1830 / 43 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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bereits im Jahre 1805 entworfen hatte, und machte- mehrere andere núßbliche Einrichtungen.‘ i „„Das neue Münz-Geseß ward am 20. April 1818 pu- blizirt. Mehrere andere vou dem gewandten Staatsmanne vorgeschlagene Verbesserungen konnten, namentlich auf Sici- lien, wo die Barone und die Geistlichkeit ihnen große Hin- -

dernisse in den Weg legten, nur langsam ins Werk gerichtet |

werden. Medici nahm sich .mit besonderm E der Reform der Justiz-Verwaltung an und beschäftigte si fun eines neuen Geseßbuches. Er hatte den Grundsaß, daß der Richter nach dem Buchstaben des Geséßes entscheiden, und wo dieset zweifelhaft sey, ihn nah der gesunden Vernunft, icht ‘aber noch dem alten Auslegungen ‘der Rechtsgelehrten erklären müsse. Auch wollte er, daß die Gründe, die das Ur- __theil-herbeigeführt hätten, öffentlich befannt gemacht würden.“ „Große Räuberbanden beunruhigten damals das Land und füllten die Gefängnisse mit Verbrechern. -Medici- schloß daher mit dem Hofe“ von ‘Rio Janeiro einen Vertrag ab, wodurch die Neapolitanische Regierung der Brasilianischen 2000 Galeeren-Sklaven zur beliebigen Verfügung stellte. Un- geachtet des Eifers, den Medici ü erall für das Beste- seines Landes bezeigte, war seine Verwaitung doch nicht allgemein ‘beliebt; namentlih zog die Wiederherstellung einer großen Menge von Klöstern ihm die Mißbilligung des aufgeklärten ‘Theiles des Publikums zu; auch die von. ihm cuagers rte neue Grundsteuer machte ihm das Volk abgeneigt. och war an “der militairischen Empörung, die am 2. Juli 1820 in Nola ausbrach, nicht sowohl die Unzufriedenheit mit seiner Ver- ‘waltung, als das von dem General Nugent eingeführte Mi- litair:Reglement, so wie das System des damaligen Polizei- Ministers, Fürsten von Canosa, der nach ganz andern Grund- sáken als Medici verfuhr , Schuld. Medici verachtete die Carbonaris und Calderaris, und ließ die exaltirtesten derselben in Lu einsperren. Canosa dagegen verband sich mit den Calderaris gegen die Carbonaris, wodurch Alles in solche Gáhrung gerieth, daß selbst die Abseßung dieses Ministers den Ausbruch der Empörung nicht mehr verhindern fonnte.‘‘ „Der General Nugent und Medici riethen dem Könige, sich sofort mit seiner Familie einzuschiffen und an den Küsten des Adriatischen Meeres zu landen, um demnächst mit cinem Oesterreichischen E ers die Ruhe in seinem, Lande wie- derherzustellen. ie Vorstellungen des Königs von England,

hielten ihn indeß in Neapel zurück, wodurch Medici sich be- -

wogen fand, seine Entlassung zu nehmen und sich nach Rom zurückzuziehen, wo er selbst noch, nachdem der König wieder ruhig ‘auf seinem Throne haß, eine Zeit lang. blieb. Der Fürst Canosa, zum zweitenmale Polizei-Minister, verfußr da- mals‘in Neapel mit äußerster Strenge gegen die Familien, die in dem Verdachte standen, an .der Revolution Theil ge- nommen zu haben. Die Finanzen befanden sich ebenfalls in ei- nem höchst fläglichen Zustande, so daß König Ferdinand im Monat Juni 1822, auf den Rath Oesterreichs , ein neues Ministerium bildete, an dessen Spike er den Fürsten Alvaro Ruffo seßte, und Canosa entließ. Medici- trat als Finanz-

- Minister in die neue Verwaltung ein, und sein Freund und-

:eJemaliger Kollege, der Marquis Tomäsini, erhielt das Gna- den - und Justiz - Departement. Von diesem Augenblicke an hôrte das Verfolgungs - System in Neapel auf, und um das Deficit in den Finanzen zu decken, schloß die Regierung eine Anleihe mit dem Hause Rothschild ab.‘

¿Als Ferdinand 1V., in Begleitung“ des Fürsten Ruffo, fich nach Verona und von dort nah Wien begab, warde -Médici zuin Präsidenten des Minister-Raths ernannt. Die Schwierigkeiten bei der Wiederherstellung der durch díe Stockung ‘des Handels zerrütteten Finanzen veranlaßten die .Regiérüng; im Monat ebruar 1824 durch Medici‘ein neues ‘Anlehn von 25 Millionen Pfund Sterling mit den Gebrü- derr Röthschild abzuschließen ; der Extrag der Zölle und ‘an- ‘dere indirefte Steuern wurden dafür zur Hypothek bestellt. // __¿Médioi behielt seinen hohen Posten auch unter demn jeßigen Könige Franz 1., und trug zur Räumung des Landes von den” Désterceichischen Truppen ‘das Seinige bei, Man

FKänn hicht-läugnen „daß er ein Mann von großem Talente und ‘entschiedeuem Verdienste war, und obgleich wir das von ihm’ befolgte: politisthe | las nicht ‘gutheißen , ‘so müssen

mit der Entwer- \

: Königlihe-Schäuspiele. Freitag , 12. Fébr. Jim: Opernhause: Fernand Cortez, oder: Die Eroberung Mexiko’'s, Oper in 3 Abtheilungen,

mic Bâällets ;, Musik von Spontini. (Hr. Rozier wird hierin

tanzen.) : Wegen Heiserkeit der Mad. Seidler kann die zu heute angekündigt gewesene Oper: Nurmahal, nicht gegeben werden, “Jm Scbauspitlhase: 1) L’artiste, vaudeville en 1 acte, par Séeribe. 2) Ta première représentation de: Le nou- veau Pourceaugnác, vaudeville comique en 1 âcte, du théâ- tre de Madame, par Scribe. 3) Le petit tanibóur, vaude- ville aneccdotique en f acte

Königsstädtsches Theater. Freitag, 12, Febr. Das Pfeffer-Rösel, oder : Die Frank- furter Messe im Jahre 1297, ein Gemälde der Vorzeit in

5 Akten.

Sonnabend , 13. Febr. Herr und Sklave, ‘Melodrama in 2 Akten. “Hierauf: Der leihtsinnige Lügner , Lustspiel in 3 Akten. (Herr Pohl, vom Stadttheater zu Posen , im er- sten Stücke: ‘den Sklaven, im zweiten Stücke : Felix Wahr, als Gastrollen.) ;

Ferli0.er B08 6 Den 11. Februar 1830. : f Amtl. Fonds- und GelÏd-Cours-Zettel. (Preufs Cour.)

77 Brie} Geldl | ZITBrie]| Geld. 1004 1002 {Schlesische do. 4 |107 105% |- Pomm. Dom. do.| 5 [108 1052 [1042 [Märk. do. do: 5 |108 10Cz 1004 JOstpr. do. do. 5 [107 1902 1005 Rückst.C.d.Kmk.' | 76 103% [1027 | do. do. d.Nmk.' | 76 100 {Zins-Seh.d.Kmk. | 77 Elbinger do. 11027 11025 dito d.Nmk. | 77 Danz.do. inTHZ. 391 | ¿ad VWestpr. Pfdub.A.| 4 1013 (1015 | dito dito B.| 4 [1015 [101 Woll. vollw. Duc. Grolehz.Pos.do.| 4 | [102 4 Neue dilo | Ostpr. Pfandbri| 4 1023 | JFricdrichsd'or . | Pomm. Pfandbr.| 4 (1064 | Disconto... Kur-n. Neuna.do.| 4 [1064 |1064

St. -Schuld-Sch. Pr. Engl. Anl. 18 Pr. Engl. Anl. 22 Kurm.Ob. mi.C. Neum.Int.Sch. d. Berl. Stadt - Ob.

Königsbg. do.

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Brems Bour. Brief.|\ Geld. 144x

Wechsel- Cours.

Amdlbrdaut T N e S 250 F1. Kurz Ge e «es rit et 250 Fl: 42:0, Hamburg © «s e actes 300 Mk. Kurz lilo 300 Mk. 2 He. London T TAU 13.0. Paris 390 Fr. |2:91t. Wien in 26 Xr. 150 Fl. 2E. Augsburg 150. Fl. ‘-F2!0M6 Breslan 100 ‘Thl. -/2 Mi. Leipzi k . _|Us0 Frankfurt a. M. VWZ 142 Mlt Petersburg BN / 3 Woch. Riga BN. 3 Woch. VVarschau Kurz

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Auswärtige Börsen. Amsterdam, 6. Febr. Oeslerr. S5proc. Metall. 1005.

: Hamburg, 9 Febr. | Oesterr. Sproc. Metall. 1035. ‘áproc.’ pr. ult. 955. DPart.- “Oblig. 13734. Bank-Actien 1284. ‘Russ. Engl. Anl: 1085. Russ. “Anl. Hamb. Certific. 1043. Poln. pr. 41. März 1243. PVüän, 732.

London, 1. Febr. : : 3proc. Cons. Mj Russ. 1105. Dän. 75.-Brasil. 715. Griech. 38.373, Mexic. 295. “A s ;

Wien, /6.' Febr.

«m t | wir doch’ einräumen, ‘er seiñem Lande ‘ausgezeichnete ‘Dienste geleister hat 7A

| Vátui ki Am. Haon.

roë: Metall. 102. 7. Aproe. 965, Loose zu 100 Fl. 183.

Redacteur John.' Mitredacteur Cottel.

Kaiserl. Wirklicher Geheimer-Rath und Mitglied des Reichs-

wahrhaft harmonischen Weihe überzeugen , - die über dem

Allacmcine

Preußishe Staats-Zeitung.

N 44.

Amtliche Nachrichten. _ Kronik des Tages. Durchgereist: Der Kaiserl. Russische Feldjäger Nie-

porozniew, als Courier von St. Petersburg kommend, nach London.

Zeitungs-Nachrichten. UuUsland,

S Rußland. ——Stk, Petersburg, 3. Febr. Der Fürst A. Galißkin,

Rathes, t mit Beibehaltung der Aemter, die derselbe gegen- A bekleidet, zum Kanzler der Russischen Orden ernannt Der Chef der 16ten Jnfanterie-Division , General-Lieu- tenant Fürst Gortschakoff 11. , isk zum Mitte des St. Wla- dimir Ordens zweiter Klasse ernannt, und den General- Majoren Scheremete} l., Rogoffsfy 1, Gortschakoff L, Swetschin Il, Jessaulof T. und Murawieff ist der St. An- nen-Orden erster Klasse verliehen worden; der Commandeur der zweiten Brigade der dritten Uhlanen-Division, General- Major von Brinken, hat denselben Orden mit der- Kaiferli- chen Weone R Die hiesige Zeitung enthält ein. zahlreiches Verzeich- niß von Allerhöchst genehmigten E Dea recht en, E von Seiten der Feldmarschälle Grafen Diebitsch- abalfansfi und Paskewitsch-Eriwanski bei den Offizier-Corps der unter ihrem Ober-Befehl stehenden Armeen statt gefunden haben. Einem am 27sten v. M. vom dirigirenden Senat erlasse- nen Ukas zufolge, sollen die Kinder von ‘Priestern und Dia- fonen, die, che noch ihre Väter zu dieser Würde gelangten, geboren sind, nicht im Civil-Dienst angestellt werden dürfen. Der Kreisrichter von Grobin in Kurland, Baron von Offenberg, und der Rath bei der Gouvernements-Regierung a As A. Dedenefs, sind zu Kammerjunkern ernannt Der Militair - General-Gouverneur von Mosfau, e G Nur AUgECR, MULE GH Seit einer eihe von Jahren besteht au ier eine dem Vorbilde der Sing-Akademicen Deut bnte O Gesellschaft von Musikfreunden, die sih zu dem Zwecke ver- eint haben, durch Uebung der Meisterwerke Deutschlands und taliens sich im. Gesange zu vervollfklommnen. Der Musik- ireftor (Herr Behling) hat die Bestimmung -und Leitung alles dessen, was zum musikalischen Fache gehört, ‘und vier Vorsteher besorgen die dkonomischen Angelegenheiten der Ge- sellschaft. Am 31. Dezember v. J. war die lebte vorjäh- rige Aufführung dieser Sing-Akademie; zahlreiche Gäste Ene: ten sich dazu eingefunden, und konnten sich dabei von der

funstsinnigen Vereine waltet. Die geshmacfvolle und wür- dige Einrichtung des Lokals und die Seile der lauschenden Menge stimmten ganz zu den Feier-Tônen des Gesanges, der, durch den Verein der trefflichen Stimmen meisterhaft gelei- tet, und bei der Wahl fklassisher Stüe, den tiefen Cindrucck auf die Hörer nicht verfehlte. . Man gab im ersten Theile das „Stabat mater” von Haydn, im zweiten die Psalmen ¿¡Neige, Herr, dein Ohr‘/ (fünfstimmig ) und „„Herr, unser Zufluchtsort warst du‘“ (doppelhôrig) von Andr. Romberg,

Berlin, Sonnabend den 13e Februar

1830.

Frankrei.

Paris, 4. Februar. Die Q uotidi über die Politif des Journal des Débats C I OUO Ren ¡Dieses Blatt ist fünf Jahre hindurch eines der gea tetsten. s beredtsten Organe der royalistischen Partei gewesen ; es at sich während jener ganzen Zeit gerechte Ansprüche auf das Vertrauen diejer Partei erworben ; es hat mit dem Con- servateur, der Quotidienne, der Gazette de France, dem Dra- tod *gaenin und anderen Journalen- unter den schwierigsten oe 1 Fe i gar Le vertheidigt und fort- : : echs Jahren is es d in eifri- ger Verfechter des Constitutionnel und d Coneniar B geworden ; es hat sih zu einem der Häupter der Revolutions- DOCet aufgeworfen; mit. der dreifarbigen Fahne in der pand, ruft es aus: Es lebe der König! Am 7. Juni 1824 war es royalistish, wie Hr. v. Cb teaubriánd im Jahre 1816; am folgenden Tage war es royalistish, wie Hr. Guizot ; im Jahre 1828 royalistisch, wte Hr. v. Martignac; im Fahre 1829 royalistisch, wie Hr. v. la Fayette; im Sahre 1830 royalistisch, wie Hr. Benjamin Constant. Gott behúte uns vor dessen Royalismus im Jahre 1831. Das Journal des Débats macht mit einem Worte stets Anspruch auf royalistische Gesinnungen, und es hat Recht ; denn nur durch ein solches Gaukelspiel fann ee sich den wenigen Kredit erhalten, dessen es noch bei einigen bethôrten Männern genießt. Sobald es seine wahren Meinungen frei eingestehen und. seinen Artikeln nicht mehr den Mantel der Scheinheiligkeit umhängen wird wird es auch zum leßten der Oppositions-Blätter hinabsinken ; e gilt nur noch, weil man es für royalistisch hält und weil pen A4 E Gasinwgen noch e:ne große Anzahl Le / a glauben, daß ein i | weder Titel noch Eigenthümer , weder s Lg. A verändert hat, auch unmöglich ihre politische Farbe geändert haben föônne. Das Publikum in den Provinzen, und ein großer Theil des Pariser Publikums wissen ganz und gar - nicht, was für- cînen großen Einfluß ein verlorenes Porte- feuille, ein beleidigter Ehrgeiz, eine getäuschte Erwartung ul die Redaction eines Journals haben fônnen. Was den : ues sofort flar einleuchtet, bleibt den Anderen oft_ lange pu: orgen ; mittlerweile wechseln die Gedanfen, unmerklich ndern sich die Ansichten, man giebt sich Eindrücfen hin, die man für unverfänglich hält, man fährt fort, der Zeitung, die man immer gelesen, Glauben beizumessen, weil man so lange schon Vertrauen zu ihr hatte; man liest in jeder Zeile den absichtlich hingeworfenen Namen des Königs , und man ist plôblich ganz erstaunt, auf solche Weise allmälig in die Klasse der Abtrünnigen „. die sich zu dem Royalismus der Constitu- tion von 1791 befennen, gerathen zu seyn. Dies ist die wahre Lage des Journal des Débats und aller Derer, die noch zu dessen Fahne shwören. Diese müssen mit unheilbarer

_Blindheit geschlagen seyn, wenn sie nicht sehen, wohin eine

Zeitung sie führt, welche sich unter den Schuß d i : | es leitenden Ausschusses begeben hat, die Männer des t itutionnel an-

_preist, die Kandidaten des. Courrier vertheidigt, mit dem

Globe die Minister angreift, sich zu dem j j 1 | : ; jungen Franfk- ce G and sich lächerl er Weise das Ansehen giebt, als ob sie Vertraute bei Hofe habe. Alles dieses sieht nichts weniger, als dem Royalismus ähnlich.// 11D: I t 4

_Das Journal des Débats nimmt von: diesen An- griffen feine weitere Notiz; dagegen enthält es einen Artikel, am es- dem Ministerium, insofern dasselbe die Kammern wirklich eröffnen wollte, mit der Adresse droht und die Be- hauptung der Gazette de France zurückweist, daß die Adresse im Grunde genommen nichts, als eine hôfliche Wiederholung der Worte des Monarchen, nichts als ein Aft sey, wodurch man die Einigkeit unter den drei politischen Gewalten auf

ferner die „Sancia Maria”, ‘Chor von Mozart ¿„Hallelujà !‘/ aus dem Messias von Händel, Ï A das

eine authentische Weise darthue, ¡Die Minister‘/, äußert