1920 / 288 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

E E T E Ie T E inan

Nach Ablauf der für die freiwillige Waffenablieferung festgeseßten Frist hat der Reichsentwaffnungskommissar Dr. Peters auf Grund des Entwaffnungsgesezes Zwangs- durhsuchungen für das ganze Reih angeordnet. Mit Vor- naÿme dieser Zwangsdurhsuchungen ist am gestrigen Vor- miitag auch in Berlin begonnen worden, und zwar hat die Durchsuchung zunächst im Westen Berlins eingesezt. Jn der nächsten Zeit werden auch andere Stadtviertel Groß Berlins einer Durchsuhung nach Waffen unterzogen. Die Durchsuchungen erfolgen: durch Kriminalbeamte der Abteilung T A in Verbindung mit der Schußpolizei. Der Berliner Polizei- präsident hat/den Beamten bei ihren Amtshandlungen schonendstes Vorgehen zur Pflicht gemacht, vertraut aber auch darauf, daß die Bevölkerung durch verständnisvolles Entgegenkommen der Polizei ihren {weren Dienst erleichtert.

Die ehemaligen Kriegsteilnehmer von 1864, 1866 und 1870/71 leiden, soweit fie vermögenslos und infolge des Alters oder von Krankheit erwerbsunfähig sind, besonders unter den jeßigen Teuerungsverhältnissen. Wenn es auch bei der bekannten \{lechten Finanzlage des Reichs - leider nicht möglich ist, diefen alten verdienten Männern durch eine der Entwertung des Geldes entsprehende Erhöhung der Krieasteilnehmerbeihilfe dauernd zu helfen, soll die 50. Wieder- fehr der Tage der großen Kriegsereigqnisse von 1870/71 doch niht vorübergehen, ohne ihnen durch Gewährung einer Ehren- gabe in Form einer einmaligen Beihilfe von 150 4 den Dank des Vaterlandes zum Ausdruck zu bringen. Die Beihilfe wird, wie „Wolffs Telegraphenbüro“ mitteilt, an alle am 20. De- zember 1920 lebenden Empfänger der Veteranendbeihilfe möglichst noch vor Weihnachten zur Auszahlung kommen. |

Livyve.

Der Landtag, der am 23. Január nächsten Yahres neu gewählt wird, hat, wie „Wolffs Telegraphenbüro“ berichtet, in dritter Lesung eine Landtagsvorlage an- genommen, die wohl als einzige in Deutschland die Wahl mit fogenannten Wahlscheinen vorsieht. Der Landtag hat damit den besonderen Bedürfnissen Lippes Rechnung getragen, dessen Bevölkerung zu einem nicht unerheblichen Prozentsatz aus Manderarbeitern besteht, die während eines großen Teils des Jahres außerhalb ihrer engeren Heimat ihr Brot ver- dienen müssen.

Ungarn.

Der Neichsverweser hat gestern den amerikanischen Senator Mc Cormicck, den der amerifanische Oberkomimissar in Budapest Grand Spith vorstellte, in längerer Audienz empfangen. T Dex Vunisterpräfidenit Teleki gab Nationalversammlung das Regierungsprogramm betannt. Er erklärte dem „Wolffschen Telegraphenbüro“ zu- folge: x Die Negierung babe das Programm des vorigen Kabinetts in den Hauvtpunkten beibehalten. Die wichtigste Neuerung fei das Stnanzbþprogramm, das der Finanzminister am Montag ver- lesen werde. Die Wiederauinahme der Wirtichaftsbeziehungen zu den Nachbarstaaten sei ein dringendes Bedürfnis, und es sei zu hoffen, daß Verhandlungen mit Oesterrei in erster Neihe zu einem Grgebnis führen werden. Nachdem die Agrarreform angenommen set, komme jeßt die Fürsorge für die Industriearbeiter an die Neiße. Die Verfalsungsreform werde mit der Wahl- redtéreïorm anfangen. Nachdem die Nationalversammlung die Auf gaben einer Konstituante erledigt babe, werde cine neue Gesetzgebende Be:fammlung auf Grund eines entspreGend eingeshränkten Wahlrechts gewählt werten. Bezüglich der Thronfolge müßten die Folgerungen aus der Vergangenheit gezogen und das Verhältnis zwischen König und Nation neu geregelt werden. Die Wiedererrichtung eines nationalen unab- hangigen Königreichs sei bereits im Friedensvertrag anerfannt, müsse jedoch in einer eigenen Willentäuferung der Nation inkorvoriert werden. Die außen- wie die innenpolitishe Lage des Landes verbiete ein Aufrollen der Perfonensrage, die nur dann gelöst werden dürfe, wenn die Nation, von jeder fremden Beeinflussung vollständig befreit, ent\deiden könne, wer König sein folle. Die Regierung werde bis dahin jede persönliche Propaganda, die die Nuhe des Landes gefähtde strengstens unterdrücken. :

Die Nede wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen.

Grof:britantniien und Jrland.

Das Oberhaus hat die ihm vom Unterhaus wieder zu- gegangene Homerulebill mit dem vom Unterhaus genshmigten Zusaßzanträgen angenommen.

Frankreich.

__ Die französishe Regierung hat dem „Echo de Paris“ zufolge der englischen und der italienischen Regierung vorgeschlagen, am Tage des Eintreffens König Kon- stantins in Athen die Gesandten zurückzuberufen und je durh einfahe Geschäftsträger zu erseßen. Sowohl Lord Curzon wie auch Graf Sforza haben ablehnende Antworten gegeben oder solche in Aussicht gestellt.

___— Die Kammer hat gestern na längeren Ausführungen des Ministerpräsidenten Leygues über die Entwaffnung Leutschlands eine Tagesordnung des Generals Cas\tel- nau, die dem Ministerium das Vertrauen aus\pricht mit 493 gegen 65 Stimmen angenommen. In der Tages- ordnung wird dem „Wolffschen Telegraphenbüro“ zufolge goiagt, die Kammer nehme die Erklärungcn der Regierung, - daß sie gemeinsam mit den Allierten die Entwaffnung Deutschlands und die Ausführung der Nepa- rationsflauseln vornehmen wolle, zur Kenntnis, und zähle auf sie, daß sie die nationale Sicherheit gewährleisten, sowie daß sie die Forderungen der äußeren Politik mit den finanzie!len Möglichieiten des Landes in Einklang bringen werde. Die Kammer ging alsdann zur Tagesordnung über. Die Inter- pellationen über die auswärtige Politik werden am Mitiwoch durhberaten werden,

Nu land.

A: (0 : z i eth Somwjetregierung hat nach einer Meldung des „Wolfiscien Telegraphenbüros”" Kenninis von der Absicht vapans, gegen die Uebergabe der Konzessionen in Kam- 1#ch atka und Nordsibirien an die ausländischen Industriellen zu protestieren, da dadurch die Nechte der Japaner auf den ViÓjang in diejen Cebieten verleßt würden. / T F T t r . . L E Kommissar für auswärtige Angelegenheiten Tschitscherin hat an den rumänischen Minister des Aeußern eine Note gerichtet, mit dem Ersuchen, Ort und Datum einer Konferenz vorzu\c/logen, die \ck mit der Wiederherstellung des Friedens zwishen Rußland und Rumänien bed) ¡ti Cl joll.

gestern in der |

Eine Kundgebung der Regierung teilt mit, daß im Gouvernement Kaluga ein „Verpflegungsmonat“ ein- gerichtet wird, um die Zwangslieferung lückenlos durchzuführen. Es werden Agitationsfräfte mobilisiert. Den Großbvauern, die dem Befehl der Zwanaslieferung nicht nachgekommen sind, foll ihr Eigentum fonfisziert werden zugunsten der fleinsten Bauern.

Jtalien.

Der König und die Königin von Dänemark sind vorgestern abend von Nom nah Varis abgereist.

Nach Blättermeldungen aus Zara fam es bei dem Ver- such, das . dalmatinishe Freiwilligenfkorys zu ent- waffnen und aufzulösen, in der Kaserne des Korps zu einem Feuergefecht, bei dem auf beiden Seiten mehrere Soldaten verwundet wurden. Die vom Gouverneur Millo zur Durch- führung der Entwaffnung entfandten 290 Mann zogen ih auf Ersuchen des Karabinieri-Kommandanten s\chließlich zurü. Eine Bürgerabordnung aus Zara hat Millo gebeten, das Frei- willigenkorps nicht aufzulösen.

Belgien.

Nach dem amtlichen Bericht über die gestrige Sißung der Brüsseler Konferenz gab der Staatssekretär Bergmann einen Neberblick über die Anfichten der Deutschen Regierung in der Neparationsfrage, wobei er einen Untershied machte zwischen der Frage der Neparation in natura und der Reparation in Geld. Bezüglich der Frage der Neparation in natura ffizzierte Staatssekretär Bergmann einen Plan, der später revidiert und besprochen werden wird. Der deutshe Delegierte betonte die Schwierigkeiten, die für Deutschland bestehen würden, Zahlungen in bar zu machen, solange die finanzielle Lage und der Kurs der Mark sih nicht gebessert haben. Am Nachmittag fand zwischen den Delegierten der Alliierten ein Meinungsaustaufch statt über die Methode, die angewandt werden foll, um gewisse Vorschläge und Anregungen der deutschen Delegation näher zu prüfen. Der deutschen Delegation ist im übrigen ein Fragebogen überreicht worden, der gewisse nähere Angaben über die wirtshaftlihe Lage, die finanzielle Lage, die Ausfuhr und die Einfuhr Deutschlands verlangt.

Die nächste Sißung der Konferenz, an „der auch die deutsche Delegation teilnimmt, findet heute vormittag statt. Nach den bisherigen Absichten * werden sh von den deutshen Sach- verständigen der Ministerialdirektor Le Suire mit der Frage der Liquidation der deutshen Werte im Auslande, Dr. Melchior mit der Fraae der Meistbegünstigung in Handel und Zollwesen und der Generaldirektor Cuno mit der Not- wendigkeit, Deutschland eine gewisse Tonnage zur Verfügung zu stellen, beschäftigen.

Eine Meldung des „Libre Belge”, wonach der Ministerrat

beschlossen _ habe, binnen kurzem zur Liquidation des seit | dem Waffenstillstand

1j in Belgien unter Sequester stehenden deutshen Besißtums zu schreiten, ist, wie „Havas-Neuter“ meldet, nicht ganz zutreffend. Der Finanzminister beabsichtige

| wohl, diese Maßnahme zu ergreifen, werde fie aber erst dem | Ministerrat in einer seiner nächsten Zusammenkünfte unter-

breiten.

Die parlamentarische Finanzkommission hat am Mittwoch eine Sizung abgehalten, in welcher der Finanzmiktister ein längeres Exposé über die Lage, gab. Jn diesem legte er, „Libre Belgique“ zufolge, dar, daß ganz im Gegensaz zu

| einem umlaufenden Gerücht die verschiedenen Abstriche an den | Ausgaben, die hier und da vorgenommen wurden, bei weitem | niht ausreihten, um das Budget von 192 | zu bringen.

ins Gleichgewicht S Er werde noch viel mehr Abstrihe machen müssen, wenn man eine Finanzkrise, wie sie noch nicht da- gewe]en sei, vermeiden wolle. Vor allem müsse dem fort- laufenden Druck von Papiergeld ein Ende gemaht werden, denn wenn man so fortfahre, werde der belgishe Franc shließlich nur noch Assignatenwert haben.

Schweiz.

In der gestrigen Nachmittaasfißung der Völker-

| bundsversammlung wurde, wie „Wolffs Telegraphenbüro“ | berichtet, ein

Antrag des rumänischen Delegierten Take Jonescu auf Entsendung eines internationalen Erpeditionskorps von 40 000 Mann nach Armenien, das dem Befehl des interalliierten Generalstabes unter- stellt werden soll, der Spezialkommission der Ver- sammlung überwiesen mit dem Auftrage, in der heutigen Eibung darüber zu berichten und einen diesbezüglichen Antrag einzubringen. Der Präsident Hymans zollte dem Antrage volle Anerkennung, gab aber der Befürchtung Ausdruck, daß die Angelegenheit in der gegenwärtigen Tagung nicht mehr erledigt werden könne. Die Versammlung trat alsdann in die Beratung des Budgets dezs Völker- bundes fowie des Kommissionsberichts über die Verteilung der Kosten auf die einzelnen Mitglieder ein. Aus den Kommissionsberichten ist befannt, daß ein besonderer AusGuß von fünf Mitgliedern die Frage der Verteilung prüfen soll, da die Kommission die gegenwärtige Verteilung nah dem Maßstab des Weltpostvereins als nicht praktish betrachtet. Die Kommission fordert weiter, daß feine Ausgaben gemacht werden dürfen, ohne Bewilligung durch die Versammlung, und daß nur in besonderen Fällen der Nat folche beschließen kann.

Der Berichterstatter F o ster (Kanada) betonte die unbedingte Notwendigkeit, das: der Völkerbund die nötigen Gelder aufbringen muß, und bezeichnete es für wünscenêwert, die im Völkerbundsvertrag aufgestellte Forderung nach Einstimmigkeit für Budgetfragen aufzu- geben. In der Debatte bemängelte eine Anzahl Delegierter die H3be der Gehälter. Allen - Neuseeland und Willian Meyer- Indien sagten, das Gehalt des General sekretärs mit 200000 Franken in Gold stebe in feinem Verhältnis zu Ministergebältern in den einzelnen Staaten. Bal four- England wies diese Kritk zurü. Die Bezüge des Generalsekretärs seien durch den Vertrag selbst fest- geseßt worden.

Sämiliche Anträge der Kommission wurden angenommen, desgleichen in der Schsußabstimmung das Budget des Völkerbundes mit 21 Millionen Mark für 1921.

Der Präsident Hymans gab bekannt, daß die Spezial- fommission, die sich mit der Frage zu befassen hatte, ob die fünf neu aufgenommenen Staaten noch in dieser Taqung zu- gelassen werden sollen, zu dem Schluß gekommen sei, daß einzi der in Genf anwesende Vertreter Finnlands ausreichende Volle machten habe, um an den Sißungen teilzunehmen, während die Vollmachten Oeskerreichs, Bulgariens, Luremburas und Albaniens nicht genügten. Nichtsdestoweniger beantrage die Kommission, sämtliche Vertreter an der nächsten Sizung teilnehmen zu lassen. Diesem Antrage stimmte die Versammlung zu.

a Der Völkerbundsrat hat den General Hakin g zum Oberfommissar von Danzig für die Dauer eines Jahres ernannt. Gestern prüfte der Völ ferbundsrat die Mandats- projeîte, die ihm von einigen Mitgliedern unterbreitet wurden.

L

Die Mandate sind: Samoa (das Neuseeland zugeteïlt wird), Neu Guinea und die anderen Jnseln füdlich vom Aequator Se Nauru (England), das frühere Deutsh Ostafrika (Südafrifa), die Juseln des Stillen Ozeans nördlih vom Aequator (Japan). Nach einer Erklärung des japanischen Ver- treters, der Vorbehalte über die Behandlung Jae E Unter- tanen in den Mandatsgebieten machte, faßte der Rat Beschlüsse über die Mandatsausübung.

\Die amtlihe Mitteilung bringt den Text des Be- schlusses über Samoa, dessen Mandai im Namen Neusee- lands von England ausgeübt wird.

Danat haben die Mandatare volle administrative und gesetgebende-

Gewalt über das Mandatsgebiet aur das als Bestandteil des be, treffenden Landes die Geseße des Mandatars Anwendung finden. Die übrigen Artitel des Beshlusses enthalten Bestimmungen über das Verbot der Sklaverei und der Zwangsarbeit, abgesehen von Arbeiten, die öffentliches Interesse haben, über die Kontrole des Waffen- und Munitionshandels, Verbot des Handels mit alkobolis{Gen Getränfen, Verbot der Militärinstruktion für Eingeborene außer für N Ferner wird die Errichtung von Militär- oder lottenstützpunkten und die Befestigung im Mandatsgebiet untersagt. Die Missionare aller Völferbundsmitglieder haben freien Zutritt. Die Mandatare müssen dem Rat einen Jahresbericht zustellen, in dem jede mögliche Aufklärung über die Mandatsausübung erteilt wird. Alle Abanderungen in den Mandatsbestimmungen bedürfen der Einwilligung des Völkerbundes. Streitfälle, die zwishen einem Mandatar und einem Völfkerbundamitglied über die Auslegung des Mandats besteben, und die nit auf dem Wege der Verhandlungen zu regeln sind, müssen dem Internationalen Gerichtshof unterbreitet werden. j Diese Erklärung wird dem Archiv des Völkerbundes eix verleibt. Abschriften werden vom Generalsekretär allen Untza- zeihnern des Friedensvertrags mit Deutschland zugestellt.

Das Protokoll über den Jnternatiñnalen Ee- rihts8hof haben laut Meldung des „Wo!ffschen Telegraphen- büros“ Portugal, Griechenland, Norwegen, Schweden, Javan, Brasilien, Uruguay, Neu Seeland unterzeichnet. Portugal ist der einzige Staat, der bisher auch gleichzeitig den obligatorischen Charafter des Gerichtshofes für die verschiedenen vorgeschenen Fälle anertannt hat.

Die vom Nationalrate der Westukrainishen Nepublik zum Völkerbunde entsandte Delegation für Ostgalizien

hat obiger Quelle zufolge an den Völkerbund eine Note

gerichtet, in der verlangt wird, daß dem ufrainishen Volfe Ostgaliziens als der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung des Landes das freie Selbstbestimmungsreht zuerkannt, die provisorische volnishe Verwaltung, die zur Entnationalisierung und Unterdrückung des ufrainischen Volkes im Lande ausgenügßt werde und fich als ganz untauglih erwiesen habe, s{leunigît abgeschafft und durch eine einheimishe Verwaltung unter Zu- grundelegung des Nationalitätenshlüssels und unter Kontrolle einer internationalen Kommission erseßt werde. Schließlich wird der Völkerbund ersucht, die Bevollmächtigten des National- rats als der einzigen legitimen, aus den allgemeinen Wahlen hervorgegangenen Vertretung Ostgaliziens zu allen das Land betrefssenden Beralungen zuzulassen.

Litauen.

__ Nash einer Meldung der „Litauischen Telegraphenagentur" scheint der mit Polen abgeschlossene Waffen still stand zu- verlässigen Meldungen aus Wilna zufolge von neuem ge- fährdet zu sein. Jn den leßten Tagen mehren sich die in Wilna ankommenden Militärtransporte mit Munition,

Ausrüstungsgegenständen und Lebensmitteln. Man erwariet -

eine neue polnishe Offensive, und zwar von seiten des bis- herigen Generalstabschefs Zeligowsfis, des Obersten Bobicki. Da nämlich Zeligowski sich der polnischen Regierung offiziell unterstellt hat, ist seinerseits ein neues Unternehmen nit an- aungig. Andererseits würde ein neuer fingierter Aufstand des Obersten Bobicki die für Polen nicht sehr günstige Wilnaer Frage wieder ins Nollen bringen und die Entsendung von interalliierten Truppen als unabwendbar erscheinen lassen. Jn der neutralen Zone häufen sih die polnischen Ueber fälle auf friedlihe Bewohner. Die litauishen Grenztruppen haben mehrfach sogar Angriffe auf ihre Stellungen abweisen müssen, was polnischerseits als Bruch des Waffenstillstands

ausgeleat worden ist. Aus allem erhellt, daß Polen nicht in

Ernst gewillt ist, die Abmachungen mit Litauen zu achten, son

A mit allen Mitteln seine Annexionspolitik lortguieten be

müht ift.

In der Wilnaer Plebiszitfrage verharrt dit litauishe Regierung obiger Quelle zufolge auf dem von ihrem Delegierten Professor Woldemar bei dem Völterbund ver tretenen Standpunki, wonach eine Volksabstimmung prinzipie und ausschließlih in dem Gebiei füdlich der Linie Orany— Bastuny—Molodetshno, d. h. in den Kreisen Wileifa, Disna, im Gebiet von Grodno, mit Ausnahme der südlichen von Ukfrainern und Polen bewohnten Teile, statifinden soll. Ferner verlangt die litauishe Regierung eine Volksbefragung auch in den zurzeit von Polen beseßten Gebieten des ehemaligen Gouvernements Suwalki, den Kreifen Seiny und Augustowo, und zwar überall niht vor Ablauf von sechs Monaten, bis eine auf demokratisher Grundlage zu- stande gekommene Selbstverwaltung in den Gebieten gebildet ist. Im übrigen wird seitens der litauishen Regierung die Anerkennung de jure als Grundbedingung für die Zubilligung einer Volksabsiimmung verlangt. Dieser Standpunkt ist, en gegen den Meldungen der polnishen Presse, auch bei den Ver- handlungen der litauishen Kommission in Warschau von An- beginn vertreten worden,

Dschecho-Slowakeft.

__ Der Senat hat, wie „Wolffs Telegraphenbüro“ meldet, in seiner ges.rigen Sißung folgende von den deutschen Senatoren eingebrachte Entschließung einstimmig an- genommen:

Tie Negierung wird aufgefordert, der Nationalversammlung vor Ablauf der Zeichnungsfrist für dieStaatsanleihe den Entwurf cines Nachtragsgeseges zum Kriegsanleibe- ges es vorzulegen, durch das die Art der Durchführung der Ge!eße über die zur Zeidnung der Staatäanleiben nach dem Gesetze nicht verpflichteten Personen geregelt und gleichzeitig die Härten des geltenden Geseßes, namentli für wirtsckaîtlid sckwahe Personen und für {wache öffentlile Korporationen, beseitigt werden.

Vorgestern sand in Prag eine Besprechung der t\chechischen sozialistishen Parteien (Sozialdemofralen, Kommunisten, Nationalsozialen) unter Teilname von Vertretern der Legionäre statt, wobei über die Schaffung eines einheitlichen tschechishen sozialdemofratischen Blocks verhandelt wurde. Wie die „Narodni List“ melden, erklärten die Parteien grun?- säßlih ihre Einwilligung, doch äußerten einige Teilnehme! Bedenken, ob es unter den gegenwärtigen zerrütteten Ver- hältnissen möglich sei, einen folhen Block zustandezubringen und eine vorwiegend sozialistishe Negierung zu bilden. Der

agrarishe „Venkow“” dementiert die aufgetauhten Kombinationen iber die Möglichkeit einer neuen Koal:tüon der parlementarischen Parteien und der Bildung einer entsprehenden Regierung.

Griechenland.

Eine amilie Verlautbarung teilt mit, daß der Genera! 2ymbrakakis, Oberbefehlshaber der griehishen Armee in Thrazien, den Versuch gemacht habe, in verschiedenen Gegenden der Provinz einen Aufstand hervorzurufen. Da der Versuch gescheitert sei, sei der General mit mehreren Offi- zieren nah Konstantinopel abgereist.

Statistik und Volk3wirtschaft.

Arbeitsstretitigkeiten.

Xn Wien dauert der Ausstand der Postkraftwagen- fabrer und Postillone, wie ,„W. T. B.“ meldet, an, fo daß gestern die gesamte Briefvost wieder in den Aemtern liegen ge- blieben ist. Den Abendblättern zufolge ist iedoG in den gestrigen Nerhandlungen eine Annäherung erzielt worden, fo daß der Ausfiand baldigst beigelegt werden dürfte. Wie die „Arbeiterzeitung" meldet, wurde in einer am 16. d. M. abgehaltenen Versammlung der Hotelangestellten und Gastwirt8angestellten ein- simmig der Ausstand bes{lossen, der in der Weise durgefühbrt werden foll, daß er von einem Tage zum anderen aut die verschiedenen Norirke ausgedehnt wird. Der Ausstand kat gestecn im 1. und 9 Bark begonnen, wo fämtliße Hotels, Gast- und Kaffeebäufer cesélossen find. Heute sollte der Ausstand auf vier weitere Bezirke guégedehnt werden.

Aus Prag wird dem „W. T. B.* gemeldet: Den Blättern pódne bält der Allgemcinausfstand im Karbißer und ussiger Revier an, bingegen wird im Teplißzer Bezirk überall gtarder

Gesundheit8wesen, Tierkfrankheiten unnd Absverrungs- maßregeln.

Dem ReickÆs-Gesundbeitsamt ist der Ausbruch und das Erlöschen der Maul- und Klauenfeuc{e vom SWhlacht- bichhof in Leipzig am 14. Dezember 1920 gemeldet worden.

Literatur.

deutsGe Waffenstillstand3-Kommission. Reriht über ihre Tätigkeit vom Abschluß des Waffenstillstandes bis zum Inkrafttreten des Friedens. Autorisierte Au8qabe im Auftrage der deuten Maffenstillstand8-Kommission. 370 Seiten. Charlottenburg, Deutsche Nerlagégesellshaft für Politik und Geschichte m. b. H. Geb. 27 é. Neben der vom Auswärtigen Amt der Oeffentlichkeit übergebenen amtliGen Ausaabe der „Materialien, betreffend die Friedensverhand- sungen“, die in 10 Teilen unnd 3 Beibeften eine vollständige Zu- sammenste®"ung der authentisGen Terte aller Noten, Vorsbläge, Geaenvors{läge und Vereinbarunaen, die der Verlauf der Friedens- verhandlungen aezeitigt hat, einsVließlich des divlomatisch aenauen Wort!’auts des Friedenêvertraas zwisben Deutscbland und der (Entente enthält, ersheint eine von der inzwishen aufgelösten deutschen Waffen- stillstands-Kommisston autorisierte An8gabe der „Materialien, betreffend die Waffenfstillstandsverbhand"ungen“. Diese umfaßt den aanzen Verlauf der in Compiègne, Spa, Trier, Urembura und Brüssel geführten Verhandlungen, von der UeberreiGBung der feindliden Bedingunaen an bis zum völligen AbsAluß der Arbeiten der etgentlihen Waffenstillstands-Kommission, d. k. bis zu ibrer Ver- \&melunag mit dem Auswärtiaen Amt. Die ersten Hefte entbalten die NiecdersGriften der zwisWen dem damaligen Staatssekretär Grberceer und dem Marsckoll Foch fowie den beiderseitigen Mitarbeiternm geführten Verhandlunaen über den Waffen- üillsind und die versbiedenen Fristverlängerunaen. Dann fol die Berichte über die Beratungen der Finanz-, Lben®mittel-, S#ahrt8- usw. Kommissionen. Als 8. (Teßter) Band dieser Aus- aaf der „Materialien, betreffend die Waffenftillstandsverbandlunaen“ ett der eingangs ancefübrte offizielle SGlußberiGt ienen. in dem die Ergebnisse der in zwölf Monaten von der Laffenstillstandäkommission auf den zablreiden Teilaebieten des ihr juaewiesenen Mirkungäfeldes aelcisteten Arbeit überfihtli® zusfammen- oestellt find. Das weite Gebiet der von den Geanern Deuts{lands in die Wafenstillstandsverkandlungen einbezoqenen Fragen bat es mit {4 aebrabt, daß ter Aufaabenkreis der Wafenfstillstandskommission h viel umfanareider gestaltete, als es je bei einer äßnliden 8mmission der Fall gewesen ist. Vor allem waren zu bebandeln : die Näumuna der besetzten feindlißen Gebiete und deutscher Lande®- teile, die Nückbeförderuna der im Südosten und Osten Europas abacs{bnittenen deutsßen Truvven, die volnishe Fraane, die Aßaabe aroßer Mengen von Heere8gerät, die Ablieferunq von 5009 Lastkraft- waaen, 5000 Lokomotiven und 150 000 Eifenbaknwanen fowte von landwirtsÆaftliben MascGinen, der SBuß der Nkeinsciffahrt und die Nertretunqg des darin tätigen dents@en Urternekmertum8 und Savitals geaenüber der Entente, die Nückaabe von Maschinen und Material, die wäbrend tes Krieges aus Belgien und Frankre! fort-

Die

Me!fkrieq zum Leben erwacht; bis

nes%haft worden waren, die Rükqabe der von Deutscland geborgenen Finant!werte und Dokumente, die von öffentlichen und privaten Archiven, Katasterstammrollen usw., von Kunstgegenständen, Biblio- theken, wertvollen HandsŒriften usw., die in den Kampfgebieten von deutshen Truppen in Sickerbeit gebra®t worden waren , die Krieas- fsottenangelegenbeiten. bositis@e, insbesondere itis{ Fragen, die verzweifelte Lbenämittellage in Deuts{land fowie die Heim!\%affunqg der Krieag8gefanaenen und Zivilinternierten. Als am

NBedingunaen cines unerbört barten Waffenstillandes untersbreiben wußten, ohne daß ibnen eine nennen8werte Milderung der Be- dina»naen aewährt wurde, gab man ibnen die Zusicheruna, daß nidts ¡wisGen den Zeilen werde aclesen werden. So konnten sie weniastens die Zuber mit #ck nebmen, daß die fas undur{führbar barten Bedinqunacn des Waffenstillstnds das Höcbstmaß dessen darstellten, was von Deutschland verlanat werde. Sie konnten erwarten, daf nur das anedrüdid NVereinkarte Geltung baben sollte und nickts in den Woffenstillstantsvertrag bineininterpretiert werden würde. Auf tiefer Grund!ace Fat die teuts@e Waffenstillsta#dskommission om 16. November 1918 ikre Tätigkeit beaonnen. Aber {on die St-llung der Waffensti\standékommissien in Spa entsvrach nit dem Sinn und Wortlaut des Artikels 34 des Woaffen- Fislstantdévertrans. Von Nerbantsnnaen, um die beste mög- lie Ausführuna des Wafenstillstand8abkommens zu fichern, war, wenn deute Interessen in Fraae kamen, keine Rede. Sine nenenseitige Verständiauna wurde von den Alliierten nit gesuckt. Die Miierten und assoziierten Mächte verfukren nackch ibrem eigenen GrmeNen und gaben der deutschen Waffenstillstandskommission ihre Gnt\%Tieñungen und Anordnungen fund. Diese durfte nur bei der Dur6führung der getroffenen Entsceiduncen mitwirken. Höbstens in nebensäliden Punkten konnte sie ißkrer Ansikt Gehör verscbafen. Aber ri&t nur die Form, in ter ckch die Tôtiakeit der Waffenstill- standsfommisßon vollzog, sondern au die Durhfübruna des Waffen- ssstants felbst entsvrad nidt ten beretigten Erwartungen. Fast all? Bestimmungen des Vertraqns mußten den Alliierten während der unvorbergesebenen langen Dauer des Waffenstillstands die Handbabe ieten, um darans Mechte berzv!eiten, die bei Zugrundelegung des einfaßen Wortlauts feinesfalls, oft fogar auch bei weitester Auslequna nit becründet ershienen. Wenn #ch inderseits die deute Kommission zu ihren Gunsten auf Be- fimmunoen des Waffenstillstands berief, so wurde dies nur selten und dann z8a-rnd anerkannt. Die deutsGen Einwendungen wurden, wenn üfterbhaupt ernsthaft auf sie cingeganaen rourde, teils mit der Begründung zurückoewiesen, daß dec Waffenstillsiands- be nur einseitig Deutschland verpflichte, teils wurden die

wirtsMaftävolitiscbe |

in Frage kommenden Bestimmungen einfach für gerade auf den betreffenden Fall niht anwendbar erflärt. In Noten und Protesten hat die deutiche Kommission ihren Standpunkt und ihre Auffafsungen immer wieder ausführlid dargelegt. Aus dem vorliegenden Bericht erqibt si, was die Waffenstillstandsbedingungen in ihrer Durch- führung bedeuteten. Sie bedeuteten leider nichts in der Nichtung dèr Verwirklibßung des großen Zieles, das der Präsident der Ver- einigten Staaten von Amerika Wilson in seiner Iede vom 4. Juli 1918 aufstellte: die Herrshaft des Nets, gegründet auf die Zu- stimmung der Negierten und gestüßt durch die organisierte Meinung der Menscbbeit. Der Bericht, eine Fundgrube witigen Aufflärungs- stoffes, zeiat, wiè faum ein anderes Buck, die ganze Schwere des auf Deutschland lastenden Schicksals3, Ofkkupationsleistungsgeseß, Neich8gesehß über die Vergütung von Leistungeu für die feind- lihen Heere im beseßten Neihsgebiet und über die vereinfachGte Abschäßung von Krîiegs8- leistunagen für das deutsche Heer vom 2. März 1919 in der Fassung des Neich#gesetes vom 27. März 1920, erläutert von Dr. Paul Dreist, Senatspräsidenten beim Neichswirtschafts- aericht. XITI und 110 Seiten. Berlin, Verlag von Franz Vahlen. Preis 11 4. Das deutsche Kriegsleistungsrecht ist erst dur den dahin hatte weder Literatur noch Alle Versuche, Fraaen

Necbtspreburg Gelegenheit, es zu behandeln. des Kriegsleistungsrechts vor die ordentlihen Gerichte zu bringen, find nach der biéberigen Nehtsprebung diefer Gerichte gescheitert, das aanze Nechtsgebiet ift also der Ents{eidung der Verwaltungsbebörden überlassen aeblieben. Deren Entscbeidungen- sind aber in den seltensten Fällen in der Oeffentlichkeit bekannt geworden. Daraus erflärt sid die große Unsicherheit in allen beteiligten - Kreisen bei der Behandlung von Fragen des Ofkkupationskleistungsre®ts, das ih auf den Grundsätzen des Krieasleistung8reWts aufbaut, dabei al r

U den im Laufe des Weltfriegs und der Beseßung veränderten Un \dauungen über Reaquisitionen und Requisitionsleistungen Recnung trägt, und dessen Gebiet leßztinstanzliß einer unabhängigen ricter- liden Bebörde, dem Neichswirtshaft8geribt, zur Entsheidung zuge- wiesen is. In dem vorliegenden Kommentar erfährt das „Okfu- vationsleistung8geset8", wie das Reicbsgesez über die Vergütung von Listungen für die feindlichen Heere im besckten Neichsgebiet und über

die vereinfa&te Abs{ätzung von Kriegskleistungen für das deutsche |

Heer kurz bezeihnet ¿1 werden pflegt, eine sebr eingehende Er- läuterung aus berufener Feder, zu der vornehmlich die bisher nit veröffentlidte Rectsprebuna des Reicbswirtschaftägerichts verwertet ist. Er wird den Feststellungsbehörden (Regierungs- präfidenten und Bezirksämtern), den unteren Verwaltunasßeß örden (Bürgermeistereiez und Gemeinden), den örtlihen Abschäßzunae- fommissionen, def unmittelbar Beteiligten, also insbesondere der Be- völkerung in den Grenzaebieten, namentlich in dem linksrheinischen Gebiet, den Nechtäanwälten, Svyndici usw. #sch als wertvolles Hilfs- mittel bei der Feststellung wie bei der GeltendmaBung der Ansprüche auf Vergütung von Lelstungen für die Besaßzungstrupven erweisen. Nemerkt sei nod, daß, wie das Offkupationsleistungsgefet selbs nur eine innere deutsde Angeleoenbeit ist, die im vorliegenden Buche be- bandelten Grundsäße lediglich die Zablungsvflidt des Neiches gegen- über der Bevölkerung der beseßten Gebiete betreffen ; ganz unberührt davon bleibt die auss@&ließli{6 im Benehmen zwischen der Neichs- reaierung und den alliierten Mäcbten zu regelnde Frage, ob und wie- weit die in Erfüllung dieser Pflicbt vom Neicke aufzuwendenden Ve- träge auf die Wiedergutmabungsscchuld des Reiches nah dem Friedens- vertrag anzurechnen sind.

Jagd.

| gestern abend beendigt werden. | Falle noch auf der Brandstätte gelassen worden.

SGluß der Jagd auf Birk-, Hafel- und Fasanen- bennen.

Für den Landespolizeibezirk Potsdam bleibt es hinsfihtlih des SHlusses der Jagd auf Birk-, Hasel- und Fasanenhennen für das Jahr 1921 bei dem geseßlich festgeseßten Termin (31. Januar).

Potsdam, den 7. Dezember 1920. Der Bezirk8aus\Guß ¿1 Potsdam.

Theater und Mufik.

Kleines Theater.

Fm Kleinen Theater gab es gestern einen Einakterabend, der neben son Bekanntem eine neue Komödie, „Der Selige“ vo Hermann Bahr, brahte. Bahr macht darin den niht üb gelungenen Versu, das Enoch Arden-Motiv bumoristisch zu be- handeln, nur Tleidet sein Stück an Ungen des Dialogs und an leeren Stellen. Ein aus dem Weltkrieg nach jabrelanger Gefangenschaft zurüdfebrender, fäls{lich als tot gemeldeter Krieger findet feine Frau mit einem andern verbeiratet. d

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Die beiden Männer treffen si un- versebens, {ließen bald: Freundschaft und erörtern miteinander die s{wierige Frage, was nun werden solle, während die Frau, die bis dabin das Regiment im Hause zu führen gewöhnt war, na ibren Wünschen gar nit gefragt wird. Aus dieser Situation ergibt sich, mane überrashende und drollige Wendung in den gefübrten Gesprächen. Aber die Lösung der Verwiklung will dem Dichter ohne die fonst recht überflüssige Hilfsfigur eines als Zimmerberr zufällig im Hause wobnenden Juristen, der die Parteien über die Rebtslage auffklärt, nit gelingen. So fällt Schluß ziemlih stark ab. Was aber an Kurzweil in dem Einakter

| enthalten ist, arbeitete die unter Adolf Edgar Lichos Spielleitung

stehende vortrefflihe Aufführung restlos heraus. Er selbst gab mit lebhaftem Sinn für den Humor seiner Aufgabe den totgeglaubten Gatten : Friedri Wilbelm Kaiser stand ibm als ¿weiter Mann

faum nad, und Ilka Grüning mate aus der etwas stiefmütterlich bedachten

é ¿ E strittenen Fr ut ibrer feinen, unaufdrinalichen Kunst 11. November 1918 die deutsGen Unterfändler in Comvièane die | Nolle der umstrittenen Frau mit ibrer feine! j

eine feinfomish gezeihnete Gestalt von Fleisch und Blut. Den Abend hatte Wolfgang Göt? {on früber aufgeführtes Berliner Charakterbild&en aus dem Jabre 1848, mit Gustav Rodegg, F. W. Kaiser und Ida Orloff in den einzelnen Rollen, eröffnet. Am wirkfunosvollsten aber war das die Vorstellung bescließende, {on viel aespielte fatirisGe Lustspiel „Lottchens Geburtstag“

| ia - f Nhel i Nolle des twwelt- von Ludwig Thoma mit Alfred Abel in der Rolle des welk- fremden Professors Gi‘elius, dem die peinlide Frage ‘der Jugend- aufflärung seiner Tochter geaenüber so arge Verlegenheiten bereitet. Der Künstler mate, wie {on früker, die Gestalt des pedantien Gelehrten zu einer în allen Einzelheiten bumorvoll gezeicbneten Charaftcrstudie. Îlka Grüning sek!ndierte ibm als s{wäbelnde Professorégattin vortrefflih, und die kleineren Rollen waren bei den Damen S@ult-If und Stock sowie bei Helmut Krauß ebenfalls gut aufgehoben. Lebhafter Beifall lobnte ibnen allen.

Sam Opernhause wird morgen, Sonntag, den Damen Wildbrunn, Schuh als Gast und den Mann, Schütendorf, Braun, Henke, Philipp aufgeführt. Musikalisher Liter ist der Leo Ble. den Damen Hansa, i : : 1 den Herren Hutt, Scbluênus, Habich, Schügendork, Krasa und Lüde beseßt, e der inusikalischen Leitung von Otto Urack gegeben. An- f 7 Ubr. / :

E Im Schauspielhause wird morgen „König Richard I[.“ mit Frit Kortner in der Titelrolle (Anfang 7 Ubr) wiederholt. Für Montag ift „Kreuzweg“ (Anfang 7 Uhr) ange}eßt.

In den Kammerspielen des Deutschen Theaters eht morgen, Sonntag, in Abänderung des Spielplans Strindbergs „Sceiterbaufen“ (Anfang 74 Ubr) in Szene. Vie tür „Stella“ gekauften Karten werden auf Wunsch bis zum 21. De- zember umgetauscht.

X tren

Ziegler, vesetzt,

| {Gworenen ; | getlagten, woraus der

denn der |

Mannigfaltiges.

Der Magistrat der alten StadtgemeindeBerlklin trat gestern zu feiner leßten Sitzung zusammen. In seiner Abschieds8ansprahe warf der Eirebüirgerneißer Wermuth einen Rückblick auf die ges{bichtlihe Vergangenheit der alten Berliner Stadtverwaltung. Danach nahm der Bürgermeister Ritter als zurzeit einziaer Bürgermeister Berlins das Wort, um dem scheidenden Magistrat Dank und Anerkennung für sein Wirken namens des neuen Berlins auszuspreßen. Dann {loß der Oberbürgernister Wermuth diefe leßte Sitzung des alten Magistrats.

Dur den Brand im Berliner Polizeipräsidiumn sind, „W. T. B.“ zufolge, 41 Fernleitungen gest ört; voll- ständig unterbroden sind u. a. die Verbindungen nach Angermünde, Prenzlau, Pasewalk, Zebdenick, Eberswalde, Freienwalde, Bernau, Biesenthal, Königsberg (Neumark), Stargard, Köslin, Stolp, Swine- münde, Allenstein. Durch Zusammenschaltung konnten je etne Leitung nach_ Stettin und Danzig, Landsberg, Schneidemühl und Frankfurt a. O. und zwei Leitungen nach Königsberg (Preußen) ber- gestellt werden. Die Störungen im Fernsprehverkehr mit Thüringen und dem Harz dauern noch fort. Unterbrochen sind auch die Fernleitungen nach Stuttgart, Kassel, Karlsrube, Wien und Prag. Auch der KFernsprechbetrieb nach Frankfurt a. M. ist erbeblih behindert. Die Entstehung des Brandes bat ih noch nicht aufklären lassen. Die Explosion, durch die

| cine Zimmerdete eingestürzt ist, ist jedoch zweifellos von dèên Hand-

vorrâten der Nabrungêmitteluntersuhungéstelle an Acther und Benzin ausgegangen. Die in den Räumen unter dem Brandberde im dritt

Stock autbewahrten bes{laanahmten Sachen sind lediglich durch d

bei der Löscharbeit von oben durblaufende Wasser unerbeblich in Mitleidensaft gezogen worden; von der Vernichtung größerer Werte ist keine Nede. Die Aufräumungsarbeiten der Feuerwebr sollten bis Eine Brandwace ist jedo6 für alle

Fn der Treptower Sternwarte finden in den nächsten Tagen folgende fkinematograpbiste und LUctbildervorträae statt : Morgen, Sonniag, Nachmittags 3 Uhr : „Weihnahtsmärchen“ (Filme), 5 Ubr: „Mit Ozeandampfer von Bremen nach Newyork“ (Filme), Abends 7 Uhr: „Im Lande der Schwarzen“ (Deutscher Sudanfilm); Dienstag, Abends 7 Ubr: „Gibt es ein Lben auf dem Monde ?“ (Licbtbildervorirag des Direktors Dr. Archenbold). Mit dem großen Fernrohr werden bei flarem Wetter von 2—4 Uhr die Sonne odc: die Venus, von 44-—10 Uhr der Mond beobachtet. Führungen dur das astronomis@e Museum finden täglihß von 2 Uhr Nachmittags bis 8 Ubr Abends ftatt. -

Caffel, 17. Dezember. (W. T. B.) Ein \chGweres Eisen- babßnunglüdck ereignete sich gestern abend in der Nähe von Dingelstädt. Ein Zug der Obereichsfelder Klein- babn, bestehend aus Lokomotive, 1 Packwagen, 1 Perfonenwagaen 1nd 19 mit Kali beladenen Güterwagen, gertet, als cr eine flarfe Steigung zu überwinden batte, infolge der Glätte, des starken Gefäles

uges der s{werbeladenen Kaliwagen ins Nollen und lief nah Ausgangspunkte zurück, sauste über den Prellbock binweg

ü zum Teil den Abhang hinunter. Act bis zehn immert unten, während die anderen Wagen ch

ineinander gesGoben haben und ein wüstes Trümmerfeld

Trümmern wurden bisher 10 Tote und

Sch{Gwerverleßzte hervorgezogen. 10 Personen und das

ugperfonal konnten fih durch Abspringen retten.

Cassel, 18. Dezember. (W. T. B.) Im Marburger Studentenprozeß beantragte der Staat8anwalt gestern in feiner 14 stündigen Rede Freisvre{bung der Angeklagten. Die Ge- en verneinten die Schuldfrage bei samtlichen An- Vorsitzende Freisprechung ver- tundete. S (e

Salzgitter, 17. Dezember. (W. T. B.)* Dem beute vor- mittag 84 Uhr von hier nach Braunschweig abgebenden Personen- zug ist nah der Ausfahrt aus dem Bahnhof Salzgitter ein aus ent- gegengeseßter Nichtung kommender Güterzug in die Flanke gefahren, wobei die beiden ersten Wagen des Perfonenzuges um- stürzten. Drei Personen wurden \chwer, eine Anzahl leichter verletzt. Der Verkehr wird eingleisig aufrebterhalten.

Banuknotenfälschungen.

(Wir werden an dieser Stelle Fälshungen von ausländischen Banknoten, soweit es sh um Sertenfälschungen handelt, laufend befanntgeben.)

amerikanischen Zebhndollar- noten. Die „Federal Neserve Bank“ in New Yort kat folgende Anpxeisung an alle Banken und Trustgesells@aften des zweiten Federal Reserve Distrikts erlassen: „Eine weitere FälsGung einer 10 Dollarnote wird ¿zur Kenntnis der Bankinstitute dieses Bezirks

aebracht.

Fälschung von

Sie lat laut Rundscreiben 451 der Geheimdienstabteilung des Schatzamts folgenden Text:

On the Federal Reserve Bank of Chicago, Illinois; check letter „C“ plate No. 77, Carter Glass, Secretary of the Treasury ; John Burke, Treasurer of the United States“, mit dem Bildnis von Jadckson. Diese FälsBung ist mit sehr rauh geäßten Platten auf zwei Stück dünnen Papiers gedruckt, zwischen denen eintge Seidenfäden verteilt find.

Das allgemeine Aussehen der gefäls{ten Scheine ist dem der eten so unäbnlih, daß sie sofort erkannt werden fönnen. Eine genauere Beschreibung wird daher für unnüôtig gehalten.

Handel und Gewerbe.

Von privater unterribteter Seite wird dem „W. T. B." mitgeteilt, daß die t\checho-slowakische Regierung die Frist zur Abgabe der Steuerbekenntnisse auf Grund des t\cecho-ilowakisdben Geießes vom 8. April 1920 über die

„Fidelio“, mit |

Generalmusikdireftor | Anfang 6 Uhr. Am Montag wird „Nigoletto“, mit | g Mandcke, von Scbeele-Müller, Jörn, Jacobi und |

Vermögens- und Vermögenézuwach8abgabe für Ausländer bis Ende Februar 1921 verlängert bat. Eine amtliche Bestätigung dieser Nachricht wird jedoch noch abzuwarten fein.

Der Aufsichtsrat der AktiengesellsGaft Düsseldorfer | Eisenbahnbedarf, vormals Carl Weyer & Co. in Düsseldorf, bat lgut Meldung des „W. T. B.“ bes{lossen, einer außerordentlidhen Hauptversammlung, welde im Anschluß an die für den 21. Januar 1921, Nachmiitags 3 Uhr, in den Breiten- bacher Hof zu Düsseldorf einberufene ordentliche Hauptversammlung | stattfindet, die Erhöhung des Aktienkapitals um 6 Millionen Mark vorzuschlagen. Die neuen Aktien sollen von einem Konsortium unter Fübrung der Deutschen Bank in mit der Verpflichtung, sie den alten Y ftionären zum Kurse von 125 vH anzubieten. Auf je drei alte Aftien entfallen zwei neue Aktien mit Dividendenberechtigung für das | laufende Geschäftsjahr. 5

Der MetallwirtschGafts8bund hat laut Meldung des

„W. T. B.“ in seiner leßten Sißung nachstehende Beschlüsse gefaßt: Zu den Sißungen des Metallwirtshaftsbundes ein- geladen werden stets alle ordentlichen und stellvertretenden Mit- | glieder des Metallwirtschaftsbundes. A bstimmungsberechtigt ist jeweils das ordentlihe Mitglied oder dessen korporativ be- stimmter Stellvertreter, leßterer nur in Abwesenheit des ordent- lihen Mitglieds. Im Falle, daß Sachperständige oder Spezial- interessenten, nämli folde, über deren Anträge verhandelt werden -foll, auédrüdlich, und zwar nur im Einvernehmen mit den Verbänden eingeladen werden, haben diese Diskufsionsrecht, jedoch fein Stimmreht. Darüber hinaus foll die Geschäftsleitung

| Berlin übernommen werden,

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