1830 / 66 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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werde, während der Graf v. Liverpool einmal die Noth der Ackerbautreibenden dén mehrjährigen guten Aerndten und dem daraus entstandenen Ueberflusse beigemessen D Der gegenwärtige Belauf der Armen-Taxen Tes es besonders der, als etwas alle frühere Erfahrung Uebersteigendes, einen Beweis von der Noth des Landes geben könne. Jn dem fruchtbaren Distrikte des Thales Aylesbury kämen 30 Shill.

auf den Acre Landes an Armen-Taxe. Jn einem Kirchspiele

der Grafschaft Sussex sey sogar der ganze Ertrag des Bo- dens nicht hinreichend , die Armen zu duittA, und dúrfte bald überall die Zeit fommen, wo die Land-Eigenthümer ihre Ländereien nicht besorgen, um sich zu ernähren oder zu berei- chern, soudern nur, um das Curatel über die auf ihren Gü- tern befindlichen Armen zu führen. Der Redner sprach die Besorgniß aus, daß einmal die Masse unbeschäftigter Armen ich erheben möchte, um durh Gewalt eine Theilung aller ändereien zu erzwingen. Jeßt schon seyen die Arbeiter auf vielen Gütern so herabgefkommen , daß sie als Lastthiere sich verdingen und, gleich dem Vieh an Karren gespannt, die La- dung ihrer Brodherren ziehen müßten. Dem, was der Kanzler der Schaßkammer im Unterhause über die bessere Lage Jr- lands gesagt hatte, widersprach der Redner, indem er einzelne Beispiele von dem Nothstande dieses Landes namentlich machte. Er ging demnächst za einer Betrachtung der IMa- nufafturen und Fabriken über, die ihm noch zu zrelleren Schildeëungen die Veranlassung gab. „Wird uns das Herz nicht zerrissen‘, rief er, „wenn wir hören, daß so viele Tausende jener unglücklichen Fabrikarbeiter von 27 Penny täglich leben müssen ?// Keine Militairmacht sey hinreichend, um díiese Unzufriedenen, die wenig zu fürchten und nichts zu verlieren hätten, beständig im Zaume zu erhalten und eine offene Rebellion zu unterdrücken. “Daß die Noth nicht von den Maschinen - Webstühlen herbeigeführt sey, gehe schôn daraus ‘hervor, daß diese nicht erst seit der vorigen Parla- ments -Session erfunden worden, und doch sey ‘erst seitdem die Noth recht groß geworden. Eben so wenig wäre zu be- gann , daß das übermäßige Anhäufen von Fabrikaten die

edrängniß herbeigeführt, denn die Fabrikanten müßten Über die Maaßen dumm seyn, wenn sie Jahre lang nicht einmal zu beurtheilen verständen, was genug sey und was zuviel. Gegen die Erklärung der Thron-Rede, daß die Ausfuhren dem Werthe nach. im leßten Jahre sehr groß gewesen jeyen, machte er die bereits " anderweitig vorgebrachte Einwendung, daß der wirkliche Werth der Waaren dem Amtlichen bei Weitem nicht gleih komme, und daß, wenn man den er- seren ermittele, die Differenz sehr zum Nachtheile des lezten Jahres ausfallen würde. Die einheimischen Ma- nufafturen , , fügte er hinzu, würden gewinnen, wenn man die Westindischen Kolonieen mehr begünstigte; bei. dem hohen Kolle jedo, der auf die Produfte derselben, namentlih den Zucker, gelegt sey, könnten diese unmöglich viele : Britische Fabrikate verbrauchen. Weiterhin sagte der Lord, es sey in der Thron-Rede gesagt worden, daß das Staats-Einfkon!- men des vorigen Jahres den gemachten Anschlägen ganz ent- sprochen habe; er. glaube jedoch, es würde ehrlicher gewesen {eyn, zu sagen, daß das Einfommen des leßten Jahres das des vorhergehenden nicht erreicht habe. „„Nein!“/ rief hier der Herzog von Wellington. „Es ist mir kieb‘/, fuhr Lord Stanhope fort, „daß der edle Herzog es verneint, nichts destoweniger glaube ih jedoch, wird man zugeben müs- sen, daß das leßte CEinfommen um 1,300,000 Pfd. geringer gewesen sey, als das frühere.“ Seit drei Wochen müßten ich Übrigens die so bestimmt ausgesprochenen Hofssnungen, daß der Zustand des Landes bald besser werden dürfte, schon sehr vermindert haben ; die öffentlichen Einnahmen, besonders die Accise, hätten seitdem ebenfalls wieder abgenommen. Das Land befinde sich jeßt in einer úblern und, gefährlichern Lage, als zur Zeit der Französischen Revolution; ein National- Bankerott, gänzlihe Desorganisation ünd Auflôsung dro- heten demselben; nichts sey demnach dringender, als eine bal- dige Untersuchung, um auf diese Weise wo möglich Mittel aufzufinden, dem Uebel zu steuern. Dem Vorschlage ent- gegen erklärte sih zuerst Viscount Goderich. Sey auch, sagte er, was er jeßt thue, etwas Unpopulaires, da es nicht sowohl ihm, als einem Mitgliede der Regierung zufkomme, sich zuerst zu" opponiren, so müsse er doch, ehe das Haus zu weiterer Ueberlegung chreite, seine bereits früher gehabte und durch den Vortrag des edlen Lords nur bestätigte

Meinung vöôn der Unzweckmäßigkeit der vorgeschlagenen Un-

tersuchung abgeben. Wider den Antrag spreche schon der Umstand, daß der Antragende weder eine Ursache des“ vor- handenen Nothständes, noch ein Mittel zur Abhülfe anzuge- ben gewußt. Ein- Ausschuß des ganzen Hauses, wo die Ge- genstände nur ganz-im Allgemeinen behandelt werden können,

schusses, oder des ganzen in einen Ausschuß vek

sey auch gar nicht der rechte Weg, um recht genaü in die

Sache einzugehen. Der Redner suchte darauf für den ge-

genwärtigen Nothstand des Landes einige Ursachen aufzufin- den. England, sagte er, habe sich eben so, wie fast jedes an- dere Land in Europa, während der vorangegangenen 25 Jahre in einem künstlichen Zustande befunden, der, da er einmal aufhören mußte, -hierdurch bei allen Klassen eine Umwälzung hervorgebracht habe. Die hohen Preise, welche alle Gegen- stände während jener Zeit erreicht, hätten, auf einen natür- lichen Standpunft zurücffehrend, Vielen unerwartet kommen und dadurch üble Folgen nach sich ziehen müssen. Die Ein- führung der Metall-Valuta unter zweien Uebeln das fklei- nere und nothwendige hätte, wie auch davon erwartet worden, ebenfalls manche unangenehme Folge gehabt. Der Lord ertheilte sodann den Rath, immer fo viel Gold im Lande cirfuliren zu lassen, daß der auswärtige Cours dadurch feine wesentliche Veränderung erleide, ferner, dem Bank-Systeme eine größere Ausdehnung zu verleihen. Jn Bezug auf die Herabseßung der Steuern sagte er, daß er früher , als Mitglied der Regierung, 9 Millionen Pfd. an Steuern in einem Jahre zur Reduction vorgeschlagen habe. Wäre die Comsumtion immer dieselbe geblieben, so würde der Staat auch wirklich diese 9 Millionen weniger an Einnahmen. erhaltan haben, al- lein diese habe sich so vermehrt, daß in jenem Jahre (1827) die Einnahme nur 3 Millionen weniger, als im vorigen be- tragen habe. Er brachte darauf mehrere neue Steuer:Er- nfedrigungen in Anregung; namentlich, sagte er,- sey die Steuer vom Hopfen etwas ganz Unstatthaftes, denn eben so gut fönnte man von den Birnen und Aepfein die noch am Baume hängen, eine Steuer fordern ; eben so sey die Steuer, die man von inländischen bedruckten Baurmwollen-Waaren be- ziehe, und die zur größten Theile wieder zu Rückzöllen bei der Ausfuhr verwandt werde, abzuschassen. Die Steuer vom Le- der, von Kohlen und Bier empfahl der Lord ebenfalls zu er- mäßigen. Schließlich sprach er die - besten Hoffnungen in Bezug auf Jrland aus, von dem er erwartete, daß es bald, in -einen blühenderen Zustand verseßt, einen größeren Theil der gemeinschaftlichen Staats - Ausgaben werde tragen

helfen. -— Der Herzog v. Richmond: unterstüßte den An?

trag des Grafen von Stanhope und sprach sich dabei sehr bitter gegen das Ministerium aus. Er citirte, eben so wie der Antragende, grausenerregende Beispiele von dem Elénde unter den Landleuten, deren Noth blos deshalb nicht von den Ministern berúcksithtigt werde, weil sie feinen Lärm machten, um das Parlament in Furcht zu jagen.— Der Redner forderte na- mentlich die Bank der Bischöfe auf, für den Vorschlag des Grafen von Scanhope zu stimmen. Sie müßten, sagte er, von den Geistlichen in ihren Didöcesen .am- besten - vernommen haben, wie groß die Noth des Landes sey, und wie der sonst wohl- habende Landmann in der leßtenZeit zum Sklaven und Bett- ler erñiedrigt worden. Graf v. Roseberry erklärte, daß er, wiewohl eine zweckmäßige Untersuchung für wünschens- werth haltend, dem Vorschlage doch feine Unterstüßung lei- hen fônne, weil dieser, so wie er gemacht worden, weder aus- führbar tioch zweckmäßig sey. Graf von Eldon erhob sich hierauf und sagte: „Bereits früher würde ich die Gelegen- heit wahrgenommen haben, über die verschiedenen seit dem Beginn dieser Parlaments - Session zur Erwägung gekomme- nen Angelegenheiten meine - Meinung abzugeben, wenn ich nicht durch häusliche Angelegenheiten, über die ich mich wohl hier nicht zu erklären habe, daran verhindert worden wäre. Fch gestehe, daß ih nichts in meinem Leben so sehr bedaure, als den Umstand, daß ich bei der Eröffnungs -Sißung dieer Session nicht im “Parlamente erscheinen fonnte;- denn ich wúrde den Zustand des Landes von ‘einer ganz andern Seite geschildert haben, als wie ihn der Premier-Minister und seine Kollegen auffaßten. Es war mir unmöglich, zu glauben, daß dasjenige, was ich in den Zeitungen von den Erklärungen der Minister gelesen hatte, ganz richtig wiedergegeben sey; in- zwischen haben mir die übereinstimmenden Berichte verschie- dener Freunde jene Zeitungs - Méldungen bestätigt, . be- sonders rúfsichtlih des Umstandes, daß die Landes- Noth blos partiell und temporair sey, und der üblen Witterung, so wie solchen andern Ursachen, zugeschrie- ben werden músse, die außerhalb der geseßlichen Kot: trolle liegen.‘ Seltsam, fuhr der Lord fort , sey -es aber, daß dié Minister von „solchen anderen Ursachen“ redeten - ohne dem Parlamente zu gestatten, sich wirklich von der Un- möglichkeit aller Abhülfsmittel zu überführen. Ein andfreo Mittel, um zu dieser Ueberzeugung zu gelangen, n es aver

eben nicht, als eine Untersuchung, entweder eines be ondern Aus- Y wandelten

Beilage

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DIENE A P E Ó a T AE E B. c I I S 7 E B A; Ae E R O C IE e RE r A F

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S R B P. R E PISE R E T P E E

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485 | Beilage zur Allgemeinen Preußischen Staats-Zeitung Æ 67.

CIIEDSSST S RET R RT T PSSTENTR T T

auses. “Der Lord sagte, es sey unter Anderm (von Lord | eben so sehr ab, als ein fürzlih' ihm vorgekommenes orienta-

Roseberry) angeführt worden, daß die Uebervölkerung eine von den falen a Noth sey, und fragte, ob diese etwa zu deten gehdre, die außerhalb der legislativen Kontrolle lÂ- gen. Keinesweges sey er auch der Me.nung, daß eine Ne- vision und - abertnafige Aenderung der Landes-Valuta etwas

so Gefährlichés sey, wie ‘es die Minister geschildert hätten. Die |

aus dreißigjähriger Kriegführung hervorgegangenen Uebel fönn- ten freilich, wie er besorge, nie ganz beseitigt werden, doch sicherlich dürfté man sie lindern fônnen, wenn man ste genauer unter] uchte.— Der Herzog v. Wellington nahm hierauf das Wort und machte zunächst dem Grafen von Stanhope den Vorwurf, daß er in einen Vortrag viele Persönlichkeiten auf ihn (den Herzog) habe einfließen lasseu. Anch er séy von der Noth der Ackerbautreibenden überzeugt, allein um eine Untersuchung zu veranlassen, sey essúblich, auch vorher zu bestimmen, voelche Maaßregeln man dadurch zu erreichen bezwecte. Wenn nun etwa der edle Graf eine Abschaffung oder Aenderung der Korn-Geseze vorzuschlagen beabsichtige, jo muüjje er (der Her- zog) im Voraus erklären, -daß er sich widerjezen würde ;

denn die Korn-Geseße könnten ohne Nachtheil fúr das Land nicht geändert werden. Die bestehen-

den Vorschriften hätten ganz den von ihnen erwarteten Er- folg gehabt, indem sie eine allzugroße Steigerung der Ge- treide: Preise verhindert hätten, während zugleich der Land- mann dadurch in den Stand gesest worden sey, einen seiner Arbeit einigermaßen gleichkommenden Lohn zu erhalten. Im zweiten Jahre, nachdem das gegenwärtige Geje6 in Kraft ge- creten, Fey mezr als jemals Getreide eingeführt worden : nâmlich an 5 Millionen Qx., wovon die Hälste aus Jrland, und doch sey der Preis in-England nicht unter den Aaaß- stab gewichen, der nothwéndig sey, um dem Britischen Acker-

-Bauer ein angemessenes Entgeld zu sichern. Von anderen

Artikeln des Landbaues und der Viehzucht, namentlich dem Bauholze und dem Fleische, lasse sich sagen, daß fie jeßt noch eben so hoch im Preise seyen, als in den-theuersten Zeiten, da die Steuern alle noch viel hbher gewesen (Nein, nein: rufen Einige). Wetzn dies also, was er zu beweisen bereit wäre, der Fall jey, was fônne der edle Graf noch zur Erleichterung der Ackerbautrei- benden vorschlagen? Keinesweges habe die Thronrede aus-

\{chlieglih der schlerthten Witterung die Ursache der Laudesnoth beigemessen; unstreitig sey dieselbe unter der Manufakturisten -

durch die von DampfÄäaschinen unterstüßte zu starïe Pro-

duction mit hervorgerufen worden. „Um,“ fuhr der Her- |

zog fort, „von uünjerm gegenwärtigen Zutande cine richtige Ansicht zu erhalten, ist esnothwendig, auf den Zustand Eng- lands bei Beendigung des Kontinental- Krieges in den J. 1814 und 1815 zurúcfzubliken. Europa war 39 Fahre lang

‘der Kampfplalz für streitende Armeen gewesen; cin König- ‘reich’ nach dem andern wurde zur Militair-Macht nmgeschaf-

fen, und nur an neue Arnicen, so wie an die Mittel zur Sr: haltung derselben, founte man denken. Als eidlich der Friede

‘nach langem Zwischenraume eintrat, wandten natürlich dite

Einwohner aller jener Staaten ihre gleichzeitigen Bestrebun- gen und Kräfte dahin, ihre gesellschaftlichen Zustände zu ver- bessern, und Manufakturen wurden überall errichtet. Eine unvermeidliche Folge bavon mußte ein Weichen aller Fabrik- waaren - Preise seyn; wie- sehr dieje gêwichen, wird man un- ter Anderem aus folgenden Beispielen ersehen können: Im J. 1814 hat die Baumwolle in Eng!and 2 Sh. 2 P., mit dem Zoil 2 Sh. 4D. gegolten ; im J. 1817 konnte man fle zu 1 Sh. 3P. und im J. 1829 zu 6 P. haben! Seide ist seit 1814 von 1 Pfd. 19 Sh (mit dem Zoll) auf 8 Shill, 11 P. gewichen; Spanische Schaafwolle von 8 Shill. 2 P. auf 2 Shill. ‘4 P. Dies sind“ unstreitig Dinge, die außerhalb der parlamentarischen Kontrolle licgen und denen kein Geseßgeber abhelfen kann.“/ Der Minister machte darauf noch andere Beispiele von gesunkenen Preisen namentlich und fragte die Lords anf der Oppositionsseite, ob ‘sie hier gegen ein Mittel wüßten? „„Wozu also das Cinschreiten des Parlamentes, wenn damit nichts Gutes bewirkt werden kann?“ Ein Comité des ganzen Hau- ses würde rein zu gar nichts führen. (Wegen Mangels an Raum mússen wir uns vorbehalten , aus der Rede des Herzogs von Wellington noch Einiges mitzutheilen.)

achdem auch noch der Marquis v. Salisbury und Graf v. Radnor für -den Vorschlag des Grafen Stanhope sich ausgesprochen hatten; erhob sich der Marquis v. Lans- dówne dagegen. Der Antrag, sagte er, würde seinen herzlichen Beistand haben, wenn er wüßte, t dadurch der Zweck eiuer Untersuchung zu erreichen sey. ine Untersu- chung aber, die von dem ganzen Hause ausgehe, .schrecke ihn

lisches Buch, das den Titel führte: „Das Meer vyon fkâm- pfenden Wellen.// Ein solches Meer scheine ihm auch das Haus, wenn es si{ch mit seinen Widersprüchen, kleinen und großen Zänkereien in eine Untersuchung der Ursachen von dem gegenwärtigen Zustande des Landes einlassen wolle. Wenn er inzwischen gegen diese Foëm sey, so mißbillige er doch kei- nesweges auch alles das, was im Laufe der heutigen Debatte gegen die Minister ausgesprochen worden. Es habe sich viel Begrúündetes dabei gefunden, das eine ruhige, ernste Crwä-

gung erhcische. Zunächst aber und vor Allem müsse man den

Zustand der niederen arbeitenden Klassen zu verbessern #u- chen. Der Grund alles Uebels, sagte der Marquis wei- terhin, - seyen die Anlehen ‘und Geld-Geschäfte, weiche die Regierung früher gemacht und, wicwohl durch ten üblen Erfolg gewarnt, immer noch fortgefeßt habe. Da man, wiewohl sie lästig und drückend seyen, die in dieser Hinsicht eingeggugenen Verpflichtungen immer streng erfülle müsse, so sey das einzige Mittel zur Abhülfe: Einschränkung anderer Art und Steuer-Erlaß. Wie der edle Herzog das Sinfen der Preise von rohen Materialien, wie Baumwolle u. \. w. als Ursache der Landesnoth habe anführen têönnen, sey ihm (dem Marquis) unbegreiflich; ein solches Sinken der Preise hâtte vielmehr dem einheimischen Fabrikanten noch mehr zu gut fommen müssen, um mit dem auswärtigen zu fonfurriren. Der Herzog von Wellington fiel hier dem

Redner ins Wort und bemerkte, er habe damit blos bervei-

sen wollen, daß auch das Ausland herunter gekommen sey, und daß der Fall der Waaren - Preife darin zum Theil seine Ursache zu suchen habe. Der Marquis von Lansdowne nahm wieder das Wort und berührte nun die Landes-Valuta. Er sey, sagte er, immer dafür gewesen, Silber und nicht Goid zum geseßlichen Circulations - Mittel zu“ machen, und zwar hauvtsächlich schon deshalb, weil es rwounschenswerth jey, daß- alle Nationen Europa’'s, eben so wie einerlei Maas und Gewicht, auch einerlei Werthmaas und Münz- fuß haben follten. Das Silber sey jeßt auch im Verhälc- nie zu Gold. in größeren Quantitäten vorhanden , als vor der Französischen Revolution, und verdiene daher die- jeu Vorzug um jo mehr; auch sey es bereits früher die courante Valuta des Landes gewesen. Es würde daher gut jeyn, zu untersuchen, in welchem Verhältnisse die beiden Me- talle jeßt in Amerika, oder úberhaupt auf der Erde, produzirt werden. Gegen das bestehende Bank-System sprach er ich ebenfalls aus, so wie für eine Herabseßung der Steuern. Das Einkommen, sagte er, würde sich bedeutend erhöhen,

wein man den Zoll von verschiedenen Artikel \o herabseßen rovllte, wie es bereits mit den Französischen Weinen gesche-

hen sey, die jest noch einmal so star? getrunken roerden, als srúher, und daher die Revenüe vermehren helfen. Als Arti- kel dieser Art bezeichnete er zunächst Hopfen, Malz und Zucker. Hebe man, sagte er schliezlich, nur die Judusftrie des Landes, \o brauche gar fein sinkender Fonds zu befchen, um den Kredit des Stgates und den Cours*der “Cfentiichen Papiere h2ch zu erhaiten. —* Lord King erkiärte si gegen den ursprünglichen Antrag, machte jedoch das Amen- dement, daß ein besonderes Komite ernannt werde, um den Zustand des Ackerbaues und der“ Manufakturen zu un- tersuchen und die Mittel zur Vergrößerung des auswärtigen Handels aufzufinden. Nachdem noch die Lords Bute, Wharncliffe und Darnley sich mit einigen Worten gegen dén Antrag sowohl als gegen das Atnendement ausgesprochen hatten, ngÿm Lord King das Lektere zurück. Es wurde darauf über den Antrag desGrafenStanhope abgestimmt. Dafür wären 15 gegenwärtige und“ 10 durch Vollmacht vertretene Stim- men; dagegen zeigten ‘sich 67 gegenwärtige und 51 durch

-Vollmacht vertretene Stimmen. "Der Antrag wurde mithin

durch eine Mehrheit von 93 Stimmen verworfén, worauf

das Haus sich um 25 Uhr Morgens vertagte. : London, 26. Febr. Vorgestern am“ Mittwoch war im

Unterhause eine kurze Sißung, in der. nichts Erhebliches vok-

fam. Eine von Herrn Lamb eingebrachte Bill, die in Bezug

auf dramatische Schriften bestehenden Gesetze zu ändern und zu verbessein, wurde zum ‘ersten Male verlesen (die Bill selbst, die vielleicht von Auterefsé ist, wird von un}eren Zeitungen nicht mitgetheilt). Gesteru fanden sich nicht Mitglieder enug im Unterhause zusammen, um ein Ballottement, Be- ufs Untersuchung der Parlaments-Wahl von. Cork, vorzu- nehmen (Es waren nur 73 Mitglieder anwejend, 100 hâtten aber zu jenem Behufe da seyn müssen.) Das Haus vertagte sich daher ohne Weiteres um 4 Uhr Nachmittags.