1899 / 26 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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; Deutscher Reichstag. 20. Sizung vom 28. Januar 1899, 1 Uhr. Tagesordnung: Fortsezung der zweiten Berathung des Neihshaushalts - tats für 1899 bei dem Etat des

Reihsamts des Jnnecn, und zwar bei dem Kapitel: „Kaiserliches Gesundheitsamt“.

Abg. Dr. Müller - Sagan (fr. Volksp.) wünscht nähere Auskunft über die Einzelheiten der neuerrihteten biologishen Sektion in diesem Amt, insbesondere, darüber, ob für dieselbe ein eigener Etat aufgestellt sei. Das Befte wâce eine selbständige Gestaltung dieser Abtheilung unter Abtrennung vom Geschäftsbereih des Kaiserlichen Gesundheits- amts. Redner beantragt zu diesem Zwecke die Ueberweisung des ganzen Kapitels an die Budgetkommission. Auch sei bisher ein besonderer Agrifulturchemiker nit angestellt worden, man habe viel- mehr einen Herrn mit dieser Funktion beiraut, der sich bisher auf einem ganz anderen Gebiete, dem der Reblausuntersuhung, verdient

gemacht habe.

Staatssekretär des Jnnern, Staats-Minister Dr. Graf von Posadowsky-Wehner:

Fch gestatte mir zunächst, dem Herrn Vorredner die Versicherung zu geben, daß entsprehend der Initiative des hohen Hauses, aus welcher die biologishe Abtheilung des Gef undheitsamts hervorgegangen ift, es mzine Abésicht ist, diese biologish? Abtheilung zu einer Stätte freier Grforshung gewisser Nalurerscheinungen zum Besten der Land- wirthschaft zu gestalten. Jn seinen Ausführungen hat aber der Herr Rorredner vielleicht niht genug betont, daß diefe biolozische Ab- ibeilung eben erst dur den Nachtrags-Etat geaen ist, und daß die Zeit deshalb ret kurz war, um dieser Einrichtung eine feste Form in dem Siune zu geben, wie dies der Herr Vorredner befürwortet.

Zunächst wurde dur die Berufung der betreffenden Geleßrten und die Verhandlungen mit den anderen Negierungen darüber eite erhebliche Zzitversäumniß herbeigeführt; demnächst muß doch iede Behörde erft gewisse, wenn ih so sagea darf, formale Vorausfetzungen erfüllen in ihrer inneren Organisation, ehz sie heraustreten farn und fi mit der Praxis, wie der Herr Vorredner durchaus zutreffend wünscht, in Verbindung seßt. Daß selbstzerständlih eine fole Ab- theilung sich in diz gesammte Behördenorganisation eingliedern und daß auch eine gewisse Geshäft8ordnung für cine fole Abtheilung besteben muß, wird niemand bestreiten. Eine derartige Ordnung der Geschäfte besteht au bei der Physikalisch-tehnishen NReicbsanftalt.

Der Herr Vorredner bat dann gefragt: wie steht es mit den Publikationea der berufenen Männer der Wissznshaft? Diese Publikationen, foweit fie auf Arbeiten berußen, die innergaïb des Amts gemacht werden, müssen natürli in der Form geschehen, die der Leiter der Anftalt für nüßzlih und nöthig hält. Sie werden einen integrierenden Theil der Pußlikationen des Kaiserlichen Gesundheits- amts überhaupt bilden.

Ueber die Frage ledierng der Gesäfte kann ih Regelung dieser Verhältnisse muß ih dem Geshick und Berftändniß des Dirigenten der Anstalt überlassen. Ih gestehe gern zu, daß man auf eine vorzugsweise wissenschaftlihen Problemen dienende Anstal! nit dieselben Grundsäße anwenden fann, wie auf den Geschäftsgang einer Regtminalbehörde.

Betreffs der Berufung eines Agrikultur-Chemikers kann ich dem Herrn Vorredner versichern, daß die Frage nur vertagt ifi. Wir wollen uns zunähst im engeren Rahmen einmal organisieren. Stellt si beraus, daß der je8t mit diesec Arbeit betraute Herr wegen feiner übrigen, in ein anderes Gebiet fallenden Arbeiten die agrikultur- chzmischen Studien nidt genug vertiefen kann, so wird man selbstver- ständlih einen besonderen Agrikultur-Chemiker anstellen müfsen.

Der Herr Vorredner wünschte ferner Auskunft über die Labora- torien und das Versuchsfeld der Abtheilung. Zunäthst sind die nöthigen Laboratoriezn in dea Räumen des Kaiferliten Ge!undheitsamts zur Verfügung geftellt, und ih habe mih mit vem preußischen Herrn Landwirthschaftë-Minifter in Verbindung geseht, um von ihm ein etwa 1 ba großes Stud Land von der zu parzellierens den Domäne Dahlem überlaffen zu erhalten, wo Þro- visorisch cine Art Laboratorium beraerihtt werden soll. Ich weise ausdrücklih darauf bin, diese Ginrihtung in Dablem trägt nur einen provisorischen Charakter. Wir müssen erft Er- fahrungen sammeln, ob ein fo nahe bei Berlin liegender Ort über- haupt für subtile wissenschafilie Untersuhungen geeignet ist. (Sehr gut! rets.) Mane behaupten, daß fi hen Einflüsse in der Luft, durch bie Kohlenauëdüustungen, dur den starken Schwefelgehalt, geltend machen bei cinem Ort, der so nahe der Millionenstadt liegt, daß es sehr zweifeltaft ift, 0% die Tempcratur- und LuftverHhältnifse eines folhen Vororts von Berlin wirklih Resultate liefern können, die auc, wun ich mi so auédrüdcken darf, für das reine plaite Land maßgebend find. (Schr gut !)

Also, wix find in der Frage zunächfst \ch{rittweise vorgegangen. Ih babe schon früher anerkannt, daß die biologishe Abtheilung des Kaiserlichen Gesundheitsamts wabrsckeialih nur ein Uebergangë- stadium ist, es ift der erfte Anknüpfungspunkt; ih habe ausdrücklich crflärt, es wird sih davon mit der Zeit eine eigene selbständige An- stalt abblätiern; dann werden wir sehen, inwieweit die Verhältnisse in Dahlem für cine solhe Anftalt geeignet sind. Wenn die mir von sehr saverständiger Seite auég:s\prohenen Befürtungen unbegründet sind, dann kann man in Erwägung nehmen, in nicht zu ferner Zeil, vielleiht in ein paar Jahren, in Dablem eine eigene biologishe Anftalt zu begründen; sind aber die Befürchtungen begründet, so wird man cinen Ort aufsuchen müssen, der weit entfernt von der Landeshauptstadt liegt. Meines Erachtens braucht er keines- wegs im Dunstkreise von Berlin zu liegen, sondern kann irgendwo in der Provinz liegen. Daraus folgt, daß sih der Herr Vorredner mit der vollen Organisation, wie er sie sahlich durchaus berechtizt wünscht, in Iateresse dec Anstalt seibtt noch einige Z:it wird gedulden müssen. Wir können deéhalb in Dahlem au nur ganz provisoris Ein- richtungen treffen, um nicht das Geld zum Fenster hinauszuwerfen und Anlag-n zu maden, tie die wissenschaftlichen Vorbedingurgen für die Untersuchungen nit erfüllen.

Der Hecr Vorredner fragte nameatliÞ noch, wie ich mir die praftise Verbindung dächte ¿wischen dieser biologischen Abtheilung des Kaiserlihen Gesundheitéamis und der Praxis. Ich muß dem Herrn Vorreduec gesteh:n, daß diese Frage noh nit näher erwogen worden ift, weil es sih zunächft immer ncch ua Fragen der inneren Ocgauisation handelte. Aber selbsiverftäntlich ist es zur weiteren Wirksamkeit der Abtheilrng unbevingt nothwendig, doß dicsclbe in lebendige Wechselwirkung mit den maßgebenden Stellen der prafktishen

der Amisstunden und der bureaumäßigen Er- mib hier nicht auslassen. Die

sein kann, die hier in Berlin verkapfelt im Kaiserlihen Gesundheits- amt lebt, sondern unmittelbar an die prakiische Landwirtbschaft draußen anknüpfen und mit den wissenschaftlihen Stellen, welche die praktische Landwirthschaft im Lande begründet Hat, in unmittelbare Beziehungen treten muß. Stließlih hat der Herr Vorredner auch noch den Vorschlag ge- macht, für die biologise Abtheilung einen ganz besonderen Fonds auszuwerfen. Ih glaube, soweit ih im Augenblick übersehen kann, würde dieses Verfahren ein ganz ungewöhnlies fein. Bei keiner Be- bôrdz, meines Wissens, werden Fonts für ganz bestimmte Abthei- lungen ausgeworfen, sondern nur Fonds für die gesammte Behörde, und die Vertheilung auf die einzelnen Abtheilungen muß selbstver- ständlih dem Cbef überlassen sein. Ich gestatte mir aber, den Herrn Vorredner noch darauf hinzuweisen, daß von den sachlihen Kosten hon im Etats-ntwurf eine Mehrforderung von 25 000 enthalten ist vorzugétwzise für die Zwecke der biologischen Abtbeilung. Der Herr Vorredner kann {s darauf verlassen, daß ich der Organisation dieser Abtbeilung ein großes Interesse entgegenbringe, und ih glaube, wenn er sih noch eine Jahresfrist gedulden kann, so wird er si über- zeugen, daß der größte Theil der Anregungen, die er gegeben hat, thatsächlich erfülli worden sind. (Bravo! rechts.} Abg. Dr. Müller- Sagan fordert au die Publizierung der von der Abtheilung herzustellenden Arbeiten, damit im freien Kampfe der Meinuxgen der Fortschritt auf diesem Gebiete wirksam gefördert werde. Deshalb solle die Abtheilung niht etwa voreilig mit ihren Forschungen hervortreten. Den Gelehrten der Abtheilung müsse au Gelegenheit zu praftishen Studien gegeben werden; was solle der jeßt als Agrikulturhemiker becufene Gelehrte in den Laboratorien an- gen. di “Abg. Dr. Böckel (b. k. F.) emvfizhlt die Subventionierung des Unternebmens der Gründung voa Heimftätten für Tuberkulose aus Neichsmitteln. i Staatssekretär des Jnnern, Staats-Minister Dr. Graf von Posadowsky-Wehner: Meine Herren! Sie werden wissen, daß fih für Deutschland cin Zentral-Comité gebildet hat zur Bekämpfung der Lungenshwindsucht als Volksseue. Ich babe die Ehre, der Vorsitzende des Präsidiums dieses Zentral. Comités zu sein. Durch die Anregung dieses Comités kaben sh in einer Neihe von deutshen Staaten und preußischen Provinzen Vereinigungen gebildet, die ibrerscits die Frage ftudieren und namentlich Mittel sammeln, um Lungenheilstätten an geeigneten Orten zu gründen. Insbesondere in der Rheinprovinz und auH in Westfalen if diese Bewegung in den legten Jahren unter Föôrdertîing der zuständigen Ober - Präsidentea fehr lebhaft in Gang gekommen, und werden in der Rheinprovinz in verbältnißmäßig kurzer Zeit eine Anzahl großer Sana?* torien errihtet werden, für die je Mittel zum theil {on bereit gestelli find durch Gaben hoHherziger Svender. Um aber diese ganze Bewegung auf eine breitere Gcundlage zu stellen, hat das Zentral. Comité, von dem id eben sprach, beschloffen, zu diesem Zweck zu Pfingsten dieses Jahres nah Berlia einen großen Kongreß zu be- rufen, der au einen internationalen Charakter trages wird, indem au die Theilnahme von Gelebrten fremder Staaten erbeten werden sol. Auf diesem Kongreß wird die Frage der Bekämpfung der Schwindsucht als Volkskrankheit vom wissenschaftlihen und prafktishea Standpunkt einec eingehenden Erörterung unterzogen werden. Zunächst, glaube ih, wird man deshalb gut thun, die Be- rathungen und den Verlauf dieses Kongresses abzuwarten, auf dem die hervorragendften Kenner der Krankheit Vortcäge halten und ihre Meinung äußern werden.

Meine Herren, der Gedanke, jet wieder Reichsmittel hierfür in Bewegung zu seßen, erscheint mir zur Zeit recht bedenkli. Zunächst glaube ih, ift das eine Sache, die man besser den Einzelregierungen überläßt. Wenn wir aber jeßt auch nur andeuten wollten, daß dafür und es müßte in großm Maße geschehen, wenn es überhaupt etwas nüßen sollte Reichë- oder Staatsmittel in Bewegung gefeßt werden, dann würden wir die Bewegung, die spontan aus der Be- völkerung hervorgegangen ift, und namentli aus den wifsenshaftlihen und den reihbegüterten Kr:isen, die außerordentliß große Spenden gemaßt haben, Spenden meines Erinnerns bis zu 309 C00 4 seitens eines Privaten zur Begründung derartiger Volksheilftätten, fofori lahm legen. Ich balte cs deshalb für richtig, zunächst die Bekämpfung der Schwindfucht den Gang achen zu lassen, den man eingeshlagen hat, das heißt Mittel hierfür aufzubringen im Wege der freien Liebe®- thätigkeit.

Abgesehen aber dazon, meine Herren, möchte ih zur Beruhigung eins bemerken, daß die Verbreitung der Schwindsucht, wenngleich sie ja noch immer der größte Würgengel ist, den wir haben, do pro- zeniual abgenommen hat und damit auc die allgemeine Sterblichkeit. Fh gestatte mir, auf cinige kurzen Zahlen binzuweisen. So z. B. starben in Preußen auf tausend Lebende von 50 bis 69 Jahren in der Zeit von 1872 bis 1880 11,9 und im Jahre 1896 nur 8,8 an der Tuberkulose, in Baytra von 1872 bis 1880 -11,7, 1896 nur 9,8, und in Sachsen von 1872 bis 1889 11,2, im Jahre 1896 nur 8,6 ; in Württemberg, wo nur eine Statistik vorliegt von 1876 bis 1880, starken in dem genanüten Zeitraum 10,6 und 1896 nur 9,5. Es sheint also, daß mit der wadsendzn besseren Leben®- haltung der ärmeren Volfskíassen ein allmähliher Rü- gang der Tuberkulose eintciti. Aber das gestehe ih zu, es bleibt cine Frage von großer Bedeutung, und es müssen da zufammens- arbeiten die freie Liebesttätigkeit, die fozialpolitisGen Versicherungs- anstalten, die Wissenschaft, um die Krankheit einigermaßen in einem Maßstabe zu bekämpfen, der wirkli der breiten Masse des Volkes fiztbar zu gute kommt. Es ist ebenso unzweifelhaft, daß die Tuberkulose neben ihrer grcß:n Verbreitung eine acwisse Arfteckungé- fähigleit besitzt, vielleicht eine größere Ansteckungé fähigkeit, wie man bisher, auch wissenschaftlic, angenommen hat. Es handelt si alfo niht nur darum, Kranke rechizeitig geeigneten Heilftätten zuzuführen, sondern vor allen Dingen au um schr weit gehende prophylaktiihe * Maßregeln, um die fortgeseßte Uebertragung der Frankheit von Kranken auf Ge:sunde wirksam zu verhindern.

Abg. Beckh-Coburg (fr. Volksp.) kommt auf die vorjährigen Debatten über die Krankheiten zurück, denen die Arbeiter in der Bünsten- und Pinselfabcikation ausgeseßt scien. Der Entwurf einer Nerordnung über die Detinfektion der vom A gsland eingehenden Pferdehaare und Schweinsborsten sei von den Fabrikauten beanstandet worten, weil die Art der Desinfizierung, wie sie vorgeschrieben werden follte, das Material ruiniere, auh die Gefahr bei Scweinétorften überbaupt nicht in dem behaupteten ZUN bestände.

liebe es bei diesem Entwurf, so wäre die betreffende In- dustcie in ihrer Existenz gefährdet und Zehntaufende von Arbeitern

Landwirthschast draußen im Lande tritt, daß das nicht eine Einrichtung

würden ebenfalls den Schaden davon haben. So lange nicht nac-

i zu den sogenannten englischen

die in Autsiht genommenen Desinfektion8maß- regeln das Materia unbeschädigt lassen, dürfe die Verordnung nit in Kraft geseßt werden. Mindestens müßten die Schweinsborfsten aus der Verordnung ganz entfernt werden.

Staatssekretär des Jnnern, Staats-Minister Dr. Graf von Posadowsky-Wehner:

Meine Herren! Ih freue mih zunähft darüber, mit welcher Wärme der Herr Vorredner für den Schuß der heimischen Induftrie auf diesem Gebiete eingetreten ist. Jh theile feine Ueberzeugung vollkommen, daß man selbft im “nterefse des hygienishen Schußes niht so weit geben darf, daß man eine Industrie lahm legt, sonft müßten wir ja alle die Industrien, die an und für sich acfährlih sind, über- haupt verbieten. Aber ih glaube, der Bundesrath und das Reichsamt des Innern können in dieser Angelegenheit das gute Gewissen für #ch in Anspru nehmen, die Frage sebr lange und fehr eingehend geprüft zu haben. Ich habe zunähst, weil ih hörte, daß in südfranzösishen Borstenfabriken ein Verfahren angewandt werde, welches die gefährlichen Meilzbrandbacillen voliftändig beseitige, ohne dem Rohmaterial zu haden, einen Kommiffar in diese franzöfischen Fabriken gesandt. Man ift aber im Kaiserlichen Gesundheitsamt chließlich zu der Ueberzeugung gekommen, daß dies Verfahren nicht ausreihende Garantien gegen die Infektion biete. Nah Langen weiteren Erwägungen und Versuchen im Gesundheitsamt hat fich der Bundesrath jeßt eutslofsen, eine Verordnung zu erlassen, die in aller- nälhster Zeit publiziert werden wird. Ich glaube, daß in dieser Ver- ordnung den Wünschen der Industriellen, soweit das möglich war, vollkommen Rechnung getragen wurde.

Ih möhte, ch: ih hierauf näher eingeße, zunächst hervorheben, daß die Auffassung der Techniker im G-sundhzitsamt, dec medizinischen wie chemishen Sachverständigen, do wesentli anders war in vielen Punkten als die Auffassung der Fabrikanten. Diese haben allerdings immer behauptet, daß die Verarbeitung der Schweintborsten no6 in feinem nadweisbaren Falle eine Erkrankung an Milzbrand bei Menschen herbeigeführt habe. Die Sachverständigen im tehuiscen Sinne waren aber anderer Ansicht ; sie waren namentlich »er Ansicht, daß au durch S{hweinsborsten unter Umständen der Milzbrand auf Menscen übertragen werden könne.

Gestaiten Sie mir, der Kücze halber, mit Genehmigung des Herrn Präsidenten, aus der Begründung der Verordnung des Bundes- raths einen karzen Paus vorzulefen. Es ift dort gesagt, daß aller- dings ein Theil der aus dea Auelande kommenden Borsten in ge- reinigiem und präpariertem Zustandz bezogen würde und da feine Uebertragung des Milzbrands, wie es seine, vorgekommen sei. Dann heißt es aber weiter :

„Solchen günstigen Erfahrungen steht aber die Thatsache gegen- über, daß in anderen Gegenden, z. B. in Emden, Schwelm, Ro!benkirchen, bei Aue und in Lübe, auch bei der Verarbeitung von Borftzn in Bürsteabindereien wiederholt Milzbrandkrankheiten vorgekommen sind, und daß ferner in den Pinselfabriken zu Nürn- berg in den legten Jahren eine Reihe von Eckrankungen beobachtet worden ift, die mit aller Wahrscheinlichkeit auf die Bearbeitung ausländis&en Borstenmaterials umsomehr zurückzuführen waren, ass dort das gleichzeitig verarbeitete Material an Roß- uad NRinder- haaren bereits feit 1894 dur eine Verordnung des Stadimagistrats der Desinfektion mittels ftrömenden Dampfes in der öffentlichen Doginfektionsanstalt unterlegen hat.“

3 fommen zwei Sorten von Borsten in Betracht, die besonders dies Desinfcktionsverfabren niht vertragen sollen, das sind die „weißen“ Borsten und die Jangen braunen Borsten, die vorzugsweise Pinseln verarbeitet werden. Aber auf diese Waaren und davon wird si der Herr Vorrednec gewiß berzeugen ift voilfommen Rücksicht genommen. Es heißt in der Verordnung :

„Der Unternehmer braucht diejenigen weißen Borsten nicht definfizieren zu lassen, welche er einer weiteren Bearbeitung unter- wirst, oder welhz er in bereits gebleihtem Zustand als sogenannte präparierte französische Borsten bezogen und abgesondert von nit desinfiziertem Material aufbewahrt hat.

Von der höheren Verwaltungsbehörde können Ausnahmen von den Bestimmungen des § 2 für solche Materialien zugelafsen werden, welche 1) nah den bisherigen Erfahrungen keinem der nah § 2 zuge- lafsenen Desinfektionsverfahren unterworfen werden können, obne einer erheblihen Beschädigung ausgeseßt zu sein, oder welhe 2) na- weislih bereits im Auétlande eine Bebandlung erfahren haben, welche als der vorschriftsmäßigen inländishen Desinfektion gleih- weribig anzusehen ist.“

h glaube, daß damit den Futeressen der Industrie vollkommen Rechnung getragen ift, ih glaube aber au, daß wir im öInteresse der Arbeiter den Erlaß einer selchen Verordnung nicht länger verzözern durften. :

Abg. Beckh bestreitet, daß in Nürnberg jema!s eiz Fall der Ue-beriragung des Milzbrandes durch Schweinsborsten konstatiert fei.

Kbg. Dr, Endemann (nl.) kommt auf die Agitation der Fmpfgegner gegen das Reichs-Impfgeseß zurück. Die Statistik zeige eine wunderbar rüdläufige Bewegung in den Zablen der Pockenerkcankungen. Unsere animale Lymphe sei im Laufe der Jahre immer vorzüglicher geworden. An den Grundlagen des Impfgesezes dürfe daher nicht gerüttelt werden. Ferner geht Redner auf die Frage des Frauenfstudiums ein und tritt der Forderung, daß die heutige Universität und in specie die medizinishe Fakultäï dem weiblihen Geschlehte geöffnet werde, energisch entgegen. Man möge doch nah amerikanishem Muster eigene Universitäten für das andere Geshleht errihten, Der so ver- diente Billroth habe ganz dieselbe Auffassung vertreten. Unfere ganze Frauenbewegung müsse in andere Bahnen gelenkt werden.

Aba. Dr. Kruse (ul.) geht auf die vorjährige Debatte über die Reformbetürftigkcit ver Jrrenpflege zurüd, bleibt aber bei seinem \chwadea Organ und der Ünruhe im Hause auf der Tribüne unverständlich.

vg. Lenzmann (fr. Volksp.) bedauert lebhaft, daß gerade dur das Verschulden des Vorredners diese brennende Frage verflacht und in cinen Parteistreit ausgeartet fei. Die bestehenden Zußtände in ven Privat, Jcrenanstalien und die gegenwärtigen Vorschriften über das Entmündigungsverfahren würden immer unhaltbarer. Es müfffse ein ftaatlih organisfiertes Institut vorhanden sein, welches über die Aufaahme in eine Irrenanstalt Entscheidung zu treffen habe. Redner \ührt neuere Fälle an, ia denen nah seiner Véeinung willkürlich vor- gegangen worden fei. i

Staatssekretär des Jnnern, Staats-Minister Dr. Graf von Posadowsky-Wehner:

Jan der Impffrage kann, ih zunächst entgegnen, daß die verbündeten Regierungen auch heut noch tec Ansicht sind, daß das Reichs-Impfgeseß in allen seinen wesentlichen Tfeilen aufcecht zu erhalten ist. Es haben

gewiesen werde, s

indessen sachverständige Berathungen ftattge?unden über eine Regelung