1830 / 57 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Bewunderung, die sich allmälig bis zu dem lautesten Beifall

steigerte, mit dem jede „einzelne Gesangpartie aufgenommen wurde. Nicht minder ee ausgezeichnete Liebenswürdig- _feit und Freundlichkeit ihres ganzen Wesens Jeden, der Ge- legenheit hatte, sich der hochgefeicrten Künstlerin zu nähern,

außerordentlich entzückt. Heute- reist Dlle. Sontag von hier -

nach Düsseldorf ab, wo sie morgen ein Konzert zu geben ge-

denkt. _ Von da wird en den Weg über Kassel nah Ber-

lin einschlagen, und beabsichtigt, zu Ende dieses Monats da-

selbs eintreffen. Am 19. Febr. hatte hier die" erste Auf- : Lprung der Räuberbraut von Ferd. Ries tatt. Der hiesige _ Theater-Unternehmer, Hr. Ringelhardt, hatte die bedeutenden _ Kosten nicht gescheut , diese Oper so würdig als möglich in

die Scene zu seben, und sogar Hrn. Ries veranlaßt, hierher

zu fommen und die Oper- selbst zu dirigiren.

versammelte, Publikum bewies sowohl vor als nah der Auf- . fuhrung dem berühmten Komponisten auf das lebhafteste seine

Theilnahnie und nahm die Oper mit mehrmals laut ausge- sprochenem Beifalle auf.

“_Jn Nr. 52 der Allgemeinen Preußischen Staats-Zeitung vom Monat Febr. steht mit S—z unterzeichnet eine Reihe von Fragen, welche dur die mit M-—t unterzeichnete Re- zension einer Schrift úber den Portugiesischen Erbfolge-Streit (in Nr. 7 dieser Zeitung) veranlaßt worden. Referent kann jedoch um so fürzer diesen Angriff zurückweisen, da unter- dessen sein Aufsaß schon einen ihm unbekannten Vertheidiger gefunden hat, und ihm also nur noch ungefähr Folgendes zu ergänzen bleibt: j ad 1) Wenn die. Geseke von Lamego auch jebt nicht - mehr in Kraft wären, und Referent dies auch behauptet hätte, wie Herr S—z versichert, so würde daraus noch nicht : L folgen, daß das Haus Braganza nicht diesen Ge- seßen zufolge habe den Thron besteigen können. Es wäre ja immer no< möglich gewejen, daß diefe Geseke erst nach je- ner Thron-Besteigung aufgehoben worden seyen. Doch Zie- ferent hat diese Behauptung gar nicht aufgestellt. „Wenden wir uns‘“/ (heißt es in der angegriffenen Rezension) „„ans Portugiesische Staatsrecht, so durften danach die Stände nur entscheiden, im Fall der verstorbene König teine Kinder hatte. Doch selbs dieses Recht hatten die Stände durch den Ver- lauf der Geschichte bereits verloren.“ Durch den Vêrlauf der Geschichte sind nämlich die ständischen Rechte des Mit- relalters. in unumschränften Monarchieen ganz in Vergessen- heit gerathen. Wie denn namentlich in Portngal die. Stände jeit 1697 nicht berufen worden sind, und gewiß auch nicht gefragt worden wären , ob sie den Neffen eines versiorbenen

Königs zum Herrscher annehmen wollten oder nicht, obgleich -

die Gesebe von Lamego ihnen ausdrücklich" dieses Recht zuge-

- sehen. - Auf keinen Fall ist aber die ‘Behauptung, daß die _ Stände dies ganz vereinzelte Recht verloren haben , identisch mit den Worten : die Geseße von Lamego gelten nichts mehr.

Ob dies Recht der Stände nun aber in der That noch be- - siehe oder nicht, ist-hier um so. unwichtiger, als D. Juan V. gar nicht ohne. Kinder gestorben ist. Warum berief D. Mi-

guel. also die Cortes von Lissabon, da der Fall gar nicyt ein-

getreten war, wo, den Geseßen von Lamego zufolge, die

A das Recht hatten, úber. die Succession zu entscheiden ?

ad 2) findet Referent nur noch dies hinzuzufügen, daß

es überhaupt gleichgültig ist, ob sol<he Beispiele in der Ge-

cite vorkommen, oder nicht. Die Geseße von Lamego seßen

- gar nicht fest; daß, wenn der legitime Kronprinz von Portu- gal noch ein anderes Reich besibt , er damit der Krone ‘Por- tugals verlustig gehe, sondern sie verordnen nur, daß fein

Ausländer den Portugiesischen Thron besteigen könne. Das

Sndigenat verliert ein Kronprinz aber auf keinen Fall dur:h

Aunaáhme einer fremden Krone. Und so bestimmen die Ge-

seße von Lamego denn auch blos, daß, wenn der nächste Erbe

eine Prinzessin ist, diese ihre Rechte verlieren soll, wenn sie

einen auswärtigen Prinzen heirathet (sì cum extraneo cu- !

baverit); Die drei Philipp von Spanien sind also allerdings Usurpatoren, aber nicht, weil sie eine auswärtige Krone beja- Hen, sondern weil Philipps 1. Mutter durch ihre Heiräth die Successions-Rechte verloren hatte. Eben so ist es nicht zweifelhaft, welcher von den. Mitbewerbern Philipys legitim war. Denn. da die Herzogin von Braganza einen Einheimi- schen: Mpeinazet hatte, jo gebúhrte ihr der Vorzug vor der ‘andern Bruderstochter Johanns Ul, welche die Gemahlin _ einés wb agtey Prinzen, des Herzogs von Parma, war. -

_ Auch ad 3) und 4) findet Referent nichts zu bemerken,

| ; Gedrukt bei A. W. Hayn.

--

“allgemeine Reflexion hinzu, daß nicht

Das zahlreich

Kurm.Db. m1.C.4 4 1973

tionen in Bank-Ass. 138,

da er sich für genügend vertheidigt glaubt und sest nur die nur in Europa die Ex- i Amerika. Den wir Heéerd alles revolutionai-

treme sich umfkehren, sonder“ auch erleben es, daß Ameriïa, bisher der

ren und demagogischen Brennstoffs,/ jest im Gegentheil in

der Person des legitimen ‘und constitutionellen Kaisers Dom Pedro eine alte Europäische Monarchie lehrén wird, wié un-

“verleblich die Legitimitäts-Rechte gehalten werden müssen.

M— t:

¿„ Konigliche Schgu]pliele Freitag, 26. Febr. Jm Opernhause: Die Braut, Oper in 3 Abtheilungen, mit Tanz; Musik von Auber. _Jm Schauspielhause: 1) La mansarde des arlisles, vau- deville en 1 acte, par Scribe. -2) Le Roman d’une heure,

! comédie en 1 acle et en prose, par Mr. Hofaann. 3)

La première reprise de la représenlaltion de: La neige. vaudeville comique en 1 acle.

A Königsstädtsches Theater,

Freitag, 26. Febr. Das Pfeffer - Rösel, oder : Die Frankfurter Messe im Jahre 1297, ein Gemälde der Vor- zeit in 5 Aften. i

Berliner Bree. Den 25. Februar 1830.

Amtl. Fonds- und Geld-Cours-Zettel. (Preufss. Cour.)

[71 1Briej | Geld. [Z/- Brief | Geld.

St.-Schuld-Sch.| 4 |101# 1004 Schlesische da, -4 1063 Pr, Engl. Anl. 18} 5 [1053 [1053 Pomm. Lom. do. 5 10 Pr. Engl. Aul. 22 5 1054 JMärk. do: do. 5 N E E NTI 1005 Dstpr. do. s d.“ 5. Neun. nt Seh. d. 4 [1005 ) Alekst. Cd. Suk D ate 4 1032 1022 10: SU T e Köniasbe, do. 4-109 Zines-Sch.d.Kmk. Ribiage A 41123 11023 e ¿4230 E Danz.do inTHZ.| | 393 | tels 60 Westpr. PIdb.A.| 4 10414 101; | dilo dito B! 4 101% 4015 floll. vollw. Due, Grolshz. os. do: 4 1023102 “Neue dito {— 2 Ostpr. Piandbrl.| 4 1025 | fFriedrichsd'or. |— | Lj 132 Pomm. Pfandbr. 4 {C6} | [Disconto ....| 3 E Kur-n. Nemm.do.! 4 [1063 [1061 ÉZAT I OEARSZAE E R E A 48 POERTETS S V I D A I A S L E N A Va M S A A C O E D Ie E R A E 7A R | Preufss Gour Y z -_ S R O0 A E Wechsel-Cours., Brief Geld. Anlaterdalnt. s Ce L d 250 fl. [Kurz [44x T4aE O L A S 259 Fl 12 Mel 1445 11437 Hamburg e ¿dieie C000 Ml hne (522 dit s C C C fo E Ed: Ms 15173 teóndau ; 2 4 7 13 aris Zi fe 4e E SIE Wien in 20 Xr. 50 71, - 12 Bit. 1047 Augsburg S0 1, 17 L 104% fre j i A Mt, 99 Ss Leipzig Ee Fl. ¡Uso Frankart a L. 0% 130. Fl. 42 Mt. 104 Petersburg N L E s 100 Rb 13 Woch. f 30Z as N ils» 100 RbL |3 Woek; 4 “— Ehe a U E 609 Fl. . ¡Kurz 10907

Auswärti ge Bör Ss en. Amsterdaw, 2. Febr. : Oesterr. Sproc. Metall. 1004. Russ. Anl Hamb. Cert. 1027.

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———_—_—

Hamburg, 23. Febr. Oesterr. Sproe. Metall 1037 M4proc. pr. ult. 963. Part.Gb lig. 138, Bauk-Aetien 1295. Kuss. Engl. Anl. 108. Russ. Anl. Hamb. Cert. 1/4. Poln. pr. 1. März 1213. Dün. 73,

St. Petersburg. 16. Febr. En Hamburg 3 Mon. 955. Silber-Rubel 3695. Gproc. Inscrip-

: Wien, 20. Febr. Sproec. Metall. 1033, proc. 9755. Loose zu 100 Fl. 1875. Part.-Oblig. 13945. Bank-Actien 132055.

Beri<tiguüg “ass

In der Beilage zum gestrigen Biatte der Staats-Zei-

tung auf der lezten Seite Sp. 2, Z. 11, ist in Ggr Exemplaren. zu seßen „Fictionen“/ statt „Factio: el.

i ———————LÉCC O O O R E Een 0rdramup mene menen

Redacteur John. Mitredäcteur Cottel.

O Ä Ä E E E E Ä A O T T-Z E Ä Ä T

Allgemeine

Preußishe Staats-Zeitung.

M 58.

Amtliche Nachrichten. Kronik des Tages.

Se. Königliche Majestät - haben dem Kriminal - Richter Blúmfe zu Sorau den Charakter als Kriminal- Rath bei- zulegen geruhet. -

Se. Königliche Majestät haben den Stadtgerichts-Assessor Lehmann zu Friedeberg in der Neumark zum Justizrath zu ernennen geruhet. j -

Se. Majestät der König haben den Land - und Stadt- gerichts - Assessor Mahlen dor zu Köslin zum Justizrath zu ernennen geruhet.

Der bisherige Ober-Landesgerichts-Referendarius Filau ist zum Justiz-Kommissarius bei dem Land- und Stadtgerichte zu Stadt Worbis bestellt worden.

Beta net ma< un g. Das Seehandlungs - Institut ist heute von mir angewie- sen worden, vom 1. März d. J. ab, Kapitalien nicht mehr

zu 4, sondern nur zu 37 pCt. jährlicher Zinsen gegen eine

jowohl dem Justitute, als dem Einzahler gleich na<h Ablauf des ersten halben Jahres freistehende se<hsmonatliche Kündi- gung, in Summen von 50 Rthlr. und darüber, welche dur< 10 theilbar sind, anzunehwen.

Diese meine Bestimmung, so wie, daß es wegen der bis einschließli< zum morgenden Tage bei der -Seehandlutig zu

: 4 pCt. belegten Kapitakien, sowdhl hinsichtlich ihrer Verzin- sung als der darin vorbèhaltenen Kündigunggzeit , bei der,

obligationsmäßigen Festsezung verbleibt, bringe ih hierdurch zur ôöffenclichen Kenutniß. | - Berlín, den 26. Februar 1830. Déêr Chef des Seehandlungs-Justituts, Rother.

digt

Zeitungs-Nachrichten. Ausland.

Franfk re i <.

Paris, 19. Februar. Gestern hatten der. Bischof von Meaux und der Baron Dudon Privat-Audienzen beim Könige. Seine Majestät haben neuerdings den Armen von Fon- tainebleau eine Unterstüßung von 1000 Fr, zufließen lassen. Das hier erscheinende Englische Blatt Galignani's

Messenger erklärt die Nachricht von der angéblich am 16.

d. M. ekfolgten Ankunft des Herzogs von Cümberland in Paris für völlig grundlos; in dem Hötel Meurice, wo der- selbe abgestiegen seyn solle, wisse Niemand etwas davon ; auch in dem. Gasthofe, wo er bei seiner Anwesenheit in Paris ge- wöhnlich abzusteigen pflege, werde er nicht erwartet: eben so wenig sey Grund vorhanden , das Gerücht von der Einrich- tang eines Hauses für den Herzog in Versailles für authen- t'sch zu halten.)

| er Globe enthielt am 15ten d. M., an dem Tage, wo er zum erstenmale in größerem eman erschien, unter ‘der Ueberschrift: „„Frankreich und die Bourbonen im Jahre 1830,// cinen Aufsaß, worin die politischen Ereignisse in Frankreich seit der Wiederherftellung der Monarchie beleuchtet und zu-

*) Auch die Staats-Zeitung hatte vorgestern dic Ankunft Sr. Königl. Hoheit des Herzogs von Cumberland in Paris. gemeldet, da fast alle Pariser Blätter dieselbe enthielten und mithin kein Grund vorhanden zu seyn schien, die Richtigkeit dieser Nachricht in Zweifel zu zichen. j A8 4A ;

Berlin, Sonnabend den 27ften Februar

Gränzen - der Vernunft und der Gerechtigkeit über

1830.

gleih die Frage wegen einer Veränderung der Dynastke erör- tert wurde. Das gedachte Blatt ist dieserhalb auf den 24sten d. M. vor das hiesige Zuchtpolizei-Gericht geladen worden. Der Anklage-Punkte sind drei: 1) Erfolglose Aufforderuag zu einem Angriffe auf das Leben und die Person des Königs und der Mitglieder der Königlichen Familie, so wie die At- sicht, entweder die Regierung oder die Thronfolge - Ordnung zu vernichten oder zu verändern, oder die Bürger gegen die Autorität des Monarchen aufzuheben ; 2) Angriff auf die an- gestammten Rechte des Königs, so wie auf diejenigen , kraft , deren er die Charte bewilligt hat, und Angriff auf dessen ver- fassungsmäßige Autorität; 3) Aufreizurig zu Les und Verach- tung der Regierung. Außer dem Globe bezeichnet aber die Gazette de France no< drei andere Blätter, welche in diesen Tagen denselben Gegenstand verhandelt haben : das Jour- nal du Commerce, die France- nouvelle und den National. Das erstere Blatt äuperte gestern: „Die Erörterung der Frage , ob es rathsam sey, die Dynastie, oder vielmehr die Thronfolge - Ordnung zu ändern, ist nicht von den libéeralén Blättern, sondern von den ministeriellen herbeigeführt wor- den. Unsere Lage hat sich jedo< dadur verbessert; man be- {huldigt uns jeßt nicht mehr , daß wir die Revolution, von der Versammlung der Notabeln an bis zum Konvente, wieder dur<hm2c<hen wollen; wir follen blos einen einfachen Dynastie-We&jel ohne Blutvergießen, wodurch die Krone von einem Haupte auf ein anderes von derselben Familie überge- hen würde, beabsichtigen. Jndeß scheint uns diese zweite Beschuldigung, wenn gleich minder abgeschmackt als die erste, doch nicht weniger falsch. Nichts berehtigt uns zu dem Glay- ben, daß die jekige Dynastie der Begründung der Volksfrei- heiten so hinderlich séy, daß man sie umstärzen müsse u. s. w.// Die France nouvelle sagte: „Nach einem 16jährigen Versuche mit dem Repräfentativ-System sind wir endlich dahin gelangt, daß wir die Wahrheit sagen können, ohne dem all- gemeinen Besten dadurch zu schaden. Schon seit einiger Zeit aben mehrere unserer Kollegen und wir selbst den Ursprung der gesellschaftlichen Rechte untersucht; wir stimmen darin überein, daß unser von der Nation verlangter, von dem Kd- nige bewilligter Grund - Vertrag ein synallagmatisches Ueber- einfommen zwischen dem neu verjüngten Frankreich und dessen altem Königshaute ist. Von dem Tage an, wo es keine Ver- fassung, feine bindenden Gefeßze E ábe, wúrde das Volk mit vollem Rechte wieder in den efi seiner unverjährba- ren Souvezainität gelangen. Bei einem solchen allgemeinen Brande würde die Nation nicht untergehen, wohi aber würden die Interessen, für deren ausschließliche Vertheidiger Jhr Euch ausgebt, Gefahr laufen, einen zweiten färchterlichen Schiffbruch zu leiden. Würde das Bündniß zwischen König und Volk jemals vernichtet, würde der Gedanke än die Pflicht durch die Ver- nichtuig des Rechts jemals verdrängt, wer weiß, wie “weit dies eingroßes Volk, das für seine Jnstitutionen fämpft, führen fönnté? wer weiß, ob dasselbe nicht zuleßt ‘von der Defetsive zur Offensive: úbergehen, ob sein Wille nicht die Cette

reiten würde 2// Der National vom 17ten ruft den Kammern zu: ¿¿Verwerft das Budget, und Jhr werdet die Minister ernennen und, ohne den Thron zu usurpiren, werdet Ihr regieren, wie solches Euch auch gebührt, weil Jhr allein in Stande seyd, gut zu regieren. Jn seiner gestrigen Num- mer äußerte dieses Blatt: „„Das Königthum“ ist, nur ein Einzelner, oder höchstens eine Familie gegen die gesammte Nation ;¿ wenn wir äber diesen Einen stürzen wollten, so.wür- * den wir alle anderen gekrönten Häupter -sich gegen uns waffnen schen, und diese würdeau das Schwerdt nicht ‘eher wie- der in die Scheide ste>en, als bis wir sie dur< die Wiéedereinsekzung , wenn auch nicht. des alten Herrscherstam- mes, do< von etwas dem Aehnlichen, béruhigt hätten. Die Aristokratié ist eine unendlich kleine Minorität; man