1920 / 267 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Sieinzeit" seßen. Die Oberkasseler undstelle liegt 99 Meter über See auf der Scutthaïde, die unterhalb eines sehr lange Zeit als Steinbruch benußten Bajsalthügels sich findet; da sich an thr kein Löß findet, so ift ibre S als nahlößli, d. h. als Magdalénien darafterijiert. Die Sfelette haben einst eine pietätvolle Bestattung erfahren. Das Grab war durch große Steinplatien geschüßzt. Das männlide Skeleit lag auf dem Rüdten mit dem Kopfe aad, Osten, während der Kopf der Frau auf der Brust des Mannes lag Als- Beigaben fanden sich neben dem Ha fakte,

enfwurf, dem der Rei@ßs8rat zugestimmt Hat, Kaben die Nofkopfa, 4 ogin 08 ein Zebntel hres algabepflißtigen Ve1mögens, mindeste

ein Drittel der abe, bereits im nächsten Jahre in Raten zu entrichten. ur in bestimmt bezeicnetez Fällen wird der zu zahlende bom Finanzamt eft, mäßigt oder ganz- A R E gestundet werden. Di

möge jeder bedenfen, schwankt, ob das Reichsnotopsz alsbald bezahlen soll. G is

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einzuseben. f foll die nu 1 olfks- sammlun r das notleidende Kind dienen. Zu dèr „Deutschen Kinderhilfe“ haben si Mat orgaarlanan aller Nichtungen E um das Liebeswerk an den Kindern einheitlihß zusammen ufassen und auf breitester sozialer Grundlage aufzubauen. Die Reichs- und Landesregierungen begrüßen die Deutshe Kinder- hilfe als das Werk freier Liebestätigkeit und lassen ihr alle Förderung

teil werden. Sie haben bisher auf diesem Gebiete geleistet, was

uns allen zur Di, für Vefe wïHkige unb gro Aufgabe unfer Bestes | E E a E. Erste Beilage \

zum Deutschen Reichsanzeiger und Preußischen Staatsanzeiger

P E S S E E E D T C E

E E T EITTY F Dig ht Ge D a E ZCHEARC S ec E

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j Mes Skelett, die

L ibren Kräften stand. Angesichts der großen Notlage müssen nun l ] Sell aufgerufen werden. Die Frage: öffentliche oder private Hilfe, ist hier nebensäbli%. Ent-- indern von allen Seiten und mit allen Mitteln {nell und tatkräftig geholfen wird. Unser ganzes Vaterland muß hier einmütig zusammenstehen. An Sie

aber alle Kreise unseres Volkes zur Selbsthilfe scheidend ist, daß unseren unglütlihen K

alle, meine Damen und Herren, die Sie zu meiner Freude so_zahl- reih hier ershienen sind, ergeht daher der Ruf: Sie Ffönnen, jeder an feinem Teil, werben Sie in Ihren Kreisen für diese edle Sache: es bandelt sich um unser köstlihstes Gut, um unsere Jugend und Zukunft! A Î Sodann gab Negierunasrat Grieneisen eine Darleguna Über die Organisation und die Dur@&führung der Sammlung für die Deutsche Kinderbilfe, die mit lebhaftem Interesse entaecengenommen wurde. Frau Ethel Hansa von der Staatsoper {loß die Ver- arstaltung mit einem Vortrag àus dem „Troubadour“ und einem Liede von Leo Blech. Die ausgezeihnet durchoeführte Veranstaltung erwette allgemein den lebhaftesten Wunsch, es möge der bevorstehenden Vntecnebmung zur Linderung der Not der deutshen Kinderwelt vollster Erfolg beschieden sein.

GesundHeitsweseu, Tierkrankheiten unnd Absperrungs3- maßregeln.

Nachweisung über den Stand von Viehseuchen in Oesterreich am 10. November 1920.

(Auszug aus den amtlichen Wochenausweisen.) Maul- Un

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z 243 Salzburg 35| 225 Steiermark 92/1133 » Mis 71| 420 Kärnten . 92/1500 es 48! 857

49! 348 25! 137

.. H—H 47] 504 Zusammen Gemeinden (Höfe):

Roß 1 (1), Maul- und Klauenseuche 668 (6678), Räude der Einhuter 125 (205), Schweinepest (Schweineseuche) 67 (144), Notlauf der Schweine 42 (51).

Lungenseuche des Nindviehs, Podkenseuße der Schafe und Be- schälseuhe der Pferde find nicht aufgetreten.

Kunst und Wiffenschaft.

Gestern abend fand auf Einladung des Reichsministers des Innern

im Neichstag ein parlamentariiher Abend statt, bei dem von be- rufenen Seiten die Not der deutschen Wissenschaft dar- elegt werden sollte. Neben dem Herrn Reichspräsidenten waren der Mei%skanzler, fast alle Minister, zahlreiche A er und viele Nertreter der Wissenschaft ershienen. Der Reichsminister des Innern Koch 1tührte die Versammlung in das Problem des Abends ein und schilderte den großen Ernst der Lage, in der \ich die deutshe Wissenschaft befinde. Das deutsche Volk, dessen hochentwickelte Kultur Gefahr laufe, zu wveröden, müsse Veredelungéarbeit treiben, die nur auf der Grundlage wissenshaftliher Erkenntnis geleistet werden könne. Wer der deutschen Wissenschaft helfe, helfe damit auch dem ganzen Volke. Die Tatsache, daß das Neich und weite Kreise in ihm Verständnis für die hoße Bedeutung der Wissenschaft haben, lasse mit Hoffnung auf Gelingen an Maßnahmen zu ihrer Unterstüßung herantreten. Nah dem Neichêminister nahmen Vertreter der Wissenschaft das Wort. Der Generaldirektor der EStaatsbibliothek, Professor D. Dr. von arnack sprach über den inneren Zusammenhang von Wissen- chaft und Kultur. Die Wissenschaft könne nicht von ihrem alten Kapital leben und keine Pause in ihrer Forshung8arbeit machen. Sie beruhe auf einem gewissen Wohlstand und gedeihe nicht in einer Atmosphäre der Armyt. Der Geheime Regierungsrat, Professor Dr. Haber legte d Fortschritte dar, die unsere Wirtschaft der wissenschaftlichen Forschung verdankt. Professor Dr. von Müller for die aus\{laggebende Bedeutung der exakten wissenschaftlichen

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orsGung zur Bekämpfung der Volkskrankheiten. Staatsminister a. D.

r. Schmidt-Ott schilderte den bereits erfolgten Zusammenschluß der wissenschaftlichen Anstalten und Verbände zu gemeinsamer Abwehr der Not und erbat mit eindringlihen Worten die tatkräftige Unter- stüßung aller Berufsstände.

In der Novembersibung der Anthropologishen Ge-

L Il \chaft gedachte der p ligen der dahingeschiedenen Anatomen of. Schü pr Berlin und Prof. Told t - Wien in ehrenden Nach- rufen. Prof. Dr. Bonnet - Bonn berichtete über die diluvialen Skelette von Oberkassel bei Düsseldorf. Von prähisto- rishen Menschenresten haben wir auf deutshem Boden neben dem Neandertaler (1856 bei N gefunden) den Unterkiefer von Mauer (bei Heidelberg gefunden), sodäánn die Ehrings- dorfer Skelette bei Weimar, zu denen nunmehr die 1914 im Februar in Oberkassel bei Düsseldorf aufgedeckten, fast vollständig er- haltenen Skelette hinzukommen. Es ist ein männliches Und ein weib- l beide gut erhalten sind und hinsihtlich ihrer kleinen angel gut auseinander ergänzt werden fönnen. D

zel L le Seltenheit der diluvialen Funde erklärt sich aus den Umständen, den Moränen-

Fchüben der Eiszeit, der dadurch bedingten

mation der Kno den Drutwirkunce; j der Ci

fue bei den auf dem freien Boden beigesebten Skfeletien. Günstiger iegen die Dinge für uns in den Höhlen, wo wir vom gewachsenen Boden ris alle Kulburshihten wie in einer Chronik nach- einander esen imstande sind und auch durch den eingedrungenen Schlamm und Sand e aus den Venwvitterungsprodukten er- kennen Fönnen, zu wel oden die Höhlen unbewohnt gewesen

sind. Hinsichtlich der e nun sind die geologische Schicht, die begleitende Kulturpeviode, die für di Tier- welt gut bestimmt. Aus einem ei pie mit Skeletten

Helfen Sie, soweit

die besonders d \chnißt P Fen Moe

ie besonder en der geschnißten Pferdeköp ie ng

für die Kulturshiht bieten D R vom e len- enntier, alles um-

azu kommen zwei bâären, ein Zahn vom Bison, ein EXzahn vom n geben von einer roten Masse, die vom Noteisenstein stammt und auf gewisse Fultishe Dinge deutet; ferner noch ein Unterkiefer und Knochen vom Wolf. Alle diese naceiszeitlicben Tiere E die Annabme der Kulturshicht des Frühmagdalénien. Die Form der Skelette selbst ist nit leiht zu analysieten, da sih an thnen Eigen- haften und- Merkmale finden, die vom Neandertalmenschen bis zum modernen Menschen sih erstrecken; neben dem Augenbrauenwulst am Skelett des Mannes, den enorm großen Schädeln, den enormen Ge- sihtern, die sehr breit und sehr boch waren und an tie Neandertalrasse wie an die Cro-Magnonmenschen erinnern, die nur gering breite Stirn, die rechteckig gestalteten Augenhöblen, die enormen Jocbeine, beim Mann 153 Millimeter, bei der Frau 125—130 Millimeter. Dazu kommt, gleichfalls charafteristisch, die {male Nasenöffnung, die - sebr hocstehenden Unterkiefer, überhaupt die gewaltige rose der Gßwerkzeuge, alles dies erinnert an diejälteren Typen des Diluvial- menshen. Da das Gebiß sehr stark abgekaut war, so hat Prof. Bonnet es für die Rekonstruktion ergänzt. Während man für den Mann ein Alter von 50 bis 60 Jahren und darüber annehmen muß, kann die Frau-auf etwa 25 Jahre geschäßt werden, da der sogenann! Weiéheitszahn bet ihr noch fehlte und die Schädelnähte noch nicht gänzlih geflossen waren; aber auch das Skeleit der Frau, das im anzen dem des Mannes gegenüber graziöser erscheint, zeigt starke nterkfiefer von ungewöhnlich breiter Anlage, wenngleih der Ueber- augenwulst fehlt. Beide Schädel zeichnen sih aus durch das {chön ge- rundete Hinterbaupt und durch ausgebildetes Kinndreie. Die Ver- tiefung der Gelenkgrube führt sie der modernen Schädelbildung näher, und an dem Frauenshädel beobahtet man eine Bildung, die auf eine besonders starke Ausbildung der dritten Stirnwindung des Hirns deuten könnte, in die Broca das Sprachzentrum legt. Die Nähte des Schädels sind einfah verzahnt, die Kiefer er- innern an die von Cro-Magnon. Prof. Bonne t bezeihnet die Ske- [ette als „Oberkasseler Form“ des Diluvialmenshen. Die Grund- risse beider Schädel deken si vollständig, in beiden ist der gleiche Typus gewahrt. Beide Skelette haben einen gewaltigen Brustkorb und sehr starke Rippen, beide sind nach demselben Grundtyp gebaut; der sehr robuste Mann ist 172 cm groß, die Frau mit ihrem gleichfalls robusten Brustkorb, aber mit s{lankem slüsfselbein, erreiht nur 148 cm E Dazu kommen starke Oberarme beim Manne, dessen rebter Gllenbogen gebrochen und geheilt ist. t das Becken des Mannes als durchaus plump zu bezeihnen, so E pa der Frau zier- licher gebildet. Die Untersenkel sind bei bei übermäßig ark, wenngleich die Gelenkföpfe fein find. Die Knochen des Wadenbeins sind etwa um ein Drittel dicker als wir sie bei den hentigen Menschen finden. Wir müssen uns demnach den Mann vorstellen als einen Athleten von übermäßiger Körperkraft, mit faßförmigem Brustkorb, gestreFtem Unterarm und Unterschenkel, plumpem Becken und mit einem Kcepfe, der ihm keineSwegs ein adoni8artiges Aussehen verlieh, ¿zumal der Mund übergroß ershien. Die Frau -muß ihm gegenüber zwar einer kräftigen Eindruck gemacht haben, do ist sie Tieiner und zierlicher gestaltet und neigt in einigen ihrer förperlihen Merkmale hon dem modernen Typus zu. Beide gehören jedoch zu- sammen und geben uns eine Vorstellung von den Renntierjägern des Maadalénien. Es erhebt sch nun die Fraae, wie die Ober- fasseler Menschen \ch zu den andern diluvialen Rassen stellen. Der Mann von Obkerkassel steht in mandher Richtung dem Neanderthaler rahe, die Frau indessen erinnert mehr an die Rasse von Combec Capelle mit ihrem {malen Langkopf. In ihr {eint demnach Blut von dieser Rasse zu sein. Gewisse Merkmale des Mannes von Ober- kassel dagegen, besonders im Bau der Glieder, eigen Aehnlichkeit mit dem Vav der Cro-Maanon-Neasse, auf die die Franzosen so stolz. sind. Diese Cro-Magnons sind keine Neandertaler mehr. Die Oberkasseler Skelette sind demnach wohl zwischen die Neandertaler und die Rasse von Cro-Magnon einzureihen. Wie diese Umbilduna aus dem Typus des Neandertalmenshen zum Menschen von Cro-Maanon verlaufen ist, dafür bieten uns die Funde von Pr&dmost in Mähren die beste Anschauung, so daß wir hier eine der „Oberkasseler Form“ nabestet ende Svezies des diluvialen Menschen vor uns haben. Ge- heimrat Prof. Hans Vi rchow ergänzte die Ausführungen noch durch

einzelne Bemerkungen hinsihtlih des Baues der Kiefer.

Theater und Musik.

Im Overnhause wird morgen, Donnerstag, Max von Scillings* „Mona Lisa“ unter des Komponisten eigener Leitung, mit den Damen Kemp, Hansa, Marherr-Wagner, Mandcke und den Herren Mann, Node als Gast, Stock, Henke, Philipp, Düttbernd und Zador beseßt, aufgeführt. Anfang 7 Uhr.

Sm Schauspielhause werden morgen „Die Journalisten“ mit Dagny Servaes als Adelheid RuneX und Anton Edthofer als Bolz wiederholt. Anfang 7 Uhr.

Mannigfaltiges.

Zahlung des Reichs8notopfers. Von amtlicher Seite werden durch „W. T. B.“ die Abgabepflichtigen auf folgendes Hingewiesen: Krieg8anleibe wird auf das Reichs- notopfer nur noch bis zum Ablauf dieses Jahres angenommen. Eine allgemeine Verlängerung dieser Frist ist nicht zu erwarten. Die Kriegsanleihestücke sind bei den bekannt gemahten Annahme- stellen, die auch beim Finanzamt erfragt werden können, hinzugeben, Anträge auf Uebêrtragung von Reichss{uldbuch- forderungen dagegen bei der Reichéshuldenverwaltung (Schuld- buchangelegenbeit) in Berlin zu stellen. In bei Fällen Ln von dem Einlieferer Vordrucke auszufüllen, die bei den

inanzämtern erhältlich sind. Bei der Inzahlunggabe von Kriegganleihen auf das NMNeichsnotopfer und die Kriegs- abgabên werden fällige Zinsscheine nicht angenommen. Erneut wird auf die Vorteile der baren Vorauszahlungen des Reichs- notopfers aufmerksam gemacht. Auf Zahlungen dieser Art bis zum Ende dieses Jahres wird eine Vergütung von 4 vH gewährt; für 100 .4 Steuer find mithin 96 # zu zahlen. Mit dem Tage der- Zahlung erlischt die Verpflichtung zur Verzinsung des durch die Zahlung getilgten Betrages. Je früher die Zahlung erfolgt, um so weniger Zinsen sind mithin zu entrihten. Die Zahlungen, die 96 H oder ein Vielfaches hiervon betragen müssen, Tönnen bei den Finanzkassen oder den mit der Wahrnehmung der Geschäfte einer folcen beauftragten Kasse, den Reichsbankanstalten sowie den als Annahmestellen für bare Vorauszahlungen bestimmten öffentlichen Sparkassen und öffentlich - rechtlichen Kreditanstalten erfolgen. Cinzablungen bei den Reicbsbankanstalten, Sparkassen oder Kreditanstalten find nur unter Ausfüllung eines Vordrucks zulässig, der bei diesen Stellen erbältlich ist. Die Zahlung ailt nur dann als vor dem Ablauf dieses Jahres erfolgt, wenn das Geld den genannten Kassen spätestens am 31. Dezember zugegangen ist. Für Beträge, die leihgültig aus welchen Ursachen oder Gründen erst nach diesem

ge bei den genannten Kassen eingehen, wird die Vergütung nickt ewährt. Es warte daher niemand bis zum leßten Augenblick ck UAbgabepflichtige, die niht imstande sind, den ungefähren Betrag ihrer Abgabenschuld zu berechnen, erhalten vom zuständigen fin mt Auskunft. Wer mehr einbezahlt, als seine Schuld beträgt, läuft keine Gefahr. Die Zuvielzahlungen werden na Feststellung der Abgabeerstattet, und zwar die baren in bar, die in Kriegêanleibe in Kriegsanleihe-

nden wurde und aus E D e: Anciecie der dei Ander eie, N ermtierstatien die wir ins Magdaléaien, d. b. in Periode der „älteren

N Ueberzahlungen von mehr als 300 # werden mit g

Essen, 23. November. (W. T. B.) Auf dem Kongrej der christlihen Gewerkschaften wurde eine nt, \chließung gefaßt, die die Schaffung eines einheitlichen Arbeitsrechts fordert und verlangt, daß zur Lösung der geseß. eberishen Aufgaben auf diesem Gebiet die christlichen Gewerkichafla erangezogen werden. Einem Antrage Behm, der die Umgestaltung des Heimarbeitergesezes und die reisgeseßzlihe Krankenversicherung der ‘Hausgewerbetreibenden im Rahmen, der Reichsversicherungs. ordnung fordert, wurde einstimmig zugestimmt. Eine die Sicherung des Existenzminimums für die Staats, beamten fordernde Entschließung, für die sh der Ministèr Stegerwald ausfprach, wurde einstimmig angenommen. Auf Grund eines Referats des Verbandsvorsizenden Otto-Düsseldorf übe die Setne des Nachwuchses in den Betrieben und Gewerk. schaften wurde eine Entschließung einstimmig gefaßt, die di; Prdermg der gewerblihen und falichen Ausbildung des Le hr, ingönachwuchses und seine Eingliederung in dristilide Gewerkschaftsleben fordert. Angenommen wurden fernex (Ent. shließungen über die SWhaffung ausreihender Aus- und Fort. bildungsmöglihkeiten für die weibliche Jugend, die Net. wendigkeit alsbaldiger Einbringung eines Hausangestellten: geseßes, die Förderung der staatsbürgerlihen und Faß. ausbildung der Landiugend und ein mit der Bewertung der Handarbeit und der im gewerks{haftlihen Rahmen zu folgenden Lohnpolitik si besästigender Antrag In busch. In_ einer am [usse der Vormittagsfizung abs ebenen Erklärung wies Vorsitzende des bayerisda andtages, Königs8baur, die Gerühte über angeb. liche L R I EN im bayerischen Vol aufs shärfste zurück. Weder das bayerishe Volk, noch der bay rishe Landtag, noch die Regierung dächten daran, die Einheit Reiches anzutasten; Bayern halte es nicht nur für seine Pflid sondern für sein eigenes Interesse, auch in der Zeit der Not k Einheit des Reiches unbedingt zu verteidigen. Verlangt werda müsse Ce. daß das staatliche Eigenl der einzelnen Lände niht unterbunden werde. |

Beuthen, 23. November. (W. T. B.) Unter dem dringenden Verdacht der Ermordung Kupfkas ist ein gewisser PCAeLS Mierczyk aus Scharley, der im Hotel Lomniß

ag! ist, von der Abstimmungspolizei festgenommen und dem hiesigen Gerichtsgefängnis eingeliefert worden.

Worms, 23. November. (W. T. B.) ute früh übers fuhr der von Frankental kommende Bi ani, a f as übergang Frankentaler Straße ein Fubhrwerk. Die Schranken des Bahnüberganges waren ofen. Zwei Pexsonen L A EE S Ae O ibi vorgefundenen

apieren er eine der Ö ü Doerr aus Lambsheim sein. L s

Amsterdam, 23. November. (W. T. B.) Die „Time“ meldet aus London, daß der Internationale Gewerk shaftsbund zum Nachfolger von Appleton, der gestem zurüdgetreten ift, den bekannten englishen Eijenbahnerfüßrer Thomas Ja o el Tenn Tn des Internationalen Gewerk: schaftsbundes wählte. den Beratungen nehmen tel: 10 englisGe, _12 französishe, 12 deutshe, 10 belgische, 6 hol ländische, 5 italienische, 5 norwegische, 4 s{chwedishe, 4 dänilthe, 4 tshecho-slowakische,. 2 luxemburgi he, 2 spanishe, 1 s{chweizeri\her

und 1 fkanadischér Vertreter. Jou wird über die Währungs Mertens über die Verteilung der Rohstoffe, Oudegeest über dit Sozialisierung und Fimmen über die internationale Lage nnd di Stellung des Internationalen Gewerkschhaftsbundes sprechen. Einer E forderte T h i ay 4 E et einer dge daß der

ongreß versu möge, eine gereckchte eilun toe und eine Stabilisierung der Währungen F@eruesiellèn, sios

Aeronautisches Observatorium. Lindenberg, Kr. Beeskow. 23. November 1920. Pilotballonaufstieg von 3 p bis 3x p.

————— Relative Wind

Suftteus Temperatur Seuditig- ' Geicbwind

oben unten 0% Richtung Meter,

Seehöhe

mm

, ONO SO SOzO SOzO OSO

S O f D V D

(Fortseßung des Nichtamtlichen îin der Ersten und Zweiten Beilage.)

Zheater.

» (Unter den Linden.) Donnerstag: 209. Dauer

bezugsvorstellung. Mona Lisa. Anfang 7 Uhr.

63 90: Licht. Silhouetten. Bajazzi. Anfan! r.

Schaujpi „(Am Gendarmenmarkt.) Donnerst. : 215.Daue® bezugsvorstellung. Die Journalisten. Anfang 7 Uhr. Freitag: König Richard der Dritte. Anfang 7 Uhr.

Familiennachrichten.

Zuf, Panbesöfonomierat Jakob Merrem (Gut Kirchhof &

a,

Verantwortlicher Schriftleiter: Direktor Dr. T yr o l, Charlottenbuts

Verantwortlich für den Anzeigenteil: Der Vorsteher der Geschäftestel chGnungsrai engering in Berlin.

Verlag der Geschäftsstelle (Mengering) in Berlin.

Druck der NorddeutsGen Bucbdruckerei und Verl Cs Ne ad B

Vier Beilagen

Zahlung a verzinst 112 A, O.). Na einem Geseh:

und Erste und Zweite Zentral -Handels3regisker-Beilage.

Itr. 267. Nichtamtliches.

(Forisezung aus dem Hauptblatt.)

Deutscher Reichstag. 32. Sißung vom 19. November 1920. Nathtrag.

Die Nede, die bei der Besprehung der Inter- pellation der Sozialdemokraten R E N Saa ne 9 Det Aust aee, in Erwiderung auf Ausführ r Abgg. Höllein ; Soz. l.), Scheidemann (Soz.), Graf von Westarp (D. Nat.) und

Dr. Breitscheid (Unabh. Soz.) der Reichsminister der Finanzen

Dr. Wirth gehalten hat, hatte folgenden Wortlaut:

Reichsfinanzminister Dr. Wirth: Die Rechte begrüßt es mit eum Gottes Willen“, wenn ih hierher trete. Jh danke dafür.

Meine Damen und Herren! Der Herr Abgeordnete Breitseid hat mit schr: temperamentbollen Worten bemängelt, daß ih feine Aus- führungen Hinsihtlich der Namen in der Angelegenheit der Banken Scchmidi, Choné, Sinner, Borchardt usw. gemacht habe. Jch habe mit Absicht keine Namen genannt (Zuruf von der U. Soz.: Deswegen tadeln wir es ja!), und ich will Ihnen gleib sagen, warum. Ich habe beute folgende Notiz bekommen:

d Der Oberstaatsanwalt glaubt, nach soeben eingegangener Mit- teilung, davor warnen zu müssen, in der Sache Schmidt, Choné, Sinner einen Namen zu nennen, da die S@uldfrage bisher in keiner Weise geklärt sel

(Hört, Hört! rechts.) Sie sehen also, meine Herren, daß ih zwedck-

mäßig und pflihtmäßig gehandelt habe. Ich bin nit in der Lage,

Namen zu nennen, da es sonst heißen könnte, man hätte Menschen

unnötigecweise dem Verdacht ausgeseßt.

In einem Falle habe ih eine Ausnahme gemaÞbt. Auf die Frage des Herrn Abgeordneten Müller (Franken), wie es mit Dr. Spiro stehe, bobc ih geantwortet und mitgeteilt, daß dieser Mann in Haft seiz das babe ih deshalb getan, weil es hier meines Grahtens geglüdt ist, einen der gefährlihsten Schieber, die wir in DeutsGland über- haupi haben, zu fassen. Er hat nidt nur in Hamburg vier falsckche Konten geführt, wie wir bereits zweifelsfrei nahgewiesen baben, dem Mann ift auch chgenommen worden ein Perlenhalsband im Werte von 1 Million, das er nit zum Notopfer angemeldet hat. (Hört! Hört!) Sie sehen also, daß ih berehtigt war, in diesem Fall den Namen zu nennen.

Ih bin verpflichtet, dem Herrn Abgeordneten Höllein noch auf seine Frage zu antworten, inwieweit die fkaiserlihe Familie, ins- besondere der Kaiser selbst, belastet ist. Jh darf dem Herrn Abgeord- neten Söllein, wie aub dem Herrn Abgeordneten Breitscheid erwidern, daß die meisten ihrer Anfragen im preußishen Abgeordnetenhause zu stellen sind, also bier zuständigerweise niht beantwortet werden können. Ich kann aber folgendes mititeilen ich babe mir das wörtlich auf- geschrieben, um nit ciwa im Ausdruck fehlzugeben —: Es ist ritig, daß mit Genehmigung des preußischen Finanzministers (hört! Hört! reis) Msbel und Hausrat aus dem Privateigentum des früheren deutschen Kaisers nah Holland ausgeführt worden sind. Nun kommt bei der zollamtlihen Ausgangsabfertigung die Zuständigkeit des Finanzs- ministers des Reiches. Dieses Mobiliar ist, wie dies allgemein ge- sieht, geprüft worden, ob Gegenstände mit zur Ausfuhr gelangen, bezüglich deren eine Ausfuhrgenehmigung nit vorlag. Die nach diefer Richtung Hin vorgenommenen Prüfungen haben in keinem Fall be- lastendes Material ergeben. (Lebhafte Rufe rebts: Hört! Hört!) Ich teile pfliGtgemäß das mit, was in meinem Amt über diese Dinge bekannt ist; dazu bin i verpflitet.

Meine Damen und Herren, nun war ih auf das höGsie über- rast, daß vorhin der Abgeordnete Graf Westarp in meinèn Aus- führungen Bemerkungen gefunden hat, die ibm Anlaß zu einer in ter Form gewiß milden, in der Sache aber sehr scharfen Kritik ge- ceben haben. Ih habe die Erregung der Herren von rechts bei meinen Avéführungen nit verstanden. Jch stelle fest, daß ih ir meinen Ausführungen Mitglieder des Hauses Hohenzollern mit Namen nit genannt, daß ih über die kronprinzlide Familie Mitteilungen überhaupt nicht gemaht habe. (Zurufe rehtê.) Nein, das ist ein Jrrium cuf Ihrer Seite. Ih darf Jhnen deshalb aus dem steno- araphishen Bericht den Saß vorlesen. Mitteilungen über die Eron- prinzlihe Familie hat ganz allein der Herr Abgeordnete Kahl ge mat. (Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Herr Abge- ordnete Kahl hat mitgeteilt, daß Grußer, wenn ich thn recht ver- standen hobe, einen Brief überbraht hat. Das Habe i als Tatsache aufgegriffen, weil mir das fehr notwendig erscheint, und i hake in meinen Ausführungen gesagt: N

Aber das war ic verpflichtet, festzustellen, daß es uns eigentümli berührt, was auch der Herr Abgeordnete Kahl selbst festgestellt hat, daß fürstliGe Personen er, der Herr Abgeordnete Kahl hat ja die kronprinzlihe Familie selber genannt, nit ih den Herrn Grußer als Briefträger benußt haben. j:

Das mar das einzige, was ich mitgeteilt habe. I kann deshalb

nit verstehen, daß die Herren dort drüben, wie mir mitgeteilt worden

ist, wieder, was {on wiederholt geschehen ist, si in persönlich kränkenden Bemertungen und Zurufen über mih auégelassen haben.

(Abg. Henke: Sie sind kein Preuße! Ist das nicht genügend?) . Es

gibt auch gemütlihe Leute unter den Preußen, nicht wahr? (Heiter-

Feit.) J stelle das nur fest. Ich erwidere aber das, was vorhin

gescheben ist, nichi; ich habe dazu gar keinen Anlaß. Ich stelle nur

fest, daß es unveraniwortlih ist, wie es von der reten Seite wieder- holt geschieht, wenn ih hier am Regierungstish, ohne daß ih Anlaß dazu geboten habe, dauernd mit beshimpfenden Kränkungen belegt werde. (Zustimmung bei den Regierungsparteien.) Ich stelle aber auH fest, daß das, was in der lebten Zeit gesehen ist, dur diz Mitteilungen ausgemerzt war, die mir von führenden Herren dort gemacht worden find. Jch bedauere aufri&tig, daß heute wieder der- artige Kränkungen vorgekommen sind. Ich habe die Ausführungen, die ih heute mittag hier gemacht habe, in aller Sorgfalt überlegt. Ls war kein Wort darin enthalten, das geeignet wäre, irgend jemand

Berlin, Mittwoch, den 24. November

¿u kränken. (Sehr rihtig! bei den Deutshen Demokraten und im Zentrum.)

Meine Damen und Herren, die Ausführungen, die vom Herrn Abgeordneten Dr. Breits&eid gemaht worden sind, berühren meines Graótens insbesondere den preußisben Hertn Justizminister. Und es war nach meiner Auffassung fehlerhaft, den Herrn Reichsjustiz- minister in diesem Fal zu zitieren. Meine Damen und Herren, die Untersuhungen sind im Gange. Ih warte ab. Ich sage aber noch etwas mehr zu. (Zuruf links.) Wenn wir lange warten müsscn, Herr Abgeordneter, so dürfen Sie überzeugt sein, daß das Meichsfinanzministerium nicht nur eiwa nah einem Jahre, sondern möglidst bald den preußishen Herrn Justizminister ersuhen wird, darauf binzuwirken, daß die Untersuhung rasch und daß sie streng geführt und möglidst bald zu einem Abschluß gebracht werde. (Zuruf links: Wenn Sie Finanzminister bleiben!) °

33. Sißzung vom 23. November 1920, Nachmittags 1 Uhr. (Bericht des NaHrichtenbüros des Vereins deutscher Zeitungsverleger *).) Auf der Tagesordnung stehen zunächst Anfragen.

Eine Anfrage der Abg. Frau Dr. Lüders (Dem.) betreffs des Entwurfs zu einem neuen Strafgesetbuch kann nicht zur Verlesung gelangen, weil die Anfragestellerin nicht anwesend. ift. Präsident Löbe bemerkt, daß diese Anfrage \chon zum vierten Male auf der Ma steht, daß ein Regierungsvertreter zur Beant- wortung onwesend ist, daß aber die Anfrage wegen der Abwesenheit ter Anfragestellerin noch niemals hat erlediat werden können.

__ Abg. Frhr. von Lerêner (D. Vp.) fragt an, welche Schnritte die Reichsregierung unternommen hat, um das \chwere Los der noch in Frankreich (Avignon) zurüdckgehaltenen deuts@en Kri?zgsgefangenen zu erleihtern und ihre Frei- R bewirken. |

MReichskommissar Stücklen:. Die deutske *

/ T l : ierung hat wiederholt der französisben Regierung gegenüber die R

tsauffassuna

vertreten, daß auc die Kriegs- und Zivilgefangenen, die sich wegen .

anderer als disziplinärer Vergehen in UntersuGungs- oder Straf- baft befinden, bedingungslos heimzusenden seien. Die französische Regierung antwortete abs{lägig. Nah der Ratifikation des Frie- denévertrages und dem ÄAbtransport der großen Masse Ende März 1920 trat durch eine Zusammenziehung der gerichtlich bestrafien deutshen Kriegsgefangenen im Spezialdepot Avignon klar in Er- \hcinung, daß Frankrei zunähst nit gewillt sei, auf sein Recht aus Artikel 219 des Friedensvertrags zu verzihten. Der Vorstßende des Hauptaus\chusses für Kriegsgefangene bei der deutsGen Friedens- delegation in Paris, Oberstleutnant Draudt, wies am 7. Mai 1920 im französisGen Ministerium. der auswärtigen Angelegenheiten unter Betonung des ungcheuren seelishen Leidens unter den Zurütgehaltenen in ernstester Weise auf die Notwendigkeit einer alsbaldigen Heim- schaffung der Avignonleute bin. Französischerseits wurde erwidert, daß dre Frage der Begnadigung der kriegsgerihtlih bestraften Deut- {hen geprüft werde. Seitens der deutshen Regierung ist nichts unversucht gelassen, um die Zurü@gehaltenen der Heimat wieder zuzuführen. Die Zahl der Kriegsgefangenen in und um Avignon betrug im Winter 1919/29 zunächst nur einige aGtzig, sie wuchs dann auf über 400, um zurzeit dur Entlassungen auf etwa 250 herab- zusinken. Für , das leiblice Wohl der Deutschen ist von deutsder Seite mit allen Mitteln gesorgt worden. Bis zum 1. Mai 1920 wurden“ Avignon und die von diesem Depot abhänaigen Arbeitsftellen regelmäßig von dem Delegierten des dänishen Roten Kreuzes 1n Paris, ait Nosting, besucht, der in hervorragender Weise sich um unsere Landsleute dort bemühte. Mit Erlaubnis der französischen Regierung besubte ein deutsher Vertreter der Hauptkommission vom 2. bis 14. Juli Avignon. Dieser Besu wirkie wohltuend auf die Stimmung der Zurüdgebaltenen und beseitigte mancherlei Mißstände. Pen sank aber die Stimmung in Avignon und wu@sen die sagen in beruruhigendem Maße. Oberstleutnant Draudt ist soeben

von einem weiteren Besub zurückgekehrt, wobei er sämtliche deutsbe

Gefangene gejspcochen hat. Er hat sofort im französischen Ministecium für auswärtige Angelegenheiten seine Eindrüde geschildert, daß er die Empfindung habe, von dem Lager eines Schwerkranken zu kommen. Der Scblüssel zu dem unhaltbaren Zustand sei in der allgemeinen Mentalität der Kriegsgefangenen und in den unsagbaren seelischen Qualen der Zurüdgehaltencn gegeben. Es sei als erwiesen anzu- nehmen, daß bei der Mehrzahl der Fälle in Avignon vor einem verbrecerishen Willen nicht gesprochen werden fann. Die meisten Straftaten erklärten si aus der besonderen Geistesverfaïsung und der Not der Kriegsgefangencn. Es befinden sih noch einige 50 Kriegs- gefangene in dem Spezialdepot Avignon, ungefähr 150 in dem Arbeitslager Quers und einige in dem Arbeitslagecr Agay, und weitere Lager in Frankreih und Kolonien bestehen niht. Die Arbeitslager Pouzillac und Mornas-Liman sind am 10. November d. J. auf- achoben worden. An beiden leßten Stellen sind unzweifelhaft durch Eigenmädtigkeit französischer nabgeordneter Stellen shwere Miß- griffe vorgekommen, wogegen deutscerseits ernstester Protest eingelegt worden ist. Augenblicklich ist in der seelishen Verfassung der Kriegs- gefangenen eine leite Besserung eingetreten. Der deutsche Ver- treter bat jedoch die Franzosen daïauf hingewiesen, dah man si keiner Täuse ung darüber hingeben dürfe, daß diese Besserung nur eine vorübergehende sein könne. Auch wurde zu erkennen gegeben, daß die Verhältnisse in Avignon der Verbesserung bedürfen. Die Grnährungsverhältnisse genügen micht, Beleuhtung und Heizung sind unzureichend, es fehlt an Sibgelegenheiten und Zischen, die Schlaf- einribtungen sind für die Jahreszeit niht genügend. Die materiellen Verhältnisse in Quers und Agay sind augenbli@lic) ausreichend. In Quers, woher viele Klagen über den französishen Lagerkommandanten Octobon kamen, hat sich das Verhältnis zurzeit gebessert. Die Ge- fangenen in Quers haben nach dem Besuch des deutshen Vertreters im Juli einen deutshen Lagerältesten erhalten, den Schullehrer Rieger aus Schlesien, der eine befriedigende Atmosphäre geschaffen hat. In Quers und Agay wurden Oberstleutnant Draudt über die augenbli&lihen Verhältnisse keine ernsten Klagen vorgebraht. Der

undheitszustand ist befriedigend, und nur die Eintönigkeit res Essens in Agay wird beanstandet. Abhilfe wurde zugesagt. Der veutshe Vertreter hat aber im französishen Ministerium in feier- lihem Ernst darauf hingewiesen, daß die seelishe Spannkraft der Kriegsgefangenen aub in den beiden Arbeitslagern nicht mehr bvor- banden und eine Heilung nur durch Heimschaffung möglih sei. Der

Oa hat den Gefangenen von (Ende Oktober 1919 bis Bai 38 650 Frank aus MReichsmitteln zu Unterstüßungszwecken zu- gewiesen; sie haben das Geld erhalten. Außerdem gingen ihnen Sondergeldspenden aus Rote Kreuz-Mitteln und von pripater Seite in erhebli Höhe zu. An Bekleidungsstücken, Dans und Genen, Zigarren und Zigaretten sind mehrfach um angreiche aus Reichsmitteln bestrittene Sendungen, darunter über siebzig- ane Zigarren uno igaretten von der Hauptkommission in Paris nad Avignon überwiesen worden. In den ersten Novembertageu wurde vom Hauptauss{chuß eine vollständige Wäscheneuausrüstung für jeden Mann, ein warmes Hemd, eiue Unterhose, ein Paar Strümpfe,

*) Mit Ausnahme der Reden der Herren Minister, die im Wortlaute wi en werden.

| foldungsg

1920

eine 2 Wolldede übersandt. Die Sachen sind den Kriegs- O bereits Se Di t. Die Kosten von über 17 000 Frank wurden aus Reichsmitteln bestritten. Lesestoff, Musikinstrumente und sonstige Bedürfnisse sind gleichfalls dort eingegangen, ebenso Liebeégaben aus privaten Spenden. Die deute Regterung und ihre Vertretung in Paris bemühen \ich auf das angestrengteste, die imsendung herbeizuführen. Die Fürsorge für die leßte \chwere Barteqeit if durchaus sahgemäß organistert. Oberstleutnant Draudt hat jeßt erneut mit allem Nahdruck darauf hingewiesen, daß die Zurüchaltumg der Gefangenen vom Standpunkt der Menschlichkeit unhaltbar se: Wir geben die Hoffnung nit auf, daß rankrei diesem feierlichen Appell Gehör schenkt und das Problem uh un» verzüolihe Heunschaffung endli seine Lösung findet. (Beifall) Auf eine Frage des Abg. Kunert (U Soz.) wird die alsbaldigs Verlegung eines Gesehentwurfs zur Sicherung des Erxistenz- minimums der unteren und mitileren Beamten 1n Ausficht gestellt. / E 'Auf eine weitere Frage des Abg. Kunert wird erklärt, daß beim Reihsnoto Fes die Ausland8deutschen be- sondere Berücksicbtigung erfahren, die einjährige Frist für die RüÆkehr in das Ausland sei um etn weiteres Jahr ver-

längert worden. e Schließli Aba. Kunert (W Soz.) nach der Mehr- S nee rauercien mit Getreide Ein

belieferung der | 1 s anderter erklärt, daß diese Mehrbelieferung auf

Sr i olution des Reicbstages erfolae, die dadurch dem Saptün Mieabenviekian wollte. Die Belieferung sei aber noch nit, wie vom Reichstag gefordert, auf 30 Prozent des Friedens» bedarfes erhöht, sie habe bisher etwa 15 Prozent erreicht.

Eine Jnterpellation der weiblichen Abgeordneten aller Parteien auf Vorlegung eines Reichsjuge n d wohlz- fahrtsgesezes wird nach einer Erklärung des Siaats- sekretärs Schulz ers nach dem 29. November be- antwortet werden; eine Interpellation der Deutsch nationalen über die bolschewistischen Vorgänge in r iz f sischen Kriegsgefangenen- "und e Ae lagern in Deutschland wird, wie Vizekanzker Dr. Heinze erklärt, in der geschäftsordnungsmäßigen Frist be- antwortet werden. E 47

Die NPrivatstrafverfeolgqung der bgeordneien Jf en - mann A Wulle (D. Nat.), Lübbring (Soz.) und Kempfkes (D. Vp.) wird nicht genehmigt.

Drei Entwürfe, betreffend Aenderungen des Be- eseßes, Ausführungsbestimmungen zum Besoldungsge)jeß und Sicherung einer einheitlichen Regelung der Beamtenbesoldung, werden dem Hauptaus \chuß überwiesen.

ani tue? überdenErlaßvonVer-=- ordnungen für die L der Uebergangs- wirtschaft, der die bisher fehlenden Strafbestimmungen bei Uebertretungen und eine Hinausschiebung des Außerkraft- tretens der geltenden Bestimmungen bis zum 1. April 1921 vorsieht, wird einem neu zu bildenden ‘dauernden Rechts- ausfchu ß von 28 Mitgliedern überwiesen.

Ein Antrag des Abg. Aderh old (U. Soz.), betreffend Außerkraftsezung der von der bayerischen Regierung auf Grund des Artikels 48 Abs. 2 für Bayern getroffenen Maßnahmen, wird am kommenden Freitag in Ver bindung mit der Juaterpellation, betreffend den Elektrizitäts- sireik, beraten werden. L

Schließlih wird eine Vorlage über Verschärfung der Strafen gegen den SGleichhandel, Preistreiberei und verbotene Ausfuhr lebenswichtiger Gegenstände in Verbindung mit cinem denselben Gegenstand betreffenden Antrag des Ab- geordneten Dr. Gildemeister (D. Vp.) dem Rechtsaus- Thu ß überwiesen.

Damit ist die Tagesordnung erledigt.

Nächste Sizung Mittwoch, 1 Uhr. Zweite Lesung des Etats (Friedensvertragsetat).

Sg&luß 214 Uhr.

Preußische Landesversammlung.

177. Sigung vom 8. November, Nachmitiags 2 Uhr. (Bericht des Nachrichtenbüros des Vereins deutscher Zeitungsverleger *).)

Am Ministertisch: die Staatsminister Dr. am Zehn- hoff und Lüdemann.

Vizeprästident Dr. Por \ch eröffnet die Sißung 2 Uhr 25 Minuten. /

Der Eeschentwurf über eine erhöhte Anrech=- nun g der von den Staatsbeamten und Volksschullehrpersonen während des Krieges zurüdckgelegten Dien st- zeit wird in zweiter und dritter Beratung auf Antrag des Hauptausschusses unverändert angenommen.

Es folgt die erste Beratung einer Novelle zum Geseß über die Erhebung von Kirchensteuern in den katholishen Kirhengemeinden. i |

Ein Negierungsvertreter weist darauf hin, daß die Novelle ledialih den auf dem staatlichen Steuergebiete eingetretenen Veränderungen Rechnung trägt.

Abg. Ludwig (U. Soz.): Wir lehnen die Vorlage ab niht aus Abneigung gegen die katholishe Bevölkerung, sondern weil wir den Staat niht zum Steuerexekutor der Kirhe machen wollen.

Die Vorlage geht an einen Aus\chu ß. :

Es folgt die zweite Beratung des Ceseyentwurfs über die Einführung einer Altersgrenze für Beamte.

Der Hauptausschuß will die Zwangspensionierung, die nach der Vorlage bei unmittelbaren Staatsbeamten mit dem 65. Lebensjahre eintreten soll, bei Lehrern an den Wanda ften Hochschulen erst mit dem 68. Lebensjahre vorschreiben, also an derselben Alters- grenze, die die Vorlage den richterlichen Beamten sekt.

Abg. Weisserme!l (D. Nat.) beantragt, die Vorlage an den AussSuß zurüdzuweisen. CGinmal fehle es no% an der notwendigen Klarheit über die Rechts\tellung der Mitalieder des Oberverwaltungs- gerichts. Weiter seien nachträglih noch Petitionen von Beamten eîin- gegangen, die in den Bestimmungen des Geseßes insoweit eine' außer- ordentliche Härte erbliden, als sie nit in der Lage seien, kurzerhand ihren Wohnsiß zu wechseln, sobald die Zwangspensionieruna eintrete.

Abga. Freymuth (Soz) ‘beantragt im Gegensaß zum Vor- redner, die Vorlage morgen an erster Stelle weiterzuberatenz die Zeit

*) Mit Ausnahme der Reden der Herren Minister, die im

Wortlaute wiedergegeben werden.