1830 / 47 p. 4 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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lichen Schuldnern beitreiben föônnen. Zu diesem Elend trü- gen“ seines Wissens viéle Ursachen bei, doch sey der Zu- stand der Landes-Valuta ganz unbezweifelt eine derselben. Er fúhle, daß er ein Recht habe, sich darüber zu beklagen, daß in der Thron-Rede alle Hindeutungen auf diese in Jr- ‘land statt findenden Umstände unterblieben seyen, nicht min- der auch darüber, daß der sehr ehrenwerthe Kanzler der Schakz- Kammer derselben in seiner Rede nur im Vorúbergehen er- wähne. Der sehr ehrenwerthe Herr habe im Namen der Re- gierung Sr. Majestät erklärt, daß kein Vorschlag wegen Ve?- änderung: der Landes-Valutz Gehör finden würde. Er (Hr. O'’Connell) sey überzeugt, daß das Haus so etwas nicht zu- geben fônne, ohne die Taxen herabzuseßen und die dazu nè- thigen Reductionen tliht auf Licht-Enden und Käse-Schnitte zu beschränken, sondern sie auf Millionen über Millionen aus-

zudehnen. (Hört, hört, hört!) Anstatt bei einem Abgaben- |

System von 60 Millionen stehen zu bleiben, wenn man die Gold - Valuta beibehielte, müsse man diese Abgaben auf 15 oder 16 Millionen ermäßigen. (Hört, hört!) Nur wenn das geschähe, fo mögr die Valuta bleiben, wie sie ist. Zu den großen Ursachen an dem Elende der Nation zählte der Redner die Mißbräuche in den Gerichtshöfen, und erklärte sich demnach innig mit demjenigen Theile der Thron - Rede einverstanden, in welchem es heißt, dap Se. Majestät ver- schiedene wichtige, mit der Verbesserung der allgemeinen Handhabung der Gesebe in Verbindung stehende Gegenstände auf das ernstlichste berücksichtigen verde. Dieses, sagte er, sey die einzige Stelle in der Rede, der er von Herzen beistirame, und er statte dem sehr ehrenwerthen Staats -Secretair ihm gegenüber seinen Dank ab, daß er auf diese Weise das Prin- zip der Opposition gegen alle Reform der Gesekgebung nie- derschlage,. Herr OD’Connell kam hierauf wieder auf das in Jrland herrschende Elend zurÜck, und bemerkt dabei, daß er den Nothstand des Volkes in England eben sehr aner- kenne; troß des Gewerbfleizes, der Kenntnisse, der Vorsicht, der Sparsamkeit und der Ausdauer, die Englands Bewoh- ner auszeichnen, sey- in der That auch bei ihnen großes Elend vorhanden. Da man also der Nation nicht ihre traurige Lage vorwerfen könne, so müsse die Schuld an der Regie- rung liegen. CHört! hört!) Die Sache des Parla- ments sey es, ernstlich zu untersuchen, inwiefern die so oft vorgenommenen Veränderungen in der Landes - Valuta nach- theilig auf den Zustand des Landes einwirften, wenn es näm- lich das Vertrauen der Nation besißen wolle und den Wunsch hege, daß sie fih nicht in Verzweifelung, sondern mit Hoff- nungen an ihre Repräsentanten wende. Er hoffe, die Nation werde fich selbsk getreu bleiben, in den Provinzen und in den Städten "zusammentreten und Seiner Majestät Minister ‘zu Maaßregeln nöthigen, die nur von heilsamen Folgen seyn fönnten. (Hört! hört!) “Ganz vorzüglich aber müsse das Parlament auf das genaueste untersuchen, ob die Natio- nal-Repräsentation wirklich so sey, um die Nation zu úber- zeugen, dáß ihr Elend sich nicht von den Maaßregeln der ge-

jesgebenden Gewalt herschreibe. Würde es sich ausweisen,

daß die Repräsentanten in der That die Dollmetscher der öffentlichen Meinung seyen, so könne sich das Volk über ihre Handlungen nicht beklagen. "Wäre das aber nicht der Fall und céndhe es sich, daß ein großer Theil der Mitglieder des

uses in Folge des

andelns mit den Stimmen dér alten

a Darn erwählt seyen und durchaus feine Rücksicht auf die Meinungen utid Gefühle der Nation nähmen , so könne

lerere die Verhandlungen des Hauses nnr mit steigender Widerwillen und mit ‘zunehmender Feindseligkeit ansehen. Er seinerseits sähe mit den größten Erwartungen dem Zeit- punkte entgegen , wo die Nation sich von einem Ende des Reichs bis zum anderen öffentlich versammeln und ihre Stimme fúr eine sorgfältige und gründliche Reform der Re- präsentation erheben werde; er hälte es mit solchen Gesinnun- gen für seine Pflicht, das vorgeschlagene erste Amendement zu unterstüßen. Sollte es nicht durchgehen, so müsse er für ein zweites stimmen, und wenn auch dieses nicht durchginge, müsse er darauf antragen, daß däs Haus Nachforschungen nah den eigentlichen Ursachên des herrschenden Elendes an- stelle, um “ihm gründlich abzuhelfen. R dieser Antrag durch, so wolle er vorschlagen , daß, dieses Gegenstandes we- gen, das Haus täglich 1 Herr Husfisson, der hierauf das Wort nahm, warnte nale st davor, einerseits bei der L des allgemeinen

ruhe und Unzufriedenheit, eine feindselige Stimmung zwi- schen Volk und Parlament zu erwecken, und andererseits dem

Unterhause den Vorwurf zuzuziehen, daß es die Noth des Landes und die iw tige schwere Zeit nicht erkenne. Das Beste, was u un sey, wäre immer, alle Schwierigkeiten richtig. ins uge zu fassen und- sie ehrlich einzugestehen. Kei-

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zusammen fomme. (Hört! hört!) -

nesweges sey er Einer von deujenigen, die diese Schwierig- keiten für so ungeheuer groß halten, auch ver weifle er nicht daran, das Land wieder in einen glücfseligen Zustand herge- stellt zu sehen. Inzwischen seyen doch seine Nachrichten darúber von der Art, daß er die Ueberzeugung habe, der Druck sey unter den produzirenden Klassen so groß, daß, wenn er

länger noch so anhielte, diese unmöglich ihrer ferneren Existénz

sicher seyen. (Hört!) Er hoffe und glaube indessen auch, daß das Land im Allgemeinen in feinem sinkenden Zustande sich befinde. (Von dem weiteren Juhalte der Rede des Herrn Huskisson so wie von der Entgegnung des Herrn Peel, des- gteichen von den Reden des Lord Leveson Gower und des Herrn Brougham werden wir noch einige Mittheilungen machen.) |

London, 5. Febr. Jm auswärtigen Amte wurde heute Nachmittags um 3 Uhr ein Kabinetsrath gehalten, dem fast sämmtliche Minister beiwohnten. :

Es wird versichert, daß Admiral Sir Sydney Smith N Hafen - Kommandanten von Plymouth ernannt werden joll. ; _ Ueber die Thronrede sagt die Times: „Man darf die- selbe allgemein faßlih, anspruchslos, geschicft und aufrichtig in dem, was sie sagt, nennen; sie ist auch insofern minder ent- muthigend, als frühere Aktenstücke dieser Art, weil ihren Ver- sprechungen unbedingtes Vertrauen geschenkt werden darf. Besonders sind es zwei dieser Versprehungen, die unser Jn- teresse in Anspruch nehmen. Die eine betrifft eine ausgedehnte Neform unjerer Rechtsverwaltung und die andere den Vor- saß, die strengste Sparsamkeit in jedes Verwaltungs - Depar- tement einzuführen.“

In demselben Blatte heiße es auch: „Aus den Ver- handlungen der ersten Parlaments - Sißung scheint hervorzu- achen, daß die ministerielle Opposition aus so unharmonischen Elementen gebildet ist, daß ein Zusammentreten zu gemein- schaftlichem Zwecke nicht leicht sich ereignen dürfte. Die Whigs oder liberalen Redner im Oberhause, die mehr arg- wöhnisch als feindlich gegen die Minister gesinnt zu seyn scheinen, weigerten sich, mit alleiniger Ausnahme des Grafen von Carnarvon, das Amendement des Lord Stanhope zu un- terstüßen. Wenn solche Spaltungen im Feldlager sich zeigen, so ist es 1cht wahrscheinlih, daß große oder gewichtvolle kriegerische Operationen unternommen werden dürften.“

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Brüssel, 11. Febr. Die Regierung hat im verflossenen Jahre 107 Patente für nübliche Erfindungen verliehen.

Der unter dem Schuße Jhrer Maj. der Königin stehende hiesige Wohlthätigkeits-Verein ernährt täglich über 500 Arme ; außerdem emyfangen über 2000 Personen Unterstüßungen an Brodt, Heizungsmitteln, Kleidung und dergl. ; der Verein hat bereits 6023 Brodte und 41,000 Pfund Sceinkohlen aue-

getheilt; zwei Wärmestuben sind täglich für die Armen ge-

öffnet. Nachrichten aus dem Haag zufolge haben JJ. MM. der König und die Königin, so wie der Prinz von Oranien nnd die Prinzessin Mariane Königl. Hoheiten ein- von der Königl. Kapelle zum Besten der Armen- gegebenes Konzert mit Ihrer Gegenwart beehrt. Von eben daher wird ge- meldet, daß die Regierung in Folge der Konferenzen des Fi-

nanz-Ministers mit der Central-Section der zweiten Kammer

der Generalstaaten in einige Veränderungen des Geseb-Ent-

wurfes über die Ein- Aus- und Durchfuhr - Zölle gewilligt

habe. Auch in dem Entwurfe einer Kriminal-Gerichtsordnung sind einige Abänderungen gemacht worden. j

Die Gazette des Pays-Bas meldet: „Der Direktor der hiesigen Akademie der Musik, Herr Mees, hat von Sr. Maj. dém Könige von Preußen für die Dedication seiner ¡Geschichte der Musik seit dem vierten Jahrhundert‘“ eine goldene Tabatiere empfangen‘. L E S h

Dr. Deswert ‘in Lôwen, Verfasser einer Abhandlung úber Herafklides Pontifkus/ beabsichtigt, alle Fragmente dieses Autors zu “sammeln. Professor Siegenbeek hat den ersten Band seiner Geschichte der Universität Leyden herausgegeben und das ganze Werk Sr. Majestät dem Könige gewidmet.

Die Universitäten Löwen und Utrecht werden, dem Ver- nehnien nach, aufgehoben werden ;" die erstere wurde im Jahre 1426 vom ee Johann IV. von Brabant gestiftet , die leßtere besteht seit dem Jahre 1634. C E

Eine in Amsterdam ani 5 d. M. veranstaltete Kollekte“-

für die Armen trug 32,072 Fl. ein, ohne einige ausländische Münzen und die Anweisungen- auf Vertheilung von Brodt und Torf zu zählen; außerdem rvurden bei einem Magiskrats- Mitgliede 500 Fl. und bei der Unterstüßungs - Kommission 3012 Fl. abgegeben. Eine Vorstellung des Deutschen Th ters gab einen Ertrág von 38F Su

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Deutschland,

Stuttgart, 7. Febr. Se. Königl. Majestät haben,

nah hôchstem Dekrêt vom Heutigen Tage an den Ordens- Vicekanzler, des Erbprinzen von Hohenzollern - Hechingen Durchlaucht unter die Großfkreuze des Würtembergischen Kronordens aufgenommen.

Frankfurt, 11. Febr. Gestern Abend halb 10 Uhr

verfündeten .die gewöhnlichen Signalschüsse den Aufgang des Mains bei hiesiger Stadt, der sich jedoch blos bis an die Brücke erstrete. Heute Morgen halb 4 Uhr brach der Ma:n oberhalb der Brücke auf; das Eis stellte fih aber bald wie- der, und trat erst den Vormittag seine Reise an. Nach der Mittagsstunde traf das Eis aus der Gegend ven Hanau, Aschaffenburg 2c. ein, und der Strom schwoll mit außerordent- licher Geschwindigkeit an, so daß er um 5 Uhr Abends zu den Wassexthoren indie Sdtadt hereingetreten war, und die Schollen noch eben so gedröngt wie Anfangs hier vorbeitrie- ven. Es ist leider zu befürchten, daß aufwärts des Stromes dieser Eisgang große Verwüstungen angerichtet haben wird. Bis zum Einbruch der Däâmmerung waren bereits mehrere, glücklicher Weise leere Schiffe, die, wahrscheinlich aus einem Winterhalte (vielleicht aus der Tauber bei Wertheim) losge- rissen, mitten unter den mit dönnerähnlichem Gefrache gegen die Maîinbrücke anstoßenden Schollen s{hwammen, an den Pfeilern zerschellt worden, Von vier derselben war das eine noch ganz neu; ein fünftes hatte sih queer vor die Pfeiler gelegt, und man bot, obg!eich schon spät, noch alles zu dessen Recttunig auf. Jn der Ferne sah man noch zwei andere Ge- Fchirre den Fluß herabkommen. : : Vi,

Die Allgemeine Zeitung enthält Nachstehendes :

Konstantinopel, 11. Jan. Morgen oder übermor- gen erwartet man die Ankunft des Herrn v. Ribeaupierre ; das Schiff, das ihn hierher bringt, is bereits bei den Dardag- nellen signalisirt worden. Die Ankunft dieses Botschafters ist in diesem Augenblicke um so erfreulicher, als seit einiger Zeit die beunruhigendsten Gerüchte hinsichtlich auf Griechen- land verbreitet werden, und man aus seinem Munde genaue Kunde über die Vorfälle in Morea zu erhalten hofft; auch dürfte seine Gegenwart zu Poros viel zur Besänftigung der Parteien beigetragen haben. Zwar wurden noch vor einigen ‘Tagen Briefe aus Aegina vorgezeigt, worin die Lage des Grafen Capodistrias als sehr bedenklich geschildert wird, falls êhm nicht bedeutende Fonds zukämen, um den von allen Sef- ten gegen ihn anstürmenden Ansprüchen Genüge leisten zu Aônnen. Allein es ist dagegen auch glaublich, daß, sobald Hr.

v. Ribeaupierre das Ansehen seines offiziellen Charakters bei

den Wortführern der Parteien geltend zu machen gesucht hat (was er ohne Zweifel ‘gethan haben wird), diese zum Gehorsam gegen den Präsidenten zurückgekehrt seyu werden. “Die Pforte glaubt aber die innern Unruhen Griechenlands Für ihre Verhältnisse benußen zu können, und ist dem Ver- nehmen nah Willens, ein Memoire darüber abfassen zu lassen, dns den großen Europäischen Höfen zugestellt werden oll. Die Türkischen aus Alexandria zurückgekommenen Schiffe Fnd in das Arsenal gebracht worden , da sie sehr der Aus- besserung bedürfen. Die Englische Fregatte „la Blonde‘/, aus dem Mittelländischen Meere gekommen, liegt seit einigen Ta- gen hier vor Anker und hat Briefe aus den Jonischen Juseln anitgebracht. -— Obwohl Graf Orloff bis jeßt über seine Mission moch feine Erdffnungen gemacht hat, so sieht er doch- häufig die Türkischen Minister, mit ‘denen er die ‘auszufertigende Schiff- Fahrts-Afte zu besprechen scheint, und man will diesen Ge- genstand. fast als abgemacht ansehen. Der Großwesir ist noch immer in Adrianopel, Hussein - Pascha aber mehr als je in

der Gunst des Sultans, er begleitet ihn überall, beonders -

auf die Jagd, woran der Großherr seit Kurzem vièlen- Ge- \chmack zeigt, indem er mit großem Prunke Jagdpärticen veran- staltee. Man spricht auch von einer Ftaliänischen Schau- spieler- Truppe, welche das nächste Frühjahr nach Konstanti- mopel kommen soll, um sich- vor dem Sultan zu produziren ; es soll deshalb ein Konträft mit einem Jtaliänischen Thea- ter ¿Direktor geschlossen “worden seyn: Es scheint dies eine

“Nachahmung des Paschà's von Aegypten zu seyn ; der seine

Umgebungen. ganz nach Europäischer Art einrihtet. Jm Serail finden Abendunterhaltungen statt, wobei Tanz und Musik abwechseln, die Frauen aber verschleiert erscheinen. Der Türkische Unter - Lieutenant Mustaphà, welcher in Ber- lin so viel Aufsehen -mächte, ist bei seiner Rückkunft aus Rücksicht auf die vom Könige von Preußen und Kaiser von Oesterreich empfangenen Gnadenbezeugungen zum Kolaga (Ma? jor) befördert worden, doch, wie es heißt, unter dér- Bedin-

gung, daß er lesen und schreiben lerne. Der Oesterreichische |

Offizier Graf Malacuzzi, welcher von Seiten seines Monar- chen dem Sultan eine Husaren - Uniform überbrachte, wurde zu- Ramis- Tschiftlik durch den Exerziermeister der neugere- gelten" Truppen, den Piemonteser Calasso (niht nach - der jonstigen Gewohnheit durch die Dragomans der Gesandt- schaft) vorgestellt, und erhielt eine brillantirte Rose von fúnf- hundert Dukaten im Werthe zum Geschen€®. #4

Ein im neuesten Blatte der Allgemeinen Zeitung befindliches Schreiben aus Wien vom 4. Februar enthält in Bezug auf eine frühere Mittheilung derselben Zeitung Fol- gendes: ¿Mit nicht geringer Verwunderung- hat mat hier einen Artikel von der Servishen Gränze vom 18. „anugar *) gelesen, dessen Schreiber es eigens darauf cnge- legt zu haben cheint, neue Besorgnisse und Unruhe über die Aufrechthaltung des so glücklich wieder hergestellten Friedens im Orient durch das Organ eines viel gelesenen Blattes aus- zuskreuen. Der ganze Artikel der Ort, woher er datirt ist, mag nun wahr oder évdichtet seyn ist von Anfang bis zu Ende cin Gewebe von Erdichtungen und grundlosen Behaup- ungen, die mit allen aus den zuverlässigsten Quellen einge- henden Nachrichten im grellsten Widerspruche stehn.‘/

Orlebenland.

Ein vom Nürnberger Korrespondenten mitgetheil- tes Schreiben aus der Schweiz vom 4. Februar enthält Fol- gendes: „Die jüngsten Nachrichten, welche wir in Betreff der gegenwärtigen Lage Griechenlands sowohl úber Livorno a's Über Venedig erhalten haben, geben zu mancherlei“ Be-

‘trachtungen Anlaß; denn in Folge derselben dürfte die Be-

sorgniß nicht als ungegründet erscheinen, daß die wohlgemein- ten Absichten der zu Gunsten der Hellenen verbündeten Mächte keinesweges allgemeine Anerkennung bei diesen finden, und selbst bei ihrer Ausführung auf unerwartete Schwierigkeiten skozen dürsten. Vereine, jo heißt es, sollen sich auf verschie- denen Punften des Landes, und namentlich zu Navarin, Koron, Patras u. st. w. gebildet haben, um dem bevorstehen- den National-Kongresse Petitionen zu überreichen, “worin ges gen jeden Vorschlag protestirt wird, der zum - Gegen- skande haben möchte, der Nation irgend einen fremden Sou- verain oder irgend eine Regierungsform aufzudringen , ohne daß jolche das Ergebniß einer reiflichen und wohl überdachten Berathung der Repräzjentanten des Volks gewesen. „,,„„Der jekige Zustand unseres Vaterlandes, sagen- unter Anderm die Bittsteller das im Begriff seiner Wiedergeburt if, verträgt sich in feiner Weije mit dem Monarchischen Prinzip, wie solches “im úbrigen . Europa verstanden wird. Noch weniger gestattet die allgemeine Verarmung, zu der wik herabgebracht sind, der Nation, die unumgänglichen Kosten zu ertragen, welche die Aufrechthaltung der: Königlichen Würde erheischt, bei welcher wir uns vielleicht noch unglücck- licher befinden möchten, als wir es unter der Türkischen Herr- schaft waren. Die Anskrengungen, die wir währerid eines zehnjährigen verzweifelten Kampfes machten, habeù das Ver- mögen der Bevölkerung sowohl in den Städten» wie auf dem platten Landé dergestalt erschöpft, daß uns ganz besondere Institutionen Noth thun, um unsere Wunden heîlen zu köôn- nen. Vor Allem aber bedürfen wir einer Regierung, fern von jedem ‘Peunke und so wenig kostspielig als möglich. Zu dem Ende dürfte. vielleicht eine Verfassung, ähnlich der der Schwei- zerischen Eidgenossen , für uns die augemesenfte seyn.‘ Im Allgemeinen geben die obigen Nachrichten zu -exkennéen, daß die Griechen voll ( wahrscheinlich höchst ungegründeten ) Argwohnes gegen ihre erhabenen Beschüker, insbesondere aber gegen England sind, das sie einer zweideutigen Politik gegen Grie- chenland, von Anbeginn des Rid bis zur heutigen Epoche, beschuldigen. . Die öffentliche Meinung äußert sich in Griechen-- land schonungslos auf Rechnung dieser Macht. „Die Britten so wird laut gesagt haben, wie Spe e soauch. jebt, feie nesweges die Beförderung unseres Wohls im Auge. Jn ih-* ren Intriguen muß man besonders die eigentliche Veranlas- sung zu dem Blutvergießen suchen, das noch jeßt Kandia verwüstet. Jo den von den Türken ofkupirten Städten, so wie in den Bezirken, welche die Griechen inne haben, befin- den sich Englische Emissäre, welche beide Theile zur Fort- sebung eines Kampfes ermuntern, der wahrscheinlich erst mit der gänzlichen Ausrottung beiderlei Bevölkerungen der Jusel* endigeh wird... .// Bei dieser Stimmung der Gemü- ther. nun darf man nicht erstaunen, daß. sih Auswanderungs- lust unter den Hellenen bemerflich macht. Ju der That treffen mehrere, noch “einigermaßen wöhlhabende Familien Anstalten, - ihren heimathlichen Bodey mit den Süd- Russi- schen Provinzen zu vertauschen, und namentlih nah Odessa

__*) S. Nr. 36'der Staats-Zeitung.

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