1920 / 235 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Böse, Gustav Brandhoff, Ernst Brumhard, Dr. Sally Seen, Dr. Oito Elias, Ss Frielinghaus, Dr. Hans

otts<alt, Dr. Siegfried Hdffmann, Dr. Wilhelm Kuhl- mann, Dr. Eugen Noa>, Dr. Friedrih Platte, Hugo Reinid>e, Ernst Rodewald, Julius Sondheim, Dr. Walter Wagenknecht und Dr. Max Weber in Dortmund, Dr. Robert Brandis, Bernard Froning, Dr. Alfred Michaelis, Dr. Adolf Papentin, Dr. Wilhelm Schneider und Franz Schulte in Hamm, Karl Lohmann in Minden und Adolf Herdie>erhoff in Unna.

_JIn der Liste der Rechtsanwälte sind gelösht die Rechtsanwälte: Justizrat von Hülsen und Dr. Salli Hirsch bei dem Kammergericht, Eberlein bei dem Ober- landesgeriht in Hamm, Justizrat Fenner und Dr. aw Bauer bei den Landgerichten I, Il und I in Berlin, Oer Zusgrat Nausnißt und Dr. Werner Schröder bei dem Landgericht L A Berlin, Achternbo sch bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Crefeld, Dr. Gruner bei dem Amtsgericht und den Landgericht in Wiesbaden, Dr. Sandheim bei dem Amtsgericht in Zehden, Justizrat Paul Richter bei dem Amtsgericht in Myslowiß, Freymuth bei dem Amtsgericht in Neustadt a. Rbge. und Pfannstiel bei dem Amtsgericht in Steinbach-Hallenberg.

Mit der Löschung des Justizrats Fenner in Berlin sowie der Rechtsanwälte Dr. Sandheim in Zehden und Pfann- stiel in Steinbach-Hallenberg in der Liste der Rechtsanwälte ist auch ihr Amt als Notar erloschen.

Jn die Liste der Recht3anwälte sind eingetragen die Notare: Justizrat Bruno Wolff in Berlin bei dem Land- geriht T in Berlin und Justizrat Graf ‘aus Godesberg bei dem Amtsgeriht in Rheinbach, die Rechtsanwälte: Nehab aus Posen bei dem Landgericht in Frankfurt a. D., Justizrat Paul Richter aus Myslowiz hei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Breslau, Dr, Lemke aus Berlin bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Görliß, Freymuth aus Neustadt a. Rbge., bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Hannover, Justizrat Fahle aus Posen bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Stargard i. Pomm., Dr. Orlipski, bisher bei dem Landgerichte TIT in Berlin, aud bei dem Amtsgericht in Charlottenburg, Justizrat Sander, bisher bei dem Landgericht in Hildesheim, auch bei dem Amtsgericht daselbst, Dr. Nadwans ki aus PVleß bei dem Amtsgericht in Hindenburg i. O. Schl., der Amtsrichter Paul Salomon bet dem Landgericht T in Berlin, die Gerichts- assessoren: Dr. Gellner und Dr. Luckow bei dem Land- gericht T in Berlin, Weigang bei dem Amisgericht und dem Landgericht in Görliß, Dr. Jopke bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Neisse, Löffelmann bei dem Amtsgericht in Duisbura-Ruhrort und dem Landgericht in Duisburg, Martin ‘Richter bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Erfurt, Bernheim bei dem Amtsgericht und dem Land- gericht in Stolp, Brzezinski bei dem Amtsgericht in Lögzen, die früheren Gerichtsaise}soren: Warburg bei dem Landgericht in Nordhausen, Dr. Kirchner bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Düsseldorf und Herbert Liman bei dem Amts- geri<ht und dem Landgericht in Halle a. S.

Zu Gerichisafssessoren sind ernannt die Referendare:

Dröscher, Ce, E ce, Dr. Pehe, Dr. Hoche, Dr. Alwin Conrad im Bezirke des Kammergerichts, Dr. Masius, Dr. Friy Goldschmidt, Paul Kühn, Roll im Bezirke des Oberlandesgerichts zu Breslau, Eschstruth im Bezirke des Oberlandesgerihts zu Cassel, Hermann Wilhelm, Söhl, Hans Schneider im Bezirke des Oberlandesgerichts zu Celle, Dr. Frankenba ch im Bezirke des Oberlandesgerichts zu Frankfurt a. M., Reberfeldt, Dr. Wilhelm Meyer im Bezirke des Ober- landbesgeri<his zu Hamm, Adolph, Dr. Friedrih Käkell, Brink, Stahl, Dr. Behne im Bezirke des Oberlandes- gerihts zu Kiel, Dr. Kukulka im Bezirke des Oberlandes- gerichts zu Köln, Lüdecke und Dr. Kurt Heine im Bezirke des Oberlandesgerichts zu Naumburg a. S.

Aus dem Justizdienste find geschieden die Gerichtsassessoren : Dr. von Hagenow und Dr. Wachs mann infolge ihrer Er- nennung zu Regierungsräten im Reichsfinanzministerium, Dr. Dienstmann infolge seiner Uebernahme in den Dienst des Auswärtigen Amts als Legationssekretär, Dr. Karl Schneider infolge seiner Ernennung zum Postrat, Dr. von Schiller infolge seiner Uebernahme zum Zentralnachweiseamt für Kriegerverluste und Kriegergräber unter Ernennung zum Negierungsrat.

Den Gerichtsa\sessoren Bacher, Heinrih Christian Cavo CaScorbi Karl Fasvender, Hauer, Karl Kirsten, Dr. Georg Klein, ter Dr. Kobral, Paul Qrause, Josef Krebs, Landauer, Maeëdge, Dr. Dden- breit, Hans Schmiß, Paul Stange, Leo Warnecke und Dr. Wohlenberg ist die nahgesuhte Entlassung aus dem Justizdienst erteilt.

Minisierium dex öffentlichen Arbetten.

Uls Regierungs- und Bauräte sind planmäßig angestellt: die Negierungsbagumeister des Wafier- und Straßenbaufachs Rudolf Schmidt beim Wasserbauamte Il in Berün und Vollmer in der WaFßerbauabteilung des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten.

In den einstweiligen Ruhestand ist verseßt: der Negierungs- und Baurat Numland in Kurzebra>.

Winisterium für Volkswohlfahrt.

Die Tetanus-Sera nit den Kontrollnummern 736 bis | 799 einschließli, geschrieben: „Siebenhundertjechsunddreißig |

bis Siebenhundertneunundneunzig““, aus den Behringwerken in Marburg, 135 bis 163 einschließlih, geschrieben: „Einhundert- fünfunddreißig bis Einhundertdreiundsechzig“ sowie die Aus- landstetanus-Sera A bis M aus dem Sächsischen Serumwerk in Dresden, 1163 bis 1323 einschließlich, geschrieben: „Ein- tausendeinbundertdreiundsechzia bis Eintausenddreihunderidrei- undzwanzig“, aus den Höchster Farbwerken sind wegen Ablaufs der staatlichen Gewährungsdauer vom 15. Oktober d. J. ab zur Einziehung bestimmt.

Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volk83bildung.

Die Preußische Staatsregierung hat den Regierungsrat im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Frmer, den Kon!istortalrat beim Konsistorium in Hannover Stalmann, den ordentlichen Professor in der philosophischen Fakuliät der Universität in Greifswald Dr. Richler zu Ministerialräten sowie

den RNegierungsassesor Dr. Schweckendie> zum Re- gierungsrat im Ministerium für Wissenschaft , Kunst und Nolfshildung ernannt.

Der Studienrat Peters am Gymnasium in Kattowitz is namens der Preußischen Slnglhregaans zum Studiendirektor ernannt worden; ihm ist die Direktion des Progymnasiums in Kosel O. S. übertragen worden.

Evangelischer Oberkirchenrat.

Der in die Pfarr- und Ephoralstelle in Salza berufene Pfarrer Klaer, visher in Magdeburg, ist zum Super- intendenten ernannt worden; ihm is das Ephoralamt der Diözese Salza übertragen worden.

Bekanntmachung.

Auf Grund des $ 2 der Bekanntmachung des Kohlen- verbandes Groß Berlin vom 3. Mai 1919, J.-Nr. L 2835/19, wird hiermit unter Aufhebung der Bekanntmachung der Kohlen- stelle Groß Berlin vom 14. Mai 1920, J.-Nr. L 964/20, der Betrieb der Sammelheizungen vom 16. Oîtober 1920 ab gestattet. :

Berlin, den 15. Oktober 1920.

Kohlenstelle Groß Berlin. J. V.: Münkel.

BekranntmaGutng

Dem Obst- und Gemüsehändler August Frank, geboren am 29. August 1884 in Edelfingen, O.-A. Mergentheim, wohnhaft in Frankfurt a. M., Kronprinzenstraße 13, Geschäfts- [okal ebenda, habe ih vom 15. Dftober 1920 ab den Handel mit Gegenständen des täglihen Bedarfs, insbesondere Nahrxrungs- und Futtermitteln aller Art, ferner rohen Natuverzeugnissen, ODeiz- UnD Leuchtstoffen wieder gestattet.

Frankfurt a. M., den 12, Oktober 1920.

Der Polizeipräsident. I. A.: Dr. Auerbach.

Bekanntmachung.

Der gegen die Eheleute Robert Ohbler, Köln, Gladbacher Straße 15, am 1. März 1919 auf Grund der Bundes- ratsverordnung vom 23. September 1915, betr. Fernhaltung unzu- verlässiger Personen vom Handel, ergangene Bes<lußaufUnter- sagung des Handels mit Nahrungsmitteln jeg- liher Art, namentlich mit Gemüse, Dbst und Süd= Uten, wb aufge hoben. Die Kosten dieser Veröffent- lihung haben die Cheleute Obler zu tragen.

Köln, den 29, September 1920, Der Oberbürgermeister. Dr, Bilk stein.

Ein a aae

Bekanntmachuna.

_Auf Grund der Bekanntmachung zur Fernbaltung unzuverlässiger Personen vom Handel vom 23. September 1915 (RGBl. S. 603) habe ih dem Spetsewirt Ludwig Dewitz, Berlin, Steinstraße 12, dur< Verfügung vom heutigen Tage den Handel mit Gegenständen des täglichen Bedarfs wegen Un- zuverlässigkeit in bezug auf diesen Handelsbetrieb untersagt.

Berlin O, 27, den d. Oktober 1920.

Der Polizeipräsident. Abtsilung W. I. V. : Heyl.

Bekanntmachung.

Auf Grund der Bekanntmachung zur Fernhaltung unzuverklässiger Personen vom Handel vom 23, September 1915 (RGBIl. 603) babe ih der Frau Hedwig Gras, geb, Wein, Berlin- Schöneberg, Eisenacher Straße 107, dur< Verfügung vom beutigen Tage den Handel mit Gegenständen des täg- lihen Bedarfs wegen Unzuverlässigkeit in bezug auf diesen Handelsbetrieb untersagt.

Berlin 0. 27, den 6. Dktober 1920. :

Der Polizeipräsident. Abteilung W. J. V.: Heyl.

BoranntmaGuUn&

Dem Viehhändler Willi Shulze-Neudamm is auf Grund des $ 1 der Bundesratsverordnung zur Fernhaltung unzuverlässiger Personen vom Handel vom 23. September 1915 (RGBLl. S. 603 ff.) Der Handel mit Bieh wis über- haupt mit Gegensiänden des täglihen Bedarfs mit sofortiger Wirkung untersagt worden.

Königsberg Nm., den 6. Oktober 1920. Der komm. Landrat. Fiehn.

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BekanntmaGung

Auf Grund der Bundesratsverordnung vom 23. September 1915, betreffend die Fernhaltung unzuverlässiger Personen vom Handel (NRGBl. S. 603) und der dazu ergangenen Ausführungs- bestimmungen vom 27, September 1915 wird der Händlerin Stau Philip QUhn in Kirn dex Handel mit Gemüse, Kavtofseln, Obst, Etern, Wild, Ge- flügel, Nüunlalvüben, Stecurüben U Pserde- möhren wegen Unzuverlässigkeit untersagt. Gleichzeitig wird ihr der auf Grund der Verordnung über den Handel mit Lebens- und Futtermitteln und zur Bekämpfung des Kettenhandels vom 24, Funi 1916 (RGBl. S. 581) von mir ausgestellte Er - laubnisshein zum Großhandel mit den vorgenannten Gegenständen entzogen.

Kreuznach, den 7. Oktober 1920.

Der. k. Landrat. Müser

(Fortseßung des Amtlichen in der Ersten Beilage.)

Nichtamtliches.

Deutsches Reich.

In der am 14. Oktober 1920 unter dem Vorsiß des Neichsministers des Jnnern Koh abgehaltenen Vollsizung des Reichsrats wurde den folgenden Entwürfen die Zu- timmung erteilt: 1. dem Entwurf eines Geseßes, betreffend ie Verlängerung der Kündigungsbeschränkung zugunsten Schwer- beschädigter, 2. dem Entwurf einer Verordnung über während des Betriehsjahres 1920/21 zuzulassende Abweichungen vom Geses über das Branntweinmonopol, 3. dem Entwurf eines Geseßes, betreffend die Feststellung des RNeichghaushalts für das Rechnungsjahr 1920. j

und Rechnungswesen und für innere Verwaltung hielten heute

| eine Sißung.

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Die vereinigten Ausschüsse des Reichsrats für Haushalk®

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Von polnischer Seite ist ein Weißbuch „Violations du traité de paix par les Allemands en Haute- Silésis“ zusammengestellt worden, dos den Beweis zu er- bringen versucht, Deutschland habe sich in Oberschlesien der Verleßung des Friedensvertrags s{uldig gemacht. Dieses Weißbuch soll seinerzeit in Spaa von der polnischen Dele- gation den alliierten und assoziierten Mächten überreicht worden und kürzlih auch der alliierten und neutralen Presse zugeleitet worden fein.

_ Die deutsche Regierung, der amtlich das Weiß nicht zugestellt worden ijt, hat sh ein Exemplar beschaffen müssen. Das Ergebnis dér von der deutschen Regierung sofort sorgfältig vorgenommenen Prüfung der polnischen Beweisstücke liegt nunmehr in einer von dem Auswärtigen Amt veröffent- lichten Denkschrift „Der wahre Wert des polnischen Weißbuches“ vor. Wie „Wolffs Telegraphenbüro“ mitteilt, sind danach von den veröffentlichten 47 Dokumenten 27, also der größte Teil, gefälsht. Von den übrigen 20 Dokumenten ind 6 polnishe Agentenberichte und Zeitungsmeldungen ohne jede Beweiskraft, 6 unkontrollierbare Privatschreiben oder Schreiben ohne irgendwelhe Bedeutung und lediglich 8 cht, diese aber zum Teil noch entstellt. Diese 8 Dokumente beweisen aber nicht, was das polnische Weißbuch beweisen will, nämlich das angebliche Vorhandenhein geheimer deutscher Kampf- organisationen in Oberschlesien und der ihnen von den Polen zuge- schriebenen Absicht, sih mit Gewalt und sogar mit Unterstüßung der deutschen Behörden in den Besiß des Abstimmungsgebiets zu seßen. Wie sich aus der Einzeldarstellung der amtlichen Denk- \crift ergibt, sind auch diese Dokumente einwandfrei und stellen zum Teil die loyale Haltung der deutschen Regierung ausdrüclih fest. Der polnische Versuch, mit Hilfe gefälshter oder nicht stihhaltiger Dokumente Deutschland die Absicht der Verleßung des Friedensvertrages zu unterstellen und es damit in den Augen der Welt ins Unrecht zu seßen, wird durch die deutsche Entgegnung vereitelt. Deutscherseits wird demnächst auf Grund besserer Beweismittel der Nachweis geführt werden, daß die Absicht gewaltsamer Aktionen in Oberschlesien nit bei der deutschen Regierung, wohl aber auf polnischer Seite bestanden hat und besteht.

Bei der Reise, die der Reichswirtschaftsminister Dr. Scholz vor einigen Tagen nah Süddeutschland unternahm, hatte er Gelegenheit, in München, Stuttgart und Karlsruhe in einer Aussprache mit den Regierungen der Länder und den Ver- tretern von Handel, Jndustrie und Handwerk eine Reihe wirt- \chaftlih bedeutender Fragen zu erörtern, Wie „Wolffs Telegraphenbüro“ mitteilt, traten fast überall die gleichen Fragen, die gleihen Wünsche und Beshwerden- hervor. Es waren dies hauptsächlich die Frage der Sozialisierung, die Frage der besseren Kohlenbelieferung der Länder und weiter die Fragen auf dem Gebiet der Dividendenpolitik der Unternehmungen, der Einteilung des Deutschen Reichs in Wirtschaftsprovinzen und die Frage der Förderung der Produktivität. Was die Steigerung der Produktion an- langt, so forderte man unter anderem die Erteilung öffentlicher Aufträge, gedachte insbesondere der Ausführung von Kanal- bauten und Ausnußzung der Wasserkräfte und verlangte mit besonderem Nachdru> die Beteiligung der süddeutschen Staaten bei der Herstellung öffentlicher Bauten und dergleichen mehr. In diesem Zusammenhang wurde die Frage der Siedlung erörtert, besonders des Wohnungsbaues für Arbeiter; ferner auh die Frage des wirtschaftlichen Ganz allgemein wünschte man einen Abbau der Kriegs- gesellschaften, ferner eine Verminderung der behördlichen Verwaltungskörper zu Zwecken der Ersparnis. Zur Erör- terung gelangten no<h folgende Fragen: Aufhebung der Zwangsbewirtshaftung, Kapitalbeschaffung auf ge- meinwirtshaftliher Grundlage, die Kontrolle der Preisgestaltung, Bekämpfung des Schleichhandels und des Wuchers, und endlich verlangte man eine größere Freiheit in der Handhabung der Aus- und Einfuhrkontrolle. Auch das Fehlen von Handelsverträgen mit den meisten Aus- landsstaaten wurde betont. Es wurde hervorgehoben, daß ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten zwischen Reich und Ländern gefördert werden könnte, wenn man die Durchführung der vom Reich angeordneten Gesamidirektiven in vielen wirtschaftlichen Fragen den Ländern oder den etwa zu bildenden Wirtschafts- provinzen überließe.

Diese gesamten Besprehungen trugen wesentli<h dazu bei, das allseitige Verständnis in wirtschaftlichen Fragen zu stärken. Es herrschte darin Uebereinstimmung, daß ein Mittel zur Wahrung ceinheitliher Wirtschaftspolitik zwischen Reih und Ländern u. a. auch in einem öfteren periodishen Zusammen- fommen der Wirtschaftsminister aus Reich und Ländern ge- geben sei.

Vom Neichsarbeitsministeruum wird mit Rücksicht auf wiederholte Anfragen no<mals empfohlen, die Wahlen der Beisißer zu den Gewerbe- und Kaufmannsgerichten, soweit sie noh nicht stattgefunden haben, bis nah Erlaß der binnen kurzem zu erwartenden Abänderungsverordnung zum Gewerbegerichtsgeses und zum Geseß, betreffend Kaufmanns- gerichte, hinauszuschieben. Jn der Verordnung wird auch die E der bisherigen Beisizer entsprechend verlängert werden.

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Der sozialdemokratishe Parteitag in Caffel he- chä tigte sich gestern mit der Revision des Parttei- prozramms und nahm hiesigen Blättern zufolge einen Antrag auf Einsezung einer Kommission an, die bis Ende Juni 1921 einen neuen Nrogrammentwurf ausarbeiten soll; ferner ‘olgende Richtlinien für die Agrarpolitik: Sozialisierung des landwirtschaftlichhen Betriebes, Siedlung na sozialistischen Grundsäßen, Ausbau des ländlihen Fachschul» wesens, Verbesserung des Verkehrswesens, Versorgung mit Licht und Kraft, Grundstü>ksumlegung, Verstaatlihung der größeren Forsien und Unterstellung aller Wälder unter Staatsaufsicht, Ausschaltung des Zwischenhandels mit Lebensmitteln durch Verbindung der” landwirtschaftlihen Genossenschaften mit den Konsumgenossenschaften, genossenschaftlicher Zusammenschluß der Betriebe, Ausbau der Sozialversiherung für Kleinbauern und Landarbeiter, Verbesserung “der Landarbetiterwohnungen, Förderung des Bildungswesens, Abwehr jeder Aus- nahmebestimmungen für die Landarbeiter , Gleich- stellung der Landarbeiter in den Betriebsräten usw. Als Aftion53programm der Partei für die auswärtige Politik wurden folgende Punkte genehmigt: 1. Die Revi- sion des Versailler Friedensvertrags nah sozialisti- schen Gesichtspunkten, wie sie von der Zweiten Internationale festgelegt wurden. 2. Die sofortige Jnangriffnahme und Durchführung der Wiedergutmachun in Gestalt des Wiederaufbaues der „zerstörten Gebiete

Dienstjahres:

Nordfrankreihs möglihst dur< Zusammenarbeit der Arbeiterorganisationen beider Länder. 3. Schaffung eines internationalen proletaris<hen Aktionsaus\s<usses für die auswärtige Politik der Arbeiterklasse dur die zweite Internationale. 4. Sofortige Wiederaufnahme der poli- tischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Rußland. Jm weiteren Verlauf der Sißung wurde die Wohnungs- frage beraten. In den aufgestellten Richtlinien heißt es u. a: Die Wohnungsfrage ist privatwirtshaftlich nicht

mehr zu lösen. Das einzige Mittel zur wirklihen Ab- hilfe ist die Ueberführung der vorhandenen Mietswohnungen in die Verwaltung und in das Eigentum von Selbstverwaltungs- förvern des öffentlihen Rechts, deren Aufgaben u. a. sind: Wohnungsneubau, Wohnungsverwaltung, Unterhaltung und Sanierung. Ferner werden verlangt: Ein Reichswohnungs- geseß, ein Reichswohnungsamt, Verstaatlichung der Hypotheken- banken und Ablehnung des Mietssteuerentwurfs des Reichs- arbeitsministers.

Der Ueberwahungsaus\<uß für die Einfuhr von Shlachtvieh, Fleisch, Fleishwaren und Schmalz gibt bekannt:

Die Aufhebung der Zwangswirtshaft in Vieh und Fleis ist erfolgt und schon werden Klagen über Preissteigerungen laut. Ohne Zweifel hat si ein starkes Anziehen der Preise auf dem Vieh- und Fleis<markt bemerkbar gemacht, hierfür ist jedo, soweit ih übersehen läßt, nicht der legitime Handel verantwortlih zu maden. Wenn die heute in den Läden geforderten Preise nit denen entspre<en, welche für das bisher rationiert verau8gabte Fleisch bezahlt wurden, so liegt dies daran, daß diese Mengen infolge der bedeutenden Verbilligungszuscüsse des Reichs zu Preisen abgegeben worden find, die bei Auslandsfleis<h oft nit einmal die Hälfte des wirklihen Ein- taufspreises betrugen. Eine weitere Verteuerung für das Auslands- fleish wird außerdem dur den starken Rückgang unserer Valuta be- dingt. Wenn man bedenkt, daß vor vier Wochen der Kursstand des Dollars fb noch auf 46 4 belief, inzwischen jedo<h auf 68 4 ge- stiegen ist, so bedingt dies allein eine Preisdifferenz von 90 %o. Ab- gesehen aber von allen diesen Umständen, hat die erste Woche der freien Wirtschaft {hon gezeigt, daß von gewissenlosen Elementen Yreise sowohl gefordert wie auh geboten werden, die dem wirklichen Werte der Ware und dem Gestehungspreise nicht entsprechen, für die der Handel in seiner Gesammtheit aber niht verantwortli<h gemacht werden kann. -

Der UeberwaGßung8aus\{uß für FleisHeinfuhr Hält es daher für seine Pflicht, die Preisentwiklung nicht nur der Ein-, sondern auch der Verkaufspreise genau zu beoba<ten und jeglihen Auswücbsen energish entgegenzutreten, Er beabsichtigt deshalb zur Auf- flärung der Verbraußer in bestimmten Zeiträumen Ri<t- linien für eine gere<te Preisbildung heraus- zugeben, Es is ferner beabsichligt, mit den Preis- prüfungsstellen und Wucßerämtern engste Fühlung zu halten und diesen regelmäßige Statistiken überdie Cinkaufspreise der mit Bewilligung des Üeberwachungsauss{usses zur Einfuhr ge- langten Waren zu übersenden. Sollte fi dabei herausstellen, daß die Mare zu Wudcherpreisen verausgabt wird, oder von dem Antragsteller ni&t auf dem kürzesten Wege, d. h. unter Ausschaltung jeglichen Kettenhandels zur Ausgabe an die Verbraucher gelangt, so wird der Ueberwachungsaus\<huß seinerseits den in Frage kommenden Firmen weitere Einfuhrgeneßmigungen ni<t mehr erteilen.

AATHANIAFIN

m Handel sind vielfah no< tabaksteuerpflicht ige Erzeugnisse vorhanden, die niht mit den erforderlichen Steuerzeichen versehen find. Nachdem die durch die nicht rechtzeitige Herstellung der Steuerzeichen anfangs vorhandenen Schwierigkeiten nunmehr beseitigt sind, wird darauf hingewiesen, daß vom 1. Dezember 1920 ab alle Tabakerzeugnisse in Verkaufss\tätten, die niht mit den erforderlichen Steuerzeichen versehen sind, bes<hlagnahmt werden und die Besißer folcher Maren außerdem strenge Bestrafung zu gewärtigen haben. Die Steuerstellen sind angewiesen, die fehlenden Steuerzeihen zu verabfolgen,

Bayern.

In der gestrigen Sißung des Staatshaushaltaus- schusses erklärte auf eine Anfrage, betreffend die Reihs- gesandtshaft in München, der Ministerpräsident von Kahr laut Bericht des „Wolffschen Telegraphenbüros“ unter anderem:

Nath den Beschlüssen der Reichsratsausshüsse sind im Neicbs- bausbalt die Mittel für die Beschaffung einer Vertretung der Reichsregierung bei Bayern eingeseßt worden, Der Vertreter der Reichsregierung wird ein Gesandter mit Nebenpersonal sein, und es wird eine Vertretung der Reichsregierung, niht eines einzelnen Reichsressorts sein. Die Stelle wird mit einem Vertreter aus dem divlomatisGen Dienst beseßt werden. Es handelt sich natürli nit um cine Gesandtschaft, wie sie das Neich bei aus- ländishen Staaten unterbält, sondern um eine Einrichtung zur Pflege der Beziehungen zwishen Bavern und dem Reich, Nach der Er- rihtung der neuen Vertretung des Neichs in München wird die baverisde Gesandtschaft in Berlin in eine Vertretung Bayerns bei der Neicsregierung umgewandelt werden. Sie wird künftig wie bisher unsere Vertretung bei Preußen bilden. Es ist das keine Organi- sationsänderung, denn das Personal, die Aufgaben und die Ausgaben bleiben die gleichen, nur tritt als Aufgahe die Erledigung der Geschäfte mit dem Reich in den Vordergrund, während bisher die Vertretung bei Preußen ihr den Namen gab. Preußen wird feine Vertretung bei Bayern aufre<{terhalten. Sachsen wird durch einen Geschäftsträger in München vertreten sein; die württembergishe Ge- sandtschaft bleibt unverändert bestehen. Die Gefahr einer Kollision wisdhen der * Bestellung eines Reichsgesandten in Nom und eines Bibeci Sen Gesandten beim Vatikan ist in keiner Weise zu befürchten.

Hierauf wurden die Mittel für die bayerische Gesandtschaft in Berlin und Rom, leßtere gegen die Stimmen der Sozial- demokraten, angenommen. Jm weiteren Verlauf der Sißzung wiesen die Abgg. Segiß (Soz.) und Held (Bayer. Vpt.) auf die entseßliche Lage der in Rußland internierten bayerishen Staatsangehörigen hin und der Abg. Dr. Hammerschmidt (Dem.) fragte weiter nah dem Schicksal der no< in Rußland befindlichen deutschen Kriegsgefangenen.

Der Ministerpräsident von Kahr {loß si< dem tiefen Be- vauem der Redner über das Schiksal der Volksgenossen an und bemerkte, daß das Ministerium keine Gelegenheit versäumt habe, das Ausland auf diese traurigen Dinge binzuweisen und dringend um Hilfe zu bitten. An Bemühungen des Auswärtigen Amtes habe es aiht gefehlt. Bezüglih des Vestes der deuts<en Gefangenen in Franfreich bestehe die Hoffnung, daß fie no< vor Wintersanbruh zurü>kehren würden.

Der Etat des Ministeriums des Aeußern wurde hierauf genehmigt. Ein Nachtragsetat fordert die Mittel für die Er- rihtung einer Pressestelle beim Ministerium Des Aeußern an. Da der Vorsizende die Erklärung der Sozial- demokraten, daß fie nur unter dem Vorbehalt der Vorlage des Organisatiousplans und der vorhewzigen Mitteilung der Ne gierung über die Persönlichkeiten der in der Pressestelle an- zustellenden Kräfte zustinimen könnten, als geshäftsordnungs- mäßig unzulässig erklärte, stimmten die Sozialdemokraten gegen die Vorlage, die mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien

Annahme fand.

Bremet.

Der Bremer Reederverein hat an die zuständigen Neichsbehörden ein Telegramm gerichtet, welches entschieden gegen das von der Entente beabsichtigte Verbot des Baues inellaufender Dieselmotoren in Deutschland und die Zer- stórung der im Bau befindlichen, insbesondere auch der in Augsburg und Nurnberg für im Vau be- findlihe Frachtschiffe bestinimten Dieselmotoren, den schärfsten Protest erhebt. Befonders wird betont, daß die frag- lihen Motoren na< ihren Abmessungen unter keinen Umsiänden für Unterseebootszwe>e Verwendung finden könnten. Der angefangene Wiederaufbau der Handelsflotte würde in unerträgliher Weise verlanasamt, wenn nicht in Frage gestellt, und damit Nachteile heraufbeshworen werden, die fi in ihren Auswirkungen für das gesamte Deutsche Neich aufs \{werste fühlbar machen würden. Der Bremer Reederverein bemerkt \chließlih, daß die beabsichtigte Maßnahme der Entente in Widerspru<h zu dem klaren Wortlaut des Artikels 189 des Versailler Vertrags he.

Oesterreich.

Die Botschafterkonferenz in Paris hat eine gleiïch- lautende Note an die in Paris beglaubigten Gefandten Oesterreihs und Südslawiens gerichtet, in der dem „Wiener Telegravphenbüro“ zufolge ausgeführt wird, daß laut Informationen zu befürhten sei, daß eine gewalt- same Verhinderung der Beschlüsse der inter- nationalen Plebiszitkommission nah dem Bekannt- werden des Vlebiszitergebnisses in Kärnten vor- bereitet werde. Ohne den Eintritt solher Ereignisse abzuwarten, verweist die Botschafterkonferenz auf die s<weren Ver- wi>lungen, die jeder Versuch, die vertraglichen Befugnisse der Mächte und der internationalen Plebiszitkommission zu verhindern, herbeiführen müßte. Die Mächte lehnen es ab, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, und müssen sich n it solchen Falle die Freiheit ihrer Handlungen , vor- ehalten.

Die „Wiener Allgemeine Zeitung“ erfährt, daß der \üd- \lawishe Minister des Auswärtigen Trumbitsh in Be- antwortung des österreichishen Protestes gegen den Einmarsch der südslawishen Truppen in Kärnten vit habe, daß die südslawishe Regierung bereits die Räumung der Zone A angeordnet habe. Sollten die südslawischen Truppen den Gehorsam verweigern und die Zone A beseßt halten, werden, wie das Blatt weiter erfährt, die bei Villah kon- zentrierten italienishen Truppen sofort eingreifen.

Blättermeldungen aus Klagenfurt zufolge hat der süd- slawishe Vertreter bei der interalliierten Vlebiszitkommission Fovanovic wegen des Einmarsches südslawischer Truppen în die Kärntner Abstimmungsgebiete sein Abschieds gesu< eingereiht.

Der Staatssekretär Dr. Renner erklärte in einer Ver- sammlung bezüglih des Abstimmungsergebnisses in Kärnten:

Die Südslawen verlieren durG das Plebiszit 30 000 Staats- angebörige an uns. Wir haben durch das Plebiszit alle Deutschen aus dem Marburger und dem Cilligebiet sowie die Deutschen in der Gottschee verloren. Die Bilanz {ließt in öfonomisKer Beziehung mit einem gewaltigen Vorteil der Südslawen. Der Redner glaubt, daß sich die südslawishe Oeffentlichkeit leihter mit der Volksabstim- mung werde abfinden können, als Desterreich mit dem Zwangsdiktat von St. Germain. Wenn die Grenze gegen den Süden endli ge-

reinigt sein werde, so seien alle RNeibungsflächen mit Südslawien ver- |

\<wunden. Großbritannien und Frland,

Laut Meldung des „Reutershen Büros“ erklärt sich die Sowjetregierung in ihrer Antwort auf LIoyD Curzons Note fis bereit, den Austausch der Gefangenen und die Heimschaffung der britischen Untertanen aus Rußland sofort in Angriff zu nehmen, und teilt mit, daß sie ihren Ver- treter in Tiflis beauftragt habe, si<h mit der Frage der in Batum befindlihen Gefangenen zu befassen. Die Note stellt teinerlei Bet:ngungen; sie gibt der Erwartung Ausdru>, daß die russischen Gefangenen in Aegypten und Konstantinopel frei- gelassen werden.

Die in der nähsten Woche in Brüssel stattfindende Tagung des Völkerbundsrats wird si<h dem „Daily Telegraph“ zufolge au<h mit dem Schuge der Rassen und Religionsminderheiten in Oesterreih und Bulgarien befajjen, außerdem mit den tünftigen Beziehungen zwischen dem Frei- staat Danzig und Polen sowie mit der gemeinsamen Note Dänemarks, Norwegens und Schwedens über die Notwendigkeit der Beschleunigung der Arbeit des Völkerbundes im Zusammen- hang mit den geplanten Rüstungsverminderungen. Oesterreich und Bulgarien seien unter den Mächten, die fd um Aufnahme in den Völkerbund bewerben.

Der Ausführende Ausschuß der irishen Arbeiter- vereinigungen hat die Einladung des Aktionsrats der b ritis<hen Arbe iterpartei, mit ihm am 18. Oktober in London über die Lage in Jrland zu beraten, angenommen.

Frankreich.

Nach einer Havasmeldung entspricht die Behauptung, die Besegung des Abstimmungsgebietes von Klagen- furt dur< südslawishe Truppen sei mit Genehmigung des Botschafterrats und auf Verlangen der französischen Negierung erfolgt, niht den Tatsachen. Der Botschafter- rat habe nie aufgehört, den auf den benachbarten Gebieten von Klagenfurt stationierten Truppen anzuempfehlen, die Volksentscheidung zu respektieren und die Freiheit der Abstimmung nicht zu behindern. Die französische Regierung aat fortgeseht in Belgrad, Wien und Rom sih für die voll- ommenste Ünparteilichkeit verwandt. Sowohl ihre zivilen als auch ihre militärishen Vertreter an Ort und Stelle hätten ihre Jnstru ktionen auf das Genaueste befolgt. Niemals würden sie österreichische, italienische und serbische Truppen in Anspruch genommen. haben, wenn es notwendig gewesen wäre, die Frei- heit der Abstimmung zu gewährleisten oder die Ordnung auf- ret zu erhalten. Dann hätte man damit alliierte Truppen betraut, gemäß dem Abkommen, das zwischen den Vertretern der Mächte in Klagenfurt getroffen worden ist.

Die Jnternationale Donaukonferenz hat be- LNtoIen daß alle Staateu das Recht besitzen än, auf er Donau Kriegsschiffe verkehren zu lassen.

Gestern wurde unter dem Vorsitz des Ministers der öffentlichen Arbeiten Le Trocquer cine vom Völkerbund ein- berufene Konferenz zur Regelung von Paß- und Ho Iragee er öffnet, auf der folgende Staaten vertreten ind: Deutschland, England, Oesterreih, Belgien, Bulgarien, China, Dänemark, Spanien, Frankreich, Griechenland, Ungarn,

Jtalien, Japan, Norwegen, Holland, Polen, Portugal, Rumänien, Südslawien, Schweden, die Schweiz, die Tschecho- Slowakei und Uruguay. Auf der Tagesordnung der Konferenz stehen die Fragen des Durchgangsverktehrs, der Zollformalitäten, der Paßvorshriften, sowie Fragen zur Erleichterung des inter- nationalen Reiseverkehrs. Die Arbeiten dieser Konferenz dauern bis zum 20. Oftober.

Das der Finanzkommission der Kammer vorgestern zugegangene Kriegsbudget für 1921 sicht dem „Wolsfichen Telegraphenbüro“ zufolge ordentliche Ausgaben im Betrage von 3 299 324 000 Franfen und außerordentliche Ausgaben im Be- trage von 2597 986 000 Franken, im ganzen also eine Aus- gabe von 5897 310000 Franken vor. Für das besondere Konto der Besaßungstrupyen ist der Betrag von 635 064 000 Franken ausgeworfen. Für Marokko werden 591 000 600 Franken verlangt. Nah „Ere Nouvelle“ belaufen si die Kosten für die Armee in Syrien und für die Hilfe an Polen und General Wrangel auf rund zwei Milliarden Franken. Die Forderungen des Kriegsbudgets für 1921 überschreiten die des Kriegsbudgets 1920 um eine Milliarde.

Der Kongreß der radikalen Partei Frantreichs hat eine Entschließung angenommen, in der er d gegen die Wiederaufnahme der Beziehungen Frankreis zum Vatikan ausspricht.

Nußkland.

Laut Mitteilung der russischen Regierung ist der See- weg nah Petersburg von Minen befreit. Die Trans3port- chiffe können unmittelbar in Petersburg landen, Bedingung aber sei, daß die Dampfer vorher angemeldet würden, damit sie von russischen Lotsen empfangen und nah Petersburg ge- leitet werden könnten.

Das russische Blatt „Bojevaja Prawda“ meldet, daß die von den Bolschewisten eingesezte außerordentliche Unter- suhungskommission in Sibirien eine weitverzweigie antibolihewistishe Organisation entde>t habe. Jn Verbindung mit dieser Entde>ung seien über 1000 Personen verhaftet worden. Die Verhafteten seien haupt- \ächlih frühere Offiziere der Heere Koltschaks und Semenows. Budjenny, dem man wegen seiner Niederlage gegen die Polen und seiner späteren Obstruktion gegen die Sowjet- regierung das Kommando über seine Kosakenheere genommen habe, sei jeßt damit beschäftigt, den Krieg gegen die Bol- shewisten zu organisieren.

Der Operationsbericht der russishen Sowjet- republik vom 18. ODftober meldet:

Westfront: Im Abs{nitt Molodets<no und Kos- now sind hartnäkige Kämxfe mit we<selndem Erfolge im Gange. AbsHnitt der Stadt Sl uz k kämpfen unsere Truppen um den esiß dieser Stadt. Westlih davon haben wir einige Ortschaften

t und Gefangene gemaht. In den Abschnitten Korol]ten und r itomirx wird der VormarsH unserer Truppen fortgesezt. Im iEnitt Staro-Konstantinow wird bei Nowo-Konstantinow linken Ufer des Buos mit we<selndem Erfolg gekämpft. In ichtung auf Proskurow seßen hartnä>kige Kämpfe westlich inie Ltitschew—Derjashn wieder ein. Im Abschnitt Nowo- ß iza sind Kämpfe mit we<selndem Erfolge im Gange.

Südfront: In den Abschnitten Nik opol, Alexan- drowsk und Ts<haptino sind hartnä>kige Kämpfe mit wecselndem Erfolge im Gange. Im Abschnitt W er><ne— Tokmak haben wir den Feind aus dem Fle>en und der Station Zare-Konstantinow vertrieben.

Nah einem Radiotelegramm aus Sebastopol vom 11. Oktober meldet General Wrangel: :

In der Gegend von Slawgorod sind rote Truppen nordwärts zurüdges<lagen worden. Auf dem re<ten Dnjevprufer werden die Operationen mit Erfolg fortgesezt. Die Kavallerieregimenter 16 bis 21 und ein Teil der 3. Shüßendivision der Sowjettruppen sind ge- \{lagen.

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Ftalien.

Die von Wolffs Telegraphenbüro verbreitete Nachricht von dem Rücktritt des Ministers des Auswärtigen Grafen Sforza beruht auf einem Jrrtum; der Minister ist nah Rom zurückgekehrt (nicht zurückgetreten).

Die Vollversammlung des Kongresses der Ligen zur Förderung des Völkerbundes in Mailand hat Ruffini, Appel, Dikenson und Carton de Wiard zu Präst- denten gewählt. Von den genehmigten Anträgen geht einer dahin, daß in den Unterrichtsanstalten aller Länder, und zwar von den Elementarshulen an bis zu den Hochschulen, die Hauptgrundsäße des Völkerbundes und die Pflichten jedes Staatsbürgers gegenüber dem Völkerbunde vorzutragen seien. Die Völkerbundsliga hat ferner den Entwurf einer Saßung angenommen, die die Aufnahme der bisher feindlichen Staaten vorsieht. Als Sig der Völkerbundsliga wurde Brüssel bestimmt.

Belgien.

Wie „Vingtièzme Siècle“ mitteilt, hat das Ministerium

für auswärtige Angelegenheiten beshlossen, einer ganzen Reihe

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von Botschaften und Gesandtschaften Handelsattachés dei zugeben.

Der französische und der englishe Gesandte sind vorgestern von dem Präsidenten Vilsudski in einer Sonder- audienz empfangen worden und hatten mit ihm eine Be- sprechung. Der Ministerrat beriet vorgestern abend über \hwebende Fragen der auswärtigen Politik.

Wie „Wolffs Telegraphenbüro“ meldet, hat Marschall Pilsudski sein Rü>trittsgesuh als Vräsident der Re- publik Polen eingereiht. Auf dringendes Ersuchen der Re- gierung hat Pil{udski sein Gesu<h nachträglich einstweilen zurückgezogen.

Der polnische Generalstabs3beriht vom 11. DE tober besagt:

Unsere Abteilungen verfolgen den bei Molodets}<n p ge- \<lagenen Feind und besezten Wileika. In den Kämpfen am 13. Oktober machte unsere Reiterei nördlih von Radoskowic 500 Ge. fangene und erbeutete 6 Maschinengewehre. In der Poles je be- seßten wir die Orte Lenino und Turow. An der südlichen Front ist die Lage im allgemeinen unverändert. Es konnten größere Anfammlungen bolschewistisher Kräfte an der Linie des Sluts< von Ljubar bis Miropol festgestellt werden.

Litaguen.

Die Gerüchte, daß die litauishe Regierung u den Kampf gegen die Polen deutsche Truppen anwerbe, und die Gerüchte über Kooperationen zwischen deutschen und litauischen Truppen entbehren der Litauischen Telegraphenagentur zu- folge der Grundlage. :

Der „Berlingske Tidende“ wird aus Kowno gemeldet, daß der General Zeligowski den Vormarsch fortseßt und jezt auf halbem Wege zwishen Wilna und Kowno steht. Diese neue polnische Offensive sei am Mitlwoh Morgen eingeleitet worden. Den ganzen Tag hätten heftige Kämpfe

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