1899 / 29 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Nichtamllichßes. Deutsches Reich.

Preufzen. Berlin, 2. Februar.

Seine Majestät der Kaiser und König nahmen heute Vormittag von 10 Uhr ab die Vorträge des Kriegs- Ministers, Generalleutnants von Goßler und des Chefs des Militärkabinets, Generals von Hahnke entgegen und gedachten später die Bischöfe von Fulda und Limburg zu empfangen.

Den Kammerherrndienst bei Jhrer Majestät der Kaiserin und Königin hat von heute bis zum 14. d. M. der Schloßhaupt- mann und Kammerherr Graf von Hohenthal übernommen.

Heute früh is der Geheime Ober-Baurath Za strau an den Folgen von Jnfluenza und Nierenentzündung gestorben: das Ministerium der öffentlihen Arbeiten hat im Laufe der wenigen Wochen dieses Jahres nunmehr zum dritten Male den Verlust eines seiner vortragenden Räthe zu beklagen.

Karl Albert Frißg Zastrau, im Jahre 1837 zu Frey- stadt i. Schl. geboren, legte 1860 die Bauführer- und 1870 die E mit bestem Erfolg ab, wurde 1875 mit der kommissarischen Verwaltung einer Bauinspektorstelle bei der hiesigen Ministerial - Baukommission betraut und in dieser Stelle definiiiov im Jahre 1879 angestellt. Im Jahre 1884 wurde er zum Regierungs- und Baurath in Königsberg, 1890 zum Geheimen Bau- und vortragenden Nath bei der Bauabtheilung des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten ernannt und in dieser Stellung im Jahre 1895 zum Geheimen Ober-Baurath beföcdert. Nebenamtlih gehörte er dem tehnishen Ober-Prüfungsamte, der Akademie des Bau- wesens, der ständigen Kommisston für das technische Unterrichts- wesen und dem Reichsamt des Jnnern an. Außer dem Kronen-Orden vierter Klasse, welhen er bei der Einweihung des neuen Joachimsthalshen Gymnasiums erhielt, besaß er den Rothen Adler-Orden zweiter Klasse mit Eichenlaub.

Jn dem Dahingeschiedenen verliert das Ministerium eines seiner tüchtigsten und angesehensten Mitglieder, die Hochbau- tehnik einen ihrer begabtesten und Fre endsten Jünger. Zastrau war das Musterbild eines an ciubülaten und liebens- würdigen Menschen, eines nur den Aufgaben des Dienstes lebenden, treuen und hingebenden Beamten. Während seiner Thätigkeit in der Abtheilung für das Bauwesen war er mit der Fürsorge für die Regierungs-Dienst- und sonstigen Staatsgebäude betraut und hat -in dieser seiner ebenso be- deutungsvollen wie shwierigen Aufgabe das Allerrühmlichste geleistet. Sein stets gleihmäßig freundlihes und shlihtes wie entgegenkommendes Wesen sicherte ihm in allen Kreisen die gleiche Beliebtheit.

Sein Andenken wird gesegnet bleiben.

Der Präsident der Königlichen Eisenbahn-Direktion Berlin, Wirkliche Geheime Ober-Regierungs-Rath Kranold hat fich in dienstlihen Angelegenheiten nah Dresden begeben.

Düsseldorf, 1. Februar. Der Provinzial-Landtag der Rheinprovinz hat, wie die „Köln. Ztg.“ berichtet, - die Vorlage, betreffend den Verbindungskanal vom Dort- mund-Emsfkanal zum Rhein, heute mit großer Mehrheit angenommen.

Württemberg.

Der Landtag is gestern auf mehrere Wochen vertagt

worden.

Hefen.

Jhre Königlichen Gfheiten der Großherzog und die Großherzogin gedenken, wie die „Darmstädter Zeitung“ meldet, am 6. Februar zu längerem Aufenthali nah Egypten abzureisen.

Braunschweig.

Der Landtag hat, dem „W. T. B.“ zufolge, gestern den Anirag auf besondere Besteuerung der Waarenhäuser abgelehnt, weil der vorliegende Antrag praktisch undurchführbar und das Vorgehen Preußens abzuwarten fei.

Deutsche Kolonien.

Nach einem Bericht über den Bahnbau in Deutsch- Südwestafrika von Anfang Dezember v. J. war, wie das „Deutsche Kolonial-Blatt“ mittheilt, das Bahngleis bis Kilo- meier 86, der Unterbau bis Kilometer 109, das Telephon bis Kilometer 100 fertiggestellt. Am Bahnbau waren thätig : 92 Offiziere, 1 Rehnungsbeamter, 14 Unteroffiziere, 240 weiße und 230 farbige Arbeiter. 19 Pferde und 76 Maulesel stan- den zur Verfügung. Die Hauptshwierigkeit des Baues liegt in der Wasßserversorgung. Das bei der Station Rösfing er- bohrie Waffer ift ftark salzhaitig. i

Der Regierungs-Baumeister Ortloff ist Ende November mit den für den Hafenbau in Swakopmund bestimmten Beamten und Arbeitern daselbst eingetroffen. Der Gesundheits-

ustand der Leute ift bisher ein sehr zufriedenstellender gewesen.

find zunähst Untersuhungen über das Vorhandensein von brauhbarem Gestein in der Nähe der Küste angestellt worden. Erfreulicherweise ift Granit 25 km von der Baustelle und 300 m vom Meeresstrande entfernt vorgefunden worden. Der Sranitfels vi niht als Berg an, sondern liegt nur etwa 7 m über

Meeresniveau. Der an der neuen Eisenbahn nah Wind- hoef, h von Swakopmund entfernt rig B eignet einer geringen wegen niht zum Baustoff. Von der Ausbeutung des Tien von Swakopmund in den Pana osvergen anstehenden Basalts mußte der großen Transport-

chwierigkeiten wegen abgesehen werden. Zum Zwecke der

i des zum Bau ausgewählten Granits is mit

der Transportbahn begonnen worden;

s bat : “gg F ci ; der E

chäftigt. ür di iegung des er-

L üßwassers wird A oberhalb der jeßigen zafserstelle des Swakopflufses eine Brunnenanlage hergejtellt. Für Hebung des Wassers und Förderung bis zur hme-

des Windmotoxs im Gange. Der der Aufstellung des Das für st bereits

stelle ist die Ausftellu Rest der Arbeitér ist b den Regiérungs-Baumeister thätig. Die Barake fertig aufgestellt.

Oesterreich-Ungarn.

Die deutsche Fortschrittspartei hielt gestern eine Sizung ab, in welcher beschlossen wurde, A dem Boden des Versammlungs- und Preßgesehßes den Kampf wie bisher fort- zuführen und die Rechte der Deutschen zu wahren. Am Schlusse der Sißung wurde dem Vorstand für die umsihtige SEyrana der Geschäfte der wärmste Dank ausgesprochen.

ie Freie deutshe Vereinigung beschloß in einer eben- falls gestern abgehaltenen Sißung, mit den anderen deutschen Oppositionsparteien auch während der Zeit, in welcher das Parlament nicht tagt, tung zu halten. :

Jn politischen Kreisen nimmt man, der „Neuen Freien Presse“ zufolge, an, daß die Vertagung des Reichsraths bis zum Herbst dauern werde. Jnzwishen werde der Ausgleich mit Üngarn auf Grund des § 14 der Verfassung erlassen werden. . Auch sonstige legislative Akte würden auf Grund des S 14 in dringlihen Fällen promulgiert werden. Ende Februar würden die Landtage zusammentreten. Die Session der Delegationen sei erst für Noveraber in Aussicht genommen worden.

Jn der Gemeinde Gurba bei Arad bestürmten gestern, wie „W. T. B.“ meldet, 60 Walachen unter Drohungen gegen den Gemeindevorstand das Gemeindehaus. Die Gendarmerie zer- streute die Ruhestörer und verhaftete dreißig derselben.

Frankreich.

Die Kommission der Deputirtenkammer für die Abänderung des Nevisionsverfahrens beshränkte sich am Dienstag darauf, die Verlesung der Aktenstücke der vom Präsidenten des Kassationshofes Mazeau vorgenommenen Unter- suchung anzuhören. Gestern sollte die Debatte über die einzelnen Aktenstücke beginnen, und heute sollten die Mittheilungen des Zustiz-Ministers entgegengenommen werden.

Die Kriminalkammer des Kassationshofes ver- nahm gestern den Artillerie-Kommandanten Hartmann.

Rußland.

Wie „W. T. B.“ aus Helsingfors meldet, hat der Kaiser auf die Versicherung der unterthänigsten Gefühle des finishen Landtages erwidert: Jh danke Jhnen für die von den Ständen ausgedrückten Gefühle der Liebe und Er- gebenheit und hoffe, diese Gefühle werden bei der bevorstehen- den Ärbeit des Landtages bewiesen werden durch genaue Anpassung an die örilihen Lebensverhältnisse und diejenigen Grundlagen des Militärgeseßes, die Mein unvergeßlicher Vater genehmigt und welhe Jh dem General - Gouverneur mit- getheilt habe.

Ftalien.

Auf der Tagesordnung der gestrigen Sizung der Depu- tirtenkammer stand, wie „W. T. B.“ meldet, die Be- rathung des Berichts der RERER E S, welcher vorschlägt, einen Sig in Mailand und einen zweiten in Ravenna für erledigt zu erklären, weil die Deputirten Turati und de Andreis wegen ihrer Theilnahme an den Mai-Unruhen verurtheilt worden seien. Der Deputirte Bovio beantragte, die Entscheidung auszuseßen. Der Deputirte Barenini (Sozialist) verlangte, daß die Kammer sihzu Gunsten einer Amnestie erkläre. Der Minister-Präsident Pelloux erklärte, die Regierung lehne die Anträge Bovio und Barenini ab, weil dieselben den Vorrechten der Krone zuwiderliefen. Ueber den Antrag Bovio's, dem sih der Deputirte Ba ren ini anshloß, wurde namentlich abgestimmt. Derselbe wurde mit 214 gegen 45 Stimmen abgelehnt.

Belgien.

Die „Etoile Belge“ meldet, der König habe bei dem Empfange einer hervorragenden politishen Persönlichkeit ctwa folgende Bemerkungen über die leßten Ereignisse am Congo gemaht: Die Miliztruppen, welhe sch der Disziplin niht mehr hätten unterordnen wollen, hätten sich em- pôrt und seien, durch einige theilweise Erfolge ermuthigt, zum Angriff gegen vorgeschobene D des Congo- staates geschritten. Die Zahl der Aufständishen betrage nicht tausend, und die Einwohnerschaft sympathisiere r À mit ihnen. Wenn man indessen mit der Möglichkeit reh, daß die Aufständishen sich in den Wäldern verstecken, regel- rehten Schlachten aus dem Wege gehen und sich auf den Krieg aus dem Hinterhalt verlegen könnten, gegen welchen die Offiziere sich vielleicht niht genügend fiherten, so sei es zu erklären, daß der Kampf sich in die Länge ziehe. Immerhin sei der schließlich Ausgang nicht zweifelhaft, denn cs werde der Augenblick kommen, wo die Aufttändishen aus Mangel an Munition gezwungen sein würden, jich zu zerstreuen und si s{ließlich aus Gründen der Selbsterhaltung zu unterwerfen. Dann werde der Congo- staat sein Werk der Zivilisation in Manyema wieder auf- nehmen fönnen. Der Staat würde das Vertrauen, welches die Mächte auf den Konferenzen in Berlin und Brüsjel in ihn gescht hätten, schlecht gerechtfertigt haben, wenn er si nicht überall

emüht hätte, jo shnell als möglih der Barbarei ein Ende zu

machen. Der Staat beabsichtige, auf der Höhe seiner Misfion zu bleiben, und sei überzeugt, mit den Mitteln, über welche er verfüge, allen Ereignissen die Stirn bieten zu können.

Bulgarien.

Die Leiche der verewigten Fürstin Marie-Louise befindet sich, wie dem „W. T. B.“ aus Sofia berichtet wird, noch im Sterbezimmer. Nach Beendigung der Vorbereitungen wird dieselbe aufgebahrt werden. Unausgeseßt laufen Beileids- kundgebungen ein. Alle Blätter, ohne Unterschied der

artei, beklagen den frühzeitigen Tod der Fürslin.

ie meifien schäfte find seit vorgestern geschlossen, ebenso alle Theater uad sonstigen Vergnügungslokale. Gesiern wurden -in allen Kirhen des Fürstenthums Gebete für das Seelenheil der Verstorbenen verrichtet. In der Katheörale zu Sofia wurde ein Requiem JOEES welhem S Persönlichkeiten aus politishen, m Ne und Handelskreisen, sowie die Mehrzahl der Mitglieder . des diplomatishen Korps beiwohnten. ie öffentlihen Gebäude und die diplomatishen Agenturen haben auf Halbmast geflaggt. Die Vertreter der legteren ershienen bei Grekow, um ihrem Beileid Ausdruck zu geben. Die Leichenfeier ist auf nächsten Dienstag festgeseßt worden.

Wie die „Politische Correspondenz“ aus Sofia meldet, hat das dortige macedonische Comité in der Erkenntniß, daß unter den A Verhältnissen jedés Unternehmen aus- sichtslos er}cheine, den Beschluß gefaßt, ‘die für das Frühjahr g Aktion in Macedonien zu verschieben. Die

okalcomités und die Agenten in Macedonien ¿sollen darauf bezügliche Jnstruktionen bereits erhalten haben.

Schweden und Norwegen.

Der Vize-Präsidènt der Ersten Kammer Casparsson ist, wie „W. T. B.“ aus Stockholm meldet, gestern gestorben.

Amerika.

Wie das „Reuter’she Bureau“ meldet, ist in New York eine Depesche aus Havanna Aen in welcher berichtet wird: da die militärishen Chefs der Cubaner sih entschieden weigerten, drei Millionen Dollars als völlige Befriedigung der Ansprüche ihrer Soldaten anzunehmen, sei die Regierung der Vereinigten Staaten entschlossen, den Cubanern viel mehr, selbst 15 Millionen, anzubieten, wenn sie sich niht mit einem geringeren Betrage begnügen wollten. Die Cubaner seien sich zwar klar darüber, daß ein derartiges Abkommen die amerikanische Occupation verlängera könne, da es aber ihr ernster Wunsch zu sein scheine, daß das Heer eine große Summe erhalte, sei die Regierung in Washington- bereit, nachzugeben und nach der leßteren Richtung Verhandlungen einzuleiten. ; :

Aus Montevideo meldet das „Reuter’she Bureau“, daß gegen den erwählten Präsidenten Cuestas eine auf- ständishe Bewegung der Partei der Colorados aus- gebrochen sei. Ein Trupp von 200 Mann sei bei Carmelo gelandet und habe sih der Stadt bemächtigt. j

Demselben Bureau zufolge hat sih der chilenische Kongreß vorgestern vertagt, nahdem er in einer verlängerten GU Br Ce Session das Budget genehmigt hatte. Da bis zum Juni feine weitere Ausgabe von Papiergeld möglich sein wird und au der Kupferpreis steigt, so zeigt die wirthschaft- liche Lage im ganzen Lande im allgemeinen eine Besserung.

Afien.

Nach einer von den Philippinen in Madrid einge- troffenen Depesche sind die gefangenen spanischen Offiziere und Soldaten auf der Jnsel Negros in Freiheit geseßt worden: die Schritte zur Freilassung der Gefangenen in Jlo- Zlo würden fortgeseßt.

Afrika.

Aus Pretoria vom heutigen Tage berichtet das „Reuter’she Bureau““, daß die Regierung dem Gesandten Dr. Leyds thre Zufriedenheit mit den Erfolgen S politischen Thätigkeit in Europa ausgedrückt habe. n etwa einem Monat werde Dr. Leyds nah Europa zurückehren. Mete ist in Pretoria eine Konferenz von Delegirten der Süd- a LD evt po Strb Republik und des Oranje-Freistaats usammengetreten, welche die staatlihen Einrihtungen beider epubliken in engere Uebereinstimmung bringen soll.

Parlamentarische Nachrichten.

Die Berichle über die gestrigen Sizungen des Reihs- tages und des Hauses der Abgeordneten befinden si in der Ersten und Zweiten Beilage.

Bei der heute im 3. Gumbinner Wahlbezirk (Gum- binnen-Jnsterburg) vorgenommenen Ers aw zum Hause der Abgeordneten wurde, wie „W. T. B.“ meldet, der Landrath Kreth (kons.) mit 371 Stimmen gewählt.

Statiftik und Volkswirthschaft.

Die Bäder und Heilquellen im preußishen Staat. IT, *)

Der Besuch der preußishen Badeorte würde deren Be- deutung für den Gesundheitsdienst zutreffend kennzeihnen, wenn er allerorts rihtig festgestellt werden fönnte. Dies ift bis jeßt nicht ge- lungen; doch sind, wie in der „Zeitschrift des Königlichen Statistischen Bureaus" zu den dort ‘gegebenen tabellarishen Uebersichten bemerkt wird, die für die Jahre 1891/95 über den Besuch der Bade- orte eingegangenen Nathrichten erheblih besser, als die aus früherer Zeit vorhandenen, da in einer großen Zahl von Badeorten die sie aus\chließlich oder hauptsählich zu Kurzwecken besuhenden Badegäste von den fie begleitenden Angehörigen und Dienstboten ‘sowie den vor- nehmlich zur Erholung oder auf der Durchreise zu kurzem Aufenthalt nah den Badeorten gekommenen Personen untershieden worden find.

Den vorhandenen Berichten zufolge hätte die Zahl der Kur- und Badegäste betragen:

in den 1870 1880 1885 1890 1895 Mineralbädern. . 94 743 191 872 220 103 273 568 168 684 Fichtennadelbädern u.

Kaltwasser - Heil- anstalten. . . . 402 6 691 Secebädern . . . . 5309 - 23469

in den Bädern über- haupt . 99 009 214978 8301 813 401 499 367 498

Die für das Jahr 1895 nahgewiefene Zahl der Kur- und Badegäste von Mineralbädern ift aber aus dem eben angeführten Grunde nit mit den für die vorhergegangene Zeit angegebenen Besucherzahlen ver-

leihbar; durch die in den leßten fünf Berichtsjahren er- olgte Ausscheidung der die Kurgäste begleitenden und der lediglich in den Badeorten Erholung suhenden Personen ift die für 1895 angegebene Zahl der Kur- und Badegäste der Mineralbäder be- tcähtlih verringert worden, obwohl die Benuzung dieser Bäder gegen üher nit abgenommen hat. Die in vorstehender Tabelle nahgewiesene arke Zunahme der Zahl der Besucher von Luftkurorten, Kaltwasser- Heilanstalten und Fichtennadelbädern will wenig besagen, da nur aus einem verhältnißmäßig kleinen Theil solher Orte Nachrichten über den Besuch an Statistishe Bureau gelangen. Nach anderweitigen Angaben {teht indessen wobl außer Zweifel, daß der Besuch der Sommerfrcischen und Luftkurorte während der legien beiden Jahrzehnte bedeutend zugenommen hat, wozu außer der Verbesserung der Verkehrseinrihtungen wohl namentli der Umstand beigetragen hat, daß der Aufenthalt pee lediglich Erholung suchende Personen in solchen Orten E als n Badeorten is. Ueber den Besuch der Seebäder sind erst seit 1875 einigermaßen vollständige Angaben an das - Königliche Statistische Bureau gelangt. Die älteren Nahrihten sind sehr lücken und bis zum re 1870 zurück nur für einige Ostseebäder vorhanden. Namentlich an der Ostsee sind an vielen Orten neue Bäder entstan- den, und der Besuch der Stebäder hat sich sowohl an der Ostsee wie an der Nordsee beständig gehoben.

*) S. Nr. 23 d. Bl. vom 26, Januar.

10473 18565 24 004 79 518 119465 188916

E beträhtlih zugenommen, die der Briten, Franzosen, M C Staliener, Spanier und Amerikaner sich merklih ver- E mindert. F Bäder nah Ausweis der Berichte von 36 797, im Jahrfünft 1886/90 von 99 350, im Jahrfünft 1891/95 von 104 341 ausländischen Kur- | gästen besucht, von denen ein namhafter Theil aus in

F wiegenden Mehrzahl nah # nur noch Sachsen, Bayern, Württemberger, Badener, Mecklenburger, # Oldenburger und

T 19 auf Posen, 7885 auf Shlesien, 5050 auf Sachsen «M Séleswig- Holstein, 3288 auf Hannover, 2613 auf Hessen-Nassau und

* diè während der Jahre 1891 bis 1895" im Besuch? der preußischen Bäder eingetretenen Veränderungen anbelangt, so ist in den t ceralbädern die Gesammtzahl der wirklihen Kurgäste von 153 251 auf 168 684, in den Fichtennadelbädern und Kaltwasser-

Pa La von 23 213 auf 24 004, in den Seebädern von 135 597 auf 88

916, und zwar in den Osftseebädern von 95 440 auf 121129- und in den Nordseebädern von 40 157 auf 67 787, in den Bädern überhaupt von 300 247 auf 367 498 gestiegen. Von den 168 684 für das Jahr 1895 nachgewiesenen Kur- und adegästen der Mineralbäder benußten 58 297 Soolen, 48 581 Eisenwasser, 42 905 einfahe Kowfalzwasser, 99 020 alkalishe Wasser, 16 562 jod-, brom- oder lithionhaltige Koch- salzwasser, 12 119 Schwefelwasser, 7935 Wildbäder und 2533 erdige Wasser. Während des leßten Jahrfünfts hat der Besu sowohl der V ea wie der Fichtennadel- u. st. w. bezw. der Seebäder von Jahr zu Jahr zugenommen; lediglih 1894 zeigt einen kleinen Rückgang des Besuhs der Mineral« und Fichtennadelbäder, welcher indessen {on dur die Zunahme im nachfolgenden Jahre bei den Mineralbädern mehr als ausgeglihen worden ist. Bei den einzelnen Gruppen der Mineralbäder zeigt der Befuh starke Shwan- kungen; nur in den Bädern mit alfalishem Waffer is die Zahl der Kurgäste stetig gestiegen. Am stärksten besucht war von allen preußishen Bädern im Jahre 189% wie in den Vorjahren Wiesbaden, nämlih von rund 30000 Kur- und Badegästen, dann folgten von „den Mineralbädern 1895 Homburg v. d. Höhe mit 10453, Ems mit 10206, Oeynhausen mit 7229, Langenshwalbah mit 5258 wirklihen Kurgästen, von den Nord- und Ostseebädern Norderney mit rund 17 000, Helgoland mit 14270, Heringsdorf mit 10 678, Borkum mit 10219, Kolberg mit 10011, Westerland auf Sylt mit 9979, Misdroy mit 9968, Swinewünde mit 8585, Ahlbeck mit 8582, Zoppot mit 8007, Mellneraggen mit 7250, Binz mit 6437, Kranz mit 6274, Saßnißt mit 5654, Göhren mit 5327 Badegästen. Hier ift freilih zu beacten, daß bei den Seebädern aus den über den Besuch derselben bekannt gewordenen Zahlen vom Statistishen Bureau lediglich die nur wenige Tage dort gewesenen Personen ausgeschieden werden konnten und bei Helzoland auch dies nicht mögli war. : S

Die überwiegende Mehrzahl der Besucher preußisher Bäder sind Preußen und andere Deutsche; indeß kommen dorthin auh Kurgäste aus weit entlegenen Ländern. Ueber die Herkunft der Kurgäste liegen nit -aus allen Badeorten Nachrichten vor; insbesondere fehlen fole gänzlich für Wiesbaden, die Nordscebäder Borkum und Norderney fowiecinige Badeorte vou geringerer Bedeutung. Aus mehreren anderen ift nur dic;Gesammtzabl der ausländischen Kurgäste ohne deren Unterscheidung nach Herkunftsländern bekannt, und bei einigen Badeorten enthalten die Berichte zwar Angaben über die Länder, aus denen dorthin Kur- äste gekommen sind, aber keine über die Zahl der ausländischen Be- uer. Weisen demnach die Ba über die Herkunft der Kurgäste zwar noch manche Lücken auf, so sind fie do erheblih voll- Pie Ii geworden, als sie in früherer Zeit gewesen find, und gehen eit 1896 noh reicher als bis zum Abschluß des vorhergegangenen JSahrfünfts ein. | i

Bis zum Jahre 1885 sind ausländische Kurgäste nur in 24 preußishen Bädern nahgewiesen worden, und für die Zeit vor 1880 liegen noch weniger vollständige Nachrichten über dieselben vor. Nach den früheren Ermittelungen betrug im Jahre 1865 die Zahl der ausländishen Kurgäste 6408, 1870 5068, 1875 520, 1880 5000 und 1885 7612; sie ist bis zum Jahre 1890 auf 24 719 gestiegen und 1895 auf 21 578 gesunken. Für das Jahrfünft 1886/90 waren aus 52 und für die Jahre 1891/95 aus 85 preußishen Bädern Nachrichten über die Herkunfk der Kur- und Badegäste eingegangen, sodaß ein

Y 4 Theil der in den Berichten nachgewiesenen Zunahme der ausländischen Kurgäste in den lehten beiden

Fahrfünften niht durch vermehrten ondern dur die vollständigere Aufnahme ver- Nach Herkunfisländern haben \ich die aus- ländishen Kurgäste der preußishen Bäder, aus denen Nach- rihten über dieselben vorliegen, folgendermaßen vertheilt. E wurden im Jahre 1895 ezählt: 7411 Ruffen, 3741 Oesterreiher und Ungarn, 3499 Briten, 1420- Holländer, 1344 Franzosen, 1173 Belgier, 377 Schweden und Norweger, 79 Staliener, 910 andere Europäer, 1507 Amerikaner, 117 Asiaten, Afrikaner und Aufstralier. Die Zahl der aus Oesterreih-Ungarn, Rußland, Schweden, Norwegen, Belgien und den Niederlanden ge- kommenen Kurgäste hat während des leßten Jabrfünfts nit uns änen,

Besuch der Bäder, anlaßt worden ift.

Im ganzen Jahrfünft 1881/85 wurden die preußischen

reußen bezw. Deutshland wohnenden Ausländern bestanden haben dürste. Ist auch die für das Jahrfünft 1881/85 nachgewiesene Zahl zu niedrig, so er-

J | hellt do aus den vorstehenden Angaben, daß der Besuch preußischer Bäder durch ausländishe Kurgäste von 1881 bis 1895 stark zu- S genommen hat.

Die deutschen Kurgäste preußischer Bäder sind der über- Preußen, neben denen in namhaster Zahl

Hamburger vorkommen. Für die Jahre 1881/85 waren nur aus fünf preußishen Bädern in8gesammt 2892 Besucher aus anderen deutshen Bundesstaaten nachgewiesen, für die Jahre

È 1886/90 dagegen bereits 49 010 aus 41 Badeorten und für die Jahre

1891/95 46 306 aus 34 Baveorten. Alle diese Zahlen sind indessen viel zu niedrig; auch fehlen aus den Bädern Westpreußens, West- falens und Rheinlands alle Nachrichten über die Zahl der Besucher aus anderen deutschen Bundesftaten. Nach - den an das Königliche

| Statistishe Bureau gelangten A vertheilten sh die aus anderen

Bundesstaaten gekommenen Besucher preußisher Bäder ihrer Herkunft nah folgendermaßen : Herkunftsland 1886/90 1891/95 Bayern und Württemberg 2 942 Sachsen 9 445 974 Oldenburg T G 60 Hambur L 6 593 andere Bundesftaaten 5 026

19 494

| nicht preußische Deutsche ohne bestimmte Be-

zeihnung 7 264

Ï Von den im Jahrfünft 1891/95 unter den Kurgästen preußischer

Bäder ermittelten 46 306 An 5 gehörigen anderer deutscher Bundes- staaten entfielen 490 auf Bäder in Ostpreußen, 21 600 auf Demen, 45 au

6 auf Hohenzollern.

A Aus 23 Badeorten Ligen auch Angaben über die Provinzen len M denen die preußishen Kurgäste gekommen sind. Allerwärts ven die Bewohner der Provinz, in welcher das Bad liegt, und der

arten Provinzen der Zahl nah voran. Berliner finden si

p E in allen Badeorten in erhebliher Zahl ein; doch mögen wohl au

Bewohner der Vororte Berli ns zu diesen gezählt worden sein. Einige E Cs aus\hließlih, einige andere vorwiegend von Mirtaobnern De ite p oder dessen nächster Umgegend benußt, wie die Bäder- ger -@ mittheilen, und die Namen didser Perfonen werden in der N es eich ne in die in den meisten Badeorten veröffentlichten e l nifse der Kur- und Badegäste aufgenommen. Von 164 072 P upiswen Kurgäften, deren Herkunft im Jahrfünft 1891/95 nah A6 G95 angegeben worden ift, find 32006 Ost- und Westpreußen, f Berliner, 11 573 Brandenburger, 15 Setimer 6873 sener, 21.702 Shlesier, 10 106 Sachsen, 1930 Schleswig - Hol- R RLD nnoveraner, 5345 Westfalen, 1817 Hessen-Nassauer, rit beinländer und 16 gus Hohenzollern gewesen. Ein va vf von der Stärke' déèr Bäderbenußung seitens der Be- wis ner der einzelnen Provinzen läßt S ans diesen Soul nit ge- Lee nen, au nicht dur déren: Vergleihung mit den inwöhneezahsen elnen Landestheile. Denn ie Angaben hierüber find unvoll-

‘widerspruchslose Aufnah

{üinbig; aus den in den Provinzen Westpreußen, Wefkfalen und Rhein- and gelegenen Bädern z. B. fehlen überhaupt Nachrihten über die Herkunft der preußischen pa oppe die Bewohner dieser Landes- theile besuhen großentheils die dortigen Bäder.

Wie die Zahl der Kurgäste hat auch die der verabfol gten Bäder während des leßten Jahrfünfts in den Mineralbädern, Kaltwasser- Heilanstalten und Seebädern niht unerheblich zugezommen. - Sie |tieg den Bâäderberichten zufolge in den Mineralbädern von 1 560178 im Jahre 1891 auf 1 679 387 im Jahre 1895, in den Fichtennadelbädern und Kaltwasser-Heilanstalten von 18 322 auf 20 991 und in den See- ‘bâädern von 1-267 376 auf 1 591 336, in den Bädern überhaupt von 2 845 876 auf 3 291714. Vergleiht man für dieses Jahrfünft die Zahl der nachgewiesenen Kurgäste mit der angegebenen Zabl der Bäder, so ergiebt sich, daß durchschnittlich in den Mineralbädern 10,1, in den Seebädern 8,9, in den Luftkurorten jedoch nur 0,9 Bäder auf jeden Kurgast entfallen. Diese Bades sind etwas zu niedrig, da die Zahl der Kurgäste in einigen

adeorien unter Einrehnung von Durchreisenden zu hoh, die Zahl der verabfolgten Bäder hingegen fast überall wegen der niht mit- gezählten, auf Grund von Abonnement oder Saisonkarten ab- pee ¿zu gering berechnet ist. Ein Theil der wirklichen Kurgäste adet überdies nit, sondern benußt das Bad zur Trinkkur. Auf einen Kurgast entfielen verabfolgte Bäder in Wildbädern 15,2, in alkalishen Bädern 4,3, in einfahen Kochfalzbädern 12,5, in Sools- bädern 11,5, in jod-, brom- oder lithionhaltigen Kochfalzbädern 10,5, in Shwefelbädern 6,9, in Cisenbädern 6,2, in erdigen Bädern 2,1, in Ostseebädern 10,4 und in Nordseebädern 5,9. Die starken Schwan- kungen in der Zahl der durch\hnittlich an jeden Kurgast abgegebenen Bäder mögen großentheils dur das Maß der Benußung der Trink- brunnen in den einzelnen Bädergruppen bedingt sein.

Der Mineralwasserversand aus preußishen Bädern und Heilbrunnen hat gleichfalls bis auf die Gegenwart beständig zugenommen, obwohl sich die Zahl der Betriebe zur Herstellung künstlicher Mineralwasser gerade in den leßten Jahren sehr stark vermehrt hat. Für die Jahre 1870/85 lagen aus 37 Badeorten und 18 Heilbrunnen, für die *Jahre 1886/90 aus 52 Badeorten “und 15 Heilbrunnen, für das JIahr- fünft 1891/95 aus 49 Badeorten und 15 Heilbrunnen Nachrichten Über den Versand von Originalabzügen der Mineralwasser vor. Der jährlihe Versand dieser Badeorte und Heilbrunnen stieg danach in den Jahren 1870 bis 1890 von 4597126 auf 23 146 234, betrug 1891 29 098 666 und erhöhte sich bis zum Jahre 1895 weiter auf 36 741 802 Flaschen bezw. Krüge (eins{ließlich einiger Posten Salze und Moorerde in Kilogramm). —- Der Wasßserversand findet bei einigen dieser Heilbrunnen in beträhtlihem Umfange auch nach dem Auslande, beim Selterser Wasser und Apollinarisbrunnen sogar in erheblißen Mengen nah überseeischen Ländern statt, obwohl gerade dem leßtgenannten Brunnen im Aus- lande vielfah dur den Vertrieb von Nachahmungen der Absay er- \hwert wird. So wird z. B. in ganz Brasilien ein in Rio her- gestelltes, in der äußeren Ausstattung, Verpackung und Bezeichnung von dem echten Apollinarisbrunnen niht zu unterscheidendes künst- lihes Mineralwasser als Apollinarisbrunnen in den Handel gebracht und viel verkauft.

Arbeiter -Wohlfahrtseinrihtungen.

Nah einer Mittheilung der „Kölnischen Volkszeitung“ aus Saar- louis hat die Wittwe des Geheimen Kommerzien-Raths von Boch in Mettlah 100000 Æ für die Arbeiter der Firma Villeroy und Boch gestiftet.

Zur Arbeiterbewegung,

In Hamburg sind die Schauerleut e, das sind folche Hafen- arbeiter, die das Aus- und Einladen von Stückgütern besorgen, mit ihren MEI eDore den Stauern (Zwischenunternehmern der Rheder), wegen des Arbeitsnahweises in Streitigkeiten gerathen. Wie die „Voss. Ztg.“ mittheilt, Hat der „Verein der Stauer von Hamburg - Altona von 18868“ einen Arbeitsnahweis ein- gerihtet, der am 20. Februar in Wirksamkeit treten foll, den aber die Scauerleute ablehnen wollen... Die Schauer- [eute ihrerseits haben nun den Stauern den Entwurf eines Arbeits- nachweises vorgelegt, den wieder diese ablehnten. Da keine Einigung erzielt werden tonnte, obshon die Stauer den Arbeitern zugestanden, daß an der Leitung des Arbeitsnahweises auch drei Arbeiter theil- nehmen follten, haben- die Stauer jeßt festgestellt, daß ihr Arbeits- nachweis am 20. Februar in Thâätigkeit treten foll. Danach würden dann folche Schauerleute, die sh des Arbeitênachweises der Stauer niht bedienen, keine Beschäftigung im Hamburger Hafen finden. Nun hat der fozialdemokratische Verband der Schauerleute am leßten Sonntag eine Versammlung abgehalten und in geheimer Abstimmung mit 952 gegen 29 Stimmen beschlossen, von dem Arbeits- nachweis der Stauer keinen Gebrauch zu machen.

In Münster i. W. haben, einer Mittheilung der „Mgdb. Ztg.“ zufolge, in der mehanischen Weberei von Ludwig Noest sämmtliche Arbeiter wegen Lohnstreites die Arbeit niedergelegt.

Aus Rheydt wird der „Rhein-Westf. Ztg.“ über den Ausstand der dortigen Färber weiter gemeldet: Die von den ausftändigen Arbeitern der Färberei von Gebrüder Erckens verlafsenen Stellen find zum großen Theil am selben Tage durch andere Arbeiter besetzt worden. Auch in der Färberei von Jakob Struch jr. haben einige Färber am Montag die Arbeit eingestellt.

In Barcelona ift einer Madrider Nahriht der „Köln. Ztg.“ zufolge ein Kutscher - Ausstand ausgebrohen, dem sich auch die Stellmacher, Sattler u. \. w. angeschlossen haben.

Kunft und Wissenschaft.

Die Königlihe Akademie der Wissenschaften zu Berlin hatte ihrem Mitgliede Herrn Conze die Mittel zur Beschaffung einer genauen bartdacadhSen Aufnahme der Stadt Pergamon und Umgegend bewilligt. Jn der feierlihen Sißung der Akademie am 26. d. M. wurde darüber berihtet. Herr Oberleutnant Berlet, in dessen Hände Seine

cellenz der Chef des Großen Generalstabs auf Ansuchen der Akademie die Ausführung gelegt hatte, hat die Arbeit an Ort und Stelle abgeschlossen. Er war zu dem Ende vom 1. August bis Mitte Dezember v. J. mit Herrn Conze, dem Herr Schuchhardt dabei zur Seite trat, in Pergamon anwesend. Es wurde im Gebiet von etwa anderthalb Quadratmeilen im Maßstabe von 1:25000 nah gleihen Grundsäßen auf- enommen, wie sie für die Herstellung der Meßtischblätter der öniglih preußishen Landesaufnahme gültig sind. " Die Aus- zeihnung mit der Feder erfolgt zum Zwede der Heran zgahe nunmehr hier in Berlin, Die Karte wird im erjten Bande der „Altertümer von Pergamon“ und auch einzeln erscheinen, beides im Verlage von W. Spemann in Berlin.

A. F. Der jüngsten Versammlung des „Deutschen Vereins zur Förderung der Luftschiffahrt“ lag, als der ersten im neuen Jahre, die Entgegennahme des Berichts über das abgelaufene Vereinsjahr sowie die Neuwahl des Vorstandes und Beiraths ob. Aus dem ersteren ging die befriedigende Thatsahe hervor, daß \ih die Mitgliederzahl um 97 vermehrt hat. Der alte Vorstand wurde dur Zuruf wiedergewählt mit Ausnahme des an geen Wunsch ausscheidenden Oberleutnants' von Kleist, an: dessen Stelle Hauptmann von Tschudi trat; ebenso wurde ein neues Mitglied statt eines auf die Vereinsmitgliedschaft verzihtenden in den fonst wie früher zusammen-

eseßt bleibenden Beirath ‘berufen. Der Haushaltungsplan für 1899 das Genehmigung und eine Anzahl neu angemeldeter Mitglieder me. Der bei weitem interessanteste Punkt der Tagesordnung betraf den Bericht des Vorstandes über eine Betheiligung des Deutshen Vereins für Luftschiffahrt an der

Ausstellung in Paris im Jahre 1900. Der sehr E na und eindringlihe Beriht des Vorsigenden zu unsten einer der edeutung und den Erfolgen der deutschWen Be- strebungen auf diesem Gebiet entsprehenden Betheiligung regte, obgleich allseitig in seinem Grundgedanken recht sympathisch auf- enommen, eine lebhafte Erörterung an, welhe zu dem Beschluß ührte, daf ein Sonder-Ausfchuß sich mit den Vorshlägen vom Vorstands- tish beshäftigen und in der nähsten Sißzung darüber berichten möge. Dieser Sonder - Aus\chuß wurde gewählt. Einmüthig scheint die Ansicht zu bestehen, daß sich die verschiedenen in Deutschland vor- handenen Luftschiffahrts- Vereine über eine gemeinsame, imposante Darbietung zu verständigen hätten. Aus dem Bericht des Herrn Professors Aßmann is besonderer Hervorhebung werth die au aus dem preußishen Haushaltsplan für 1899 ersihtlihe Thatsache, daß ih darin zum ersten Mal “namhafte Beträge für die Organisation und den Betrieb meteorologisher Beobachtungen mittels Fefselballons eingestellt finden, nämli 50 000 einmalige und 26 000 4 jährlich wiederkehrende Ausgaben. Die Möglichkeit solcher zuverläisigen Be- obaHtungen ift bekanntlich erst durch Erfindung des einem Drachen glei in der Luft stillstehenden Drachenballons gegeben, und diefe Er- findung ist eine deutsche.

Literatur.

Am Dienstag is die bekannte Schriftstellerin Elise von Hohenhausen, seit dem Jahre 1862 Wittwe des Ober-Regierungs- Naths Karl Friedri Rüdiger, hierselbft verstorben. Sie war als Tochter der ebenfalls als Schriftstellerin bekannten Elisabeth Philippine Amalie Freifrau von Hohenhausen, geb. von Os, am 7. März 1812 in Eschwege geboren, dessen Stadtschloß ihr Vater als Unter- , präfekt unter dem König Jérôme verwaltete, Nah dem Tode des Königs trat Freiherr von Hohbenhaufen in preußisWe Dienste und fiedelte nah Berlin über; fo fiel die Jugend der Verstorbenen in die literarishe und s{öngeistige Blütheperiode Berlins. Varnhagen von Ense und seine Gattin Rabel, Heinrich Heine und Baron de la Motte-Fouqus, Alexander und Wilhelm von Humboldt u. A. lernte sie persönlich kennen. Mit ihrem Gatten weilte fie dann abwechselnd in Minden, Münster und Frankfurt a. O. und kehrte nah nes Tode wieder nach Berlin L wo sie seitdem lebte. Ihre bekanntesten Werke sind: „Berühmte Liebespaare“ (Leipzig 1870 bis 1884, 4 Bde.); „Schöne Geister und {dne Seelen“ (berühmte Freundschaften, das. 1873); „Der Roman des Lebens“, Novellen (daf. 1876, 2 Bde.); „Brevier der guten Gefellshaft" (daf. 1876); „Romantische Biographien aus der Geschihte“ (das. 1878); „Aus Goethe's Herzensleben“ (daf. 1884); „Auf Sn des Gesanges“, Dichterstimmen aus der neu- deutshen Lyrik (Oranienburg 1886); „Drei Kaiserinnen*“ (Berlin 1888); „Neue Novellen“ (das. 1890).

Land- und Forftwirthschaft.

Die Ergebnisse des Weinbaues in Württemberg im Jahre 1898,

Nach den „Mittheilungen des Königlichen Statistishen Landes- amts“ betrug in Württemberg die gesammte Weinbaufläche, welche im vergangenen Jahre einen Ertrag geliefert hat, 16 807 ha (im Vorjahre 16 992 ha), d. i. 77,9% der dem Weinbau im Lande überhaupt dienenden Fläche von 21586 ha. Der Weinertrag be- rechnet {ih auf 74740 hl im Ganzen oder 4,45 h] auf 1 ha, gegen 396 284 hl im Ganzen oder 21,55 h1 auf 1 ha im DurWschnitt der 71 jährigen Vorperiode 1827/97, Quantitativ geringer von sämmtlichen 71 Vorjahren war nur der Jahrgang 1891 mit einem Ertrag von 57 509 hl oder 3,21 ha auf 1 ha. Nur wenig ergiebiger war der Fahrgang 1854 mit 77 108 h oder 4,51 h1 von 1 ha. Allein in der Bodenseegegend war der Weinertrag mit 32,41 h1 von 1 ha gegen 40,92 h1 im Durchschnitt von 1827/97 ein einigermaßen befriedigender ; in allen übrigen Weinbaubezirken blieb er weit unter dem Durch- \{nitt; am geringsten ist er im Remsthal mit nur 62 Liter von 1 ha gegen 22,15 Hektoliter im Durdhschnitt von 1827/97; er beträgt im Zabergäu 8,82 hl (im Durchshnitt 1827/97 32,60 11), im unteren Neckarthal 4,85 b1 (1827/97 23,10 h1), im Enzthal 4,70 bI1 (1827/97 17,84 hl), im Tan tatans 3,80 hl (1827/97 13,19 h1), im oberen Neckarthal mit Albtrauf 2,37 b11 (1827/97 25,12 hl), im Kocher- und Jagstthal 1,57 hi1 (1827/97 17,42 h1).

Der höchste Weinertrag wurde in der Gemeinde Hemigkofen, Oberamt Tettuang, erzielt, wo auf einer Weinbauflähe von ins- efsammt 54 ha 2381 hl=44 hl auf 1 ha (4,663 Eimer auf 1 württ.

orgen) geerntet wurden. Gar keinen oder einen niht nennens- werthen Weinertrag hatten von überhaupt 521 weinbautreibenden Gemeinden nicht weniger denn 118 oder nahezu { mit einer Wein- bavflähe von 2174 ha = 183% der gesammten im Ertrag gestandenen Weinbaufläche des Landes, und zwar in den Oberämtern Backnang 10, Eßlingen 4, Brackenbheim 2, Heilbronn 4, Leonberg 2, Neckarsulm 5, Stuttgart Amt 3, Waiblingen 11, Weinsberg 10, Nürtingen 10, Reutlingen 2, Rottenburg 3, Ura 3, Welzheim 1, Mergentheim 6, Oehringen 16, Künzelsau 15, Sworndorf 5, Kirchheim 6 Gemeinden.

Verkauft wurden unter der Kelter bezw. überhaupt während des Herbstes von dem neuen Wein 42 993 h1 = 57,5 9/9 des gesammten Erzeugnisses gegen 65 9/0 im Vorjabre und 63% im Dur(schnitt der 71 Vorjahre 1827/97. Der Verkauf unter der Kelter war ver- bältnißmäßig am stärksten im unteren Neckarthal mit 65,3 %/, am \hwähften im oberen Neckarthal mit Albtrauf mit 15,4 9/9 und be- trug im Zabergäu 59,8 °/, in der Bodenseegegend 57,4 0/0, im Enz- thal 54,5 9/0, im Remsthal 54,2 °/6, im Kocher- und Jagstthal 46,9 0/0, im Taubergrund 24,7 9% des Erzeugnisses.

Der Durchschnittspreis für das Hektoliter stellt sich für das Land im Ganzen auf 50,20 A gegen 43,83 A im Vorjahr und 49,98 Æ im Jahre 1891. Höhere Durchschnittspreise wurden während der legten 30 Jahre nur in den Jahren 1880 (50,67 4), 1892 (59,75 A) und 1895 (56,09 4) erzielt. Jn den einzelnen Landes- gegenden \{chwankt der Durchschnittspreis des diesjährigen Erträgnisses zwischen 30,24 4 im oberen Neckarthal mit Albtrauf und 53,44 4 im unteren Neckarthal (im Jahre 1897 zwishen 30,25 A in der Bodenseegegend und 47,95 #4 im unteren Neckarthal) und stellt sich weiterhin in der Bodenseegegend auf 33,42 4, im Taubergrund auf 34,06 Æ, im Remsthal auf 48,05 #4, im Enzthal auf 48,19 4, im Zabergäu auf 49,24 #4, im Kocher- und Jagstthal auf 49,51

Der Erls8s8 aus dem unter der Kelter verkauften Wein berechnet si zu 2158 432 X (1897 7 123 380 46) und bei Zugrunde- legung derselben Preise der Geldwerth des gesammten Wein- erträgnisses auf 3640766 4 (im Vorjahr 10 825 183 A) Noch niedriger war der Geldertrag im Zeitraum der leßten 30 Jahre nur in den Jahrgängen 1879 mit 3521206 #ÆA und 1891 mit 2 828 812 4 Für 1 ha der im Ertrag befindlihen Weinbaufläche endlih berehnet sich nach dem Ergebniß des diesjährigen Weinhberbstes der ub g og Rohertrag zu 217 4 gegen 637 G im Vorjahr und 485 #6 im Durchschnitt der 71 Vorjahre 1827/97.

Verkehrs-Anstalten.

beck, 1. Februar. (W. T. B.) Der Senat veröffentlichte heute die Vorlage, betreffend den weiteren Ausbau der Hafen- und Quaianlagen mit einem Kostenaufwande von 1} Millionen Mark. Zum Zweck weiterer Hafenbauten wird voraussichtlih die Aufnahme einer Anleihe erforderli sein.

Bremen, 2. Februar. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. Dampfer „Lahn“, v. New York kommend, 1. Febr. in Southampton angek. u. Reise n. Bremen fortges. „Coblenz“ 1. Febr. Reise v. Rotterdam n. Antwerpen fortges. „Wittekind“ 1. Febr. Reise v. Vigo n. Southampton fortges. „Aller“ 1. Febr. in New York angek. „Gera“, n. New York best., 1. Febr. Eastbourne passiert.

Hamburg, 1. Februar. (W. T. B.) Hamburg-Amerika - Linie. Dampfer „Canadia*, nach Westindien bestimmt, gestern in L „Knight. of St. George“, von Baltimore kommend, beute in

mburg angek. „Scotia® gestern v. Antwerpen nah Hambur abgegangen. „Afsyria“, von Portland kommend, gestern Dover passiert.