1899 / 32 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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/ Z d olle Doppelzentner und der Verkauféwerth auf volle Mark abgerundet mitgetbe Ein liegender Stri (—) in den Spalten für Preise hat die Bedeutung, daß der betreffende Preis niht vorgekommen ift, cin Punkt (.) in dea legten fechs Spalten, daß entsprehender Bericht fehlt.

3,29 1,40

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14,09 12,50 13,40 13,50

13,20 13,00 13,30 14.09 13.00 15,09 14,30 14,13

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14,60 17,20 16,80 16,30

15,70 1600 13.60

12,25 12,00 13,60 14,40 13,00 13 60 13.60 13,20

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14,00 14,29 15,00 14,80 15,62 16,67 13 00 13,60

14,49 14,20 14,0 15,50 12,50 14,40 14,20 1230

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13,25 12,20

14,00 13,00 13,50 13,50

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14,60 17,30 17,23 16,30

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12 40 12 00 12,30 14,00 12 20 12,00 14,90 15,00 14,00 13,50 15,00 13,33 14,00

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erechnet.

_ Deutscher Reichstag. 5. Sigzung vom 4. Februar 1899, 1 Uhr.

Die zweite Berathung des Reichshaushalts- Etats ür 1899 wird bei dem Etat der Reichs-Post- und elegraphen-Verwaltung, und zwar bei dem Titel „Ge-

halt des Staatssekretärs“ fortgeseßt.

Hierzu liegt folgender Antrag der Abgg. Dr. Müller-

Sagan (fr. Volksp.) u. Gen. vor:

1) zu ecflären, daß Disziplinarmaßregeln gegen Post-Unterbeamte wegen Abonnierens auf die *Wechenschrift „Deutscher Postbote“ oder wegen Inserierens von Familien- und Verei: 8nachrichten in dieser Wothenschrift unzulässig sind, 2) den Reichskanzler zu ersuchen, jede Beschränkung der Postbeamten bezüglich ihrer außerdienstlihen Lektüre zu untersagen.

erner beantragt der Abg. Bassermann (nl.):

ie Erwariung auëzusprehen, daß gegenüber dem an sich be- retigten Gehaltsanspruche der Postbeamten von der Reichsverwaltung die Einrede der Verjährung niht geltend gemacht wird.

Abg. Bassermann (nl.): Die Sozialdemokraten haben si auf

den republikanischen Standpunkt “geftellt; da können Sie nicht ver- langen, daß ihre Anhänger Diener der Monarchie sein sollen. Wenn die Sozialdemokraten sagen: „Glauben Sie, daß wir Leute, die in ibren Ver}ammlungen ein Hoh auf den Kaiser ausbringen, in unseren Reiben dulden würden?“ so können Sie sich nicht wundern, daß die Reichsbehörde daraus die Konsequenzen zieht. Jn die Privat- lekiüre wird der Staatssekretär wohl nicht eind:ingen köanen; in großen Städten is eine folhe Beobachtung der Beamten in ibrer Privatbeschäftigung garniht möglich. Es ift vom „Deutschen Poftboten“ gesprochen worden. Neue Preßerzeugnisse pflegen immer eiwas zu übertreiben, um sih einzuführen. Sind sie erft eingeführt, so werden fie rubiger, und man sollte sol@e Dinge ohne Nervosität ertragen Geht man gegen sie vor, fo erweitert man [{chlieklich nur ihren Leserkreis, indem man tas Interesse für sie erweckt. Die Lohnsteigerungen in den Industriebezinken ercegen die Kiitik der Beamten und fordern zum Vergleih mit ihren eigenen Gehältern heraus. Mit der Haltung der Postverwaltung gegenüber der Be- schäftigung der Frauen fönnen wir wohl zufrieden sein. So lange die Frauen in fo ausgedehnteim Maße in Fabriken 2c. beschäftigt werden, muß auch der Staat ihnen die leihteren Berufs- arten öffen. Da muß der Egoismus der Männer zurücktreten. Redner empfiehlt vie von ihm eingebrahte Resolution, um die Post- verwaltung in ihrer Stellung zu ftäcken und fährt dann fort: die Berufung auf die Verjährung würde s{chon im Privatleben nicht an- ändig fein; dér Staat sollte diese Berufung unter allen Umständen unterlassen. Wir haben den Eindruck, daß der Staatésekcetär Ordnung in ciner Verwaltung bält und die Sozialdemokraten sih vom Halie halten will, wir haben auch den Eindruck, daß er ein warmes Herz für scine Untergebenen hat. Wir find in eine Periode der Reformen eingetreten, und das follte man willig anerkennen

A*-g. Dr. Müller-Sagan: Den Beweis dafür, daß durch den „Deutschen Postbote:i“ sozialdemokratishe Interessen vertreten werden, bat der Staatssekretär -niht erbracht und garnicht zu erbringen ver- iuht. Er bat nur im allgemeinen über die s{lechte Presse ge- E Wäre die Presse so shlecht, dann müßte sich der Staats-

ekretär niht bloß gegen den „Deutschen Postboten“, sondern auch gegen andere Blätter wenden. Der Staatésekretär follt- doh nit den Spiegel zerschlagen, der ein ihm nicht gefallendes Bild zeigt. Der „Deutsche Postbote“ iff kein Vergrößerungsöspiegel gewesen. Es giebt fein befseres Mittel, sh über Mißstände zu orientieren, als durch ein Fachblatt, dessen Mißgriffe yon den Lesern selbft mit der Zeit korrigiert werden. Auch beute gilt der Sah noch, daß die „Gazetten nicht geniert werden" follen ; sie sind eine Ergänzung des Parlamentariémus. Die Bekanntgabe des Diensft- stundenvlanes, die in Saalreld zur Kündigung zweier Post- Assistenten gefübrt hat, kann man doch niht als einen groben Vertraue: sbruch betrachten ; die Einzelheiten eines solchen Planes liegen ja ofen vor Federmanns Augen. Uebrigens hat der Unter-Staatssekretär Dr. Fischer früher einmal erflärt, daß die auf Kündigung angestellten Beamten nur ebenso im Wege des Disziplinarverfahrens entl #ff-n werden Eônnen, wie andere Beamten. Ist darnach auch in diejem Falle verfahren worden? Den Redakteur des „Postboten“ hat der Staatsfekretär als eine wegen groben Vertrauensbruhs ent: lassene Person bezeihnet. Jn feiner Nedaktionéführung hat derselbe j-denfalls gezcigt, baß er das Redaktionsgeheimniß zu wahren weiß. Das Vorgehen gegen dieses Blatt und gegen den Ve: band der Unterbeamten ift aeradezu ein Mißgr:ff; dadurh werden die Unter- becmten der Sozialdemokratie in die Arme getrieben Sozial- demokraten sind diese Unterbeamten niht. Der „Postbote“ hat noh lage nicht alle Forderungen vertreten, wele in der Beamtenschast gestellt werden. Das Lesen des „Postboten“ ift in mehreren Fällen, jo in Blesersdorf, Schreiberbau, Brieg 2c. direkt verboten worden. Ein Unterbeamter is vernommen worden, weil feine Vermählung in dem „Pofstboten“ angezeigt war. Nah den Dienstvorschriften sollen Zeitungen nit von der Poft empfohlen werden. Die von Profefsor Albrecht redigierte „Neue Post“ aber von zahlreichen Postämtern vertheilt worden; sie haben zum Abonnieren aufgefordert und auf jede Weise den Vertrieb diefer Zeitung erleihtert. Nan behauptet, daß die Abonnementelisten des „Deutschen Postboten“ dem Verlag der neuen Zeitung zugänglich gemaht worden fein müßten. Das wäre cine Verleßung des Amts- E Wir sind noch uicht +so weit wie in Frankreich, wo die

hätigkeit des schwarzen Kabinets sehr umfangreich ist; ih würde es Lebhaft bedauern, weun von der bisher b:stehenden Sicherheit des Verkehrs auch nur der kleinste Theil abgebrödtelt würde. Die Porto- freiheit wird mißbraucht, das wird au von konservativer Scite an- erkannt; die „Deutsche Tageszeitung" weist darauf /hin, daß die Herzog- Tiche Gartenverwaltung in Wörliß die Portofreiheit für ihre Korrespondenz benußt habe. Zum Schluß bemängelt Redner, daß in S Schwierigkeiten wegen der Telephonanlagen gemacht worden eten.

Abg. Graf von Klinckowstroem (d. kons.): Meine Freunde werden für den Antrag Bassermann stimmen. Daß nach der gestrigen Debatte der Antrag Müller - Sagan eingebracht werden konnte, ist bedauerlich; denn daturch wird die Disziplin gelockert werden. Die Konservativen werben gegen den Antrag stimmen. Die Sozial- demokraten haben in der leßten Zeit Niederlagen auf Nieder- lagen erlitten. Die Entscheidungen der Gerichte bezüglich dec Ent- lassung sozialdemokratish gesinnter Beamten liegen vor. Diese Ent- eitungen werden die Sozialdemokrat-n nit erfreuen. Redner ver- liest ein Erkenntniß des Ober-Verwaltungêgerichts, das jedem Beamten flar mae, wessen er sich s{uldig mach-, wenn er fih mit den Sozialdemokraten einlasse: er werde meineidig, er verlege den Eid der Treue, den er ges{woren babe. Der Staatssekretär des Neichs-

ostamts, fährt Redner fort, hat gestern erklärt, daß diesem Ver- tehen die Strafe auf dem Fuße folgt. Er will feinen Sozial- ?mofraten in der Postverwaltung dulden. Er gebt {wer an eine Beamtenentlafsung heran. Wir danken dem Staatssekretär für tine männlihea und ernsten Worte. Die Situation ift geklärt, und wenn Sie (zu den Sozialdemokraten) es ehrlih mit den Beamten meinen, dann laffen Sie Ihre Hand von den Beamten, damit Sie die amilien nicht ins Elend stürzen. Sie wissen, daß die Zeit der Sdhwäche Ihnen gegenüb-r vorüber is; die Beamten wissen, daß die Verwaltung zielbewußt Ihnen gegenübertreten wird, und damit ist Ihr Einfluß auf die Beamten dahin.

Abg. Franken (nl): Herr Lingens hat verlangt, baß den Tatholiswen Postbeamten Morgens Freiheit zum Kirchgang gewährt werden folle. Er sollte tolerant fein; die evangelischen Beamten gehen auch gern Sonntags Vormittags in die Kirhe. Herr Singer

hat die Fatprefse vertheidigt, aber es geht wirklich zu weit, was j

é B. im „Deutschen Postboten" zuweilen gestanden hat. Redner will öablreide Beispiele bierfür vorbringen.

folhen Artikeln vorzulesen.) Redner bricht daher seine Vetilesung ab.

Präsizent Graf von j Ballestrem hält es nicht für Sd. eine gane Reibe von |

j

Staatssekretär des Reichs-Postamts von Podbielski:

Meine Herren! Ich möhte in erster Linie dem Herrn Abg. Müller antworten auf die vershiedenen Vorwürfe, die er heute erneut gegen mich gerichtet hat.

Was zunächst den „Postboten" anlangt, so gestattet wohl der Herr Abg. Bafsermann auch, daß ich darauf hinweise, daß es sich nicht um ein neues Blatt Handelt, welches durch neue Sagen in seinem Leserkreise sh zu empfehlen sucht, sondern es erscheint {hon im fünften Jahre, hat also bereits unter Excellenz von Stephan seine Thätigkeit entfaltet. Der Herr Vor- redner hat ja au eine kleine Blumenlese gegeben, und ih selbst habe gestern auch Einiges hervorgehoben. Aber das alles will ih bei Seite lassen und nur allein mich stüßen auf ein Urtheil eines anderen, wahrlich nit offiziösen, Blattes der Postverwaltung: „Die Deutsche Postzeitung“, das Blatt des Assistentenverbandes. Als der Erlaß im September hberauskam, stand in diesem Blatte: Wahrlih, es war fortgeseßt eine Paprikakost. Aus dieser Bezeich1ung eines wahrlich mir nicht nahe stehenden Blattes werden Sie wohl entnehmen, daß thatfählich verfteck unter allen möglihen Formen Angriffe nit allein gegen die Postverwaltung ge- rihtet wurden, fondern au darauf gerihtet waren, immer und immer wieder in den Kreisen der Postunterbeamten Unzufriedenheit zu er- regen, also ein Bestreben, welches ich gestern hon als das taktische Vorgehen der Sozialdemokratie bezeihnet habe. Jch möchte die Herren aus der Berliner Stadtverwaltung daran erinnern, daß sie ja in einer äâhnlihen Situation den Lehrern gegenüber waren. Ih möchte Sie darauf hinweisen, daß der „Deutsche Postbote“ \{lankweg für die Unterbeamten Gehälter fordert, diesweit hinau3gehen über die Säße der preußischen Elementarlehrer. Ja, daß die betreffenden Beamten ein folhes Gehalt fih wünschen und ih als Chef es ihnen gönnte, wenn e3 möglich wäre, das ist gewiß. Aber es ift doch cine faktishe Unmöglichkeit, unsere Unterbeamten so bo zu bezahlen. Es liegt mir natürli fern, auf die andere Presse auh nur im Steine einwirken oder, wie mir Herr Dr. Müller unterstellt, fie dahin beeinflufsen zu wollen, daß sie nicht Nachrichten von den Postunterbeamten bringe. Das liegt mir völlig fern; unsere große Presse kann siŸÿ mit folchen kleinen Gehässigkeiten vielleiht nur einen Tag befafsen, auf die Dauer würde sie ibren Leserkreis nur abshwächen. Es ist nur möglich in einem Fachblatt, wo das gesammte Papier für diese Gehäfsigkeiten zur Verfügung steht. Die Gefahr wächst natürlih, wenn ein solches Fachblatt von jemandem geleitet wird, der infolge feines früheren Verhaltens aus der Postverwaltung entfernt und daher natürliß von Feindshaft gegen die Verwaltung erfüllt ist. Ich glaube, daß damit wohl die Situation, den „Postboten“ betreffend, geklärt ift.

Was nun den Fall in Saalfeld betrifft, so würde ich mir sehr \{chwere Vorwürfe machen wenn die Schilderung des Herrn Abg. Müller zuträfe. Es ift ja ganz naturgemäß; die Betroffenen \childern mit rosigen Farben und bie kleinen s{warzen Striche, die daneben figen, bleiben dabei weg. Ih möchte darauf hinweisen, daß für die Assistenten und die oberen Beamten der Postverwaltung bei ihrem Eintritt ein Protokoll unterschrieben wird, in dem fie fih verpflihten,

alle Angelegenheiten, deren Geheimhaltung dem Beamten von seinem Vorgesetzten vorgeschrieben ift, geheim zu halten. Als geheim haben für den Post- und Telegraphenbeamten alle amtlidea Verfügungen und dienstlißen Anordnungen zu gelten, deren VeröffentliGung oder weitere \criftliGze Mittheilung an andere Perfonen einf{ließlich anderer Beamten der eigenen Verwaltung vom Vorgeseßten nicht ausdrücklich angeordnet oder gestattet ist.

Es ist daher garnicht zweifelhaft, was der betreffende Beamte zu thun hat. Also, meine Herren, wollte der Beamte den Plan ver- öffentlihen, so stand ihm wahrlich nichts entgegen, und hätte man ihm Hindernisse bereitet, so hätte ih ihm unbedingt | die Freiheit ge- ftattet, einen solchen Dienststundenplan zu veröffentlichen, nur mußte er vorher seinem Vorgeseßten Kenntniß davon geben.

Nun weiter! Der Herr Abg. Müller sagte, weil die beiden Assistenten kein Recht gefunden hätten, hätten sie sh an ihre Fach- presse gewandt und den Dienststundenplan eingefandt. Nein, fo liegt die Sache niht, sondern die Redaktion der „Deutschen Postzeitung®“ hatte an die Beamten, von denen fie glaubte, daß sie ihr zugänglich "wären, geschrieben: „Sendei uns besonders ungünstige Dienststundenpläne ein.“ Also niht aus dem Entschluß des Beamten heraus, sich sein Recht zu wahren, sondern den Eirflüfsen von anderer Seite, einen folhen Dienststundenplan einzusenden, find sie gefolgt. Jh habe {on ausgeführt, daß gegen den Willen der Ober-Postdirektion in Erfurt eine Abänderung des Dienststundenplanes erfolgt ist, daß ih die Handlung des Poftamts- Vorstehers für unrichtig halte und daß ih dagegen cingeshritten bin.

Ih suche die Schuldigen nicht immer bei den Untergebenen, sondern wie hier der Fall liegt, war ih au verpflichtet, gegen die eigenmäthtige Abänderung einer Jnftruktion einzuschreiten; aber hier handelt es fih zunähft um eine Beeinflussung von außen seitens der Zeitung.

Nun sagt weiter der Herr Abg. Dr. Müller: wie es zur Sprache kam, meldeten sich die Beamten. Nein, sie haben sih nit gemeldet; hätten sie sich gemeldet, fo wäre meine Beurtheilung eine andere gewesen. Mir ift es sehr unangenehm, eine Untersuchung einleiten zu müssen gegen „Unbekannt“. Jch bin gegen das Spitelsystem; das kam von anderer Seite, die vom menshlihen Standpunkte aus vielleicht s{chlimmer gehandelt hat als die beiden Beamten. Jenen habe ih nit entlassen, weil es kein Amtêvergehen war. MWüâären die beiden Beamten ehrlich hervorgetreten, so hätte ih ihnen vielleiht einen Verweis ertheilt, aber hier handelt es sich um eine Ketie von Vorkommnissen hinter dem Rücken ? er Verwaltung, entgegen dem, was die Betreffenden untershrieben haben.

Nun die Frage des Nedakteurs der „Deutschen Postzeitung“, defsen Namen ih gestern niht nannte. Man wirft mir jeßt vor, ih hätte diesen Mann, der nach jeder Richtung vorwurfsfrei daftehe, mit Ausnahme eines Verstoßes vor fünf Jahren, an den Pranger ge- stellt; das muß ih bestreiten. Jh kann anerkennen, die „Postzeitung“ hat in reuerer Zeit das Bestreben gehábt, niht zu heyen, fondern flärend zu wirken, Sachen, wie den Stundenplan, vom vernünftizen Standpunkt zu besprechen. Jch habe selbst manche Anregung darin gelesen. Aber dieser Herr Hubrich war einer der {limmsten Agitatoren; in ciner Reihe von Versammlungen hat er noch shlimmere Sachen gesagt, als vielleiht je in einer sozialdemo-

kratishen Versammlung gesagt ist in nicht öffenilihen Versamm- lungen natürli. Vor Hunderten von Assiftenten hielt Herr Hubrich diese zweifellaften Reden. Ist das nicht ein Agitator der s{limmsten Sorte? Von dem Mann beißt es jeßt, er soll ganz harmlos fein und kein Wässerhen trüben! Nein, ih habe mih au über dessen Perfönlichkeitunter- rihtet und kann nur sagen: meine Anzaben cntsprehen vollständig dem, was vorgegangen ist. Jch babe au darüber möchte ih keinen Zweifel lassen in dem gestern zum theil verlesenen Schreiben und in einem früheren darauf hingewiesen, daß Herr Hubrih ein Agitator wäre, dessen Austreten ih nit dulden könnte. Ich habe nichts gegen eine freie Meinungsäußerung der Beamten, halte es aber für äußerft gefährlich, wenn sich Hunderte von Beamten zusammenfinden an Orten, wo dieser Mann, den ih nit fassen kann, eine wüste Rede hält, das ist nah meiner Arsiht das allergefährlihste, was es geben kann! (Sehr richtig! rechts.) Dagegen habe ich mi verpflihtet gefühlt, einzu- schreiten. Jn dem Moment, wo ih energisch gegen den „Poftboten“ vorging, wo ih, nahdem ih das Amt ein Jahr geleitet haite, meinen Beamten klar sagte, wie ih zu handeln gedenke, damit cin Jeder weiß, womit er zu rechnen hat, da bin ih mir wohl bewußt, daß in der beften Absicht auh untergeordnete Behörden über das Ziel hinausgeschofsen, und daß manchmal Anordnungen getroffen sind, die ih nicht babe in vollem Umfange billigen können. Manchmal aber hat wirklich die harmloseste Sade zu Entstellungen Veranlassung gegeben. Ich greife hier nur den Fall Bring heraus. Der „Pofstbote* war Sonntag morgens nah- weislih niht angekommen, der Asfistent am Schalter, der die Zeitung den Leuten herausgeben soll, sagt: bie Zeitung ift kTonfisziert. Sie war eben nit da, sie kam erft den anderen Morgen. Ih bin nicht beredtigt, oder besser gesagt, die Postverwaltung ist nit berechtigt, eine Sendung zurückzuhalten. Sie würde damit überall in die \{limmste Lage kommen. Nun wird aus einer so harmlosen Redens- art am Schalter eine fo lange Geschichte gemacht, als wenn bier die wunderkarften Sachen gemacht werden, während es nur ein barmloser Scherz eines Assistenten gewesen ist. Wenn ih nun auch dem Herrn Abgeordneten Müller zugebe, daß man vielleiht in dem einen oder anderen der erwähnten Fälle über das Maß hinaus- geschossen ift, so seien Sie überzeugt, ich werde auch da ruhig zufassen, und die Sache in diejenigen Baßnen bringen, die mir zweifellos durch das Gefeß vorgeschrieben sind.

Was nun die jüngeren Beamten anbetrifft, fo ift diese Sache in der Budgetkommission bereits erörtert worden. Es handelt sich nicht um eine Schädigung der Beamten, als wenn sie entlassen werden müßten, soadera im Gegentheil, dank der Zustimmung der Budgetkommission is für diejenigen jüngeren Beamten, die aus anderen Gründen jeßt nicht angestellt werden fönnen, eine böbere Gewährung der Tagegelder vorgesehen Eine Schädigung fann und wird also nicht eintreten. Es handelt sih da lediglich um andere Momente. Wegen Uebershuß an Beamten habe ich seit zwet Jahren keine neuen angenommen.

Die Damenfrage betreffend, die neulih {on geftreift und gestern noch einmal von dem Herrn Abg. Werner betont wurde, muß ih wieder- holen, daß gerade die Damen ¿zum Fernsprechdienft besonders geeignet find, weil ihre Stimmlage drei Tône höher liegt (Heiterkeit) und infolgedefsen sie l-ihter verständlih find als Männcr. Das ift der Grund, weshalb nicht bloß bei uns, sondern auch in anderen Ländern beim Fernsprechwesen Damen angestellt find.

S9 habe ich allen Vorwürfen begegnet, und ih hoffe nur eins, daß der Reichstag die Anträge des Herrn Abg. Dr. Müller nicht annehmen wird. Die Anträge werden, wie vorhin meiner Ansicht nach ganz richtig gesagt worden ist, nicht zum Segen, sondern zum Unsegen ausfallen. Wenn der Herr Abgeordnete sagt, ich wolle eine Pashawirthschaft, so glaube ih, liegt mir nichts erner. Fch shrecke nicht zurück vor der persönlihen Verantwortlichkeit und bin, wie ich schon gestern erkiärt babe, zu jeder Zeit bereit, sie zu übernehmen und gegenüber dem Reichstage voll zum Ausdruck zu bringen.

Aber noch ein anderes Moment wollen Sie erwägen. Die Aus- übung der Dienftzußt untersteht niht dem Reichstage. In den Ländern, in denen die Beamten gewählt werden, mag aub dem Parlament die Kontrele der Ausübung der Dienstzucht zustehen. Jch bin, .und darin ift der Antrag ganz korrekt, betreffs der Ausübung der Dienstzuht meinem direkten Vorgeseßten, dem Herrn Reichskanzler, verantwortlih; im weiteren aber Seiner Majestät, der mih an diese Stelle berufen bat. Ih muß es aber für einen äußerst gefährlichen Weg halten, wenn der Reichstag eingreifen wollte in die Ausübung der Dienftzuht, wie es diese Anträge bezwecken. Ein folher Schritt würde jedenfalls nicht zum Segen ber Beamten führèn. (Bravo! rets.)

Abg. Stoedcker (b. k. F.): Mag man die Postbeamten als Ar- beiter oder Beamte ansehen, fie dürfen nicht sozialdemokratishe Ge- finnungen begen. Der Staat kann nicht Beamte dulden, die den Staat und seine Grundlagen nicht anerkennen. Ein Beamter fann nicht daran denken, die Betriebsleitung umzustürzen. So lange die Sozialdemokraten die Monarchie verneinen, können fie nicht in Staatsämtern sein. Einige Sozial- demokraten versuhen allerdings jeßt, sich auf den nationalen Boden zu stellen. Es ift \chwer, eine Schaar von 200 000 Beamten in Disziplin zu halten. Wenn die Leiter - folher Betriebe die Sozialdemokratie bekämpfen so thun sie vollkommen ret. durch die Maßregeln der Zweck erreiht wird, kann ih nit fo bejahen, wie die Vorredner. Der Staatssekretär von Stephan bekämpfte den Postassistenten- Verband, der jeßige Staatssekretär hat fich freundlicher zu ihm gestellt, und damit ist der Zw st beseitigt. Es wäre vielleiht mehr erreiht worden, wenn gegenüber dem „Deutschen Postboten“ ähnli verfahren wäre. Es handelt si darum, die zweck- mäßigste Art der Bekämpfung der Sozialdemokratie zu finden. Unser gegenwä: tiger Monarch spra in Seinen Februare:lafsen von 1890 von der Vertretung, welche die Arbeiter sich {afen müßten, und von der Föhlung, welche die Arbeitgeber mit ihren Arbeitern svchen foklten. Die Staatsbetriebe folten Musteranstalten werden. Wenn der Staats- sekretär mit den Beamten der verschiedenen Klassen die Lage durch- \prehen würde, würde die Stimmung des gegenseitigen Wohlwollens und Vertrauens si verstärken; dann würde die Facpresse den Einfluß garniht gewinnen, den sie jeßt hat. Der Weg der Nepression ift nicht der richtige. Es wird niemand fagen, daß bie Lage der Postbeamten eine solche sei, an der nichts verbessert werden könnte. Die Sprache des „Postboten“ ift scharf und {rof in Vertretung der wirthschaftlichen Interessen. Es wird aber überall eine sharfe Svrache geführt, und nur dieser eine Kreis von Beamten follte {till sein? Hält fh das Blatt in dem Kampfe mit der Verwaltung, dann ift es stärker als vorher. Bezüglich der Sonntagsruhe befürwortet Redner die Befeitigung der Schalterstunden am Sonntag Nachmittag. Die Verlegung derselben auf die Zeit von 12 bis 1 Uhr würde sih empfehlen. Weil die Juden am Sonnabend ihren Ruhetag haben wollten, müßten die Postbeamten Ah ihren christlihen Sonntag stören laffen; man könnte jene rubig bis zum Montag warten lassen.

G D E E E E E E e E T B I IRER A T A R C E E Ä R E E A D Wb m E