1920 / 268 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Gegenüber vielfahen irrtümlih verbreiteten Nachrichten über das neue Ortsklassenverzeihnis zum Reichs- besoldung3sgeseß vom 28. April 1920 sei festgestellt, daß von einer Fertigstellung dieses Verzeichnisses und endgültigen Einordnung der Gemeinden in die einzelnen Klassen noh nit die Rede sein kann. Es liegt bisher lediglich ein vom Statistischen Reichsamt bearbeiteter Entwurf ür die Städte mit mehr als 10 000 Einwohnern vor, der in mehreren Kommissions- ges an denen die beteiligten Stellen des Reiches und er Länder teilnahmen, durchberaten worden ist. - Die Ein- reihung der Gemeinden mit weniger als 10 000 Einwohnern wird gegenwärtig von den statistishen Landesämtern vorbereitet. Nach Fertigstellung dieser Entwürfe werden weitere Beratungen unter Buziehung Vertreter der Provinzialbeamtenkartelle stattfipden. Erst dann wird das Reichsfinanzministerium den geseßgebenden Körperschaften seine endgültigen Vorschläge über die Einreihung machen können. Persönliche Vorstellungen auf dem Reichsfinanzminisierium zur Unterstüßung der gestellten Anträge sind zwecklos. Bei der großen Zahl der Eingaben kann auf einen schriftlihen Bescheid nicht gerechnet werden.

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Infolge der restlosen Auflösung des alten Heeres und der Aufhebung der Allgemeinen Wehrpfliht hat auch der Militärpaß als Ausweispapier ‘Feine frühere Bedeutung verloren. Troßdem wird er von zahlreichen Arbeitgebern als Fuchs vorwurffreien Verhaltens während der Militärdienstzeit verlangt.

Eine der umfangreichsten Arbeiten der bisherigen Ab- widlungsstellen hat darin bestanden, 7 000 000 Militärpässe auf- Verlangen auszustellen. Ungefähr 4 000 000 liegen noch unerledigt bei den Abwicklungsstellen. Da jeßt auf Drängen der Verbandsstaaten die Korpsabwicklungsämter mit dem Ende des Jahres vorzeitig aufgelöjt werden, hat schon jeßt das Aus- stellen der Militärpässe endgültig beendet werden müssen. Die noch 'unerledigten Gesuche können nicht beantwortet, noch irgend- ein Bescheid erteilt werden. Die ehemaligen Heeresangehörigen werden daher ersucht, von einer Anforderung ihrer Militär- pässe Abstand zu nehmen. Auch ist es zwecklos, sich zur Aus- händigung eines Passes an eine Versorgungsbehörde zu wenden.

Um wenigstens die Nachteile für Bewerber von Beamten-

siellen und Angestellte zu beseitigen, hat das Reichsministerium

in einer Gesamtsizung einen Kabinettsbeschluß gefaßt, nah dem die- Reichsbehörden in t die Vorlage des Militärpasses nit mehr verlangen sollen. Das Reichsfinanzministerium, als oberste Behörde des ‘Abwicklungswesens, soll auf die Staats- und Gemeindebehörden in diejem Sinne einwirken. Auch ist die gesamte Privatindustrie gebelen worden, hierin dem Bei- spiel der Staats- und Gemeindebehörden, zur Förderung einer reibungslosen und Ma 2e Unterbringung von Arbeitnehmern, zu folgen und künftighin von der Vorlage eines Militärpasses bei der Einstellung von Arbeitsuchenden abzusehen.

Die neue Zeitungsgebührénordnung, die ursprüng li berciis am 1. Juli dieses Jahres in Kraft treten sollte, deren Inkrafttreten dann aber auf Wunsch der eitungsverleger zweimal hinausgeshoben worden ist, tritt laut abinettsbeshluß nunmehr vom 1. Januar 1921 ab in Wirksamkeit.

i Anhalt. a O Jn Dessau hat vorgestern die konstituierende Versammlung der Anhaltischen Landeseisenbahngemeinschaft statt- gefunden. Sîe bezweckt dem „Wolffschen Telegraphenbüro“ gufölge den Zusammenshluß der anhaltishen Privak- eifenbahnen auf dem Wege einer Betriebsgemeinschaft und stelli eine neue Wirtschaftsform dar, die von dem anhaltischen Eisenbahnkommissar, Baurat Heck, geschaffen ' ist und unter Aufrechterhaltung der äußeren Form der einzelnen Eisen- bahngesellshaften eine größere irtschaftlichkeit und Verein- fachung der Geschäfte erzielen d besonders im Hinblick auf die schwierige Lage der erkfehrsunternehmungen. Der Staatsrat für Anhalt hat ihr infolge ihrer Bedeutung den Charakter einer öffentlih-rehtlihen Korporation verliehen. Der Gemeinschaft sind bisher die Dessau—Wörlißer-Eisenbahn, die Harzgerode—Gernroder-Eisenbahn und die Bahn Staßfurt— Héeeklingen—Löderburg beigetreten. i

Danzig.

Die englischen. Besazungstruppen in Danzig werden von dort zurückgezogen. Jhr Abtransport erfolgt in sehs Zügen, von denen täglich einer abgelassen werden soll. Die Transporte fahren über Deutsh Eylau—Thorn—Posen— Lissa—Fraustadt—Sagan— Taucha Gerstungen V Mün: Es handelt si also um in die Heimat zu befördernde Räu- mungstruppen.

Großbritanuien und Jrlaud.

Nâch einer Meldung der „Times“ werden Maßnahmen getroffen, um den gesamten deutschen Landbesiß im vor- maligen Deutsh-Ostafrika, aus dem so gut wie alle deutschen Untertanen vertrieben worden sind, zu verkaufen. © Jin Oberhaus erklärte der Lordkanzler bei der Einbringung der weiten Lesung der irishen Homerulebill, das einzige, was3 die Bill zu gal bringen könne, sei eine Koa- klition zwischen denen, die der nsicht seien, daß die Regierung zu weit gehe, und denen, die glaubten, daß sie nicht weit genug gehe. És werde eine denkwürdige Tat sein, wenn durch diese

England mit dem irischen Volk versöhnt werde.

__ Im Unterhause brachte Asquith eine Entschließung ein, in der der Abscheu gegen die am Sonntag in Dublin erfolgten rohen Ermordungen von N Qeren und anderen Personen au3gesprochen und die Tätigkeit der Exekutive bei ihren Versuchen, die Verbrechen durch Terrori3mus und Dra zu unterdrücken, verurteilt wird. Die Miedervergeltungen, jo heißt es darin, qeven das Land fòôwie ab und Gut von Unschuldigen in Mit eidenschaft und wider- rechen den Sitten zivilifierter Völker. Außerdem werden Maßnahmen zur Herbeiführung der Versöhnung gefordert.

Frankreich.

Dos spanische Königspaar ist gestern abend nah Madrid abgereist. gest

Die Botschafterkonferenz hielt gestern eine Sipung ab und vollendete die Prüfung einer Anzahl Fragen über die Verwendung des deutshen Kriegsmaterials. Der interalliierte. Oberste Kriegsrat war durch Ee Foo und General Weygand, die Wiederherstellungskommisfion dur Mauclere und d’Ameglio bei diesen Verhandlungen ver-

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rationskommission. ihre - offizielle

oder mit den

treten. Die Frage der liede

ivie oro in Bulgarien und in Oesterreih würde inanzkommission zur Prüfung übértragen. Eine iändigenkommission ist mit der Prisung sver Antwort auf ie deutsche Note über Ein- und j

vor längerer Zeit an die Botschafterkonferenz gerichtet wurde,

beauftragt worden.

Auf Grund der Note der Reparationskommission vom

90. Oktober und der ih - daran I sliehenben mündlichen Abmachung haben am 20. und 22. d. .M. mit-Delegierten -der Reparationskommijsion Auna über die Belassung von 350000 Tonnen Schifsfsraum an Deuts- land stattgefunden. Am 23. November hat die Repa- Sißung abgehalten, in der die Angelegenheit nochmals erörtert wurde. Bei allen Verhandlungen war ein Teil der deutschen Schiffahrts- delegation zugegen. Die deute Delegierten haben in ein- gehender Weise den Standpunkt der deutschen Regierung dar- gelegt und eine Begründung des Antrags gegeben. Die zweite deutsche Denkschrift vom Mai dieses Jahres wurde dabei zu- grunde gelegt und ihre Ausführungen ergänzt und berichtigt. Die Reparationskommission hat zugesagt, ihre Entschei g nunmehr so bald wie möglich zu fällen; in welchem Sinne sie ausfallen wird, läßt sich zurzeit nicht sagen.

Der italienische Botschafter stattete dem Minisier- präsidenten Leygues gestern einen Besuch ab und besprach mit ihm die griehishe Frage. Ferner ließ die italienishe Regierung mitteilen, daß sie ih dem von rankreih und England ausgearbeiteten Vorschlag über das Vorgehen in der Wiederherstellung sfra ge anschließe.

Die albanische Delegation, welche sih gegenwärtig in Paris aufhält, richtete an die Völker undsversamm- lung in Genf einen Appell, sie offiziell anzuerkennen, wie dies bereits durch die italienishe Regierung geschehen sei.

Belgien.

An der Kammer verlas vorgestern der Minisierpräsident Carton de Wiart die ministerielle Erklärung.

Laut Bericht des „Wolffschen Telegraphenbüros“ ver}icherie der Ministerpräsident bezüglich der auswärtigen Politik, daß Belgien, das sich in dieser Hinsicht an Frankrei und England anlehne, die genaue Ausführung des Friedensvertrages von V ailles überwachen werde. Das militärische bkommen zwischen Belgien und Frankreich sei dazu bestimmt, die Sicherung des Friedens zu gewährleisten. Infolge seiner geographischen Lage müsse Belgien ganz besonders darauf achten, seine Ver- teidigung nit zu s{wächen. Der nächste Jahrgang der Infanterie werde nur 10 Monate dienen müssen. Dies fei aber nur eine vorübergehende SnfEtivank Man müsse sih bemühen, der Arbeit ein Höhstmaß an mens{lichen Kräften zur Verfügung zu stellen. Weiter führte der Ministerpräsident aus, die Regierung wünsche, daß nunmehr ein wirtschaftlihhes Abkommen zwiscen beiden Ländern zustandekomme, das allerdings den freien Entschließungen und den Snteressen der beiden Länder keinen Abbruch tun dürfe. Das Pro- ramm der neuen Negierung sei demokratisch. Alle Probleme, die nit von aktueller Bedeutung seien, seien von ihm ausges{lossen worden. Die wichtigste Aufgabe des neuen Mini- steriums sei, die Verfassungsreviston \{leunigst durch-

zuführen. Schweiz.

/ Na Telegrammen- des Obersten Chardigny, des Chefs dér Unteïsüchungskommission - des Völkerbundes im Ge- bieie. von Wilna, schlagen sich die Truppen des Generals Zeligowski und die litauischenñn Streitkräfte: noh_ auf verschiedenen Punkten der Front. Die Kommission begibt sich noch nah Kowno und wird dann nach Warschau zurückkehren, um ihren Bericht an den Völker- bund festzulegen. Oberst Chardigny ist in Unterhandlungen mit den Behörden von Wilna getreten über die Aufnahme des internationalen, vom Völkerbund entsandten Truppenktontingents und um die Volksabstimmung vorzubereiten.

Der Völkerbunds3rat nahm gestern Kenntnis von dem Beschluß der Versammlung, durh den der Rat eingeladen wird, eine Macht zu beauftragen, die nötigen Maßnahmen zur Einstellung der O zwischen Armenien und den Kemalisten zu ergreifen. Er beauftragte das Generalsekretariat, eine Note an die Regierungen vorzubereiten. Der Nat befaßte sich sodann mit der Organisation der Volksbefragung im Gebiete von Wilna. Er lud die polnishe und die litauische Regierung ein, fih über die Frage der Begrenzung des Gebiets, in welchem die Volksbefragung stattfinden soll, ins Einvernehmen zu seßen. Der polnische Delegierte Askenasy betonte, daß er die Volf3- abstimmungsfrage im Sinne einer friedlichen Lösung und nicht im Geiste der gegenwärtig zwishen den beiden Ländern herrschenden Kriegsatmosphäre behandelt wissen möchte. Die Volksbefragung sei so rasch als möglich durchzuführen. Er {lug vor, den Truppen Zeligowskis die Wahl zu lassen, ent- weder sih au geen und an der Abstimmung teilzunehmen

afen und den Trains vorläufi den Distriit eriolgt und sih

ju räumen, in dem jeweils die Km 1 S hart ena en

is nah Erledigung der Volksbefragung in Distrikt aufzuhalten. |

Die Kommission des Völkerbundsrats für die Aalandsinseln ist am 23. d. M. nah Finnländ ab- gereist* sie wird ungefähr zehn Tage in Finnland bleiben, dann die Inseln besuhen und nah Paris zurückehren, um an den Völkerbund zu berichten.

Die Kommission für den Jnternationalen Geri apo, die-gestern unter dem Bert von Léon Bourgeois tagte, setzte ihre allgemeine Aussprache fort. Der Entwurf des juristishen Komitees im Haag gab dem Gerichtshof das Recht

indender Urteile. Die vom Völkerbundsrat in. Brüssel an- enommenen Zusäße gaben dem Gerichtshof nur nah vor- Beda Uebereinkunft zwishen den Parteien das Recht zur Urteilsfällung, außer wenn die bestehenden Verträge die obli- atoris\ t Sqiedsgerichtsbarkeit vorsähen. Die Mitglieder der ommission waren sich über diese Frage nicht einig. Die Kommission ernannte eine Unterkommission zur Mens ge- wisser Spezialfragen, zu deren Präsidenten Hagerup-Norwegen gewählt wurde.

Nach den bisherigen D der ö. Kom- mission erscheint die Aufnahme von esterreih und Bulgarien in den Völkerbund als ziemlich gesichert. Das Aufnahmegesuh Oesterreihs wird im allgemeinen mpathisch aufgenommen und ruft kaum ernstlichen Widerstand hervor; dagegen verlangen Serbien und Rumänien als Vorausseßung für die Zulassung Bulgariens die vorherige Erfüllung des Friedensvertrags ‘und A überhaupt Bulgarien mindestens eine gewisse Probezeit auferlegen. Gegen die Aufnahme von Liechtenstein macht fis kein Widerstand f ace da Liechten- stein auf eine besondere Vertretung in den Organen des Völk bundes verzichten würde. f j

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Entschädigung der Mitglieder der Kon- f ishädigung| glieder Me

usfuhrfragen, die

: Polen. t dem „Wolffhen Telegraphenbüro“ S S ai sieben D itleiren zu entlassen. Riah, Blätermelbungen ist das Rücktritts gesuch des Finanz- ministers Grabsfi angenommen worden.

Litauen. i :

Auf Veranlassung der litauishen Regierung ‘hat die Kon- ¡cut Aa Les Völkerbundes die polnische Re- ierung ersuht, Bürgschaften dafür zu geben, daß die vom General Zeligows ki gegebenen Anordnungen, die Defensive efolgt werden. Gestern sind drei Mitglieder des Völkerbundes, ein Vertreter

ju beobachten, t der polnischen Regierung in

Kontrollkommis . Litauens und drei Kowno eingetroffen.

Laut Meldung der „Litauischen Telegraphen-Agentur“ haben die polnischen Erkundungstruppen auf dem linken Wilija- ufer die litauishen Vorposten bei Gilus und Jevje-See be- schossen. Es ist festgestellt, bay sich an dem Angriff auf Schirwinty und Gedraice polnischerseits vier Jnfanterie- regimenter und eine Kavaller ebrigade beteiligt haben. Sechs bis aht Eskadrons, die von der polnischen Armee abgetrennt waren, befinden sich im Rücken der litauischen Truppen und schädigen die friedlihen Bewohner. Nach den vorgesirigen

die genannten Reiter nach verfolgt. An

eidany—Raguva mußten si 1 Taschkumy zurückziehen. Sie. werden _energis dîesen Kämpfen nehmen litauishe Schügen tei

Südslawien. f

Nach einer Meldung des „Südslawischen Pressebüros“ hat der Minister Korosec den Vertrag von Rapallo unter Nee untorgei hne, weil ein großer Teil e den

ebiets gegen den Willen der Bevölkerung unter fremde Herr- schaft komme. : Griechenland.

Die Prinzen Andreas und Christo h sowie die ugs Alice und die Ge arüehia Maria sind an Bord des ihnen entgegengesandten Torpedoboots „Sorax“ in Athen angekommen.

Türkei.

Mie aus türkischer Quelle verlautet, haben sich die er- bitterten Kämpfe in Armenien zugunsten der Armenier gewendet. Die Kemalisten wollen bedeutende Verstärkungen. an die Front werfen. Auch bei Adana, Brussa und Smyrna ist die Lage der Kemalisten ungünstig geworden.

Wie „Reuter“ meldet, berichtet der aus Angora zurüdck-

ekehrte Delegierie des Großwesiers, die Kemalisten seien bereit, über eine Annäherung zu reden, wenn die Mächte zu- stimmten, daß der Vertrag von Sèòvres so abgeändert werde, daß der ottomanische Staat lebensfähiger werde.

Asien.

Die „Times“ meldet aus Teheran, englische Truppe hätten den Feind am 19. November bei Imanizade Hashin,

auf der Strecke Kaswin—Rescht angegriffen; die Bolsche- wisten hätten den RUey g angetreten und etwa 100 Tote.

hen Tage hätten englishe Flugzeuge.

zurüdgelassen. Am glei _Enseli- bombardiert. -

Parlamentarische Nachrichten.

Dem A, ist der Entwurf eines Geseßes, b.etreffend verschiedene Vereinbarungen zwischen der deutshen Regierung und der ungarischen, der (jedo «low Lien sowie der österreichischen Negierun g, nebst einem Abdruck der Vereinbarungen und

einer erläuternden Denkschrift, zugegangen.

Der Sonderaus\chuß für den Geseßentwurf, Be- treffend Oberschlesien, hat, dem „Wolffshen Telegraphen- büro“ zufolge, in- seiner. gestrigen Sißung, an der au der Reichs- fanzler und der Reichsminister des Inneru teilnahmen, mit Stimmen- mebrheit gegen die Deutschnationalen und Lnksunabhängigen -be- \{lossen, dem Reichstag die unveränderte Annahme des Gesehßzes vorzuschlageA.

R I On C É

Statistik und Volkswirtschaft.

Die' jsugendlichben Arbeiter in Betrieben mit mindestens 10 Arbeitern und in den diesen gleid- gestellten Betrieben in Preußen im Jahre 1919. Die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in der Gewerbeinspektion unterstehenden Betrieben hatte in den leßten Friedensjahren und während des Krieges erbeblihen Umfang angenommen. Nach den Berichten der preupicen Regierungs- und Gewerberäte und Berg- behörden belief sch die Zahl jugendlicher, bis 16 Jahre alter Arheiter männli@en und weiblichen Geshlechts im Jahre 1913 auf 283732 bei einer Gesamtzahl von 3633618 ge- werblih tätigen Arbeitern und stieg im Jahre 1918 auf , 321 395 bei insgesamt 3 570 550 Arbeitern, während die Zahl der Betriebe, die ee Personen beschästigten, in dem gleichen Zeitraum von 60 814 auf 47 179 sank. Demge enüber verminderte Fh im Jahre 1919 die Zabl der jugendlichen Arbeiter gegen das Vorjahr um 77 305 auf 244 090 bei einer Gesamtarbeiterzahl von 3 141 805 Köpfen, die Zahl der Betriebe erböhte sich aber um 4357 auf 51536. Der NRüdgang in der Verwendung jugendlicher Arbeitskräfte findet seine Erklärung hauptsächlich in der Einstellung der Heeresaufträge mit ibrer Talsenan gens vieler an die Körperkräfte nur geringe Anforderungen tellenden Sachen fowie in der Notwendigkeit, die aus dem Felde heimkehrenden eavagenen Arbeiter wieder zu beschäftigen. Hierzu fam noch, daß die Rücsichtnahme auf die von den jugendlichen Ar- beitern einzuhaltenden Pausen und die Ünterbrechung der Arbeits- \{icht durch den Besuh der Fortbildungsshulen sich mit der er- mann R der Betriebsführung häufig \{chlecht ver- nigen läßt. M E : i : Die. höchsten Ziffern der beschäftigten jugendlihen Arbeiter wiesen die Mascinenindustrie (63495) und die Metallverarbeitung 48 339) auf; es folgten mit einem qréperen Abstande d efleidung8gewerbe (21 953), die Industrie der Holz- und Schnitz- stoffe (17 061), die Hüttenwerke und die Anlagen der Großeijen- industrie (16392), die Industrie der Nahrungs und Genuß- mittel (15 907), die Textilindustrie (15694) und weiter der Reihe nach die Industrie der Steine und Erden (11 953), die poly- raphishen Gewerbe (9468), die Papierindustrie (7526), die chemische Industrie (7274), das Baugewerbe (3290), die Lederindustrie (2138); die Industrie der sorstwirtshaftlichen Nebenprodukte usw. (1815) und das Neinigungsgewerbe (1622), Nach dec es der Betriebe steben geaas die Brappen der Metallyerarbeitung (8760), des Be- eidun Mare (84 H der Industrie der Nahrungs und Genuß- mittel (8195), der Mafcinenindustrie (7369) nn Holz- und Schnißstoffe (6437) voran.

Qa mit den litauishen Truppen im Rayon

der Industrie der

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NerVältnismäßig am - umfangreißhsken war die Beshäfti jugendlicher Arteigläfte im Berubau, Hütten- und linenwesen und in der äberei; in diee Gewerbegruppe entfielen auf je einen Betrieb jugendliche Arbeiter, während im Durchschnitt aller Gewerbegruppen nur 4,7 jugendli Personen in je einem Be- trieb tätig waren. Ueber dem Ott standen außerdem not die d ise Fubastie (1Ls, e Cn Mae tes (8,6), die Tetrti : , Papierindustrie (7,1), die allverarbeitung (0) D de FerendliGar Arbeitern ftand im Berich

on ugendlid 1 an ihtsja - wiegende Mehrzahl, nämli 99,3 9%, im Alter von 14 O 16 Sale wogegen die Kinderarbeit fast ganz verschwand. Die absolute Zahl der Kinder unter 14 Jahren belief ch auf 1607 gegen 5012 im Jahre 1918. Am meisten wurden Kinder in den Betrieben der Metallverarbeitung (414), der Textilindustrie (250), der Maschinen- industrie (210), dem Befkleidungsgewerbe (157) und der Industrie der Steine und Erden (128) beschäftigt. Auch bei den um Leuten von 14 bis 16 Jahren hatten die Maschinen- ndustrie (63285) und die Metallverarbeitnng (47925) die höchste Beschäftigungszahl zu verzeichnen; Wann reihten si mit böberen Ziffern an das Bekleidung8gewerbe (21 796), die Industrie der Holz- und Schnißstoffe (16 986), . der Bergbau, das u 2 l î il- industrie (i i i ( ) und die Textil

In beiden Altersklassen jugendlicher Arbeiter überw änn- liche Geschlecht ; bei den jungen Leuten von 14 bis 16 tes beteins der Anteil der männlihen 74,6% und bei den Kindern unter 14 Jahren 71,3%. Der Beschäftigungsanteil der beiden Geschlechter war in den einzelnen Gewerbegruppen recht verschieden; stärker war das weiblihe Glement in beiden Altersklassen im Bekleidungsgewerbe, E Textil- und Papierindustrie sowie im Reinigungsgewerbe ver-

Cp

Arbeit3ftreitigkeiten.

In Rat ib or ist, wie „W. T. B.* meldet, am 23. d. M. der allgemeine Ausstand erklärt worden. Alle Betriebe ruhen. Gas-, Wasser- und Elektrizitätsversorgung der Stadt wird durch die technische Nothilfe aufrehterhalten. Die Gewerkschaften stehen dem Ausstand fern. Die Arbeiterschaft fordert eine Wirtschafts- beibilfe von 500 #. Die Verhandlungen blieben bisher ohne Er-

gebnis. Wohlfahrtspflege.

_ Der Deutsche Verein gegen den Mißbrauch ge Getränke hat in seiner 32. Hauptversamm- ung in Karlsruhe narhstehende Gntschließung gefaßt: „Die für Bayern und das Reich zuständigen behördlihen Stellen baben

erneut das A rauger e gen erhöht (neuestens von 15 auf 30 %)..

Dadurch werden fast 10 Millionen Zentner Gerste der Volksernährung (Graupen, Grüße, Mehl, Des alzertraft für Kranke und stillende Mütter u. a.) entzogen. rch das stärkere Bier werden alkoholishe Erkrankungen und alkoholishe Vergehen und M fenon wieder vermehrt und infolge der notwendig werdenden erhöhten Ge- treideeinfuhr die Valuta vers{lechtert. Meiter haben die zuständigen Stellen: nit verhindert, daß Obst und Kartoffeln in erheblichem Um- fang für Trinkbranntwein verwendet wurden und werden. Die Folge is: Unerhältlihkeit oder unsinnige Verteuerung des Obstes Gefähr- dung, der Kartoffelverforgung. Die am 27. Oktober zu Karlsruhe auf der Tagung des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiaer Getränke in großer Zahl versammelten, aus allen Schichten der Be- völkerung sich zusammensebenden Männer und Frauen erheben ange» sts der außerordentlih s{wierigen Ernährungslage und der körver- lichen wie sittlihen Verfallsersheinunaen unseres Volkes den schärfsten Widerspru gegen die unverantworiliche Vergeudung richtiger und merseßlicher Lebensmittel durch Umwandlung in Rauscgifte und ver- {angen nachdrüdlidst die sofortige Unterdrückung dieses Mißbraus. Die jammervolle Not unseres Volkes fordert gebieterisch die Ver- hinderung jeder Beeinträcbtigung der Ernährung und macht es nicht minder zur besonderen Pflicht, die Wirkungen der Unterernährung nit no durch Zufuhr von beraushenden Getränken zu vershärfen und die körperliche „und geistiae Widerstandskraft unseres armen Volkes in seinem jeßigen furchtbaren Daseinskampf noch weiter zu gefährden.”

Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs- maßregeln.

Gesundheitsstand undGangderVolkskrankheiten.

(Nach den „VeröffentliGungen des Reid8oefundheitsamts", Nr. 46 vom 17. November 1920.)

Gelbfieber. t

Mexiko. Vom 12. bis 18. September 7 Erkrankungen (und 6 T und zwar in der Stadt Veracruz 4 (5), in Turxpam (Bez, Veracruz) 2 und in Hunucma (Bez. Yukatan) 1 (1); vom 19. bis 25. September 22 Erkrankungen (und 10 Todes- fälle), davon in der Stadt Veracruz 16 (5), in Tuxpam 4(3), in Jalapa und Or izaba (Bez. Veracruz) je 1 (1).

Potcken.

DeutsGes Reich. In der Woche vom 24. bis 30. Oktober wurden nachträglich noch 5 Erkrankungen ermittelt, und zwar in Hindenburg 1 und in Rudnik (Kreis Ratibor, Reg.-Bez. Oppeln) 4; vom 31. Oktober bis 6. November 7 Erkrankungen in RNudnik (Kreis Ratibor, Reg.-Bez. Oppeln).

Oesterreich. In der Woche vom 24. bis 30. Oftober 14 Er- frankfimngen, und zwar in Steiermark 9 und in Kärnten 5; vom 31. Oktober bis 6. November 2 Erkrankungen inSteiermar É

Ts\cheho-Slowakei. Vom 22. bis 28. August 16 Er- frankfungen (und 3 Todesfälle), davon in der Slowakei 9 (1), im karpatbishen Gebiete 5 (1), in Böhmen 1 (1) und

inMähren L Fleckfieber.

. Deutsches Reih. In der Wohe vom 7. bis 13. No- vember wurden 17 Erkrankungen mgetett und zwar in Stettin (im Versforgungskrankenhause Nemiy) 2 und im Interniertenlager Parc im (Mecklenburg-Schwerin) 15.

Für die Woche vom 31. Oktober bis 6. November wurden nach- träglih noch 6 Erkrankungen in Stettin (im Versorgungs- franfenhause E gemeldet.

Ungarn. Vom 27. September bis 3. Oktober 7 Erkrankungen, und zwar in den Komitaten Szabolcs s und Bereg 2.

Ts\cheho-Slowakei. Vom 22. bis 28. August 14 Er- franfungen (und 1 Todesfall), und zwar in der Slowakeit 7 (1) und im karpathischen Gebiete 7.

Genidckstarre. reußen, In der Woche vom 31. Oktober bis 6. November im RNeg.-Bez. S leswig, Kreis Eckernförte, 1 Erkrankung; nachträglih wurde noch mitgeteilt für die Woche vom 24. bis 30, Oktober im MReg.-Bez. erseburg, Kreis Halle a. S, 1 Erkrankung.

- Spinake Kinderlähmung.

Preußen. In der Woche vom 31. Oktober bis 6. November 2 Erkrankungen in Berlin.

Schweiz. Vom 24. bis 30. Oktober 3 Erkrankungen, davon in Zürich sowie in den Kantonen St. Gallen und Genf je 1.

Ruhr. Preußen. der Woche vom 31. Oktober bis 6. November wurden 65 L e de (und 7 Todesfälle) angezeigt in folgenden Regierungsbezirken [und Kreisen]: Berlin 3 (1), Allenstein 1 (1) (Neidenburg), Arnsberg 28 (2) [Bochum Land 1, Dortmund Stadt 2 (1), D d Land 17 (1), Gelsen- Land Land 4 Lippstadi, Soest Land je 1, Strehlen

2 [Geln je

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.Natibor. Stadt, Rybnik je 1,

dorf d,

1), Düsseldorf 10

Barmen 2, Düsseldorf Stadt, Duisburg fe 1, Essen Stadt 3, Essen nd, Lennep, Solingen Land je 1}, Frankfurt 1 [Frankfurt a. D.], annover 1 [Hannover Stadt), Köln 2 (1) [Köln Stadt), agdeburg2 [Magdeburg}, Merseburg 1 |Weißenfels Land],

M ünster 3 [Münster Stadt 1, Necklinghausen Land 2), Stade

Irak “a je 1), Stettin 3 (2) [Stettin 2, Usedom- ollin 1 ( 1 Wiesbaden 1 [Frankfurt a. rh nahträg-

li ch für die Woche vom 10. bis 16. Oktober: Allenstein 3 (i) [Sensburg]; vom 24. bis 30. Oktober: Matiadurg 2 (1) [sLieben- werda 1, Mansfelder-Gebirgskreis 1 (1)}], Oppeln 33 (6) [Beuthen Land 5 (2), Falkenberg 3 (1), Gleiwiß Stadt, Hindenburg je 1, Kattowitz Land 15 (3), a H pte 1, Neustadt 2, Oppeln Land,

r. Ste arnowiß 2], Schneidemühl 3 (1) Cramia—p 1, Deuts Krone 2 (1), Stettin 8 [Kammin 3,

sedom-Wollin 5].

Verschiedene Krankheiten in der Woche vom 31. Oktober bis 6. November 1920.

Pocken: Stockholm 1 Todesfall; Varizellen: Nürn- berg 13,Wien 15 Crkrankungen; Tollwut: Budapest 1 Todesfall; Bißverlezungen durch tollwutverdächtige Tiere: Reg.-Bezirke Oppeln (Vorwoche), Stettin je 2; Influenza: Berlin 7, Breslau 1, Birmingham 2, Dublin 1, Edinburg 3, Glasgow 2, London 8, Wien 1 Todesfälle, Neg.-Bez. Düssel- Nürnberg 11, Budapest 2, Kopenhagen 54, Prag und Vororte 1 Erkrankungen; spinale Kinderlähmung: Nürnberg 1 Erkrankung; Ruh r: Braunschweig, Budapest 6, Prag und Vororte 1, Wien 5 Todesfälle, Hessen 4, Bremen 2, Buda-

est 54, Prag und Vororte 3, Wien 20 Erkrankungen; Schlafs uhtkranfkheit cephalitis lethargica): Wien 1 TZodes- fal; Malaria: Reg. - Bez. Oppeln (Vorwoche) 45 Er- krankungen; Kräßze: Kopenhagen 147 Erkrankungen ; Nahs- rungsmittelvergiftung: Neg.-Bezirke Köln 23, Oppeln (Vorwoche) 4 Crkranfungen. Mehr als ein ehntel aller Gestorbenen ist an Masern und Röteln gestorben in Kaiserslautern Erkrankungen wurden angezeigt in Nürn-

35, Budapest 43; an Diphtherie und Krupp ge- storben in Altenburg, Berlin-Lichtenberg, Kaiserslautern Ér- franfungen wurden ermittelt in Berlin 195, Breslau 26, a a 51, Amsterdam 32, Christiania 20, Kopenhagen 96, Stock- olm 36, Wien 41. Ferner wurden Erkrankungen ermittelt an Scharlach in Berlin 105, Nürnberg 25, Hamburg 43, Nmiter- dam 22, Budapest 44, Kopenhagen 114, Rotterdam (17. bis 23. Dfk- tober) 22, Stockholm 20, Wien 71; an Typhus îin den Neg.-Be- irken Breslau 36, Arnsberg 37, Oppeln (Vorwoche) 36, in Meêlen- urg-Schwerin 39, Amsterdam 24, Budapest 26.

; Kunst und Wissenschaft.

Auf dem Mount-Wilson-Observatorium sind sowohl mit dem Fern- rohr wie auch auf Pen Sen E egeneue eigenartige Phänomene auf der Sonne in den lezten Jahren beobachtet worden, über die Ellermann im Astrophys. Journal“ berichtet. Der Direktor Dr. Archenhold teilt aus diesem Bericht im „Weltall“ folgendes mit: Als Ellermann in einer Sonnenflecken-Gruppe am 21. September 1915 die Wasserstofflinie He beobachtete, sah er plöglih ein sehr helles, aber s{chmales Band von ungefähr 5 Angström Breite auf beiden Seiten der Linie auftauchen und in wenigen Minuten wieder verschwinden. Die Erscheinung war so Aa daß sie zunächst nit als reell angesehen wurde. Als aber einen Monat später, am 21. Oktober, mehrere solder Beobachtungen mit dem Ferurohr

emadt und photographish bestätigt werden fonnten, wurde das

uen nah diesen Erscheinungen in das Arbeitêsprogramm mit auf- genommen. Die SUR Unna so beschränkt, daß felbst am 38 ecm freßen Sonnenbild des urmfernrohrs des Mount - Wilson- Observatoriums der Punkt der Störung mit Schwierigkeit auf dem Spalt des Spektogramms gehalten werden konnte. Die Dauer dieser merkwürdigen Wasserstoffexplosion betrug im Durchschnitt nur 2 Minuten, in den seltensten Fällen 5 bis 10 Minuten. Das plöh- lie Auftréten der Erscheinung gab Veranlassung, ihr den Namen „Wasserstoffbombe“ beizulegen. Zumeist tritt die Ersbeinung sym- metrisch auf beiden Seiten der Wasserstofflinie auf, aber in einigen Fällen war das helle Band auf der violetten Seite größer als auf der roten, in keinem Falle zeigte sich das umgekehrte Verhältnis, Zumeist treten die „Bomben“ in Sonnenfleckengruvven auf, die sih {nell verändern und sich aus mehreren einzelneu Flecken zusammenseßen; auch finden sie Nch am äußeren Rande des Halbschattens. Ist erst eine „Bombe“ sichtbar geworden und wieder verschwunden, so muß die Störungs- stelle unter Aufsicht gehalten werden, da mit großer Wahrscheinlich- keit bald wieder neue „Bomben“ auftreten, was zumeist nah 10 bis 20 Minuten ges{ieht. Sie baben auch sehr oft in den Fadteln ihren Sitz; dann- überlagert ihr Spektrum das der Fadckeln. Hin und wieder läßt sih an die Erscheinung bei der Wasserstofflinie HI und, aber A N nur, bei Fy beobahten. Der Siß der „Bomben“ muß tiefer liegen als die umkehrende Schicht auf der Sonne, da die Absorptionslinien des Wasserstoffs niht durch das helle Band der „Bomben“ verzerrt werden. Eine Beeinflussung der anderen Fraun- hoferschen Linien ist nit beobachtet worden.

Literatur.

Wohnungsmangel, seine Bekämpfung in Theorie und Praxis, mit Kommentar zum Reichs- wohnungs8mangelrecht und Nebenverordnungen, für die Praxis dargestellt und erläutert von Magistratsafsessor G. Brumby, Erstem A Reeeo des Einigungsamts Neukölln. XV und 238 Seiten. Indu trieverlag Spaeth und Linde, Berkin. Geb. 16 4. Im Mittelpunkt der Darstellung steht die Woh- nung8inangelverordnung vom 23. September 1918 in der heute geltenden Fassung, die auf dem Neichsgeseß vom 11. Mai 1920 über Maßnahmen gegen Wohnungsmangel beruht. Nach einem geschihtlichen Ueberblick über die Zunahme der Wohnungsnot erörtert der Verfasser zunäd |st kurz die bisher zu deren Be- fämpfung angewandten Mittel, die Hergabe öffentliher Bau- darlehen und die Wegnahnie E De Naums, fowie die \ozial- politischen und sozialwirt schaftlichen Probleme. die si in den Neforms- vorshlägen bekannter Wohnungspolitiker und -theoretifer darstellen: Mietausgleichsteuer auf die alten Wohnungen zur Gewinnung pon Mitteln tür Herstellung neuer Wohnungen Spar l erun des Bau- wesens Heimstättengeseg mit Ablösung privaten Eigentums durch Vorkauf oder Enteignung und Lun der Privatwirtschaft im Mohnung3wesen durch Gemeinwirtschaft fedlungégeles mit Bildun behördlich beaufsihtigter „Landschaften“ und „Hautschaften“, d. örtlicher Vereinigungen der bisherigen Grundeigenttmer, die fünftig nur Nußungéberechtigte wären, und der im Finzelrecht bleibenden Gebäudeeigentümer zur Uebernahme der Boden- bezw. Bauwerk- {ulden Nötigung ans Bürgers dazu, von seinem Arbeitsertrag asjenige Kapital anzusammeln, das zum Bau, zur Erhaltung und

iederberstellung seiner Wohnung als Hausteils, der nah Aenderung der Gesegebung in sein Eigentum übergehen soll, erforderlich ist Bildung von gohngene eaen deren Aufgabe auf das Mietwohnungswesen, auf Wohnungsperteiltng und Mietpreisbildung beschränkt fein foll, während der gemeinwirt- schaftlide Wohnungsbau dem Zwekverband der politischen Gemeinde als Siedlungsverband zu übertragen wäre, usw. Die in die Freiheit des Eigentums und in die Unverleglichkeit der Wohnung erheblich eingreifende Ldohnungsmangelverordnung, die die Grundlage für Wegnahme des Raumüberschusses bildet, gehört j den bisherigen Kampfmitteln gegen die Wohnungsnot und wird ein jolches vorläufig bleiben, nahdem ihre Befristung bis zum 31. Dezember 1920 durch das allerdings selbst bis zum 30. September 1921 be- fristete Meichsgesey über Maßnahmen gegen Wohnungsmangel vom 11. Mai 1920 aufgehoben worden ist. Ihre. Vorschrifter und die ergangenen Ausführungsbestimmungen werden im zweiten Teil dés Buches einer eingehenderen kritishen Betra tung unterzogen, wobei ugleich deren vielfa®, auch von wissenschaftliher Seite angezweifelte Nechtsgültigkeit eprüft wird. Der Verfasser erblickt in den Rationierungs- anordnungen ültige Beschränkungen der Grundrechte des Eigen-

tums und des Wohnungsfriedens (Art. 153 und 115 der ReiGEverfassung). Dagegen erachtet er einige Bestimmungen der preußischen Ausführungs verordnung vom 3. Juli 1920 über das Verfahren vor den Cinigungs- ämtern bei Einlegung von Beschwerden gegen Verfügungen der meindebehörden gemäß Artikel 4b des © Titels yom 11, Mai. 1920 für ungültig, was er naner u begründen jut. Dann folgt um dritten Teil des Bu es ein ausführlicher, die amtlihe Begründung, die Ausführungsvorschriften und die einshlägige Literatur berücksichti- gender Kommentar zur Wobnungsmangelverordnung und zur Anordnung für das Verfahren vor den Einigungsäntern. In diesem wie in der vorausgehenden fritishen Darstellung ist den furistish interessanten Fragen der richtigen Entshädigung bei Eingriffen gegen die Wohs- nungsnot besondere Beachtung ‘geschenkt. Ein Anhang zum Kom- mentar entbält den zusammenhängenden Wortlaut der amtlichen Be- gründungen zur Wohnungsmangelverordnung vom 23. September 1918 und zum Reichsgeseß über Maßnahmen gegen Wohnungs- mangel vom 11. Mai 1920 sowie einen Abdruck der preußischen Ausführungsbestimmungen. In einem vierten Teil wird noch das einilägige Nebenrecht geboten ; hier sind das preußische Wohnungsgeseß auézugsweise), die Anordnung, be- treffend den Zuzug von ortsfremden Personen und von ase ngen, die Verordnung gegen den Wucher bei Vermittlung von PVéietraumen, die Verordnung zur Behebung der dringendsten Wohnungsnot (vom 9. Dezember 1919), das Sozialisierungsgesez, das Neichssiedlungs- DeL E das Reichsheimstättengeteh (auszugsweise) und ie Bestimmungen des Reichsrats über die Gewährung pon Darlchen aus Reichsmitteln zur Schaffung neuer Wohnungen nebst den zu leßteren Bestimmungen ergangenen Ausführun svorshriften abge- druckt und, soweit nötig, mit Erläuterungen versehen. Beigegebene Muster und Beispiele erhöhen die Brauchbarkeit des Buches.

Die Höchsimieienveror? mung nebt Ausfüh- run erar vom 9. Dezember 1919, beschreibende Darstellung, Kritik und Erläuterungen von Magistratsassessor G. Brumby, Crstem Vorsitenden des Einigungsamts Neukölln. (Nachtrag zu Nhode-Brumby, Mieterschußverordnung, d. Auflage.) 111 Seiten. Berlin, Industrieverlag Spaeth und Linde. Jm ersten Teil des Buches wird eine übersihtlihe Darstellung des Inhalts der Höchsts mietenverordnung, ibrer Bestimmungen über einfahe Mietverträge, über Verträge mit Wärmelieferung uüd über zwangsweise Errichtung und Pein der Einigungsämter gegeben. Hieran {ließt \ichG ein fritisGer Teil, in dem der Verfasser zu den wichtigeren Vorschriften Stellung nimmt. Dann folgt als" Hauptteil eine ers{chöpfende Er- läuterung der einzelnen Bestimmnngen der Verordnun und zum Schluß eine Wiedergabe des allgemeinen Teils voin Ausfübrungs- erlaß des preußischen Ministers für Volkswohlfahrt zur Höchstmieten- verordnung, der im übrigen im Kommentar_ bei den einzelnen Para- graphen der Verordnung mitbetücksihtigt ist. Das Buch erscheint geeignet, die Schaffung eines klaren Nechtsverhältuisses zwischen Mieter und Vermieter zu erleichtern.

Verkehrswesen.

Der z. Z. in Madrid tagende Weltpostkongreß bat die Konvention des Weltpostvereins angenommen, nach der der inter: nationale Tarif auf 50 Centimes für den Brief, für Post- karten . auf 30 Centimes und für jede 50 Gramm Drucksachen, Geschäftspapiere und Warenmuster auf 10 Centimes festgelegt wird. Die Linder, in denen die Valuta höher steht als in Brann sind berechtigt, diese Ansäte in der Frankenwährung entsprehenden Taxen anzuwenden, ohne aber unter die auf dem A perongres von Rom festgeseßten, gegenwärtig in Kraft stehenden Taxen geben zu dürfen. Der nächste Weltpostkongreß wird im Jahre 1924 in Stockholm abgehalten werden.

Vauwesen.

Bautätigkeit in bayerischen Städten. Im esweiten Vierteljahr 1920 betrug, wie das „Zentralblatt der Bau: verwaltung“ mitteilt, die Zahl der neu errichteten Gebäude in - Nürnberg 106, Müncßen 82, Augsburg 29, Fürth 19, Würzburg 3, Hof 0. Betrachtet man die Zahl der neu errilteten Wohngebäude, fo steht München mit 70 an erster Stelle ; es folgen Nürnber mit 18, Augsburg mit 3, Würzburg mit 2, Fürth und Hof mit Neubauten. Auch bezüglich des Zuwachses an Wohnräumen steht München mit 499 voran, dann kommt Augsburg mit 58, Nürnberg mit 45, Fürth mit 26, Würzburg mit 23, Hof mit 4 neu gewonnenen Wohnräumen.

Theater und Musik.

_ Im Dpern hause werden morgen, Freitag, die Ballette „Licht“ (symbolishe Gruppentänze zur Musik von Gluck), und „Silhouetten“ wiederholt. Beschäftigt sind darin die Damen Kuhnt, Peter, Berghoff, Schröder und die Herren Molkow, Zekai Wtorczyk sowie das gesamte Ballettperfonal. Anschließend daran wird die Oper „Bajazzi“, mit Frau Hansa und den Herren Jonsson als Gast, Schlusnus, Philipp und Düttbernd beseßt, gegeben. Musi- kalischer Leiter ist der Kapellmeister Otto Urack. Anfang 6# Uhr.

_ Im Schauspielhause geht morgen „König tihard IIL*“ mit Friy Kortner in der Titelrolle in Szene. Anfang 7 Uhr.

m Schillertheater Charlottenburg wird jeßt Gerhart Hauptmanns Diebskomödie „Der Biberpelz“ neueinstudiert. Die Erstaufführung ist für den 30. November in Aussicht genommen, Die Nolle der Waschfrau Wolff spielt Fanny Wolff, den Wehrhahn Georg Paeschke. O

Die „Deutsche Kinderhilfe“, die, wie {on mitgeteilt (vgl. Nr. 267 d. Bl. u. „Wohlfahrtspflege“), die Wohlfahrtss vereine aller Parteien und Bekenntnisse ganz Deutschlands zu emeinsamem Hilfswerke für die deutschen notleidenden Kinder tusammen)Geos, wird auch die Kunst in den Dienst ibrer segensreiden Bestrebungen stellen. Der Berliner Ge- sangs- und Vortragskünstler Julius Edgar Schmock ist mit der ¡Mng ciner Organisation betraut worden, die bezweckt, in den eutshen Schulen Wohltätig- keitsabende zu veranstalten, an denen in Wort und Led Kindes Leid und Lust künstlerischen Ausdru finden sollen. Der erste dieser Abende, die ein einheitlihes Eintrittsgeld (3 46) und eine ein» heitlihe Vortragsfolge aufweisen, an deren Ausführung, außer dem Genannten, Elfriede Shmock (Sopran), Erna Rieg (Alt) und ranista Siebert (Klavier) beteiligt find, findet demnächst in Berlin statt. Dem großzügig angelegten Plan ist ein voller Erfolg zur Linderung der Not unserer ärmsten Kinder zu wünschen.

Manuigfaltiges.

Der OberbürgermeisterWermuth hat, wie „W. T. B.°* meldet, mit Rücksicht auf seinen äußerst angegriffenen Gesundheits. zustand und mit dem Hinweis darauf, dos er das 6, Lebenèjahr überschritten habe, den daa gebeten, seine Versezgung in den Ruhestand herbeizuführen.

Der Yatert en as Frauenz-Verein (Haupts verein) veranstaltete am 23, und 24. November d. J. in Verlin seine 04. Délegierten- und Mitgliederversammlung. Beide Tage wurden, wie „W, T. B.“ berichtet, mit Ansprachen der Vorsißenden, Gräfin Wilhelm Groeben, eingeleitet, die die großen Ziele und Aufgaben, die der Verein in der neuen Zeit ium leichen Geist werktätiger Liebe wie frühèr verfolgt, darlogte und jeinen Eintritt in das iept in Bildung begriffene „Deutsche tote Kreuz“ als Forderung des Tages darstellte. Dieser Eintritt wurde beschlossen, Auch als Glied de Deutscden Noten Kreuzes bleibt der Vaterländische Frauen - Verein ein selbständiger Verein wie bisher. Nach eingehender Beratung wurde die neue Saßung des Hauptvereins G LOES

* wesentlichste Bestimmungen ofene die Verkleinerung e

des vorstands mit dem ausgesprohenen Zweck. ibn dauernd afti zu ben, und die Schaffung eines Verwaltungdrais, in dem entlt