1873 / 186 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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: Sachsen. Dresden, 7. August. Ueber das Befinden des Königs iffst dem „Dr. I.“ heute Vormittag -das nah- ehende Bulletin zugegangen: \ : f E Ei, T AuN q Se; Majestät der A eine weni- t gehabt. m Uebrigen der Zustand derselbe. E Es Es ‘Siedler. Dr. Carus. Dr. Ullrich.“

_— Der Staats-Minister Freiherr v. Friesen i| gestern von seiner Badereise zurückgekehrt und hat die Geschäfte seiner Departements wieder übernommen.

Württemberg. Friedrihshafen, 5. August. Der König hat gestern mit Gefolge auf dem Dampfboote „Chri- ph“ einen Ausflug nos Schaffhausen unternommen. Die Thalfahrt nahm 34 Stunden, die Rüfahrt 44 Stunden in Anspruch.

Baden. Karlsruhe, 6. August. Im großen Saale des Rathhauses, welches hon am Morgen in reihem Flaggen- \{chmuck prangte, hat heute in programmgemäßer Weise der feier- lihe Festakt zur Enthüllung der Erinnerungstafel für die im lezten Krieg gefallenen Angehörigen der Städt Karls- ruhe stattgefunden. Der Feier wohnten u. A. der Staats-Mi- nister Dr. Jolly und die übrigen Mitglieder des Staats-Ministe- riums, die General-Majore von Willisen und Delorme, sowie der größte Theil des hiesigen Offiziercorps bei, ferner Angehörige der im- legten Kriege Gefallenen, die Gemeinderäthe der Stadt und der größte Theil der Bürgeraus\huß-Mitglieder , sowie ein- geladene Personen, insbesondere viele frühere Kriegskameraden der zu Feiernden. Im Treppenhaus waren in Paradeuniform Abthei- lungen der hiesigen Garnison aller Truppengattungen aufgestellt. Im Hintergrund des festlich ge\ chmüdckten Saales zu beiden Seiten der Red- nerttibüne bildeten die „Liederhalle“ und der „Liederkranz“, welche beide mit ihren Fahnen erschienen waren, einen Halbkreis, um zu Beginn der Feier und am Schluß patriotishe Gesänge vor- zutragen. Die von dem Ober-Bürgermeister Lauter gehaltene Festrede endete während des Akts der Enthüllung der Tafel mit Verlesung des Inhalts derselben: der Namen sowie des militärishen Rangs und der Verwundungs- und Todestage der Krieger. Dabei ertönte Kanonendonner und Glockengeläute, woauf der erhebende Akt gegen 12 Uhr \{loß. Die Tafel trägt in goldenen Buchstaben ihren Inhalt auf \chwarzem Mar- mor, im obern Theile prangt in Relief ein filberner Lorbeer- Franz, ein Eisernes Kreuz umschließend.

Hessen. Darmstadt, 4. Augitft. Nachdem Professor Köhler in Friedberg Namens der Mehrheit des Synodal- Aus\chusses den ihm als Berichterstatter obliegenden Bericht über den in zweiter Lesung festgestellten Entwurf einer Synodal- verfassung fertiggestellt hat, wir der Aus\huß morgen zur Ent- gegennahme des fraglichen Berichts zusammentreten. Dem Ver- nehmen nach haben fi die vorhandenen Minoritäten besondere Berichte zu den von ihnen beanstandeten Theilen vorbehalten.

Mecklenburg. S{werin, 7. August. Aus Nor derney wird unter dem 2. August geschrieben : Der Erb Großherzog von Mecklenburg-Schwerin wird, wie im vorigen Jahre, wieder zu einem längeren Aufenthalte in den nächsten Tagen hier eintreffen. s i

M EUNT Ei, 6. August. Die Großherzogin von Me&lenburg-Streliß und die L tial von Cam- bridge find aus London nah S{hlo Rumpéenheim abgereist, um während des Herbstes dort Wohnung zu nehmen. :

Elsaß-Lothringen. Straßburg, 7. August. (W.T.B.)

Die von mehreren Zeitungen gebrachte Nachriht, daß hier die

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Cholera ausgebrochen sei, wird amtlih dementirt, Am 1. August kam ein einziger Todesfall an Brehruhr vor. Zwei weitere Fälle wurden geheilt.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 6. August. Ein Rund- chreiben des Ministers des Innern an die C und Länder-Chefs trägt denselben auf, die einleitenden Maßnah- men für die Reichsrathswahlen zu treffen. Das _Rund- schreiben ist lediglih administrativen Inhalts und enthält sih jeder Vorschrift für eine eventuelle Einflußnahme auf die Wahl- bewegung. In unterri{hteten Kreisen wird verfichert, daß das Kaiserlihe Patent wegen Auflösung des Reichsrathes und Aus- {reibung der Wahlen früher, als bisher erwartet wurde, er- scheinen werde. i Prag, 5. August. Die Wanderversammlung des katholish-politishen Vereins in Bergreichenstein wurde vom Be- zirtshauptmann in Schüitenhofen aufgeöst, weil die Veranstalter die Angabe des Versammlungsortes unterlassen hatten.

Schweiz. Bern, 7. August. (W. T. B.) Nah einem Cirfkularshreiben des Central-Komites der \chwei- zerishen altkatholischen Gemeinden und des liberalen Katholikenvereins if die nächste Delegirten-Versamm- lung zum 31. d. M. nach Dlten einberufen. Es soll daselb|t vorzugsweise über die Theilnahme der Schweiz an dem Alt- Fatholikenkongreß in Konstanz und über die dabei von den \hweizerishen Abgeordneten einzunehmende Stellung verhandelt werden.

Angefihts neuer ultkamontaner Demonstrationen , an deren Spiße Geistliche des Berner Juras stehen, hat die Re- gierung das Statthalteramt Delsberg (im Jura) angewiesen, gegen die Betreffenden die AdministrativuntersuGung einzuleiten und fernere Prozessionen zu verhindern.

Großbrirannien und Irland. London, 6. August. Der Herzog von Edinburgh, zweiter Sohn der Königin Victoria, vollendete heute sein 29. Lebensjahr.

_— Wie die offizielle „London Gazette“ meldet, ist die groß- britannishe Regierung von ihrem Gesandten im Haag benah- rihtigt worden, daß der General-Gouverneur von Niederländisch- Indien eine Proklamation erlassen hat, welche die Küste von Atchin in einen Zustand der Blockade erklärt.

Im Oberhause beantragte in der Sizung vom 4. d. M. Earl Granville die zweite Lesung der Vorlage, welhe das Jahr- geld des Herzogs von Edinburgh erhöht, mit dem Bemerken, daß das Haus einstimmig eingewilligt habe, eine weitere Apa- nage für den Herzog von Edinburgh anläßlich seiner Verhei- rathung zu genehmigen, und daß die in der Bill enthaltenen Vorschläge angemessen und gemäßigt scien. Der Marquis von Salisbury unterstüßte die Bill, worauf dieselbe in zweiter Le- sung angenommen wurde. Als die Consolidated Fund (Ap- propriations) Bill zur zweiten Lesung vorgelegt wurde, erhob sih- Lord Redesdale und sagte, er bediene ih diefer lehten Gelegenheit, um gegen die Zahlung der „Alabama*-Entschä- digung zu protestiren und sein Bedauern darüber aus- zudrücken, daß sein auf die Wiedervereinigung der Nord- und Süd-Staaten begründetes Argument niht dem ame-

nischen Forderungen einem Schiedsgerichte zu unterbreiten, die Möglichkeit, dieses Argument erfolgreich zu urgiren, ihre End- schaft erreichte. Lord Manson erkundigte fich hierauf beim ister für auswärtige Angelegenheiten , ob irgend welche Schritte zum Abschlusse einer Konsular-Konvention mit den Ver- einigten Staaten von Amerika ergriffen worden seien, und ob er bereit sei, in einer solchen Konvention Bestimmungen aufzuneh- men, um Gemaltakte, die von Unterthanen beider Nationen auf hoher See verübt werden, wirksam bestrafen zu können. Lord Granville erwiderte, die Frage des Abschlusses einer Konsular- Konvention mit den Vereinigten Staaten habe die Aufmerksam- keit der Regierung bereits beschäftigt, und er hoffe, daß während der Parlamentsferien irgend eine Uebereinkunft erzielt werden würde. Im Unterhause beganueu die Verhandlungen mit der Anmeldung einer Reihe von Anträgen für die nächste Par- laments'ession. Besondere Erwähnung verdient ein Antrag Bulls, der die künftige Haltung der sogenannten irishen „Home Rule*-Partei kennzeihnet. Derselbe lautet: : „Da das gegenwärtige Regierungssystem im Inland in vieler Beziehung gegen den Geiit und die Prinzipien der englischen Ver- fassung, unvereinbar mit dem Recht auf gleihe Gesetze ist, und daß das gegenwärtige System, Jrland s Zwangsgeseße und Beschrän- fungsmaßregeln zu regieren, ermangelt hat, Zufriedenheit für Irland im Einklange mit der Verfassung zu fichern, ist es die Pflicht des Par- Ra eine Remedur für die gegenwärtige Lage der Dinge vor- uschlagen.“ 5 Auf der Tagesordnung ftand ferner u. A. die Erwägung des Amendements des Hauses der Lords zu der Conspiracy Law Amendement Bill. Harcourt, der Urheber dieser Vorlage, beantragte deren Verwerfung. Der Minister des Innern ver- sprach, daß dieselbe unter den Gegenständen zählen solle, welche die Regierung während der Ferien in Erwägung ziehen würde. Harcourts Antrag gelangte sodann zur Annahme. Die hierauf wieder aufgenommene Debatte über die zweite Lesung der Mun- della'’shen Vorlage zur Amendirung der Fabrikgeseze endigte mit der Zurückziehung der Maßregel. Nahdem noch auf Antrag des Shaßzkanzlers die neuen Kontrakte für den Schiffspoftdien|t zwischen Table Bay und Zanzibar und Zanzibar und Aden gut geheißen worden waren, {loß die Sizung. Einem Telegramm des Reuterschen Bureaus aus Cal- cutta vom 5. d. M. zufolge hat die indishe Regierung be- \chlofsen, die Provinzen Assam von der Präsidentschaft Bengalen zu trennen und fie,- einshließlich Cachar, Sylhet, Goalparah und den Hügel, unter einen Ober-Kommissär in direkte Beziehung zu der obersten Regierung zu stellen. Die Bevölkerung der Provinzen beläuft fih auf 4 Millionen Einwohner. 7. August. (W. T. B.) Der Unter-Staatssekretär des Schaßdepartements, G. E. Baxter, hat wegen einer Differenz mit dem Kanzler der Schaßkammer, Lowe, seine Entlaffung erbeten. Außerdem find noch mehrere Demisfionsgesuche innerhalb des Ministeriums erfolgt, welche der Königin zur Entscheidung vorliegen. Die Reismagazine in der Londoner Vorstadt Stepney find heute durch eine Feuersbrunst vollständig zerstört worden. 8§. Auguft. (W. T. B.) Innerhalb des Ministe- riums sind folgende Veränderungen nunmehr als fest- stehend zu betrahten. Der Lord-Präfident des Geheimen Raths Marquis de Ripon und Childers, der Kanzler des Prigogues Lancaster, treten ganz aus dem Kabinet. Bruce, der bisherige Staatssekretär des Innern, welcher zum Pair ernannt werden soll; wird an Stelle des Ersteren Lord-Prâsident des Geheimen Raths und Iohn Bright, Kanzler des Herzogthums Lancaster. Lowe, bisher Kanzler der Schaßkammer, wird Minister des In- nern und Gladstone übernimmt an seiner Stelle auch das Amt eines Kanzlers der Schaßkammer. ¡Nachfolger des Unter-Staats- sekretärs des Schazamtes Baxter wird Dodson. Weitere Verän- derungen im Ministerium find bevorstehend.

Frankreich. Paris, 6. August. Der Präsident der Republik hat gestern in Calais den Schieß-Uebun- gen beigewohnt. Bei dieser Gelegenheit legten der Präfekt und der Ober-Ingenieur ihm die Pläne des Basfins und der Ver- einigung der beiden Städte St. Pierre und Calais, von Süd- often aus, vor. Heute wollte der Präsident nach dem Cap Gris- Nez fahren, um die Stelle zu besichtigen, wo ein Hafen ange- legt werden sol.

Der Kriegs-Minister hat alle Corp3-Chefs dur Cirkularshreiben aufgefordert, in den Regimentern genau auf Soldaten der Kommune zu fahnden, die, wie es scheint, kein besseres Mittel, den Nachsuhungen zu entgehen, fanden, als sich in die Reihen der Armee aufnehmen zu lassen, oder, nach- dem fie im Augenblick des Abzuges der Truppen von Paris défertirt, sich ohne Aufsehen zu ihren Corps zurückbegaben.

7. August. (W. T. B.) Der Graf von Paris hat, wie die „Agence Havas“ meldet, gelegentlih seines Besuches den Grafen von Chambord mit den Worten angeredet: Er komme, ihm den Besuch zu machen, der {hon seit langer Zeit zu seinen innigsten Wünschen gehöre. Er begrüße sowohl felbst, wie au im Namen sämmtliher Mitglieder seiner Familie in ihm nicht allein das Haupt scines Hauses, sondern auch den alleinigen Repräsentanten des monarchishen Prinzips in Frank- reih. Der Graf von Chambord erwiderte noch an demselben Abende den Besu des Grafen von Paris, und diese zweite Begegnung \oll noch herzliher und wärmer, wie die erste gewe- sen sein. Unter den Legitimisten und Orleanisten foll seit dem Besuche des Grafen vou Paris bei dem Grafen von Cham- bord eine größere Annäherung stattgefunden haben. Von der „Union“ wird fkonsiatirt, daß die Einigkeit in dem französischen Königshause wiederhergestellt sei; cs erübrige jezt nur auch allen Franzofen die Einigkeit wieder zu geben. Die „Gazette de France“ meint, die Prinzen hätten jeßt ihre Schuldigkeit gethan; nun- mehr fei es an den Franzosen, auch den Prinzen gegenüber ihre Schuldigkeit zu thun.

Die von einigen Blättern gebrahten Meldungen von angeblihen Bemühungen des franzöfishen Bot- schafters beim päpstlichen Stuhl, Grafen de Corcelles, den Einfluß Frankreichs zu Gunsten des Papstes geltend zu machen, entbehren, der „Agence Havas* zufolge, jedweder Begründung; die französishe Regierung sei voll von Ehrerbietung und Er- ils gegen den Papst, diéselbe werde aber in der vom

üheren Präsidenten Thiers Italien gegenüber beobachteten Politik keinerlei Aenderung eintreten lassen.

8. August. (W. T. B.) Rochefort soll, wie jeßt

festsicht, nah Caledonien eingeschifft werden.

Lyon, 7. August. (W. T. B.) Von dem Journal „De- centralisation* wird das Breve veröffentlicht, welhes der Papst auf die von Paray le Monial aus an ihn gerihtete Adresse von 100 Deputirten der Rehten erlassen hat. In demselben ver-

der Gerechtigkeit wieder über Frankreih leuchten werde, die Jungfrau Maria selbst-\prehe es aus, daß das Königthum in Fränkreih wieder en werde, die Pilgerfahrten seien ein den Engeln und den Menschen wohlgefälliges Schauspiel. In- dem der Papst die Deputirten und die Regierung deshalb be- glückwünsht, verkündet er das Ende der Herrschaft der Irrthümer e is Wiederherstellung der Größe und des Ruhmes Frank- reis.

Türkei. Konstantinopel, 27. Iuli. Der „Ind. Belge“ wird von hier aus bestätigt, daß die persisch-türkishe Dif- ferenz ihrem Austrag nahe sei. Perfien hatte verlangí, daß seine in der Türkei residirenden Unterthanen denen der europâi- \chen Mächte gleichberehtigt sein sollten. Dank den Bemühun- gen, namentlich Englands, habe indeß der Schah auf diesen An- spruch verzichtet, die Pforte dagegen Dre anderer Art gemaht. Darnach sollen die in der Türkei wohnenden Perser eine jenen anderen Nationen ähnlihe Stellung einnehmen, denen bestimmte Kapitulationen zur Seite stechen. Die betreffende Kon- vention soll demnächst bei Gelegenheit der Anwesenheit des Schahs in Konstantinopel unterzeichnet werden.

Nußland und Polen. St. Petersburg, 6. August. Die Rückreise des Shahs von Persien nah Teheran wird, der „St. Pet. Ztg.“ zufolge, über Konstantinopel, Poti, Tiflis, A und Enseli ungefähr um die Mitte des Monats August olgen.

Der Kaiserli russishe Feldmarschall Berg i| Seitens der Regierung angewiesen worden, niht nur Revisions- und Desinfektions-Anstalten an der Weichsel entlang und namentlich an der polnish-galizischen Grenze zu er- richten, fondern auch anzuordnen, daß bis auf Weiteres eine Sistirung oder doch möglihste Beschränkung des Holztransports auf der Weichsel cintrete.

Schweden und Norwegen. Stockholm, 4. August- Der König und die Königin, welche ihre Reise nach Sho- nen, dem „Nya Dagl. Alleh.* zufolge, aufgegeben haben, werden am 10. August in Stockholm von ihrer Krönunggsreise nah Nor wegen zurückerwartet.

Dur Ernennung des norwegischen Staatsraths Stang zum Staats-Minister is ein Staatsrathsposten vak1nt geworden, nâmlih der Posten cines Chefs für das Revisionsdepar- tement. „Aftonbladet“ zufolge soll dieser Posten edo nit beseßt, sondern ein neues Departement für Zfentliche Arbeiten errihtet werden, wogegen die Decision des Revisionsdepartements einigen Generaldecisoren unterbreitet wird.

Dänemark. Kopenhagen, 8. August. (W. T. B.) Der Großfür| Thronfolger von Rußland mit Ge- mahlin wird hier am 16. August erwartet. Ebenso wird der Prinz Arthur von Großbritannien nächstens wieder hier eintreffen.

Das Münzgeseß vom! 9. Juli 1873 ist soeben in einem forreften Abdruck in 8. in der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuch- druckerei (R. v. Decker) erschienen.

Statistische Nachriteun.

Ueber den Stand der Cholera liegen bis heute fclgende statistische Nachrichten vor: In Königsberg waren vom 2. bis inkl. 5. August angemeldet: erkrankt 76, gestorben 39 Personen. Aus D anzi g lautet der leßte Bericht; a. im Stadtkreise erkrankt 40, davon verstorben 25, genesen 3, in Behandlung 12, b. im Landkreise im Ganzen erkrankt 251, verstorben 131, genesen 67, noch in Be- Landlung 53. In Weichselmünde (1499 Einw.) waren bis zum á_ d. M. 9 Personen erkrankt und 35 gestorben (7 Prozent). Jn Magdeburg sind vom 4, bis 6. d. M. vom Civil 65 erfranft, 96 verstorben, vom Militär 10 erkrankt, 4 verstorben. Jn München sind vom 30. v. M. bis 5. August Mittags inkl. 13 Erfrankungs- und 8 Todesfälle fonstatirt. Aus Würz- burg, 6. August, wird gemeldet: Bis gestern Abead 5 Uhr waren in der Stadt infs. Juliusspital an Cholera, Cholerine und Brehdurchfall neu zugegangen 7 Kranke (4 männliche, 3 weibliche); gestorben war ein männlicher Kranker, genesen 4 weibliche Patienten, jo daß zur Eingangs genannten Zeit noch 12 Kranke (5 männliche und 7 weibliche) in Behandlung verblieben. Aus Dresden, 7. August, lautet der amtlihe Auêweis: Von gestern bis heute Mittag find in hiesiger Stadt anderweit 7 Erkrankungs- und 4 Todesfälle an der Cholera vorgekommen. Hierdurch is der gestern mitgetheilte Bestand an _ Cholerakranken auf 28 Personen gestiegen. Bezüglich des Standes der Cholera in den Ortschaften des Gerichts- amtsbezirfs Dresden konstatirt eine Bekanntmachung des Königlichen Gerichtsamtes und des Königlichen Bezirksarztes vom gestrigen Täje, daß im Verlaufe der leßtverflossenen Woche 36 neue Erkrankung: fälle, darunter 14 mit tôdtlihem Ausgange, zur Anzcige gelangt find .

Kunst und Wissenschaft.

Na dem „Monatsberihi7 der Königlich preußischen Akademie der Wissenschaften“ lasen im Februar d. J. folgende Herren: Kiepert, Ueber die Lage der armcnishen Hauptstadt Tigra- nokerta (Fortseßung); Hofmann, Ueber die Phoëphine der dritten, vierten und fünften Kohlenstoffreihe.

Verkehrs - Anstalten.

Stettin, 6. August. Der Aufsichtsrath und díe Direktion des „Baltischen Lloyd“ vers entliht Folgendes:

„Den verschiedenen umlaufenden Gerüchten gegenüber halten wir uns für verpflichtet, bekannt zu machen, daß bis heute feine näheren *¿acrichten über unscren Dampfer „Ernst Moriß Arndt“ einge- troffen find. Eine Kommiffien von Sachverständigen, besteh:nd aus den Kapitänen Barandon, Bödow, Böttcher, Pust, Dreyer und Deh- nicke, die wir zu Rathe gezogen haben, ist einstimmig der Ansicht, daß noch feine Veranlassung vorliegt, das Schiff, welches mit Pro- viant und Wasser auf mindestens 3 Monate versehen ist, als verlo- ren zu betraten. Es find von uns aus die ausgedehntesten Vorkeh- rungen getroffen, um Nachrichten über den „Arndt“ zu erhalten, welh- unverzügli zur Veröffentlichung gelangen sollen.“

Der „Ernft Moriß Arndt“ war am 3. Juli von Swinemünde, und am 8. von Havre na New-York in See gegangen.

Kopenhagen, 8. August. (W. T. B.) Die Regierung hat die“ gegen das Einschlepven der Cholera bestehendea Maßregeln i, den E der Weichselmündung kommenden Schiffen in Kraft geleßt. 2A s

New-York, 7. August. (W. T. B.) Der Dampfer des nord- deutschen Lloyd „Hansa * ist heute hier eingetroffen.

Aus dem Wolff*'’schen Telegraphen-Bureau.

Kaiserslautern, Donnerstag, 7. August. In der zuht- polizeilihen Verhandlung der Martinschen Eheleute aus Kusel gegen den Bischof von Speyer, Dr. Haneberg, wegen Verleum- dung wurde von dem Vertreter des verklagten Bischofs die Kom- petenz des Gerichts bestritten. Das Zuchtpolizeigeriht hat fi Widerspruchs ungeachtet aber für kompetent erklärt und die Fort- sezung der Verhandlung auf den 21. d. M. anberaumt.

rifanishen Kabinet gegenüber geltend gemacht wurde. Der Löôrd- kanzler erwiderte, daß, nachdem beschlossen worden, die amerifa-

sichert der Papft, er habe nie daran gezweifelt, daß die Sonne

Dresden, Freitag, 8. August, Vormittags. Laut gestern

Abend ausgegebenem Bulletin if der Zustand des Königs un- verändert. Regelmäßige Bulletins werden vorläufig niht mehr

ausgegeben.

Darmstadt, Freitag 8. August, Vormittags. Der Zu- \sammentritt der Landessynode is, der- „Darmstä Zeitung“ zufolge, auf den 9. September zu erwarten.

Ausgrabungen in Troja.

__ Dr. Sélierzann hat aus Troja, 17. Juli, an die „Allg. Zig.“ ein Schreiben über den Fortgang der von ihm daselbst unternommenen Ausgrabungen gerihtet, dem wir Folgendes entnehmen :

Im Anfang dieses Monats stieß ich in 8} Metern Tiefe auf der vom Skäishen Thor in west-nordwestliher Richtung weitergehenden

roßen trojanishen Ringmauer, und unmittelbar neben dem Hause des

riamos, auf einen großen fkupfern-n VBegenstand hôchst merkwürdiger

ori, der um so mehr meine Aufmerksamkeit auf sih zog, als ih hinter - dentselben Gold. zu bemerfen glaubte. Auf demselben- ruhte eine 1¿—14 Meter dicke steinfeste Schicht von rother Asche und cal- cinirten Trümmern, auf welcher eine 1 Meter 80 Centimeter dicke, 6 Meter hohe Festnngsmauer lastete, die aus großen Steinen und Erde bestand e aus der ersten Zeit nah der Zerstörung Trojas stam- men nuf,

Der zuerst geschene Gegenstand war cin großes flaches kupfernes Geräth (Faxos dfueaioeìs oder àoris upegalóeaaaz), in Form eines großen Präsautirtellers, in dessen Mitte sich_ ein von einer Rinne (aëiaë) umgebener Nabel befindet; dieses Gefäß hat 49 Centimenter im Durckmesser, ist ganz flach und von einem 4 Centimeter hohen Rand umgeben ;- der Nabel (¿z&atds) ist 6 Centimeter hoh und hat 11 Centimeter im Durchmesser; die um demfelben befindlihe Rinne hat 18 Centimeter im Durchmesser und ist 1 Ceutimeter tief. Höchst wahrscheinli ist es ein Schild; jedenfalls erinnert es lebhaft an die Homecrifchen ¿oríêec èöugalózaoas,

Der zweite Gegenstand, den ih herauszog, war ein fupferner Kessel mit zwei horizontalen Henkeln, welcher uns jedenfalls das Bild des Homerischen 2é#7c giebt; “derselbe hat 42 Centimeter im Durch- méssèr und 14 Centimeter Höhe; der Boden ist flach und hat 20 Cen- timeter im Durchmesser.

Der dritte Gegenstand war eine 1 Centimenter dicke, 10 Genti- meter breite, 44 Centimeter lange kupferne Platte, welche einen 2 Millimeter hohen Rand hat; an einem Eude sieht man zwei unbe- wéglihe Räder mit Axe. Diese Platte ist auf zwei Stellen stark gebogen, jedoch glaube i, daß diese Biegungen durch die Gluth ge- schehen sind, welcher der Gegenstand in der Feuersbrunst ausgeseßt ge- wesen ist; auf demselben ist eine silberne Vase von 12 Centimetern Höhe und Breite fe: geshmiedet, jedoeh vermuthe ih, daß dies cben- falls nur durch Zufall in der Feuersbrunst geschehen,

Der vierte hervorgekommene Gegenstand war eine kuyferne Vaje von 14 Caitimetern Höhe nnd 11 Centimetern im Durchmesser.

Darauf kam eine 15 Centimeter hohe, 14 Centimeter im Durh- messer haltende und 403 Gramm wiegende kugelrunde Flasche von reinstem Golde mit einer angefangenen, aber nicht vollendeten Zickzack- verzierung; ein 9 Centimetec hoher, 7} Centimeter breiter, 226 Gramm chwérer Becher, ebenfalls von reistem Golde, sowie ein 9 Centimeter Q, 18} Centimeter langer, 18} Centimeter breiter, genau 600

ramm wiegender Becher von reinstem Golde, in Ferm eines Schiffes, mit zwei großen- Henkelnz auf der einen Seite ijt ein-7 Centimcter, auf der anderen ein 3 Centimeter breiter Mund zum Trinken und es mag derjenige, welher den gefüllten Becher hinreichte, aus dem kleinen Munde vorgetrunken haben, um als Ebrenbezeugung den Gast aus“ dem großen Munde trinken zu lassen. Dieses Gefäß hat einen nur um 2 Millimeter hervoritehenden, 34 Centimeter langen, 2 Centimet-r breiten Fuß, und ist jedenfalls das Homerishe Féras pgxóreiior. Ich bleibe aber fest bei meiner Behauptung: daß auch alle jene hohen glänzend rothen Becher, in Form von Champagnergläfern und mit zwei gewaltigen Henkeln Fér7a ä/gtzúreila find, und auch diese Form wird von Gold dagewesen sein. Noch muß ih die für die Geschichte der Kunft sehr wichtige Bemerkung machen, daß vorgefagtes gold-nes

‘ras àpe@uóneiloy gegossen ist und die großen nicht ganz massiven Henkel daran geschmiedet find. Dagegen ist der vorher erwähnte einfache goldene Becher sowie die goldene Flasche mit dem Hammer getrieben.

Der Schaß enthält ferner einen kleinen 70 Gramm wiegenden, 8 Centimeter hohen, 64 Centimeter breiten Becher von mit 25 pCt. Silber verseßtem Golde, dessen Fuß nur 2 Centimeter _hoch und 24 Centimeter breit, außerdem nieht ganz gerade i1t, so daß der Becher nur zum Hinstellen auf den Mund bestimmt zu fein jheint. Jch fand dort ferner se{3 mit dem Hammer getriebene Stücke einer Misch:1ng von Gold und Silber (xoëz4) in Form ron großen Klin- gen, deren eines Ende abgerundet, das andere in Gestalt eines Halb- mondes ausgeschnitten ift.

Die beiden größern find 2145 Cim. lang und 5 Ctm. breit, und jedes davon wiegt 184 Gramm. Die darauffolgenden 2 Stücke sind 184 Ctm. lang und 4 Ctm. breit, und jedes davon wiegt 173 Gramm; die beiden- übrigen Stücke sind 174 Ctm. lang und 3 Ctm. breit, und jedes derselben wiegt 171 Gramm. Höchst wahrsceinlich sind dies die homerishen Talanta (r4@v7a), welhe nur flein sein konnten, da z. B. Achillcs (Jlias XXUI], 969) als ersten Kampfpreis eine Frau, als zweiten ein Pferd, als dcitten einen Kessel und als vierten zwei goldene Talente aufstellt. Ich fand dort ferner drei große silberne Vasen, wovon die größte 31 Ctm. hoch ijt und 20 Ctm. im Durchmesser und eincn Henkel von 14 Ctm. Länge und 9 Ctm. Breite hat. Dié zweite Vase ist 174 Ctm. hoh und hat 15 Ctm. im Purdntelats man sieht auf derselben den obern Theil einer andern silbernen ase festgeschmolzen, von der nur Bruchstücke übrig geklieben sind. Die dritte ist 18 Ctm. hoch und hat 154 Ctm. im Durchmesser; am Füße dieser Vaje ift viel Kupfer festgeshmeolzen, welches in der Feuersbrunst von den kfupfernen Sachen des Schaßes abgeträufelt sein muß. Alle drei Va- sen sind unten fugelrund, und können daher nicht hingestellt werden, ohne angelchnt zu sein. Auch" fand ih “dort cinen: 85 Ctm. hohen silbernen Becher, dessen Mund 10 Ctm. im Durh- messec hat; ferner eine silberne Schale (oi) von 14 Ctm. im Durchmesser, sowie zwei fleine herrli} gearbeitete silberne Vasen; die größere dersclben hat an jeder Seite zwei Röhr- chen zum Aufhängen mit Schnüren, und ist, inclusive ihres hutartigen De&els, 20 Etm. hoch und hat 9 Ctm. im Durchmesser im Bauch. Die kleinere, nur mit einem Röhrchen an jeder Seite zum Aufhängen mit einer Schnur versehene, silberne Vase ist, inclufive ihres Hutes, 17 Ctm. hech und 8 Ctm. breit. Theils auf, theils neben den gol- denen und. silbernen Sachen fand ih dreizehn Lanzen von Kupfer von 174, 21, 214, 23 und 32 Ctm. Länge uud 4 bis 6 Ctm. Breite an der brciteïten Stelle; in dem untecn Ende derselben fieht man ein Loc, worin bei den meisten noch der Nagel oder Stift steckt, mit welchem die Lanze in der hölzernen Stange befestigt war. Die tro- janishen Lanzen waren somit gauz ver] ieden ‘von dez grieischen und römischen, denn bei diesen wurde der Lanzenschaft in die Lanze, bei jenen die Lanze in den Schaft gesteckt. Ich fand dort ferner 14 jener hier häufig vorkommenden, anderswo aber noch niemals g-fundeuen fkupfernea Waffen, die nah einem Ende zwar beinahe spiß, - aber stumpf, nach dem an- dern Ende in eine breite Schneide auslaufen. Jch hielt dieselben früher für eine besonderé ‘Art von Lanzen, „bin aber jeßt zux Ueber- zeugung gekommen, daß sie nur-als Streitäxrte gebraucht sein Tôrinen; dieselben sind 16 bis 31 Ctm. lahg, 1 bis 2 Ctm. dick und 3 bis 77 Ctm. breit, und die größten derselben wiegen 1365 Gramme. _Weiter fand ich dort sieben große zweischneidige kupferne DoLmel 5s die einen 5 bis 7 Cm. langen und--am Ende unter rechtem.Winkel- umge- bogenen Griff haben, der einst mit Holz eingefaßt gewe}en sèin muß; denn wäre die Einfassung von Knochen. gewesen, so würde fie noch ießt ‘ganz oder theilweise vorhanden 6a Der spiße Griff wurde in ein Stück Holz gesteckt, so daß das Ende 14 Ctm. lang hervorragte, und dies wurde einfach umgebogen. Das größte dieser Messer ist 27 Centimeter lang und an der breitesten Stelle 54 Ctm. breit; von einem zweiten, welches 41 Ctm. breit, ist die Spiße abgebrochen; es ist jeßt noch 224 Ctm. lang, scheint aber 28 Ctm. lang gewesen zu

Wien, Freitag, 8. August, Vormittags. Der Graf von Paris ist nach dem Empfange in Frohsdorf hierher zurückge- kehrt, wohin ihm der Graf von Chambord folgte. Einer hier eingetroffenen Deputation von Legitimisten hat der Graf von Chambord, wie die „Vorstadtzeitung“ wissen will, seine Geneigt- heit ausgesprochen, die Krone von Frankreih anzunehmen.

sein. Ein dritter Dolch ist 22 Ctm. lang und mißt an der breitesten Stelle 3} Ctm. ; ein vierter Dolch?ist in der Feuersbrunst zwar ganz zusammengerollt, sheint aber 28 Ctm. lang gewesen zu sein. Von dem fünften, sechsten und siebenten Dolchmefser sind nur 10 bis 135 Ctm: lange Bruchstücke vorhanden. J glaube außerdem in einem Pack von vier in der Feuersbrunst zusamnuiengeshinolzenen Lanzen und Streitäxten noch ein Dolchmefser zu bemerken.

Von gewöhnlichen einschneidigen Messern fand sich im Schaße nur eines von E Ctm. Länge. Auch fand ich dort das 22 Ctm. lange, 5 Ctm. breite Bruchstück eines Schwertes, sowie. eine in eine Schneide auslaufende, 38 Ctm. lange viereckige fupferne Stange, die jedenfalls auch als Waffe gedient zu haben scheint.

Da ‘ich alle vorgenannten Gegenstände zusammen- oder ineinander verpackt auf der Ringmauer fand, deren Bau Homer dem Neptun und Apollo zuschreibt, so scheint es gewiß, daß sie in einer hölzelnen Kiste (gwptrads) Tagen, wie folche in der Jlias (XXIV, 228) im Palast des Priamos erwähnt werden; dics scheint um so gewisser, als ich unmittelbar neben den-Gegenständen einen 105 Ctm. langen fupfernen Schlüfsel fand, dessen 5 Ctm. langer und breiter Bart- die größte Aehnlichkeit hat mit dem der großen Kassenschlüssel in den Banken. Merkwürdigerweise hat dieser Schlüssel einen hölzernen Griff gehabt; das, gleih wie bei den Dolchmessern, unter rechtem Winkel umgebogene Ende des Schlüsselstiels läßt keinen Zweifel darüber. „WVermuthlich hat jemand. aus -der Familie des Priamos den Schaß in aller Eile in die Kiste gepackt, diese fortgeiragen, ohne Zeit gehabt zu haben, den Schlüssel herauszuziehen, ist aber auf der Mauer von Feindes Hand oder vom Feuer errciht worden, und hat die Kiste im

tih lassen müssen, die jogleih 5 oder 6 Fuß hoch mit der rothen Asche und den Steinen des daneben stehenden Königlichen Hauses über- schüttet wurde. Vielleicht gchörte dem Unglücklichen, welher den Schaß zu retten versuht hatte, jener Helm, der zusammen mit einer Vase und einem Becher von Silber unmittelbar daneben in einein Raum des Königlichen Hauses gefunden wurde. Fünf oder sechs Fuß hoh über dem Schaß bauten die Nachfolger der Trojaner eine 6 Meter hohe, 1 M. 80 Ctm. dicke ttangmauer von großen behauenen und unbehauenen Steinen und Erde, die bis 1 Meter unter der Ober- fläche des Berges reicht. Daß man den Schaß bei furchtbarer Lebens- gefahr, in freier Angst zusammengepackt hat, davon zeugt u. A. au der Inhalt der größten filbernen Vase, in welcher ich ganz unten zwei prachtvolle goldene Kopfbinden (zoo a), ein Stirnbänd und vier prachtvolle hôchft kunstvoll gefertigte Ohrgchänge voi “Göld fand; darauf lagen 56 goldene Ohtringe höchsst merkwürdiger Form und Tausende von sehr kleinen Ringen, Würfeln, Knöpfen u. f. w. von Gold, die offenbar von anderen Shmudcksachen berrühren ; darauf folg- ten sechs goldene Armbänder, und ganz oben lagen die beiden fleineren goldenen Becher. j

“Die eine Kopfbinde ‘ist 51 Centimeter lang und besteht aus einer goldenen Kette, von welcher auf jeder Seite acht 39 Centimeter lange, ganz und gar mit kleinen goldenen Baumbkblättern belegte Ketten zur Bedeckung dér Schläfen herunter gehen, und am Ende einer jedcn ‘dieser 16 Ketten hängt ein 34 Centimetér “längs ‘goldenes Jdol mit! dem Eulenkopf der ilishen Schußgöttin. Zwischen dieser Schläfenbedeckung sieht man die 74, ebenfaïs mit goldenen Baumblättern belegten, 10 Centimeter langen Ketten der Stirnbedeckung, an déren jedem unten ein doppeltes 2 Centimeter langes Baumblatt hängt.

Die zweite Kopfbinde besteht aus einem 55 Centimeter langen, 12 Millimeter breiten goldenen Stirnband, von dem, zur Bedeckung der Schläfen, an jeder Seite sieben mit je 11 viereckigen, mit einer Rille versehenen Blättern geshmückte Kettchen hängen, die durch 4 Querketthen mit einander verbunden find, und an- deren jedem unten ein 25 Millimeter langes goldenes Idol der Schußtzgöttin Trojas prangt. Die ganze Länge ‘ciner jeden Kette mit dem Jdol beträgt 26 Centimeter; diese Idole haben fast Menschengestalt, in welcher aber der Eulenkodf mit den beioen großen Augen nicht zu verfennen ift ; ihre Breite an den Füßen ist 21 Millimeter., Zwischen diesem Schlä- fenschmuck hängen 47, mit 4 viereckigen Blättchen verzierte Ketth-n herab, an deren jedem ein 18 Mitklimeter hohes íIdol der ilischen Schußzgöitin hängt; die Länge dieser Ketthen mit den Idolen ift nur 10 Centimeter. s

Das Stzrnband ist 46 Ctm. lang und 1 Ctm. breit und hat an jedem Ende 3 Durchbohrungen ; es ist durch 8 vierfache Reiben von Punkten in 9 Fächer getheilt, in deren jedem man 2 große Punkte sieht, und eine ununterbrochene Reihe von Punkten ziert den - ganzen Rand. Von den 4 Ohrgehängen find nur 2 einander vollkommen gleih; von dem oberen Theil derselben, ‘der fat in Korbform und mit 2 Reihen Verzierungen in Form von Perlen geschmüdckt ist, hängen 6 mit 3 kleinen viereckigen Cylindern versehene Kettchen herunter, an deren Enden man kleine Jdole der Schußzgöitin Trojas sieht. Die Länge diesec beiden Ohrgehänge beträgt 9 Ctm. Der ‘obere Theil der beiden anderen Ohrgehänge ist größer und “dick-r, “aber ebenfalls fast in Korbform, und von demselben hängen 5-ganz mit fleinen runden Blättchen bedeckte Ketten herunter, an denen ebenfalls kleine, aber imposantere Idole der ilischen Schußzgöttin befestigt sind; diz Länge des einen diesér Gehänge ist 9 Ctm;, die des andéren 8 Ctm.

Von den 6 goldenen Armbändern find 2 ganz einfa, ges{lossen und von 4 Millimetern Dicke; ein drittes ist ebenfalls ge\lossen, be- steht aber aus einem verzierten Bande von 1 Millim. Dicke und 7 Millim. Breite; die drei übrigen find doppelt und haben umge- bogene mit einem Kopf versehene Enden.

Die 56 übrigen goldenen Ohrringe sind von verschiedener Größe, und cs scheinen 3 derselben von den Prinzessinnen -des Königlichen Hauses au als Fingerringe gebraucht worden zu sein. Die Form feines dieser Ohrringe hat irgendwie Aehnlichkeit mit den hellenischen, römischen, ägyptischen oder assyrishen Ohrringen ; 20 derseiben laufen in 4, 10 laufen in 3 neben einander liegende und zusammengeshmie- dete Blätter aus, und haben daher die gros Aehnlichkeit mit dem bier im vorigen Jahr von mir in 9 und 13 Metern Tiefe gefundenen Ohrexingen von Gold oder Elektron. 18 andere Ohrringe laufen in 6 Blätter aus, und man sieht im Anfang derselben 2 Knöpfchen, in der Mitte 2 Reihen von je 5 Knöpfen und am Ende 3 Knöpfchen. Zwei dec größten Ohrringe, die wegen der Dicke des Endes feincsfalls als Ohr- und nur als Fingerringe gebraucht zu sein scheinen, laufen in 4 Blätter aus, und man sieht im Anfang détfelben 2, in der Mitte 3 und am Ende wiederum 2 Kuöpfchen. Von den übrigen Obhrringen sind 2 in Gestalt von 3 und 4 in Gestalt von 2 neben einander liegenden hertrlich ges{müdckten Shlangen.

4suf die Ohrringe hatte man eine Menge anderer auf Fäden ge- zogener oder an Leder befestigter Schmudtcksachen in ‘die große filberne Base gelegt, denn auf und unter denselben fand ih, wie bereits er- wähnt, Tausende von kleinen Gegenständen, nâmlich Goldringe' ‘von nur 3 _Millimetern im Durchmesser; glatte odec in Form von Stern- hen aüsgesnittene, 4 Millimeter im Durchmesser haltende, “runde oder -viereckige Goldperichen;- 24 Millimetec hohe, 3 Millimeter breite, der Länge nah mit 8 Einshnitten verzierte goldene dutchbohrte Pris- men; 5-Millimeter lauge, - 4 Millimeter. breite, der Länge nach ntit

“ciner Röbre zuin Aufzieben versehene Baumblättchen;“ kleine, ‘9 Milli-

meter lange, auf eiter Séite mit eineni Küopf, auf der anderen miteinem

“durchgehenden Loch versehene Goldstangen ; 5 Millimeter laitge, 25 Milli- meter breite, viereckige , oder, runde goldene durhbohrtè Prismen;: itr 7 “Millimetèr im Durchmésser haltende, zusammengef k niedete, doppelte

oder. dreifache goldenc Ringe „mit durhgehendem Loch “än zwei Seiten

“zuni Aufziehen; 5 Millimetet hohe goldene Knöpfe, în ‘deren Hbhlung

ein 3 Millimeter breiter Ring oder Dese zum Annähen' ist ; 77; -Milli-

“taéter lange goldene Doppelknbpfe, ganz in Gestalt unserer Hemd-

knöpfe, die aber nicht zusammengeshmiedet, sondern zufamimengé!

sind, denn aus der Höhlung des einen Knopfes tritt eine 6 Millimeter lange Röhre (æè2(axos) hervor, aus der des anderen eine ebenso lange Stange (ZzS020»), und man steckt einfah die Stange in die Röhre,

Königliche Schauspiele. Sonnabend, den 9. August. Im Opernhause. (139. Vor- felung) Akadin, oder: Die Wunderlampe. Großes Zauber- allet in 3 Akten von Hoguet. Musik von Gâährih. Anfäng 7 Uhr. Mittelpreise. Die Oper und das Schauspiel haben Ferien.

um den Doppelfknopf zu bilden. Diese Doppelknöpfe können wohl nur als Zierrathen von ledernen Sachen, so z. B. an Schwert-, Schild- oder Messergehängen (reiauörec) gebrauht worden sein. Jch fand dort auch 2 goldene durchbohrte Prismen von 3 Millimetern Dicke und 19 Millimetern Länge, sowie ein goldenes Stäbchen von 21 Milli- metern Länge und: 14 bis 2 Millimetern Dicke; es hat an einem Ende ein durdgehendes Loch zum Aufhängen, an dem anderen 6 herum- gehende Einschnitte, welche dem Gegenstand das Ansehen einer Schraube eben; nur mittelst einer Loupe erkennt man, daß es feine wirkliche chraube-ist. --

Noch fand ih dort 2 Stücke Gold, wovon das eine a}, das an- derz 5t Centimeter lang ift; jedes derselben hat 21 Durchbohrungen. __ Derjenige, welcher versucht hatte den Schaß zu retten, hat glück- licherweise die: Geisteêgegenwart gehabt,.die große silberne: Vase mit den beschriebenen Kostbarkeiten aufrecht in die Kiste hinzustellen, so daß nicht: eine Perle herausgefallen und, alles unversehrt geblieben ift. Mein geehrter Freund, der durch - seine Entdeckungen und Schriften vielbekannte Chemiker Landerer in Athen, welcher -alle im Schab ent- haltenen fupfernen Gegenstände aufs genaueste untersucht und Bruch- stücke davon analyfirt hat, findet, daß alle, ohne jegliche Beimischung von Zinn oder Zink, aus reinem Kupfer bestehen, welches, um es haltbarer zu machen, geschmiedet worden ist (o@vpiaro?).

Da ih hoffte; hier weitere Schäßze-zu finden, auch wünschte die trojanishe Göttermauer bis zum Skäaishen Thor ans Licht zu bringen, jo habe-ih die theilweise auf derjelben lastende obere Mauer auf eine Strecke von 174 Metern ganz weggebrochen. Die Besucher der Troade erkennen; diejelbe..aber noch, dem Skäischen Thor gegen- Über, in der nordwestlihen Erdwand. Auch habe ich noch den unge- heuren Erdkloß-weggebrochen, welcher meinen westlichen und nordweft- lichen Einschnitt vom großen Thucm trennte, mußte aber zu diesem Zweck eincs meiner Häuser wegbrechen, _ auch. zur . leichteren Fortschaf- jung des Schuttes das Skäishe Thor überbrücken. Das Rejultat diejer neuen Ausgrabung--ist - für „die Wissenschaft sehr lohnend gewesen, denn ich habe mehrere Wände, auch ein 6 Meter langes uad breites Zimmer - des Königlichen - Hauses aufdeckcn können, auf welchem feine Bauten aus späterer Zeit lasten. Unter den dort gefundenen Gegenständen hebe ich. uur hervor: eine auf einem viereckigen, oben mit 2 nit durchgehenden Löchern und einem herum- gehenden Einschuitt versehenen Stück rothen Schiefers befindliche, aus- gezeichnet eingravirte Inschrift, von -der aber weder mein gelehrter Freund Herr Emile Burnouf noch i selbst zu sagen vermag, welcher Sprache sie angehört ; ferner einige interesfante Texracotten, worunter ein Gefäß ganz in Form eiaes modernen Fasses und mit einer Röhre iv. -der Mitte zum Emgießen und Ablaufen der Flüssigkeit. Auch fan- den si auf der trojanischen Ringmauer, # Meter unterhalb der Stelle, wo der Schaß entdeckt ward, 3 silberne Schalen (œeck2a), wovon 2-beimi Abgraben des Schuttes zerschlagen wurden ;. dieselben können jedoch wieder zusammengeseßt werden, daich alle Stücke davon habe. Diese Schalen schei- nen jedenfalls zu dem Schaße gehört zu haben, und wenn derjelbe jonst ganz von unserem Hackeisen unberührt geblieben ift, fo habe ih dies den erwähnten großen kupfernen Geräthen zu verdanfen, welche hervor- standen, so daß ich alles mit dem Messer aus dem harten Schutt herauëschueiden fonnte.

Eine ausführliche Schilderung des Schaßes werde ich_ in dem jeßt bei Herrn F. A. Brockhaus in Leipzig im Druck befindlichen Werk über meine trojanishen Ausgrabungen geben. Der Atlas, wel- cher einen Theil dieier Publikation bilden wird, erhâlt in Folge der noch lbeizufügenden Abbildungen der vielen merkwürdigen Gegenstände des Schatzes eine Vermehrung auf 216 photographische Tafeln.

Dr. Heinrich Scchliemann.

Weltausstellung 1873 inWien.

Wien, 6. August. (W. A. C.) In der Nachmittagsfißung des Patentfongresses vom 4, August und der Vormittagsfißung vom 9, August wurde der erste Punkt der Tagezordnung : Die Fcage, „ob Patentschub oder nicht“ auf das Gründlichste durchgesprochen und end- lich äu!’ zur Abstimmung gebrächt. Für den Patentschuß traten mehrere Professoren, Juristen, Ingenieure, Fabrikanten ein, unter ibnen Autoritäten ersten Ranges-- wie Hamilton Hill aus Amerika, Haseltyre aus England, Professor Klostermann, Ferd. André, Pro- fessor Jannasch, Dr. Rosenthal u. a. m.

Ein Amerikaner, Hr. Warth, beleuchtete die Frage vom rein praftishen, ein östetreihischer Jurist Dr. von Rosas vom firengit thzoretiihen Standpunkte und famen beide zu demselben Schlufse, zu Gunsten des Erfinderrechtes. Auch die Vertreter der andéren Rich- tung, der national:6fonomischen Schule, hatten volle Gelegenheit, ihrer Meinung Ausdruck zu! geben. “Regierungs-Rath Dr. Franz. X. Neu- mann veructheilte den Patentshuß vom. Standpunkte der Freiheit, Fabrifaut Traun aus Hambutg, weil ohnedies der Nußen der Pa- tente regelmäßig niht dem ersten“ Erfinder, fondern dem Patentkäufer zu Gute komme. Ingenieur Görz aus Wien hält den Patents{ubß für eine Art Schußzoll zu Gunsten der Erfinder, welche dadurch jeden Sporn verlieren, auf Verbesserung zu sinnen. Aus den Replifen der Anhänger des Patentshußes wähnen wir Dr. Rosemhal's Ausführung; das Pateat fei durchaus nicht mit Monopolen ¿u vergleichen, es enthalte im Gegentheif eine Beschränkung des Erfinders zu Gunsten Aller. Der Präsident Mr. Wikliäin Siemens verwies auf den Er- folg der in den leßien! Jahren in England zufolge Parlamentsbeschluß eingeleitcten Enquete, selbe sei so entschieden zu Gunften der Patente ausgefallen, daß alle Mitglieder der Enguete, einsließlich der frühe- ren Gegner Armstrong und Macsie, sih einstimmig als Anhänger des Pafkerstshußesefklärt' haben. . E G:

Am 5. August, 2 Uhr NaGmittägs, fand die Abstimmung statt. 74 Anhänget des Patentschußz-s erklärten sih gegen 6 Nationalbfko- nomen für die. motivirten Anträge des Vorbereitungskomites, kombitirt mit einem ebenfalls motivirten Amendement des Hrn. Werner Sie- mens Die Réfelution erklärt im Wesentlichen das Institut des Er- findungsfchußes sowohl durch das moderne Rechtsbewußtscin älier Na- tionen, als auch durch nationalöfonomische Rücksichten vollkommen ge- rechtfertigt, ja geboten. i S

Der Präsidentrath der Jury hat in seiner leßtcn Sißung ein Komite gus 11 Mitgliedern niedergesegt, um die in Bet1eff der Er- theilung von Ehrendiplomen gestellten Anträge der Gruppen zu prüfen. Das Mmité, zu dessen Vorsißenden Hofrath Ritter v. Engerkth® als Derjenige gewählt worden, welcher ‘bei der Wahl des Komites“ die meisten (54) Stimmen erhielt, - hat nun gestern dem Präsidentenrathe, dem 58 Mitglieder beiwohnten, Bericht erstattet. Det Präsidentenraäth hat die vor dem Komite vergelcgien Anträge genehmigt und“dem Komite für die befondèrs mühevdlle Arbeit feinen Dank. votirt. Bédcért wurde, den um die Auestellung hochverdienten Herren Hofräth Rittér v.-Engerth und Carl Hafenguer die ihnen für ihre te@nis{chen Léiftün- gen zugedachten Ehrendiplome nit ertheilen zu Enten, weil diefé*ke!- den Hérren selbst der Jury angehörten. Nächdtm noh dié “Antworten des Fürsten Johann Adolf zu Schwarzenberg und der Familié“Cu- villier auf diè an sie geri{teten Kondolenzschreiben E Vérlesitng ge- braht worden, wurde von dem Generaldirektor “im Namen Sr. Käi- serlihen Hoheit des Ptäsidenten- der Kaiseclichen “Kommission, Erzherzog Rainer, dem Präsidentenrathe, den Berichterstattern; den Mitgliedern der Jury, sowie den- Experten der Dank für *“hreau’- opferungsvolle Thätigkeit ‘auttgesprochen und die Berathungèn ‘der Jury für geshlossen erflärt. Auf Antrag des - belgischen Jury-Mitgliedes, Hrn. Dallemague, wurde ‘hierauf dem Generaldirektor für die mühe- volle Förderung der Jury-Arbeiten und auf Antrag des Herrn Dum- ber dem Vize - Prösidenten, Baron Heekern, für die umsichtige

Leitung der Berathungen der Dank der Versammlung votirt.