1873 / 183 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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1IV. Schüler der Modellirkla}se: 1) Der Bildhauer Paul Werner aus Magdeburg. 2) Der Bildhauer Heinri ch We- fing aus Herford. :

Belobt wurden: 1) Der Bildhauer Julius Beyreuther aus Potsdam. 2) Der Bildhauer Max Landsberg aus Breslau.

Berlin, am 3. August 1873.

Das Direktorium der Königlichen Akademie der Künste. In Vertretung: A. Eybel. In Vertretung: E. Dobbert.

Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten.

Der Königliche Regierungs- und Baurath Hoebel bleibt der Königlichen Landdrostei zu Lüneburg und die Regierungs- Räthe Opel und Hagen den Königlichen Regierungen, be- ziehungsweise zu Magdeburg und zu Cöslin überwiesen.

Der Baumeister Naud zu Saarbrücken if als Königlicher Eisenbahn-Baumeister daselbst angestellt worden.

Der bisherige Baumeister Georg Heidelberg zu Weißen- fels a. d. Saale if als Königlicher Kreis-Baumeister daselbst angestellt worden.

Dem L. Pincsohn zu Berlin if unter dem 1. August 1873 ein Patent

auf eine durch Zeihnung und Beschreibung erläuterte Sohlen- Nähmaschine, soweit dieselbe als neu und eigenthümlih erkannt ift, ohne Jemanden in der Anwendung bekannter Theile zu beschränken, auf drei Jahre, von jenem Tage an gerehnet, und für den Um- fang des preußishen Staats ertheilt worden.

Dem Civil-Ingenieur C. Wigand in Bielefeld i unter

dem 2. August 1873 ein Patent auf eine durch Zeihnung und Beschreibung nahgewiesene Vor- richtung an Manometern zum Schutze gegen die Einwirkung unreiner Wasserdäwpfe, soweit sie als neu und eigenthümlich erkannt ift, i auf drei Jahre, von jenem Tage an gerehnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.

Das dem Fabrik-Direktor Albert Voigt in Cappel hei Chemnigz unter dem 3. Mai 1872 für den Umfang der preußi- \chen Monarchie auf die Dauer von drei Jahren ertheilte Patent auf eine Kettenstih-Maschine in der durch Zeihnung und Be- schreibung nachgewiesenen Zusammenseßung, ohne Jemanden in der Anwendung bekannter Theile zu beshränken, wird hierdurch aufgehoben.

Nichtamftliches. Deutsches Nei.

Preußen. Berlin, 5. August. Se. Majestät der Kaiser und König trafen, wie bereits gestern telegraphisch gemeldet, am Sonntag Nachmittags 3 Uhr unter den jubelnden Zurufen des den Bahnhofplaß füllenden Publikums und be- grüßt von den Spigzen der städtishen Behörden und einer De- putation des Offizier-Corps in Nürnberg ein Se. Majestät begaben Sich hierauf in den sogenanyten Königssalon, woselbst das Mittagsmahl, zu dem die beiden Bürgermeister von Stromer und Seiler, General-Lieutenant von Diehl und Oberst von Michels Einladungen erhalten hatten, eingenommen wurde. Während des Mahles spielte das im Perron aufgestellte Musik-Corps des 14. Infanterie - Regiments. Nach einstündigem Aufenthalte seßten Se. Majestät der Kaiser und König die Reise über Re- gensburg nah Salzburg fort.

Gestern Nachmittags 5 Uhr ffnd Se. Majestät glücklich in Salzburg angekommen und mit lebhaften Kundgebungen empfangen worden. Der deutsche Botschafter in Wien, General- Lieutenant von Schweiniß, der Botschaftsrath Graf Doenhoff und der Militär-Attahé Graf Finck von Finckenstein, welhe Sr. Majestät zur Begrüßung bis Passau entgegengereist waren, haben den Kaiser im Kaiserlihen Salonwagen bis Salzburg begleite t.

Se. Majestät der König der Belgier trafen heute Vormittag zum Besuch Ihrer Majestät der Kaiserin- Königin im Coblenzer Residenzshhlosse ein und kehrten Abends nach Wiesbaden zurü.

Ihre Majestät die Kaiserin-Königin empfing geste:n Se. Königliche Hoheit den Erbgroßherzog von Mecklen- burg-Schwerin.

Se. Kaiserlihe und Königliche Hoheit der Kronprinz des Deutschen Reihs und von Preußen ist auf der Fahrt nach Christiania an Bord der Dampfyact „Grille“ gestern Abend bei Frederickshavn vorü erpassirt. Die „Grille war von Sr. Majestät Panzerkorvette „Ariadne‘“ be- gleitet.

Der patriotischen Adresse des Herzogs von Ratibor und anderer \{chlesisher Katholiken haben ferner zu- gestimmt u. A.: L

Aus Neisse: Dr. Zastra, Gymnasial-Dir. Dr. Sondhauß, Realschul-Dir. Dr. Kaspar, Sanitäts-Rath und Kreis-Ph. Dr, Stenzel, Ob. Stalbsarzt a. D. Möcke, Kaufmann und Stadt- rath. Dr. Franke, Gymnas.-Oberlehrer. ßler, deëgl. Tan- nert, Kreis-Steuer-Einn. Licut. Kelb el, Zahlmstr. a. D. Klei- ber, Kreisrichter. Gerstenberg, desgl. Dr. Bauer, Realschul- Oberlehrer. C. Blasel, Realschullehrer. Aug. Foulde, desgl. Andr. Pohl, desgl. B. Franke, Kaufm. Jof. Berner, Eetreide- bändler. H. Erbs, Spediteur. G. Feilhauer, Zimmermstr, Ferd. Ziegler, Kaufm. Ritter, deëgl. Willimek, Rechtsanwalt. Franz Apfeld, Maurermstr. C. Riedel, Kaufm. Anders, Lehrer. Klein, Zacher, Klinner, Schilowsky, Neumann, Lorenz T., desgl. Holitshky, Oberlehrer. Aus Langen- bielau: J. Gebel, Kaufm. B. Schmidt jun, desgl. Aus Glaß: Thaiß, Gymnafiallehrer. Aus Görliß: Dr. A. Mül- ler, Lehrer der neuen Sprachen. Aus Ostrowo: Hilde- brand, Lehrer. Aus Bodzanowiß: Heufeshofen, Ob. Grenz- Controleur. Knetsch{, Forst-Sekret. Ziontek, Lehrer. Troschka,

oftulfa, Jetrusch, Fülbier, Beyer, Knetsch, desgl. Hei- fig, Wirthschafts-Jnsp. Jaitner, Förster aus Mörs. Houben, Justiz-Rath und Notar. Slab, Landgerichts - Ass. und Friedensri- ter. Hubert, Notar. F. v. Grambusch aus. Cöln. Dr. F. Busmann, Real - Schullehrer. Dr. Kamp aus Eupen. R. Alt, Spinnereibes. W. Altenberg, Lehrer an der höheren Bür- gershule. M. Blevenheuft, Stadtrath. Becker, Ober - Bürger- meister. Dr. Creuß, Kreis-Phys. E. Clever, C. Esser, Bür- germstr. der Gem. Kettenis. J. H. Feder, Maschinecnfabr. M. H. He der, Kirchenrath. Edm. v. Freyhold, ord. Lehrer an der höh.

ürgerschule. Gandner, Gerichtsschreiber. J. Gangolf, Bürger- meister der Gem. Lonßen. Armand von Grand' Ry, Fabrikant. Alphons von Grand’ Ry, Stadtrath. Eugen von Grand" Ry-Xhoffray, Spinnereibe|. H. v. Harenne, Kaufmann. C. Húffer. E. Hüffer, Stadtrath. G. Hüffer, Kaufmann. H.

Kirfel, Maschinenfabr. A. Knittersheid, Rektor der h. Bür- gershule. Kerres, Bürgermstr. der Gem. Walhorn. J. Kohl, desgl. der Gem. Morênet, Victor Kolp. A. Lafils, Apotheker. I. N. Leusch{. Em. Peters, Stadirath. G. Peters, Er- gänzungs - Richter. Alfr. Peters, Th. Ponten, Stadtrath. Dr. C. Phillips, Apoth. . Reinarß sen., Rentner. H. Reinar$, Hotelbe). H. Reul, Spinnereibes. H. Roß, I. F- Richter, Spinnereibes. H. Thelosen, deëgl. Jul. Thelosen, desgl. Carl Thelosen, Kaufm. J. H. Vive, Spinnereibes. Ferner: Ger\ch, Leinenfabr. in Ludwigsdorf bei Neurode. von Krotschakoff, R ttergutsbes. aus Kalisch. Hübner, Königl. Förster. Jul. Hauke, Strehhutfabr. Knoll, Oberamtmann in Gottartowiß bei Rybnik. Fr. Lutter, Halbmeyer u. Thierarzt in Wülfingen. Beemelmans, Betriebs-Jnsp. in Straßburg im Elsaß.

Se. Majestät der Kaiser und König haben dem Schiffskapitän Samuel Gunton von der Englishen Bark „Clodian“ in Anerkennung der Hülfe, welche derselbe zur Ret- tung der Besazung des verunglütkten Barkichiffes „Anna Krell“ aus Wismar geleistet, ein Fernrohr mit passender Inschrift über- weisen lassen.

Morgen, dén 6. d. Mts., treffen die ersten Truppen der 4. Divifion, welche bisher bei der Ofkupations-Armee in Frankrei standen, auf ihrem Marsche in die heimathlihen Gar- nisonen hier ein und werden hier einquartiert. Die übrigen Stäbe und Truppen dieser Division folgen in täglihen Staffeln bis zum 13. d. Mts.

Zum Empfange dieser Truppen, welhe während dreier Iahre aus der Heimath abwesend waren und auf dem Marsche in dieselbe hier in der Refidenz den erster Ruhepunkt haben, wird Seitens der Garnison eine Deputation von Offizieren kom- mandirt, welche bei der Ankunft der Stäbe und Truppen auf den betreffenden Bahnhöfen dieselben im Namen der Garnison begrüßt und im Vaterlande willfklommen heißt. Außerdem wird jedes Mal eine Regiments-Musik nah dem Bahnhofe beordert, welche bei der Ankunft und während des LVufenthalts der Truppen auf dem Bahnhofe musizirt, auch wenn die Truppen zu Fuß geshlofsen in die Stadt marschiren, dieselhen begleitet.

Von den Truppen der Offupations-Armee treffen morgen auf dem Potsdamer Bahnhofe ein: Uw 2 Uhr 30 Min. Nah- mittags ein Abtheilungs-Stab und die 5. leihte Batterie des Pommerschen Feld-Artillerie-Regiments Nr. 2, Divisions-Artille- rie, sowie um 9 Uhr 30 Minuten Abends: die 6. {were Batterie des Pommerschen Feld-Artillerie-Regiments Nr. 2, Di- visions-Artillerie und eine halbe Feldbäckerei-Kolonne.

Die auf dem Potsdamer Bahnhof eintreffenden Truppen ftcigen niht auf dem neuerbauten Bahnhofe in der Stadt, fon- dern draußen in der Flottwellstraße an der Stelle aus, wo die Truppen gewöhnlih verladen werden. _

Der General-Lieutenant und Inspecteur der Gewehr- fabriken Wolff if von einer vor Kurzem angetretenen Dienst- reise hierher zurückgefehrt, desgleihen der Oberst und Inspecteur der Infanterie-Schulen von Kloeden von einer Dienstreise zur Inspizirung der Unteroffiziershulen zu Weißenfels, Ettlingen, Biebrich und Jülich.

Der General-Major und Chef der Landestriangulation von Morozowicz und der Oberst à la suite des 2. Garde- Ulanen-Regimenis und Adjutant der General-Inspektion des Militär-Erziehungs- und Bildungswesens von der Often find von ihren Urlaubsreisen hierher zurückgekehrt.

Breslau, 4. August. Ihre Hoheit die Herzogin von Sachsen-Altenburg traf gestern Abend, von Camenz kommend, in Begleitüng ihres Hofmarshalls und einer Hofdame hier ein, und fuhr vom Centralbahnhofe nah der Stadt, um dieselbe zu besihtigen. Nah der Rückkehr nahm Ihre Hoheit in dem Königlihen Empfangszimmer des Bahnhofgebäudes das Souper ein, und sehte mit dem um 10 Uhr abgehenden Schnell- zuge die Reise nah Dresden fort.

Bayern. Augsburg, 2. August. Gestern Vormittags führte ein Exirazug den Divisions- und Brigadestab, 30 Offi- ziere und 69 Mannschaften von dcr Okkupations-Armee, nah dreijähriger Abwesenheit hierher zurück. Zahlreiches Publikum hatte sich auf dem mit Fahnen und Gewinden ges{chmüdckten Bahn- hof eingefunden, um die Truppen zu bewillkommnen. Unter den Klängen der Musik fuhr der Zug in die Einsteighalle; an der Spitze des Festkomites begrüßte Rechtsrath Dr. Reinhold die An- kommenden; in seinen Toast stimmte das Publikum enthusiaftish ein. Nach einigen Worten des Dankes von Seiten des Oberst- Kommandirenden, General-Lieutenants und Divisions-Comman- deurs v. d. Tann, verfügten sich die Offiziere in der Reftau- ration. Die dem Bahnhofe zunächst gelegenen Straßen prangten im Flaggens{chmudck.

Am Montag werden 3 Bataillone vom 3. Infanterie-Regi- ment und eine Abtheilung vom 4. Chevauxlegers-Regiment ihren Einzug halten. Vor dem Rathhause wird die Begrüßung dur die städtishen Kollegien stattfinden, worauf die Truppen vor dem Kriegs-Minister Frhrn. v. Pranckh und dem Commandeur des I. Armee-Corps, General Frhrn. v. d. Tann, defiliren werden.

Sachsen. Dresden, 4. August. Der König hat laut einer vom heutigen „Dr. I.“ veröffentlihten Bekanntmachung des Gesammt-Ministeruums in Folge seiner gegenwärtigen Er- kranfung den Kronprinzen zu seinem Stellvertreter bezüglich aller Regierungsgeschäfte bis auf Weiteres bestellt.

-— Vorgestern (Sonnabend) Abend is nachstehendes Bulle- tin über das Befinden des Königs ausgegeben worden:

„Pillniß, 2. August. Der Tag verlief ohne wesentliche

Störungen. Dr. Fiedler. Dr. Ullrich.“ i Das gestern (Sonntag) Vormittag ausgegebene Bulletin autet : __ „Pillnit, 3. August. Nach einer leidlich verbrahien Nacht fühlen Sih Se. Majestät der König heute Morgen gestärkter. E Dr. Wagner. Dr. Fiedler. Dr. Uslrih.*“ Am gestrigen Abende ist folgendes Bulletin erschienen : _ »Pillnit, 3. Auzust. Eine weitere - Besserung im Befinden Sr. -Majeftät des Königs ist nicht eingetreten. Allerhöh"diefelben fühlten Sich den ganzen Tag über wicder matt und angegriffen.“ : : Dr. Ficdler. Dr. Ullrich. Heute Vormittag is dem „Dr. I.“ das nachstehende Bulletin zugegangen : ePillniß, 4. August. Se. Majestät der König haben ziemlich gut geschlafen und haben sich dadurch die Kräfte etwas gehoben, Dt. Fiedier. Dr. Carus. Dr. Ullrich.“

Württemberg. Stuttgart, 31. Juli. In der heutigen öffentlihen Sizung des Ge:neinderathes und Bürgeraus\chufses wurde der Stadtpflege-Etat berathen. Nach “den Be- \chlü}ssen der Kollegien beträgt die Summe der laufenden Ein- nahmen 454,852 fl., gegen 309,428 fl. des Vorjahrs, die Summe der laufenden Ausgaben 1,532,544 fl. gegen 1,015,568 fl. des Vorjahrs, das Defizit 1,077,692 fl. gegen 706,140 fl. des Vor-

| \sparnisse machen zu können.

jahrs. Von dem Defizit werden 102,633 fl. 30 kr. durch außer- ordentliche Mittel, 25,058 fl. 30 kr. aus der Restverwaltung ge- deckt, so daß noch ein Stadtshaden von 950,000 fl. umzulegen ist. Leßterer betrug - im Iahre 1872/73 682,000 fl, also 268,000 fl. weniger.

Meck&lenburg. Schwerin, 4. August. Der Groß=- herzog und die Großherzogin trafen mit den jüngeren Fürstlihen Kindern und mit Gefo‘ge und Dienerschaft am 2. d. M., Vormittags 11 Uhr, mittelst Ertrazuges auf dem Bahnhofe in Rostock ein, woselbst \sich die Chefs der Behörden zur Begrüßung eingefunden hatten, und seßten ohne längeren Aufenthalt in den bereitstehenden Fürstlichen Equipagen die Reise nah dem Heiligen Damm fort. Morgen früh 8!/, Uhr wird die Großherzogin-Mutter in Rosto eintreffen, um fich ebenfalls nah dem Heiligen Damm zu begeben. Dem Verneh- men nach wird der Großherzog am 16. August vom Heiligen Damm abreisen, um den Manövern beizuwohnen.

Neustreliß, 2. August. Die Großherzogin -Mutter ist heute nah Schloß Rumpenheim und die Herzogin Karo- line nah Wien zum Besuh der Weltausstellung abgereist, uz fh von da, jedoch später, ebenfalls nach Rumpenheim zu begeben.

Gestern gegen Mittag fand- die Enthüllung des Denkmals ftatt, welhes das hiesige Infanterie-Bataillon und die Batterie aus Mitteln, welche durch freiwillige Beiträge auf- gebracht wurden, den im léßten Kriege gefallenen Kameraden auf dem hiefigen Kasernenhofe hat errihten lassen. Zu diesem Zweck nahm das Militär um 11 Uhr vor demselben Aufstellung. Nachdem bald darauf die zur Zeit hier amvesenden Höchsten Herrschaften, die Großherzogin-Mutter und die Herzogin Karoline, erschienen waren, begann die Feier mit einem Choral, worauf die Weihrede und der Segen folgte. Hiernah hielt der Regiments-Commandeur Oberst von Kleist eine An- sprache an die Truppen, welhe in das am Ende der Rede auf Se. Majestät den Deutshen Kaiser und Se. Königliche Hoheit den Großherzog ausgebrahte Hurrah dreimal lebhaft mit ein- stimmten, worauf dann ein Vorbeimarsh den Schluß der Feier- lichkeit bildete.

Das Denkmal besteht aus einer auf hohem granitenen Sockel fstchenden vierseitigen Pyramide aus demselben Ma- terial. Die vordere Flähe der Pyramide trägt das eiserne Kreuz, auf den Seitenflähen find die Namen der Schlachten und Gefechte angebracht, bei denen das Bataillon oder die Bat- terie betheiligt war, und auf den Seiten des Sockels stehen die Namen der Gefallenen und im Feldzuge Gebiiebenen.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 4. August. (W. T. B.) Der Kaiser empfing heute den Großfürsten Constantin Nicolajewit\ch{ch von Rußland.

Der Schah von Persien nimmt heute an einer Jagd in Lainz Theil und wird Abends in Schönbrunn diniren.

Agram, 4. August. (W. T. B.) Das „Amtsblatt“ meldet, daß der kroatishe Landtag durch einen Kaiserlihen Erlaß vom 30. Juli auf den 25. August einberufen ift.

Großbritannien und Jrland. London, 2. August. Im Oberhause wurde in der vorgestrigen Sizung die Vor- [ge über Organisation eines neuen höchsten Gerichtshofes durch- berathen, so daß nur noch die Königlihe Sanktion zur Geseßes- kraft fehlt. Die Bill, betreffend Amendirung des Elementar-Unter- rihtsgeseßes passirte die Komiteberathung, und mehrere andere Vor- lagen, darunter die Bill zur Amendirung des Verschwörungs- geseßes, deren Zweck es is, einen Kontraftbruch nicht mehr als ein Kriminalvergehen zu behandeln, wurden weiter berathen.

äm Unterhause wurden die Verhandlungen mit einer Diskussion darüber eröffnet, in welher Weise der Rest der Sesfion ausgefüllt werden solle. Im Verlaufe derselben stellte der Premier- Minister den 5. August als Schlußtag der Session fest. Dem- nächst beantragte Gladstone die zweite Lesung der Vorlage, welche dem Herzog von Edinburgh anläßlih seiner Vermählung ein weiteres Jahrgeld von 10,000 Lftr. aus\egt. P. A. Taylor (Leicester) stellte einen Verwerfungsantrag, nachdem er vorher einige Petitionen gegen die Bill überreiht hatte, und motivirte denselben in einer längeren Auseinandersezung. Der Premier- Minister Gladstone erwiderte dem Antragsteller und wies dar- auf hin, daß diese Bewilligungen unvermeid ih s\eien, falls das Parlament der Krone nicht eine Civilliste gewähre, die groß genug sei, um für den Haushalt jüngerer Kinder Er- Taylors Präcedenzfälle erklärte er für ungenau und nicht zur Sache gehörig. Die einzige Frage, um die es \sich handele, sei die Billigkeit des Iahrgeldes, und im Hinblick auf die Zeitverhältnifse, den allgemeinen Wohl- stand des Landes, die an Mitglieder des Königlichen Hauses géstellten Anforderungen und den Aufwand, den fie zu machen genöthigt seien, halte er 25,000 Lftr. jährlich für niht zu viel. Einen Vorschlag, die Apanage zu reduziren, weil die Großfürstin eine reihe Mitgift erhalte, wies der Premier-Minister mit Ent= schiedenheit zurück. Bei _ der Abstimmung wurde die zweite Lesung der Vorlage mit 162 gegen 18 Stimmen genehmigt.

Bei weitem den größten Theil des Abends nahm die Be- rathung über das Indishe Budget in Anspruch. Der Unter- Staatsfekretär für Indien, Grant Duff, verbreitete sih über drei Perioden, erftens über das Iahr, welches mit dem 31. März 1872 zu Ende ging, zweitens über das verflossene Finanzjahr vom 1. April 1872 bis zum 31. . März 1873 und drittens über das Budgetjahr vom 1. April 1873 bis 31. März 1874, das, wie er sagte, einen befriedigenderen Stand der Finanzen aufweise, als dies überhaupt je der Fall gewesen sei. Was die erstgenannte Pe- riode betrifft, so übersteigen die Einnahmen die Ausgaber um 3,124,177 Lftr., was der größte Ucberschuß in den indishen Annalen seit 1834 sei. Während der zweiten Periode 1872—73 betrugen die Staatseinnahmen 49,914,000 Lfir.,, und die Ausgaben 48,422,000 Lftr., was einen Ueberschuß von 1,492,000 Lftr. ergiebt, während das Budget für 1873—74 die Einnahmen auf 48,286,000 Lstr. und die Ausgaben auf 48,066,000 Lstr. ver- anshlagt, sonach eine# Ueberschuß von etwa ciner Viertel- Million ergiebt. Wie Redner bemerkte, werden die Ueberschüsse der am 31. März 1872 endenden vier Jahre, gepaart mit dem Uebershusse des am 31. März 1873 endenden Jahres im Ge- \sammtbetrage von 6,275,944 Lstr. hinreihen, um die in den H \{hlechten Jahren vor 1869 añgesammelten Defizits zu tilgen.

Demnächst wandte sich der Redner gegen den von Fawcett zu stellenden Antrag und stellte die Behauptungen, daß Indien unzufrieden fei und niht gedeihe, entshieden in Abrede; er könne nicht einsehen, inwiefern Jndien zu hoh besteuert werde; und als Beweis der mäßigen Steuerlast führte er an, daß die- selbe fich auf nur 3 s 7# d auf den Kopf der Bevölkerung in Indien, gegen 3 Lstr. 2s 8 d auf den Kopf der britishen Be- völkerung belaufe. Der nächste Redner war Fawcett, welcher den Antrag stellte, daß die jezige Konstitution der indischen Re-

gierung feine wirksamere Finanzverwaltung sichere, und daß das gegenwärtige Lokalbesteuerungs\syftem verwerflih

sei. Am Schlusse der Motivirung derselben wurde die De- batte bis zur nähsten Sißung vertagt. Nachdem darauf noch mehrere formelle Geschäfte erledigt worden waren, ging die Sizung gegen 2 Uhr Morgens zu Ende. G

4. August. (W. T. B.) In der heutigen Sihung des Unterhauses machte der Unter-Staatssekretär des Auswär- tigen, Viscount Enfield, die Mittheilung, daß unterm 24. v. Mts. an die britishen Marine-Offiziere cine Instruktion des Inhalts abgegangen sei, die spanishen Insurgenten-Kriegs\chiffe nur dann als Piraten zu behandeln, wenn dieselben gegen britische Unter- thanen oder deren Interessen sich seeräuberische Handlungen soll- ten zu Schulden kommen lassen. Die Instruktion für die Flotten- Offiziere laute ferner dahin, die auf den Insurgentenschiffen etwa gemachten Gefangenen nicht an die \panische Regierung auszu- liefern, sowie Beschießungen von Städten dur die Insurgenten- chiffe zu verhindern, bis die britishen Bewohner und ihr Eigen- thum in Sicherheit gebraht seien. Lord Enfield machte darauf die offizielle Anzeige, daß das britishe Mittelmeer-Geshwader in Gibraltar eingetroffen “sei.

5. August. (W. T. B.) Board (konservativ) wurde in Greenwih mit einer Majorität von 2148 Stimmen zum Par- laments-Mitgliede gewählt.

Frankreich. Paris, 1. August. Das „Journal officiel veröffentliht Erlasse des Unterrihts-Ministers Batbie, dur welche auf Vorschlag des Unterrichtsraths zwei Kommissionen eingeseßt werden. Die eine derselben hat fich mit einer Reform des Unterrichis in der höheren Normalshule mit besonderem

inblick auf die Aesthetik und das römische Recht, die andere mit einer Durchfiht des Lehrplans und der Prüfungs-Programme der Mittelshule zu beschäftigen. Das amilie Blatt meldet ferner die Enthebung der Präfekten Odent (Nièvre) und Baron Cottu (Saone-et-Loire) von ihren Posten.

2. August. Das „Journal officiel“ enthält die Ernen- nung des Herrn de Behr zum Präfekten des Departements Ardéche und zahlrcihe andere Ernennungen von Unterpräfekten und Präfekturräthen.

Die Generale, welhe das Kriegsgericht über Bazaine bilden, haben mit Rückficht auf das Geseß, nah wel- chem die Richter über einen Marschall von Frankreich mindestens Divifions-Generäâle sein müssen, welche ein Ober-Kommando gegen den Feind inne hatten, folgende Rechtstitel: Chabaud- Latour kommandirte en chef das Genie der drei unter den Befehlen des Generals Trochu vereinigten Armeen von Paris. Tripier kommandirte en chef das Genie der Dperationsarmee, welhe im November 1870 in Paris unter dem Kommando des Generals Ducrot gebildet wurde und die aus den drei Armee- Corps Blanchard, Renault und d’Exéa bestand. Dalesmes tfommandirte en chef das Genie der Armee vor Sebastopol, die ebenfalls aus drei Corps bestand, näm!lih die Corps de Salles, Bosquet, später Camue und Regnaud d'Angély, später Mac Ma- hon. De Lamotterouge war Ober-Befehlshaber der erften Loire- Armee vor dem General d'Aurelle de Paladines. Martimprey war Ober-Befehlshaber der Armce von Algerien, zur Zeit der Aufhebung des General-Gouvernements. Princeteau kommandirte en chet die Artillerie der Ofkkupationsarmee gegen die Kommune, be- ftehend aus den fünf Corps: de Cifsey, de Ladmirault, du Ba- rail, Douay, Clinchant und der Reserve-Armee unter General Vinoy. Unter den Zeugen, welhe zum Prozeß Bazaine vorgeladen sind, befinden sich: Marschall Canrobert, Marschall le Boeuf, die Generale Changarnier, de l'Admirault, de Pa- lifao, de Laveaucoupet, Jarras, Coffinières (Kommandant der Festung Metz), Bourbaki, Magnan, Lebrun, le Flo, Gagneur und Soleille, die Obersten d'’Andlau, Stoffel und Merlin, fo wie viele andere Militärs; ferner Gambetta, Keratry, Jules Favre, der Boischaftssckretär Debains, Tachard (nah dem 4. September bevollmächtigter Minister in Brüssel), Rameau, Maire von Marseille, u. \. w.

Die vom Unterrichts-Minister Batbie für die Revi- sion der Studienpläne der Gymnasien ernannte Ko m- mission hat den Bishof Dupanloup und das Mitglied der Akademie Barth zu ihren Vize-Präsidenten ernannt.

Drei weitere Korvetten find nah den spanischen Küsten abgesandt worden. Flotte Befehl erhalten, sich zur Abfahrt nach Spanien bereit zu halten.

Der Minister des Innern hat einen Bericht an den Präsidenten gerichtet, worin darauf angetragen. wird, den Gemeinderäthen zu untersagen, direkt und mit Umgehung der Präfekten. mit den verschiedenen Ministerien zu unterhandeln. Der Bericht lautet:

Herr Präsident! Eine große Anzohl von Präfekten betlagt sich über die Tendenz gewisser Ecmeinderäthe, fich von den Banden der Hierarchie loszumachen, indem sie sih direkt an die verschiedenen Mi- nisterien wenden. Diesc dez Prinzipien widersprechende mißbräuchliche Gewohnheit, weit davon cntfernt, den Gang der Geschäfte zu be- ihleunigen, verzögert die Erledigung, weil der Minister, von dem die- jeibe mit Umgehung der Präfekten verlangt wird, genöthigt ift, die Dokumente an die Präfektur zurückzusenden, vm sih zu unterrichten.

Eioer meiner Vorgänger hat schon in einem Circular vem 18. Sep- !

tcmber 1871 die Präfekten aufgefordert, die Gemeinde-Bebörden ihrer resp. Departements an die Regeln der Verwaltuugs-Sub- ordination zu erimnern. Dieser Verwarnung wurde nicht überall Gehorsam geschenkt, und noch oft werden die Präfekten erst später benachrichtigt, daß zuweilen wichtige Gescäfte hinter ihrem Rüen eingegangen und von den Maires vor den kompetenten Minister ge- bracht wurden. Wenn alle ministerielle Departements sich nit als absolute Regel die Pflicht auferlegten, die außerhalb des hierarchiscen Weges ihnen zugehenden Mittheilungen an ire Urheber zurückzusenden oder dieselben ohne Antwort zu lassen, so würde die Autorität der Repcäfentanten der Ceutralgewalt sich zum großen Nachtheil des Re- gierungéeinflusses vermindert finden. Es scheint mir also unumgäng- lih nothwendig, die Aufmerksamkeit der verschiedenen Staateverwal- tungen auf dicjen Punkt hinzulenken, und ibnen zu empfehlen, sich

streng ciner jeder Korrespondenz mit den Gemeindebehöcden zu |

enthalten. Es ift gleihfalls wichtig, daß die Vecwaltungen, welche in den Departements unter die Autorität der Präfekten gestellte Agen- ten haben, diesen Agenten den ausdrücklichen Befehl ertheilen, be- ständig in Bezichung zu dem Präfekten zu bleiben und außerhalb der- jelben über feine ihren Dientt betreffenden Geschäfte zu verhandeln. Die Beobachtung dies.r Regeln des Anstandes und der guten Verwal- tung ist hente nothwendiger denn je; ich habe deéhalb die Ehre, Ihnen, Herr Präsident, vorzuschlagen, den vorliegenden Bericht zu billigen, der in Ihrem Namen an alle ministeriellen Departements gesandt werden wird, da jeder Minister beauftragt bleibt, die nöthigen Instruktionen an die unter seinen Befehlen stehenden Beamten zu senden. Genehmigen 2c. Der Mirifter des Innern, Beulé.

4. August. (W. T. B.) Die „Agence Havas“ rectifi-

zirt ihre gestrige Nachricht von der Reise des Grafen von Paris na Villers bei Trouville; der Graf von Paris habe sich nach Wien begeben.

Der dem Grafen von Chambord zu-

gedachte Besuch werde einfach ein Aft ehrerbietiger Achtung sein,

politishe Fragen würden nur mit äußerster Reserve und mit derjenigen Veschränfung besprochen werden, welche auch die Ma- jorität der Nationalversammlung in Folge ftillshweigenden Ein- verständnisses beobachte.

95. August. (W. T B.) Das „Journal officiel“ mel- det die gestern erfolgie Ratififation der Handelsverträge mit Großbritannien und Belgien. Die Bestimmungen derselben treten {hon mit dem heutigen Tage in Wirksamkeit.

Spanien. Madrid, 4. Auguft. (W. T. B.) Nach hier eingegangenen Nachrichten hat die zu den Aufftändishen über- gegangene Artillerie in Cadix fih wieder von denselben los- gesagt, die Mitglieder der dortigen revolutionären Junta ver- haftet - und dieselben an die in Cadix eingerückten Regierungs- truppen ausgeliefert.

Das Bombardement gegen Valencia wird fort- geseßt.

Granada hat fich der Regierung unterworfen. In Andalusien ist überall die Ruhe wiederhergestellt.

Die Cortes haben eine Kommission zur Berathung des Antrags ernannt, ob gegen 7 von den Gerichten nam- haft gemahte Deputirte die gerihtlihe Verfolgung eingeleitet werden soll.

Türkei. Konstantinopel, 4. August. (W. T. B.) Das Anlehen von 15 Millionen Pfd. Sterl. effektiv ift gestern mit dem Crédit général Ottoman und einer Gruppe auswärtiger Bankiers zum Emissionscourse von 54, 6 pCt. Zinsen und 1 pCt. Amortisation ohne weitere Kommission unterzeichnet worden.

Schweden und Norwegen. Stockholm, 1. Augast. Der bisherige Exrpeditions-Sefretär und Chef der Handels- und Konsulats-Abtheilung des Auswärtigen, Graf C. Lewenhaupt, ist zum Kabinets-Sekretär, und zu seinem Nachfolger als Expeditions-Sefretär der biskerige Legations-Sekretär der Ge- sandtschaft in Rom, E. C. I. Cederstrahle, erwählt worden.

Amerika. Washington, 3. August. (W. T. B.) Der Schatz-Sekretär Richardson hat für den. Monat August den Verkauf von 6 Millionen Gold und den Ankauf eines ent- \sprechenden Theiles von 5/29 Bonds während desselben Zeitraums angeordnet.

Natrichhten aus Valparaiso vom 25. Juni melden, daß der Justiz-Minister resignirt hat und weitere Veränderungen im Kabinet erwartet werden. Die Regierung von Bolivia ist im Begriff, eine Anleihe von 200,090 Lstr. herauszubringen. Die- Nachrichten von Caracolles lauten ermuthigender. Während der legten zwei Tage if reihliher Regen niedergefal- len. Aus Montevideo wird unterm 9. Juli gemeldet, daß dieser Hafen, wie Buenos-Ayres ganz gesund sind. Nachrich- ten aus Rio de Ianeiro vom 14. Juli zufolge werden daselbst noch immer Erkrankungen am gelben Fieber ge- meldet. Die Deputirten - Kammer diskutirt das Budget und das neue Gese für die Reorganisation der Na- tionalgarde. Aus Buenos Ayres wird unterm 30. Juni

gemeldet: Die Revolution in Entre Riano dauert unverändert |

fort. Die Regierungstruppen errangen einen Erfolg unweit Pa- rana. Gerüchtsweise verlautet, daß durch die Resignation deë Gouverneurs Echague und die freie Wahl cines Nachfolgers ein Kompromiß herbeigeführt werden wird. Die Provinzial-Legis- [atur hat Schritte mit Bezug auf diè Geldkrisis ergriffen. Die Regierung projektirt die Noten-Gmission um 6 Milionen Pata- cones (1,200,000 Lstr.) zu erhöhen. Während der leßten 14 Tage war dic“Veld nothdrückend und alle Banken hörten auf, zu disfontiren. Der Plazdiskont betrug eine Zeit lang 24 Pro- zent, ift aber jezt 18 Prozent. Man erwartet, wenn das Re- gierungsprojekt Gesetz wird, werde der Geldmarkt williger werden. samkeit in Anspruch. Der frühere Präsident Mitre, der frühere Gouverneur Alsina und Dr. Avell-Anda sind die Kandidaten.

Die freiwilligenZuwendungen an Kirchen und für

| kfirhlihe Zwecke, in der Entwielung der christlichen Kirche ur- | sprünglich von vorwiegender Bedeutung, haben noch immer für die

Zugleih hat die Mittelmeer- | Erhaltung und bessere Einrichtung auch des evangelischen Kirchen-

wesens einen sehr erheblihen Belang. Auf Veranlaffung des Evangelischen Ober-Kirchenraths werden seit einigen Jahren für die sämmilihen acht Provinzen der evangelisien Landeskirche die jährlich vorgekommenen Zuwendungen an Kirchen und Kir- chengemeinden sowohl die Schenkungen als die von Todes wegen gegebenen Spenden zusammengestellt. Die Resultate sind, \o- wohl was den Gesammtbetrag dieser freiwilligen Gaben anlangt, als auch hinfihtlih der großen Verschiedenheit bemerkenswerth, die bei der Betheiligung der Evangelischen in den verschiedenen Gegenden des Landes an der freiwilligen Unterstüßung ihres Kirchenwesens hervortritt. Es möge daher hier eine kurze Zu- sammenstellung der veranstalteten Erhebungen in ihren Haupt- punkten für die Iahre 1870 und 1871 folgen:

Ss S 2 [Es n 6 De Cs O2 A 0K D, “2 = {S . Dame 1 S5 M E E (L L „28S BD N | O [2/8 ; ZZL A2 55 = Prov M R nl Ult L O0 D P [E N L B] L) A Ï Pur | Fhtr | Pa: Phdr Pur. | Pur | Ghu: Preußen 1870} 33805! 5875| 7154 !| 860 9277 56971 L 18714 14169 113 7036 213! 10921! 32452 Branden- | 1870| 8148| 1200| 6568 240 16156 birg {1871 | 10895|- | —-| 1500: | 00: ‘520/-12715 Pommern 1870| 7693! 39 1 1621! 9355 Ï 1871 | 24346) | S 1361! 26207 Posen 1870| 5513 2050| | 136 | 282 9191 u 1871| 7234| 2000! 100 320 624' 10338 Schlesien 1870| 15404} |— | —_— 6 15410 A1] 12888l [f P E MeN 1826 Sachen 1870| 8753! 5421| | 5703 2602 576! 23055 ü 1871| "3009| F F A5 | 59 4333 Westfalen 1870| 9402 870! | 5912 950, -— 16734 ° 1871| 8274 410/ 609 5983 3900 -757| 16383 Rheinpro- | 1870 690! 11460 2291 223685*) 22000 [260126 vinz ( 1871| 11242) 6000 5200 93060 11680 1166/128348

Summa l R 181505! 35399 8100 358855 | 39275! 27895 651029

*) Hierunter eine Schenkung von 200,090 Thalern für ein Ver- forgungshaus. -

Die kommende Präfidentenwahl nimmt viel Aufmerf- |

Statistische Nachrichten.

In Königsberg waren nach den amtlichen Berichten vom 30. Juli bis infl. 1. Auguft c. an Cholerafällen angemeldet 34, von denen 16 tödtlich verliefen. Der Stand der Cholera in Danzig bis zum 4. August Mittags war folgender: 1) im Stadt- kreise überhaupt erfranft 28, davon gestorben 22; 2) im Landkreise überhaupt erfranft 222, davon gestorben 117, In Weichselmünde sind von 1209 Einwohnern 95 erkcanft und 35 gestorben. Jn Dresden sind vom 2. bis 4. August Mittags 18 neue Cholera- erfranfungsfälle vorgekommen.

München, 30. Juli. Nach dem Verzeichnisse derjenigen Sol- daten des jüngsten Zuganges aus dem Regierungsbezirke Mittel- franfen, welhe bei ihrem Eintritt in die Armee eine mangelhafte Schulbildung wahrnehmen ließen, wurde cine solche konstatirt bei 1751 Wehrpflichtigen an 43 oder 2,0 Proz., während diefer Mangel im Jahre 1871 bei 5,3, 1870 bei 5,7, 1869 bei 3,5, 1868 II. bei 4,0,

| 1868 T. bei 4,3, 1867 bei 4,0, 1865 bei 3,5, 1864 bei 4,4, 1863 bei | 4,8, 1862 bei 7,, 1861 bei 6,5, 1860 bei 9, Prozent hervorgetreten | ijt. Nach einer diesem Verzeichnisse beigefügten Zusammenstellung

entziffert sich für das ganze Königreich unter ciner Gesammtzahl von 18,510 geprüften Konsfribirten eine Zahl von 1388 oder 7,5 Proz., welche einen genügenden Schulunterriht nit genossen haben. Dieses Resultat vertheilt sh auf die einzelnen Regierungsbezirke wie folgt : Oberbayern 152 oder 6,1, Niederbavern 231 oder 9,6, Pfalz 377 oder 13,6, Oberpfalz 242 oder 11,5, Oberfranken 133 oder 6,2, Mit- telfranfen 45 oder 2,5, Unterfranken 133 oder 5,3, Schwaben 70 oder 3,0 Prozent.

Die Bevölkerungsstatistik für Cisleithanien wird in dem soeben ershicnenen Jahrbuch der Kaiserli Königlich statistischen Gentralfommission folgendermaßen angegeben: Oestcrreih unter der Eans 1,954,251, Oesterreich ob der Enns 731,579, Salzbucg 151,410, Steicrmark 1,131,399, Kärnten 336,400, Krain 463,273, Triest, Görz und Gradiêca, Jiîtrien 582,079, Tirol und Vorarlberg 878,907, Böh- men 5,106,069, Mähren 1,997,897, Schlesien 511,581, Galizien 5,418,016, Bukowina 511,964, Dalmatien 442,796, im Reichsrathe „vertretene“ Länder: 20,217,531.

Kunft und Wiffenschaft.

Berlin. Im Verlage von Siegfried Cronbach hierselbst ist or Kurzem erschiencn: „Gedächtnißhalle für die im Feldzuge 870/71 gefallenen und nachträglich verstorbenen deut- hen Krieger“ (Erster Theil, enthaltend biographische Notizen über ie Offiziere der deutschen Armee), herausgegeben von Wil- elm Krause. Die 1. Abtheilung enthält die biographiïhen Skiz- zen folgender gefallenen Generale: von Beiow, General-Major und Commandeur der 36. Inf. Brig ; von Blanfensee, Gen. Maj. und Command. der forzbinirten Inf. Brig. der 3. Res. Div.; von Craus- haar, General-Major und Commandeur der 45. JInfanterie-Bri- gade; von der Decken, General - Major und Commandeur der 6. Inf. Brig.; von Dievenbroick-Grüter, Gen. Maj. und Command. der 14. Kav. Brig.; von Döring, Gen. Maj. und Command. der 9. Inf. Brig. ; von François, Gen. Maj. und Command. der 27. Inf. Brig. ; von Gersdorff, Gen. Lt. und stellvertretender fomman- dirender Gen. des XI. Armee-Corps; Krug von Nidda, Gen. Maj. und Command. der 3. Kav. Brig.; von Welßien, Gen Lt. und Com- mand. der 15 Div. Die zweite Abtheilung bringt cin Verzeichniß gebliebener Stabtéoffiziere mit längeren oder fürzeren Lebensabrisjen, je nahdem es den Bemühungen des Herausgebers gelang, mehr oder minder vollständige Nachrichten über die Lebensumstände der Verstorbenen zu sammeln. Die dritte Abtheilung führt die gefallenen Subaltern-Offiziere, die vierte die Aerzte auf. Jeder Abtheilung sind Nachträge und übersichtliche Verzeichnisse der gefallenen Gererale, Stabécoffiziere, Subaltern-Offiziere und Aerzte, nach Armee-Corps resp. Regimentern geordnet, zur Erleichterung des Auffindens beis gefügt. Das Werk ift Sr. Majestät dem Kaijer und Kbntg g?wid- met, Allerhöchstwelche die Widmung anzunehmen geruht haben.

Breslau, 1. August. Bei der heute Nachmittag im hiesigen Universitätegebäude stattgehabten Wahl eines Rektors der Uni- versität Breslau für das Studienjahr 1873—1874 wurde an Stelle des abgehenden Rektors und Direktors am physielogischen Jn= stitut des Professors Dr. Heidenhain, der Geheime Justiz-Rath Kron- svndifus Professor Dr. Hermann Sulze als Reftor gewählt. Zu Dekanen wurden gewählt: In der cvangelish-theologischen Fa- fultät: Konsistocial-Rath Professor Dr. Meuß, in der fkatholish-theo- logishen: Professor Dr. Friedlieb, in der juristishen: Profeffor D-. Goeppert, in der medizinischen: Geheimer Medizinal-Rath Pcofessor

Dr. Haeser und in der philosophischen Fakultät: Professor Dr. Pole.

| Professecr Dr. Stenzler an der hiesigen Königliche1: Uni-

| versität ütt von der Königl asiatishen Gejellschaft in Lon-

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d RaO c R au A D e Da A: R At. don in Anbetrabt feiner hervorragenden Berdienste um die indî- “S L

4 ck 1 =T+ A7 nit: Seid T tigltioh nan ischen Alterthumséftadien einstimmig zum Chrenmitgltede ernannt Worden ce c c N E E. E G. Straßburg, 1. August. Der hiesigen Kaiserlichen Univer- sitäts- und Landesbibliothek ift heute eine bedeutende Sen

duna aus Mangalore als Geschenk zugegangen, nachdem diejelbe [ch früher ein größeres Geschenk aus Kalkutta erhalten hatte. Bei Zusendungen enthalten Bücher und Handschriften in verschiedener indischen Sprachen, zum Theil von großer Seltenheit. Die heutig Sendung aus Mangalore kum mit dem Rhbeindampfer; dieselbe giug am 25. v. M. in Rotterdam ab. Das Geschenk aus Kaikutta kam von den dortigen Deutschen; das heutige aus Mangalore wurde vor den Herre: Burnecl und Stolz in Mangalere, Madras und Tranque- bar gesanimelt.

Florenz, 22. Juli. Auf der Laurentianischen Bibliothek befinden sich jeit Kurzem Fragmente der Jtala, der ältesten latei- niîhen Bibclüberseßuug, die von Hieronymus bei der Redaktion der VRulgata benußt wurde. Leider sind es nur spärlihe, durch die Zeit fast unlesbar gewordene Bruchstücke, aber der Codex, dem sie angehört haben, stammt ohne Zweifel aus dem fünften, vielleicht aus dem vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Die Pergamentblätter sind vurpurroth gefärbt; sie enthaltea in zwei Kolumnen in Schrift-

zugen, welche mit denen des berühmten hiesigen Coder Amiatinus über-

einjtimmcn und nur etwas me$r gerundet sind, Bruchstücke aus dem Evangelium des Johannes, und zwar, was füc den Forscher von be- sonderem Interesse ist, aus der Gesbichie der Samariterin Joh. 1V. Was davon zu entziffern war, hat der Cuftes der Ambrofiana ir Mailand, Amelli, veröffentliht. Der Fund ist im Dezember v. J. gemacht worden. Die Blätter liegen in einer hölzernen Kiste, deren Bemalung und Aufschrift auf das dreizehnte Jahrhundert hinweisen. Auf dem Deckel ist S. Rusinus abgebildet, „anzurufen gegen alle Fieber und Wechselfieber“, woraus fich die Abnutßung der Blätter erklärt. Die Fragmente sind Eigenthum der Kirche zu Sarezzano, wo sie sih gefunden haben. Man hat fie nur provijorish hierher gebracht, um das Urtbeil der hiesigen Kenner darüber zu höôren, wie sie vor gänzlihem Verderben bewahrt werden kénnten.

Gewerbe und Handel.

Berlin. Vom Berliner Pfandbrief-Institut sind bis Ende Juli cr. 2,961,000 Thir. 4: prozentige und, abzüglich ausgelooster und deéhalb gekündigter Pfandbriefs-Kapitalien, 1,630,500 Thlr. 5 prozentige, zusammen 4,591,500 Thlr. Pfandbriefe au?gegeben. Zugesichert, aber noch nit abgehoben, waren 807,300 Thlr. Jn der Feststellung be- ariffen 13. Darlehnsgesuche zum Feuerversicherungswerthe von 270,650 Thlr. An neuen Anmeldungen find im Juli cr. 14 Fälle mit 254,150 Thlr. Feuerversiherung hinzugekommen.

München, 31. Juli. Den Nacbenannten wurden Gewerbs- Privilegien verliehen, und zwar: unterm 18. Juli l. Js. dem Mac Kay aus Boston auf ein neues Verfahren der Schuhfabrikation für den Zeitraum von drei Jahren, vom 18. Juli 1873 anfangend, ferner

unterm 22. Juli 1. Js. dem Oel-, Firniß- und Lackfabrikanten Ludwig Andreas Mack in Augsburg auf Bereitung einer Oel-Cement-