeriums der Justiz 8100 fl.; 12) für Neubauten und größere Herstellungen des Centralbauwesens im Ressort des Mi- nisteriums des Innern 107,603 fl.; 13) für désgleihen bei dem Ministerium der Justiz 57,233 fl., (darunter 18,000 fl. für das Amtshaus in Darmstadt, 24,000 fl. für den Justizpalast in Mainz). Die beiden lezten Posten wurden zusammen für die ganze Budgetperiode bewilligt, |o daß also auf jedes Jahr derselben 5 jener Summen kommt.

Die Bewilligung für die Dber-Baudirektion erfolgte nur für 1873 und wurde für die beiden folgenden Jahre vorläufig bis zur Vorlage eines anderweiten Drganisationsplans ausgeseßt. Der Posten unter 6 wurde -nur für die Dauer des Dienstes der gegenwärtigen Fiskalanwälte bewilligt. Die Berathung über die Budgets der Ober-Forst- und Domänendirektion, der Rent- ämter, der tehnis<hen Forstverwaltung und des Forstshußes würden ausgeseßt, resp. diese Posten an den Aus\huß zurü> verwiesen. Die Kammer ersuchte die Regierung, im Laufe der Berathung im Iustizfahe nur insoweit Besezung vakanter Dienst- ftellen eintreten zu lassen, als dies unbedingt nöthig ist, sowie die Stelle eines Hofbaumeisters eingehen zu lasen. :

16. Juli. In ihrer gestrigen 30. Sizung setzte die Kammer die Berathung des Ausgabebudgets für 1873—75 fort. Es wurden bewilligt: 1) für die laufende Unterhaltung des Centralbauwesens im Ressort des Ministeriums der Finanzen 9500 fffl., 2) für die laufende Unterhaltung des Hofbauwesens 24,837 fl., 3) für Neubauten und größere Herstellungen im Ge- biete des Hofbauwesens (für die ganze Finanzperiode) 33,010 f, 4) für gewöhnliche Unterhaltung des Kameralbauwesens 26,000 fl., 5) für Neubauten und größere Herstellungen im Gebiete des Kameralbauwesens (für die ganze Finanzperiode) 5800 fl., 6) für gewöhnliche Unterhaltung des Forstbauwesens 18,000 fl., 7) für Neubauten und größere Herstellungen im Forstbauwesen (für die ganze Finanzperiode) 3850 fl., 8) für Unterhaltung der Staats- und Provinzialstraßen 412,867 fl.

Zu bemerken i}, daß eine Forderung von 35,500 fl. für Neubau der Pachterswohnung auf dem Domanialgute Mönchhof abgelehnt wurde. Im Laufe der Berathung wurde ein Antrag des Ausschusses: die Regierung um Anfertigung detaillirter Voranschläge und deren zeitige Vorlage im gesammten Hofbau- wesen zu ersuchen, angenommen.

Me&lenburg-Schwerin. S<hwerin, 16. Juli. Die heute erschienene Nr. 21 des „Regierungsblattes* für das Großherzogthum Me>lenburg-Schwerin enthält: 1. Abtheilung: Verordnung, betr: ffend die Todeserklärung von Personen, welche an dem in den Jahren 1870 und 1871 mit Frankreich geführten Kriege Theil genommen haben; Verordnung zur Publikation der revidirten Medizinal-Taxe und der revidirten Taxe für die gerihtlihen Aerzte und Wundärzte. 2. Abtheilung: Publikan- dum, betreffend Abänderung der Distriktseintheilung der Domä- nen des Großherzoglichen Haushalts. à R |

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Sachsen-Altenburg. Altenburg, 15. Iuli. Der Herzog hat fih ) geftern nah Ronneburg begeben. Pu E E In E A Lit rger s 1A

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Reuß. Gera, 14. Juli. Die Fürstin Mutter, welche

bisher no<h allein auf Schloß Oberstein hier verweilte, i, wie

die ‘„Leipz. Ztg.“ mittheilt, gestern Nachmittag nah der Schweiz

A um in Bad Ragaz eine mehrwöchentliche Kur zu ge- rauhen.

Bremen, 16. Iuli. In der heutigen Sißung der Bür- gerschaft wurde ein Antrag auf Berathung über eine Ver- eus in dem Sinne, daß die Zahl der Mitglie- er der Bürgerschaft verringert werde, gestellt von Kozenberg und Genossen (im Ganzen 32 Vertreter), verlesen, Die Be- rathung dieses Antrages darf nah der Verfassung ($. 67) erst in einer folgenden Sizung stattfinden.

Elsfaß- Lothringen. Met, 16. Iuli. (W. T. B.) Bes Vormittag fand zu Vionville die Enthüllung des enkmals für die Gefallenen des Brandenburgischen Füsilier- Regiments Nr. 35 statt. Bei der Feierlichkeit waren anwesend

der Bezirks-Präsident Graf von Arnim, der Kommandant von Meg, der Brigade-Gencral v. Rothmaler, die preußischen, baye- rishen und württembergischen Offiziere der Besaßung von Meß, die ehemaligen und jeßigen Offiziere sowie Deputationen von Mannschaften aller Compagnien des Regiments, eine Deputation des Berliner Vereins der 35er, sowie viele Angehörige der bei dem Regiment Gefallenen. Nach dem Liede: „Sei Lob und Ehr’ dem höchsten Gut“, \prah der Divisionsprediger Wernicke die Weihrede, mit Gebet und Segen \{ließend. Der Regiments- Commandeur, Oberst du Plessis, gedahte des Tages und der im Kampfe Gefallenen und endete mit einem dreimaligen Durs auf Se. Majestät den Kaiser. Das Denkmal

steht aus einer Sandstein-Pyramide, trägt die Namen der Gefallenen und steht an dem von Vionville na<h Rezonville führenden Wege.

Desterreich-Ungarn. Wien, 16. Iuli. Gestern Mit- tags 12 Uhr fand bei dem Könige von Württemberg in der Hofburg ein Dejeuner statt, an welchem u. A. die Herzoge Nikolaus und Philipp von Württemberg Theil nahmen. Nach-

mittags 5 Uhr fand im“ Lustshlosse Schönbrunn bei Ihren

Kaiserlihen und Königlihen Majestäten ein Diner statt. An demselben nahmen Theil: der König von Württemberg, die Erzherzoge Karl Ludwig, Ludwig Victor, Rainer und Jo- seph, die Erzherzoginnen Marie und Clotilde, der Prinz Alexander der Niederlande, die Herzoge Nikolaus und Philipp von Württemberg, der Prinz Gustav von Sachsen-Weimar und der Prinz Hermann von. Sachsen-Weimar.

Die „Wiener Z.“ veröffentliht eine Verordnung des Handels - Ministerinms vom 14. Juli 1873, betreffend die Be- stimmungen über die Einführung und Benugzung der Staats- Telegraphenmarken.

Schweiz. Bern, 16. Juli. (W. T. B.) Offiziellen Mittheilungen zufolge entspriht die in London von dem persi- schen Großvezier unterzeihnete Beitrittserklärung Per- siens zu der Genfer Konvention weder formell no<h ma- teriell den üblihen Anforderungen. Daher kann dieselbe nicht als ein verbindlich giltiger Akt, \ondern nur als der Ausdru> der Geneigtheit Persiens zu einem \olhen Seitens des Bundes- rathes den Konventionsstaaten mitgetheilt werden.

Der Beschluß des Regierungsrathes von St. Gallen vom 5. ds., über die künftige Ausübung des Ho- heitlihen Plazets der Pfründbeseyungen lautet nah dem „St. Galler Tagbl.“ wörtlih also:

Art. 1. Für Geistliche, deren I auf eine Pfründe im Kanton das erste Mal zur hoheitlihen Anerkennung an den Regierungs- rath geleitet wird, sollen jeweilen die Zeugnisse der Gewählten über ihre Sitten und ihre Studien, sowie die Bezeichnung der Lehranstal- e an welchen dieselben studirt haben, den Wahlanzeigen beigelegt werden.

Art. 2. Der Regierungêrath behält fi< vor, die Beibringung der erförderlichen Zeugnisse und Auêweise für Pfründwahlen auch bei späterem Wechsel der Pfründen zu verlangen.

Art. 3. Auf St. Gallischen Pfründen gewählten Geistlichen, welhe vom Oktober 1873 an ihre theologishen Studien oder die Kurse des Klerikal-Seminars in Anstalten der Jesuiten oder in An- stalten der den Jesuiten affiliirten Orden und Kongregationen machen werden, ist das Wahlplazet zu verweigern.

Art. 4. In den Fällen, in welchen die Wahl eines Geistlichen auf eine Pfründe hoheitli<h genehmigt wird, hat die Mittheilung des diesfälligen Beschlusses durch taxfreien Protokollauszug, im Falle der Nichtgenehmiguna der Wahl aber dur< motivirtes Schreiben an die- lende Ee Behörde zu erfolgen, welche die -Wahlanzeige ge- ma at. E - i

Art. 5. Vorstehender Beschluß - ist in die Geseßsammlung ‘auf- zunehmen.

Niederlande. Haag, 16. Iuli. (W. T. B.) Der neu ernannte Ober - Kommandant der Expedition gegen Atchin, General van Swieten isst heute nah den osftindishen Kolo- nien abgereist.

GroßSbrirannien und Jrland. London, 15. Juli. Earl Spencer, der Vize-König von Irland, hat \sih über Paris -na<h Wien begeben, wo er si<h etwa drei Wochen auf- zuhalten gedenkt.

Der Administrator von Lagos, George Berkeley, is zum Gouverneur-en-chef der westafrikanishen ».iederlassungen ernannt worden.

Im Oberhause wurden gestern die Verhandlungen mit einer Interpellation des Herzogs von Bu>ingham betreffs des Ashantikrieges eröffnet. Der Earl von Kimberley (Minister für die Kolonien) erklärte in seiner Erwiderung darauf die in den gestrigen Zeitungen veröffentlihten Nachrihten des Reuterschen Bureaus von der Westküste Afrikas für völlig rihtig. Seinen eigenen Depeschen zufolge hätte am 16. Juni in Elmina zwischen britis<hen Militär- und Marine-Mannschaften und den Ashantis ein Treffen stattgefunden, in welchem leßtere mit großem Verlust zurü>geshlagen wurden, während von britischer Seite nur 2 Männ getödtet und 7 verwundet wurden. Ein Theil der Stadt Elmina, dessen Einwohner sich rebellisch zeigten, sei nah vorheriger Warnung der Bevölkerung zerstört worden, ohne daß dabei Einwohner ums Leben kamen. Der Commandeur der Truppen hege keine Zweifel über das Resultat, im Falle die Ashantis einen Angriff auf Cape Coast Castle versuchen sollten. Militärishe Vorräthe und eine beträhtlihe Quantität Lebensmittel seien bereits nah der Goldküste abgesandt worden. Der Earl von Lauderdale be- merkte, daß seinen bis zum 283. d. M. reichenden Nachrichten zu- folge die Einwohner von Cape Coast Kanonenboote verlangen, weil fie ihr Leben für in Gefahr halten. Er drü>te die Hoff- nung aus, daß Schritte ergriffen werden würden, um die Ein- geborenen so zu organifiren, daß sie im Stande seien, in das Innere gegen die Ashantis vorzudringen. Dem Earl von Carnarvon, welcher die Vorlegung der “zwischen der Regierung und dem Baron Reuter über die persishe Kon- zession gepflogenen Korrespondenz beantragte, erwiderte Earl Granville, daß die Königin einem derartigen kommerziellen Unternehmen ihren offiziellen Schuß nicht habe zusagen können. Gegen die Vorlegung der zwishen der Regierung und dem Baron von Reuter gepflogenen Korrespondenz habe er nichts ein- zuwenden. Er könne nur so viel versichern, daß er dem Projekt niemals irgend welhe Opposition gemaht habe. Der Antrag auf Vorlegung der Korrespondenz w.:rde \{<ließli< genehmigt.

Im Unterhause passirte in gestriger Sizung nach mehrstündiger Diskussion die Vorlage zur Herstellung. eines obersten Gerichtshofes (Supreme Court of Judicature Bill) die Komiteberathung.

Den „Times of India“ zufolge hat die indische Re- ierung eine Proklamation erlassen, welhe anzeigt, daß die

estimmungen gegen das Halten von Sklaven in strenge Anwendung gegen sämmtlihe britishe Unterthanen kommen werden.

Wie den „Times“ aus Calcutta vom 14. ds. ge-

meldet wird, beabsichtigt der Gouverneur von Bengalen ,z Thibet von Sikkim aus aufzuschließen, und hat den Vize-König von Indien ersucht, die <inesis<he Regierung um Zurü>nahme der Beschränkungen anzugehen.

Frankreich. Paris, 15. Iuli. Gestern, am JIahres- tage des Todes des Herzogs von Orleans, fand in der Kapelle St. Ferdinand (Neuilly) ein Trauergottesdiens statt. Der Herzog. von Aumale, der Prinz von Joinville, der Herzog von Nemours, der Herzog von Chartres (zweiter Sohn des Herzogs von Orleans), die Prinzesfin von Joinville und einige andere Prinzesfinnen des Hauses Orleans, sowie eine große Anzahl ihrer Anhänger waren zugegen.

__ Der Präfekt des Meuse-Departements hat an seine Maires folgendes Schreiben gerichtet : ; ; i Bar-le Duc, 10. Juli 1873.

Herr Maire! Jn wenigen Tagen wird die deutshe Armee ihre Kantonirungen in dem Arrondissement Verdun beziehen und die Orte verlassen, welche sie in den Arrondissements Bar-le-Duc, Commarcy und Montmedy inne hat. Diese Bewegung kündigt uns die Stunde der definitiv-n Befreiung an, da das verstümmelte, aber immer no< große und stolze Frankreih wieder ganz in den Besiß seines Selbst gelangen wird. Diese nahe Ausficht vermag wohl den Patriotismus anzuregen, und i begreife, daß freudige Gefühle in den Herzen aller guten Bürger Plaß greifen. Allein die Befriedigung d rf weder die Gelassen- heit aus\ließen, wel<he einer s<wergeprüften Nation geziemt, noch die innere Sammlung, in welcher sih große Betrachtungen und die Arbeit einer friedlichen und ernstlihen Wiedergeburt gefallen. Die Umstände haben es gefügt, daß die Bevölkerungen der Meuse die Last der Ofkku- pation bis ans Ende zu tragen haben, und sie haben mit edler Ent- sagung eine Prüfung über sih ergehen lassen, wel<he das ganze Vater- land ihnen zugemuthet hatte. Jk.re Haltung wird sih auch jeßt nit verleugnen und fie werden \si< bis zum leßten Augenbli>e den Dank des Vaterlandes erwerben. S1e werden nit vergessen, daß die Okku- pation8armee einstweilen nur eine Rüzugsbewegung ausführt, und daß wir nicht duc eine Unbesonnenheit die Lage jener unserer Laydsleute, die als leßtes Pfand dienen, vershlimmern dürfen. Empfehlen Sie also, Herr Maire, Jhren Schußbefohlenen, daß sie dem Ab- und Durch- e der deutschen Armee mit unerschütterliher Würde zuschauen, si edèr geräushvollen oder feindlichen Kundgebung, jeder öffentlichen Lustbarkéit enthalten, besonders sorgfältig aber Alles vermeiden, was. in einen Konflikt ausarten und die öffentlihe Ordnung stören könnte. Die Vergangenheit steht uns für die Zukunft, und wenn uns Umsicht diese Rathschläge eingiebt, so sind wir do< vollkommen überzeugt, daß die Bevölkerungen der Mense auch ferner das Vertrauen re<tfer- tigen werden, welches wir in ihren erhabenen Patriotismus seßen.

Gmpfangen Sie, Herr Maire, u. f. w. i Der Präfekt d’Aury.

Bei den am 14. zu Belleyme, Departement der Orne, stattgehabten Wahlen für den Munizipalrath find sämmt- Us republikanis<he Kandidaten mit großer Majorität erwählt worden.

Versailles, 16. Juli. (W. T. B.) Bei der heute in der Nationalversammlung fortgeseßten Diskussion über das Gesez der Reorganisation der Armee ergriffen einige Redner das Wort zu Gunsten der Ersparnisse betreffs des Armeebudgets. Der Kriegs-Minister erwiderte, daß er sein Möglichstes thun werde, damit die Ausgaben für die Armee nit die bestimmte

‘Grenze überschritten. Die Regierung verfolge keine kriegerischen

Gelüfte, ihre Politik sei die des Friedens. Aber die Sorge für die Erhaltung des Friedens lege die Verpflichtung auf, das Land in einen vertheidigungsfähigen Zustand zu verseßen. Wenn ganz Europa „bis an die Zähne“ bewaffnet sei, dürften nicht Thür und Fenster für jeden, der da kommen wollte, offen sein. Es sei durhaus nothwendig, daß die Armee in den Stand gesetzt würde, in einem kürzern Zeitraume von dem Friedens- auf den Kriegsfuß überzugehen. Die Diskussion über die einzelnen Artikel wird fortgeseßt.

Spanien. Madrid, 16. Juli. (W. T. B.) “Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten Maisonnave, der Iustiz- Minister Gil Beges und der Finanz-Minister Carbajal haben ihre Entlassung genommen, um die Formation eines homogenen Kabinets zu erleihtern. Die Majorität der National - Ver- sammlung fordert die Bildung eines energischen Ministeriums unter der Präsidentshaft von Salmeron. Nah Cartha - gena sind Truppen in genügender Stärke abgesandt, um der dort ausgebrochenen Jnsurrektion Herr zu werden. :

Nah telegraphischen Berichten aus Bayonne vom 16. Juli hat Don Carlos am Abend des 15. die spanische Grenze überschritten. In einer an diz carlistishen Freiwilligen gerichte- ten Proklamation erklärt er, daß er dem Rufe Spaniens, welches mit dem Tode ringe, Folge leiste, um unter dem Beistande Gottes für das Vaterland und Gott zu kämpfen. In Zu- gurramurdi (bei Elizondo in Navarra), wo Don Carlos \ih in der Begleitung von Valdespina und Lizzarraga gegenwärtig aufhält, herrst große Zuversicht und Begeisterung.

Îtalien. om, 13. Iuli. Die „Gazzetta uffiziale“ ver- öffentliht die Ernennungen der neun Minister und ein ministerielles Dekret, wodurh bekannt gemaht wird, daß alle nah dem 4. Juli aus Venedig ausgelaufenen Schiffe bei ihrem Einlaufen in andere italienishe Häfen der Quarantäne unterworfen sind. |

Der Schah von Persien wird, den „It. N.“ zufolge, niht nah Rom kommen, sondern vom König Victor Emazuel in Turin feierli<h empfangen werden.

Die gestern früh 65 Uyr hier in Frosfinone und anderen Orten der Provinz Rom verspürten Erdstöße haben keinerlei Schaden angerichtet.

Griechenland. Athen, 5. Iuli. Der König und die Königin werden na<h den bis jeßt getroffenen Dis- positionen im nähsten Monat nah Wien zum Besuch der Aus- stellung reisen und der Oheim des Königs, Prinz Johann, wird unterdessen die Regentschaft übernehmen.

Zu Anfang dieser Woche haben in der Kammer die Budgetdebatten begonnen. Gestern wurden dieselben durch die Prüfung der Wahl von Messenien unterbrohen. Die Kammer- mehrheit hat die Wahl, in welcher Kumunduros unterlegen war, zum zweiten Mal vernichtet, na<hdem ein von der Regierung ausgegangener Antrag, die Debatte aufzuschieben, mit 88 gegen 80 Stimmen Zdirclelnti worden war. Das Ministerium hat heute troydem die Budgetdebatten wieder aufgenommen. Die Regierung hat das Gese über die Konzessionsverleihung zur Aus\hmelzung der Halden an die bestehende Lauriongesellschaft vorgelegt und zugleih versprochen, ein Geseß über den Bau von fieben Eisenbahnen im Peloponnes vorzulegen.

Serr Zaimis is vorgestern aus Wien hier angekom- men. Fast die gesammte Opposition is ihm bis Kalamaki ent- gegengereist und hat ihn dort festli<h empfangen.

__ Türkei. Dem „Levant Herald“ zufolge wérden die Streitfragen zwischen Persien und- der Pforte in Kurzem sämmtlich erledigt sein. Bezüglich des Konslikts- zwischen Perfien und Zaptichs haben in Tahtakal versöhnlihe Auseinandersezun-

gen und Uebercinkünfte stattgefunden. Die Okkupation Pustukus, eines Ortes an der streitigen Grenzlinie zwishen Persien und Bagdad, dur persishe und türkische Truppenabtheilungen bildet don zweiten Differenzpunkt. Beide Detachements waren, wie es scheint, im Begriffe, sich zu \{hlagen, als rechtzeitige Tele-

amme zu diplomatishen Unterhandlungen zwischen dem per- fischen Botschafter und der Pforte führten, die in telegraphi- <en Instruktionen an die persischen und türkischen Grenzcom- mandeure resultirten, den Ort zu gleicher Zeit zu räumen, was geschah, und wodur alle Besorgnisse wegen eines blutigen Zu- ammenstoßes vermieden wurden. Die \{leunige Beilegung der Valdé Khan-Differenz und der zwischen den beiden Ländern <webenden Handelsfragen erwartet man vor der Ankunft des

Schahs in Wien.

Nußland und Polen. St. Petersburg, 15. Iuli. Die „M. 3.“ meldet, daß das im Ministerium des Innern bestehende veterinärärztliche Komite mehrere Spezialisten an die Ufer der Scheksna. vorzugsweise in der Nähe des im Kirilow- \{hen Kreise des Nowgorodschen Gouvernements belegenen Dorfes Nilowzy, geschi>t hat, um daselbst Untersuhungen über die Rinderpest anzustellen. a

Im Kriegs - Ministerium beschäftigt man fih zur Zeit mit der Gründung topographischer Niederlagen in einzelnen Städten, aus denen erforderlichen Falles die in der nächsten Umgebung stationirten Truppentheile mit Karten be- ftimmter Gegenden versehen werden sollen.

Amerika. Nachrichten aus San Franzisko vom 2, d. M. zufolge, hat kürzli<h ein Kampf zwishen Jndianern und Truppen der Vereinigten Staaten in Arizona stattgefun- den. Lieutenant Babro>, der wit 50 Kavalleristss& die Mörder von Almy verfolgen sollte, holte dieselben ein und zwang sie zum Kampf, in welchem 14 Indianer getödtet und \se<s gefan- gen genommen wurden. /

Aus Cuba liegen folgende Nachrichten vor: In der Nacht vom 22. Iuni versuhten die Insurgenten in die Stadt Nunvitas einzudringen, sie wurden jedo< von den, dur ein Kriegé\chif im Hafen unterstüßten spanishen Truppen zurü>- geschlagen. Es geht ferner das Gerücht, daß General Quesada in Cuba gelandet sei und den Oberbefehl über sämmllihe Streit- kräfte der Insurgenten übernommen habe. Der „Tribuno“ veröffentliht unterm 1. Juli ein Manifest der Föderal-Republi- kaner von Cuba, worin auf die Einigung aller Parteien gedrun- gen und im Namen des General-Kapitäns und der Republik

‘die Insurgenten aufgefordert werden, die Waffen niederzulegen,

um aller Wohlthaten einer republikanischen Regierung theilhaftig zu werden.

Affien. Ein Telegramm aus Shanghai vom 7. ds- meldet: „Die bei der Audienz, welhe der Kaiser von China den auswärtigen Gesandten gab, beobachteten Ceremo- nien fanden im europäishen Style statt, aber weitere Details find bis jezt nicht bekannt geworden.“; :

Afrika. Ucber das Bombardement und die Ein- äsherung der Stadt Elmina an der Goldküste wird der „Times“ aus Freetown, Sierra Leone, unterm 28. Juni ge- schrieben: „Am 14., dem Tage, an wel<hem das Königsquartier von Elmina bombardirt und zerstört wurde, erließ Oberst Harley, der General-Administrator der westafrikanishen Niederlassungen, eine Proklamation, welhe Elmina und die umliegenden Bezirke in den Belagerungszustand erklärte. Ehe irgend welhe Schritte gegen Elmina ergriffen wurden, erging an die Einwohner die Aufforderung, ihre Waffen abzuliefern, da sons zu extremen Maßregeln geschritten werden würde. Sie weigerten fih dies zu thun, und obwohl eine Deputation von 19 El- mineser Häuptlingen nah dem Kastel von Elmina fam, weigerte ' \sih dieselbe, nur eine einzige Muskete herauszu- geben. Dann begann das Bombardement des rebellishen Quar- tiers. Die meisten der loyalen Einwohner suchten eine Zuflucht im Kastell von Elmina. Während der Beschießung flüchteten die rebellishen Elmineser in die Büsche. Nachdem das Bombar- dement vorüber war, betraten sie wieder die Stadt und hatten ein Shharmügel mit den Marinesoldaten, in welhem ein Marine- soldat getödtet wurde. Später am Tage rü>ten etwa 4000 Ashanti's vor und griffen das gegenüberliegende oder Garten- quartier der Stadt an. Nachdem fie in die Gärten gedrungen, würden fie von Oberst Festing an der Spigze der Marinesoldaten, der Houssa's und eines De- tachements des 2. westindishen Regiments, im Ganzen ungefähr 400 Mann, angegriffen. Es entspann fi< nun ein \charfes Gefeht. Die Ashantis zeigten große „Bravour und rü>ten unter einem sehr heftigen Feucr bis auf weniger als 150 Ellen von den Truppen entfernt vor. Da das Terrain ihnen keine Deckung gewährte, konnten sie im Freien dem Feuer der „Sni- ders“ ni<ht Stand halten und wurden mit \{<werem Verlust zu- rü>geshlagen. Nachdem sie aus den Gärten vertrieben worden, wurden sie die Salzmoräste entlang verfolgt, worunter sie heftig litten. Zwei niederländische Flaggen wurden ihnen weggenommen. Die Truppenhatten weder Kanonen noch Mitrailleusen mit sich. Die Ashantis hatten einige Zeit vorher Kapitän Turban, dem militä- irshen Kommandanten von Elmina, eine Bots chaft ges andt, worin sie ihre Abficht erklärten, die englische Flagge niederzureißen und die niederländische wieder aufzurihten. Ein Ashanti von hohem Rang fiel bei Elmina. Seine Leiche wurde von den Ashantis vom Felde getragen, eine Ehre, die sie nur den größten Häuptlingen zollen, da fie in der Regel niemals versuchen, die Leichen der in einer Shlaht Gefallenen wegzuführen. Am 15. wurde ein De- tahement von 100 Mann des 2. westindishen Regiments abge- n um die todten Ashantis zu begraben; sie \harrten über 270 ein.

Am 22. ds. brachten zwei Fantis, die aus dem Lager der Ashantis, wo \ie gefangen gehalten worden, entfommen waren,

die Kunde nah Cape Coast, daß die Ashantis in Dongquah,

ungfähr 15 Meilen von Cape Coast, einen großen Kriegsrath hielten, bei welhem der König und alle großen Häuptlinge zu- gegen waren. Es wurde beschlossen, Cape Coast am 27. anzu- greifen und zu versuchen, es dur<h Sturm zu nehmen. Zu diesem Behufe hatten sie mehrere hundert Sturmleitern vor- béreitet. Beim Enipfang dieser Kunde wurden alle disponiblen Matrosen und Marinesoldaten von den Schiffen gelandet, um die Garnison von Cape Coast zu verstärken. Oberft Festing kam sofort von Elmina herüber, um das Kommando in Cape Coast zu übernehmen. Troß der starken Streitmacht, die “jezt in Cape Coast steht, und der daselbst ge- troffenen Vorbereitungen beforgt man, daß die Ashantis einen Nachtangriff ain werden, in welchem Falle die Trup- pen verhältuißmäßig machtlos sein würden, da die Stadt guten Schuß gestattet und die enorme numerische Ueberlegenheit der

Ashantis ihnen große Vortheile in einem Handgemenge gewährt. In Folge der großen Anzahl von Flüchtlingen, die nah der Stadt geströômt find, dürfte ficherlih großer Lebensverlust ent- stehen. Man schäßt, daß über 50,000 Ashantis in der Nähe von Cape Coast für den Angriff konzentrirt find.

Nr. 51 des „Amts-Blatts der Deutschen Reihs-Post- Verwaltung“ hat folgenden Il General -Verfügungen vom 13. Juli 1873: Beförderungen von Briefcn mit Werthangabe zwischen Deutschland und Belgien; vom 13, Juli: Entrichtung des Abtrags zum Post-Armen- und Unterstüßungsfonds von den Wohnungsgeld- Zuschüfsen.

Das Juni-Heft des „Centralblatt für die gesammte Unterrichts-V erwaltung in Preußen“ hat folgenden Inhx.lt : Gefeß, betreffend Tagegeldcr und Reisekosten der Staatsbeamten. Wohnungsgeldzushüsse für Staatsbeamte, Kosten in Disziplinar- UnteuczangtjaGen Versicherung fiskalischen Eigenthums gegen enera ahr, eftorat an der Universität zu Halle. Benußung der

sniglihen Bibliothek in Berlin. Befähigung zur Ascension in OLver- Lehrerstellen. Handhabung der Schuldisziplin. Zeit für Regulirung des Einkommens der Rendanten 2c. Lehrbücher ia den Seminarien der Provinz Brandenburg. Anforderungen in der Prüfung für Lehrer an Mittelschulen. Berechtigungen der pro schola et rectoratu früher ge- prüften Lehrer. Ausschluß einer Dispensation von der Refktoratsprü- fung für die an Mittelshulen zu berufenden Lehrer. Geschäftsgang bei der Meldung für die zneite Lehrerprüfung. Ressortverhältniß in den Angelegenheiten der Präparandenbildung. Verfahren bei Beur- laubung der Lehrer. Anre<hnung des Einkomwens aus kirchlichen Aemtern auf die Lehrerbesoldung. Nichtverpflichtung einer Gemeinde zur Aufbringung eines Lehrergehaltê-Zuschusses für die Vergangenheit. Verbesserung der Lchrerbesoldungen in den neu crworbenen Provinzen. Wittwenkafsenbeitrag von Gehaltsverbefserungen. Unterricht in weib- lichen Handarbeiten. Mitwirkung der Schule zum Schuß nüßlicher Thiere. Herstellung größerer Schulkörp-r. Schulinspektion bei Ver- einigung von Konfessions)hulen. Zabl der Lehrerstellen im Verhältniß zur Schülerzahl. Ausführung der Allgemeinen Bestimmungen über das Volks\culwesen im Regierungsbezirk Trier. Unzulässigkeit der Ausfeßung des Schulunterrichts aus Anlaß kirhli<her Verrichtungen des Lehrers. Sommer- und Herkstferien in dér Provinz Preußen. Schu'zucht. Unablösbarkeit bestimmter Abgaben an Schulen 2c. Rechtêweg in Beziehung auf Unterhaltung der Schulen. Umwandlung einer Privatschule in eine öffentlibe Schule. Fortdauernde Gültigkeit des S. 33. Tit. 12, Theil II[. Allgemeinen Landrechts. Zulässigkeit der Unterstüßung eines Rittergutsbesißers aus Staatsfonds bei Schul- leisturgen. Feststellung der Leistungsfähigkeit von Gutseinsassen. Aus- {luß der Subventionirung einer jüdischen Schule aus Staatsfonds. Aufnahme der jüdischen Kinder in <ristlihe Schulen. Deichbaukosten. Patronatslasten bei einer nah Emanation der 2 pie; vom 2. Mai 1811 vereinigten Küster- und Lehreritelle. Blindenanstalt zu Brom- berg, Reglement. a É

Verleihung der Rechte einer juristischen Person. im Ressort der Unterrichtsverwaitung. Perjonalchronik.

Zuwendungen

Statistische Nachrichten.

München. In der leßten Sißung der hiesigen anthropologischen Gesellschaft hielt Dr. Georg Hirth einen Vortrag über die Sterb - lihfeitsverhältnisse inLondonund München nach Alters- klassen. Die Todesfälle von Kindern unter 1 Jahr betragen in London 23%, in München 45% sämmtlicher Todesfälle; auf je 109 Lebendgeborne kommen alljährli<h im 1. Lebensjahre Gestorbene in Londor. 17%, in München 40%. Uneheliche Geburten: in London 4,2%, in München 41,0 % aller Gcburten. Für die ver- schiedenen Altersflassen stellt sih das Verhältniß der innerha 1b derselben Lebenden und jährlih G.-storbenen wie folgt:

Altersklasse in London in München

vôi Lebende Seltor- Mille Lebende Ststor- pro

bene bene Mille 1. Lebensjahr 84,491 13,999 1660 3,400 2,493 7330 2, 5 71,292 6,808 97,0 2,610 203 778 J: 7 71,694 3,831 53,4 2,460 91 36,9 4. i: 68,723 92,345 341 2,435 72 2s 5 66,096 1542 233 2310 54 923, 300,259 2,946 9,8 10,300 105 10,2 523,504 2,539 4,8 23,362 140 6,0 71389 1994 7s lia ie fe “>00 O1 40S 8,2 476.802 4497 da U 4 ¡S S E 27314 354 12,9 366417 5,361 ast P Sa L 20,546 302 17,6 246,918 5,307 lis 24 143277 391 27, 149,703 5,906 “e de 1405 8,564 408 47,6 74,039 5,613 —— Se i 49 339. 105,0 94491 3619 154 i adi er 80 626 139 222,0 B 5A 964 00 T

Aus diesen Berechnungen g-ht hervor daß die hohe Gesammt- sterblich|itsziffer Münchens, welche so häufig, und n1o< kürzlich vom Magistrat zu Göttingen (f. Nr. 158 d. Bl.) zum Beweise der Gesundheitsgefährlihkeit Münchens angezogen wird , lediglich auf die allerdings enorm große Kindersterblichkeit zurü>zuführen ist. Ueber die. Ursachen der leßteren sind umfassende Erhebungen zu erwarten, ohne! Zweifel ist dieselbe niht blos klimatischen, sondern in erfter Linie Er- nährungs-- und Betpslegungeverüättulfen zuzulchreiben. Ohne Rü>- sicht auf die im eriten Lebensjahre Lebendca und Gestorbenen stellt sich die Gesammtsterblichk-itsziffer Münchens auf 18,3 pro Mille, die- jenige Londons auf 19,6 pro Mille.

London, 14. Juli. Ein amtliher Ausweis über die in den Jahren 1868 und 1872 in Gemäßheit des Merchant Shipping Acts registrirten britischen Handelsschiffe ergiebt folgende Daten Im Jahre 1868 standen auf dem Register 36,864 ‘britis<he Segel schiffe von 6,259,624 Tons, und in 1872 32,161 von 5,573,190 Tons; in 1568 3477 Dampfschiffe von 977,292 Tons, uad in 1872 4343 von 1,640,639 Tons; im Ganzen in 1868 40,341 Fahrzeuge von 7,236,016 Toné, und in 1572 36,804 von 7,213,829 Tons. Die Zahl der Mannschaften wurde in 1868 auf 340516 Köpfe und in 1872 auf_ 329,405 veranschlagt. Die Zahl registrirter briti- <her Segel- und Dampfschiffe (excl. von Flußdampfern), die that- ächlih für den heimis<en und auswärtigen Handel des vereinigten Königreiches verwendet wurden, betrug 22,290 von 5,516,434 Tons in 1868, und 22,544 von 5,761,608 Tons in 1872.

Kunft und Tissenschäft.

Berlin, 17. Juli. Nah ausführlicheren Berichken (vom 22. Juni), welche dem Vorstande der hiesigen deutschen Afrikanischen Gesellschaft zugegangen sind, ist begründete Hoffnung vorhanden, daß bei dem Schiffbruch, welchen die Expedition erlitten, do< Mehrz?res der werthvollen wissenschaftlihen Instrumente gerettet und den Zwe>en der Expedition erhalten wurde. Durch eine glü>liche Fügung war die Luft wenig bewegt und die See ruhig, so_ daß sih das Schiff noch bis zum. Abgang der jüngsten Briefe auf dem Felsen erhalten hatte, wenn auch bereits als vollständiges Wra>. Es konnte in Folge dessen Maúthes an Land geschaft werdea, was für die Reifenden von großem Werthe ist. Der Vorstand der Afcikanishen Gesellschaft hielt am Montag eine Sizung, unt über die Maßregeln zu berathen, welche unter den obwaltenden Uinständen ergriffen werden müßten. És wurde namentli die sofortige Absendung einer genügenden Quantität Chinin

. bis 10. Jahr O 21: 25.

21 30.

26. 35:

31. 40.

36. 45.

90. 99. 60. 69. 70. T5. 80. 89.

41. 46. 91. 96. 61. 66. 71. 76.

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gegen die bösartigen Fieber, wel<he in den Gegenden herrschen, in wel- <en sih die Forscher augenbli>li<h befinden, auf zwei verschiedenen Wegen beschlossen.

Im Verlage von J. J. Weber in Leipzig erschien vor Kur- zem- der erste Band der von Otto und Eduard Devrient bejorg- ten Ausgabe eincs „D eutschen Bühnen- und Familien- Shakespeare. Dieselbe wird eine Auswahl von 16 Dramen ent- halten, wélhe mit Benußung der gangbarsten Ueberseßungen, nament- li<h der Schlegel - Tie>kschen nah der neuesten Durchsicht von Michael Bernays hergestelli ist. Der vorliegende 1. Band enthäil den „Hamlet“ und „Was Jhr wollt“ mit historis<-kritischen Einlettungen. Die im dramatischen Fache kompetenten Herausgeber wollen damit versuh-n, ob, gegenüber der großen Verschiedenartigkeit der auf den deutschen Bühnen benußten Regiebücher, aus der von thnen selbst Fahr- zehnte hindur< prafiis< geprüften und nach dauernder Wirkung be- währt gefundenen Bühneneinrichtung ein sol<her deutsher Shakespeare nicht eine Einigung über seine Darstellung herbeizuführen vermöge. Es ist dabei vor Allem den bere<tigten Ansprüchen der modernen Bühne Rechnung getragen worden. Die zu diesem Bchufe nöthige Bearbeitung mußte, um die Wirkung der dramatischen Situation-n und Momente zu voll:r Energie zu sammeln, Abkürzungen des Textes vornehmen und die dem vorwiegend epishen Chacakter der Shake- speare’schen Dramen eigene Zerstü>kelung dur< Zusommenlegung .-der zusammengehörigen Scenen aufzuheben juhen. Besonders verdienstlich aber ist diese Sammlung dadur, daß die Herausgeber dur< Reini- gung des Textes, der für ein aussließli< männliches Theaterpublikum zu des Dichters Zeiten bestimmt war, die Beanstandung des Lesens für die deutshen Frauen und die deutshe Jugend aufzuheben, fih angelegen sein licßen. s

Rottenburg, 12. Juli. Gestern Nachmittags 5 Uhr fand auf Alt-Rottenburg die Feicr der Grundsteinlegung zu dem daselbst zu er- richtenden <ieges- und Minnesänger-Denfmal in einfa<h wür- diger Weise statt. Freiherr H. von Ow auf Wachendorf, der Vorstand des Sülhgauer Alterthumsvereins, seßte in längerer Rede die ge- \schihtlihe Bedeutung dieses Plaßes und der Umgegend auseinander. Nach ge|hcyener Verlesung der Urkunde wurde dieselbe in den Stein eingefügt, und hierauf dur< Herrn von Ow der übliche Hammerschlag ertheilt, welchem ih sämm!liche Anwesende anschlossen. Der Bau ijt bereits über 1} Meter dem Boden entwachscn und wird eine Zierde der ganzen Umgegend auf der maleris<h s<ön gelegenen Alt-Rotten- burg bilden. E : ; ¿

Zürich, 15. Juli. Die Eisenbahnarbeiten bei Lenzburg im Aargau haben, der „N. Z. Z.“ zufolge, zur Entde>ung einer ehemaligen römischen Niederlassung geführt. Zahlreiche Ueberreste von Mauern, drei zugede>te Brunnen, Hausgeräthschaften, Münzen 2c. deuten auf eine kleine Ortschaft. | j;

Kopenhagen, 14. Juli. „Fädrelandet“ berichtet über. das 100jährige Jubiläum der Veterinärshul2 bei Kopenhagen, wo gestern der dänische Thierarztverein ei n Fest zur Erinnerung: an die Stiftung genanntec Schule im Jahre 1773 feierte. Mehrere hun- dert Thierärzte nahmen an dem Feste Theil, darunter viele aus Nor- wegen und Schweden, außer einigen vom übrigen Auslande, als: der Staatsrath Jefsen von Dorpat, der seiner Zeit hier studirte, und der Medizinairath Heering aus Stuttgart. Die Festrede hielt der

rofessor Bagge, welcher die Verdienste des Stifters der Veterinär- hule Abildgaard hervorhob und eine Darstellung des jeßigen Stand- punktes der Veterinär-Wissenschaft gab. Professor Ste>fleth theilte darauf mit, daß zum beabsihtigten Jubiläumsfonds zur Förderung ge- dachter Wissenschaft bereits 1600 Rbl; eing-kommen seien, und egte einen Entwurf zu Geseßen für den Fonds vor. Nachmittags beschloß ein F stmahl auf der Königlichen Schießbahn die Feierlichkeit, wo der Direktor der Schule, der Geheime Etatsrath Fenger, die eigeatliche

Festrede hielt. i; Landwirthschaft.

Wien, 17. Juli. (W. T. B.) Nach einem von der „Presse“ über die dieejährige Ernte gegebenen Resumé dürfte die Ernte in Un- garn und im Banat für Weizen einen mittleren, für Roggen einen schwachen, für Gerste einen guten mittleren, für Hafer und Mais einen. reichlichen Ertrag liefern. Unter Führung des mit der Boden- freditanstalt in Verbindung stehenden Lombardyvereins wird eiue Fusion

verschiedener kleinerer Baugescllschaften ernstli<h in Angriff genommen.

Gewerbe und Handel.

Am 24. August d, J. - wird in Berlin ein Friseurkongreß stattfinden, zu welchem gleichzeitig die erste Nummer einer neuen Zeit- {rist „Genossenschaftsblait des Friseurbundes für Deutschlond,“ redigirt von der Bureau-Kommission der Direktion des Friseurbundes, erscheinéèn wird. Außer den neuesten Modeberich- ten nebst monatli<hen Modebildern für das gesainmte Friscurfä< wird das Blatt für das ganze ‘Toilettenfah eine Spezial-Zeitung werden. Bé- richte über alle zum Friseurgeshäft gehörende Artikel, als: Parfümerien, Kamm- und B*xstenwaaren, Blumen, Friseurartikel im Speziellen, sowie andere erforderliche Waaren und Bedarfcarükel finden darin Aufnahme. Außerdem soll allen Vereinsangelegenheiten ein beson- derer Plaß eingeräumt und die Hebung und Enmwi>elung des Gewerbes dur< das Fachblatt gefördert werden.

Verkehrs-Anstalten.

Zwischen Lifsabon und Pernambuco in Südamerika über die Inseln Madeira und St. Vincent ist eine Kabelverb in- dung in Auesicht genommen. Die Stre>e zwischen Lissabon und Madeira wird in Kurzem gelegt sein und ihre Eröffnung steht mit Beginn des kommenden Monats zu erwarten.

New-York, 12. Juli. (Per transatlantishen Telegraph.) Das Postdampfhif des. Baltischen Lloyd „Humboldt“, Kapitän Blan>, ist heute wohlbehalten mit Passagieren und Ladung hier eingetroffen.

- 16. Juli. (W. T. B.) Der Hamburger Postdampfer e Srisia“ ist heute Morgen 5 Uhr eingetroffen.

Aus dem Wolff*schen Telegraphen-Bureau.

Breslau, Donnerstag, 17: Juli, Voruittags. Ihre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin wurden heute auf der Durchreise na<h Camenz auf dem Bahnhofe von den Spißen der Militär- und Civil - Behörden und von dem gesammten Offiziér- Corps des 11. Schlesischen Infanterie-Regiments bewillklommnet. Aus ODels' war der Commandeur des 8." Dragoner- Regiments zur Begrüßung erschienen. - Ein zahlreihes Publikum begrüßte Ihre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten bei der An= funft und Abfahrt. mit stürmischen Hohs. Die Rü>reise erfolgt Freitag Abend von hier, die Ankunft in Berlin Sonnabénd früh 5 Uhr.

Paris, Donnerstag, 17. Juli, Vormittags. Der Schah hät seine Abreise auf nächsten Sonnabend verschoben; | derselbé“wird alódann sih zunächst nach Dijon begebe : und dort übernachten. Der eidgenössische Gesandte: Kern begleitet den Schah bis nah“"Genf, wo derselbe “om Präfidenten der Eidgenossenschaft begrüßt wird; der Aufenthalt in Genf wird zwei Tage währen. Die“ die:- seitigen Gesandten in Wen und Berlin Vièarquis de Bannevillé und Vicomte de Gontaut-Biron sind_ hier eingetroffen.

Perpignan, Donnerstag, 17. Juli, Vorm ttags. Einer aus carlistischer Quelle stammenden Nachricht zufolge haben der- Prinz Alphons und Saball Puycerda genommen. Der Catlisténführer Tristany * hat mit seinen sämmtlichen Truppen den Ebro über: schritten und is in Aragonien eingedrungen. ;

Konstantinopel, Donnerstag, 17. Juli. Mahmud Pascha is auf ausdrü>lichen Befehl. des Sultans wieder nah Trapezunt. abgereist, - wo- derselbe , bis auf weitere, Weisung zu verbleiben hat. Die Absicht, ihm den Prozeß zu machen, scheint aufgegeben zu «fein. Es verlautet, daß der Präfekt von Stambul, Ali Pascha, zum Botschafter in Paris defignirt ift.