1873 / 184 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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emäß den Anordnungen des Herrn Präsidenten und der Herren Mikt-

E des heut installirten Hoben Kollegiums Jhre amtliche Thätig- feit zu üben, habe ih darauf hinzuweisen, wie Ihre Pflichttreue, Ihr Diensteifer, Ihre stets prompte und sorg ältige Mitwirkung bei Aus- führung der Jhnen übertragenen Ge'\chäfte einen sehr wesentlichen Faktor bildet zur entsprechenden Förderung der Arbeiten und der Auto- rität des Kellegiums. Bewähren Sie diese Eigenschaften :mter allen Verhältnissen, re<tfertigen Sie das in Sie geseßte Vertrauen!

Mir Alle aber, meine Herren, wollen bei diesem wichtigen und feierlihen Aft, wie in unserm amtlichen Wirken überhaupt, uns mit freudiger Bewegung des Herzens no< eins gegenwärtig halten, daß nämlich unser allergnädigster Kaifer, König und Herr es ist, der der evangelishen Kirche in allen Seinen Landen Sein volles warmes Herz schenkt, der dur<h Sein Vorbild in echter Gotteëfurht und Fröm- migfkeit allezeit darauf hinweist, worauf es im evangelischen Christen- thume wesentli<h ankommt, der die wunderbaren Erfolge Seines sfieg- gekrönten Heeres und die zahlreichen fonstigen Gnadenerweisungen in Haus und Land stets mit aufrichtiger Demuth. und als ihm von Gott anvertraute Pfunde entgegengenommen hat, der au< uns, die wir ge- würdigt find, als Seine Diener zu wirken, zuruft: Gehet hin und thuet desgleichen! S ;

Geben wir dem Gelübde, welches als das Echo dieses Zurufs in unsern Herzen sein Ja und Amen ertönen läßt, demgemäß auch" jeßt einen freudigen und begeisterten Ausdru>, indem wir die Gefühle der Verehrung und Dankbarkeit gegen unsern Landesherrn, gegen den erhabenen Schirmherrn unserer theuern evangelischen fee in den Ruf zusammenfassen: : E i 4

Se. Majestät Unser Kaiser und König Wilhelm, Unser aller- ädigster Herr, sei gesegnet mit Seinem ganzen Kaiserlichen und Köniclichen Hause; Er lebe hoh! : i

Die Versammlung stimmte in diesen Ruf dreimal be-

geistert ein.

£&n Folge Allerhöhster Bestimmung waren unter Lei- tung des Staats-Ministers von Kameke die Kommissarien der einzelnen Ministerien zusammengetreten, um die Vorschläge: für eine angemessenc Feier der auf den 2. September d. I. ange- seßten Enthüllung des Siegesdenkmals auf dem Kö- nigsplagtze in Berathung zu nehmen. Die von dieser Kom- mission an Allerhöchster Stelle befürworteten Vorschläge haben, der „Prov. Corr.“ zufolge, in allen wesentli<hen Punkten die Genehmigung Sr. Majestät erhalten.

Von den Truppen der Okkupations - Armee treffen morgen, den 7. d. Mts., auf dem Potsdamer Außen- Bahnhofe hier ein: Um 9 Uhr 20 Minuten Vormittags die 6. léihte Batterie des Pommerschen Feld-Artillerie-Regiments Nr. 2, Divisions-Artillerie, und # Pionier-Comvagnie des Pom- merschen Pionier-Bataillons Nr. 2; um 2 Uhr 30 Minuten Nachmittags 1 Escadron des Pommerschen Dragoner-Regi- ments Nr. 11 und # RPionier-Compagnie des Pommerschen Pio- nier-Bataillons Nr. 2 und um 9 Uhr 30 Minuten Abends verschiedene Stäbe.

Die auf dem Anhalter Bahnhofe eintreffenden Militär- güge werden ebenfalls auf dem Außen-Bahnhof am Kanal ent- aden werden.

Der General-Lieutenant und Commandeur der Garde- Kavallerie-Division Graf von Brandenburg hat ih behufs Recognoscirung des diesjährigen Manöver-Terrains auf einige Tage nah IJIüterbogk begeben.

Der General-Major und Präses des Ingenieur-Komites Leuthaus ift von der vor einiger Zeit unternommenen Dienst- reise nah Elsaß-Lothringen behufs Inspizirung der dortigen Festungen hierher zurü>gekehrt.

Der Oberst und Chef des Generalstabes des Garde- Corps Bronsart von Schellendorff ist von seiner Ur- laubsreise wieder hier eingetroffen.

Der Oberst-L'eutenant und Direktor der vereinigten Artillerie- und Ingenieur-Schule Roerdansz hat sich mit einem mehrwöchentlihen Urlaube nah Schlesien begeben.

Die kommissarishen Berathungen über den Mangel an ländlichen Arbeitern und die zur Abhülfe dieses Noth- standes geeigneten Maßregeln haben am 30. v. Mts. ihren An- Fang genommen. Unter dem Vorsiße des landwirthschaftlichen Ministers, Grafen Königsmar>, hat die Konferenz in drei Sitzungen alle bisher in Anregung gebra<hten Vorschläge, welche in einer vom. landwirthschaftlihen Ministerium vorgelegten Denk- \<hrift zusammengestellt waren, sowie no< einige andere damit in Zusammenhang stehende Fragen einer gründlihen Erörterung unterzogen. Am Montag, 11. d. M., wird die Schlußberathung stattfinden, bei welcher no< einige vorbehaltene Punkte zur Er- wägung kommen sollen.

Der amtliche fstenographishe Unterricht im Hause der Abgeordneten beginnt am Donnerstag, den 14. August. Neben verschiedenen theoretishen Kursen, die haupt\fächlih für Schüler der oberen Klassen höherer Lehranstalten bestimmt sind und bis zum 1. Oktober (in etwa 12 Unterrichtsstunden) beendet sein werden, finden auth praftishe Uebungen für Diejenigen statt, welche fich zu Fachstenographen ausbilden wollen. Die Kurse Pa unentgeltli<h. Anmeldungen werden vom Freitag, den

. d. ab, Vormittags von 10 bis 12è Uhr im stenographischen

Bureau des Hauses der Abgeordneten entgegengenommen.

Das Gießerei und Maschinenfabrikation umfassende Lu wee zu Malapane in Oberschlesien wird in isheriger Weise dur< die preußische fiskalishe Verwaltung fortgeführt, was zur Berihäigung mehrfah verbreiteter, ent- gegengeseßter Anfichten hierdur< mitgetheilt wird.

Königsberg, 5. August. (W. T. B.) Die Cholera ift, wie der „Ostpreußischen Zeitung“ gemeldet wird, auch in Braunsberg in heftiger Weise zum Ausbru< gekommen. Die Zahl der bis gestern daselbft erkrankten Personen betrug 174; von diesen waren 67 gestorben. Eine Compagnie des da- selbst garnisonirenden Ostpreußischen Jäger-Bataillons Nr. 1 hat in dem dortigen Stadtwalde Bara>en bezogen. Hier in Kö- nigsberg hat die Zahl der an der Cholera Erkrankten die Ziffer 100 bereits überschritten.

Vayern. München, 4. Zugnt Der Justiz-Minister Dr. von Fäustle war vorgestern zu dem König zum Vortrag na< S(hloßberg beschieden.

Seule Morgen 5 Uhr is Prinz Arnulph von Wien und Nachmittag 1 Uhr Prinz Ludwig von Ingolstadt hier- her zurü>gekehrt.

_ Die Ankunft der Kaiserin von Oesfterreih wird nächster Tage hier erwartet.

Dem „Korr. v. u. f. D.* zufolge unterliegt die auf die Beschlüsse der lezten protestantishen General-Synode zu erlafsende Allerhöchste Entschließung zur Zeit der Sanktion M Königs, \o daß dieselbe alsbald wird publizirt werden

Um die Gebühren für die Revifion der Pläne über

Baulinien und Bauführungen gleihförmig zu regeln, wurden die betreffenden Vorshriften einer Revision unterzogen, und es wird die auf Grund derselben genehmigte neue Königliche Ver- ordnung soeben im Regierungsblatt publizirt. s

Augsburg, 5. August. (W. T. B.) Nachdem hier einige Cholerafälle vorgekomnen, bes<hloß der Gesundheitsrath in beutiger Sißung, die bäm Ausbruch der Cholera geseßlih vor- geschriebenen Maßregeln fogleih anzuordnen. : i

Heute, am Gedenktage der Schlacht bei Weißen- burg, rü>ten nah dreijähriger Abwesenheit die Augsburger Garnisontruppen das dritte Infanterie-Regiment „Prinz Carl“ und das vierte Chevauxlegers- Regiment „König“ hier wieder ein. Die Stadt war festli< geshmüd>t. An der Spigze der mil Kränzen und Blumenspenden rei be- dachten einziehenden Mannschaften ritten der Kriegs-Minister Freiherr v. Pran>h und der General der Infanterie und kom- mandirende General des I. Bayerishen Armee-Corps, Freiherr v. d. Tann, begrüßt von den lauten Zurufen der Bevölkerung.

Sachsen. Dresden, 5. August. Ueber das Befinden des Königs is dem „Dr. I.“ heute Vormittag das nach- stehende Bulletin zugegangen : E

„Pillniß, 5. August. Die Nacht war eine gute, Se. Majestät der König haben den größten Theil derselben geschlafen, fühlen Sich aber troßdem heute früh wenig gestärkt. :

Dr. Fiedler. Dr. Carus. Dr. Ullrich.“

Württemberg. Stuttgart, 2. August. Der heutige „St. A. f. W.“ enthält folgende Berichtigung:

„Bezüglich der in einzelnen Blättern enthaltenen Mittheilung, nah welcher bei dem Königlih württembergishen Armee-Corps sogenannte Erntebeurlaubungen nicht stattfinden, erfahren wir, daß dur< einen Erlaß des General-Kommandos bereits unter dem 1. Juli d. I. genehmigt worden if, eine Anzahl Leute bei jeder Compagnie, Escadron oder Batterie auf 8 bis 10 Tage zur Unterstühung ihrer Angehörigen während der Erntezeit zu beurlauben und diese bis zum Beginne der größeren Uebungen gestatteten Beurlaubungen abwechselnd eintreten zu lassen, um pee den ländlichen Interessen möglihste Berücksichtigung zu gewähren.“

Friedrichshafen, 2. August. Der König ist nach einer Abwesenheit von drei Wochen heute Nachmittag, von Beben- hausen kommend, hierher zurü>gekehrt.

Hessen. Darmstadt, 5. August. Die Herzogin Anna von Me>lenburg-Schwerin is heute früh bei dem Prinzen und der Prinzessin Carl zn längerem Besuche auf der Rosenhöhe eingetroffen.

Mecklenburg. Rosto>k, 4. August. Dié Großher- zogin Alexandrine traf gestern Morgen mit dem ersten Zuge im Salonwagen, pon Shwerin kommend, auf dem hiesigen Bahnhofe ein, woselbst fi<h die Chefs der Behörden zur Be- grüßung eingefunden hatten. Nah kurzem Aufenthalte seßte Ihre Königliche Hoheit in bereitstehender Equipage die Reise nach Doberan und dem Heiligen Damm fort. |

Sachsen - Weimar-Eisenah. Weimar, 4. August. Zur Feier des Geburtstages des Erbgroßherzogs zu Sachsen, welher Tag von der Großherzogin auf dem JIagd- \{<lößshen des Gabelbahs, unweit Ilmenau, festli<h begangen ward, wurde Derselben von den Bürgern Ilmenaus ein Fatel- zug dargebracht ; derselbe bewegte sich durh den Wald von der Stadt nah dem Iagd\shlößchen.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 4. August. Der Kaiser hat heute den Grafen von Paris und den Prinzen von Joinville und ne den Großfürsten Constantin Niko- [lajewit\{< von Rußland empfangen. Am 7. d. M. fin- det ein Souper in Schönbrunn und na<h dem Souper Feuer- werk ftatt.

Prag, 4. August. Gestern hat unter dem Vorfiße des Dr. Herbst die erste fonstituirende Sizung des Prager Central- Wahlkomites für Böhmen stattgefunden. Die von Dele- girten \sämmtliher Bezirks-Wahlkomites in Böhmen besuchte Versammlung wählte ein engeres Aktionskomite, welchem die eigentliche Leitung der Wahlen in Böhmen zufällt. Die Auto- nomie der einzelnen Wahlkreise wurde au bei der Einseßung des leitenden Aktionskomites in Prag im Auge behalten, indem der Beschluß gefaßt wurde, daß an den Sibzungen des Aktions- komites au< die Delegirten der einzelnen Bezirks-Wahlfomites theilzunehmen berechtigt seien.

Großbritannien und Jrland. London, 3. August. Aus den Parlamentsverhandlungen vom 1. d. M. ist nur die Debatte im Unterhause hervorzuheben, zu welcher die Komiteberathung der Vorlage bezüglih der Erhöhung des Jahrgehalts des Herzogs von Edinburgh Anlaß gab. Bei $. 1 entspann fi<h eine heftige Diskussion. Sir Charles Dilke ver- warf einen der Präcedenzfälle, auf die fih der Premier-Minister zur Unterstüßung der zweiten Lesung bezog, und Gladstone ta- delte in feiner Erwiderung in scharfer Weise die Erneuerun der Opposition, nahdem eine große Majorität des Hauses id bereits zu Gunsten der Bill entschieden habe, was einen entscie- denen Protest der Minorität und die Zurü>nahme der gerügten Aeußerung Seitens des Premier-Ministers zur Folge hatte. Bei Artikel 2 und 3 beantragte Anderson Amendements des Inhalts, daß des Herzogs Iahrgehalt und der Großfürstin Mitgift nit zahlbar sein sollen, wenn der Ptinz den Thron von Sach- \en-Coburg-Gotha besteige, ohne indeß auf eine Abstimmung darüber zu bestehen. Gladstone erwiderte darauf, daß der Her- 30g, obwohl er ein deutscher Fürst werden würde, nicht aufhören werde, ein Mitglied der Königlichen Familie zu sein. Eleich- geitig wies er auf die verhältnißmäßige Geringfügigkeit des der Großfürstin ausgesezten Wittthums hin. Die dritte Lesung der Vorlage wurde hierauf für die nä<hste Sizung anberaumt. Die Diskussion über das indishe Budget wurde wieder aufgenom- TRoL aber nit erledigt und bis zur heutigen Sizung ver-

oben.

9. August. (W. T. B.) Heute fand der Shluß der gegenwärtigen Parlaments-Session statt. Die Thron- rede \priht die Hoffnung qus, daß die Heirath des Herzogs von Edinburgh ein neues Band der Freundschaft zwishen Rußland und Großbritannien sein werde, sie erwähnt ferner den Abschluß des Handelsvertrages mit Frankreih und die Auslieferungs- verträge mit Italien, Dänemark, Schweden und Brafilien und konstatirt, daß, obglei<h die-Thätigkeit“ des Handels zwar etwas nachgelassen habe, do< die allgemeine Lage des Landes be- friedigend sei.

Frankreich. Paris, 3. August. Der Kriegs-Minister hát unterm 22. v. M. an den Ober-Befehlshaber der Armee von Versailles, an den Gouverneur von Paris und die übrigen

fommandirenden Generale folgendes Rundschreiben richtet : : E: eil! Ich habe die Ehre, Sie zu ersu<en, an die unter

Kommando stehenden Corpsführer die Aufforderung ergehen zu

Ihrem Deru

Dffen, daß sie die im Dienste befindlichen elsaß-lothringiscen Soldaten daran erinnern, daß den mit Deatschland geschlossenen Verträgen zy- folge diejenigen unter ihnen, welche si< außerhalb Europas (in Algerien und den Kolonien) aufhalten, bis zum 1. Oktober laufenden Jahres das Recht, für die französische Nationalität zu optiren, ausüben können.

Was die aus Elfaß-Lothringen gebürtigen Minderjährigen anbe- langt, die unter irgend einem Titel unserem Heere angehören, wird es gut sein, sie no<mals davon in Kenntniß zu seßen, daß das Deutiche Reichskanzler-Amt nur diejcnigen Optionen von Minderjährigen als gültig betrachtet, wel<he mit der Genehmigung der Eltern oder der geseßlihen Vormünder geschehen. Die deutschen Behörden verlangen sogar, daß die Eitern oder Vormünder der Minderjährigen selbst in gültiger Weise für die französis<he Nationalität optirt und ihren Wohnsiß in Q aufgeschlagen haben.

Da die Bestimmung, welcke die si< außerhalb Europas aufhal- tenden Personen ongeht, si< au auf die Binderjährigen bezieht, so ist es unumgänglich notlwendig, daß Sie die Jnteressirten dur ihre direkten Vorgeseßten davon benachrichtigen, daß nur diejenigen, welche in Algerien oder in den Kolonien dienen, ihre Wohlthat beanspruchen dürfen. Dagegen bedürfen diejenigen minderjährigen, außerhalb Europas (in Algerien und den Kolonien) stationirenden Corps ange- hörenden Soldaten, welche ihre Volliährigkeit vor dem 1. Oktober erreichen und ihre Optionserklärung vor dieser (der leßten von den Verträgen festgescßten) Frist abgeben werden, zur Ausübung ihres Optionsrehts der Genehm:gung ihrer Eltern oder ihres Vormundes nicht mehr.

Ich lege großen Werth darauf, daß diese Bestimmungen den Interessirten dcutlih auseinandergescßt werden, und wünsche, daß Sie den Corpsführern die Weisupg crtheilen, mi<h dur< Jhre Vermitte- lung von besondercn Fällen in Kenntniß zu seßen, über wel<e Auf- klärungen wünschenêwerth wären. Genehmigen Sie, General, u. \. w.

| Der Kriegs-Minister,

General du Barrail“

5. August. (W. T. B.) Nath einer telegraphischen Meldung aus Wien hat geftern der Graf von Paris dem Grafen von Chambord seinen Besuch abgeftattet. Die „Agence Havas“ meldet, daß Ersterer dem Leßteren seine Ehr- erbietung und Willfährigkeit bezeugen wolle, ihn als Familien- haupt anerkenne und seinerseits seiner Thronprätendentenschaft entsage. Der Graf von Paris gebe indessen seine politishen Ideen niht auf und halte daran fest, daß die Krone nur durh<

ie Nationalversammlung übertragen werden könne. Das „Jour-

nal de Paris“ faßt den Schritt des Grafen von Paris als ein Zeichen der vollzogenen Versöhnung zwischen den beiden Linien auf und hebt hervor, daß derselbe ein Zerwürfniß unter den Prinzen von Orleans nicht hervorgerufen habe.

6. August. Gestern Abend sind, wie aus Nancy ge- meldet wird, die für Nancy bestimmten französischen Truppen dort eingerüd>t. /

Versailles, 5. August. (W. T. B.) Der Präsident Mac Mahon hat si<h heute Morgen nah Calais begeben, um den dort stattfindenden Artillerie-Schießversuhen beizuwohnen ; seine Abwesenheit von hier wird etwa drei Tage dauern.

Nach Wien sind mehrere Mitglieder der National-

versammlun g abgereist.

Spanien. Madrid, 5. August. (W. T. B.) Aus Cadix wird gemeldet, daß die vollständig demoralifirten Auf - ständigen gestern mehrere für reih geltende Personen verhaftet und die Zahlung von Lösegeld von denselben gefordert haben. Die -zu den Aufftändishen übergegangene Artillerie {lug fi< darauf wieder auf die Seite der konservativen Partei, die Junta legte ihre Gewalt in die Hände der in Cadix befindlichen frem- den Konsulen nieder, und diese ernannten Rances zum Präsi- denten einer provisorishen Junta bis dahin, wo wieder legitime Behörden eingeseßt seien. Rances zeigte der hiesigen Regierung telegraphi < an, er habe das ih:n übertragene Mandat nur an- genommen, um zu verhindern, daß von den vor Cadix liegenden fremden Schiffen Truppen ans Land he würden. Der Ein- mars< General Pavia's in Cadix soll heute Nachmittag statt-

nden. N In Valencia haben die Insurgenten, dem Vernehmen nach, diejenigen Mitglieder der Junta, welche von Uebergabe ge-

\prochen hatten, erschossen. :

Italien. Rom, 2. August. Der Präfekt von Arezzo hat in Erfahrung gebra<ht, daß man im Laufe des Monats August große Wallfahrten nah ‘dem Alvernia veranstalten will, an denen zahlreiche Pilgerschaaren aus allen Theilen Italiens Antheil nehmen jollen. Infolge dessen is na< Einholung des Gutachtcns des Provinzial-Sanitäts-Raths, der fi, dem Beispiel sciner Kollegen folgend, einstimmig gegen die Abhaltung der be- absihtigten Wallfahrten ausgesprochen hat, von ihm eine Be- fanntmahung erlassen worden, wona bis auf Weiteres Wall- fahrten au<h in diese Provinz nicht gestattet find, und Pilger, welche einzeln oder \shaarenweise dieselbe betreten sollten, von den Gensd'armen wieder über die Grenze gebraht werden sollen.

595, August. (W. T. B.) Nach aus authentischer Quelle stammenden Nachrichten entbehrt das bereits dementirte, troßdem aber dur Pariser Privatkorrespondenten aufrecht er- haltene Gerücht, daß das Königreih Italien eine neue An- leihe demnähst aufzunehmen beabsihtige oder wegen einer solchen Anleihe bereits abges<lo}sen habe, jeder Begründung.

Türkei. Konstantinopel, 6. August. (W. T. B.) Eine Yacht des Sultans ist mit dem ehemaligen türkischen Bot- schafter in Teheran E<href Pasha nah Brindisi abge- gangen, um den Schah von Persien aufzunehmen.

Nußland und Polen. St. Petersburg, 5. August. (W. T. B.) Der Gesandte von Kaschgar if heute vom Kaiser in Zarskoe Selo empfangen und hat demselben einen eigenhändigen Brief JIakub-Bey's überreiht. Auf die Anrede des Gesandten erwiderte der Kaiser, er hoffe, daß die von Ruß- land Kaschzar gegenüber gehegten guten und nahbarlihen Ge- finnungen au< von JIakub-Bey getheilt und daß die beider- seitigen freundschaftlihen Beziehungen in denselben Geiste, aus welchen der im Jahre 1872 abgeschlossene Vertrag hervorgegangen sei, fortgesegt werden würden. Auf Einladung des Kaisers wohnte der Gesandte sodann ciner Revue der Truppen im Lager von Zarsfoe Selo bei und nahm darauf am Dejeuner im Kaiserlichen Zelte Theil.

Schweden und Norwegen. Sto>holm, 2. August. Der König und die Königin nebst den beiden Prinzen, dem ältesten und dem dritten, (der zweite is auf der See und der vierte auf Gotland bei der Prinzessin Eugenie) werden: {hon am 10. d. M. von Norwegen hier erwartet. Die beabsichtigte Reise der Königin mit den Prinzen nah Sofiero am Sunde bei Hel- fingborg soll wegen der in Helfingborg ausgebrochenen Cholera aufgegeben sein.

_ Ueber das zu dem IJubeltage der verwittweten Kö- nigin vorzugsweise in Sto>holm, Gothenburg und Schonen eingesammelte Kapital von 85,000 Thlr., über dessen Verwen- dung zu cinem wohlthätigen Zwe>e der Königin die Entschei- dung überlassen wurde, hat Ihre Majestät bestimmt, daß es dem an demselben Tage zur Erinnerung an den König Oscar l. und seine Gemahlin gestifteten Verein zur Unterstüßung Schußloser und Gefallener überliefert werden \oll, und hat aus eigenen Mitteln 30,000 Thlr. hinzugefügt.

Die Prinzessin Eugenie, welhe, no<h immer nit von ihrer Krankheit genesen, die Sommermonate auf ihrer Villa Fridhem bei Wisby bewohnt, besu<hte am Sonntag die Stadt.

_— Zum s<wedis<-norwegishen Gesandten in Rom is der Kabinets\efkretär in dem Departement der auswärtigen Angele- genheiten Franz Henrik von Essen ernannt. Zu seinem Nachfolger als Kabinetssekretär ist der Expeditionssekretär Graf Levenhaupt und zu dessen Nachfolger als Expeditionssekretär der Legationssekretär in Rom E. C. I. Cedersträhle ernannt worden.

Christiania, 2. August. Der König, die Königin und die Prinzen sind gestern Abend um 8 Uhr hier angekommen und an der Eisenbahnstation von den Behörden der Stadt empfangen worden. Zu dem festlichen Einzuge Ihrer Majestäten waren die auf dem Wege vom Bahnhofe nah dem Schlosse liegenden Häuser mit Flaggen, Blumenkränzen und Teppichen gés<hmüd>t und die Straßen von dichten Volksmassen beseßt, welche die Königlihe Familie mit anhaltendem Hurrahrufen be- gtüßten. Nach der Ankunft im Shlosse zeigten sih die König- lichen Herrschaften auf dem Balkon und wurden mit lautem Jubel empfangen.

Amerika. New-York, 6. August. (W. T. B) In Hun- terspoint auf Long-Island hat ein in einer Oelfarrik ausgebroche- nes Feuer, bei welhem au<h Menschenleben zu Grunde gingen, großen Schaden angerichtet.

Statistische Nachrichten.

__ Danzig, 5. August. Ueber den Stand der Cholera meldet die „Westpr. Ztg. “: Im Stadtbezirk betrug der Zugang seit gestern Mittag 8 Erkrankungen, in Summa 36 Erkrankungen, 24 Sterbefälle. Im Landkreise ist in Schellingsfelde und, Ohra neuerdings die Krauk- heit aufgetreten und sind in Ohra 2 Erkrankungen 1 Sterbefall, in Scthellingsfelde 1 Sterbefall vorg-kommen. Jn Weichselmünde sind im Ganzen 105 Personen erkrankt und 38 davon geftorben.

Würzburg, 4. August. Der offiziell veröffentlichte Rapport vom 2. d. M. weist als Bestand der Cholerakranfey nah: 2 männ- lihe und 12 weibliche Kranke. Am 2. August waren nach der glei- cen Quelle bis Abends 5 Uhr dazu 2 männliche und 5 weibliche

Kranke neu zugegangen, macht also als Gesammtfrankenstand: 4 männ-

lie und 17 weibliche Kranke. Am 3. August 5 Uhr Abends wurde folgendes Bulletin ausgegeben: Neuer Zugang 2; gestorben 3; in Be- Handlung 13.

Dresden, 5. August. Von gestern Mittag bis heute Mittag find 6 neue Erk: ankungsfälle an der Cholera und 8 Todesfälle bei bereits f üher Erkrankten amtlih angezeigt worden. Der gegenwärtige Bestand der Cholerakranken in hiesiger Stadt beträgt 24. Seit dem erst-n Cholera-Erkrankungsfall, der si<_am 19. Mai d. J. hier er- eignete, find bis heute Mittag aus hiesigem Stadtgebiete überhaupt 82 Cholera-Erkcanf1ngsfälle, und zwar 56 seit dem 31. Juli zur An- meldung gelangi. Von den eckranften Personen, unter denen fi< 17 von auswärts befinden, sind 12 genesen, 46 gestorben und 24 in Be- handluag verblieben.

Das Augustheft (Nr. 121 von 1873) der „Mittheilungen Der Großherzogli < Hessischen Centralstelle für die Lan- desstatistik“ (Beilage zur Darmstädter Zeiturg) hat folgenden Fn- halt: Zusammenstellung aus den Octroi-Rehnungen der Städte Darm- stadt, Offenbach, Gießen, Alsfeld, Lauterbach und Muinz für das Jahr 1872. Schulbildung der im Ersahz - Jahr 1872/73 bei der Großh. hes. (25) Division eingestellten“ hessishen Unterthanen. Uebersicht des Verkehr2 auf den Schiffbrü>en, beziehungsweise fliegen- den Brü>en bei Mainz, Worms, Gernsheim, Oppenheim und Kost- heim im Jahre 1872. Uebersicht der Veränderungen an den Ein- Tommensteuer-Kapitalien von 1870 auf 1873, Ueversiht der Ein- nahmen aus Stempelpapier, Stempelmaärken und Spielkartenstempel im Jahre 1872. Meteorologische Bécbachtungen im Juni 1873. Monatlih?2 Durchschnittspreise der Fruchtmärkte im Januar bis Juni 1873.

Lübe>, 30. Juli. (H. N.) Die na< Vorschrift des Einkom- mensteuergesebes vom Steuerbureau alljährlich anzufertigende stätistische Zusammenstellung über dieSteuererträgnisse ist jeßt hinsichtlich des Jahres 1872 publizirt und ergiebt, daß 15,553 Kozatribuenten hier ein Gejammtjahreéeinkommen von 16,194,300 Mark eine Steuer von 312,706 Mark bezahlt haben. Jm Jabre 1871 war die Zahl der Kontribuenten 14,761, das steuerbare Einkommen 15,426,500 Mark und die erbrahte Steuer 297,836 Mark. Jun der niedrigsten Klasse, nämli< 3 Mark für ein Einkommen von 300—500 Mark steuerten 8869 Kontribuenten, also mehr als die Hälfte der Gesammtzahl, ihr Ein- kommen war auf 3,547,600 Mark geschäßt, also wenig mehr als ein Fünftel des Gesammiteinkommens; ihre Steucrergebniß ecbrachte nur 26,607 Mark, alio etwa cin Zwölftel des ganzen Steuerertrages. Von 500—1000 Mark, in welcher Gruppe die Steuer von 3 Mark bis 12 Mark steigt, versteuerten 3790 Kontribuenten ein Einkommcn von 2,687,800 Mark mit 28,947 Mark. Bis zu cinem Einkommen von 3000 Murk steigt die Steuer dann auf 84 Mark 12 Schilling; in Dieser Gruppe steuerten 2257 Kontribuenten für 4,144,000 Mark Einkommen eine Steuer von 82,724 Mark. Mit einem Jahres- einkommen von 3000 Mark beginnt der feste Steueransaß von 3%,

und während also in den Gruppen mit abgemindertem Steueransatz -

14,906 Kontribuenten nur 138,279 Mark, aljo etwa F der Gesammt- [ata aufbringen, fallen auf die übrigen 647, welhe nah dem festen

n{aß foutribuiren, die 2 Steuer mit 174,426 Mark. Unter den das höchste Einkommen Versteuernden finden fi< vier Personen mit je 79, Mark und eine mit 110,000 Mark Einkommen.

Kunst und Wissenschaft.

In Carl Heymanns Verlag hierfelbst (Anhaltischestraße 12) ist erschienen: „Das Schwurgericht (Schwurgericht oder

S<öffengeri<t?)*, Abhandlung von A. F. Grohmann, Ge- richtêverwalter. (8. 3 B.) Der Verfasser stellt sih auf die Seite derjenigen Rechtslehrer, welche si< für die Nothwendigkeit der Reform und die Einführung der Schöffengerichte erklären, und legt seinen Standpunkt in folgenden Abschnitten dar: Organisation des Rechts, soweit die- selbe für die Untersuchun 1 interessirt. Das Strafverfahren strebt mit Nothwendigkeit dem Öffizialprinzip zu. Abirrung des Offizialprinzips. Rü>schlag, begünstigt dur die politishe Konstellation. Schwärmerei für das Schwurgeriht. Das Schwurgericht ist niht unabhän- giger, als gelehrte Richterkollegien. Leßte Garantien der Staats- einrihtungen. Die englishe Rechtspflege ist in ‘der Entwi>elung

zurü>geblieben. Laiengerihte bezeihnen eine niedrige Entwi>elungs-'

stufe. Das englishe Schwurgericht ist wesentli< ein Laiengericht. Welche Bewandtniß es mit der Einstimmigkeit des Verdikts hat. Der Kern des englishen Schwurgerichts ift in Frankreich nit assimilirt. Die französische Staatsanwaltschaft und Untersuchung. Beschränkungen der Laienrechtspre<ung. Die Trennung der That: und Rechtsfrage ist logish möglich, aber praftis< unausführbar. Die für Verurtheilun- gen ecforderliche Stimmenzahl. Schriftlichkeit. Rechtsmittel. Die Nac- ahmung des Schwurgerichts, Die Schwurgerichtsfrage ist eine Prin- zipienfrage und wissenshaftli< no< nicht entschieden. Das neue Schöffengericht ift ein Fortschritt. Aussichten des Schöffengerichts.

Unter dem Titel „Polizeistrafgeseß buch" hat der Stadt- rath Otte in Merseburg eine systematische Zusammenstellung der vor- zugsweise im Regierungsbezirk Merseburg für Uebertretungen geltenden, in dem Reichsgeseßblatt, der preußischen Geseßz-Sammlung und den Amtsblättern der Königlichen Regieruug zu Merseburg ent- haltenen Strafbestimmungen (Halle, G. Schwetschkesher Verlag 1873) veröffentliht. D1s Buch“ ist vorzugsweise zum praktis<hen Gebrauch für landräthlihe Behörden, Polizeirihter, Rehts- und Polizeianwälte bestimmt und namentlich darauf bere<net, daß mit Einführung der neuen Kreisordnung daz Bedürfniß nach einer solchen Zusammenstel- lung si<h_ für viele Amts-, Guts- und Gemeindevorsteher fühlbar machen wird. Chronologische und alphabetishe Sachregister erhöhen die Brauchbarkeit des Buches,

Das 6. Heft (2. Jahrg.) der „Zeitschrift für deutsche Kulturgeshi<te“, herausgegeben von Dr. J. H. Müller, Stu- dienrath, (Hannover, Dra> uxd Verlag der Schlütershen Hofbuch- dru>erci, in Kommission bei Carl Meyer) hat folgenden Inhalt: Die Entwi>lung der Volkswirthschaft im Deutschen Reich, von Jo- hannes Falke. Geschichte des Postwesens in der Reichsstadt Cöln (Fortseßung) von L. Ennen. Bücherschau: Rheinlands Baudenkmale des Mittelalters, herausgegeben von Dr. Fr? Bo>. Untersuchungen über das Hofsystem im Mittelalter, von Dr.. K. Th. von JInama- Sternegg Die „hohe Registratur“ des Magisters Lorenz Fries, von Dr. A. Schäffler. Buntes.

Erlangen, 2. August. Die Prorektorswahl an der hie- sigen Universität ist fast einstimmig auf ein Mitglied der medizi- nishen Fakultät, Dr. Hugo v. Ziemßen, den Vertreter der speziellen Pathologie und Therapie, gefallen.

__— Das 8. (Augut-) Heft des 2. Jahrgangs der „Forstlichen Blätter“, Zeitschrift für Forst- urd Jagdwesen, herauégegeben von J. Th. Grunert und Dr. O. V Leo (Leipzig, Verlag von Hein- rih Schmidt) ist soeben ausgegeben- worden. Dasselbe hat folgenden Inhalt: L Aufla e: Ueber Grundrente und Waldrente. Von Dr. Carl Roth, ordentlichem Professor der Forstwissenshaft an der Uni- versität in München. Schäßung der Lohhe>e und Ueberhalten von Eichen in derselben. Vom Kommunaloberförster Middeldorpf in Man- derscheid bei Trier. Die Weymouthskiefcr und ihr forstliher Werth, von A. Schier, v. Arnimschem Revierförster in Voigtsgrün bei Kirch- berg (Sachsen). Ueber Kiefern-Kulturen. Vom Professor Dr. E. D. H. Be>er in Rosto>. Zur Reinertrags: Theorie. Von August Böhm, Forstingenicur und Taxator J Hohenwang in Obersteiermark. 11. Bücheranzeigen. Ill. Mittheilungen.

Grimma, 31. Juli. Heute verstarb hierselbft der Ehrenbürger s Geschichtshreiber Grimma's, der eméeritirte Professor Ritter M. orenz.

Am 1. d. M. starb zu Darmstadt der Fofessor der Juris- prudenz Deurer, welcher {on vor mehreren Jahren f<werer Krank- heit halber sein Lehramt in Gießen: niedergelegt hatte.

Die Universität Jena hat dem ordentlichen Professor der Theologie, Dr. phil. Karl Holsten in Bern, das Diplom eines Doftors der Theologie, honoris causa, zugesandt.

Schaffhausen, 29. Juli. Nach den Blättern von Schaff- hausen hat der Pfarrer Keller in Siblingen in der Nähe dieser Ortschaft Ueberreste ciner nicht unbedeutenden römischen Nieder- lassung entde>t. Die fofort unternommenen Nachgrabungen- zeigten ziemlich ausgedehnte Fundamentsmauern. Das auf diefen Mauern ruhende Gebäude hatte eine Länge von 52 Fuß und eine Breite von 26 Fuß. Von diesen Ueberresten wurde ein Plan aufgenommen, die- selben jedo<, nachdem die angetroffenen Fundstü>ke geborgen waren, wieder zugeworfen.“ Jeßt sind an derselben Stelle die Ueberreste eines weiteren, größeren Gebäudes durh Aufgraben offen gelegt. Der Flächenraum dieses zweiten Gebäudes beträgt 102 Fuß ins Ge- viert. Die Mauern sind ausgeführt von weißem Jura-Kalk, wie er sich auf dem Randen findet. Sie zeugeu von großer Härte und Dauer- haftigkeit. Eine römi\>de Heizkammer war noch deutlich zu erfkenuen, ebenso Cementböden; au<h fand man noch sehr s{<ôn erhaltene, einfache, aber grelle Wandmalereien. Unter den Fundgegenftänden beider Ge- bäude befinden sih: Ziegeltrümmer, wovon einige wenige das Legionen- Zeichen der elften und cinundzwanzigsten trägen; Stücke von Urnen und Gefäßen aus Thon, die cine sahkundige, geshma>volle Verarbeitung erkennen lassen, und zierliches Ornamentwerk aus dem Pflanzen- und Thierreiche tragen; in einigen Reften von Thongeschirren ist d.utlih der offenbar vor dem Brennen eingedrü>te Name SATURIO zu lesen.

In Rom starb am 28. Juli der Bildhauer Rinaldo

Rinaldi. Er war der einzige no<h übuig gebliebene Eleve Canova's und 80 Jahre alt geworden.

Sto>holm, 2. August. Jn Wisby i} zur Zeit die Ge- sellshaft zum Schuß der Alterthümer in Schweden versammelt und hat gestern ihre Versammlungen eröffnet.

Landwirthschaft.

Brüssel, 5. August. (W. T. B.) Dem „Etoile belge“ zu- folge verlautet, daß im Hennegauischen, in der Nähe ven Che- niay, Fälle von R inderp est vorgekommen sein sollen.

Rom, 30. Zuli. Die Ernteberichte, welhe aus Ober- und Mittelitalien im Handels- und A>erbau-Ministerium ein- laufen,- sind, den „It. N.“ zufolge, sehr befciedigend. Aus den Süd- provinzen fehlen die offiziellen Berichte no<, man erwartet sie aber no< vor Ende des laufenden Monats. Privatnachrichten zufolge ift die Ernte au dort eine vortreffliche.

Sto>holm, 2. August. Die Heuernte ist in Shweden und Norwegen überall im Gange und nah den bigherigen Berichten in diesem Jahre ausnehmend ertragrei<. In Schonen sind die Shafpo>en wiederum ausgebrochen und zwar in dem nördlihsten Theile des Hä- rades Wemmenhög in dem Bauerngute Räfstad im Kirchspiele Gustaf, wo von 50 Schafen 28 erkrankt und davon 2 geheilt sind; au< an andern Stellen, sowi2 im Kir{spiel Genarp habeu sie si< gezeigt, und, die Länsregierung hat bei der Regierung angefcagt, ob zur Hem- mung. der Krankheit Maßregeln ergriffen werden sollen. In Däne- mark ist die Einfuhr von Schafen aus Schonen verboten:

Gewerbe und Handel.

Berlin, 6. August. Auf der Indo-Europäischen Tele- graphenlinie wurden im Monat Juli d. J. an gebührenpflichtigen Depeschen befördert: a. aus London, dem übrigen (England und Amerika na< Persien und Indien 561 Stü>, b. aus Persien und Indien na London, dem übrigen England und Amerika 457 Stü>, e. vom europäischen Kontinent exclusive Rußland na< Persien und Indien 76 Stü>, d. aus Persien und Indien na< dem euro- Wise Kontinent exclusive Rußland 76 Stü>, Summa 1170

1>.

Wien, 5. August. (W. T. B.) Der internationale Saaten- und Getreidemarkt ist heu‘c eröffnet worden Es waren gegen 1500 Theilnehmer anwesend. Nachdem Uhl aus Wien zum Präfideaten und Strasser aus Pesth zum Schriftführer gewählt waren, berihtete Namens des Wiener Börsenvorit andes dêr Réferent Leinkauf über den Ausfall der Ecnte in Oesterreih-Ungarn: Nach dem Berichte ergiebt si< für Ungarn ein Ausfall von 3 bis 4 Mill. Mesen Weizen gegen den. D rchschnittsertrag, für die cisleithanis<he Reichshälfte in_ Weizen eine volle Mittelernte. Der Aúsfall an Roggen - beträgt für Ciéleithanien 10 Mill:onen, für Ungarn 6. Millionen, zusammen 16 bis 17 Millionen Meben gegen eine mittlere Erate. Der Ertrag an Gerste und Hafer ist in beiden Landestheilen der einer vollen Mittelernte. Lie Erportfähigkeit Oesterreih-Ungarns läßt sih auf 4 Millionen Meten Weizen und 9 bis 6 Millionen Meben. Gerste taxiren, dagegen wird ein namhafter Import von Roggen erforderlih sein. Nach den Be- richten der Vertreter von Bayern, Würitemberg und Norddeutschland über den dortigen Ernteausfall, der im Allgemeinen ein wemg gün- tiges Resultat aufweist, wurde einstimmig beschlossen, alljährlih im August in Wien einen internationalen Saatenmarft abzuhalten. Fer- ner wurde der Vorstand der Wiener Fruchtbörse beanftragt, eine inter- nationale Kommission bis zum nächsten Jahre provisorisch zu bestellen, in welcher alle Länder des Kontinents. vertreten sein und der allé vor- liegenden Anträge bezüglih der Transportangelegenheiten und der Geschäftsusancen überwiesen werden sollen,

__ Sto>holm, 2. August. Die Zolleinnahme in den sämmt- lichen Zoilstationen Nörwegens hat in den ersten 6 Monaten dieses Jahres 1,644,498 Spd. oder 112986 mehr als 1872 und 275,652 mehr als 1871 betragen. Die Steigerung des \{wedis<hen Handels ist ersichtlich aus dem Wechselumsaß an der sto>holmer Börse, dieser hat im Monat Juli ia abgerundeten s{wedis<en Riksthalern betragen 1867: 7,845,000, 1868: 8 854,000, 1869: 8,934 000, 1870: 9,550,009, 1871: 9,958,000, 1372: 15,000,009 und 1873:-17,468,000. Die fremden Münzsorcten, welche dabei in diesem Jahre, jowie au in den vorhergehenden am meisten resp. aus!<ließz- lich betheiligt waren, sind: Lftr. 8,696,009, deutsche Mark vreuß. Crt. (früher hamburger Mark Banko) 3,464,000 und Francs 3,925,000.

Verkehrs - Anstalten.

Stettin, 5. August. (W.T. B.) Der Po*damyfer des balti- schen Lloyd „Humboldt“ ist am 3. d. M. von N w:York in Havre eingetroffen und heute Morgen nah hier weitergegangen.

Die Königliche Regierung in Schleswig hat unter, dem 29. Juli angeordnet, daß die aus den russti]<hen Oitsecehäfen und den Häfen der östlihen Provinzen kommenden Schiffe nicht eher löschen oder Mannschaft an das Land febcn dürfen, bevor eine ärztliche Untersuchung des Gefundheitszustandes an ‘Bord ftatt- gehabt und festgestellt worden ist, daß ein Verdacht der Cholera nicht vorliegt.

Liverpool, 5. August. (W. T. B.) Der Dampfer „Volta* ist heute von der afrikanishen Westküste hier eingetroffen.

__ Sto>holm, 30.--Juli. Die Eröffnung der Damvf- \<iffslinie zwis{<henGothenburg und Fredcrikshavn wird am Sonaüutag, 17. August; mit dem Dampfschiffe „Vulkan®, welches die erste Reise von Gothenburg antritt, \tattfinden. j

Aus dem Wolff’ schen Telegraphen-Bureau.

__ Dresden, Mitiwoch, 6. August, Vormittags. Laut des soeben aus Pillnig eingetroffenen Bulletins hat der König ruhig geshlafen, die Mattigkeit is geringer.

Haag, Mittwoch, 6. August. Die dur< die Verfügung vom 30. Dftober 1872 ernannte, mit der Prüfung der Fragé der Einführung eines neuen Münzsystems betraute Kommission hat dem Könige einen neuen Bericht abgestattet, in welhem fie in An- betrat dessen, daß nunmehr in Deutschland die Goldwährung definitiv zur Annahme gelangt if, für die Niederlande ebenfalls die Einführung der reinen Goldwährung empfiehlt.

Madrid, Dienstag 5. August, Abends. Das energische Austreten der Regierung ruft allenthalben einen günstigen Ein- dru> hervor. Nach; dem vor Sevilla errungenen Erfolge shlägt sih die Armee mit großer Hingebung und Tapferkeit. Der An- griff auf Valencia wird mit allen Kräften fortgeseßt: die Regie- rung erwartet, daß si<h die Stadt heute cergeben- wird. - Unter den Insurgenten in Karthagena herrschen innere, Zwistigkeiten. Nach vollstandiger Unterdrü>ung der Insurrektion wird die Re- gierung alle ihre An. rengungen gegen die Carlisten: xihten.

Die Königliche Münze zu Berlin. (Im Anschluß an Nr. VIl. der Artikel „Zur Charakteristik der Industrie Berlins,“ über die Königliche Staats- Druf>ere i.)

Am Ende des 16. Jahrhunderts befand sih die Münze in dem Hause Poststraße 5. Von da kam fie 1602 in den Seiten- flügel des Schlosses an der Spree. Bei dem Umbau eines Theils des Schlo}ses durh Schlüter und dem Einsturz des von ihm projeftirten Münzthurmes ward sie 1704 in die jezigen Räume Unter- wasserstraße 2 verlegt. Im Jahre 1750 und später wurden die Lo- kalitäten bedeutend vergrößert und umgebaut, Als dann im Jahre 1794 das Werdershe Rathhaus abbrannte, wurde das am Werderschen Markt 8 und 9 gelegene Münzgebäude na< den Entwürfen von Gilly dur< Gent erbaut. Dieses Gebäude war aber nur in seinem Erdgeshoß für Münzzwe>e bestimmt. Die

eigentlihen Betriebs-Werkstätten wurden in den Jahren 1840 und 1841 dur< den damaligen Bau-Inspektor Bürde erweitert und bei dieser Gelegenheit die bisher zum Betriebe benußte Wasserkraft zum größesten Theil durh Dampfmaschinen erseßt. In dem- selben Jahre 1841- wurde die fogenannte- „neue „Münze,“ welche unter der Regierung Königs Friedrich 11. in der- nah ihr be- nannten Münzstraße Nr. 10 und 11 erbaut “worden war, aber {hon seit Anfang des - laufenden Jahrhunderts, nur noch - hin und wieder zur Aushülfe wie au<h zur Maschinenbau - Werkstatt benußt, ni<ht mehr in - geregeltem Münzbetriebe si befunden hatte, ganz-aufgehoben und - wurden ihre Räumlich- keiten zur Erbauung: der - Königlichen Kunstgießerei - verwendet, deren erstes, großes Werk der Guß des Rauhshen Deakmals Königs Friedrich Il. war.

Zunächst im Fahre 1859, als. die Aussicht auf den Krieg die Thätigkeit der Königlichen Münze fo außerordentlich steigern

ließ, daß dieselbe nicht im Stande wax, allen an sie gestellten Anforderungen zu genügen, stellte sih die Nothwendigkeit heraus, diejelbe um- und neu- zu gestalten und, fie: auch, zu größeren Leistungen fähig einzurichten. Zu Diesem - Zwe>e:, wurden- im Jahre. 1860 die angrenzenden Grundstücke -Unierwasserstraße Nr. ò und. Holzgartenstraße Nr. 1,2 und 3 angekaufi-und im Jahre darauf die Erweiterungs-:und Umbauten. zuvörderjt: der Betriebsgebäude, begonnen. Auch dieje, Bauten, sind ein: Werk des Königlichen Bauraths Bürde, vollendet wurden fie ün Jahre 1864, Die zwei Dampfmaschinea,; welche: die erforderliche, Be- triebsfrast geben, eine größere nah , Woolfscher,- Konstruktion, vou 40 Pferdekraft, „eine kleinere „Hochdru>maschine,-, von 16 Pferdekraft, und eine. Dampfpumpe, find, ebenso , wie verschiedene ..andere : Apparate - in- den- Werkstätten, in. der Borsigschen Maschinen-Bauanstalt, nah den speziellen Angaben des. Direktors Walz in Moabit, gebgut worden. Die Auf-